Der Großbrand 1801 ✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975) Der Großbrand sowie Anlage mit Bittschriften und Einsprüchen zum neuen Bauplan In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 1801 gegen 11 Uhr abends brach in Mensfelden ein Großbrand aus. Der Großbrand entfachte sich in dem Gehöft Müller in der Schwarzgasse (heutige Schwerzstraße). Durch starken Westwind verbreitete sich das Feuer in Windeseile und im Nu auf den ganzen südöstlichen Teil unseres Dorfes. Die schnelle Verbreitung des Feuers ist auf die damals noch vorhandenen Strohdächer zurückzuführen. Dem Feuer fielen zum Opfer 70 Wohnhäuser, 50 Scheunen, 276 Ställe und Holzschuppen und 554 Tiere, 266 Menschen wurden obdachlos. 1. Bittschrift: Zur Höchstpreißlich Hochfürstlich Oranien Nassauischen Landesregierung in Dillenburg. Supplicatio humi Clima ex parte sämtlicher Brandgeschädigten in Mensfelden um gnädigste Unterstützung; und eine Landescollecte. den 2ten November 1801 Welch ein grausames Feuer in der Nacht zum 21ten auf den 22ten Juli d. J. unsere Wohnungen, Scheuern und Stallungen - fast mit allen häußlichen Haabseligkeiten, in kurzer Zeit, ohne alle Rettung, durch den heftigen Wind, leider; in Asche verwandelte, ein solches ist Ew. Ew. gnädigst bekannt. Der geringe Teil des Orths, welcher stehen geblieben, fasst nicht alle Familien besonders da der harte Winter sich nahet. Zum Theil wohnen wir auswärts zum Theil oben auf kalten Böden, unsere Früchte und Vieh haben wir verschiedentlich auswärts bei unsere Nachbarn gebracht. Wie kümmerlich und elend wir also leben und wohnen, ist leicht zu ermessen. Unsere erste Sorge muß also auf Obdach für Menschen und Vieh gerichtet seyn. Leider! treffen alle Wetter der Trübsal über unseren Häuptern zusammen. Kaum ist eine Noth vorbei gewesen, so haben uns schon andere erwartet. Anno 1779 betraf der Brand fast alle, welche jetzund derselbe betroffen hat. Damals ware noch Credit, und wir lehneten Geld zum Bauen. Aber wir hatten nicht Zeit genug um sich zu erhohlen, so brache der letztere unseelige Krieg aus, welchen bekanntlich Mensfelden durch die sogenannten Anhöhen vor Limburg in seiner ganzen Größe empfande. Wie viele Plünderungen haben wir ausgehalten? Welchen Verwüstungen waren unsere Felder, Gärten, Bäumen, Früchten und sonstigen Gewächsen ausgesetzt, und was haben wir durch kostspielige Einquartierungen, auferlegten Contributionen, Requisitionen, Erpressungen aller Art, erdulden müssen? Wie oft mußten wir unser Leben auf der Flucht und in Winkelen retten; so daß die ganze Gegend sich damals wunderte, wie Menschen noch bestehen können. Nicht genug zu den Privatschulden, deren jeder für sich zu tragen hatte, mußten ohnumgänglich Gemeindsschulden gemacht werden, wo die Zinsen bei den sehr geringen Gemeindsvermögen, noch zu jenen ex proprüs aus eigenen Mitteln zu bezahlen sind. Bei diesen Umständen, wurden durch Unvermögenheit bei allen guten Willen, die herrschaftliche Gültfrüchten/: deren dem Mensfeldens Einwohner mit dem Privatgülten über 120 und noch mehr Malter jährlich entrichten müssen ohne Höfen und dgl. zu gedenken: und Geld-Abgaben nicht entrichtet und im Rückstand belaßen. Mitten in den größten Kriegsübelen führte