Die Tankstelle in Mensfelden
✍ Autor(en): Gerion Weber (2025)
Am 10. September 1953 wurde in Mensfelden die Genehmigung zum Betrieb einer DEA Tankstelle in der ehemaligen Neustraße, heute Hehnerstraße 6, erteilt. Dahinter standen Toni und Richard Schumacher.
Vor der Eröffnung der Tankstelle hatte an diesem Platz bereits eine Viehwaage ihren Dienst getan. Diese blieb auch weiterhin in Betrieb, um Schweine und Großvieh vor dem Verkauf an den Metzger zu wiegen.
Die Zapfsäule stand direkt an der Hauswand, und so fuhr man mit dem Wagen praktisch auf den Bürgersteig um zu tanken. Einfach und unkompliziert, wie es damals oft der Fall war. Die Tankstelle umfasste einen kleinen Verkaufsraum, eine Werkstatt mit Montagegrube - in der man im Stehen unter den Fahrzeugen arbeiten konnte - sowie ein kleines Lager.
Die Einwohner Mensfeldens und die ansässigen Betriebe nahmen das Angebot gerne an, direkt im Ort zu tanken. Besonders praktisch war auch die Möglichkeit „anschreiben“ zu lassen und monatlich abzurechnen. Bald kamen auch die Bewohner aus dem benachbarten Nauheim zum tanken. Das Benzin wurde regelmäßig von der Firma Schwarz aus Diez mit einem Tanklastzug angeliefert. Neben dem Tanken konnten die Dorfbewohner auch Reparaturen an Autos, Mopeds und Fahrrädern durchführen lassen. Hierbei kam Richard Schumacher seine Erfahrung als Automechaniker zugute, die er unter anderem in seiner Tätigkeit beim Autohaus Möbus in Limburg gesammelt hatte.
Auch die Dorfjugend war regelmäßig dort. Mit ihren Mopeds kamen sie zum Luft pumpen, zum Besorgen von Ersatzteilen oder um den zugesetzten Auspuff auszubrennen. Natürlich wurde auch getankt, denn hier gab es die 1:50- und 1:25-Mischungen für die Zweitaktmotoren. Im Jahr 1968 wurde die Tankstelle um eine Waschhalle mit Hebebühne erweitert, ein großer Schritt für die Reparaturarbeiten und eine spürbare Erleichterung beim Wechseln der Sommer- und Winterräder. Bald wurde zusätzlich ein Autowaschservice angeboten. Bei Toni und ihrer Tochter Doris gab es Handwäsche, Aussaugen und Innenraumreinigung für kleines Geld.
Anfang der 1970er-Jahren ging die DEA in den Besitz von Texaco über, doch Ende der 1980er-Jahre kehrte sie wieder unter dem alten Namen DEA zurück. Mit der Umstellung der Marke kam auch eine Farbänderung – von grün zu rot. Im Jahr 1982 wurde ein neuer Tank eingebaut, der den modernen Standards entsprach und das Angebot an Kraftstoffen erweiterte. Nun gab es auch zwei Zapfsäulen.
Wer Kleinteile für sein Fahrrad oder Moped suchte, fand sie bei Richard, was nicht vorrätig war, konnte bestellt werden. Im kleinen Laden gab es zudem Eis von der Firma Schöller, das aus einer großen Truhe verkauft wurde. Außen an der Hauswand hing ein Zigarettenautomat der Firma Weber und auch ein Kaugummi Automat.
Richard Schumacher war bekannt für seinen kreativen und humorvollen Umgang mit den Preisen, was einige Kunden zunächst stutzen ließ. Mal kostete das Tanken „1.000 Mark“, eine Reparatur „3.000 Mark“ oder ein neuer Bremszug fürs Fahrrad „100 Mark“, aber nur zum Spaß, denn das waren natürlich nicht die tatsächlichen Preise. Viele erinnern sich noch mit einem Schmunzeln daran.
Über all die Jahre hinweg blieb die Tankstelle vor allem eines: ein lebendiger Ort, an dem sich Arbeit, Geschichten und der Alltag der Dorfgemeinschaft kreuzten. Anfang der 1990er-Jahre musste die Tankstelle schließlich aus gesundheitlichen Gründen geschlossen werden. Der alte Dorfname „Zimmerhannes“ jedoch lebt weiter. Heute wird er vom Enkel Gerion Weber und der Urenkelin Lina Marie Weber getragen.
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