Turnverein Jahn
✍ Autor(en):
Wolfgang Fischer (1988)
Hermann Schwenk (1989)
Jens Schneider (2025)
Peter Saltenberger (2025)
Alexander Bieker (2025)
Gründung des Turnverein Jahn Mensfelden
Am 4. März 1964 trafen sich in Mensfelden, in dem damaligen Gasthaus „Zum Taunus“ 37 Männer zur Gründung des TV „Jahn“ Mensfelden.
Diese Mitglieder wollten den Verein ins Leben rufen, weil es seinerzeit im Turn- und Sportverein Mensfelden einige Querelen gab. Zweck und Ziele des neuen Vereins sollten sein: die Pflege der Leibesübung, die sportliche Betätigung, die Jugendpflege und die gesellschaftliche Verbundenheit. Wir mussten uns in der Phase der Gründung und auch in den Jahren danach mit spärlichen Verhältnissen begnügen, an eine eigene Sportstätte war zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht zu denken.
Doch in dem Verein und seinen Mitgliedern herrschte von Anfang an eine starke Eigeninitiative und der eiserne Wille, stetig voranzukommen. Die Übungsstunden des damaligen Spielmannszuges, später umgewandelt in ein Blasorchester mussten in privaten Räumlichkeiten (Schusterwerkstatt bei Hermann Petri und Schreinerwerkstatt bei Willi Heckelmann) abgehalten werden.Unsere Turner hatten die Gelegenheit, die Turnhalle unserer Freunde des TV Nauheim benutzen zu können.
Schließlich ergab sich dann die Möglichkeit, in dem Saale des ehemaligen Gasthauses „Zum Taunus“ die Trainings- und Übungsstunden abzuhalten, auch wurden dort zunächst die Punktspiele der Tischtennisabteilung ausgetragen. Im Jahre 1965 schließlich fanden wir in der Gaststätte Foike, später „Tiroler Hof“ einen Saal für unseren Verein und gleichzeitig ein Vereinsheim, in dem die Geselligkeit weiter gepflegt werden konnte. Im Saale Foike wurden dann auch erstmalig die sogenannten „Familienabende“ veranstaltet, an denen in dieser Anfangsphase auch unsere Freunde vom TV Nauheim und vom TV Kettenbach teilnahmen. Gerade zum TV Kettenbach hielten wir in dieser Zeit starke Verbindungen, Gegenbesuche in dem kleinen Ort an der Aar waren an der Tagesordnung.
Erwerb der alten Schule
Der nächste, wohl entscheidende Abschnitt kam dann im Jahre 1972. Ab diesem Zeitpunkt stellte uns die damalige Gemeinde Mensfelden das Gebäude und Gelände der alten Schule zur Verfügung. Die ehemaligen Klassenräume wurden zunächst in Eigenleistung renoviert, sodass der Sport- und Übungsbetrieb anschließend reibungslos abgewickelt werden konnte. Ab 1973 wurde dann der gesamte Übungsbetrieb des Vereins in die Räumlichkeiten der alten Schule verlegt. Ganz wichtig und richtungsweisend war aber letztlich die Tatsache, dass wir aus dem ehemaligen „Kartoffelkeller“ unterhalb des Schulgebäudes ein Vereinsheim schufen, das noch heute in der gesamten Umgebung seinesgleichen sucht. Hier errichteten tatkräftige Mitglieder, selbstverständlich in Eigenleistung, eine Stätte, wo noch heute und mit Sicherheit auch in Zukunft die Geselligkeit und Kameradschaft nicht nur nach den Trainings- und Übungsstunden gepflegt werden kann. Das Vereinslokal, oder besser gesagt „der Keller“, wurde am 19.10.1974, anlässlich der Kirmes, seiner Bestimmung übergeben. Diese Vereinsstätte war der eigentliche Grundstein für die weitergehende positive Entwicklung des Vereinsgeschehens.
Ein weiterer entscheidender Meilenstein in der Vereinsgeschichte war der Beginn des Baues der neuen Vereinshalle im Jahre 1980. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wurde der Bau in Eigenleistung erstellt. Zahlreiche Mitglieder und Freunde trugen durch Tat, Rat oder finanzielle Mithilfe zu der Errichtung dieses Schmuckstückes bei. Am 27. November 1981 konnte die vereinseigene Halle eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden. Die erheblich verbesserten räumlichen Möglichkeiten ließen es dann auch zu, dass wir 1981 das Gautreffen der Schülermusikzüge und 1982 erstmalig einen Gauturntag ausrichten konnten.