der Krieg Anno 1795-1796 die Viehseuche herbei, und fast alle unser Vieh wurde ein Opfer dieser Seuche. Dieser Schaden ist nicht zu berechnen, indeme unser Viehbestand im besten Flor (Blüte) ware. Nachgehends war die Theuerung so groß, daß wir 8, 10, 12, Karolin für eine Kuh bezahlen mußten. Welches Bauern und geringen Unterthanen Vermögen ist nun hinreichend, solchen Stürmen zu wiederstehen, und muß nicht einer mit dem anderen zu Grunde gehen? Die meisten Güter sind verhypotheciret (belastet) - der Credit verloren, kein Geld zu bekommen, und viele haben schon ihre Güter verkaufen müßen, um Zinsen und alte Schulden zu bezahlen. Wozu nun- schauderhafter Anblick- dieser große Brand, wovon Kinds-Kinder noch sagen werden, dazu kommt 70 Wohnhäuser, 50 Scheuern, 276 Ställen und Holzremiesen sind nicht mehr. Das Vermögen der meisten ist verlohren, die Kräften sind verschwunden, und kein Credit. Von einem Brandashecurations- ode sonstige heilsamen Institut (Versicherung) wissen wir nichts- und von Holz sind wir entblöset. Wahr ist es, unsere Nachbaren, und die benachbarte nicht genug lobende Fürsten und Städte haben durch Landessteuern in Geld und Holz uns so unterstützt, daß wir an 3000 Gulden zehlen, wofür wir ihnen ordentlich, sowie für mehr als 200 Stämme Holz, danken, allein der Schaden ist durch 396 Gebäuden-Verlust, ohne Kleidung und Hausmobilien zu beträchtlich, als daß dieses uns aushelfen könnte. Wo sollen wir uns nun hinwenden? Als gehorsame treue Unterthanen kommen wir vor unsere höchstgnädigste Landesherrschaft, und schüten so ehrfurchtsvoll als getreue Kinder unser so jammervolles Herze aus. Schon spüren wir Linderung unserer Schmerzen. Das gute gnädige Vater-Herze bürgt uns dafür. Und wir sind gewiß, daß unser Elend, welches wir nur kürzlich erzehlet haben; Mitleiden erweckt, und wir auf kräftige und thätigste Unterstüzung rechnen dürfen. Ew. p. Ew. etc. tragen wir dieses alles mit der unterthänigst fußfälligen Bitte vor; uns- in Geld-Holz- oder sonstigen Natural-Bedürfnissen landesväterlichst gnädigst zu unterstützen, und eine landescollecte verordnen. Ohne Unterstützung sind wir verloren. Wir wollen doch leben, wir müssen Obdach haben, wir wollen getreue Unterthanen bleiben, wir wollen unsere Kinder in Ehren erziehen, wir wollen bauen, damit Mensfelden nicht eine Einöde bleibt. An all diesen Unglücksfällen sind wir nicht Schuld. Die Vorsehung hat solches zugelassen, und der Höchste wolle auch für uns sorgen; lange zu unserer Freude den besten Fürsten uns leben lassen, und dann, werden wir vor die höchste Gnade nicht nur dankbar seyn, sondern zeitlebens in tiefster Ehrfurcht ersterben. Ew. Ew. PP. unterthänigste treue gehorsamste durch Brand beschädigte Unterthanen zu Mensfelden Kirberg d. 8. at: 1801 Hochlöbliches gemeinschaftliches Amt! Ich habe zu einem nicht geringen Befremden die höchst unerwartete Nachricht erhalten, daß ein Höchlöbliches Amt in dem sehr unglücklichem Ort Mensfelden die Verfügung gemacht habe, daß nach einem gewißen angenommen Plan, die auf den Brandstätten neu aufzuführenden Gebäude erbaut werden sollen, wodurch dann nach bloßer Willkür das Eigentum der Eingesessenen theils gestückelt, theils ganz verändert und dadurch ein