Mensfelden - Damals und Heute
- I. Geschichtliches
- Die Urgeschichte
- Erste Erwähnung
- Zur nassauischen Ortsgeschichte
- Die Gemeindeverwaltung im 19./20. Jh.
- Das Gemeindeparlament von 1950 bis 1970
- Hünfelden: Ortsteil Mensfelden
- Ortsbeirat Mensfelden
- Schultheißen und Bürgermeister
- Die Geschichte der ältesten Familien in Mensfelden
- Bevölkerung Mensfelden ab 1818
- Mensfelden an alten Straßen
- Das Dorf nach 1801
- II. Krieg und Vertreibung
- Kriegs- und Notzeiten vom 16. - 20. Jahrhundert
- Mensfelden im 1. Weltkrieg
- Mensfelden im 2. Weltkrieg
- Unsere Heimatvertriebenen
- Das Gefallenendenkmal
- III. Ortsbilder und Amtshäuser
- Das Standesamt
- Ortsgericht Mensfelden
- Gerichtsordnung zu Mensfelden von 1652
- Die Schule
- Schulmeister und Lehrer von 1610 -- 1971
- Das alte Back- und Rathaus
- Das Zollhaus
- Der alte und der neue Friedhof
- Die Milchbank
- Die Tankstelle in Mensfelden
- Das Dorfgemeinschaftszentrum
- Historischer Dorfbrunnen
- IV. Leben im Ort
- Das alte Dorfleben
- Jüdische Familien in Mensfelden
- Die Spinnstube
- Die Mädchengruppe
- Alte Erinnerungen
- Der Bauernstand und seine Entwicklung
- Von der Sichel zum Mähdrecher
- Mensfelder Sagen
- Carl-Philip Hehner
- Mensfelder Kirmes
- V. Umgebung
- Die Mensfelder Gemarkung
- Die Gemarkung um 1724
- Der Mensfelder Wald
- Der Hermannshof
- Der Tannenberghof
- Hof Talwiese
- Der Harvesterhof
- Der Heilbrunnen zu Mensfelden
- Der Bau des Gruppenwasserwerks
- Der Steinbruch
- VI. Besondere Ereignisse
- Grenzbegang im Jahre 1678
- Auswanderung (1723 - 1933)
- Auswanderung nach Friedrichsfeld im Jahr 1776
- Der Großbrand 1801
- Kaisermanöver in Mensfelden und Umgebung
- Technologischer Fortschritt in Mensfelden
- Die geplante Bebauung des Mensfelder Kopf
- Unser Dorf siegt im Schönheitswettbewerb
- Brand der Zehntenscheune
- Der große Riss im Vereins- und Dorfleben ab 1964
- Die Zeit der Corona Pandemie
- Mensfelden rockt den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“
- Besuch aus Südkorea
- 1250 Jahre Mensfelden
- Die Mensfelder Glanzrenette – Hessische Lokalsorte 2026
- VII. Kirche
- Die Kirche
- Die Glocken
- Die Kirchenorgel
- Die Kirchenuhr
- Das Pfarrhaus
- Evang. Kirchengemeinde
- Pastoren und Pfarrer zu Mensfelden
- VIII. Vereine
- Männergesangverein 1837 und Frauenchor
- Spar- und Darlehenskasse
- Turn- und Sportverein 1894
- Obst- und Gartenbauverein
- Freiwillige Feuerwehr
- Ortsbauernschaft
- VDK - Teil 1
- Tiefgefriergemeinschaft
- Turnverein Jahn
- Landfrauenverein
- Seniorengruppe
- Reitergruppe
- Verein für angewandte Lebensfreude e.V.
- Zukunft und Kultur Mensfelden e.V.
- Querschnitte e.V. – Sitzend, Größe zeigen!
- Dorf Computer Club -- Von Nerds für Nerds
- IX. Anhang
- Downloads
I. Geschichtliches
Die Urgeschichte
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Vor etwa 6000 - 7000 Jahren dürften die ersten Menschen im weiten Umkreis des Mensfelder Kopfes gelebt haben. Als Sammler und Jäger durchstreiften sie unsere Heimat. Sie wohnten in Höhlen, ihre Waffen und Geräte stellten sie aus Steinen her. Die Wissenschaft gliedert diese Zeit in eine Ältere, Mittlere und Jüngere Steinzeit. Bis zur jüngeren Steinzeit hatten die Menschen schon die Höhlenbewohnung zum Teil aufgegeben und sind zum Hüttenbau (Viereckhaus) mit Lehmflechtwand übergegangen.
Auch ihre Kleidung, die bis 1200 v. Chr. noch aus Fellen bestand, wechselte schon in der jüngeren Steinzeit durch die Erfindung der Webkunst auf Leinen und Wolle über. Der Mensch blieb bis zur jüngeren Steinzeit Jäger und Sammler, entwickelte sich dann aber mehr zum Ackerbauer und Viehzüchter.
Die Keramik der jungen Steinzeit
Zu dieser Zeit begann der Mensch aus Ton Töpfe und Vorratsgefäße zu formen und zu brennen. Die ersten handgeformten Töpfe waren plump und schmucklos. Aber bald lernte der Töpfer auf einer Scheibe seine Töpfe und Gefäße zu drehen und diese in den verschiedensten Arten zu verzieren. Bei Ausgrabungen findet man oft Gefäße und auch Geräte aus Ton, die sowohl in der Form, als auch in der Art ihrer Verzierung von überraschender Schönheit sind.
Man kann heute anhand dieser Merkmale sowohl die Weiterentwicklung der Töpferei im Laufe der verschiedenen Zeitabschnitte, als auch die Wohngebiete und Wanderungen einzelner Stämme feststellen, die diese Keramik schufen.
Bandkeramik
So zählte die Bandkeramik zu einer Kulturgruppe der jüngeren Steinzeit. Durch die bänderartigen Verzierungen erhielt sie ihren Namen. Die Keramik dieses Kulturkreises ist verbreitet vom Schwarzen Meer über den Donauraum und Schlesien bis zum Mittelrhein.
Schnurkeramik
Als Schnurkeramik bezeichnet man eine Tonware aus der Jungsteinzeit (Bes. Becher und Amphoren), so genannt nach der Verzierung der Gefäße durch Schnurabdrücke und ähnlichen Mustern. Sie wird auch indogermanische Kultur genannt. Gefäße aus jener Epoche finden sich in dem Raum vom Kaspischen Meer bis hin zur Nordsee und auch in Sachsen und Thüringen. Die Schnurkeramiker gehören zu der indogermanischen Völkergruppe; Indogermanen ist ein Sammelname für die sprachverwandten Völkerstämme Europas und des westlichen Asiens.
Leitkeramik
Als Leitkeramik bezeichnet man die Michelsberger Keramik, die man auch in unserer Heimat findet. Es sind Tongefäße, auf der einen Seite glatt und der anderen Seite rau, die mit Einkerbungen und Fingertupfen verziert und zum Teil mit Wulstrand versehen sind.
Die jüngsten Funde dieser Art wurden in Oberbrechen 1973 gemacht und dürften auch aus der jüngeren Steinzeit stammen. Weitere Funde der Michelsberger Keramik sind aus Weilbach, Wiesbaden-Schierstein und von der Altenburg bei Niedenstein im Kreis Fritzlar-Homburg bekannt. Das Hauptverbreitungsgebiet dieser Kultur liegt zu beiden Seiten des Ober- und Mittelrheins. Man rechnete sie lange Zeit zum westlichen Kulturkreis und sah ihre Ausgangsbasis in den Bereichen der Oberschweiz, des Bodensees und des Oberrheintals. Funde, die auf Siedlungen oder Bewohner von Mensfelden und seinen Nachbargemeinden aus der jüngeren Steinzeit hindeuten, wurden bei Dauborn, Lohrheim, Steeden, Dehrn, Staffel, Eschhofen, Heringen und Mensfelden (im Forst) gemacht.
Urnenfelder Kultur
Etwa an der Naht zwischen Jungsteinzeit und Bronzezeit spricht man auch von einer Urnenfelder Zeit, da die damaligen Einwanderer, die vom Süden kamen, den Leichenbrand ihrer Toten in kunstvoll geformten und verzierten Urnen bestatteten.
Bronzezeit
Die Bandkeramiker waren Menschen nordischer Rasse. Gegen Ende der Jungsteinzeit folgte die Bronzezeit, die etwa den Zeitraum von 1800 - 750 v. Chr. umfasst. Funde in unserer engeren Heimat fehlen aus jener Zeit.
Eisenzeit
Nach der Bronzezeit folgt die Eisenzeit. Nun stellte man Geräte und Waffen aus Eisen her.
Kelten
In dieser Zeit haben die Kelten, denen der Raum in Gallien zu eng war, den Rhein überschritten und um das Jahr 1000 v. Chr. auch Teile unseres Gebietes besetzt. Die alten Bewohner flohen, und so nahmen sie das Land längs der Mosel, an der Lahn, im Hunsrück, in der Eifel, im Westerwald und Taunus an sich.
Es war ein Volk von Bauern, Handwerkern, Bürgern und Kaufleuten, die unseren Raum besiedelten. Ihre Wohnstätten bauten sie meistens in Flusstälern. Auf Bergplateaus bauten sie Ringwälle, und Fluchtburgen (Dornburg bei Frickhofen, Altkönig Taunus).
Es waren Menschen, die hier jetzt ihre Heimstatt bauten; ein Haus aus Holz und mit Lehm verdichtet, mit Stroh gedeckt, von einem Hof und Zaun umgeben.
Die Kelten waren von Nordwesten gekommen und Spuren ihrer Anwesenheit in Schottland, Irland und in der Bretagne sind dort heute noch zu finden. Sie wurden später verdrängt und wanderten südwärts. In den leeren Raum stießen andere indogermanische Volksstämme vor, unter anderen auch die Chatten.
Chatten
Mit dem Schwert haben die Chatten das Land erkämpft. Von den Kämpfen dieser Zeit sprechen noch die Ringwälle im Taunus. Nach den Kelten haben dann die Chatten hier ihre Behausungen aufgeschlagen, ihre Felder bestellt und ihr Vieh geweidet.
Es war ein deutscher Stamm von dessen Mut und Tapferkeit - von allen germanischen Stämmen heraushebend - der römische Schriftsteller Tacitus bewundernd spricht. Diese Bewunderung verdienen die Chatten, da sie fast 250 Jahre dem Ansturm des römischen Reiches standhielten. Sie wollten nicht, dass Germanien zur römischen Provinz werden sollte, obwohl die Macht der Römer immer zunahm. Etwa 200 - 100 v. Chr. drangen die Chatten weiter nach Süden vor bis zur Wetterau und Weilburg. Ihre Sesshaftigkeit wird im Rhein Main - Lahnviereck vermutet. Das Hügelland mit seinen Waldungen war ihre Heimat. Es waren kräftig gebaute Menschen, mit einem scharfen Blick, einem regsamen Geist mit kluger Berechnung, der sie auch im Kampf auszeichnete.
Die Bezeichnung Chatten bedeutet so viel wie die Behelmten, denn sie trugen im Kampfe eine lederne Kopfbedeckung.
Römer
Zum ersten Mal haben die Römer unter Cäsar in den Jahren 55 - 53 v. Chr. den Rhein überschritten, damit begann eine neue Epoche. Der Limes wurde gebaut und mit dieser Befestigungsanlage sicherten die Römer den eroberten Raum im Süden des germanischen Gebietes. Es kam jedoch immer wieder zu Kämpfen mit den dort ansässigen Stämmen, in die auch die Chatten und ihre Gliedstämme verwickelt wurden. Erst im Jahre 9 n. Chr. haben die vereinigten germanischen Stämme unter ihrem Führer Hermann, der Cherusker, die Römer im Teutoburger Wald besiegt, so dass sie sich über den Rhein zurückziehen mussten.
Der obengenannte Limes (römische Grenzwall), der um 100 n. Chr. vom Rhein bis zur Donau bei uns von der Lahn, Bad Ems über den Taunusrücken bei der Saalburg führte, wurde als Demarkationslinie zum Schutze gegen die Germanen durch Wallgräben, Holzpalisaden und steinerne Wachtürme, welche heute rekonstruiert auf der Saalburg zu besichtigen sind, ausgebaut.
Im Schutze des Walles lagen die Kastelle. Die römischen Kohorten sicherten diese Grenze und man kann als sicher annehmen, dass sie auch bis in die Gegend des Mensfelder Kopfes bei ihren Streifzügen vorgestoßen sind. Vor allem dürften römische Händler bis in unser Heimatgebiet gekommen sein. Einige germanische Stämme ließen sich auch damals schon im römisch besetzten Gebiet nieder, weil die Kämpfe einzelner germanischer Stämme untereinander nicht aufhörten. Diese profitierten dabei, denn sie erlernten die Herstellung der Ziegel, die Errichtung von Häusern aus Stein, den Ackerbau, das Anlegen von Weinbergen, den Straßenbau.
Völkerwanderung
In der Völkerwanderung ging das römische Reich auf deutschem Boden zugrunde. Jahrhunderte hindurch wurde der Raum Germaniens in Bewegung gehalten. Die germanischen Stämme suchten nach neuem Land, um ihr Volk vor Hunger zu bewahren, oft standen sie gegeneinander im Streit, tausende starben im Elend um das Ringen um Land und Brot. Im Jahre 375 brachen die Hunnen (mongolische Reiterscharen) in Europa ein und gaben damit den Anstoß zur letzten groß-germanischen Völkerwanderung. Auch unser Land wurde von dieser Völkerbewegung betroffen. Im Jahre 406 wurde es von den Alanen (aus dem Kaukasus) sowie von den Sweben und Vandalen (germanische Völkerstämme) und im Jahre 451 von den Hunnen geplündert und schwer heimgesucht. Die noch hiergebliebenen und überlebenden germanischen Stämme, blieben trotz allem Leid und Elend ihrer Heimat treu. Die römischen Grenzwälle, welche fast undurchdringlich schienen, wurden angegriffen. Die Alemannen, germanischer Volksstamm (auch Sweben genannt), vertrieben im Jahre 250 - 300 die Römer aus dem Zehntlande und siedelten sich im Schwarzwald an. In dieser Zeit vereinigten sich die Reste der durch die Völkerwanderung mit ihren Kämpfen um neues Siedlungsland dezimierten germanischen Stämme in Nordfrankreich und nannten sich Franken. Sie besiedelten etwa um 500 n. Chr. Mittelfrankreich und breiteten sich von dort aus entlang der Mosel und nach Überschreitung des Rheines auch der Lahn entlang bis in unsere Heimat aus. Viele inzwischen entdeckte Frankenfriedhöfe an der Lahn und im goldenen Grund zeugen von ihrer Sesshaftigkeit.
Das fränkische Herrschergeschlecht waren die Merowinger. Bereits unter diesen wurde das in Besitz genommene Land in Gaue eingeteilt. Unsere Heimat gehörte zum Unterlahngau, der das Gebiet an der Lahn um Limburg umfasste und weite Teile des Westerwaldes und des Taunus einschloss. Teile des Landes, auch einzelne Höfe, wurden den Edlen des Reiches übereignet. Die Königshöfe und das Land, das der König für sich in Anspruch nahm, nannte man Salland und die Höfe Salhöfe (Frankenhöfe). Man darf sich einen solchen Frankenhof nicht als einen einzelnen Hof im Gelände vorstellen. Zu einem solchen Frankenhof gehörten auch der Streubesitz im weiten Umkreis.
Christenglaube
Um das Jahr 600 n. Chr. führten die Franken, welche hier Herr waren den Christenglauben ein. Die christlichen Sendeboten waren irische und schottische Mönche, die mit den fränkischen Siedlern von der Mosel Lahn aufwärts kamen. Die ersten Klöster und Kapellen dürften im Jahre 600 - 700 entstanden sein. Dieser Glaubenswechsel kam nicht von ungefähr. Denn größte innere Not hatten jene dunklen Zeiten der Völkerwanderung mit all dem sie begleitenden Elend über die Vorfahren gebracht. Sie waren an ihren Göttern und damit am letzten Halt ihres Lebens irre geworden. Sie sahen sich von ihnen verlassen. Auch der König der Franken Chlodwig musste durch diese Not hindurch. Vergebens rief er in seiner entscheidenden Schlacht mit den Alemannen, es war im Jahre 496, seine Götter um Hilfe an. Dann aber wagte er es mit Christus, zu dem ihn seine Gattin, eine Christin, schon oft gewiesen hatte. Und die Alemannen wurden bezwungen, ihm ward der Sieg. Da trat er zum christlichen Glauben über, und ließ sich durch Bischof Remigius taufen.
Die Zeit Karls des Großen
Karl der Große König der Franken von 768 - 814 und seit 800 Römischer Kaiser, der durch über dreißigjährigen Kampf die einzelnen Staaten niederwarf und somit halb Europa beherrschte.
Durch die Befreiung des Papstes, baute er mit den Kirchenfürsten sein mächtiges Reich auf und machte großzügige Schenkungen an die Abteien und Klöster wobei er auch 775 - 86 Meinisvelde (Mensfelden) und andere der Abtei Hersfeld zur Schenkung machte.
Alte Funde (auch Gräberfunde) im Flachter Wald, in Niederneisen, sowie fränkische - alemannische Funde in Dauborn zeugen aus dieser Zeit. Die bis hierher aufgezeichnete in kurzer Form gehaltene Vorgeschichte habe ich gemacht, damit der Leser sich einen besseren Überblick über unsere Frühzeit bzw. Vorgeschichte machen kann.
Erste Erwähnung
✍ Autor(en): Hellmuth Gensicke (1975)
Nur sehr selten und meist nur aus jüngerer Zeit ist ein Gründungsjahr einer Ansiedlung, eines Dorfes oder einer Stadt, sicher überliefert und bekannt. Fast immer werden längst bestehende Siedlungen durchaus zufällig in schriftlicher Überlieferung genannt. So ist es auch bei Mensfelden.
In einem Kopialbuch der Abtei Hersfeld aus dem 12. Jahrhundert ist eine Aufzeichnung überliefert, die als Breviarium sancti Lulli seit langem der Forschung bekannt ist. Der erste Abschnitt verzeichnet Güter, die Karl der Große der Abtei Hersfeld schenkte. Er beginnt mit Schenkungen, die auch in Urkunden aus dem Jahr 775 überliefert sind, und endet mit Nachträgen, Schenkungen, die Hersfeld ebenfalls Karl dem Großen verdankt und spätestens im Todesjahr des hl. Lull 786 erhalten hat. Dazwischen steht eine Gruppe, die nur unbestimmt zwischen 775 und 786, jedoch wohl bereits zu Beginn dieses Zeitraums angesetzt werden kann mit dem Text: In Andernacho et in Ribenahcho et in Gulse et in Meinesfelde capellas III, hubas V, mansos X. Zu dieser Schenkung Karls des Großen an Hersfeld gehörten demnach: In Andernach, Rübenach und Güls bei Koblenz und in Meinesfelde drei Kapellen, drei Huben1 und 10 Mansen2, Man hat lange diesen Besitz in Meinesfelde in Münstermaifeld gesucht, doch kann es sich nur um Mensfelden handeln, das noch 1204 mit ganz ähnlichen Ortsnamenformen Menisvelt und Meinesvelt vorkommt. Es spricht vieles dafür, dass eine jener drei damals genannten Kapellen eine Kapelle an der Stelle der sonst seit 1204 bezeugten heutigen Pfarrkirche von Mensfelden war.
