Der Mensfelder Kopf
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Anne Kött, Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (2022)
Christina Weber-Reusch (2025)
Geschichte des Mensfelder Kopf
Ungefähr 6 km von den Lahnstädten Limburg und Diez entfernt, zwischen Aar und Ems, erhebt sich einer der letzten Ausläufer des Taunus nach Lahn hin. Der Mensfelder Kopf zu einer Höhe von 315 m. Er bietet dem Besucher, neben dem lieblichen Panorama des Limburger Beckens zu seinen Füßen, eine wunderbare Fernsicht, die sich bis zu den höchsten Gipfeln des Taunus und Westerwaldes erstreckt.
Am südöstlichen Fuße des Berges liegt das 1100 Einwohner zählende Dorf Mensfelden. Durch seinen Hausberg ist auch unser schönes Heimatdorf Mensfelden bekannt. Solange man unsere Geschichte verfolgen kann, schließt sie auch den Mensfelder Kopf mit ein. Er hat in allen Zeit viel Freud und Leid gesehen. Freude, wenn in der Johannisnacht das Sonnenwendfeuer in weiter Runde aufleuchtete und die Jugend bei frohen Reigen und Liedern im Feuerschein tanzte.Bis zum ersten Weltkrieg wurden auf ihm die Sedansfeiern abgehalten, und unter vaterländischen Reden und Liedern die deutsche Einheit gefeiert. Auch das große Kaisermanöver 1905, als Kaiser Wilhelm der II. zugegen war, ist als eine unvergessliche Erinnerung aufgezeichnet worden.
Heute, da man von den alten historischen Ereignissen nicht mehr viel wissen will, freuen sich noch Jung und Alt, wenn sie auf seinem Gipfel stehen und die Schönheit der Umgebung schauen dürfen.
Jedes Jahr, wenn das Bergfest Ende August auf seinem in der Nähe liegenden schönen Sportplatz stattfindet, reizt es die Besucher auch seinen Gipfel zu besuchen.
Viel Leid musste er auch schauen, wenn um ihn in den vergangenen Jahrhunderten die Kriege tobten und die Feuersbrünste lohten. Im dreißigjährigen Krieg hielten hier Freund und Feind Ausschau und planten ihre Angriffsziele. Im Jahre 1795, wie es in einem Bericht des Heimatblattes zu lesen ist, sammelten sich hier die Österreicher mit ihren Feldherren unter Erzherzog Karl zu dem gewaltigen Angriff auf die Lahnübergänge bei Limburg und Diez. Auch im zweiten Weltkrieg hatte hier die deutsche Wehrmacht eine Flugwache stationiert.
Heute tummeln sich täglich, insbesondere bei schönem Wetter, Touristen und die Spaziergänger der einheimischen Bevölkerung auf dem schönen Plateau. Bis vor dem zweiten Weltkrieg hatten die Segelflieger hier ihre Übungsstätte, heute kommen die sportbegeisterten Modellflieger und lassen ihre Modelle mit elektronischer Steuerung im Höhenwind kreisen.
Das Naturschutzgebiet „Mensfelder Kopf“
Die Geschichte des Naturschutzgebiets
Auf dem Mensfelder Kopf wurde im Jahr 1998 das Naturschutzgebiet „Mensfelder Kopf“ mit einer Größe von rund 6,5 h ausgewiesen. Das Gebiet ist eingebettet in ein Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebiet mit einer Ausdehnung von 37 ha. Das FFH Gebiet ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 innerhalb der europäischen Union. Der „Mensfelder Kopf“ erhebt sich als Hügel über die von Landwirtschaft geprägte Umgebung, die an die Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz angrenzt.
Besonders hervorzuheben ist das Vorkommen der Besenheide (Caluna Vulgaris), das überregional von großer Bedeutung ist. Gleichzeitig wird das offene Gelände durch größere, strukturreiche Hecken bereichert, die wertvolle Lebensräume für zahlreiche Insekten, insbesondere Schmetterlinge und Heuschrecken, sowie für gefährdete Vogelarten bieten.
Die geschützte Heidelandschaft auf dem Mensfelder Kopf ist das Relikt einer historischen meist extensiv und kleinteilig bewirtschafteten und strukturreichen Kulturlandschaft. Diese Bewirtschaftungsweise, wie auch die Nutzung als Steinbruch für die Gewinnung von Bruchsteinen, heute noch sichtbar an den Kuhlen in der Landschaft, führten dazu, dass sich der Mensfelder Kopf historisch als kahler Bergrücken mit niedrigem Bewuchs darstellte.
Es ist ferner anzunehmen, dass das Areal auf dem Mensfelder Kopf auch als Schafweide genutzt wurde. Bis zum Ende der fünfziger Jahre wurde über viele Jahrhunderte hinweg Schafzucht in Mensfelden betrieben. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden bis zu 800 Schafe im Ort gezählt, welche vom Schäfer auf die Weiden außerhalb des Ortes getrieben wurden.