unermeßlicher Schaden verursacht werden. In wie fern dieses nach rechtlichem oconomischen und politischen Gründen gerechtfertigt werden könne, und wir diese ganz willkürliche Behandlung ohne Rücksprache und Beistimmung der Grundeigentümer in einem sonst sehr gesetzlich eingerichteten Staat, wozu Gottlob unser Deutschland noch zu zählen ist, verantwortet werden könne, will ich dermalen gar nicht in eine weitere Erörterung ziehen. Genug, durch die Befolgung dieses neuen Bauplans sollen mir von meinem frei Adlichen und Ritterschaftlichen Besitzungen ein sehr beträchtlicher Theil entzogen werden, welches mir unmöglich gleichgültig seyn kann, und wozu ich nie meine Einwilligung geben werde. Ich finde mich also genöthigt, gegen alle Attentate auf meine Besitzungen in loco Mensfelden hiermit feierlich und förmlich zu protestieren, und mir alle Rechtszuständigkeiten so wie erforderlichen Falles die nöthigen Vorwürfe an die Hochweislichen Regierungen und höchsten Reichsgerichts nebst allen verursachten Schäden und Kosten ausdrücklich zu reverieren. Ich ersuche daher ein Hochlöbliches gemeinschaftliches Amt geziemend. Das angefangene Bauwesen nach dem angenommen Plan wenigstens in sofern es meine Besitzungen beeinträchtigen sollte, schleunigst zu inzsibieren, und bis nach erfolgter resolution von den beiden hohen Landesregierungen an welche ich mich zu dem Ende gewendet habe, zu suspendieren. Dehuper nobile officium judicis hueto more im plorando beharre ich Eines Höchlöblichen Gemeinschaftlichen Amtes ergebener Diener Reichs Freiherr Reitz von Frenz De April 1802 Zu gnädigsten Händen Seiner Hoheit des Durchlauchtigsten Fürsten von Oranien Naßau p. p. unseres gnädigsten Landesherrn Unterthänige Bittschrift der gemeinschaftlichen Gemeinde Mensfelden den ihr vorgeschriebenen neuen Bauplan betreffend. Durchlauchtigster Fürst gnädigster Landesherr! Eurer Hoheit nahen wir uns, die sehr bedrängte und bekümmerte Gemeinde Mensfelden. Wir vereinigen die Ehrerbiethigsten Gesinnungen und innigste Freude mit dem Freudenjubel aller getreueßten Unterthanen, welche wir billig darüber empfinden, höchstdieselben als unseren geliebtesten Landesherrn wieder in unserer Mitte zu sehen, und von Höchstdero gefühlvollen Herzen, wie treue Kinder, unseren Kummer und unsere Noth ausschütten zu dürfen. Wir wagen es daher zuversichtwollest, Eurer Hoheit unsere sehr bedrängte Lage devodest zu Füßen zu legen. Durch den kaum beendeten greuevollen Krieg, und die Verherung einer zweymal wiederfahrenden Viehseuche wurde unsere arme Gemeinde und jedes einzelne Mitglied derselben, in die tiefste Armuth versetzt, und im verflossenen Sommer durch die Wuth einer schrecklichen Feuersbrunst, welche in wenigen Stunden über die Hälfte unserer Gebäude in die Asche legte, unser Elend vollendet. Unserer und unserer Nachkommen Wohlstand ist auf lange Zeit hinaus gänzlich zerrüttet. Kaum hatte uns die dumpfe Betäubung, worin uns der letzte schreckliche Schlag des grausamen Schicksals versetzt hatte, verlassen, und wir waren im Begriff armselige Hütten auf den Schutt und der Asche wieder zu erbauen, als unser wieder auflebender Muth und die wiederkehrenden Hoffnungen des gemeinschaftlichen Amts ganz zu Boden geschlagen