Mensfelder Kirmes
✍ Autor(en): Claudia von Mrozek (2025)\\David Diefenbach (2025)
Einige kennen sie, die Nassauischen Annalen. In dieser laufenden Aufsatzserie zur Nassauischen Geschichte findet sich im 84. Band aus dem Jahre 1973 folgender Satz: „Von dem seit 1469 gut bezeugten Kirchweihtag, dem Sonntag nach St. Peterstag ad vincula, her, darf man vermuten, dass die Kirche St.Peter geweiht war.“
Seitdem wird in Mensfelden die Kirchweih gefeiert, aus der sich später die Kiäb und unsere heutige Kirmes entwickelte. Gefeiert wurde früher in allen ortsansässigen Gaststätten, und bereits um 1700 wird in alten Akten zur Bewirtschaftung des Zollhauses von einer Schlägerei an der Kirmes berichtet.
Auch gibt es einen Bericht aus dem Jahre 1705, damals war es aufgrund des Todes von Kaiser Leopold am 5. Mai 1705 verboten Tanzveranstaltungen mit fröhlicher Musik abzuhalten. Doch die Mensfelder hielten sich nicht daran und luden trotz Verbot einige umherziehenden Spielleute zu sich ein. Hier wird vor allem eine Veranstaltung in Völkers Scheune erwähnt, wo sich viele Mensfelder zum Tanzen und Brandwein trinken trafen. Zuvor hatten verschiedene Bürger bei den Schultheißen und beim Pfarrer angefragt ob sie die Kirmes abhalten dürfen, was Ihnen von diesen verweigert worden war, dem zufolge kam es zu einer Beschwerde des Herrn von Hohenfeld zu Camberg.
Zu Kriegszeiten wurde es allerdings auch in Mensfelden ruhig. Bereits im Ersten Weltkrieg waren das sogenannte Abhalten öffentlicher Tanzlustbarkeiten und Vergnügungen verboten. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden im Herbst 1939 erneut öffentliche Tanzveranstaltungen verboten und ein „Tanzverbot“ verhängt. So wurde erst im Oktober 1946 in Mensfelden wieder Kirmes gefeiert. Mit dem festlich geschmückten Leiterwagen zog die Gesellschaft durch den Ort, und eine Kapelle, die auf dem Wagen mitfuhr, sorgte für musikalische Begleitung.
Foto: Der „Club der Weiberfeinde“: die Kirmesgesellschaft 1926 „Neubeck“]Foto: Der „Club der Weiberfeinde“: die Kirmesgesellschaft 1926 „Neubeck“- vermutlich in Anlehnung an die Gaststätte Neubeck, damals zu finden in der Unterstraße.
Foto: Der „Klub Fidelio“: Die Kirmesburschen 1946]Foto: Der „Klub Fidelio“: Die Kirmesburschen 1946 in der damaligen Mittelstraße (heutige Sonntagsstraße). Links im Hintergrund die Post, heute Backhausstraße 1
Kirmes ab 1950
In den 1950er Jahren wurden dann die ersten Kirmesbäume gestellt - allerdings zunächst durch die Wirte selbst. Wann die ersten Kirmesburschen in Mensfelden einen Baum stellten, gilt an dieser Stelle noch herauszufinden, hier sind sich bisher alle befragten Miesfeller noch nicht ganz einig. Dass es sich hierbei um eine Tradition handelt, die heute nicht mehr wegzudenken ist, ist allerdings unumstritten. In den letzten Jahren wurde Rekord um Rekord gebrochen, im Jahre 2014 maß der Baum sogar stolze 30 Meter - und musste dann nach Protesten gekappt und über eine Baumversicherung noch einmal zusätzlich abgesichert werden. Mittlerweile ist das Maß auf 21 Meter beschränkt - der Kirmesbaum würde sonst vermutlich den Windrädern Konkurrenz machen.
Von einer Kirmesverlosung wird schon 1959 berichtet, damals wurden 1000 Lose verkauft zu einem Preis von 0,20 Deutsche Mark. Auch damals wurde schon ein Hammel verlost, allerdings endete der Hammel in früheren Jahren noch nicht auf dem Teller, sondern zunächst beim Gewinner. Manch einer bekam den Hammel von den Kirmesburschen auch direkt durch die Haustür, über die Treppe und schnurgerade ins Wohnzimmer gebracht. Nach einem mehr oder weniger kurzen Aufenthalt bei den jeweiligen Gewinnern wurde der Hammel meist aber zum Schäfer und seiner Herde zurückgeführt. Beim Umzug sollte der Hammel nicht mitgeführt werden, dazu ist in der Genehmigung von 1959 folgender Hinweis zu finden „Wir bitten darauf zu achten, daß der zur Verlosung kommende Hammel nicht im Festzug oder von Haus zu Haus mitgeführt wird.“
In den 1960er Jahren feierte man am Samstag die „Männerkirmes“ - die Frauen und Mädchen blieben der Erzählung nach zu Hause, die Männer feierten alleine, und tags darauf mussten sich die Damen dann zuhauf um die leidenden Männer kümmern. Sonntags feierte die Jugend im damaligen Gasthaus Klapper (vielen noch bekannt als „Tiroler Hof“ oder „Foike‘s“, heute „Miesfeller Hopp“) und montags im Gasthaus „Zum Taunus“ (ehem. Gast. Neubeck, Kröller, Zachau) in der Unterstraße. Die ältere Generation feierte genau umgekehrt Sonntags bei „Kröllersch“ und montags bei „Klappersch“.