Dafür spricht durchaus auch der Ortsname. Seit langem weiß man, dass die -feld und -felde Orte meist in der Nachbarschaft der ältesten Siedlungen liegen und sehr früh, seit dem 6. /7. Jahrhundert in der ersten Ausbauzeit auf Feldern der älteren Siedlungen entstanden sein können. In jener Zeit sind wohl auch die Anfänge einer Ansiedlung auf dem Felde eines Mannes mit dem Namen Megin anzusetzen, die von den älteren Siedlungen im Ems- und Wörsbachtal oder an der unteren Aar ausgegangen sein mögen. Ohne Zweifel war das Dorf Mensfelden sicher schon durch viele Generationen Heimat der Nachkommen jener ersten Ansiedler, als es durchaus zufällig im Jahr 775 in jener Notiz über eine Schenkung Karls des Großen zuerst genannt wird.
Zur nassauischen Ortsgeschichte
✍ Autor(en): Hellmuth Gensicke (1975)
Fortsetzung der seit dem 63. Band (1952) laufenden Aufsatzserie einer quellenmäßigen Grundlegung ortsgeschichtlicher Forschung in Nassau
Mensfelden und Linter
Die beiden Orte an den Randhöhen im Süden des Limburger Beckens bilden nur kirchlich noch eine Einheit. Mensfelden ist seit 1971 ein Ortsteil der neugebildeten Gemeinde Hünfelden, während Linter, hart vor der Stadt Limburg, sich noch seine Selbständigkeit bewahrt hat.
Die politische Karte zeigte hier südlich von Limburg bis zu der großen Flurbereinigung nach der französischen Revolution in den Jahren 1802 bis 1815 das für die Landschaft am Mittelrhein und an der unteren Lahn typische Bild. Das Kirchspiel Mensfelden umschloss damals außer Mensfelden, an dem Kurtrier (zu 5/6) und Nassau-Oranien (zu 1/6) beteiligt waren, das nassauoranische Linter und das Dorf Heringen in dem je zur Hälfte zwischen Nassau-Oranien und Nassau-Usingen gemeinschaftlichen Amt Kirberg.
Die Landeshoheit von Nassau-Oranien ist in Linter und Heringen aus dem Erbe der Grafen von Diez und damit von den Rechten der Grafen im Niederlahngau herzuleiten. Durch einen Vertrag von 1355, der die Gemeinschaft Kirberg begründete, haben die Grafen von Diez auch in Heringen die Hälfte der Landeshoheit an Graf Johann von Nassau-Merenberg verloren. Dieser konnte damit in diesem Gebiet ältere grundherrliche Rechte seiner Familie und Vogteirechte über Besitz der Abtei Bleidenstadt nutzen.
Den Grundherren in Mensfelden ist dies nicht in gleichem Maß gelungen. Volle Landeshoheit mit Hochgerichtsbarkeit erlangten sie nur innerhalb der Bannzäune des Ortes. Draußen in der Gemarkung, im Zehntgeleit standen 1521 den Ortsherren nur die Frevel, dagegen blutige Wunden und Wildfang in dem Feld, das in der Grafschaft Diez lag, den Herren der Grafschaft Diez zu. Deutlicher wird 1619 unterschieden, dass die Obrigkeit außerhalb der Bannzäune diezisch sei, auf der Seite nach Kirberg zu jedoch der Gemeinschaft Kirberg zustehe. Diese Rechtsverhältnisse in der Gemarkung waren die Quelle endloser Streitigkeiten der Ortsherren mit den Herren der Grafschaft Diez um Hoheitsrechte und die Jagd, die sich immer wieder auch mit Grenz- und Weidestreitigkeiten mit den Nachbargemeinden Linter, Holzheim und Oberneisen verquickten.
Die Entwicklung der Ortsherrschaft lässt sich nicht mit völliger Sicherheit klären. Der Ortsname Mensfelden 776/86, Kopie 12. Jh. Meinesfelde, 1202 Kopie 16. Jh. Menivelt, 1202, Kopie 16. Jh. Menisfeld, 1204 Meinesvelt, 1208 Mensvelden, 1267 Mensfelden ist mit dem Personennamen Megin gebildet. Seine 1204 zuerst als Pfarrkirche bezeugte Kirche war mit höchster Wahrscheinlichkeit eine der drei Kapellen, die Karl der Große 775/86 mit 5 Huben und 10 Hofreiten (Mansen) in Andernach, Rübenach, Güls und Mensfelden der Abtei Hersfeld schenkte. Von diesem Grundbesitz, dessen Hauptteil sich noch in Andernach und Leutesdorf fassen lässt, ist nur ein Bruchteil in Mensfelden zu suchen. Trotz der weiten Streulage handelt es sich wohl kaum um zufällig für diese Schenkung aus größeren Königsgutsbezirken herausgelöste Splitter, sondern eher um eine grundherrlich schon vorher zusammengehörige Besitzeinheit, die in dieser Zusammensetzung von einem Vorbesitzer der Krone zugefallen war. Auf Zusammenhänge mit älterem Reichsgut, die in Andernach und Leutesdorf zu erkennen sind, könnte hier der Flurname Forst im Südteil der bereits im Hochmittelalter waldarmen Gemarkung Mensfelden deuten.
Patronat und Zehnten finden wir später in der Hand der Grafen von Diez und ihrer Vasallen. Da die Grafen von Diez im nahen Bubenheim-Kirberg Vögte und Lehnsleute der Abtei Herzfeld waren, verdanken sie wohl auch ihre Rechte in Mensfelden der Abtei Hersfeld.
Ein größerer Herrenhof dessen spätere Besitzer hier die Ortsherrschaft erlangten, war beim Übergang der Kapelle an Hersfeld bereits in anderen Händen. Diese Grundherrschaft ist zuerst 1202 zu fassen, als unter den Stiftungsgütern der von Heinrich von Sayn gestifteten Abtei Sayn der Zehnten in Mensfelden genannt wird, wobei es sich nur um den Salzehnten, den Zehnten vom Land des Herrenhofes, gehandelt haben kann. Die Vorbesitzer dürfen wir wohl unter den Konradinern und den Grafen von Gleiberg suchen, da die Grafen von Sayn auch in anderem Besitz diesen nachfolgten. Graf Heinrich III. von Sayn (1202 - 1246) überließ dem Kloster Dirstein alle Eigentumsrechte von Gütern, welche die Witwe Ida von ihm zu Lehen trug und dem Kloster übertragen hatte. Er behielt sich jedoch die Vogtei über diese und alle Güter vor, die das Kloster innerhalb seiner zum Dorf Mensfelden gehörenden Gerichtsbarkeit erwerben würde. Als Graf Heinrich von Sayn mit seiner Frau Mechtild dem Konvent zu Marienstatt einen Zins zu Mensfelden schenkte, bekundete 1233 seine Schwester Agnes (1202 - 1266), die Gemahlin Graf Heinrichs von Blieskastel, ihre Einwilligung, so dass sie damals wohl schon an Mensfelden beteiligt war. Gerlach, Herr von Limburg (1227 - 1289), der Gatte der Imagina von Blieskastel, zog nach dem Tod seiner Schwiegermutter Agnes ( 7.8.1266) das nahe Mensfelden ganz an sich. Er musste jedoch 1267 seinem Schwager Friedrich von Blankenheim, dem Gatten der Mechtild von Blieskastel, ein Sechstel und zugleich das Sechstel des Grafen Heinrich von Salm an diesem Erbe übergeben, das diesem seine Frau Loretta von Blieskastel zugebracht hatte. Die Aufteilung in Sechstel ist wohl dadurch zu erklären, dass alle sechs Töchter der Gräfin Agnes von Blieskastel, also auch Elisabeth, die Frau des Reinold von Lothringen, Herrn zu Stenay und Bitsch, Kunigunde, die Frau des Grafen Engelbert von der Mark, und Adelheid, die Frau des Grafen Gottfried von Arnsburg, bzw. ihre Erben, einen Anteil am Erbe ihrer Mutter in Mensfelden erhalten hatten. Gerlach, Herr von Limburg hat jedoch wohl bereits alle Anteile an sich gebracht, da in der Folge zunächst nur seine Nachkommen an Mensfelden beteiligt waren. Obrigkeit und Gericht zu Mensfelden gehörten 1492 und 1592 zu vier Sechsteln Leiningen-Westerburg und zu je einem Sechstel Kurtrier und Nassau-Weilburg.
Demnach war nur ein Sechstel bei der Herrschaft Limburg geblieben. Gerlach, Herr von Limburg trug 1322 Erzbischof Baldewin von Trier für 200 Mark alle seine Güter im Mensfelden mit allen Rechten und Zubehör an Menschen und Dingen, jedoch außer seiner Gerichtsbarkeit, zu einem Burglehen von Montabaur auf. Nach dem Tod des letzten Herrn von Limburg erhielt sein Schwiegersohn, Graf Adolf von Nassau-Diez, 1409 die trierischen Lehen der Herrschaft Limburg die Kurtrier jedoch nach seinem Tod 1420 einzog. Seit 1436 war mit der Hälfte an Schloss und Stadt Limburg bis 1624 auch die Hälfte dieses Anteils an Mensfelden an die Landgrafen von Hessen verpfändet. Erzbischof Karl Kaspar von Trier belehnte 1655 Philipp Jakob Waldecker von Kaimt auf Lebzeit mit diesem Sechstel an Mensfelden, das schon nach wenigen Jahren an Kurtrier zurückfiel.
Gerlachs Tochter Imagina von Limburg hatte ein Sechstel an Mensfelden ihrem Gatten, dem deutschen König Adolf von Nassau ( 2.7.1298), zugebracht. Mit Weilburg kam dieser Anteil an des Königs Enkel, Graf Johann von Nassau-Weilburg ( 1371), der 1355 die Burg im nahen Kirberg erbaute und durch Heiraten die Herrschaft Merenberg und Gleiberg und die Grafschaft Saarbrücken an sein Haus brachte. Dieses Sechstel war vor 1459 an Marsilius von Reifenberg und Johann Boos von Waldeck, dann seit 1459 Marsilius, dem Sohn des Marsilius von Reifenberg, und seit 1515 Gothard von Reifenberg verpfändet, doch waren seit 1459 Güter, Gerechtsame und Nutzungen zu Mensfelden ausgenommen, die Graf Philipp erst von Dietrich Herrn zu Runkel wieder eingelöst hatte. Bei der Landesteilung von 1629 blieb dieser Anteil mit Kirberg gemeinsamer Besitz. Als die Grafen von Nassau-Saarbrücken nach der Schlacht bei Nördlingen ihre Stammlande räumen mussten und verloren, wurden die Anteile an Kirberg und Mensfelden 1637 vom Kaiser dem Grafen Johann Ludwig von Nassau-Hadamar übergeben, der dies erst nach dem Dezember 1648 wieder abtrat. Der Anteil an Mensfelden kam bei der Landesteilung 1651 an die neue Saarbrücker Linie. Graf Johann Ludwig von Nassau-Ottweiler, der Älteste dieser Linie, übergab 1660 dieses Sechstel dem Reichspfennigmeister, kurtrierischen und nassau-diezischen Geheimen Rat Achatius von Hohenfels für eine Schuldsumme. Nach der Rückgabe räumte er es 1678 für 2600 Reichstaler Schuld Hugo Friedrich Waldecker von Kaimt ein. Diese Pfandschaft wurde zwar 1682 eingelöst, der Ortsteil jedoch 1682 erneut bis 1718/19 an Nassau-Diez verpfändet, dass auch die Verwaltung übernahm. Der Anteil gehörte in der Folge der Linie Nassau-Usingen, die ihn am 22.3.1790 mit aller Hoheit, Recht, Gerichtigkeit, Untertanen, Leibeigenen, Gütern, Gefällen, gegen den Zehnten in Ohren, das Dorf Schiesheim und den Zehnten in Schiesheim an Nassau-Oranien vertauschte.
Gerlachs Tochter Agnes von Limburg, die Frau des Heinrich Herrn von Runkel-Westerburg ( 1288), hat mit dem Anteil an der Schaumburg wohl bereits von ihrem Vater vier Sechstel an Mensfelden erhalten. Dieser Anteil an Mensfelden war in der Folge unter den Herren von Westerburg sowie seit 1470 den Grafen von Leiningen-Westerburg ein Zubehör ihrer Herrschaft Schaumburg. Graf Christoph von Leiningen-Westerburg verschrieb am 11.11.1617 Lubert von Heiden, dem trierischen Amtmann zu Limburg, Camberg und Villmar, für 8400 Gulden Schuld 420 Gulden Jahresrente aus Mensfelden und versetzte ihm dafür als Unterpfand seinen Anteil an Mensfelden mit Oberherrlich- und Gerechtigkeit, Gülten und Gefällen sowie seinen Hof zu Schadeck. Die Pfandschaft war nach Luberts Tod schon 1625 in der Hand seines Schwiegersohns Lothar von Metternich, der am 12.9.1630 eine Einsetzung in die Unterpfänder verlangt, da Leiningen-Westerburg infolge des Krieges seit 1618 den Zins nicht bezahlt hatte. Metternich verkaufte seine Rechte am 31.3.1631 dem kurtrierischen Rat und Obrist Karl Friedrich Waldecker von Kaimt, der am 9./19.5.1631 Mensfelden gegen den Protest von Leiningen-Westerburg in Besitz nahm. Mit Hilfe der Schweden erlangte Graf Christoph von Leiningen-Westerburg 1632 Mensfelden noch einmal zurück, doch musste er es 1635 erneut dem kaiserlichen Obrist Friedrich Waldecker von Kaimt ( 28. 11. 1643) überlassen, der außerdem Schloss Schadeck 1635 schwer schädigen ließ. Sein Bruder und Erbe Michael Waldecker von Kaimt, 1642 Domherr zu Mainz und Burggraf zu Alzey, verglich sich mit Graf Christophs Sohn, Graf Georg Wilhelm von Leiningen-Westerburg, am 14./24.6.1645. Er erhielt Mensfelden mit aller Hoheit, allen Rechten und Einkünften als Eigentum, verzichtete jedoch auf den Hof zu Schadeck. Graf Georg Wilhelm konnte in der vereinbarten Frist das Geld für den Rückkauf von Mensfelden 1657 nicht aufbringen. Inzwischen hatte nach Michaels Tod sein Bruder Philipp Jakob (1639 - 1660) für sich 1655 auf Lebzeit eine Belehnung mit dem kurtrierischen Sechstel erlangt, doch konnte die Familie diese ebenso wenig wie die von Michaels Sohn Hugo Friedrich (1678 - 1682) erworbenen Pfandrechte am nassauischen Sechstel sich bewahren. Sein Sohn Johann Hugo Waldecker von Kaimt, zuletzt kurpfälzischer General ( Mannheim 21.10.1753), der 1706 Schloss Hohlenfels geerbt hatte und von dort aus seinen Anteil an Mensfelden verwalten ließ, verkaufte am 24.7.1728 mit Genehmigung seines jüngeren Bruders Philipp Karl zur Verminderung der mannigfaltigen Schuldenlasten auf seinen ererbten Gütern seine 4/6 am Dorf Mensfelden, Eigen mit Territorialhoheit, mit vielem Zubehör dem Erzbischof von Trier. Bemühungen von Leiningen-Westerburg um einen Rückkauf, den Nassau-Diez-Oranien übernehmen wollte, hatten keinen Erfolg. Der trierische und nassau-oranische Anteil gehörte zum Amt Camberg, bei dem Mensfelden zunächst blieb, als der kurtrierische Anteil 1802 Nassau-Weilburg zufiel. Nachdem 1806 der oranische Anteil zum Herzogtum Nassau gekommen war, wurde Mensfelden am 9.3.1808 vom Amt Camberg getrennt und mit dem Amt Kirberg vereinigt. Mit diesem wurde Mensfelden am 26.11.1813 vom Herzogtum Nassau an Nassau-Oranien abgetreten, doch kam es am 31.5.1815 ans Herzogtum Nassau zurück. Bei der Auflösung des Oberamts Kirberg wurde es zum 1.7.1816 dem Amt Limburg zugeteilt.
Das Gericht Mensfelden, das zuerst als Gerichtsbarkeit des Grafen Heinrich von Sayn (1202 - 1246) bezeugt ist, war ursprünglich ein grundherrliches Gericht. Dies ist noch 1267 deutlich zu erkennen, als Gerlach Herr von Limburg zwei Anteile an Mensfelden vor dem Meier, den Schöffen und den anderen, die weltliche Gerichtsbarkeit zu Mensfelden ausüben, übertragen sollte. Das Gericht war 1316, 1366 und 1399 mit einem Schultheiß und 1343 mit einem Amtmann und mit Schöffen besetzt, deren Gesamtzahl sieben war. Jeder der drei Herren hatte schon 1469 und 1471 einen eigenen Schultheiß am Gericht. Leiningen-Westerburg behauptete 1492 gegenüber Kurtrier, dass nur sein Schultheiß ein redender und die beiden anderen schweigende Schultheißen seien. Es hatte aber mit dem seit 1469 immer wieder erhobenen Anspruch, in Mensfelden Oberherr zu sein, ebenso wenig Erfolg wie später mit ähnlichen Bemühungen 1654 die Waldecker von Kaimt. In den Urkunden handeln die drei Schultheißen stets gleichrangig, dazu wurde 1595/96 ein Wechsel im Gerichtsvorsitz vereinbart.
Mit kurtrierischer Hilfe verlangte Hessen als Teilpfandherr 1570 - 1573 für seinen Schultheiß zu Oberbrechen den Besitz im Gericht Mensfelden, den es auch 1575 - 1578 und erneut 1592 erlangte. Kurtrier und Nassau-Saarbrücken ließen den Dienst zeitweilig von einem auswärtigen Schultheiß versehen, bestellten jedoch um 1607 einen örtlichen Büttel, der seit etwa 1612 dafür dienstfrei war und dessen Sohn, seit 1624 im gleichen Dienst, später 1631 hier Unterschultheiß beider Herren war. Nach dem Ankauf des waldeckerschen Anteils behielt Kurtrier 1728 gegen Nassau-Usinger Protest zwei Schultheißen und damit zwei Stimmen am Gericht bei. Erst 1803 vereinigte Nassau-Weilburg diesen Dienst. Schöffen und Büttel wurden im 16. Jh. von Leiningen-Westerburg allein gesetzt, 1652 jedoch gemeinsam angenommen, und zwar 1723 einer von jeweils drei, die das Gericht vorgeschlagen hatte. Zu den Schöffen gehört der Gerichtsrechenmeister 1625, zum Gericht auch der Gerichtsschreiber. Neben den Schöffen erscheint 1702 und 1796 noch ein Vorsteher. Den Dienst des Büttels hatte 1794 ein Gerichtsdiener.