wurden, welche uns ohne Stellung mit dem schrecklichsten unter allem überstandenen Unglück bedrohte. Es wurde uns ein neuer Bauplan vorgeschrieben den wir ohne Abweichung bey Wiederaufbauung unserer niedergebrannten Gebäude befolgen sollten. Durch diesen Plan aber sind die noch vorhandenen alten Fundamente und Keller auf welcher wir mit weit geringeren Kosten, die neuen Gebäude wieder aufstellen könnten, für uns ohne Nutzen. Über 18 Morgen der fruchtbaren Gärten und Ländereyen werden zu neuen Bauplätzen verwendet, und über 300 der edelsten Obstbäume gehen verloren. Gegen 40 Brunnen müßen zugeworfen und neu gegraben werden. Fünfzehn Wohnungen., welche die Wuth der Flammen verschont hatten, mußten mit schweren Kosten in die Linie des neuen Bauplans gerückt werden, davon überdies kein einziges Haus ohne Gefahr des gänzlichen Einsturzes von seinem Platze weggeführt werden kann. Unsere besten Wiesen werden auf ewige Zeiten durch Entziehung der fruchtbaren Wässerung gänzlich verdorben und über dies alles sollen wir einen Flächenraum von wenigstens 700 quadrat Ruthen zu vier neuen Straßen aptieren, und in gemäßheit dieses an manchen Orthen denselben 7 - 8 Fuß tief ausgraben, wo man doch schon nach 3 - 4 schuhen Tiefe, Quellen findet, und soll diese gemeinschaftliche Arbeit von Menschen verrichtet werden, die, wenn sie nicht einen Tag um Lohn arbeiten. kein Brot für sich und ihre hungrige Kinder haben. Der uns durch diesen neuen Bauplan zugefügte Schaden und Verlust, würde alle unsere bisher überstandenen Unglücksfälle weit übersteigen, und unsere arme Gemeinde für die Zukunft auf immer gänzlich zu Grunde richten, und der ganze Gewinn wäre kein anderer, als daß die Gebäude bey einer künftig etwa entstehenden Feuerbrunst etwas weiter voneinander entfernt würden, und somit, gesichertet wären. Ohne aber zu gedenken, daß dieser Vortheil mit dem unermeßlichen Schaden in keinem Verhältnis stehet, und entstehenden Wind gänzlich ceshirnt; so wäre doch dieser beabsichtigte Zweck auf andere Weise viel leichter und zweckmäßiger zu erreichen, und wir würden z. B. mit unendlich viel geringeren Kosten unsere sämtlichen neue Gebäude durch den glaserischen Holzanstrich ewig unverbrennlich machen können. Wir wagen es daher Euere Hoheit unterthänigst fußfälligst zu bitten, daß Höchstdieselben gnädigst geruhen wollen sich über unsere Beschwerden gegen diesen neuen Plan der überhaupt für unsere localverhältnisse durchaus untauglich ist, von ganz unparteyschen Sachverständigen gnädigst referieren zu lassen, und uns dann huldreich zu mit Verwerfung dieses neuen Bauplans unsere Hütten auf den alten Schutt wieder aufzubauen, jedoch nach einer unschädlichen besseren Einrichtung, die wir uns gerne und willig gefallen lassen wollen. Wir Leben in der unterthänigsten Zuversicht, uns durch diese höchste väterliche Verfügung der ersten wohltätigen Wirkungen höchstdero erfreulichen Gegenwart im Schooß getreuster Unterthanen, erfreuen zu können, und ersterben in tiefer Submision. Euere Hoheit unterthänigste Gemeinde Mensfelden 16. April 1802 An fürstl. Landesregierung vorläufiger Bericht Die vollziehung des bey der Wiederaufbauung des abgebrannten Theils von Mensfelden festgesetzten Bauplans betr. Vermöge