Kirmesmädchen, wie wir sie heute kennen, gab es damals übrigens noch keine - der eine oder andere brachte zwar seine Herzdame bzw. auserwählte Begleiterin mit. Ab wann es die ersten „richtigen“ Kirmesmädchen gab weiß man nicht genau.
Oft kam es zu Ereignissen, an die man sich auch noch viele Jahre später erinnert. Besonders ist hier ein Vorfall aus dem Jahr 1992 zu erwähnen, am Kirmessamstag kletterten zwei der Kirmesburschen zur vorgeschrittener Stunde auf das Dach der damaligen Turnhalle. Darunter auch Christoph Fischer, welcher sich auf dem Schornstein setzte. Als die beiden wieder in die Halle gehen wollten, sprang Christoph herab. Leider hielt das Dach nicht und Christoph wählte den kürzeren Weg in die Halle. Auch wenn er sich nach dem Sprung wieder aufrappelte, wurde er danach vorsichtshalber ins Krankenhaus gefahren. Zum Glück gab es keine bleibenden Verletzungen. Demzufolge wurde der Kirmesschrei in diesem Jahr leicht abgeändert: „Und wenn die Fischers vom Himmel falle, die Miesfeller Kirmes wird doch gehalle“
Ende der 90er kam die Kirmes ein wenig zum Erliegen, zwar hielten die Mensfelder Sportvereine und Gaststätten die Tradition noch lange hoch, allerdings gab es viele Jahre, in denen es keine Kirmesjahrgänge mehr gab. So hielt im Jahre 1997 Matthias „Tex“ Lange das Zepter der Kirmes hoch und bestritt die Rolle als ein Mann Kirmesbursche. Zur Jahrtausendwende fanden sich dann noch einige junge Mensfelder zusammen und konnten so 2000 und 2001 wieder einen Jahrgang stellen.
Kirmes seit 2004
Die Kirmesburschen und -mädchen des Jahrgangs 2004/2005 beendeten diese Ära im Jahr 2004. Seitdem gab es ununterbrochen einen Kirmesjahrgang. Anfangs gab es noch einige Anlaufschwierigkeiten. So hatte man 2004 eine Band engagiert, die das Einmarschlied „Kirmesbursch san lustge Brüder“ nicht spielen konnte. Doch in diesen Jahren wurden viele neue Traditionen geprägt. Auch wurde 2004 eingeführt, dass die Kirmesmädchen ein Wappen auf ihrem Kirmeshemd tragen durften. Dies wurde dann auch von den Nachbarorten der Gemeinde übernommen.
Wann die erste Kirmesbeerdigung abgehalten wurde, ist nicht bekannt. Hierbei wird eine Strohpuppe gebaut und am Kirmesmontag, dem letzten Kirmestag, verbrannt. Ab 2004 gab es dann eine kleine Prozession mit Fackeln und Sarg, in dem die Puppe zu Grabe getragen wurde. Anschließend wird noch eine kleine Rede gehalten, in der das Kirmesjahr noch einmal rückblickend betrachtet und allen Beteiligten gedankt wird.
Die folgenden Jahre sind von einem großen Umschwung geprägt. Im Jahr 2009 wurde die alte Turnhalle des TuS Mensfelden abgerissen, was zur Folge hatte, dass die Kirmes zwei Jahre lang in der Halle des TV Jahn stattfand. Ab 2011 war die neue Halle dann fertiggestellt. Der TV Jahn, der bis dahin immer den Kirmesfreitag veranstaltet hatte, gab die Veranstaltung ab. So wurden zwei neue Vereine gegründet, die das Bild der heutigen Kirmes sehr geprägt haben: Dies sind ab 2011 der Verein „Zukunft und Kultur Mensfelden“ und ab 2013 der „Verein für angewandte Lebensfreude“.
Ab 2011 gab es auch das erste Kirmesheft, auch wenn man die ersten paar Ausgaben eher als Faltblatt beschreiben könnte. In diesem Jahr fand dann auch der erste Rockabend am Freitagabend in der neuen Halle statt. Dabei konnten in den kommenden Jahren einige musikalische Größen nach Mensfelden gebracht werden. Hier sind vor allem die „Dorfrocker“ im Jahr 2016 und die „Rodgau Monotones“ im Jahr 2023 zu erwähnen.
Weiterhin zu erwähnen sind die Fassbierspenden, wodurch es möglich war, am Kirmesmontag günstige Getränke auszuschenken, die Verlosung des Kirmesbaumes als Sonderpreis, sowie die Wiedereinführung des Kirmesschnitzels ab 2013 und dann ab 2016 durch den Verein für angewandte Lebensfreude.
No comments to display
No comments to display