Technologischer Fortschritt in Mensfelden Mensfelden war über viele Jahrhunderte landwirtschaftlich geprägt – ruhig, bodenständig und eng mit der Natur verbunden. Mit dem Einzug technischer Neuerungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann auch hier ein Wandel, der das Leben der Menschen nachhaltig veränderte. Die erste Poststelle – ein Tor zur Welt (1890) Im Jahr 1890 wurde in Mensfelden die erste Poststelle eingerichtet. Zuvor wurde das Dorf postalisch von Kirberg aus betreut. Der erste Posthalter war Philipp Schumacher – in der Backhausstraße betrieb er die Poststelle, die bis 1945 bestand. Telefonanschluss – eine Revolution der Verbindung (1895) Nur fünf Jahre später – 1895 – erhielt Mensfelden seinen ersten Telefonanschluss. Allerdings war dieser zunächst ausschließlich für die Post bestimmt. Die Verbindung reichte bis nach Limburg und war ein echtes Novum. Die Motorisierung hält Einzug (1901) Im Jahr 1901 erlebte Mensfelden eine kleine Sensation: Der erste Motorwagen fuhr durchs Dorf. Ein Tierarzt aus Limburg lenkte das Automobil über die damals noch holprigen Wege – für viele Dorfbewohner ein geradezu unglaublicher Anblick. Kurz darauf folgte eine weitere Premiere: Pfarrer Bökel erhielt das erste Motorrad im Ort. Diese beiden Ereignisse markierten den Beginn des motorisierten Zeitalters in Mensfelden. Fahrzeuge waren zu dieser Zeit noch eine absolute Seltenheit, jedes neue wurde bestaunt wie ein technisches Wunder. Foto: Mercedes in der Backesgass, um 1940 Die Elektrifizierung – Licht und Kraft für das Dorf (1913–1914) Die große Wende kam mit der Elektrizität. Nach der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 in Frankfurt nahm die Elektrifizierung in Deutschland Fahrt auf. 1913 wurde eine Fernleitung von Höchst über Staffel und Holzappel in den Westerwald gebaut – sie verband Wasserkraftwerke an der Lahn, ein Braunkohlekraftwerk in Höhn und das Heizkraftwerk in Höchst. Diese Leitung diente nicht nur der Versorgung, sondern auch der Vorbereitung zur Elektrifizierung ländlicher Gebiete wie dem Taunus. Im Herbst 1913 beschloss die Gemeindevertretung Mensfelden, das Dorf an das neue Stromnetz anzuschließen. Bereits am 16. September 1914 brannte in Mensfelden zum ersten Mal elektrisches Licht – ein Meilenstein in der Dorfgeschichte. Die erste Verdrahtung verlief entlang der Hauswände, zwischen Gebäuden und in den Ställen, meist über Porzellanisolatoren und Freileitungen. Typisch war ein pauschaler Brennstellentarif, z. B. für zwei Glühlampen. Wurden mehr Lampen eingeschaltet, begann das Licht zu flackern – ein frühes Zeichen der begrenzten Kapazitäten. Der Strom bringt Bewegung – Elektromotoren im Einsatz Noch vor, aber vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, kamen in Mensfelden auch Elektromotoren zum Einsatz. Sie waren anfangs sehr teuer, aber leistungsfähig. Oft wurde mit einem Motor über eine Transmission gleich mehrere Maschinen betrieben – etwa Schrotmühlen, Rübenschnitzler oder auch die ersten Waschmaschinen. Selbst der bis dahin übliche Bulldog-Antrieb für Dreschmaschinen wurde zunehmend durch Elektromotoren ersetzt. Ein stummer Zeitzeuge dieser Entwicklung ist noch heute an einem Haus in der Schlimmstraße 14 zu finden: Dort befindet sich der letzte bekannte Stromanschluss für einen solchen Motor, sichtbar an der Fassade – ein Stück technischer Dorfgeschichte, das erhalten blieb. Foto: Stromanschluss in der Schlimmstraße 14