Querschnitte e.V. – Sitzend, Größe zeigen!
✍ Autor(en):
Jan Pfeiffer (2025)
Barrieren? Ach ja, die guten alten Hindernisse – geliebt von Städteplanern, gefürchtet von Rollstuhlfahrern. Für die einen bloß ein kleiner Absatz, für die anderen der Himalaya in Flipflops. Und während sich der durchschnittliche Fußgänger fragt, warum da plötzlich eine Rampe steht („War doch vorher auch schön“), fragen sich andere, wie zur Hölle sie heute überhaupt ins Café kommen sollen.
Querschnitte e.V. aus Mensfelden hatte schließlich genug vom täglichen Hürdenlauf durchs Leben und startete 2018 den vermutlich ersten Sitzstreik, bei dem wirklich etwas bewegt wurde. Seitdem zeigen sie, wie man sitzend mehr bewegt als so mancher im Dauerlauf – mit einer Mischung aus Galgenhumor, Kampfgeist und der ruhigen Überzeugung, dass Inklusion keine Bitte, sondern eine Pflicht ist.
Ob als Mitglied im Behindertenbeirat der Stadt Limburg, als Teil des Inklusionskraftwerks Hessen oder mitten im Alltag: Querschnitte e.V. legt die Finger auf die wunden Stellen – freundlich, aber so deutlich, dass selbst die dickste Behörde irgendwann die Ohren spitzt. Wer denkt, Barrierefreiheit sei ein Bonus für eine Randgruppe, wird hier schneller eines Besseren belehrt als ein Marathonläufer ohne Schuhe.
Und sie machen mehr als nur aufmerksam: Mit ihrer Peer-Beratung stehen sie frisch Verletzten und Neu-Behinderten zur Seite, wenn der Boden unter den Füßen (oder Rädern) wegbricht. Keine labbrigen Motivationssprüche, sondern echte Tipps von echten Menschen, die wissen, wie der Hase (oder eben der Rollstuhl) läuft.
Und falls einem nach dem Unfall der Weg durch das Labyrinth der Berufsgenossenschaften und Versorgungsämter schwerer fällt als der erste Spaziergang nach dem Absturz, hat Querschnitte das perfekte Survival-Kit parat: Formulare, Kontakte und manchmal auch einfach ein guter, schmutziger Witz zur rechten Zeit.
Ihr Netzwerk ist groß und wächst weiter: Schulen, Architekturbüros, Kommunen, Kindergärten, Firmen, Kostenträger, Therapeuten – überall da, wo jemand fragt, wie man Barrieren abbaut, hat Querschnitte meistens schon das passende Werkzeug bereit. Und wenn nicht, dann wird kurzerhand eins erfunden. Improvisation ist schließlich das, was uns von Statuen unterscheidet.
Hier geht es nicht um Betroffenheit auf Bestellung, sondern um echte Teilhabe. Wer mit Querschnitte e.V. in Kontakt kommt, geht selten unverändert davon. Vielleicht hinkt man nach einem Hindernisparcours ein bisschen innerlich. Vielleicht lacht man über sich selbst. Und vielleicht merkt man plötzlich, dass Inklusion keine Wohltätigkeit ist, sondern schlicht gesunder Menschenverstand.
Sitzend, Größe zeigen – das ist bei Querschnitte e.V. nicht bloß Mut, sondern eine Liebeserklärung ans Leben mit Macken. Treppen kann man umbauen. Türen kann man verbreitern. Aber die dicksten, hässlichsten Barrieren? Die stehen völlig unsichtbar in unseren Köpfen. Und genau da bohrt Querschnitte e.V. nach – manchmal charmant, manchmal schmerzhaft. Aber immer genau richtig.
Weitere Informationen gibt es unter: www.querschnitte-ev.com
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