Das Gericht pflegte man 1453, 1575 und 1680 unter der Linde vor dem Kirchhof zu halten, wo auch das Weistum verlesen wurde. Für Kauf, Tausch und Übergabe von Gütern waren 1647 jährlich vier feste Gerichtstage hergebracht. Nach dem Weistum von 1469 war das Gericht der drei Herren für alle Güter, die nach Mensfelden gehören, so auch 1603 und 1653 noch für die Hübner aus Linter, zuständig. Beim Gericht wurden seit 1548 Gerichtsbücher geführt. Eine Kiste im Kirchenchor diente seit 1562 als gemeinsame Gerichtskiste, zu der jeder Schultheiß nur den Schlüssel von einem der drei Schlösser hatte. Für das Gericht siegelten seit 1399 bis 1526 häufig die Pfarrer, aber auch hier begüterte Adlige, die Kessel von Bergen 1485, die von Rheinberg seit 1486 und die Köth von Wahnscheid sowie die Amtmänner und Keller der drei Landesherren in Limburg, Schaumburg und Kirberg. Auf mehrfache Bitte des Gerichts bewilligten die Beamten der drei Herren dem Gericht am 23. 6. 1601 ein eigenes Siegel. Es sollte die Justitia mit einer Waage und einem Schwert in der rechten Hand zeigen. Der damals vom kurtrierischen Schultheiß bestellte Stempel mit der Umschrift: GERIECHTSIEGEL ZU MENSFELDEN 1602 stellt die Justitia in einen Schild, in jüngeren Stempeln von 1639 (GERICHT. SIGIL. ZU MENSFELDEN 1639) und von 1795 steht die Justitia frei im Siegelfeld.
Güter zu Mensfelden werden noch 1375 und 1379 wie in der Grafschaft Diez rechtsüblich übergeben, da die Gemarkung unter der Landeshoheit der Grafen von Diez stand, doch haben sich diese unmittelbaren Einflüsse der Grafen von Diez, die seit 1301 noch häufig zu beobachten sind, seitdem verloren.
Das Gericht hatte 1492 seinen Oberhof in Limburg und von dort aus weitere Berufung nach Frankfurt an den Oberhof des Limburger Gerichts; Leiningen Westerburg zog Appellationen aus Mensfelden an das Hofgericht in Rottweil 1490 und an Westfälische Freistühle an sich und widersprach mit Erfolg auch dem Versuch des Limburger Stifts, das einen Rechtsstreit 1492 ans Trierer Hofgericht brachte. So war das Stadtgericht Limburg noch 1562, 1574 und 1616 Oberhof für Mensfelden.
Ein Gefängnis oder Hundthaus wurde 1595 gemeinsam aus Bußgeldern erbaut, doch brachte Leiningen-Westerburg auch nachher noch Gefangene wie schon 1525 zur Schaumburg und Kurtrier 1697 über einen Freiweg durch die nassau-diezische Gemarkung Mensfelden über die Berger-Brecher Heide nach Niederbrechen. Die Beamten der Landesherren kamen seit dem 16. Jh. von Fall zu Fall, dann regelmäßig zu gemeinsamen Oberamts- oder Amtstagen zusammen. An diese gingen 1652 auch die Appellationen, die Kurtrier allerdings 1741/42 wieder an sich ziehen wollte. Im Vorsitz und im Geschäftsgang hatte sich schon 1630 ein jährlicher Wechsel der Obrigkeit eingebürgert. Nach der gemeinsamen Gerichtsordnung von 1747 hatte das gemeinschaftliche Amt die hohe Jurisdiktion.
Nassau-Diez ließ 1600 den Kopf eines auf der Meinweide zwischen Limburg und Diez hingerichteten Mörders beim Zollhaus aufstecken und wies damit daraufhin, dass die Blutgerichtsbarkeit in der Gemarkung Mensfelden ihm zustand. Deshalb ließ Leiningen-Westerburg 1603 einen Mensfelder Hexenprozess in Cramberg führen und eine Hexe aus Mensfelden am Schaumburger Hochgericht bei Birlenbach verbrennen. Als man 1629 zwei Hexen in Mensfelden selbst hinrichten ließ, achtete der Nassau-Diezer Schultheiß von Flacht aufmerksam darauf, dass der Scharfrichter dabei, hart am Dorf, links am Weg nach Heringen, den Bannzaun nicht überschritt.
Der 1453 zuerst bezeugte Heimberger war, wie in den Nachbarorten der Grafschaft Diez, ursprünglich ein Gemeindevorsteher und 1453 noch Sprecher der Gemeinde. Neben den drei Schultheißen verlor sein Amt hier jedoch bald seine Bedeutung. Er wird zwar bei Angelegenheiten der Gemeinde noch 1571, 1600 und 1601 vor, jedoch 1589 und 1615 bereits hinter den Bürgermeistern genannt. Er hatte 1654 die Eckernweide der Schweine und 1761 die Erhebung des kleinen Zehnten zu überwachen und wurde 1698 auch als Bote verwendet. Für seinen Dienst, den 1812 ein Gemeindediener übernahm, erhielt er 1654 und noch 1811 ein Paar Schuhe als Lohn.
Heimberger:
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Fulckelchin, 1453
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Simon Schumacher, 1673
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Martin Girm, 1675/76
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Adam Scheid, 1677
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Philipp Linter, 1678
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Wilhelm Ulman, 1678/79
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Christian Volk, 1790;
Das Bau- und Rechnungswesen der Gemeinde besorgten, seit 1563 nachweislich, jedoch sicher schon längere Zeit vorher, zwei jährlich wechselnde Bürgermeister, jeweils ein Schöffe und einer aus den jungen Bürgern der Gemeinde, so noch 1812. 1816 hatte ein Gemeinderechner diese Funktion übernommen. Mit den Schultheißen hatten die Bürgermeister die Aufsicht über die Tag- und Nachtwache 1595 und als Feuerpolizei 1675 jährlich die Schornsteine zu besichtigen. Sie dingten2 1674 die Gemeindebäcker, Kuh- und Schweinehirten. Von den Gemeindeeinnahmen aus Rügen, vom Backhaus der Bäcker, Einzugsgeld neuer Einwohner 1673 wurden Rathaus 1673, Backhaus 1715 und Spritzenhaus 1780, die Gemeindeweiher 1675, 1779, 1781, die Brunnen 1675 (Himmelbrunnen 1678, Backesborn 1678) und die beiden Falltore (Fahler, Faller) des Ortsbannzaunes 1780/81 in Bau gehalten und Schulden der Gemeinde, so 1675 - 1678 an Frau von Hees in Würges, verzinst bezahlt. Als weitere Hilfskraft stand ihnen 1780 ein Aufheber zur Seite. Seit dem 16. Jh. erscheinen Flur- und Feldschützen, die 1679 auch den Zaun um das Dorf und 1679/80 die Überstiege an Einfriedungen (gemeine Stiegel) zu unterhalten hatten.
Weniger wegen des starken Bannzauns als vielmehr wohl wegen der hohen Einwohnerzahl wird Mensfelden seit 1548 häufig als Flecken bezeichnet, doch heißt es um 1680 ausdrücklich, es sei ein offen Dorff habe kein Tor, Mauer oder Graben. Die Gemeinde hatte schon 1586 ein Rathaus.
Ulrich von Hanau brannte und schädigte Mensfelden 1362 in einer Fehde mit Philipp dem Älteren von Falkenstein. Vor 1530 soll Mensfelden wegen eines Herren von Westerburg als Oberherren zweimal gebrannt und einmal gebrandschatzt worden sein. Von größeren Feuersbrünsten wird auch 1744 und 1779 berichtet. Ein Brand am 21./22.7.1801 vernichtete mit dem Pfarrhaus 70 Häuser und insgesamt 396 kleine und große Gebäude. Nach Plänen des nassau-oranischen Baudirektors Sekell wurde der gesamte Südteil des Ortes durch den Amtsjäger C. F. Genth vermessen und ein planmäßiger Wiederaufbau befohlen, der dann auch gegen den Widerstand der Einwohner gewaltsam erzwungen wurde.
Die 1204 zuerst genannte Pfarrkirche, vermutlich eine jener 775/86 erwähnten drei Kapellen der Abtei Hersfeld, wird irrtümlich 1343 noch einmal als Kapelle bezeichnet. Zur Baugeschichte des romanischen Baues aus dem 12./13. Jh. mit dem wuchtigen Chorturm gibt es nur spärliche Nachrichten. Drei Kirchenmeister, davon einer aus Linter, sorgten sich um Bau und Vermögen. Kurz vor 1664 hatte man den Kirchturm erneuert und neues Kirchengerät gekauft. Das Gewölbe im Turm über dem Chor war 1697 und erneut 1783 gesprungen und baufällig, doch konnte man es jeweils wieder zuwölben und sichern. Um Platz zu gewinnen, hatte man 1764 und 1768 zwei Nebenaltäre und einen allzu großen Hauptaltar herausgenommen und einen kleineren Altar aufgerichtet. Ein Plan, die Kirche über den Westgiebel hinaus zu erweitern, wurde 1784 nicht durchgeführt, da man nicht zugleich dort die Schule abbrechen wollte. Das Patrozinium ist nicht bekannt. Von dem seit 1469 gut bezeugten Kirchweihtag, dem Sonntag nach St. Peterstag ad vincula3, her, darf man vermuten, dass die Kirche St. Peter geweiht war. Zum Kirchspiel gehörten 1387 Heringen und Linter 1433. Nassau-Dillenburg wollte 1589 Linter, das zum Kirchspielgericht Flacht gehörte, dorthin umpfarren, ließ es jedoch bei Mensfelden, so dass dieser nassau-diezische Ort lutherisch blieb. Heringen hatte schon 1418 eine Kapelle mit einem Liebfrauenaltar, dessen Einkünfte nach der Reformation für einen Schulmeister in Kirberg verwendet wurden. Dieser hatte dafür eine Wochen-, später eine Sonntagspredigt in Heringen zu halten, das 1818 nach Kirberg umgepfarrt wurde.
Sifrid und Sifrid von Rheinberg hatten 1430 von den Grafen Johann und Engelbrecht von Nassau-Vianden den Zehnten, Groß und Klein, und den Kirchsatz zu Mensfelden als Mannlehen von der Grafschaft Diez. Diese Lehen hatte sicher schon 1368 Sifrid von Rheinberg, als er seinen Besitz in Mensfelden in den Burgfrieden von Kirberg aufnehmen ließ. An dem Lehen waren alle seine Nachkommen von Rheinberg zu Eichelbach, Eisenbach, Idstein und Hahnstätten beteiligt. Die Brüder Sifrid und Philipp von Rheinberg verkauften 1473 für 1100 Gulden und 81 Malter Korn auf Wiederkauf ihre Hälfte am Zehnten und Kirchsatz zu Mensfelden an Marsilius von Reifenberg. Graf Johann von Nassau-Vianden-Diez löste diese Hälfte 1498 von Witwe und Kindern des Marsilius von Reifenberg an sich mit Einwilligung derer von Rheinberg, denen er das Wiederkaufsrecht verschrieb. Die zweite Hälfte blieb Lehen von der Grafschaft Diez und wurde 1615 nach dem Tod des 1607 zuletzt belehnten Johann Marquard von Rheinberg als heimgefallen eingezogen. Der von Graf Wilhelm von Nassau-Dillenburg 1529 präsentierte Trierer Kleriker Jakob Königstein gilt nach seinem Gelöbnis vom 28.2.1529 hier als erster lutherischer Pfarrer, doch ist er selbst vor 1552 als Vikar in das Stift Diez 1556 zurückgegangen, dass sich damals noch nicht der Reformation angeschlossen hatte. Nassau-Diez hatte einen Pfarrer Augsburger Konfession zu präsentieren, sonst jedoch nichts mit der Besetzung der Pfarrei durch die Landesherren zu tun. Nassau-Weilburg glaubte 1635, der Dietkirchener Landdechant in Limburg habe das Patronat. Kurtrier brachte 1705 die Deutung auf, Nassau-Diez habe das Patronat wegen Gnadenthal, was Nassau-Saarbrücken 1782 unbesehen übernahm. Kurtrier hatte 1629 durch den Schultheiß von Villmar eine Gegenreformation angekündigt, unterließ diese jedoch, als Leiningen-Westerburg vor fernerem Eingriff in die Geistlichkeit warnte. Als alle Landesherren katholisch waren, bat die Gemeinde am 2.9.1645, bei der Augsburger Konfession und der Nassau-Saarbrückener und Westerburger Kirchenordnung bleiben zu dürfen. Michael Waldecker von Kaimt, der zwar glaubte, Kurtrier würde Einsprüche von Leiningen-Westerburg wenig achten, versprach am 26.9.1645, das Dorf bei der Religion zu handhaben. Neben Leiningen-Westerburg und Nassau-Saarbrücken beteiligte sich auch Kurtrier am landesherrlichen Kirchenregiment. Es beanspruchte voll als Landesherr das protestantische ius circa sacrat4. Wenn sich auch Härten dieses Kirchenregiments mit der Aufklärung etwas verloren, blieb der Pfarrer mit zwei Filialen, die andere Landeshoheit und andere kirchliche Ordnungen hatten, in einer schwierigen Lage. Mensfelden selbst galt mit dem Marburger Gesangbuch und dem alten Idsteiner Katechismus und einer großen Anzahl ringsum längst abgeschaffter Feiertage 1807 als eine Insel der Rückständigkeit.
Die Pfarrei war 1482 wie seit alters mit einem Wittumshof ausgestattet, zu dem 1657: 21 Morgen5 Land, 1783: 29 Morgen Land, 1 Morgen Wiese und 5-6 Morgen Gärten gehörten. Sie hatte 1343 in Mensfelden und 1417 in Linter Grundbesitz sowie Anteil am Zehnten in Heringen und in Linter. Als Teilzehntherr hatte der Junker von Rheinberg seine Verpflichtung zum Pfarrhausbau anerkannt. Die Baulast war 1616 noch unbestritten, wurde jedoch 1619 von Graf Johann Ludwig von Nassau-Hadamar mit der Begründung abgelehnt, dass ein Vasall kein Servitut für den Lehnsherrn begründe könnte. Da auch Nassau-Diez als Hauptzehntherr keine Baulast an Pfarrhaus und Kirche mehr anerkannte, blieb die Gemeinde auf Jahrzehnte ohne Pfarrhaus und nach langen Rechtsstreitigkeiten dem Kirchspiel die Baulast für das Pfarrhaus und den Gemeinden Mensfelden und Linter die Baulast für die Kirche.
Eine Schule wurde als Kirchspielschule wohl bereits im 16. Jh. gegründet. Ein Schuldiener wird zuerst 1611, Schüler 1613 und das Schulhaus 1620 genannt. Es stand wohl bereits wie 1655 vor dem Westgiebel der Kirche dort wurde 1704 an alter Stelle ein Neubau errichtet, nachdem man eine 1703 dem Pfarrer zu weit ins Dorf gebaute Schule wieder verkauft hatte. Sie wurde 1825 auf Abbruch verkauft und 1827 - 1831 eine neue Schule anstelle des alten Pfarrhofs erbaut. Da Heringen schon 1665 eine eigene Schule hatte, gehörte nur noch Linter bis 1725, bzw. lange vor 1756 zur Kirchspielschule. Der einzige Lehrer hatte 1808 182 Schüler zu unterrichten.
Den großen und kleinen Zehnten hatten 1430 die von Rheinberg mit dem Kirchsatz von der Grafschaft Diez zu Lehen. Eine Hälfte davon war seit 1473 an Marsilius von Reifenberg und seit 1498 von dessen Erben an Nassau-Dillenburg und von diesem 1514 zeitweise dem Stift Diez verpfändet. Mit dem Anteil am Amt Kirberg war diese Hälfte seit 1607 in der Hand des Grafen Johann Ludwig von Nassau-Hadamar. Dieser erhielt von der 1615 heimgefallenen zweiten Hälfte 1617 ein Drittel. Zwei Drittel fielen an Nassau-Diez, das nach den Teilungsverträgen vom 10./20.7.1620 und 22.8.1621 hier über fünf Sechstel verfügte. Von diesem Zehnten lagen 1616 zwei Drittel unter der Grafschaft Diez, ein Drittel im Amt Kirberg und 15 Morgen unter Kurtrier in der Gemarkung Niederbrechen. Nassau-Hadamar verkaufte sein Sechstel am 31.3.1631 für 1300 Reichstaler an Karl Friedrich Waldecker von Kaimt. Dieses Sechstel kam als Zubehör des waldeckerschen Anteils an Mensfelden 1728 an Kurtrier. Das nassau-oranische Zehntenhaus und die Zehntenscheuer, die 1801 mit dem Dorf abbrannten, standen an der Westseite des alten Pfarrgehöfts südlich der Kirche.
Graf Johann Ludwig von Nassau-Hadamar hatte 1616 seinen Anteil am kleinen Zehnten dem Amtmann Dr. Hermann Schild zu dessen Wohnung zu Diez übergeben. Die Erben, darunter der Registrator Joh. Sinner zu Hadamar, verkauften 2/3 des kleinen Zehnten vor 1658 an die von Hohenfeld zu Camberg, neben denen Nassau-Diez 1/3 behielt. Aus 8 Hofreiten stand dem Pfarrer in Mensfelden 1657 der kleine Zehnten, 1631 nach Registern von 1439 und 1530, zu, doch wurde die Pfarrei bereits vor 1616 durch Nassau-Hadamar, seit 1677 und 1742 durch die von Hohenfeld und seit 1768/69 zugleich auch durch Nassau-Oranien hart in ihrem Recht bedrängt und beeinträchtigt. Nach einer Notiz des 15. Jhs. waren diese Hofstätten mit den Huben der Herrschaft Limburg zu Mensfelden identisch. Die von Rheinberg und Nassau-Diez und ihre Rechtsnachfolger hatten vom kleinen oder Blutzehnten das Mannvieh zu halten, entzogen sich nach mancherlei Reibereien jedoch auch dieser Last.
Das Stift Limburg hatte 1453 und 1470. seit 1384 nachweisbar und noch 1657 - 1792 und 1738 den Zehnten von 10 Morgen zu Hause oder Langenloe beim Dorf Mensfelden zu seinem großen Zehnten von Bergen. Dieser Zehntanteil ist aus der Schenkung König Ludwigs von 910 herzuleiten.
Ebenso war hier ein kleiner Zehntanteil des Pfarrers zu Oberneisen und des Stifts St. Albau bei Mainz 1738 und 1784 - 1793 bereits durch die Schenkung Otto I. von 958 an dieses gekommen. Einen kleinen Zehntanteil besaßen 1738 noch die Specht von Bubenheim. Völlig verloren hat sich der 1202 dem Kloster Sayn geschenkte Zehnten, wohl ein Salzehnten. Der Novalzehnten von Neurodland war seit 1728 zwischen Nassau-Diez und den Mitherren des Ortes strittig, doch verlor dieser Streit seine Bedeutung, als nach 1792 beide Ortsherren zugleich Zehntherren waren. Die Zehnten wurden 1840 - 1848 abgelöst.
Von der 1035 ha großen Gemarkung waren 1625 2005 Morgen Ackerland und 114 Wagen Heuwachs. Davon waren 1385 Morgen Eigengelend 468 Morgen Hofsgelend, 117 Morgen Hubengelend bei den Wagen Heuwachs 80 von Eigen-, 21 von Hofs- und 9 von Hubenwiesen. Der Anteil an Hubenland ist, wenn man den Ertrag der Westerburger und Limburger Hubenfrucht betrachtet, hier sicher zu klein angesetzt und das mit Gültfrucht belastete Land wohl dem Eigengut zugerechnet. Die Klagen über hohe Pacht- Gültkornlast 1654 waren sicher berechtigt, doch war es jedoch übertrieben, wenn es 1654 heißt, dass die Untertanen wegen der hohen Gültfrüchte keine eigenen Güter, sondern diese von Nassau-Saarbrücken und dem Adel gleichsam als Lehen haben.
