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Das Dorfgemeinschaftszentrum

Autor(en): Holger Schmidt (2025)


Die Entstehung des Dorfgemeinschaftszentrums (DGZ) Mensfelden ist ein herausragendes Beispiel für Zusammenhalt, Weitblick und ehrenamtliches Engagement in unserem Dorf und darüber hinaus. Über viele Jahre hinweg haben zahlreiche Menschen, die Gemeinde Hünfelden, die Vereine und weitere Institutionen gemeinsam an einem Ziel gearbeitet: einen Ort zu schaffen, der allen Generationen offensteht und das Vereinsleben in Mensfelden nachhaltig stärkt.

Die Idee wurde allen Ortsvereinen und den Mensfeldener Mandatsträgern durch den Bürgermeister erstmals in 2001 vorgestellt. Zunächst war angedacht, die bestehende Sporthalle/Turnhalle des TuS Mensfelden in südlicher oder östlicher Richtung zum Bolzplatz zu erweitern. Zwei separate Hallen sollten für die Nutzung entstehen, die durch eine flexible Trennwand zu einem großen Festsaal werden könnte. Im Untergeschoss wären Funktionsräume untergebracht. Kosten zwischen 2,8 und 3,2 Mio. DM. Um dieses Projekt zu finanzieren, seien der Verkauf der vom TV Jahn in Erbpacht genutzten Halle und der Alten Schule, des „Alten Rathauses“ und das Einbringen der Sporthalle des TuS Mensfelden mit dem gesamten Grundstück vonnöten. Außerdem seien auch die übrigen Vereine gefordert, Eigenleistungen zu erbringen.

Ein langer Weg mit Herzblut und Engagement

Die Entscheidung, die eigenen Vereinsheime und Hallen aufzugeben und gemeinsam ein neues Zentrum zu schaffen, fiel niemandem leicht. Für den TuS Mensfelden bedeutete dies einen großen Einschnitt, da man Eigentümer der Sporthalle in Mensfelden war und eine notarielle Übertragung für den symbolischen Wert von 1 EUR an die Gemeinde beschlossen werden musste: Über 40 Jahre lang war die Sporthalle das Herzstück des Vereinslebens, in das unzählige Arbeitsstunden, finanzielle Mittel und viel Herzblut investiert worden waren. Der Verein war mit seiner Halle gut aufgestellt und diese sollte nun einem neuen Gemeinschaftszentrum weichen und abgerissen werden – eine schwere Entscheidung für Vorstand und Mitglieder. Auch der TV Jahn musste sich von seiner mit großer Eigenleistung geschaffenen Halle verabschieden. Viele schöne Erinnerungen sind auch mit diesem Ort verbunden – und doch war der Blick nach vorn entscheidend.

Auch die anderen Vereine, die im Gebäudekomplex der alten Schule oder des alten Rathauses zu Hause waren, mussten Entscheidungen treffen. Der Gesangverein, die Landfrauen, der Verein für Gartenbau und Umwelt sowie der Mensfeldener Jugendraum, mussten sich von ihren angestammten Domizilen verabschieden und einen Verkauf akzeptieren. Trotz aller Wehmut waren sich die Vorstände und Mitglieder einig, dass ein gemeinsames Dorfgemeinschaftszentrum die beste Lösung für die Zukunft ist. Die Bereitschaft, Altes loszulassen und gemeinsam Neues zu schaffen, war die Grundlage für den Erfolg dieses Projekts.

Gemeinsam zum Ziel – Die Planungsphase

Acht Jahre lang wurde geplant, diskutiert und verhandelt. Ein starkes Zeichen für die Gemeinschaft setzte Bürgermeister Norbert Besier mit der Einladung zu einem externen Workshop ins Hotel „Zugbrücke“ nach Höhr-Grenzhausen vom 14. bis 15.01.2005 an welchem Vereinsvertreter, Ortsbeirat, Mandatsträger, Arbeitskreis und Gemeindeverwaltung sowie Planer teilnahmen. Thema des von Silke Franze-Welling moderierten Workshops war: „Gemeinschaftszentrum für Mensfelden - Zentrale Lösung oder Beibehaltung der dezentralen Einrichtungen“.