So konnte sich auf dem steinigen, mageren und sauren Boden die offene Heidelandschaft und ein Biotopkomplex aus seltenen und streng geschützten Pflanzen, Gräsern und Tieren entwickeln. Erst mit Beendigung der jahrhundertelangen historischen Nutzungsweise und der damit einhergehenden zunehmenden Verbuschung und der beginnenden Verwaldung geriet diese schützenswerte Heidelandschaft in Gefahr.
Die Wachstumsbedingungen für die Besenheide verschlechterten sich von Jahr zu Jahr. Die Anreicherung des Bodens durch den Nährstoffeintrag abgestorbener Pflanzenteile sowie der Stickstoffeintrag aus der Luft führten dazu, dass der Boden immer nährstoffreicher wurde. Gräser und Sträucher wie die Brombeere begannen die Heide zu verdrängen. Der Wald rückte immer mehr in das Gebiet vor und Baumarten wie Birke und Eiche begannen zu wachsen. Die Veränderung der klimatischen Bedingung und die Zunahme sehr trockener, heißer Jahre verschlechterten die Wachstumsbedingungen für die Heide zusätzlich.
Als Konsequenz daraus erfolgen nun regelmäßig umfangreiche Entbuschungsmaßnahmen und das Plaggen1 von Gebietsflächen. Zuletzt wurde im Jahr 2024 im Naturschutzgebiet geplaggt. Auch eine regelmäßige Mahd mit Abtransport des Schnittguts und die Beweidung durch Schafe und Ziegen erfolgt wieder mehrmals im Jahr durch einen Schäfer (Ulrich Schwenk aus Mensfelden). Durch die gewählten Maßnahmen werden dem Boden Nährstoffe entzogen und Freiflächen geschafften. Damit soll der Erhaltungszustand gewährleistet und eine positive Entwicklung des Naturschutzgebietes gefördert werden.
Seltene und schützenswerte Tier- und Pflanzenarten
Weitere seltene Pflanzen sind außer der Besenheide, der Haarginster, der Heidelöwenzahn aber auch der nur noch selten vorkommende Borstgrasrasen. Das Gebiet ist ferner reich an seltenen und schützenswerten Strauchflechten (Rentierflechten Cladonia).
Tiere wie der Schwalbenschwanz, Brauner Feuerfalter, Feldgrille, Zweifarbige Beißschrecke, Neuntöter, Nachtigall, Feldlerche, Zauneidechse und Sperber sind seltene Tierarten, die auf dem Mensfelder Kopf beobachtet werden können. Im Gebiet lebt auch eine Vielzahl an bedrohten und vom Ausstreben bedrohten Wildbienenarten.
Besucherlenkung
Im Rahmen der Besucherlenkung wurde 2023 in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hünfelden, dem Regierungspräsidium Gießen, Hessen Forst und dem Hessischen Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (HNLUG) ein Entdeckerpfad für Kinder ab dem Grundschulalter im Naturschutzgebiet eröffnet.
Eine Übersichtstafel „Geoblick“ des Geopark Westerwald-Lahn-Taunus erklärt die geologische Entstehung des Mensfelder Kopfes.
Schutzgebietsbetreuung
Seit Ausweisung des Naturschutzgebiets kümmerten sich die Mensfelder Bürger Dieter Kess und Philippe Trapp als ehrenamtliche Schutzgebietsbetreuer um die Pflege des Naturschutzgebietes. In den vergangenen 20 Jahren hatten die Beiden mit unermüdlichem Einsatz den gesamten Bereich vor der Verbuschung gerettet und das heutige Bild des Mensfelder Kopfes geprägt. Ohne dieses Engagement würde es die Besenheide heute dort nicht mehr geben. Im Jahr 2022 hatten die beiden den Staffelstab an zwei neue Schutzgebietsbetreuerinnen Matina Schmidt und Christina Weber-Reusch aus Mensfelden abgegeben. Zusammen mit dem „MEKO-Kümmerer-Team“ und dem NABU Hünfelden engagieren sich nun weitere Ehrenamtliche um den Erhalt des Naturschutzgebiets.
Was machen Schutzgebietsbetreuerinnen und -betreuer?
Sie können gemäß § 25 des Hessischen Ausführungsgesetzes zum Bundesnaturschutzgesetz von der Oberen Naturschutzbehörde (Regierungspräsidium Gießen) bestellt werden. Die Schutzgebietsbetreuerinnen- und betreuer erhalten einen Ausweis, der sie dazu berechtigt, die Naturschutzbehörde bei ihren Aufgaben im Außendienst zu unterstützen. In dieser Funktion sind ihre Aufgaben zum Beispiel die Information und Beratung der Besucher, die Aufklärung über Rechtsverstöße und die Klärung über geltende Vorschriften.
Geologie und Bodenbildung
Wie ist der Mensfelder Kopf entstanden?
Der Mensfelder Kopf liegt im südwestlichen Bereich der Lahn-Mulde, die als Teil des Rheinischen Schiefergebirges in südwest-nordöstliche Richtung verläuft.