Vereinsleben
Aber auch eine andere Einrichtung im Vereinsleben war richtungsweisend, unser Vereinszeltlager, das wir seit dem Jahre 1966 ununterbrochen durchführen. Im Jahre 1973 wurde die Wiese in Obertiefenbach/Taunus, nahe der „Plätzer Mühle“ im Hasenbachtal gepachtet und schließlich im Jahre 1981 käuflich erworben. Der Verein bietet seinen Mitgliedern und Freunden auf diesem Gelände einen billigen und erholsamen Urlaub in einer idyllisch gelegenen Landschaft. Durch dieses Zeltlager in Obertiefenbach haben wir gleichzeitig neue Freunde bei dem Männergesangverein und der Freiwilligen Feuerwehr dieses Ortes sowie bei allen Einwohnern gefunden. An dieser Stelle will ich es nicht unerwähnt lassen, dass unser Verein auch noch zu einem anderen Verein außerhalb Hessens sehr gute Kontakte pflegt. Seit 1979 stehen wir in enger Beziehung zu der Trachtenkapelle aus Schapbach im Schwarzwald. Seit dieser Zeit fanden schon mehrere gegenseitige Besuche statt.
Fester Bestandteil im Vereinsleben ist der alljährliche Vereinswandertag an „Christi Himmelfahrt“, sowie die Jahresabschluss- und Nikolausfeier für unsere „Kleinsten“. Seit dem Gründungsjahr 1964 ist unser Verein mit einer kurzen Unterbrechung im Rhythmus von zwei Jahren auch Ausrichter des traditionellen Bergfestes auf dem „Mensfelder Kopf“. Aus Anlass des 90-jährigen Bergfestes im Jahre 1986 war es erstmals möglich, dass die beiden sporttreibenden Vereine von Mensfelden (TuS und TV „Jahn“) ein Sportfest gemeinsam planten und durchführten.
Seit dem Jahre 1984 ist es möglich, dass die Mensfelder Kirmes mit den Kirmesburschen in unserer Halle gefeiert wird. Die Anzahl der Mitglieder stieg stetig. So hatten wir bei der Gründung 59 Mitglieder und zählen 1989 dann 180 aktive und passive Vereinsangehörige. Unser Verein verfügt über die Abteilungen Altersturnen, Kinderturnen, Frauenturnen, Familienturnen, Tischtennis und den Musikzug.
Unsere Altersturner
Im Jahre 1965 wurde im Turngau Mittellahn eine Gaualtersriege gegründet. Diese Altersriege besteht noch heute und ist das Aushängeschild unseres Turngaus. Es gibt keine Gruppe im Turngau Mittellahn, die innerhalb und außerhalb des Gaues mehr öffentliche Auftritte bei Veranstaltungen hat, als diese Riege. Sie ist überall bekannt und wird immer wieder eingeladen.
Während des Deutschen Turnfestes 1987 in Berlin turnte die Gaualtersriege durch Vermittlung von Eberhard Gienger in der Sportabteilung des „KA DE WE“. Zu den Gründern dieser Gaualtersriege gehörten u. a. auch die Altersturner des Turnvereins „Jahn“ Mensfelden. Wilhelm Lieber, Karl Dörr, Willi Zehner und Theo Steinen. Sie turnten schon vor dem Kriege und besuchten 1933 ihr erstes Deutsches Turnfest. Seinen größten turnerischen Erfolg hatte Wilhelm Lieber beim Deutschen Turnfest in Breslau 1938, wo er im Olympischen Zwölfkampf der Turner den 56 Platz belegte. Nach der Gründung der Gaualtersriege im Jahre 1965 besuchten unsere Altersturner insgesamt 5 Hessische Landesturnfeste, 4 Deutsche Turnfeste und 4 Bundestreffen der älteren Turner. Sie konnten bei all diesen Festen immer hervorragende Plätze belegen.
Der TV Jahn Mensfelden – Ein Vierteljahrhundert danach
Nach dem rauschenden Fest zum 25-jährigen Bestehen im Jahr 1989 erlebte der TV Jahn eine Phase der Euphorie und des Aufbruchs. Das Vereinsleben blühte auf, getragen von einem ausgeprägten Gemeinschaftsgeist. Vier Dienstgruppen mit jeweils rund 20 Mitgliedern engagierten sich bei der Bewirtung von Gästen und der Unterhaltung des Vereinsheims – der legendären Jahnhalle mit ihrem ebenso legendären Schulkeller.
Die Vereinsfeste – von Kirmes und Fastnacht über Schlachtfest bis zur Weihnachtsfeier – wurden liebevoll organisiert und waren wichtige soziale Treffpunkte. Besonders erwähnenswert: das dreiwöchige Sommerzeltlager auf dem vereinseigenen Zeltplatz in Obertiefenbach, dessen Abschluss mit Gottesdienst und Schnitzelessen stets zahlreiche Besucher anzog. Auch die Wochenenden waren vom Vereinsleben geprägt: mit Theken- und Kehrdiensten im Schulkeller, einem festen Skatabend (später zum Spieleabend erweitert) – untermalt von einer berüchtigt lauten Kartenmischmaschine und der immer gegenwärtigen Musikbox.
Musikzug – Klangvolle Jahre und ein emotionaler Abschied
Der Musikzug war über viele Jahre ein Aushängeschild des Vereins. Die Teilnahme an großen Veranstaltungen wie dem Trachtenfest in Schabenhausen und die enge Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule unterstrichen seine Bedeutung. Ein eigens ausgebauter Proberaum wurde zum Zentrum für Musik- und Jugendarbeit – bis der Nachwuchs ausblieb und sich der Musikzug 2009 mit einem großen Abschiedskonzert aus dem aktiven Vereinsleben verabschiedete.