In den zwei Tagen wurden Ergebnisse der Arbeitsgruppen der Dorferneuerung, politische Eckdaten und Rahmenbedingungen, Bedarfsanalysen mit Raumprogramm und Hallenbelegungspläne, Pläne der Gebäude mit Raumnutzungen, Daten und Fakten zur Gebäudebewertung, Kostenschätzungen bei Sanierung der beiden bestehenden Hallen sowie grundsätzliche Vor- und Nachteile für das Dorf betrachtet. Es wurde gut gearbeitet und diskutiert und man hatte auch Spaß. Die Schlussabstimmung, die wie vereinbart am zweiten Arbeitstag pünktlich um 17:00 Uhr stattfand, erbrachte dann ein nahezu einstimmiges Ergebnis für einen Neubau für max. 2 Mio. EUR. Ein Meilenstein in der Dorfgeschichte: „Ein gemeinsamer Neubeginn für eine gemeinsame Zukunft!“. In der Folge besuchte man mit dem Bürgermeister Hallen in Seelbach, Aumenau und schaute sich weitere Hallen in Obertiefenbach, Niedertiefenbach und Schupbach an. Letztlich fand man aber keine Vorbildhalle für Mensfelden, an welcher man sich hätte orientieren können. Deshalb suchte das engere Planungsteam von TuS und Jahn und auch der Bürgermeister mit dem Architekturbüro einen für das Vereinsleben, das Dorf und die Gemeindefinanzen guten Kompromiss. Insgesamt sieben Planvarianten wurden vom Architekturbüro letztlich skizziert.

Auf der Bürgerversammlung am 28.08.2006 in der TuS-Halle wurde dann der von den Vereinen favorisierte Plan 1a den Mensfeldern als mögliche Variante und auch die weitere Vorgehensweise vorgestellt. Der Planstand in eingeschossiger Bauweise wurde in seiner Idee und der Grundkonzeption von vielen Anwesenden positiv mitgetragen.

Wesentlich für das Durchhalten in dieser langen Zeit war das Wollen der Vereinsvorstände. Sie verfolgten gemeinsam das Ziel eines modernen Dorfgemeinschaftszentrums, das allen Vereinen und den Bürgern offensteht. Auch Bürgermeister Norbert Besier, die Gemeindeverwaltung und die Kommunalpolitik sowie die Dorfentwicklung unterstützten das Vorhaben mit Engagement und Glauben an eine Lösung – auch wenn es zwischendurch zu erheblichen Konflikten im Prozess kam. So setzte sich der TuS Mensfelden für eine Beibehaltung des Schießstandes in einem Multifunktionsraum und einer weiteren Vergrößerung der Nebenraumtrakte wie z.B. dem Vereinsraum ein, was zu höheren Baukosten geführt hatte. Das neue DGZ sollte wichtige Funktionen erfüllen, nur dann wollte der TuS die notarielle Übertragung des Grundstücks mitgehen.

Am 30. März 2009 gab es ein letztes und gutes Abstimmungsgespräch zwischen Bürgermeister Besier und dem TuS-Vorsitzenden Holger Schmidt. Beide Seiten einigten sich über noch offene Punkte (z.B. Hallentrennwand, Lagermöglichkeiten, Garagen, Eigenleistungen, ...), die auch sofort per Bandaufzeichnung durch den Bürgermeister in einer 11-seitigen Ergebnisniederschrift protokolliert und allen Vereinen kommuniziert werden. Der TuS-Vorstand beschließt am 14. April 2009 eine Baulasterklärung zu unterschreiben. Die notarielle Beurkundung der Grundstücksübertragung an die Gemeinde erfolgte am 19. August 2009. Die Abrissarbeiten der TuS-Halle mit vielen Helfern in Zusammenarbeit mit der Fa. Ralf Finger endeten am 26.08.2009. Die getroffenen Planungen galt es nun durch die Gemeinde umzusetzen, manche Details mussten noch im Prozess beraten werden. Die Rohbauarbeiten durch die Baufirma Ötzkan starteten Ende September 2009 – viele Mensfeldener waren Zaunzeuge und machten sich ein Bild vom Baufortschritt ihrer neuen Halle.

