Kriegs- und Notzeiten vom 16. -- 20. Jahrhundert
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Am liebsten würde ich dieses Kapitel nicht berühren, weil uns täglich soviel Ungerechtigkeit und Leid in dieser Welt vor Augen geführt wird. Aber gerade deswegen sollen die Zeiten großer Bedrängnis und Not in unserer Geschichte nicht übergangen werden, damit die Nachwelt die sinnlose Vernichtung durch die Kriege erkennt und daraus ihre Lehren zieht. Ganz schlimm war es in der Zeit des dreißigjährigen Krieges 1618 - 1648. Fremde Kriegshorden durchzogen unser Land kreuz und quer. Raub, Mord und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Mensfelden hatte auch wie andere Dörfer unserer Heimat in diesen Kriegsjahren viel zu leiden.
Deutschland war vor diesem Krieg ein, der Zeit entsprechendes, wohlhabendes erfolgreiches Land gewesen. Nach dem Krieg glich es einer Wüste. Wie in alten geschichtlichen Überlieferungen berichtet wird, sind damals bis zu 70 % der Bevölkerung in diesem Krieg, an dessen Folgen und Seuchen umgekommen. Die Wenigen, die übrig blieben, fanden leer gebrannte Häuser und verwilderte Felder. Es gab kaum noch Nutztiere, und selbst die waren noch von Seuchen und umherziehenden Räuberbanden bedroht. In diesem Zustand ist auch unser Dorf gewesen; es waren nur wenige, die diese Zeit überlebten.
Nach alten mündlichen Überlieferungen, sollen in unserer Gemarkung vor dem dreißigjährigen Krieg noch zwei kleine Dörfer gelegen haben. Das eine Dorf, das den Namen Weiden hatte, lag zwischen dem Zollhaus und Linter, in der heutigen Weiderborngewann. Das andere Dorf mit dem Namen Klingen soll untig dem Klingerkopf im Mühlbachtal gewesen sein. Beide Dörfer sind, alten Erzählungen nach, im dreißigjährigen Krieg der Vernichtung und den Seuchen zum Opfer gefallen. Von letzterem sind bis jetzt keine Spuren aufgefunden worden, dagegen sind von dem Dorf Weiden noch ein gemauerter Brunnen und Mauerreste vorhanden.
Erwähnenswert sind auch die Revolutionskriege von 1792 - 1799. Es war das französische Revolutionsheer, das schon 1792 und 1795 über den Rhein bis Limburg vorgestoßen war, und erst in Bayern bei Amberg und Würzburg von den Österreichern unter Erzherzog Karl aufgefangen und zurückgeschlagen wurde.
Am 10. September 1796 war einer der aufregendsten Tage der Limburger Geschichte. Erzherzog Karl von Österreich hatte sich mit seinen Truppen am Mensfelder Kopf verschanzt und machte von da aus einen gewaltigen Angriff auf Limburg und Diez, indem er die Franzosen über die Lahnbrücken bzw. Lahnübergänge zurückwarf. Das war die große Schlacht um die Lahnübergänge. In einem Bericht vom 1. März 1796 heißt es; bei dem im vorigen Herbst erfolgten Rückzug der Kaiserlichen und bei dem Vorrücken der Franzosen, haben die Mensfelder Unterthanen einen großen Verlust an Pferden, Ochsen und Fuhrwerken, teils auf Vorspann, teils durch Plünderungen erlitten. Es waren 32 Bauern aus Mensfelden, denen man ihre Zugtiere und Wagen abnahm. Ihr Antrag auf Entschädigung bei ihren Landesherren fand nur wenig Gehör. Man wollte nur den Verlust anerkennen, wenn auf Befehl des Schultheißen Gespanne gestellt werden mussten. Plünderungen wurden nicht anerkannt.
Durch die jahrelangen Belagerungen und Abgaben kam unsere Heimat wieder in Not und Armut.
In den Befreiungskriegen 1812/13 wurde unser Dorf abermals durch Abgaben und Plünderungen von den Franzosen und Russen schwer heimgesucht. Als ich noch ein Schuljunge war, erzählte uns unser Hausvorgänger, Georg Hatzmann, dass sein Vater 1812/13 erlebte, wie die Russen beim Durchmarsch die bunten Scheiben des Gerichtssaales Mittelstraße 11 herausbrachen und mitnahmen.
Auch von einer unblutigen Revolution aus dem Jahre 1848 wird berichtet, wobei es zu einigen Aufständen in Berlin, Sachsen und Baden kam, die aber ohne große Verluste bald unterdrückt wurden.
Im April und Mai 1848 hat man alle deutschen Länder aufgerufen ihre Vertreter für die Frankfurter Nationalversammlung zu wählen. Bereits am 18. Mai kamen die neugewählten Vertreter des deutschen Volkes zu ihrer ersten Sitzung in der Frankfurter Paulskirche zusammen. Etwa 600 Abgeordnete versammelten sich in der Paulskirche in Frankfurt. Der Bundestag wurde für aufgelöst erklärt und eine Reichsverfassung beraten, nach der das geeinte Deutschland regiert werden sollte. Die Abgeordneten der Nationalversammlung setzte sich aus drei Parteien zusammen; eine demokratische Linke, Rechte und Mitte. Die Bürger des Herzogtums Nassau hatten sechs Abgeordnete gewählt, die als ihre Vertreter an der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche teilnahmen. Unter den sechs Abgeordneten war der aus Mensfelden stammende Karl Philipp Hehner, der zu dieser Zeit Regierungsrat in Wiesbaden war. Hehner gehörte den Liberalen (demokratischen Mitte) an.
Die von der Nationalversammlung beratene Reichsverfassung wurde von den meisten deutschen Staaten nicht angenommen. Die Nationalversammlung löste sich schließlich auf. Ihr Versuch eine Einigung Deutschlands herbeizuführen, war gescheitert.
Am Kriege 1866, als die Nassauer an der Seite Österreichs gegen Preußen standen, nahmen auch 9 Bürger aus Mensfelden teil. Lange Zeit lagen die nassauischen Truppen als Verbündete Österreichs bei Zorn und Langenschwalbach. Die hiesigen Einwohner brachten ihren Angehörigen Lebensmittel. Christian Schwenk aus der Schlimmstraße fiel bei Aschaffenburg. Weil es ein Bruderkrieg war, wurde sein Name später nicht mehr genannt.
Am Krieg 1870/71, Preußen gegen Frankreich, nahmen 22 Kriegsteilnehmer aus Mensfelden teil, außer Philipp Zollmann, sind alle heimgekehrt. Philipp Zollmann ist am 2. September 1870 in Dijon (Frankreich) an Typhus gestorben. Für ihn hatte man eine Gedenktafel in der Kirche befestigt.