Kinder- und Jugendarbeit – Kreativität und Verantwortung
Das Kinderturnen, geleitet von Hermann Schwenk und unterstützt von engagierten Helferinnen, sowie der Kindertanz unter der Leitung von Jenny Weiler, standen für pädagogische Qualität und gelebte Inklusion. Projekte wie das selbstgeschriebene Musical „Gegen Gewalt“, aufgeführt beim Dorffest, verbanden Sport, Bildung und gesellschaftliches Engagement. Die Zusammenarbeit mit Polizei, Gemeinde und Jugendpflege in den Jahren 1998–2001 ermöglichte tiefgreifende Selbstbehauptungskurse, deren Besuch bei der Polizei- und Reiterstaffel Wiesbaden ein unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten war.
Nach personellen Veränderungen 2005 musste der Kindersport vorübergehend eingestellt werden – ein bewusster Schritt des Vorstands, um Konkurrenzsituationen mit anderen Vereinen zu vermeiden.
Badminton – Vom Softball zur Hessenliga
Was als Freizeitspiel auf dem Volleyballfeld begann, entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Abteilungen. Nach der offiziellen Gründung 1990 nahm der TV Jahn in der Hobby-Hessenliga teil und wurde mehrfacher Hessenmeister. 2024 wagte man den Schritt in den regulären Ligabetrieb (Bezirksliga C Wiesbaden) – mit sofortigem Aufstieg in die Bezirksliga B zur Saison 2025/26. Höhepunkte im Jahreskalender sind das vereinsinterne „Schleifchenturnier“ im Januar und das „Nostert“-Turnier im April, das Teilnehmer aus bis zu 150 km Entfernung anzieht.
Frauengruppe – Tradition trifft Innovation
Die Frauenabteilung war stets ein zentraler Pfeiler des Vereins. Mit wechselnden Übungsleitern – Tanja Baier, Jenny Weiler, Peter Saltenberger, Tristan Dold – entwickelte sich das Sportangebot stetig weiter: von tänzerischen Elementen über Selbstbehauptung, Zumba, Wirbelsäulengymnastik bis hin zu innovativem Faszientraining und „Drums Alive“. Die heutige „Montagspower“-Gruppe bietet ein abwechslungsreiches Wochenprogramm, das auch Männer willkommen heißt. Formate wie Yoga, Qi Gong, funktionales Training und Rückenkurse fördern die ganzheitliche Gesundheit.
Tischtennis – Glanz und Ende einer Ära
Einst eine der tragenden Abteilungen mit bis zu sieben Mannschaften in der Bezirksliga, wurde der Spielbetrieb mangels Nachwuchses eingestellt. Dennoch bleibt die Erinnerung an große sportliche Erfolge lebendig.
Turnen – Das Fundament des Vereins
Seit der Vereinsgründung 1964 war das Turnen prägend. Hermann Schwenk war treibende Kraft hinter unzähligen Wettkampfreisen, Freundschaften mit anderen Turnvereinen und der aktiven Mitgestaltung des Turngaus. Ab 1994 verschmolzen die Aktivitäten der Gau-Altersturnriege mit denen des TV Jahn. Die regelmäßige Teilnahme an Turnfesten, inklusive der Gymnaestrada in Spanien und der Reise nach Leipzig mit über 30 Aktiven, bezeugt das hohe Niveau. Die Altersturner geben bis heute ihre Erfahrung an die Jüngeren weiter.
Gesundheit, Kraft und Fitness – Vom Kraftzirkel zum funktionalen Training
Ab 1986 baute Peter Salterberger die Kraftsportgruppe auf. Es folgten differenzierte Angebote für Gesundheitssport („Body Aktiv“) und leistungsorientiertes Training („Full Body Total“). Die Trainingsphilosophie entwickelte sich kontinuierlich weiter – von Turnelementen zu 4XF-Formaten mit Langhanteln, Schlammbällen, Battle Ropes und mehr. In der neuen Erich-Valeske-Halle entstand ab 2013 ein moderner Kraftraum in Kooperation mit dem TuS. Die Corona-Pandemie stellte die Abteilung vor große logistische Herausforderungen – doch durch Kreativität (Outdoortraining, Videokurse) konnte das Sportangebot aufrechterhalten werden.
Die Abteilung ist heute hervorragend aufgestellt, mit einem starken Übungsleiterteam unter der Leitung von Dominik Stein, Peter Saltenberger und Tristan Dold.
Schach – Das königliche Spiel im Verein
Alle zwei Wochen treffen sich die Schachfreunde im Raum der Vereine – ein ruhiger, aber fester Bestandteil des Vereinslebens. Die Abteilung, von Fritz Petrak initiiert, ist ein schönes Beispiel für generationsübergreifenden, geistigen Sport.