Auftrags verfügte ich mich mit 8 Mann Soldaten am 14. dieses hieher. In einem Reserigt (Sonderrecht) von hochlobl. gemeinschaftl. Amt wurden die Resolutionen beyder hohen Landesherrschaften wegen Vollziehung des Bauplans, öffentlich bekannt gemacht und den Einwohnern zu Mensfelden anbefohlen; den Bauplan nicht zuwider zu handeln und die planwidrig stehenden Gebäude auf die angewiesenen Bauplätze in 3 Tagen hinzustellen, wie denn alle überhaupt zu treffenden Verfügungen alsbald vollzogen wurden. Indeß wurden diese Verfügungen nur zu wenig befolgt. Das planwidrige Fortbauen wurde nur durch die strengsten Befehle an Ort und Stelle geendigt. Dem Amtsjäger aus legte man bey der Wiederaufsuchung der Bauplätze alle möglichen Hindernisse in den Weg. Meinen Vorstellungen, meinen Bitten, meinen Befehlen, meinen Drohungen sowohl an Mehrer als Einzel gerichtet, wurden verneinende Antworten, Schreyen, Schimpfreden, Verwünschungen, Drohungen, Sachen pp. entgegen gesetzt, Männer und Eltern schickten meistens ihre Weiber, ihre Kinder dazu, die eingeschlagene Pfähle wurden des Nachts wieder ausgerissen. So vielfältig sich auch Gelegenheiten dazu anboten, so konnte ich mich bis jetzt noch zu keinem gewaltsamen Mitteln verstehen in dem ich nur zusehr versichert bin, daß die Wiederspenstigen des dennoch aufs äußerste ankommen lassen, und die planwidrig stehenden Gebäude nach dem Osterfest bis dahin ihnen die zum Abschlagen oder fortrücken bestimmte Frist zu Ende läuft, von Commisionswegen verrückt oder auf und abgeschlagen werden müssen. Ich werde alsdann künftigen Mittwoch oder Donnerstag noch mehrere Mannschaft von Dietz ersuchen, und gleichfalls in der Nachbarschaft Zimmerleute und Arbeitsleute zum Ab- und Aufschlagen requiren. Ich werde erst eine Instruction von g p abgewartet haben, wenn nicht das planwidrige Aufschlagen und Ausbauen der Gebäude eine Eile nothwendig gemacht hätte. Die nöthige Mannschaft muß ich vom Herrn Commandanten zu Dietz, requiriren, indem die Limburger Garnison jetzt kaum aus 10 Mann besteht, wie mich der Hl. Oberamtmann von Schütz versichert hat, und von Niederselters, außer den 3 gegebenen Soldaten, keine mehr abgegeben werden können. Mensfelden am 16 April 1802 W.P. An die Landesregierung zu Dillenburg Von Gottes Gnaden Wilhelm Prinz von Oranien Fürst zu Nassau, Graf zu Katzenellenbogen Vianden Diez, Spiegelberg Büren, Leerdam und Ceytenberg ppp Erb- Stadt-halterhalter Erb-Gouverner, Erb-Capitaine und Admiral-General der vereinigten Niederlanden Erb-Capitaine General und Admiral von der Union, Ritter des Hosenbandes, auch des schwarzen Adlers. Wohlgebohrne, Wohledle, Edle, Teft- und Hochgelehrte, liebe Getreue! Wir haben uns vortragen laßen, was ihr unterm 20ten d. M. über das Gesuch der Brandbeschädigten zu Mensfelden unter Einziehung des ihnen vorgeschriebenen Bauplan berichtet habt und geben auch auf den Supplicanten nunmehr von unsretwegen zur Resolution bekannt zu machen: daß wir ihre gegen den ihnen vorgeschriebenen Bauplan erregten Beschwerden in Erwägung gezogen, und solche theils unbegründet, sehr übertrieben, im ganzen aber unerheblich gefunden hätten; daß wir allezeit sehr abgeneigt seyen von unseren getreuen Unterthanen, die Aufopferung