Die Herren von Westerburg verzichteten 1315 auf ein Lehen vom Erzbischof von Mainz von 15 Mark Einkünften zu Mensfelden, das 1316 an die Brüder Gilbert und Johann von Katzenelnbogen kam. Zu Mensfelden hatten die Herren von Westerburg 1331 10 Fuder Weingülte. Ein Gülte- und Güterregister der Herrschaft Westerburg zeigt den Westerburger Hubenbesitz in Mensfelden um 1360/70 schon stark aufgesplittert. Vier halbe Huben und 13 meist kleinere Güter, von denen nur eines nach dem Zins etwas größer als eine Hube war, geben Korngülten. 11 Güter, zum Teil die gleichen, gaben am 11.11. und 6.1. Geldgülten, und mindestens 7 Güter, darunter 2, eine und drei halbe Huben, gaben Wachs- und Kapaunenzinsen, dazu wurden dort noch etwa 20 Herbsthühner geliefert. Der Ertrag des Hubengültkorns, um 1550 70 und etliche Malter, 1604: 63 Malter 9 Simmer Korn, z. T. auch von Gütern zu Linter, blieb ziemlich unverändert, da schon 1382 zum Wittum Schaumburg der Kunigunde von Westerburg 60 Malter Korngülte aus Mensfelden gehörten. Von den Hubengütern musste auch Hubenbesthaupt gegeben werden. Anteile an Hubengütern hatten auch Adlige, so die von Rheinberg (Junkern von der Eichelbach) 1457 und Hen von Rheinberg 1503, dann die von Staffel (Wilhelm 1457, Dietrich 1503, Philipp 1601). Daneben behielt Westerburg die Geldgülte 1457, als Dreikönigsjahrgülte 1601 von vielen Zinsleuten und Stämmen zu Mensfelden. Holzheim, Lindenholzhausen, Heringen, Linter, Kaltenholzhausen, Flacht und Neesbach, 1604 - 1609 auch aus Nauheim, Oberneisen, Niederneisen, Lohrheim und Eschhofen, sowie Wachs-, Kapaunen- , Gänse-, Hühner- und Hahnenzinse zu Mensfelden 1430/50 und 1604. Sonderbesitz waren 15 Morgen im Bergerfeld 1563, deren Pacht 1604 in die Fahrgülte erhoben wurde, und die Anspannwiese. Reinhard Herr von Westerburg löste diese 1489 von Marsilius von Reifenberg wieder ein. Die Gemeinde wollte die Wiese 1525 wiedereinlösen, weil sie diese für die Herren von Westerburg als Gemeindegut Dietrich von Bubenheim, dem Schwiegervater des Marsilius von Reifenberg, verpfändet habe, was ihr verweigert wurde, da die Wiese mit der Schaumburg Lehen von Kurköln sei. Vor Kurtrier und anderen Schiedsrichtern erwies Gräfin Eva mit 100 Jahre alten Rechnungen der Kellerei Schaumburg 1526 ihr Besitzrecht, dabei wurden der Herrschaft zugleich die im Bauernkriegsjahr 1525 verweigerten Dienste bestätigt. Die Wiese wurde 1563 für die Schaumburger Hofhaltung genutzt, sie wurde 1625 für 1235 Gulden an mehrere Einwohner verpfändet, diesen jedoch durch Waldecker von Kaimt ohne Entschädigung entzogen.
Von den Westerburger Einkünften hatten um 1360/70 Arnold von Willmenrod (1351 - 1383) eine Geldgülte, Jakob Schneiß von Grenzau 1439, Wilderich von Walderdorff 1457, die von Nassau, später zu Sporkenburg 1444 - 1559 je 6, Gilbrecht von Schönborn 1457 die von Schönborn zu Hahnstätten 1473 - 1563 5 Gulden Manngelder, 1484 die Im Hof zu Limburg, das Liebfrauenkloster auf Niederwerth bei Koblenz 1508 - 1554 Amtmann Dr. Martin Möller in Hachenburg in seinen Bärbacher Hof zu Freiendiez 1598 - 1601, die Pastorei Balduinstein 1598 - 1610 und die Barfüßer zu Limburg 1609/10 Korngülten.
Philipp von Reifenberg und seine Frau Anna von Diez verkauften 1578 für 650 Gulden ihren Anteil an ihrem Hof zu Mensfelden, wie seine Voreltern ihn besessen, an Graf Georg von Leiningen-Westerburg. Diesen Hof hatten Emmerich von Reifenberg (1497 - 1511), der Bruder von Philipps Großvater und Liebmuth von Rheinberg, je zur Hälfte erblich besessen und 1511 an Adam von Rheinberg erblich verpachtet. Leiningen-Westerburg setzte dessen Enkel Johann Rheinberg oder Adams Johentgen 1595 als Hofmann ab. Zu dem 1595 und 1602 auf Zeit verpachteten Hof kaufte Graf Christoph 1605 noch ein Sechstel von Erben der von Rheinberg. Er ließ ihn 1611 - 17 in Eigenwirtschaft für seine Schaumburger Hofhaltung verwalten und vergrößerte ihn 1614 durch Ankauf einer Hofreite und Neubauten. Seit 1619 war der Hof, der 1620 keine Gebäude mehr hatte, erneut verpachtet. Zum Hof gehörten 1599 und 1620 etwa 61 Morgen Land in den drei Feldern und 4 Morgen Wiesen. Der Hof war seit 1601 für 1000 Gulden Schuld dem Keller Henrich Wentzel in Limburg verpfändet, dessen Erben ihre schon 1630 vom Herrn von Metternich ihnen entzogene Rente noch 1661 vergeblich suchten. Gülten, Anspannwiese und Hof waren seitdem Zubehör des seit 1631 waldeckerschen und von 1728 - 1802 kurtrierischen Anteils von Mensfelden.
Die Herrschaft Limburg hatte 1426 etwa 33 Malter Korn von 10 Zinsleuten, Geld- und Wachszinsen und 6 Kapaunen von den Huben zu Mensfelden. Diese Güter, die dem Pastor zu Mensfelden den kleinen Zehnten gaben, gehörten um 1450 zu den Limburger Huben in Oberbrechen. Streubesitz in drei Feldern zu Mensfelden, der Korn- und Weizenzinse in die Kellerei Limburg gab, gehörte auch 1482 vor das Hofgericht zu Oberbrechen. Danach waren diese Huben kein Zubehör des Limburger Sechstels der Ortsherrschaft aus dem saynischen Erbe, sondern ebenso wie der Stift Limburger Zehnten ein Teil des von König Ludwig 910 dem Stift Limburg geschenkten Königshofes Oberbrechen-Bergen. Johann Herr zu Limburg dotierte 1298 die Burgkapelle St. Petrus zu Limburg mit Einkünften aus Mensfelden, und zwar 1304 mit denen einer Hube. Die Gülten, Korn-, Weizen-, Wachs- und Kapaunenzinsen fielen auch später noch Kurtrier auf die Burg, das Schloss, oder in die Kellerei zu Limburg.
Kurtrier hatte außerdem 1609 Güter, einen seit 1625 oft genannten Hof mit etwa 24 Morgen Land, Hofreite, Garten und 1 1/2 Morgen Wiesen, der 1655 einem Hofmann, später 1691 zwei Hofleuten, und zwar 1776 erblich verpachtet war. Dabei handelt es sich vielleicht um ein heimgefallenes Lehen.
Patze, die Witwe des Frank von Tiefenbach, verzichtete 1377 auf alle Lehen und Burglehen ihres Mannes in Limburg und Mensfelden von Johann Herrn zu Limburg. Henechin von Sayn, Burgmann zu Limburg, hatte einen Hof zu Mensfelden von den Herren von Limburg zu Lehen, den er seinem Oheim Cunemann, Kantor im Stift Limburg, versetzt hatte, jedoch 1324 für 1 Fass Wein oder 8 Mark jährlich zurückerhielt. Dieser Johann von Sayn 1306 44 und seine Frau Aleyd 1318 - 1344 hatten schon 1320 dem Stift Limburg einen Zins von ihrem Hof zu Mensfelden verschrieben. Johann, der wahrscheinlich ein Nachkomme des Ruthard von Mensfelden zu Sayn war, und Aleyd verkauften 1344 mit Genehmigung des Lehnsherrn Gerlach Herrn von Limburg ihren Hof zu Mensfelden, ihren Zehnten zu Mensfelden, genannt Bucher zinden, Gut und Gülte, dazu ihr Mahlrecht zu Mensfelden und Einkünfte aus der Mühle zu Oberneisen (Neysen) für 170 Mark an Ritter Dietrich von Staffel und den Schöffen Cunemann Mulich zu Limburg. Der Hof war ein Rest der Wüstung Buchen. Der bereits 750 - 779 in einer Schenkung an Fulda genannte Ort, kann mit dem Flurnamen Auf der Beune im Bucherfeld der Gemarkung Holzheim lokalisiert werden. Die Hälfte des Cunemann Mulich hatten als trierisches Lehen der Herrschaft Limburg 1439 Emmerich Royßpecher von Limburg, wie seine Eltern, 1457 Henne Greffe, 1464 Clais Greve, beide Bürger zu Limburg, wie ihre Voreltern, 1488 und 1504 Hermann von Holzhausen für seine Hausfrau Meckel (1488 1504) und ihre Kinder, der es ihr Bruder Richwyn Greve angetreten hatte. Hermann verkaufte diese Hälfte mit Willen Erzbischofs Richards von Trier an Wilhelm von Staffel, so dass seitdem die schon 1344 und seit 1443 mit der Hälfte belehnten von Staffel den Hof bis 1665 allein zu Lehen hatten. Von dem Hof fiel noch 1654, 1676 und 1685 eine Korngülte nach Balduinstein. Mit anderen Staffeler Lehen kam die Gülte zu Mensfelden an die Grafen von Kesselstadt, die sie 1803 ihrem Keller Heinrich Joseph Dauber in Limburg verpfändeten.
Der Nassau-Weilburger Besitz ist hier erst spät zu fassen. Graf Philipp von Nassau-Saarbrücken behielt sich 1459, als er Gericht und Leute an Marsilius von Reifenberg verpfändete, Güter, Gerechtsame und Nutzungen vor, die er erst von Dietrich Herrn von Runkel gelöst hatte. Dietrich Herr von Runkel hatte, wohl von dieser Pfandschaft, 24 Malter Korngülte zu Mensfelden 1421 dem Limburger Schöffen Rupel von Heringen verschrieben. Die von Syfrit von Runkel 1331 Heltwins Kindern zu Limburg verpfändete Korngülte von 72 Maltern ist so groß, dass er damals pfandweise die hier allein so großen Westerburger Hubeneinkünfte innegehabt haben muss. Es muss offen bleiben, ob der 1430/50 in Mensfelden bezeugte Runkeler Grundbesitz geringfügiger Streubesitz oder Teil der nassauischen Pfandschaft war. Die nassau-saarbrückische oder weilnauische Hube hatte 1619 etwa 165 Morgen Land, 13 Morgen Wieswachs und 6 Morgen Gras- und Krautgärten, ehemalige Hofstätten, 1635 3 Bauplätze im Dorf, doch hatten Kriegsleute 1633 den letzten Bau niedergeschlagen und verbrannt. Die Hubengüter wurden 1635 den Hübnern jährlich verpachtet und brachten 1619 und 1635 32 Malter Korn, 14 (1635 nur 12) Malter Hafer, 15 Kapaunen und 13 1/2 Pfund Wachs, dazu fielen 50 Leib-und Hubenhühner im Dorf. Der Pachtertrag sank im Krieg sehr, so dass die Grafen, da von den Hübnern keine höhere Pacht zu erlangen war, seit 1677 die Hubengüter jeweils an 6 Hofleute verpachteten. Kapaunen- und Wachszins blieben bis 1686 unverändert. Die Erhöhung der Fruchtpacht auf mehr als das Doppelte ist typisch für den Übergang von alten patriarchalischen Lebensformen zum absolutistischen Staat, der den höchstmöglichen Ertrag herauszuholen versuchte. Das Hofgut kam 1790 an Nassau-Oranien, und zwar 1795 und noch 1814 an 5 Hofleute verpachtet.
Ein Ortsadel von Bedeutung fehlt. Ein Edelknecht Hesso von Mensfelden wird nur einmal 1306 als Zeuge genannt. Zum niederen Adel gehörte wohl auch der saynische Keller Ruthard von Mensfelden in Sayn 1229/30, der sonst stets nur mit seinem Vornamen als Keller zu Sayn 1228 - 1232, als gräflicher Beamter (Offizial) 1232 und nach seinem Tod als Amtmann zu Sayn 1264, als Diener Graf Gottfrieds von Sayn 1269 und als Truchsess des Grafen von Sayn 1291 bezeichnet wird. Er schenkte 1231 Güter zu Metternich der Abtei Himmerod, in deren Urkunden wir auch seine Kinder Anselm 1264 - 1269, Gertrud, Genigna und 1264 sowie Rudhard 1269 kennen lernen. Rudhard, der 1269 in Speyer wohnte, nannte sich 1274 als Bürger zu Neustadt an der Weinstraße Rudhard von Sayn. Er hatte mit seiner Frau Uta 1274 = Gada 1291 sechs Kinder Konrad, Johann, Ulrich, Hedewig, Gertrud und Mechtild, mit denen er 1291 von Neustadt aus Güter, Hof, Haus und Weingärten zu Bendorf verkaufte. Ein Nachkomme Ruthards war wohl der Limburger Burgmann Johann von Sayn 1306 - 1344. Johann von Sayn und sein Oheim Kunemann von Elz, Kantor im Stift Limburg 1324, waren 1307 Testamentsvollstrecker eines Blutsverwandten des Cunemann, des Thesaurars6 Ludwig von Neisen im Stift Limburg, so dass Johann von Sayn seinen Besitz in Mensfelden auch seiner Verwandtschaft mit den von Neisen verdanken könnte.
Ritter Markolf von Neisen 1276, vor 1279, und seine Frau Gisela, vor 1279, hatten wohl bereits jenen Besitz in Mensfelden, von dem ihr Sohn Gerhard, Kanoniker7 im Stift Limburg, seinen Hof zu Mensfelden 1296 zur Stiftung eines Altars St. Gregor im Stift Limburg und ihr Sohn Ludwig, Thesaurar im Stift Limburg, seinen Hof zu Mensfelden 1307 seiner Stiftung, dem Altar St. Lubentius im Stift Limburg, schenkten. Ludwig hatte von diesem Hof seinem Verwandten, Ritter Bayer von Neisen, Gottfried von Reifenberg, dem Gatten der Elisabeth 1305, der Schwester des Ritters Heinrich Bayer von Neisen, vor 1307 12 Malter Korngülte verkauft. Mit dem Lubentiusalter vertauschte 1321 Markolf von Neisen Land bei Mensfelden. Nach dem Verkauf der Korngülte blieb nur wenig dem Lubentiusaltar, der 1471 jährlich nur je 1 Malter Korn und Hafer vom Mensfelder Hof des Marsilius und seines Sohnes Marsilius von Reifenberg hatte. Beide stammten allerdings nur von dem Bruder jenes Gottfried von Reifenberg von 1307, dem Emmerich von Reifenberg 1298-1335, und seiner Frau Berta von Neisen (?) 1298 ab.
Das Stift Limburg versuchte 1492 und 1582 gegen Marsilius von Reifenberg den Besitz des Hofes zu erlangen. Nach dem Tod des Marsilius von Reifenberg, 1593, erbte Hans Enders von der Leyen diesen Hof mit einem Haus, dem grünen Haus an der Lahnbrücke, in Limburg. Er verkaufte beides 1598 an Graf Georg von Nassau-Beilstein, der den Hof zu Mensfelden mit Höfen zu Kreuch und Offheim 1608 für 12 000 Gulden an die von Kronberg veräußerte. Dieser Kronberger Hof kam, als diese mit Johann Nikolaus von Kronberg zu Hohlenfels ( 17.7.1704) ausstarben, mit anderen Teilen des Eigenguts an die Boos von Waldeck, die ihn noch 1815 besaßen. Der Hof hatte 1609 88 Morgen Land, die Hofreite war 1635 verfallen, bis zum Brand von 1801 stand der Hof im Südteil des Ortes an der Ecke von Mittel- und Hintergasse. Er war 1635 an 2 Hofleute verpachtet. Von der Pacht bezog das Stift Limburg 1602 und 1610 seine Fruchtgülte. Marsilius von Reifenberg hatte dazu hier noch Geld- und Hühnerzinse 1581 und 1583 eine Weizengülte zu Mensfelden und Heringen, die 1633 die vom Riedt mit 5 1/2 Malter Korn zu ihrem Haus in Kirberg bezogen, nachdem Marsilius Friedrich vom Riedt 1616 diese im Rechtsstreit mit denen von Kronberg erlangt hatte.
Renten in das alte reifenbergische Haus zu Kirberg suchte 1595 - 1597 zu Mensfelden auch Lubert von Heiden, dessen Mutter Guta Erbtochter eines älteren Zweiges der von Reifenberg zu Kirberg war.
Emmerich von Reifenberg und Liebmuth von Rheinberg, die Witwe des Johann von Lohrheim (1464 - 1501), verpachteten 1511 erblich dem Adam von Rheinberg, einem unebenbürtigen Spross der Familie von Rheinberg, ihren Hof zu Mensfelden, den sie je zur Hälfte von ihren Eltern ererbt hatten. Philipp von Reifenberg, der Enkel von Emmerichs verkaufte seinen Anteil 1578 an Leiningen-Westerburg, das auch Teile erwarb, die aus dem Erbe der von Lohrheim wieder an die von Rheinberg, Wolf Thomas von Rheinberg zu Hahnstätten vor 1578, und andere Miterben gekommen waren. Emmerich und sein Großneffe Philipp gehörten zu den Nachkommen des Emmerich von (1298 - 1335), doch lässt sich die Herkunft der Hälfte der Liebmuth von Rheinberg bisher nicht erklären. Eine Reifenbergwiese besaß 1486 mit einem Hof zu Mensfelden auch der Schöffe Johann Rickel zu Limburg. Er hatte 1483 mit seiner Schwiegermutter Meckel, Witwe des Henne Giel zu Limburg, vom Vatersbruder der Liebmuth, Sifrid von Rheinberg und dessen Söhnen Adam und Emerich deren Güter bei Mensfelden gekauft, die mit der Urkunde um 1600 einem dortigen Einwohner gehörten. So war dieser Teil des Rheinberger Besitzes in Mensfelden wohl alter Reifenberger Besitz, wenn auch die Art der Vererbung bisher dunkel blieb. Ebenso unklar ist, wer vor den von Rheinberg vor 1430 Kirchsatz und Zehnten und vor Ritter Sifrid von Rheinberg vor 1368 dessen Hof und Gut zu Mensfelden besaß. Als Vorbesitzer kommt die Familie seiner Frau Guda von Krummenau (1359) in Betracht. Heinrich von Krummenau, Sohn des verstorbenen Ritters Enolf (1279 - 1308), verkaufte 1308 mit Willen seiner Brüder Dietrich, des Vaters der Guda, und Wilhelm und seiner Nichte Germud, der Frau des Friedrichs von Lehmen, für 84 Mark seine ihm in der Erbteilung mit seinen Brüdern von den Gütern der Friedrichs und der Germud abgeteilten Güter in Dorf und Flur zu Mensfelden an den Limburger Bürger Rulmann unter den Gaden, der 1310 für 84 Mark auch den Teil des Friedrichs von Lehmen und seiner Frau Germud erwarb.
