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Landfrauenverein

Autor(en):
Corinna Zollmann, (2025)


Landfrauen Mensfelden – Vielfalt und Engagement seit 1953

1953 fanden sich engagierte Frauen in Mensfelden zusammen, um Ideen auszutauschen, das Dorfleben zu bereichern und voneinander zu lernen. Der Startschuss fiel nach einer Hauswirtschaftswoche, die von der Landwirtschaftsschule Limburg im Saal der Gaststätte Foike durchgeführt wurde. Dort wurden die neuesten Küchengeräte, Herde und Waschmaschinen vorgestellt. Innovationen, die das Leben damals nachhaltig prägten– ein Highlight jener Zeit.

Im Anschluss daran gründeten 17 Frauen den Landfrauenverein Mensfelden; darunter Helmi Reh, die mit 90 Jahren heute noch aktives Mitglied ist. Die erste Vorsitzende, Frau Hilda Schumann, übernahm das Amt mit großem Engagement.

Während sich die Landfrauen in den Anfangsjahren nur während der Wintermonate trafen, entwickelte sich bald ein reges Vereinsleben. Der Wunsch, auch im Sommerhalbjahr gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen, führte dazu, dass sich der Verein zu einer festen Größe im Dorf entwickelte. So wuchs der Landfrauenverein und zählte 1993 bereits 53 Mitglieder. Heute umfasst unsere Gemeinschaft stolze 124 Frauen und Kinder in drei Abteilungen: Seniorinnen, Landfrauen 2.0 und die Bienchen.

Ein Verein von Frauen für Frauen

Die Landfrauen Mensfelden sind offen für alle Altersgruppen, Berufe und Lebenssituationen. Unsere Mitglieder stammen nicht nur aus Mensfelden, sondern auch aus umliegenden Orten wie Kirberg, Limburg und Runkel. Was uns eint, ist der Wunsch nach Gemeinschaft, Abwechslung vom Alltag und der Freude am gemeinsamen Tun.

Unser Tag ist oft geprägt von Verpflichtungen: Kinder, Arbeit, Haushalt, Partner, Haustiere – alles will organisiert werden. Doch wann nehmen wir uns Zeit nur für uns selbst? Genau hier kommen die Landfrauen ins Spiel. Wir schaffen Raum, um für ein paar Stunden den Alltag hinter uns zu lassen, uns mit anderen Frauen auszutauschen, gemeinsam zu lachen, zu essen und Neues zu erleben.

Von der Landwirtin über Lehrerin, Bankkauffrau und Verkäuferin bis hin zu Rentnerin, Mutter und Managerin – alle sind willkommen. Seit unserer Gründung im Jahr 1953 ist unsere Gemeinschaft gewachsen und vielfältiger geworden.

Besonders stolz sind wir auf drei unserer Mitglieder, die aufgrund ihres Engagements mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet wurden:

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Foto: Die Mensfelder Landfrauen, 2024
  • Lieselotte Hasselbach (1991)

  • Irmgard Schmidt (2003)

  • Inge Krebs (2017)

Vielfältige Aktivitäten – damals und heute

Die Angebote des Landfrauenvereins Mensfelden spiegeln unsere Vielfalt und unsere Freude am Miteinander wieder

  • Ausflüge und Wanderungen
    Ob Jahresausflüge, Tageswanderungen oder Halbtagestouren – unsere gemeinsamen Unternehmungen sind bei den Mitgliedern beliebt und fördern den Zusammenhalt.

  • Kulturelle und kreative Veranstaltungen
    Bastelabende, Näh- und Stickkurse sowie Vorträge über Gartenpflege und Gesundheit gehören ebenso zu unserem Programm, wie auch Ausstellungen alter Haushaltsgegenstände und Dokumente.

  • Tradition und Dorffeste
    Wir haben über viele Jahre die Kirche zum Erntedankfest geschmückt und aktiv an Dorffesten und Seniorennachmittagen teilgenommen. Auch unser Beitrag zur 1200-Jahr-Feier von Mensfelden bleibt unvergessen.

  • Bildung und Gesundheit
    Unsere Vorträge zu Themen wie gesunder Ernährung, Vorsorgeuntersuchungen und Reiseberichten bereichern unser Wissen und sensibilisieren für wichtige Anliegen.

  • Musikalische Freude
    Jeden zweiten Mittwoch trafen sich in der Vergangenheit viele Jahre lang die „flotten Bienen“ zu ungezwungenen Singabenden im Tiroler Hof – gemeinsam mit Nachbarvereinen.