ihres privat Eigenthums, und ihrer besonderen Convenienz (passent oder übereinstimmend) für das gemeine Beste willkürlich zu erzwingen, daß aber in dem vorliegendem Falle, wo die Wohltätigkeit des Zwecks für den Ort Mensfelden, und alle dießen Einwohnern so offenbar am Tage liegen, und ihre Wohlfahrt so sichtlich befördert werde, wie ihrem Gesuche, um mit dem entworfenen Bauplane gänzlich verschonet zu bleiben. zu willfahren uns nicht entschließen können, sondern vielmehr gut gefunden hätten, daß es bey dießem von beyderseits mitherrschaftlichen Regierungen genehmigten Bauplane besonders nach dem neuerlich auf daß anderweite Gutachten der Bauverständigen, aus einer alles erschöpfenden Nachsicht gegen die Beschwerden der Supplicanten darin gemachten Veränderungen sein unabänderliches Bewenden haben solle. Wir können auch aber die unangenehmen Empfindungen nicht verbergen, welche der pranposterierte Gang dieser Angelegenheit in uns erregt hat; indem nach den bekannten Vorfällen in Mensfelden, und nachdem auf die von euch verfügten Zwangsmittel die Supplicanten sich nach den Absichten der Regierungen zu fügen angefangen haben, uns die Freyheit den Plan zu billigen, oder zu verwerfen, gewißermaßen abgeschnitten, und unsere auf das Gesuch der Supplicanten genommenen Resolution, aufs gelindeste ausgedrückt überflüssig geworden ist. So sehr wir uns überzeugt hatten, daß im vorliegenden Falle eine frühere vollständige Berichterstattung nicht wohl thunlich gewesen, und uns die werkstellig gemachten Zwangsmittel nur allein durch den frevelhaften Ungehorsam einiger Brandbeschädigten provorciret worden seyen, so können wir gleich wohl nicht umhin, auch in allen, besonders aber in solchen FäIlen, wo durch einen Verzug der Resolution unsere landesherrliche Würde mehr oder weniger compromittiret zu werden in Gefahr kommt, die Beschleunigung der Berichterstattung, allenfalls auch nur zum Behuf (Zweck, Erfordernis) einer provisorischen Resolution bestermaßen, und um so mehr anzuempfehlen, als die Entfernung aus unserem Landen nicht mehr wie ehedem provisorische Verfügungen nöthig machet noch den Verzug unserer Resolution rechtfertigt. Und da wir in dem vorliegenden Falle uns wenigstens auf einer anderen Seite den Supplicanten als Landesherren zu zeigen wünschen, so geben wir auch hiermit gnädigst auf, mit dem allerfordersamsten (sorgsamsten), und wonöthig selbst ohne die Mitherrschaftliche Entschließung abzuwarten, an uns zu berichten, auf welche Weise den Supplicanten, besonders den Hilfsbedürftigen, und gegen die obrigkeitliche Verfügungen gehorsam gewesen, die vielleicht schon allzulange vorenthaltene landesherrliche Unterstützung am füglichsten angedeihen könne ? Womit wir auch übrigens in Gnaden stets wohl beygethan verbleiben. Oranienstein, den 24. April 1802 Euer Wohlafsectionirter W. Pr. v. Oranger Verzeichnis: Für das Dorf Mensfelden wegen erlittenen Brandschaden eingegangene Colecte Gulden Albus Pfennig Von der Stadt Dillenburg mit 7 Gemeinden 84 9 6 Vom Amt Renneroth mit 14 Gemeinden 52 7 3 Vom Amt Ellar mit 12 Gemeinden 24 1 Von der Gemeinde Sinn von 14 Einwohner 1 23 Von den Beamtinnen und Beamten der Fürstlichen Landesregierung 80 15 Summa 241 65 9 Anmerkungen