Die zu Gesteinen verfestigten Sedimente der Lahn-Mulde sind im Erdaltertum in der Devon- und Karbonzeit zwischen 408 und 322 Millionen Jahren vor heute entstanden. Das Gebiet bildete damals den Boden eines flachen Schelfmeeres, das den Südrand eines Ur-Kontinents (Laurussia oder Old-Red-Kontinent) überflutete. Der Abtragungsschutt des Kontinents wurde von den Flüssen in das Flachmeer transportiert, abgelagert und später zu Gesteinen verfestigt. Hierbei handelt es sich um Taunusquarzit, auf dem wir hier stehen und Tonschiefer (u.a. Hunsrückschiefer). Die Gesteine wurden früher wie auch heute als Naturwerkstoff bzw. Dachschiefer abgebaut. Die Kuhlen auf dem Mensfelder Kopf und im umliegenden Wald sind Überreste von alten Abbaustellen und kleinen Steinbrüchen. Die Bruchsteine wurden beispielweise für den Bau von Häusern und Straßen verwendet.
Zahlreiche untermeerische Vulkane bildeten Inseln, die im damaligen tropischen Klima von Korallenriffen umgeben waren (der Massenkalk ist ein versteinerter Riffkörper, bei Villmar/Lahn eindrucksvoll aufgeschlossen und poliert). Das Gestein Keratophyr (Meta-Rhyolith, Porphyr) im Mensfelder Steinbruch sowie der Schalstein in Kirberg (Burgfelsen) sind Überreste dieser Inseln. Durch die untermeerische Verwitterung der vulkanischen Gesteine entstanden Roteisenerzlager, die früher in einer Vielzahl von Eisenerzgruben abgebaut wurden. Typische Gesteine des Lahn-Dill-Gebiets.
Bewegungen in der Erdkruste führten dann vor allem in der Zeit des Oberkarbons (zwischen 322 und 290 Millionen Jahren) zum Zusammenstoß zweier Kontinentalplatten, des Nordkontinents (Laurussia) mit einem Südkontinent (Gondwana). Durch die Kollision wurden das Meeresbecken und seine Gesteinsschichten zunehmend eingeengt. Die darin horizontal abgelagerten und zu Gesteinen verfestigen Sedimente und vulkanischen Gesteine wurden von den eingeengten Kräften zusammengeschoben, gefaltet, teilweise zerrissen und über die Meeresoberfläche hinausgehoben. Das „Variszische Gebirge“ einschließlich des Rheinischen Schiefergebirges war entstanden.
Der Feldberg im Taunus (881 Meter) ist eine der höchsten Erhebungen dieses Gebirges. Durch Verwitterung und Erosion wurde das Gebirge im Erdmittelalter wieder weitgehend abgetragen und teilweise von jüngeren Gesteinsschichten überlagert.
In der Erdneuzeit (65 Millionen Jahre bis heute) näherten sich die Land-Meer Verhältnisse sowie die Oberflächengestaltung des Festlands kontinuierlich den Verhältnissen der Gegenwart an. Zu dieser Zeit kam es unter anderem auch zu tektonischen Einbrüchen. Jenseits des Limburger Beckens, das sich zu Füßen des Mensfelder Kopfes erstreckt, sind im Nordwesten am Horizont Vulkankegel des Westerwaldes zu sehen.
© 2022 Anne Kött, HLNUG
Wie entsteht aus Gestein eigentlich Boden?
Im Laufe der Jahrtausende verwittert Gestein in seine mineralischen Bestandteile, kontinuierlich entstehen immer kleinere Teilchen und Gesteinskörner. Die ersten Pionierpflanzen wie Flechten und Moose siedeln sich auf dem Gestein an. Unmerklich vermischen sich abgestorbene Pflanzenteile und tierische Rückstände mit den zerkleinerten Gesteinskörnchen und unter der Mitwirkung von Bakterien und Pilzen entsteht schließlich die obere Bodenschicht. Hier auf dem Mensfelder Kopf enthält der Boden das zerkleinerte Gestein des Taunusquarzits. Dieses hat im Rückblick auf den Prozess der Bodenbildung einen wesentlichen Einfluss auf die Bodenbeschaffenheit. Die Verwitterung von Quarzit führt durch dem im Gestein enthaltenen hohen Anteil an Kieselsäure zu sauren Böden, den Pflanzen wie die Besenheide auf dem Mensfelder Kopf zum Wachsen benötigen. Durch die Verwitterung von Vulkangestein entstehen beispielsweise sehr fruchtbare Böden.
Was vor vielen Millionen Jahren seinen Anfang gefunden hat, führt in der Gegenwart dazu, dass die Heide hier bei uns wachsen kann.
O, Mensfelder Kopf
O, schönes Plätzchen Heimaterde,
Im Sommer, wenn die Heide blüht.
Wenn neben dir die stille Herde,
Grasend durch die Weiden zieht.
Dann tut der Wandrer gern verweilen,
Auf jenem schönen, stillen Ort.
Und niemand ziehts zum Weitereilen,
Von diesem schönen Gipfel fort.
Umringt von Wald und schönen Feldern,
Ragst du empor zu luftgen Höhn.
Du grüßt das weite Tal, die Wälder,
O, Mensfelder Kopf - wie bist du schön!
-
ausgestechen eines Stück Oberboden↩︎