Wo wir uns treffen

Seit der Gründung haben sich unsere Treffpunkte mehrfach verändert. Von den Anfängen im alten Rathaus in der Fahlerstrasse über Vereinsräume bei Ursula Zachau in der Unterstraße und der alten Schule in der Hehnerstraße finden unsere derzeitigen Veranstaltungen seit 2010 im „Raum der Begegnung“ in der Erich-Valeske-Halle statt.

Rückblick auf besondere Meilensteine

Die Landfrauen Mensfelden prägen das Dorfleben seit Jahrzehnten aktiv mit. Zu den Höhepunkten zählen:

1953: Gründung des Vereins mit 17 Bauersfrauen.

1975: Bei der 1200-Jahr-Feier von Mensfelden zogen die Landfrauen mit einem Festwagen, der eine alte Backstube darstellte, durch die Straßen. Bei weiteren Umzügen in den Nachbargemeinden kam eine fahrbare Spinnstube zum Einsatz.

1976-1991: Die legendäre Kappensitzung der Landfrauen wurde nach 1991 vom Frauen-Elferrat übernommen und bereichern bis heute das Dorfleben.

2000: An der Feier des 1225-jährigen Dorfjubiläums beteiligten sich die Landfrauen mit vielfältigen Aktionen wie Kuchen-Theke, Tastkästen, Brot-Schätzstand und vielem mehr.

2010: Viele Mensfelder Rezepte wurden im Kochbuch „Zwischen Dom und Brockeslsupp“ veröffentlicht.

2010: Fand die Einweihung der Erich-Valeske-Halle statt. Die LandFrauen waren maßgeblich daran beteiligt, dass die heutige Küche bei der Planung und der Umsetzung Beachtung fanden. Für den Raum der Vereine stifteten die Landfrauen 500 Euro aus ihrer Vereinskasse.

2011: Die LandFrauen unterstützen beim Wettbewerb „Dolles Dorf“ mit Kartoffelsuppe und ihrer Tracht im Hof von Irmgard Schmidt in der Unterstrasse.

2016: Die „Landfrauen 2.0“ wurden gegründet – eine moderne Abteilung für jüngere Frauen und deren eigenen Interessen. Durch den Mitgliederzuwachs von 44 Prozent wurde der Ortsverein Sieger im Wettbewerb „Mehr Landfrauen fürs Land!“

2016: Der erster Flohmarkt in Mensfelden fand statt. Auf Grund der Coronapandemie wurde daraus 2021 der „Flohmarkt zu Hause“, welcher so bis heute jährlich im September sich großer Beliebtheit erfreut.

2016: Die Landfrauen organisierten die ersten Adventsfenster; eine Art Dorf-Adventskalender, bei dem Vereine, Firmen und Privatpersonen an einem dieser Tage ein Fenster oder eine Tür mit der entsprechenden Datums-Zahl weihnachtlich dekorieren und man sich dort in geselliger Runde treffen kann. Die Organisation der Termin erfolgt bis heute.

2019: Beim „Kultur Festival Goldener Grund“ kamen die Seniorinnen in ihrer Tracht und es wurden für die Kinder Bastelaktionen und eine Taststation angeboten.

2021: Die „Bienchen“-Gruppen für Kinder zwischen 0 und 6 Jahren entstanden, um auch den Kleinsten und ihren Familien einen Raum für Spiel und Gemeinschaft zu bieten.

2023: Für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ nähten die Landfrauen eine mehrere Kilometer lange Wimpelkette, die das Dorf schmückte. Sie wird auch 2025 beim Dorfjubiläum wieder zum Einsatz kommen.

Rückblick auf besondere Meilensteine

Heute besteht unser Verein aus drei Gruppen:

  • LF.S (Seniorinnen): 24 Mitglieder, Alter 50–99 Jahre

  • LF.2.0: 67 Mitglieder, Alter 18–60 Jahre

  • LF.Bienchen: 33 Kinder, Alter 0–6 Jahre

Die Abteilungen organisieren sich eigenständig. Alle Veranstaltungen stehen auch abteilungsübergreifend sowie auch Nicht-Mitgliedern offen.

Im Laufe der Jahre haben folgende Frauen den Verein als Vorsitzende geprägt:

  • Hilda Schumann (1953 – 1956)

  • Trude Debusmann (1956 – 1964)

  • Erna Hohlwein (1964 – 1966)

  • Lieselotte Hasselbach (1966 – 1988)

  • Irmgard Schmidt (1988 – 2018)

  • Sandra Hohlwein (2018 – 2022)

  • Anna-Lena Schüssler (seit 2022)

Landfrauen Lied

Refrain von Magret Pfeiffer aus Neesbach

Mir sin all Weibsleut vom Lande,

bei us do esses noach schie.