zu Großbrand 1801 Die in dem Plan voll punctierten Figuren bezeichnen die Stellungen der vom Feuer zum Theil geretteten Häuser, welche aber nach der neuen Einrichtung in die Linien gerückt werden müssen. Die voll punctierte Figur bey Nr. 1 ist das stehen gebliebene Haus des Karl Müller, muß aber in die Linie wie die neue Zeichnung ausweiset oben an die Kirchgasse gerückt aber ein neues Stück angebaut werden. Die voll punctierte Figur bei Nr. 11 ist das stehen gebliebene Haus des Heinrich Jungen Wittib, und muß nach dem neuen Plan gedreht werden, um einigermaßen einen Raum zwischen diesem und des Karl Müller Haus hervorzubringen. Die Figur auf Nr. 10 ist des Jacob Zollmanns stehen gebliebene Haus, selbiges muß nur auf die neue Zeichnung Nr. 10 geschoben werden. Die Figur zwischen Nr. 9 und 10 ist ein Stall des Jacob Zollmann, dieser fällt ganz weg. Das punctierte Quadrat bey Nr. 9 ist das Haus des Christian Zollmann, und muß ebenwohl auf die Zeichnung Nr. 9 gefahren werden. Das angemerkte Viereck an der Schule ist das Haus des Philipp Zollmann, welches nach der neuen Einrichtung auf die Figur 12 geführt werden muß. bey Nr. 2 ist des Karl Völkers bey Nr. 33 des Anton Müllers bey Nr. 41 des Jud Heiman Herzen und bey Nr. 53 des Johannes Hohlwein und Georg Wagners Haus und mit voll punctierter Linie angemerkt, welche alle auf die Stellen der erst erwähnten Nummern gebracht werden müssen. Das Haus des Baltasar Breche, welches bei Nr. 38 angemerkt ist, muß auf die Figur Nr. 37 herunter geführt werden. Verzeichnis der Brandstätten und Hofräume 1801 Nr. 5) Verzeichnis des Flächen-Inhalts der Brandstätten und Hofräume, sowie auch von den, bey jeder Hofreithe liegenden und zu derselben gehörige Gärten, und einen litteraichen Anhang derer Plätze, welche in diesen Plan gezogen werden (1801) Nr. Name der Besitzer Ruthen Schuh Zoll 1. Adam Werner 12 85 47 2. Jost Schuhmanns Kinder 12 25 84 3. Johannes Lanz sen. 12 68 78 4. Johann Philipp Deuser sen. 13 56 27 5. Johann Christian Lanz 19 86 17 6. Christian Krampf 11 88 9 7. Wilhelm Anton Niebergall 11 8 21 8. Johannes Crecelius 3 37 16 9. Johannes Schuhmann 6 22 74 10. Philipp Wilhelm Oppel 9 93 73 11. Johann Philipp Wagner 1 47 87 12. Friedrich Schmidts Wittib 8 56 42 13. Philipp Friedrich Reinhard 3 43 65 14. Adam Müller 12 45 34 15. Philipp Georg Goebel 18 6 75 16. Johannes Heinrich Lieber 13 93 5 17. Wilhelm Deußer 28 61 92 18. Georg Anton Zollmann 8 26 50 19. Anton Lieber 28 40 22 20. Vollmar Werner 12 70 20 21. Herr von Boos 60 37 75 22. Christian Pfeiffer 16 63 16 23. Heinrich Jurg 6 38 38 24. Johannes Holwein 5 13 60 25. Georg Wagner 90 90 26. Jud - Heymann Herz 15 70 96 27. Carl Lieber 25 80 27 28. Friedrich Will 3 12 50 29. Jacob Zollmann 24 48 20 30. Baltasar Breche 15 15 37 31. Anton Schwenk 15 11 40 32. Anton Keeß 15 30 - 33. Johannes Lanz jun. 16 97 44 34. Jost Lieber 22 35 55 35. Georg Anton Blank 13 44 70 36. Heinrich Helfrich 43 84 42 37. Philipp Schmidt 26 37 24 38. Philipp Jacob Girm jun. 24 68 17 39. Philipp Schuhmann 12 49 93 40. Philipp Anton Lanz 11 74 10 41. N.N. 5 62 42. Wilhelm Scheid 11 35 67 43. Christian Frickhöfer 6 - 22 44. Wilhelm Reh 13 16 51 45. Pallhaser Breche 36 10 7 46. Christian Kluft 