Adam von Rheinberg (1483) zu Eichelberg hatte hier noch Besitz, von dem seine Enkelin Margaretha von Rheinberg 1555 - 1570, die Frau des Bruno Braun von Nassau, 1555 mit ihrem Sohn Velten Braun von Nassau zu Obertiefenbach, hier Gülten von Weinbergen an die von Walderdorff, 1570 Güter und ihr Sohn Velten 1556 weitere Gülten an Einwohner verkauften. Die von Walderdorff in Limburg hatten hier außerdem 1596 eine Fruchtgülte. Andere Güter von Mensfelden waren von Adams Bruder Emmerich (1483) zu Hahnstätten (über seinen Sohn Marsilius Gottfried ( um 1558) an seine Enkelin Dorothea von Rheinberg, die Frau des Heinrich von Irmtraut, gekommen, der diese um 1579 an Blasius Lantz verkaufte. Da ihr Vetter Wolf Thomas von Rheinberg zu Hahnstätten ( 20.1.1590) bei diesem Verkauf geschwiegen hatte, konnte auch seine Witwe Barbara von Klingelbach 1591 diese adligen Güter nicht zurückkaufen.
Der Kirchhof mit Kirche und Schule und einigen hart südwestlich der Kirche auf dem alten Kirchhof errichteten kleinen, ursprünglich der Kirche zinspflichtigen Häusern, der Pfarrhof und im Westen daran angrenzend der nassau-oranische Zehnthof, der bis 1615 den von Rheinberg gehört hatte, und ein Hof der Familie Reitz von Frentz bildeten einen bis zum Brand von 1801 deutlich erkennbaren, von Gassen umgebenen Block. Es ist eine alte, von alters her mit der Kirche verbundene Einheit, aus der im Südwesten jener Adelshof herausgelöst ist, den schon 1511 die von Grorod besaßen. Hans Philipp von Grorod zu Walluf wollte schon 1620 den Hof verkaufen. Die Töchter seines Sohnes Melchior, mit dem das Geschlecht 1635 erlosch, verkauften den Hof mit Besitz im Rheingau 1639 dem kaiserlichen Reitergeneral Jan von Werth ( 16.9.1652). Der Hof kam durch die Heirat seiner Tochter Lambertina Irmgard an die Reitz von Frentz zu Schlenderhahn, die den 1801 etwas über 90 Morgen großen reichsritterschaftlichen Besitz mit 3 wüsten Hofplätzen und Gärten im Ort noch 1804 besaßen. Der Hof wurde 1635 von sechs, 1654 und 1676 von zwei Hofleuten bebaut.
Die 1552, 1565 und 1609 hier genannten Güter der Frei von Dehrn kamen zum größten Teil vor 1595 an Hans Dietrich von Metternich durch seine Heirat mit Anna Frei von Dehrn. Der kleine Hof 1641, der 1654 nur 1 1/2 Malter Korn brachte, wurde 1660 als Meternichs Hoff mit Hofstatt, Äckern und Wiesen von Hanß Jakob Mebuß an Johangen Völcker verkauft. Er ist wahrscheinlich mit Hofreite und Garten die Burg in der Schlimmgaß gleichzusetzen, die 1804 dessen Erbe Georg Wilhelm Weil besaß.
Graf Johann von Nassau-Dillenburg, der nach dem Diezer Vertrag von 1564 den Guldenweinzoll aus dem an Kurtrier gefallenen Lindenholzhausen verlegen musste, ertauschte 1567 einen Platz von den Frei von Dehrn, auf dem vor 1570 das Zollhaus zur Diezer Linden erbaut wurde. Die Zolleinkünfte waren 1577 - 1596 an Dr. Jakob Schwartz verpfändet und kamen 1607 an Nassau-Diez und damit später an Nassau-Oranien. Außer dem Guldenweinzoll, einem Gulden von jedem, meist durch Westerwälder und westfälische Fuhrleute vom Rheingau und aus Rheinhessen her hier vorbeigefahrenen Fuder Wein, wurde schon im 16. Jh. auch Wegegeld von Vieh Handelswaren hier gehoben. Das Zollhaus hielt gegen anfängliches Verbot, 1600 Wirtschaft und Viehzucht. Es war seit 1793 verfallen 1797 unbewohnbar und wurde nach der Aufhebung dieser Zölle 1816 verkauft.
Zöllner:
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Wilhelm Schreiner oder Schumann aus Hahnstätten 1570 - 1605
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Wolf Schumann 1605 - 1629
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Hermann Schumann 1652 - 1680
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Johann Wilhelm Schuhmann 1681 - 1688
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Johann Wilhelm Crecelius 1688 - 1691
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Johannes Crecelius 1697 - 1700
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Johann Jost Preuser 1700
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Johann Georg Schuhmann (1701) 1712 - 1713, vor 1717
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Johann Wilhelm Völker 1721 - 1729.
Das Kloster Dirstein hatte aus den von Graf Heinrich von Sayn (1202 - 1246) ihm überlassenen Gütern 1345 8 Morgen zu Landsiedelrecht ausgeliehen. Der Hof kam nach der Aufheburg des Klosters zum Stiftungsgut der Hohen Schule zu Herborn. Er wird 1620 noch Dörster Hof genannt und gehörte 1624 und 1635 Nassau-Dillenburg, das ihn dem Landschultheiß Hatzfeld zu Beilstein 1635 überlassen hatte. Mit dem Rest ehemaliger Klostergüter wurde er 1676 von der Hohen Schule an Fürstin Albertine von Nassau-Diez zur Kellerei Oranienstein verkauft. Der Hof hatte außer Haus und Hofreite etwa 44 Morgen Land und 7 Morgen Wiese. Er war 1541, 1703, 1778 und noch 1812 an zwei Hofleute verpachtet.
Die Äbtissin des Klosters Affolderbach bei Miehlen verkaufte 1366 das Gut ihrer Kapelle in Dienethal zu Mensfelden dem Stift Diez. Das restliche Drittel dieses Gutes der Conemansen verkauften der Limburger Bürger Heme, seine Töchter und sein Enkel Gerhard von Bubenheim 1375 und dessen Brüder Henne und Ruylchen von Bubenheim 1379 dem Stift.
Der auch den Herren von Westerburg gültpflichtige Hof war schon 1472, 1488, 1507, 1538 und 1544 mit Haus, Hofreite und Gütern an einen Hofmann, 1635 an 5, 1654 und 1688 bis 1814 an drei Hofleute in Erbpacht gegeben. Daneben hatte die Stiftpräsenz hier 1482 Zinsgüter, sowie Fruchtgülten und Geldzinsen 1507 und noch um 1700.
Der 1296 von dem Kanoniker Gerhard von Neisen dem Altar St. Gregorius im Stift Limburg geschenkte Hof ist auch 1482 als Besitz von St. Gregorius und 1609 als Gregoriusgelände bezeugt. Die Güter des bereits 1710 zur 2. Messe B. Mariae V. der Kustodie inkorporierten Altars waren 1565 und 1755 verpachtet und kamen mit dem Stift 1802 an Nassau-Usingen, Das Stift Limburg und seine Präsenz hatten durch Schenkung und Kauf hier seit 1320 mancherlei Renten und Kornzinsen. Der vom Stift 1579 gegen Marsilius von Reifenberg vorgebrachte Anspruch auf den 1307 dem St. Lubentiusaltar 1307 geschenkten Hof wurde 1582 abgewiesen, so dass davon nur die Fruchtgülte blieb. Güter und Zinsen hatten hier auch andere Altäre des Stifts, Güter der St. Petersaltar 1320, der St. Annaaltar 1487 und der Barbaraaltar, der diese von den von Bubenheim gegen Äcker bei ihrem Hof Blumenrod 1371 ertauschte, Korngülten der St. Paulusaltar 1483 und 1490 und der St. Martinsaltar 1654, Geldrenten die Liebfrauenmesse vor dem St. Johannesaltar 1486, der Altar der 10000 Märtyrer 1487 und der Altar St. Silvester 1568. Geldrenten und Einkünfte wurden hier 1334 von Einwohnern und 1343 von Kuno von Glimmenthal, aus dem Erbe seines verstorbenen Schwiegervaters Heinrich Eselwecke von Scharfenstein, für den Altar des Evangelisten Johannes in der Michaelskapelle auf dem Friedhof des Stifts und 1343 für diese Kapelle selbst erworben. Korn- und Hafergülten hatten zu Mensfelden als Lehen von der Propstei Limburg 1445 Philipp von Lindau für seine Stiefkinder und die Köth von Wahnscheid 1488 - 1788, die hier 1371 auch begütert waren.
Das Kloster Bethlehem in Limburg, das schon 1486, 1563 und 1596 Zinse hier hatte, erwarb vor 1671 seinen großen Nonnenhof und 1719 von einer Limburger Bürgerin sein kleines Höfchen und besaß beide bis zu seiner Aufhebung. Die St. Jakobsbruderschaft im Wilhelmitenkloster erwarb hier 1748 eine Korngülte.
Der Limburger Bürger Werner Senger vermachte 1398 seinen Hof zu Mensfelden auf Lebzeit seinen Neffen, dem Stiftskustos Johann von Lohrheim und dem Schöffen Rule Bunthe, und danach dem Spital zu Limburg, das 1511 und 1609 Güter sowie 1437 und noch 1698 Korngülten zu Mensfelden besaß. Werner Senger und seine Neffen waren Erben des reichen Limburger Bürgers Rulmann unter den Gaden, der 1301, 1302 und 1304 von dem Ritter Hiltwin von Elkerhausen dem Älteren und seiner Frau Alheid Güter, einen Hof, Korngülten und Zinse, 1308 und 1310 die Güter des Heinrichs von Krummenau und des Friedrichs von Lehmen und 1309 Land des Klosters Gnadenthal in Mensfelden erwarb. Werner Senger. dessen Land und Gut zu Mensfelden noch 1371 genannt wird hatte seinen obengenannten Neffen auf Lebzeit 7 1/2 Malter Korn hinterlassen, die Johannes von Lohrheim, wie angeordnet, 1382 zu einer Essensspende dem Konvent zu Eberbach weitergab. Der Zins wurde 1403 von Gütern des Herrn Johann von Nauheim und seines Bruders Heinrich und 1436 von denen ihres Neffen Rucker Hartlieb geliefert. Dieser Zins wurde 1437 den Brüdern Hartlieb und Heinrich, Kanoniker zu Dietkirchen, und Rugher, Schultheiß zu Limburg jenem Rücker Hartlieb auf 6 Malter verringert. Sie gaben den Zins damals von den Gütern der Beyer von Neisen, des Fülghe von Nauheim und der Enzelsen zu Mensfelden. Die Abtei hatte 1569 noch diesen Zins sowie seit 1326 weitere Zinse, darunter auch solche zum Almosen im Eberbacher Hof in Limburg.
Else, Tochter des Henne Herstoll, hatte ihren Söhnen aus der Ehe mit Gerhard von Bubenheim aus dem Erbe ihres Oheims, des Stiftskantors Johann von Lohrheim, vor 1371 den Hof Blumenrod zugebracht, den 1457 Dietkirchen von Bubenheim ( vor 1471). Dietrich war 1478 wohl mit Zubehör von Blumenrod in Mensfelden begütert. Seine Tochter brachte Blumenrod Marsillius dem Älteren von Reifenberg zu. Mit Blumenrod besaßen sein Urenkel Marsillius von Reifenberg 1580 - 1586 und die von Hohenfeld 1687 Güter in der Gemarkung Mensfelden.
Die von Mudersbach hatten hier von Kurpfalz einen kleinen Hof zu Lehen, der 1600 heimfiel und 1602 zur Zollschreiberei Kaub gehörte. Über kleineren Grundbesitz verfügten die Kessel von Bergen 1452, die Schneiß von Grenzau vor 1490, die von Schönborn 1490 ein Junker Dythard 1371, wohl der von Cramberg, da es noch 1641 hier ein Crampurger Stick gab. Kleinere Höfe und Güter besaßen 1635 die Familien Röpper und Kalckhöffer zu Limburg, wahrscheinlich Teile des Rheinberger Gutes, und der Sohn des Kellers Simon Bienckel zu Kirberg sowie 1654 die Erben des Amtmanns Naurath in Diez. St. Alban in Mainz bezog 1569-1668 Hubenhühner und Geldzinsen von einigen Gütern, die zu seinem Besitz in Oberneisen von 958 gehörten. Limburger Bürger, die an vielen obengenannten Gütern beteiligt waren, haben seit 1478 häufig Geld und Fruchtrenten erworben. Von 8 Zinsleuten haben die von Diez 1671 Gräfenfutter des Erbmarschallamte der Grafschaft Diez. Geldzinsen fielen 1672 in die Villmarer Gült und 1693 - 1697 an die Kirche von Dauborn. Schließlich gehörten Korn- und Weizengülten, zum Teil wohl alter Reifenberger Besitz, zu den Höfen der Schütz von Holzhausen 1576, der Specht von Bubenheim und der vom Stein 1654 in Kirberg.
Die ausgedehnte Gemarkung wurde in Dreifelderwirtschaft genutzt. Ungewöhnlich stark war 1331 der Weinbau, der um 1430 bis 1601 in der Herbach betrieben wurde. Geringen Erfolg hatte 1804 - 1809 das Graben roter und gelber Farberde. Ein untig dem Zollhaus nach Linter zu, nach einer Karte des frühen 18. Jhs. in der Straße vom Zollhaus zur Holzheimer Linde jenseits vom Hornelsberg, 1692 entsprungener Heilbrunnen, fand rasch starken Zulauf, wurde jedoch, da Nassau-Diez dort Geld erheben ließ, auf Befehl der Mitherren mehrfach wieder zugeschüttet, so dass er wieder in Vergessenheit geriet. Von einer Burg, an die der Flurname In der Burke am Osthang des Hornels erinnert, findet sich keine Spur mehr. Auf dem Hornelsberg im frühen 18. Jh. und 1736 ein Wachthaus, wohl jenes Wachthaus, das 1674 gebaut wurde. An ein Siechhaus für Aussätzige im Weiterfeld, das nicht mit dem Siechhaus auf der Meinweide zwischen Limburg und Diez identisch sein kann, erinnern nur noch Flurnamen.
Da 1344 das Mahlrecht zu Mensfelden mit einer Mühle zu Oberneisen verbunden war, hatte Mensfelden damals keine eigene Mühle. Auf eine solche deutet schon 1371 der Name des Mühlbaches (Mulenbach). Zur Graumühle 1521, um 1430 Gruwelmoele, 1457 Grülmole, führte noch 1609 der Grauen Mühlepfad im Waiderfeld. Der Müllplatz in der Herbach, der 1620 zum Limburger Hof gehörte, war wohl der 1593 genannte Ort, da die alte Mühl gestanden. Graf Johann von Nassau-Dillenburg gestattete 1571 Stephan Mohr von Mensfelden, auf die Herbach zwischen Mensfelden und Oberneisen eine neue Mahlmühle zu bauen, die jedoch auf des Grafen Boden um 1592 bereits in der Gemarkung Oberneisen stand.
Die Einwohner waren, wie ringsum in fast allen Dörfern, Leibeigene verschiedener Herren, der Spede von Limburg 1235, der Grafen von Katzenelnbogen 1260, der von Staffel 1490 und 1611, des Grafen von Thierstein 1473 und der Grafen von Nassau-Saarbrücken 1541 zum Haus Burgschwalbach, der Rode 1534, der von Reifenberg 1575, der von Stockheim 1560 und 1575 und von Wied-Runkel, vor allem jedoch der drei Ortsherren, die 1607 allein noch Einzug mit ihren eigenen Leuten hatten. Wer sonst in Dorf ziehen wollte, musste frei sein oder sich frei gemacht haben und wurde nach einem freien Jahr durch das Los einem der Ortsherren zuteil. Im Ort folgten die Kinder nach Herkommen 1585 dem Busen, sie kamen also an den Herrn der Mutter. Die Einwohner galten bei den drei Herren 1727 als bekanntlich teils sehr unruhige Köpfe. Wer wollte, konnte sich loskaufen und wegziehen. Neben Auswanderungen nach Ostpreußen (preuß. Litauen) 1717-24, Amerika vor 1723 - 1795, Ungarn 1724 und Polen vor 1784 und Abzug in holländische Dienste 1749 - 1781 ist der Anteil von Auswanderern aus Mensfelden an der Entstehung der Kolonie Friedrichsfeld im Reinhardswald in Hessen 1775 zu erwähnen.
Einwohner:
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1595: 72 Schatzungspflichtige, dazu 14 Unmündige
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1619: 86 Herdstätten und Untertanen
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1625: 78 Schatzungspflichtige und 8 Unmündige
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1630: über 70 Untertanen (24 Nassau, auf 20 Trier, 14 oder 15 Westerburg)
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1639: 59 Familien; 1649: 143 (Trier 66, Nassau-Saarbrücken 54, Waldecker 23)
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1654: 53 Häuser, 52 Untertanen
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1660: 47 Untertanen (19 Trier, 20 Nassau, 8 Waldecker)
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1678. 55 Ehen, 59 Haushalte
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1675: 61 Nachbarn
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1703: 96 Haushalte
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1704: 85 Nachbarn
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1715: 105 Schatzungspflichtige
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1777: 1000 Menschen
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1818: 1027 (193 Familien)
Juden zählte man hier 1621 keine; 1673 einen, 1686: 2 und 1790: 5, sie hielten 1741 hier eine Judenschule.
Linter, 1195 Linthere, 1235 Lintere, 1305 Lyntere, 1569 Linter ist nach dem Linterbach benannt, dessen Name mit althochdeutsch lint Schlange wohl im Hinblick auf den stark gewundenen Bachlauf gebildet ist. Linter war 1305 wie seit alters ein Dorf der Grafschaft Diez, bei der es auch unter den Grafen von Diez, unter ihren Erben und Besitznachfolgern, Nassau-Dillenburg seit 1564, Nassau-Diez seit 1607 und später Nassau-Oranien, blieb. Es gehörte 1406, 1433, 1454, 1578 und 1634 zum Kirchspielgericht, auch Amt 1643 Flacht und mit diesem, zuletzt unter Nassau-Oranien bis 1806 sowie 1813 - 1815 zum Amt Diez, bis es am 1.7.1816 zum Amt Limburg kam. Ortsvorsteher war, wie überall. in der Grafschaft Diez, auch hier schon 1433 ein Heimberger. Als Gemeinderechner kommen seit 1588 Bürgermeister vor. Die kleine Gemeinde hatte bereits 1586 ein Rathaus.