Wenn’s droffukimmt da halle mer sesomme,

stoatt ausenanner se gieh.

Strophen für Mensfelden von Inge Foike und Inge Krebs

Un beste außer Rand un Band,

disch schtiert die Mick aach u de Wand,

do gibt’s nur aans, du ormer Tropp,

komm bei us off de Miesfeller Kopp.

Aussicht ist gout, die Loft is prima,

un rundemerim hummer noach ländlich Klima.

Un deshalb is em ganze Land,

ussern Hurnel iwwerall bekannt.

Abschluss-Strophen

Un hoste mol Lost off Bildung,

un willste ela nit mi sei,

da komm bei us Weibsleut vum Lande,

bei us in de Landfrauenverein.

Mir sin all Weibsleut vum Lande,

bei us, do isses noach schie.

Un hoste met us heut gefeiert,

dout der moje goornix me wih.

Eine Zusammenarbeit der Bezirkslandfrauen

Gedicht: 70 Jahre LandFrauen

Geschrieben von Fridericke Töpfer - vorgetragen von Annika Heckelmann und Anna-Lena Schüssler – beim Sommerfest 2023

Hört ihr Leut vernehmet die Kunde

vor 70 Jahren war die Stunde

da wurde ein Verein gegründet

weil Frauen vom Land sich ham verbündet.

Die Männer beim Bier, die tauschten sich aus,

Als Frau da blieb man brav Zuhaus‘.

Das muss sich ändern, hat man beschlossen

- die Männer hielten das für Bossen -

neben Küche, Kindern und Stall

soll’s noch was geben, auf jeden Fall!

Fitness, Wellness, Cappuccino,

Städtetour und auch mal Kino

es gibt doch so viele tolle Sachen

warum wolltet ihr denn auf Landfrau machen?

Bou, das hat’s doch nicht gegeben,

das schickte sich nicht in unserem Leben

- Freizeit - das Wort schon, auch wenn ihr es nicht glaubt,

sowas hätten die Männer uns niemals erlaubt

Wer hat dann diese Männer erzogen?

und so ein Frauenbild gebogen?

Gut, dass sich das geändert hat

und jeder seinen Spielraum hat.

Wir waren damals wirklich froh,

wir konnten uns treffen wann und wo

zum Stricken, Stopfen, Rezepte tauschen

und natürlich dabei plauschen.

Man hat was geschafft und sich trotzdem gefreut.

Endlich kam man unter Leut!

Geschwätz vom Waschen und vom Fegen

und ob die Hühner Eier legen.

Habt ihr immer nur gestrickt

und niemals mal ‘nen Schnaps gekippt?

Doch es hat halt Zeit gebraucht

- plötzlich wurde auch geraucht!

Außer Kuchen, Obst und Möhr‘

gab es Rezepte für Likör

Brockselsupp‘ und Aufgesetzte,

mancher diese Dinge schätzte.

Aber alle im Verein

mussten Bauersfrauen sein.

Jeder hatte Vieh und Feld

gleiche Arbeit, wenig Geld

Ja so war das ganz genau

jeder hat im Stall ‘ne Sau

jeder hat ein ähnlich Leben

so wie es war als Landfrau eben

Doch wir waren jetzt bekannt.

Als Verein auch anerkannt!

Konnten manches unterstützen,

lernen, helfen, Menschen nutzen,

Brauchtum und Gemeinschaft pflegen.

Für uns und andere zum Segen.

Ja da habt ihr viel erreicht.

Auch wenn es manchmal nicht so leicht.

Oftmals braucht es zähes Ringen

damit die Dinge gut gelingen.

Ohne Inge und Irmgards Qual

gäb’s keine Küche neben dem Saal.

Denn in der Valeske Halle

wollten nur ‘ne Theke alle.

Da braucht es Frauen Power eben,

denn nur vom Bier kann man nicht leben

Und wie geht es weiter nun?

Ihr habt doch mit der Landwirtschaft nichts mehr zu tun.

Jede hat einen anderen Beruf

und kaum noch eine lebt auf ‘nem Hof.

Und trotzdem wollt ihr LandFrau sein

und gehört noch immer zu diesem Verein?

Eins bleibt nach 70 Jahren bestehen,

dass wir uns freuen, wenn wir uns sehen.

Wir leben alle im ländlichen Raum,

schauen gern mal über den Zaun.

Spielen, basteln und tun allerlei,

die Männer geben uns dazu frei.

Gemeinschaft kann nur gemeinsam gelingen,

auch wenn wir nicht mehr nur Volkslieder singen.

Bleibt manches vom Alten noch immer erhalten

und die kleinen Bienchen werden‘s weiter gestalten.