17 92 13 47. Johannes Lieber 26 96 37 48. Heinrich Schack 5 28 86 49. Adam Hollwein 10 69 26 50. Carl Völker 26 6 3 51. Georg Dielmann 55 85 81 52. Carl Müller 4 42 42 53. Heinrich Jungen Wittib 14 74 82 54. Jacob Zollmann 21 68 - 55. Christian Zollmann 11 95 43 56. Philipp Dielmann 7 41 5 57. Anton Schwenk 26 43 83 58. Georg Carl Schuhmann 29 68 42 59. Philipp Zollmann 14 9 94 60. Christian Müller 11 - 62 61. Georg August Deuser 19 4 91 62. Der Bauplatz wo das Or. Naß. Zehntgebåude gestanden 51 8 38 63. Der Platz auf welchem die Pfarrgebäude gestanden 64 99 11 64. Adam Lieber 14 67 24 65. Künzen Wittib 13 68 66. 66. Adam Werner 30 47 40 Verzeichnis der Plätze für den Wiederaufbau 1801 Verzeichnis derer Einwohner zu Mensfelden, welche nach dem neuen Plan ihrer wiederaufzubauende Wohnungen auf die vorgezeichnete nummerierten Plätze bauen sollen. (1801) 1. Carl Müller 2. Carl Völker 3. Johannes Lieber 4. Anton Lieber 5. Volkmar Werner 6. Georg Carl Schuhmann 7. Georg Dielmann 8. Anton Schwenk 9. Christian Zollmann 10. Jacob Zollmann 11. Heinrich Jungen Wittb. 12. Philipp Zollmann 13. Georg August Deuser 14. Anton Schwenk 15. die Pfarr Hofreithe 16. Wilhelm Anton Niebergall 17. Adam Werner 18. Johann Philipp Deuser 19. Johann Christian Lanz 20. Vacat (= leer) 21. Jost Schumann Kinder & Christian Müller 22. Philipp Schuhmann & Anton Lanz 23. Johannes Lanz sen. 24. Philipp Wilhelm Oppel 25. Kunzen Wittib & Johannes Crecelius 26. Johannes Schumann & Philipp Friedrich Reinhard 27. Adam Hollwein 28. Christian Kluft 29. Heinrich Crecelius 30. Philipp Georg Goebel 31. Friedrich Schmidts Wittib 32. Johann Philipp Wagner & Philipp Anton Schumanns Wittib 33. Anton Müller 34. Wilhelm Deußer 35. Johannes Heinrich I..ieber 36. Herr von Boos 37. Baltasar Breche 38. Christian Frickhöfer & Wilhelm Scheid 39. Philipp Schmidt 40. Anton Keeß & Philipp Jacob Girm jun. 41. Jud Heium Hirz 42. Heinrich Helfrich 43. Georg Anton Blank 44. Johann Philipp Lieber 45. Balthaser Breche 46. die Dietzer Herrschaft 47. das Spritzenhaus 48. Vacat: Oranien Naßau 49. Vacat:Ph. Friedrich Reinhard 50. Vacat: Anton Keeß 51. Vacat: von Boos 52. Johannes Ianz jun. 53. Johannes Hollwein & Georg Wagner 54. Wilhelm Schmidt & Heinrich Schack 55. Heinrich Jung 56. Carl Lieber 57. Jacob Zabel 58. Jacob Zollmann 59. Friedrich Will Verzeichnis derjenigen Gärten, Aecker und Wiesen welche in diesen Plan gezogen wurden. (1801) a) Jost Lieber b) Johannes Hollwein c) Heinrich Jung d) Johann Wilhelm Zollmann & Johannes Thielmann e) Georg Wilhelm Weil f) Jacob Zollmann g) Philipp Wilhelm Oppel 5 Philipp Ruß h) Philipp Wilhelm Schwenk i) Johannes Thielmann k) Balthaser Breche l) Georg Wilhelm Crecelius Wittib m) Georg Wilhelm Fritz n) N.N. o) Georg Keesen Wittib p) Heinrich Crecelius q) N. N. mehrere Theile r) Georg Peter Thielmann s) Anton Schwenk t) Vollmar Werner u) Johannes Heinrich v) Lieber Wilhelm Schnee w) Georg Crecelius Wittib x) Oranien Nassauische Wiese y) Herr von Schlenderhahn z) Philipp Deuser sen. aa) Johannes lanz sen. bb) Herr von Schlenderhahn cc) N.N dd) N.N. ee) Philipp Ruß ff) Herr von Schlenderhahn gg) Georg August Kleinschmidt hh) Heinrich Helfrich Die Pläne befinden sich im beigelegten Anhang.