Heimberger:
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Henne More 1433
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Happel Hans 1562
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Johann Göbell 1612
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Johanngen Barth 1634
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Seibert Reinhard vor 1660
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Christ Reinhard 1671
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Johann Wilhelm Mohr 1717 - 1731
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Johann Anthon Thielmann 1731 - , begraben 14.4.1765
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Johann Jacob Reinhardt 1769 - 20.9. 1783
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Johannes Reinhardt 1787 - 28.9.1809
Linter pfarrte 1433 wie seit alters und nachher stets nach Mensfelden. Man hielt die Gemeinde 1715 für groß genug, eine eigene Schule zu halten, 1725 wurde ihr gestattet, einen eigenen Schulmeister anzunehmen, doch sollte sie ihre Kinder 1726 wieder in die Hauptschule nach Mensfelden schicken. Die Gemeinde hatte 1758 schon einen eigenen Schulmeister und 1762 eine eigene Schule. Diese war bis 1796 Dingschule noch 1815 Filialschule von Mensfelden, wohin die meisten Schuleinkünfte damals noch gezahlt wurden. Im Schulhaus war ein Raum 1815 Betsaal der Gemeinde. Grundherrlich gehörten hier Hubengüter den Herren von Westerburg und den Grafen von Leiningen-Westerburg nach Mensfelden. Dann wurden 1596 Korn-, Geld-, Kapaunen- und Wachsgülten, von jedem Nachbar ein Hubenhuhn und bei jedes Hausmanns Tod ein Besthaupt nach Mensfelden und Schaumburg gegeben. Die Waldecker von Kaimt vertauschten 1720 die Hubergülten und Hühner gegen Einkünfte in Mensfelden an Nassau-Diez.
Die Herrschaft Limburg hatte hier Weizengülten, die 1426 erneuert wurden. Korngülten hatte noch 1596 Kurtrier auf‘s Schloss Limburg. Weizen und Geld waren 1596 nach Limburg auf den Remter (den Raubender), das Refektorium oder den Speisesaal, des Stifts Limburg in die Brecher Hubt und Hubenhühner nach Oberbrechen zu liefern. Es waren dies Gülten von Streubesitz der Fronhöfe Oberbrechen-Bergen, die König Indwig das Kind 910 dem Stift Limburg geschenkt hatte. Geld und Weizen fielen von Streubesitz hier 1596 auch in den Fronhof zu Flacht, der wohl 790 an die Abtei Prüm und schon im 10. Jh. an das Stift St. Florin in Koblenz gekommen war.
Der 1195 in Hadamar begüterte Berthram von Linter gehörte wohl zum niederen Adel, doch lässt er sich keiner anderen Familie zuordnen.
Anteile am Zehnten hatte hier 1596, 1602, 1783 und 1789 der Pfarrer zu Mensfelden, dem 1662 auch die Limburger, die viele Wiesen dort hatten, den verweigerten Heuzehnten wieder geben sollten. Vom Zehntanteil des Philipp von Staffel hatte 1596 Johann Doll in Limburg den 4. Sichling. Einen Anteil hatten 1462 Dietrich Sprecht von Bubenheim und seine Familie, die von Bubenheim zu Hanau, bis 1510 von Nassau-Dillenburg, wohl als Lehen von der Grafschaft Diez. Diesen Anteil hatten 1607 und schon 1596 die vom Riedt, die 1569 nach dem Tod des Wilhelm von Allendorf dessen Anteil als Erben an sich gebracht hatten. Zehntherr war neben dem Pfarrer von Mensfelden 1719 Nassau-Diez. Die Grafen von Wied-Runkel hatten hier 1596 einen kleinen Pachthof, der vor 1620 an Graf Christoph von Leiningen-Westerburg kam. Leiningen-Westerburg hatte hier 1602 Wiesen als Zubehör seines Hofes zu Mensfelden. Die von Walderdorff in Limburg hatten 1604 einen Weiher am Fußpfad von Lindenholzhausen auf Linter und Freiendiez, wohl schon am Platz des heutigen, größeren Linterer Weihers. Die von Waldersdorff erwarben 1685 die Güter der Schütz von Holzhausen und besaßen hier 1805 21 Morgen Land. Der reiche Limburger Bürger Rulman unter den Gaden erwarb 1305 von Graf Rupert von Virneburg Korngülten von dessen Gütern, Zubehör von dessen Anteil an der Schaumburg, und 1309 die Güter des Gnadenthal. Dieser Besitz gehörte später zu der von Rulman gestifteten Almosensende im Eberbacher Hof zu Limburg, wohin 1524, 1569. 1596 Korngülten zu liefern waren. Einen Pachthof hatte 1596 auch das Stift Diez, von dem Korn- und Haferzinsen auch den von Langenau und den Frei von Dehrn zustanden, die außerdem Geldzinse hier bezogen. Das Stift Diez hatte schon 1417 eine Korngülte erhalten und bezog diese noch 1621.
Geringfügig war hier der andere Besitz von Adel und Kirche. Güter hatten die Spede von Limburg als Burglehen zu Montabaur 1235, Diethart von Cramberg, die Pfarrei Mensfelden und der Altar St. Georg im Stift Limburg 1417 sowie 1716 das Kloster Bethlehem im Limburg, das 1596 bereits Geld Korn- und Haferzinse in Linter bezog. Von Dietrich Specht von Bubenheim hatte die Gemeinde 1596 die Weide, der Baist, gepachtet. Korngülten fielen um 1450 an das Kloster Beselich, die Franziskaner in Limburg nach 1409 und 1454, dann 1596 an das Spital in Limburg, nach Villmar und in die Villmarer Gült nach Lindenholzhausen, an die von Reifenberg in ihre Häuser nach Kirberg und Limburg, die vom Stein und schließlich auch an zwei Bürger von Limburg. Eine Weizengülte erhielten damals die von Staffel in die unterste Burg in Balduinstein und Gänse die vom Riedt nach Kirberg. Die Reifenberger Gülte kam mit dem Haus des Marsilius von Reifenberg ( 1593) in Limburg an seinen Erben Hans Enders von der Leyen, dann durch Kauf 1598 an Graf Georg von Nassau-Beilstein und 1608 an die von Kronberg, von denen sie 1704 an Nassau-Diez heimfiel. Seit 1373 hatten das Stift Limburg und seine Präsenz Korngülten und Geldzinsen und 1343 auch die St. Michaelskapelle des Stifts eine Korngülte. Von der Propstei des Stifts Limburg hatten die Köth von Wahnscheid 1657 Korn- und Hafergülten zu Lehen, die 1788 dem Stift heimfielen. Es war wohl jenes Korn, das den Köth 1596 aus Linter nach Aull zu liefern war. Von 1489 bis 1702 hatten die von Diez zu Ardeck mit dem Erbmarschallamt der Grafschaft Diez auch 1 Malter Hafer und 16 Hühner zu Linter von der Grafschaft Diez zu Lehen. Das Lehen kam beim Aussterben der von Diez 1741 an die Köth von Wahnscheid und fiel, als auch diese ausstarben, 1788 an Nassau-Oranien zur Landkellerei Diez heim.
In der Gemarkung Linter wird schon 1596 im Baister Velt der Flurname im Altendorff genannt. Es handelt sich bei dieser Flur altes Dorf nicht um eine alte, im 30jährigen Krieg aufgegebene Ortslage von Linter, sondern um eine Wüstung, die sich sonst noch nicht nachweisen lässt.
Im 1. Drittel des 15. Jhs. berichtet ein Limburger Chronist über eine dreieinhalbjährige Belagerung von Limburg 1248 durch 18 Landesherren, nach deren Abzug die Limburger die Burg Ardenberg, einen Vorläufer der Burg Ardeck, gebrochen hätten. Eine solche Belagerung der kaisertreuen Stadt durch die heimischen Hochadelsfamilien, die damals fast durchweg Gegner der Hohenstaufen waren, passt durchaus in die politische Lage des Endkampfes, der Staufer im Rhein-Maingebiet. Der Chronist berichtet in diesem Zusammenhang, dass auch zwei Burgen beieinander auf dem Scheid, auf dem Berg über dem Bieberbach vor dem Linterer Wald, gelegen hätten. Vogel hat wohl aus einer Überlieferung dieser Nachricht herausgelesen, dass zwei Adelige in Linter eine Burg hatten, die in einem Volksaufstande zerstört worden sein soll. Von dieser sah man 1843 noch ihre Burgschale mit eingesunkenen Wällen und Gräben ganz nahe am Hof Blumenrod, doch sind diese beiden Burgen sonst nicht bezeugt.
Die Einwohner gehörten 1596 als Leibeigene auf die Häuser Diez, Westerburg, Kirberg, Schaumburg, Weilburg und Weilnau, daneben waren hier einige Leute der Albansherrn von Mainz, die zu deren Besitz in Oberneisen gehörten.
Einwohner:
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1532: 11 Feuerstellen;
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1542: 18 Türkensteuerpflichtige
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1562: 16 Mann, 10 mit 17 Pferden, 6 Handfröner
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1564 15 Häuser; 1578: 17 Feuerstätten
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1596: 22 Mann; 1607: 25 Mann; 1634: 15 Kerster oder Heppenhauer
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1643: 5 Haushalte, die in das verlassene Dorf erst wieder eingezogen waren
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1647: 22 (7 Haushalte)
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1653: 6 Haushalte
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1660: 53 (15 Haushalte)
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1665: 53 (11 Haushalte)
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1683: 14 Untertanen (11 Fuhrleute, 3 Heppenhauer)
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1684: 9 Häuser
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1686: 14 Hausgesesse
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1704: 15 Nachbarn
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1750: 85 (22 Häuser)
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1757: 25 Untertanen
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1810: 172 (30 Häuser)
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1818: 161 (21 Familien)
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siehe Fußnote ↩︎
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gegen Bezahlung für die Erledigung einer Aufgabe verpflichten, engagieren↩︎
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ursprünglich der 1. August↩︎
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Recht über das Heilige, das Aufsichtsrecht des Landesherrn als staatlicher Souverän über alle Religionsgesellschaften auf seinem Territorium↩︎
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1 Morgen ≈ 2500 m²↩︎
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Person, die in kirchlichen Institutionen für deren Vermögen zuständig ist↩︎
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Mitglied eines Dom- oder Stiftskapitels↩︎
Die Gemeindeverwaltung im 19./20. Jh.
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Durch das Edikt vom 4.6.1816 kam Mensfelden mit den Orten Kirberg, Ohren, Nauheim, Neesbach, Heringen, Dauborn und Eufingen vom bisherigen Oberamt Kirberg, Linter und Staffel vom Amt Diez, Dehrn vom Amt Hadamar und den Orten des früher kurtrierischen Amtes Limburg zwischen Dietkirchen, Limburg und Oberbrechen zum 30. 6. 1816 zu dem neugebildeten Amt Limburg. Zum gleichen Tag hörte auch die Wirksamkeit der Ortsgerichte für die freiwillige Gerichtsbarkeit auf. Der Schultheiß und das örtliche Gericht verloren fast alle früheren Aufgaben. Dafür übernahm der Schultheiß in der Gemeindeverwaltung vieles aus dem früheren Dienstbereich der Bürgermeister. Diese verschwanden völlig. An ihre Stelle trat ein ständiger Gemeinderechner.
Ein Edikt vom 5.6.1816 regelte alle Zweige der Gemeindeverwaltung. Der Schultheiß wurde nach vorgehender genauer Erkundigung in der Gemeinde vom Amtmann ernannt und bei Amt verpflichtet. Ihm war die ganze örtliche Verwaltung übertragen. Als Orts- und Feldpolizei hatte er eine begrenzte Strafgewalt. Er führte seine Geschäfte zu Hause, wo er auch die Gemeindeakten aufbewahrte.
Es blieb 1816 ein Feldgericht, das aus dem Schultheiß und Feldgerichtsschöffen bestand. Es hatte noch die Grenzen der Grundstücke zu beaufsichtigen und zu vermessen, Güter zu schätzen, Hypotheken-, Stock- und Lagerbücher zu führen. Von seinem Aufgabenbereich ist später dem Ortsgericht nur wenig geblieben, da das Amtsgericht und das Katasteramt in der Folge die meisten Funktionen jenes Feldgerichts übernommen haben.
Der bisherige Schultheiß Hehner1 blieb auch nach dem Übergang ans Herzogtum Nassau im Dienst. Er wird als der fähigste Schultheiß im Amt Limburg gerühmt. Mit der Amtsführung seines späteren Nachfolgers und Schwiegersohnes Philipp Anton Schumann waren bei der Revolution 1848 viele Ortsbürger nicht einverstanden, obwohl man doch annehmen möchte, dass er der Fortschrittspartei nahestand, die sein Schwager Hehner2 als nassauischer Abgeordneter im Parlament der Paulskirche in Frankfurt 1848 vertrat. Nach einer Gemeindeversammlung, die mit großer Aufregung verlief, musste Schumann die Gemeindepapiere und die Führung der Gemeinde dem ältesten Feldgerichtsschöffen abgeben. Am 15.3.1848 wurde ein Zeichen mit der Glocke gegeben und die Gemeinde versammelt. Aus 12 Personen wählte man mit 94 von 158 Stimmen Johann Christian Lanz sen. zum Schultheißereiverwalter mit einer jährlichen Besoldung von 80 Gulden. Lanz wurde am 12.1.1849 auch zum Bürgermeister gewählt und am 26.1.1849 als Solcher verpflichtet. Das Gesetz vom 12.12.1848 sicherte der Gemeindeversammlung eine weitgehende, unmittelbare Mitwirkung in der Gemeindeverwaltung zu. Diese Errungenschaft der Revolution ging in den folgenden Jahren der Reaktion 1854 wieder verloren. Allgemeine Gemeindeordnungen von 1854, 1862 und 1897 regelten in nassauischer und preußischer Zeit die Form der Gemeindeverwaltung. Für örtliche Besonderheiten blieb dabei nur wenig Platz.
Das alte Rat- und Backhaus wurde um 1890 abgerissen. Erst nach dem 1. Weltkrieg, als die Gemeinden mehr an neuen, zusätzlichen Aufgaben zu übernehmen hatten, erhielt Mensfelden 1938 wieder ein Rathaus mit Amtszimmern des Bürgermeisters und des Gemeinderechners.
An Hand der alten Gerichtssiegel wurde der Gemeinde auch ein Ortswappen vorgeschlagen: in Rot eine goldene Waage, gehalten von einer silbernen, aus goldener Wolke in der linken Schildecke hervorbrechenden Hand mit blau bekleidetem Arm. Der Vorschlag fand in Mensfelden Zustimmung, doch wurde es nicht mehr offiziell verliehen.
Das Gemeindeparlament von 1950 bis 1970
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Als nach 1945 die Bundesrepublik Deutschland mit ihren 11 Ländern entstand wurde Mensfelden dem Land Hessen zugeordnet. Es gehörte somit dem Regierungsbezirk Wiesbaden und dem Kreis Limburg an. Inzwischen wurde der Regierungsbezirk Wiesbaden aufgehoben und Darmstadt zugeteilt.
Nach fast sechsjährigem Krieg war vieles vernachlässigt und zurückgestellt worden. So warteten große Aufgaben auf die Gemeinde, wie der Wegebau, die Schule, das Feuerlöschwesen, der Wald, der Friedhof und vieles mehr. Auch das Rathaus, welches unter die Wiedergutmachung fiel, musste noch einmal bezahlt werden. Um alles wieder in Ordnung zu bringen und andere große anstehende Probleme zu lösen, vergingen mehrere Jahre. Unser kleiner Haushaltsetat, der sich anfangs nur um 60.000 DM belief, erforderte große Sparmaßnahmen. Da wir nur über wenig Waldeinnahmen verfügten, waren wir auf die Gemeindesteuern, Gebühren und Abgaben angewiesen, so dass größere Maßnahmen nur durch Beihilfen und verbilligte Darlehen bewältigt werden konnten.
So konnten wir, trotz den finanziellen Schwierigkeiten in der zwanzigjährigen Parlamentstätigkeit vieles leisten.
Alle Mitglieder des Parlaments - ob im Gemeindevorstand oder in der Gemeindevertretung tätig - mühten sich in diesen 20 Jahren und somit in jeder Legislaturperiode in harter, verantwortungsvoller Arbeit. Ihnen ist für die Durchführung dieser großen Aufgaben besonders zu danken. In vielen, vielen Stunden, oft bis Mitternacht, wurde über das Für und Wieder beraten. Oft prallten die Gegensätze aufeinander, doch wenn es um das Wohl der Gemeinde ging, glätteten sich immer wieder die Wogen.
Unser Gemeindeparlament, das aus dem Gemeindevorstand mit dem Bürgermeister, insgesamt 4 Personen, und der Gemeindevertretung mit 9 Personen bestand war immer unparteiisch. Es setzte sich in den zwanzig Jahren durchweg aus 4 Arbeitnehmern, 4 Landwirten und einem Gewerbetreibenden zusammen, die in freien Bürgerlisten gewählt wurden.
Einen Überblick über die Haushaltentwicklung und den geleisteten Arbeiten von 1950 - 1970 soll dem Leser nachfolgende Aufstellung zeigen:
Der ordentliche Haushalt 1950/51 betrug: 52.240 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 26.000 DM
Ausgabenleistung:
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Ausbau des Diezer Weges mit einer wassergebundenen Decke (1 km)
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Kanalisation der Schlimmstraße.
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Aufforstung Distrikt 4 mit 10 000 Lerchen
Der ordentliche Haushalt 1951/52 betrug: 60.000 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 26.000 DM
Ausgabenleistung:
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Renovierung der Schule
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weiterer Ausbau des Steinbruchs
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Feldwegebau
Der ordentliche Haushalt 1952/53 betrug: 106.683 DM
der außerordentliche Haushalt wurde nicht in Anspruch genommen.
Ausgabeleistung:
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Wiederkauf des Rathauses
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Bau des Ehrenmals
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Abtragungen vom Vorjahr
Der ordentliche Haushalt 1953/54 betrug: 98.979 DM
der außerordentliche Haushalt wurde nicht in Anspruch genommen.
Ausgabeleistung:
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Ausbau des Mühlbacher- und Tripperweges m. einer wassergebundenen Decke
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Anlegung des Weges v. d. Schlimmstraße. zum Limburger Weg.
Der ordentliche Haushalt 1954/55 betrug: 82.918 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 25.940 DM
Ausgabeleistung:
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Bohrung v. 2 Brunnen am Klingerkopf f. eine Gemeindewasserleitung
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Kanalisierung der Schlimmstraße.
Der ordentliche Haushalt 1955/56 betrug: 65.381 DM
der außerordentliche Haushalt wurde nicht in Anspruch genommen.
Ausgabeleistung:
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Erbauung einer Ortsrufanlage
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Erschließung des Neubaugebietes Bucherbühne
Der ordentliche Haushalt 1956/57 betrug: 85.163 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 7.230 DM
Ausgabeleistung:
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Aufforstung v. 5 ha Niederwald u. Hochwald
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Anschaffung einer Bachert Feuerspritze
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Ausbau d. Kuhweges
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Bau einer neuen Straßenbeleuchtung
Der ordentliche Haushalt 1957/58 betrug: 105.092 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 49.940 DM
Ausgabenleistung:
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Kanalisierung d. Kirchstr., Gartenstr., Querstr. und Moorsgarten
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Ausbau d. Limburger Weges
Der ordentliche Haushalt 1958/59 betrug: 83.986 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 8.906 DM
Ausgabenleistung:
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Bau der Wasserleitung 2. Kanalisation der Laistraße (650.000 DM)
Der ordentliche Haushalt 1959/60 betrug: 103.874 DM
der außerordentliche Haus halt betrug: 150.633 DM
Ausgabenleistung:
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Ausbau der Ortsstraße m. eigener Teerdecke, Halbrinne und Bürgersteige.