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Zeichnung: Grundriss der Erich Valeske Halle

Das neue Dorfgemeinschaftshaus ist fertig!

Der Vorschlag von Bürgermeister Norbert Besier das neue Haus den Namen von Hünfeldens Altbürgermeister Erich Valeske zu geben, wurde von allen Beteiligten mitgetragen. Auf Einladung des Bürgermeisters fand die Einweihung der neuen „Erich-Valeske-Halle“ mit vielen Ehrengästen unter Beteiligung der Ortsvereine am Samstag, 26.11.2010 statt. Die Halle war an diesem Tag gigantisch voll und es war eine sehr schöne Veranstaltung mit buntem Programm.

Finanzierung und Förderung

Ein solches Großprojekt mit Baukosten von über 2 Mio. EUR wäre ohne finanzielle Unterstützung nicht möglich gewesen. Dank des Engagements von Bürgermeister Besier und der Gemeindeverwaltung konnten Fördergelder in Höhe von rund 420.000 Euro über die Dorferneuerung, 130.000 Euro über die Sportförderung und 104.000 Euro für das Seniorenzentrum vom Sozialministerium eingeworben werden. Diese Mittel bildeten die finanzielle Basis für den „Ersatzneubau“ des neuen Zentrums. Damit konnte die Belastung des Gemeindehaushalts für diese Projekt deutlich reduziert werden. Zudem stellte der TuS Mensfelden seinen Grund und Boden zur Verfügung, übernahm den Abriss der eigenen Turnhalle und hatte die Federführung bei den kostenreduzierenden Eigenleistungen der Vereine beim Innenausbau. Auch die Verkaufserlöse für die alte Schule und das alte Rathaus und die nun nicht mehr aufkommenden jährlichen Gebäudekosten kamen in der Folge dem Haushalt der Gemeinde zu Gute.

Bedeutung für das Dorf und das Vereinsleben

Mit dem neuen Dorfgemeinschaftszentrum ist ein Ort entstanden, der das Miteinander in Mensfelden auf eine neue Stufe hebt. Hier finden Sport, Kultur, Feste und Begegnungen unter einem Dach statt. Der TuS Mensfelden, der TV Jahn, der Gesangverein, die Landfrauen, der Verein für Gartenbau und Umwelt und der Jugendraum sowie der Seniorenkreis u. a. haben nun ein gemeinsames Zuhause, das den Austausch und die Zusammenarbeit fördert.

Das DGZ ist ein Symbol für den neuen Zusammenhalt im Dorf, welches einst durch große Spannungen durch die Vereinsspaltung negative Schlagzeilen machte. Es zeigt, was möglich ist, wenn viele Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen und ihre Kräfte bündeln. Die Aufgabe der eigenen Hallen und Vereinsdomizile war ein mutiger Schritt, der sich gelohnt hat: Heute profitieren alle Generationen von einem modernen, barrierefreien und vielseitig nutzbaren Zentrum.

Ein Dank an alle Beteiligten

Die Entstehung des Dorfgemeinschaftszentrums Mensfelden ist ein Gemeinschaftswerk, welches ohne das Engagement vieler nicht möglich gewesen wäre. Allen, die mitgeplant, mitgearbeitet, vermittelt, unterstützt und gefördert haben, gebührt großer Dank. Sie haben gezeigt, dass Mensfelden ein lebendiges Dorf ist, in dem Zusammenhalt und Engagement großgeschrieben werden.

Das neue Dorfgemeinschaftszentrum ist ein Ort der Begegnung, des Sports, der Kultur und des Miteinanders – und ein Meilenstein in der Geschichte unseres Dorfes.