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Der Heilbrunnen zu Mensfelden

Autor(en):
Walter Schwenk (1975)


Wie aus mehreren Berichten aus dem Jahre 1692 hervorgeht, war im Mensfelder Territorium unter dem hiesigen Fürstl. Nassau-diezischen Zollhaus, mitten im Weg nach Limburg, auch benannt untig dem Mensfelder Kopf, ein Heilbrunnen (Mineralbrunnen). Dieser Heilbrunnen auch Gesundbrunnen genannt, hat jahrelang, angeblich seit 1678, den armen, kranken und schwachen Menschen als Erquickung gedient. Am 5. Januar 1692 wurde dieser Brunnen von dem Chur-Trierer und Waldeckischen Schultheiß Anthon Pretting in Mensfelden auf Anordnung des Amtmanns Freiherr von Hohenfeld von 14 Männern aus Mensfelden zugeworfen, damit das Wasser nicht mehr geholt und genossen werden könnte. Jedem war vorher, falls er nicht erscheinen sollte, 10 Gulden Strafe angedroht worden. Der oranische Schultheiß Johann Jakob Preußer erhielt von Diez die Order, die Übeltäter nach Diez zur Bestrafung zu bestellen, doch auf Anordnung des Amtmanns Freiherr von Hohenfeld erschienen sie nicht in Diez. Schließlich hat der Flachter Schultheiß auf seine Verantwortung den Brunnen wieder in Ordnung bringen lassen. Doch der Amtmann Freiherr von Hohenfeld gab abermals 18 kurtrierischen Männern unter Androhung hoher Strafe den Befehl, den Brunnen wieder zuzuwerfen. Hier ist in dem Bericht ausdrücklich erwähnt, dass sie gegen ihren eigenen Willen handeln mussten.

Es gibt verschiedene Gründe für diese frevelhafte Tat. An dem neuen Heilbrunnen ließ Nassau-Diez, dass die Landeshoheit in der ganzen Gemarkung beanspruchte, eine Geldabgabe erheben. Dies war den anderen Ortsherren von Mensfelden ärgerlich, da sie darin eine Erweiterung der Nassau-Diezer Rechte sahen.

Ein zweiter Grund war sicher, dass Kurtrier eine Konkurrenz für die ertragreiche Mineralquelle in Niederselters befürchtete. Wilhelm Lothar Freiherr von Hohenfeld, (1650 - + 1710) war damals gleichzeitig kurtrierischer Amtmann in Limburg, Villmar und Camberg. Er hatte im Amt Camberg, das je zur Hälfte Kurtrier und Nassau-Diez gehörte, die kurtrierischen Interessen zu vertreten, was, wie so oft in Gemeinschaften, immer wieder zu Reibereien führte. Sein Vater, Achatius Freiherr von Hohenfeld, der als Glaubensflüchtling aus Österreich gekommen war, hatte lange im Dienst von Nassau-Diez gestanden und hier reichen Besitz gewonnen, von dem nur der Amtshof in Camberg, die Höfe Hausen und Blumenrod und Höfe in Heringen und Neesbach genannt seien. Er war dann katholisch geworden und auch in Dienst von Kurtrier getreten. Von Nassau-Diez aus waren Vorwürfe gemacht worden, dass er mehr seinen eigenen Vorteil als den des Dienstherren gesucht hatte. So war das Verhältnis des Sohnes zu Nassau-Diez getrübt. Dazu kam als Hauptstreitpunkt zwischen Kurtrier und Nassau-Diez die überaus ertragreiche Mineralquelle von Niederselters. Nach den alten Verträgen war dort der Emsbach zwar die Hoheitsgrenze zwischen Kurtrier und Nassau-Diez. Kurtrier hatte jedoch ganz die Nutzung des Brunnens an sich gezogen, den Nassau-Diez ihm mehrfach vergebens zu entreißen versuchte. Als Opfer dieses Streites wurde der Heilbrunnen von Mensfelden wieder zugeschüttet.

heilbrunnen.jpg
Dokument: Passierschein für Frantz Muth, Quelle:

Transkription: Passierschein

Von Gottes Gnaden / Wir Ernst / Landgraf

zu Hessen / Fürst zu Hersfeld, Graf zu Catzenelnbogen, Diez,

Ziegenhäin / Nidda und Schauenburg.

Demnach Vorweiser dieses Frantz Muth für drey

Personen auff hiesiger Fürstlich Residents

nach dem bey Limburg erfunden Heilbrunnen um

vonselbigem Waßer anhero zu bringen geschickt wird

Als ersuchen Wir aller Orts Obrigkeit / Kriegs-Officiers / Soldaten /

und männiglichen vorgesagten Frantz Muth

nicht allein allenthalben frey / sicher und ungehindert pahr- undt repassiren zu lassen /

sondern auch allen guten Willen und Beförderung zu erweisen. Welches Wir dann gegen

jetwerdern nach Stands-Gebühr hinwiederum zu verschulden und zu erkennen gans erbietig

verbleiben, Geben in unserer Veste und Residens Rheinfels den 28ten February 1692

Auf Fürstlich Heißen

Rheinfelßischer Commerschreibern