Der ordentliche Haushalt 1960 betrug: 93.614 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 40.000 DM
Ausgabenleistung:
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II. Bauabschnitt Ausbau d. Ortsstraßen m. Teerdecke, Halbrinnen u. Bürgersteige
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Erweiterung d. Neubaugebietes Bucher- u. Weiderbühne
Der ordentliche Haushalt 1961 betrug: 131.856 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 11.500 DM
Ausgabenleistung:
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III. Abschnitt Ausbau der Ortsstr. m. Teerdecke, Halbrinnen u. Bürgersteige
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Zulegung des Brandweihers (Zisterne)
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Kanalisation d. Königsberger Str.
Der ordentliche Haushalt 1962 betrug: 155.432 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 41.174 DM
Ausgabeleistung:
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Restl. Ausbau d. Ortsstraßen m. einer Teerdecke, Halbrinnen u. Bürgersteige Bemerkung: Der gesamte Ausbau der Ortsstraßen betrug 225.000 DM.
Der ordentliche Haushalt 1963 betrug: 163.306 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 60.000 DM
Ausgabeleistung:
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Anlegung v. 2 Parkanlagen
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Instandsetzung der Lehrerwohnung
Der ordentliche Haushalt 1964 betrug: 184.249 DM
der außerordentliche Haushalt betrug 64.120 DM
Ausgabeleistung:
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Bau einer Leichenhalle (70.000)
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Anlegung d. Parkplatzes am Friedhof
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Kanalisation d. Bühnenstr. u. Limburger Weg
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Anteilsbetrag f. Teerung Limburgerweg, Diezerweg u. Hohlerweg
Der ordentliche Haushalt 1965 betrug: 187.228 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 44.060 DM
Ausgabeleistung:
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Übernahme v. Umlegungsland f. Gemeindezwecke
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Erweiterung d. Friedhofs
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Erweiterung d. Sport- u. Spielplatzes
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Platz f. Kläranlage
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Aufforstung 4 ha
Der ordentliche Haushalt 1966 betrug: 248.528 DM
der außerordentliche Haushalt betrug: 152.000 DM
Ausgabeleistung:
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Ausbau d. Königsbergerstr. m. Teerdecke, Halbrinne u. Bürgersteig, sowie Friedhofsparkplatz
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Kanalisation d. Birkenstr.
Der ordentliche Haushalt 1967 betrug: 273.809 DM der außerordentliche Haushalt betrug: 25.700 DM Ausgabeleistung:
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Kanalisation der Hochstraße
Der ordentliche Haushalt 1968 betrug: 267.042 DM der außerordentliche Haushalt betrug: 88.500 DM Ausgabeleistungen:
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Bau einer neuen Toilettenanlage (Schule)
Der ordentliche Haushalt 1969 betrug: 243.338 DM der außerordentliche Haushalt betrug: 68.500 DM Ausgabeleistung:
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Ausbau der Bühnenstr. m. Teerdecke, Halbrinne u. Bürgersteige
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sowie Teerung der Gartenstraße.
Der ordentliche Haushalt 1970 betrug: 277.873 DM der außerordentliche Haushalt betrug: 122.670 DM Ausgabeleistung:
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Anschaffung eines Löschfahrzeuges
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Ölheizung f. d. Lehrerwohnung
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Ausbau Spielplatz an der Turnhalle
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Renovierung des Rathauses
In allen Haushaltungsansätzen sind die Gemeindeverwaltungs- und Gemeindeeinrichtungskosten mit einbegriffen. Die Steuerhebesätze betrugen:
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1950 - 1956: Grundsteuer A und B 170 %, die Gewerbesteuer betrug in dieser Zeit 225 %
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1957 - 1969: Grundsteuer A und B 200 %, die Gewerbesteuer betrug in dieser Zeit 255 %
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1970: Grundsteuer A und B 200 % die Gewerbesteuer betrug in dieser Zeit 270 %
Der Schuldenstand durch aufgenommene Darlehen beläuft sich im Jahre 1970 auf etwa 200.000 DM, dürfte jedoch nur mit 155.000 DM in Ansatz kommen, da 50.000 DM für Bauland ausgegeben wurden, welche sich selbst abtragen. Im Allgemeinen wurde der ordentliche Haushalt nie belastet. Die Schuldendienstleistung ist trotz Abführung der Kreissteuer noch von der Schlüsselzuweisung voll gesichert.
Interessant mag sein, wenn man die Haushaltsetats von 20 Jahren vergleicht, so muss man feststellen, dass sich die Zahlen innerhalb von 20 Jahren verfünffacht haben. Nicht allein wuchsen die Ansprüche der Gemeinden, gleichbedeutend dürfte auch die preisliche Aufwärtsentwicklung dazu beigetragen haben.
Eine günstige finanzielle Entwicklung zeichnet sich insbesondere ab bei der Finanzzuweisung des Landes (Schlüsselzuweisung), die sich innerhalb der zwanzig Jahre, der Haushaltsaufzeichnung, fast verzehnfacht hat.
Ab dem Zeitpunkt der Gründung der Großgemeinde Hünfelden gibt es einen gemeinsamen Haushalt für alle sieben Ortsteile.
Hünfelden: Ortsteil Mensfelden
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Im Jahre 1971 gab es auch für unsere Gemeinde ein besonderes Ereignis; sieben Gemeinden des Südkreises Limburg: Dauborn, Kirberg, Mensfelden, Nauheim, Heringen, Neesbach und Ohren schließen sich zu einer Großgemeinde zusammen. Die Urkunde der Hessischen Landesregierung unterzeichnet von Minister Bielefeld trägt folgenden Wortlaut: Die Gemeinden Dauborn, Heringen, Kirberg, Mensfelden, Nauheim, Neesbach und Ohren im Landkreis Limburg werden gemäß §17, Abs. 2 in Verbindung mit §12 der Hessischen Gemeindeordnung in der Fassung vom 1. Juli 1960 mit Wirkung vom 1. Oktober 1971 zu einer Gemeinde mit dem Namen Hünfelden im Landkreis Limburg zusammengeschlossen.
Vom Herrn Regierungspräsidenten wurde Oberamtsrat Valeske in das Amt des Staatsbeauftragten berufen. Landrat Wolf Limburg hat seinen Oberamtsrat von seinem Dienst befreit. Damit er die Aufgaben des Bürgermeisters in der neuen Großgemeinde wahrnehmen kann, wurde ihm die Ernennungsurkunde überreicht.
Heimat für 7000 Menschen
Oberamtsrat Erich Valeske, seit langem mit den Sorgen und Wünschen der sieben Gemeinden besonders vertraut, nahm die Urkunde, die den Zusammenschluss besiegelt, entgegen und versprach seinen Hünfeldern, dass er die ihm übertragenen Aufgaben gewissenhaft, gründlich, nach den Vorschriften der Gesetze und den Abmachungen im Grenzänderungsvertrag führen werde. Sein Glückwunsch galt all denen aus den sieben Gemeinden die die Zeichen der Zeit erkannt haben und zu dem freiwilligen Zusammenschluss fanden. Aus sieben kleinen Teilen ist ein Ganzes geworden. Unser neues Hünfelden umfasst jetzt 6.300 Hektar und ist Heimat von 7000 Menschen. Noch gibt es keinen einzigen industriellen Arbeitsplatz, doch ist dieses Problem erkannt. Jetzt, in der Großgemeinde, wird es sich sicher leichter lösen lassen als bisher, wo jeder einzelne Bürgermeister einen einsamen Kampf um strukturelle Verbesserungen zu bestehen hatte. Gemeinsam sind wir stärker!, sagte der Herr Oberamtsrat.
Der Rat der vierzehn
Der neue Staatsbeauftragte steht in seiner Aufgabe als Bürgermeister nicht allein. Der Rat der vierzehn nimmt die Interessen der Gemeindevertretungen aller sieben Orte wahr. Jede Vertretung hat zwei Beauftragte vorgeschlagen, die vom Regierungspräsidenten bestätigt wurden. Es waren mit der Wahrung der Aufgaben der Organe der Gemeinde bis zur Neuwahl betraut: Werner Frenz, Rudolf Wagner (Dauborn), Max Schmidt, Erwin Hirschberger (Heringen), Albert Hofmann, Ewald Kreckel (Kirberg), Ernst Biebricher, Werner Völker (Mensfelden), Arnold Gerhard, Walter Müller (Nauheim), Albert Zollmann, Heinrich Deuster (Neesbach), Walter Leber, Heine Dauster (Ohren).
Die Aufgaben des Gemeindevorstandes nehmen bis dahin folgende Staatsbeauftragte wahr: Heinrich Eppstein (Dauborn), Willi Knoll (Heringen), Josef Maasen (Kirberg), Heinrich Dankof (Nauheim), Wilhelm Lieber (Mensfelden), Karl Groß (Neesbach), Horst Leber (Ohren).
Landrat Wolf überreichte allen Staatsbeauftragten die Urkunden des Herrn Regierungspräsidenten und dankte seinen alten Gemeindevertretern, Gemeindevorständen und Bürgermeistern für die jahrelang aufopfernde Tätigkeit. Er meinte zum Abschluss: Führt den Wahlkampf, der jetzt beginnt, fair und sachlich. wie ich dies von Euch nicht anders gewohnt bin. Dann bin ich sicher. dass am 12. Dezember ein guter Vorstand und ein tüchtiger Bürgermeister für Hünfelden gewählt werden. Großgemeinde Hünfelden komplett.
Nachdem durch die Gemeindewahl am 12. Dezember 1971 die Vertreterkörperschaften für die Großgemeinde gewählt wurden, konnten sie mit ihren Aufgaben beginnen. Der Rat der vierzehn, welche als Staatsbeauftragte bis 12. Dezember 1971 fungierten, hatten ihre Aufgabe erfüllt.
In der Ende Februar 1972 stattgefundenen Gemeinderatssitzung, welche in der Turnhalle der Mittelpunktschule in Dauborn stattfand, wurde der aus sieben Mitgliedern bestehende Gemeindevorstand eingeführt und vereidigt. Als hauptamtlicher Bürgermeister wurde von der 19köpfigen Gemeindevertretung der Leiter der Kommunalaufsicht bei der Limburger Kreisverwaltung Herr Oberamtsrat Erich Valeske (47) aus Linter auf sechs Jahre gewählt. Freude und Begeisterung löste es bei allen Fraktionen aus, dass sie so einen bewährten Fachmann als Bürgermeister an ihrer Spitze hatten, ja, man verzichtete gern auf das Einspruchsrecht. Der erste Beigeordnete Fritz Stauf überreichte dem Gewählten seine Ernennungsurkunde, damit er schon ab 1. März 1972 sein Amt als hauptamtlicher Bürgermeister wahrnehmen konnte. Damit war die Gemeindeverwaltung Hünfelden komplett und konnte ihre großen Aufgaben angehen.
Der Vorsitzende der Gemeindevertretung Eschholz überreichte den Beigeordneten die Ernennungsurkunde, außer dem ersten Beigeordneten Fritz Stauf (Kirberg) gehörten zum Vorstand die Mitglieder Krebs (Heringen), Ruppert (Kirberg), Schäfer (Ohren), Baum (Mensfelden), Glade (Dauborn), und Leber (Ohren) an.
Auf einstimmigen Vorschlag wurden auch die Ortsbeiräte gewählt. Einheitlich stellt jede der sieben Gemeinden je fünf Mitglieder. Zu den zahlreichen Besuchern der Sitzung waren auch Herrn Landrat Wolf, sowie mehrere Mitarbeiter Valeskes vom Landratsamt erschienen. Sie wollten dabei sein, um ihren ehemaligen Amtskollegen und Abteilungsleiter zu dieser Wahl zu beglückwünschen. Der herzliche Händedruck durfte auch als Abschiedsgruß aus dem alten Amt gelten. Der Landrat sagte; sein Besuch habe einen erfreulichen und einen schmerzlichen Grund. Erfreulich, weil er seinem Mitarbeiter Valeske zur Wahl und der Gemeinde Hünfelden zu einem solchen Bürgermeister gratulieren wolle. Schmerzlich, weil er einen erstklassigen Fachmann seiner Behörde verliere, dem er bestätigen müsse, sich im Kreis Limburg in seiner 24jährigen Dienstzeit verdient gemacht zu haben. Sein Verhalten sei stets ein gutes Beispiel für alle echten Demokraten gewesen. Als Erinnerung und Anerkennung für seine Arbeit im Kreishaus überreichte der Landrat an Valeske einen Wandteller mit einer Gravur. Bürgermeister Valeske wusste und fühlte, dass es nicht leicht war nach 24jähriger guter Zusammenarbeit Abschied zu nehmen. Er war sich aber auch bewusst, welch schwere Aufgabe auf ihn wartete, die er gerne in Kauf nahm, weil er sich den sieben Gemeinden verbunden und verpflichtet fühlte und andererseits auf eine gute Zusammenarbeit und Unterstützung seitens des Kreises rechnen durfte.
Wir alle wünschten ihm in seinem Amt viel Glück und dass er uns noch Jahre erhalten bleibe, war auch der Wunsch der drei Fraktionen. Der Spielmannszug des TV Dauborn trugen mit ihren klangvollen Weisen dazu diese denkwürdige Feierstunde zu verschönern.
Eine neue Epoche der Großgemeinde Hünfelden hatte nun begonnen, die alten Ortsteile werden ihre Prägung behalten, aber in ihrer Verwaltung ist sie eine Einheit geworden.
Ortsbeirat Mensfelden
✍ Autor(en): Günther Foth (2000), Günther Foth (2010), Stephan Blödel (2025)
Zur Förderung der Selbstverwaltung wurden bei dem Zusammenschluss der Gemeinde Hünfelden 1971 auf einstimmigen Vorschlag aller beteiligten Gemeinden Ortsbeiräte in allen 7 Ortsteilen eingerichtet. Einheitlich sind pro Ortsteil 5 Mitglieder im Ortsbeirat.
Die Ortsbeiratsmitglieder werden, gleichzeitig mit den Gemeindevertretern von den wahlberechtigten Einwohnern des Ortsbezirks gewählt.
Der Ortsbeirat ist zu allen wichtigen Angelegenheiten, die den Ortsteil betreffen zu hören, insbesondere zum Entwurf des Haushaltsplanes. Er hat ein Vorschlagsrecht in allen ortsteilbezogenen Angelegenheiten.
Der Ortsbeirat bis 2000
Die größten Baumaßnahmen waren wohl die Neugestaltung der Sportanlage Mensfelder Kopf, Neubau Feuerwehrgerätehaus und Kindergarten.
Bei der Neugestaltung der Sportanlage war der Ortsbeirat von Mensfelden der Meinung, dass die Anlage in Ortsnähe errichtet werden sollte. Widersprüche von Behördenseite und aus der Bevölkerung führten dann zum Ausbau in der heutigen Form.
Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses und des Kindergartens wurden erforderlich, da diese Einrichtungen nicht mehr den gesetzlichen Ansprüchen der Zeit entsprachen. Für die Feuerwehr wurde neben den Stellplätzen für die Fahrzeuge auch ein Schulungsraum und sanitäre Anlagen im neu gebauten Feuerwehrgerätehaus geschaffen.
Der neue Kindergarten brachte neben den neuen Räumlichkeiten auch mehr Kindergartenplätze für unsere Kinder. Die Zahl wurde von 40 Kindergartenplätzen auf 50 erhöht.
Neben den drei großen Baumaßnahmen wurde der Ortsbeirat zu anderen, nicht weniger wichtigen Punkten gehört. Als Beispiele seien genannt: Erschließung von Baugebieten, Straßenbaumaßnahmen, Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, Einrichtung eines Naturschutzgebietes auf dem Mensfelder Kopf etc.
Der Ortsbeirat ist gemeinsam mit der Gemeinde Hünfelden Ausrichter der alljährlichen Seniorenweihnachtsfeier.
Seit 1990 wird in einem Zweijahres-Rhythmus vom Ortsbeirat ein Dorffest, vor der evangelischen Kirche, durchgeführt. Der Erlös wird für ortsteilbezogene Maßnahmen verwandt.
Der Ortsbeirat 2000 – 2025
2000: 1225 Jahre Mensfelden
Der Ortsbeirat hat in Zusammenarbeit mit allen Vereinen von Mensfelden, der evangelischen Kirche, dem Kindergarten Mensfelden und vielen Bürgerinnen und Bürgern ein umfangreiches Programm für das Jubeljahr zusammengestellt.
Die Grenzbegehung unserer Gemarkung Mensfelden, das Brennen des Jubiläumsschnapses, Ausstellung „Hobby und Freizeit“, Dorffest 2000 „1225 Jahre Mensfelden“, Dorfbegehung und der Heimabend fanden unter sehr großer Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger von Mensfelden aber auch von außerhalb statt. Besonders erfreulich war der Besuch aus Friedrichsfeld, angeführt von der Ortsvorsteherin Kratzenberg.
Auch beschauliche Veranstaltungen wie das Kirchenkonzert mit den bekannten Künstlern Frederick Stock und Janina Seidenberg und die Ausstellung „Vertreibung und Kriege“ bereicherten das Jubiläumsjahr.
2000: Dorfplatz Mensfelden
Ende 1999 wurde dem Ortsbeirat die Idee vorgestellt, den Dorfplatz, der als Bushaltestelle dient, in der Dorfmitte neu zu gestalten. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde wurde diskutiert, wie die Finanzierung dieses Projekts realisiert werden könnte. Nachdem die finanziellen Aspekte geklärt waren, begann die Planungsphase. Das Ehepaar Ben-Yehoshua erstellt einen Bauplan und errichtete ein Modell, das beim Dorffest 2000 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die Umsetzung der Neugestaltung erfolgte durch das Engagement der Bürgerinnen und Bürger sowie lokaler Unternehmen. Dieses gemeinschaftliche Projekt stärkte den Zusammenhalt im Dorf und verschönerte das Ortsbild nachhaltig. Der neue Dorfplatz diente nun als einladender Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft.
2001 – 2010: Erich-Valeske-Halle
Mit der Schließung der Gaststätte Faust verlor der Gemischte Chor Mensfelden seine Heimat. Auch die Turnhallen des Tus Mensfelden und des TV Jahn Mensfelden waren nicht mehr für kulturelle Feste geeignet. Eine Lösung, die allen Vereinen, Gruppierungen und Verbänden gerecht wurde, war dringend notwendig.
Erste Gespräche über die Hallensituation fanden bereits 2001 statt, doch erst Ende 2004 begann die Umsetzung Fahrt aufzunehmen.
Um eine gemeinsame Lösung zu finden, trafen sich am 14. und 15. Januar 2005 alle Beteiligten im Hotel „Zugbrücke Grenzau“ in Höhrgrenzhausen zu einer Klausur. Dort wurde der Plan zum Bau einer gemeinsamen Halle entwickelt. Der Grundsatzbeschluss zum Neubau wurde am 14.11.2006 in der Gemeindevertretung Hünfelden gefasst.
