Obst- und Gartenbauverein
✍ Autor(en):
Wilhelm Nilges, 1. Vorsitzender (1975)
Karl-Heinz Geisel, 1. Vorsitzender (2000)
Gerd Hasselbach (2025)
Obst- und Gartenbauvereins Mensfelden (bis 1982)
Der Verein wurde vermutlich 1898 gegründet. Ein Protokoll von 1938 erwähnt eine Ehrenurkunde für 40-jährige Mitgliedschaft im Landesverein. Initiator war Kreisgärtner Karl Deußer, erster Vorsitzender Lehrer Neuschäfer . Frühere Aktivitäten umfassten Pflanzversuche, Samenerprobung, Obstveredelung und Teilnahme an Ausstellungen (1905–1908).
Die geplante Bepflanzung des Klingerkopfs wurde 1912 aufgegeben; stattdessen wurden die Auerberge mit Obstbäumen bepflanzt.
1912 übernahm Lehrer Bernhard den Vorsitz. Im selben Jahr entstand die Ruheanlage „Kursistenruhe“. Während des Ersten Weltkriegs ruhte die Vereinsarbeit größtenteils.
Am 1. März 1919, nach dem Ende des Krieges, fand dann wieder eine erste Generalversammlung im Gasthaus Neubeck statt, ein Zeichen, dass ein starkes Interesse an dem Verein und seiner Arbeit bestand. Hier das erste Protokoll der Generalversammlung:
„Nachdem der furchtbare Weltkrieg sein, von der ganzen Menschheit heißersehntes, jedoch für uns Deutsche so tragisches Ende genommen, und die ersten Wellen der Revolution verflutet waren, tagt zum ersten Mal wieder unsere Generalversammlung bei Herrn Gastwirt Neubeck. Zu Beginn der Versammlung ergreift der Baumwärter Karl Kees das Wort, indem er besonders unseres ehemaligen Vorsitzenden Lehrer Bernhard gedenkt, der aus der Blüte seiner Jahre herausgerissen, sein Leben auf dem Schlachtfeld lassen musste. Sein hohes Verdienst anerkennend, ehrt die Versammlung das Andenken des Gefallenen durch Erheben von den Sitzen. Desgleichen geschieht zum Andenken des Gefallenen Wilhelm Lieber. gez. Albert Schumann, Schriftführer“
Im Jahre 1920 übernimmt Lehrer Leukel den Vorsitz. Die Kursistenruhe, die während des Krieges nicht ordentlich gepflegt wurde, wird wieder in Ordnung gebracht. Sie wird eingezäunt. Das Holz stellt die Gemeinde, und der Verein übernimmt alle anderen Kosten.
Die erste Obstausstellung des Kreises in Limburg wurde auch von Mitgliedern des Vereins beschickt.
Ab 1929 lieferte der Verein Obst an den Eisenbahnerverein Altenhunden und die Kelterei Ebel in Holzheim. Bis zum Ersten Weltkrieg boten die Märkte in Limburg und Diez gute Absatzmöglichkeiten, Obst war eine wichtige Einnahmequelle. Während des Zweiten Weltkriegs kam die Vereinstätigkeit zum Erliegen. Am 8. Februar 1947 wurde der Verein neu gegründet, der bisherige Vorsitzende blieb im Amt. Gartenbautechniker Deußer trat in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde Gartenbauinspektor Klein.
1960 übernahm Lehrer Wilhelm Nilges den Vorsitz von Lehrer Leuckel. Mit der zweiten Flurbereinigung ging der Obstanbau stark zurück – viele Bäume wurden wegen der Mechanisierung gerodet, heimisches Obst verlor durch Importe an Bedeutung. Trotz allem blieb der Verein gut aufgestellt und zählte weiterhin viele Mitglieder.
Verein für Gartenbau und Umwelt e. V (ab 1982)
Mit dem Rückgang des Obst- und Gartenbaus beschränkten sich die Aktivitäten des Vereins ab den 1970er-Jahren auf Ausflüge. 1975 trat man aus dem Kreisverband aus, 1978 löste sich der Verein auf.
Auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein (seit 1956) engagierte sich unter Pfarrer Debusmann erfolgreich im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. 1962 wurde Mensfelden Kreissieger, 1963 Bezirkssieger. Nach Debusmanns Versetzung 1964 ließ das Engagement nach, und der Verein wurde 1978 aufgelöst. Die gestaltete Grünanlage am „Säuplatz“ wich 1972 einer Bushaltestelle.
Am 12.03.1982 fusionierten beide Vereine zum Verein für Gartenbau und Umwelt e. V. mit Hans Wilfrid Deubner als Vorsitzendem. Trotz des Neuanfangs blieb der Verein wegen geringer Beteiligung weitgehend inaktiv.
Reaktivierung des Vereinslebens (ab 1991)
Mit wachsendem Umweltbewusstsein rückte der Streuobstbau wieder in den Fokus. Alte Sorten, Pflanzenschutz und ökologische Themen bestimmten die Diskussion. Am 10.11.1991 wurde das Vereinsleben reaktiviert, mit dem Ziel, Wissen zu vermitteln und umweltfreundliches Handeln zu fördern.
Im Mittelpunkt standen praktische Arbeiten wie Schnittmaßnahmen, Pflanzenschutz, Dorfverschönerung, Bienen- und Vogelschutz sowie Pflege von Bänken und Anlagen. Besonders engagiert sind Philipp Trapp und Dieter Kees an der Obstanlage „Hinsgraben“, der 1988 vom Jugendclub mit WWF-Unterstützung gepflanzt wurde.
1991 verhinderte eine Bürgerinitiative um den Vorsitzenden Deubner erfolgreich eine Kompostierungsanlage auf dem Steinbruchgelände.
Die Pflege der historischen „Kursistenruhe“ liegt dem Verein besonders am Herzen. Das „Festival der Rosen“ zur BUGA 1992 bleibt unvergessen.
100 Jahre Gartenbauverein – Jubiläum 1998
Zum 100-jährigen Bestehen präsentierte sich der Verein am 3./4. Oktober 1998 mit einer modernen Gartenbau- und Umweltausstellung im „Tiroler Hof“. Gezeigt wurden u. a. neue, resistente Obstsorten der Forschungsanstalt Dresden-Pillnitz. Eine neue Chronik sowie ein Video von Willi Zcaja dokumentieren das Jubiläum.
1999 führte eine Vereinsfahrt zur Bundesgartenschau in Magdeburg und zum Rosengarten Sangerhausen – festgehalten im Video von Willi Schumacher.
Zum 1225-jährigen Dorfjubiläum 2000 plant der Verein die Neugestaltung des „Dreispitzes“ am nördlichen Dorfeingang. Besonderer Dank gilt Irene Weyershäuser, Rudolf Petri, Claus Nilges, Dieter Kees, Reinhard und Ralf Schwenk, Günter Borchert, Geni und Günter Oppel, Werner und Lieselotte Hasselbach, Christhilde Lange, Birgit und Ulrich Schwenk, Leni Narewski und den vielen, nichtgenannten Mensfeldenern, die zunehmend mithelfen, durch Pflege ihrer Gärten und reichen Blumenschmuck ihrer Anwesen unser Dorf und seine Umgebung schöner und freundlichen zu gestalten.
Verein für Gartenbau und Umwelt e. V. (ab dem Jahr 2000)
Von 1982 bis 2011 prägte Hans Deubner als 1. Vorsitzender über fast drei Jahrzehnte hinweg das Vereinsleben. Ihm folgte 2011 Dieter Kees, der den Vorsitz bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 2022 innehatte. Seitdem leitet Franz Krainer, zuvor langjähriger Schriftführer, den Verein mit viel Engagement.
Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit standen und stehen stets Wissen, Naturpflege und Gemeinschaft. Zahlreiche qualifizierte Vorträge bereicherten das Vereinsjahr – von Obst- und Gartenbau über Balkon- und Kübelpflanzen bis hin zu Düngemethoden, neue Pflanzensorten und dem Umgang mit Schädlingen und Krankheiten. Auch praktische Tipps rund ums Gartenjahr gehörten selbstverständlich dazu.
Höhepunkte in der neueren Vereinsgeschichte:
1995–2019: Die jährliche Ausrichtung des beliebten Weinfestes zusammen mit dem Gesangsverein und mit wechselnden Weinköniginnen sowie einer Ausstellung „Rund um den Wein“ – wurde zu einem wahren Besuchermagnet.
2007: Eine große Vereinsfahrt führte Mitglieder und Freunde ins Elsass, an den Kaiserstuhl und an den Bodensee – unvergessliche Erlebnisse inklusive!
Im selben Jahr erhielt Dieter Kees den Landesehrenbrief – eine besondere Auszeichnung für sein ehrenamtliches Engagement für Umwelt und Naturschutz.
Weitere Highlights (Auswahl): Regelmäßige Besuche des Rosengartens Hadamar, der Landesgartenschauen in Gießen und Bad Schwalbach, der Bundesgartenschau in Mannheim und Koblenz sowie der farbenfrohe Blumencorso in Bad Ems oder die Besichtigung der Kelterei Heil, Besuche des Schafstalles von Birgit und Ulrich Schwenk zum Saisonstart
Auch die Geselligkeit kam nie zu kurz:
Apfelsaft pressen mit den Landfrauen, das Kreppelkaffee mit dem Gesangsverein, die jährlichen Sommerfeste bei Margot Weidemann und die gemütlichen Jahresabschlussfeiern gehören fest zur Tradition des Vereins.
Einsatz für Umwelt und Landschaft
Ein besonderes Augenmerk gilt dem Mensfeldener Kopf, einem wertvollen Naturschutzgebiet, das zunehmend unter Vandalismus leidet. Dieter Kees engagierte sich als Schutzgebietsbetreuer und NABU-Ortsbeauftragter unermüdlich für dessen Erhalt. Unterstützt wurde er dabei von Philipp Trapp und Ulrich Schwenk, der mit der gezielten Beweidung durch Ziegen und Schafe einen entscheidenden Beitrag zum Schutz des Heidekrauts und der Kulturlandschaft leistete.
Neue Impulse in den letzten Jahren
Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 bis 2022 entwickelte sich der Verein kontinuierlich weiter:
2023 wurden auf dem Gelände der Baumschule Schumann die ersten zehn Saisongärten eingerichtet. Auf jeweils 40 m² sind verschiedene Gemüsesorten wie Wirsing, Kohlrabi, Kartoffeln und Mangold fertig angebaut. Die Nutzer übernehmen die Parzellen und müssen fortan wässern, Unkrautjäten, ernten. Gartenwerkzeuge und Brunnenwasser ist zur freien Verfügung. Im dritten Jahr (2025) sind wieder 12 Gärtnerinnen und Gärtner aktiv dabei.
Der Verein beteiligte sich an der Brillen-Sammelaktion für notleidende Menschen sowie an der Briefmarkenaktion für Bethel, bei der über 1.000 Marken gesammelt wurden.
Der Besuch beim Gläsernen GLOBUS in Limburg, eine Spende von 800 € für eine Sitzgruppe an der Bushaltestelle „Säuplatz“ sowie Unterstützung der Aufwertung der „Schönen Aussicht“ unterstreichen den Einsatz für Lebensqualität und Naherholung in der Region.
2024 zählt der Verein 46 Mitglieder. Ein Baumschnittkurs und die Übernahme der Pflege von Obstbäumen an der Lasterstraße runden das vielfältige Jahresprogramm ab.
Ein Generationswechsel steht bevor
Zum 31. Dezember 2025 wird sich der aktuelle Vorstand – Franz Krainer (1. Vorsitzender), Willi Schumacher (Schriftführer) und Annelore Kablitz (Kassiererin) – aus ihren Ämtern zurückziehen. Damit steht dem Verein ein Umbruch bevor, bietet aber auch Raum für frischen Wind, neue Ideen und die nächste Generation an engagierten Naturfreundinnen und -freunden. Schau´n wir mal!
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