Die Halle des TuS wurde abgerissen, da an dieser Stelle die neue Halle errichtet werden sollte. Der Abriss der TuS Halle begann am 17.08.2009. Ab diesem Zeitpunkt fanden alle Veranstaltungen in der TV Jahn Halle statt. Diese wurde, ebenso wie das Rathaus in der Fahlerstraße, nach Fertigstellung der Erich-Valeske-Halle veräußert.
Es gab große Diskussionen mit der Gemeinde über die Größe des Vereinsraums. Schließlich einigte man sich darauf, dass die Vereine und der Ortsbeirat die Mehrkosten für den erweiterten Rohbau übernehmen. Dank des großen ehrenamtlichen Engagements der Bürgerinnen und Bürger konnten erhebliche Kosten für die Halle eingespart werden. Die veranschlagten 2 Mio. Euro wurden nicht vollständig benötigt. Zuschüsse zum Bau kamen aus der Dorferneuerung, die das Projekt „Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses“ großzügig förderte. Der Raum der Begegnung wurde vom hessischen Sozialministerium gesondert gefördert. Nach der Errichtung und Einweihung der Erich-Valeske-Halle am 26. November 2010 hatten alle Vereine und Gruppierungen ein neues Zuhause. Der Namensgeber der Halle verstarb leider kurz vor der Einweihung der Halle.
2010: Dolles Dorf Mensfelden
Mensfelden hatte am 22. April 2010 seinen großen Moment, als es in der Hessenschau als „Dolles Dorf“ gezogen wurde. Noch am selben Abend traf ein Filmteam des Hessischen Rundfunks ein, um die Aktivitäten der Bewohnerinnen und Bewohner für den nächsten Tag zu planen. Bereits am Abend wurde die beeindruckende Feuershow von David Diefenbach aufgezeichnet. Der Freitag war vollgepackt mit Dreharbeiten: Der Kindergarten, die Feuerwehr, die Kletterscheune, Swingolf, der Gemischte Chor und die Tanzgruppe „Crazy Devils“ wurden bei ihren vielfältigen Aktivitäten gefilmt. Besonders im Fokus standen die Kirche, die Orgel und die älteste Glocke im Glockenturm. Unser Dorfchronist, Wilhelm Lieber, konnte auf alle historischen Fragen Antworten geben und sein Lied „Siehste net die Säu im Gorde“ hinterließ einen bleibenden Eindruck. Die gesammelten Filmausschnitte wurden zu einem Bericht zusammengestellt und am 24. April 2010 in der Hessenschau ausgestrahlt. Trotz der großartigen Darstellung verpassten wir nur knapp die Endausscheidung zum „Dollen Dorf Hessens“. Dennoch bleibt die Erfahrung und der Stolz, unser Dorf so lebendig präsentiert zu haben.
2011: Elterninitiative Bolzplatz
Dem Bau der Erich-Valeske-Halle fiel auch der Bolzplatz an der Turnhalle des TuS Mensfelden zum Opfer. Auf Initiative von Eltern hauptsächlich aus dem nahe gelegenen Neubaugebiet Hühnergärten wurde angeregt, die Wiese neben dem Kindergarten, als neuen Bolzplatz zu etablieren. Der Ortsbeirat unterstützte bei den Gesprächen mit dem Eigentümer und der Gemeinde und übernahm in späteren Jahren die Kosten für die Pflege der Fläche.
2015: Windkraft in Hünfelden
Mit dem Teilregionalplan Energie für Mittelhessen werden erstmals Vorzugsgebiete für Windkraft in Hünfelden ausgewiesen. Der Ortsbeirat nahm seine Anhörungsrechte mit Stellungnahmen wahr, um sich gegen Windkraft am Mensfelder Kopf und zu nahe am Roten Meer auszusprechen.
2016: Mensfelden erhält eine Dorffahne
Dem Ortsbeirat fiel auf, dass Mensfelden im Vergleich zu den umliegenden Ortschaften keine eigene Dorffahne hatte und beschloss, dies zu ändern. Ute Lange wurde gebeten, einige Vorschläge zu entwerfen, die dann den Mensfelderinnen und Mensfeldern zur Abstimmung vorgestellt wurden. Und so bekam Mensfelden seine royalblaue Fahne mit Dorfwappen (2025 sogar in einer Jubiläums-Edition). Zur Kirmes 2016 wurde erstmals geflaggt.
2016: Sauberkeit in Feld und Wald durch Hundekotbeutelspender
Die Verunreinigung von Wegen und Feldrändern durch Hundekot wurde zunehmend als Ärgernis wahrgenommen. Der Ortsbeirat machte sich dafür stark, Hundekotbeutelspender einzuführen, um die Hundebesitzer zu animieren, die Hinterlassenschaften ihrer Tiere aufzulesen und zu entsorgen. Die Gemeinde stimmte zu, die Installation der Spender in Mensfelden als Pilotprojekt auf Akzeptanz zu testen. Sie wurden gut angenommen und tragen seitdem zur Sauberkeit in Feld und Wald bei.
2019: Spielplatzprojekt Unterstraße
Am Spielplatz Unterstraße bestand Sanierungsbedarf. Zudem hatten Eltern Ideen zur Modernisierung und Erweiterung der Spielmöglichkeiten auf der Fläche. Der Ortsbeirat unterstützte bei den Gesprächen mit der Gemeinde und der Planung. Für die Finanzierung wurden die Eltern aktiv und erhielten von der Aktion „Ein Herz für Kinder“ eine so großzügige Spende, dass das Spielplatzprojekt in Rekordzeit realisiert werden konnte.
2020/21: Ortsbeirat während der Pandemie
Auch während der Covid19 Pandemie gab es Ortsbeiratssitzungen. Trotz umfangreicher Hygienevorgaben und Abstandsregeln konnten öffentliche Sitzungen abgehalten werden. 2020/21 konnten aufgrund von Versammlungsverboten keine Seniorennachmittage stattfinden. Während die Veranstaltung im Jahr 2020 tatsächlich ersatzlos ausfiel, wurde der Ortsbeirat im Jahr 2021 kreativ. Kaffee und Kuchen wurden am Kirchplatz Open Air im „Abhol-Café“ zum Mitnehmen präsentiert.
Ab 2023: Erste Planungen für 1250 Jahre Mensfelden
Auch wenn das Jubiläumsjahr noch in weiter Ferne schien, wurden bereits erste Ideen für die Festivitäten gesammelt und seitdem zusammen mit einem inzwischen etablierten Festkomitee Stück für Stück weiterentwickelt und konkretisiert. Ein vielfältiges und kurzweiliges Programm mit Veranstaltungen für Jung und Alt, Groß und Klein wird die Dorfgemeinschaft und die Gäste von außerhalb hoffentlich begeistern. Dazu später mehr in dieser Chronik.
Vertreter
Seit der Gründung von Hünfelden wurden 8 Ortsbeiräte in Mensfelden gewählt. Erster Ortsvorsteher von Mensfelden war Wilhelm Lieber. Neben Wilhelm Lieber waren noch Walter Kees, Willi Narewski, Ernst Biebricher und Werner Völker im Ortsbeirat.
Danach hat sich der Ortsbeirat wie folgt zusammengesetzt:
1972 - 1977
Ortsvorsteher: Ernst Weil
Stellv. Ortsvorsteher: Willi Narewski
Schriftführer: Werner Völker
Mitglieder: Karl Hohlwein, Fritz Brummer
1977 - 1981
Ortsvorsteher: Emil Baum bis 28.01.1980, Karl Fischer
Stellv. Ortsvorsteher: Karl Fischer bis 07.03.1980, Herr Dr. Egon Frink
Schriftführer: Herr Hans Deubner
Mitglieder: Hermann Schmidt
1981 - 1985
Ortsvorsteher: Rolf Schwenk
Stellv. Ortsvorsteher: Dr. Egon Frink
Schriftführerin: Ute Deubner
Mitglieder: Josef Impe, Karl Fischer bis 01.11.1982, Hermann Schmidt ab 01.11.1982
1985 - 1989
Ortsvorsteher: Rolf Schwenk
Stellv. Ortsvorsteher: Ute Deubner
Schriftführer: Dr. Egon Frink
Mitglieder: Waltraud Impe, Hermann Schmidt
1989 - 1993
Ortsvorsteher: Robert Krebs
Stellv. Ortsvorsteher: Hermann Schmidt bis 06.06.1990, Thomas Fischer
Schriftführer: Alfred Talaska
Mitglieder: Waltraud Impe, Günter Foth
1993 - 1997
Ortsvorsteher: Robert Krebs
Stellv. Ortsvorsteher: Jochen Leiß
Schriftführer: Alfred Talaska
Mitglieder: Frau Birgit Schwenk, Frau Esther Ben-Yehoshua
1997 - 2001
Ortsvorsteher: Gerhard Leist bis 12.10.1998, Günter Foth
Stellv. Ortsvorsteher: Wolfgang Reh
Schriftführerin: Sabine Winterwerber
Mitglieder: Birgit Schwenk, Günter Foth bis 10.12.1998, Wolfgang Schwenk ab 11.12.1998
2001 - 2006
Ortsvorsteher: Günter Foth
Mitglieder: Annette Czaika-Kloos, Birgit Schwenk, Wolfgang Schwenk, Sabine Winterwerber
2006 - 2011
Ortsvorsteher: Günter Foth
Mitglieder: Stephan Blödel, Christoph Hohlwein, Meik Hohlwein, Wolfgang Schwenk
2011 - 2016
Ortsvorsteher: Günter Foth
Mitglieder: Esther Ben-Yehosua, Stephan Blödel, Christoph Hohlwein, Meik Hohlwein
2016 - 2021
Ortsvorsteher: Stephan Blödel
Mitglieder: Christof Hofbauer, Iris Meister, Wolfgang Reh, Holger Schmidt
2021 - 2026
Ortsvorsteher: Stephan Blödel
Mitglieder: Markus Graumann, Christof Hofbauer, Liliane Stock, Claudia von Mrozek
Schultheißen und Bürgermeister
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975), Bernhard Crecelius (2000), David Diefenbach (2025)
Amtsmänner
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Amtmann zu Mensfelden: Richwin Mutsch 1343.
Westerburger, Leiningen-Westerburger, Waldecker von Kaintsche und kurtrierische-waldecker Schultheißen zu Mensfelden
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Cuntzen Schmidt 1399
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Canfeler um 1430
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Adam um 1450 vor 1470
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Philipp von Müllenmark zu Birlenbach 1471
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Henrich Hoebeling (auch Hoekeling) 1500
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Henrich Meurer aus Burgschwalbach 1501 - 1502
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Adam von Rheinberg (auch Rheinberger) 1511 - 1526
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Heintzges Weigel 1529
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Weigel Fritz aus Neesbach 1535 - 1536 vor 1544
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Ludwig Fritz 1548 - 1569
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Hen Lantz 1552 - 1563
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Blasius Lantz 1565 - 1595
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Jacob Lohr, auch Lahr, aus Gemünden 1595 - 1616
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Wilhelm Mebes (Mebuß, Mebs) 1616 - 1625
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Georg Barth 1625 - 1636
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Jacob Arthen in Oberbrechen 1636
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Bonert, auch Banert 1636 - 1642
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Johannes Lantz 1644 - 1656, zeitweise Unterschultheiß - 1670
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Anthon Prettung, auch Bretton (1675), 1678 - 1704
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Johann Wilhelm Volck 1704 - 1728
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Johann Wilhelm Völcker 1728 - 1736
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Johann Cari Volck 1736 - 1784
Nassau-Saarbrückische, zeitweise Reifenbergische und Nassau-Hadamarische, zuletzt Nassau-Oranische Schultheißen
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Hertwin Smidt in Lindenholzhausen 1471 - 1478
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Henn Lotz 1483 - 1490
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Peter Brechen 1511
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Clauß Karies 1516 - 1521
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Paulus von Lindenholzhausen 1548, auch Paulus Scherer 1549 - 1552, auch Paulus Holzhausen 1554, auch Paulus Han in Lindenholzhausen 1557 - 1575
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Steffan Rodt 1586
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Wilhelm Werner aus Mensfelden 1600, zugleich 1593 - 1607 Keller zu Mensfelden
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Johann Philipp Roßbach 1612, zugleich Keller zu Kirberg
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Philipp Bonart 1625 - 1631 Unterschultheiß 1634 - 1663
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Johann Nickel Pfeiffer 1677 - 1688
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Johann Jost Preußer 1691 - 1700
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Johann Simon Freytag in Nauheim 1700 - 1703
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Christian Völcker 1704 - 1729, gewesener
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Johann Peter Mohr 1735 - 1758
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Philipp Wilhelm Mohr 1758 - 1783
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Philipp Wilhelm Dielmann 1783 - 1788
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Philipp Wilhelm Mohr 1788 - 1814
Kurtrierische Schultheißen
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Peter Bruch aus Balduinstein in Brechen 1453
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Ludwig Mohr 1471 - 1486
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Henn von Brechen 1488 - 1490
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Paul Isenberger in Oberbrechen 1511
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Michel Staud 1516 - 1521
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Christoffel Staud in Oberbrechen 1548 - 1558
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Albrecht in Oberbrechen 1562
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Elias Nortwein in Oberbrechen (Hess. Schultheiß) 1575 - 1578
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Hans Jorg Bach in Oberbrechen 1586 - 1595
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Hermann Hattert in Camberg 1600 - 1604
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Gerhard Dieffenbach in Villmar 1612 - 1613
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Wilhelm Ludwig in Villmar 1623 - 1629
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Philipp Bonert, Unterschultheiß 1631
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Jacob Arthen in Oberbrechen 1636 - 1653
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Christian Preußer, Unterschultheiß 1639 - 1656
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Antonius Bonart 1682 - 1684
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Johann Jost Bonart 1682 - 1684
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Anthon Brettung auch Bretton, 1690 - 1700
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Johannes Crecelius aus Nauheim (1703) 1705 - 1734
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Johann Adam Zollmann 1736 - 1764
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Johannes Wagner 1765 - 1791
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Philipp Wilhelm Dielmann 1783, Gehilfe 1786, 1795, 1803
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Pfarrer Kochen 1794
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Johann Christian Schwenk 1797 - 1820
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Johann Christian Völker 1797 - unbekannt
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Johann Christian Kleinschmidt 1797 - unbekannt
(von Nr. 24 - 26 entnommen aus alten Urkunden wo alle drei als Bürgermeister aufgeführt und unterschrieben haben)
Nassauische Schultheißen
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Philipp Heinrich Hehner 1806 - 1822
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Wilhelm Schnee 1822 - 1825
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Georg Philipp Weil 1826 - 1832
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Jakob Deußer 1833 - 1836
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Philipp Anton Schumann 1837 - 1847/1848
Bürgermeister zu Mensfelden
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Johann Christian Lanz 1851 - 1854
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Philipp Schumann 1855 - 1882
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Werner 1883 - 1884
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Heinrich Crecelius 1885 - 1888
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Philipp Wilhelm Deußer 1889 - 1918
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Wilhelm Helfrich 1919 - 1945
Hessische Bürgermeister zu Mensfelden
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Albert Schumann 1945 - 1947
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August Nilges 1947 - 1948
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Karl Walter Schwenk 1948 - 1970
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Wilhelm Lieber 1971
Bürgermeister Großgemeinde Hünfelden
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Erich Valeske 1972 - 1987
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Fritz Stauf 1987 - 1999
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Norbert Besier 1999 - 2011
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Silvia Scheu-Menzer 2011 - nach 2025
Die Geschichte der ältesten Familien in Mensfelden
✍ Autor(en): Hellmuth Gensicke (1975)
Seit dem 14. Jahrhundert werden häufig bäuerliche Einwohner von Mensfelden in Urkunden und Zinsverzeichnissen genannt. In einer recht reichen Überlieferung sind schon im 16. Jahrhundert die meisten damaligen Familien des Dorfes zu überschauen. Eine Schätzungsliste nennt 1595 alle zur Schätzung steuerpflichtigen Einwohner mit ihrem Vermögen und zeigt, dass damals die meisten im Dorf recht begütert waren. Von den zahlreichen, noch erhaltenen Einwohnerlisten aus dem 17. Jahrhundert sei eine von 1635, aus der schlimmsten Zeit des 30jährigen Krieges hier mitgeteilt:
Die Einwohner von Mensfelden 17. Februar 1635
(Abkürzungen: H = eigene Hofreite, 2 H = 2 eigene Hofreiten, Hs = eigenes Haus, 2 Hs = 2 eigene Häuser, HSt = eigene Hofstädt, M = Mägdlein, S = Sohn, SI = Söhnlein, T = Tochter, W = eigene Wohnung, Whs = eigenes Wohnhaus, o = kein eigenes Haus).
Nassaw Sarprücken leibeigene Unterthanen sampt den eigenen wonungen:
Görg Becker (W)
Jacob Britz (H)
Simon Schwenck (H)
Christian Preußer (o)
Johannes Ruß (H)
Thomas Philips (H)
Johannes Bart (H)
Peter Eidt (2 H)
Johannes Arnold (H)
Peter Marckloff (H)
Andreas Schwenck (H)
Jorg Mohr (H)
Enders Rehn (H)
Theiß Eydt (H)
Hanß Fritz (o)
Philips Koch (H)
Philips Stadt (H)
H, Thonges Frentz (H)
Jacob Barth (o)
Johannes Lantz (H)
Thonges Schmiedt (H)
Hans Wilhelm Britz (H)
Jost Mebs (H)
Simon Deuscher (o)
Jost Deuscher (H)
Thonges I.antz (H)
Theiß Frentz (H)
Eigne Sarprückische Weibs Personen, sampt deren Kinder, so auch eigen Sarprückisch:
Johan Frickoffers Haußfrau Anna (5 Kinder, alles S)
Wilhelm Beckers Witwe Elisabeth (1 SI)
Anna Jacob Barts Witwe (1 S, 1 T)
Barthel Ulmans Frau Eva (2 SI)
Jörg Staden Frau Küngedt (1 S, 1 T)
Barbara Wilhelm Mebsen Witwe (1 T)
Hans Jacob Werners Frau Ottilia (2 SI)
Peter Staden Haußfrau (3 SI)
Jacob Linters sein Hausfrau Barbara (SI, 1 T)
Jorg Fritzen Witwe (1 H)
Elisabeth Johan Huns Witwe (o)
Gorg Barths sein Hausfrau (1 M)
Hans Beckers Frau Elisabeth
Engel Fritzen sein Haußfrau Margretha
Jost Frentzen Haußfrau Anna (1 SI)
Daiban Beckers Witwe (H)
Johan Huns Frau Anna (3 S, 1 T)
Johannes Lantzen Haußfrau Ottilia (2 SI, 1 T)
Margretha Philips Schmidts Witwe (o)
Martin Britzen Witwe (o)
Unmündige:
Thonges Brechens hinderlaßene Kinder, Trierisch Eigen (2 H)
Dieterich Dieffenbachs hinderlaßene Kinder, saarbrückisch Eigen (H)
Debs Geilmans Kinder, saarbrückisch Eigen (Hs)
ChurTryrische Leibeigene Manspersonen:
Johan Frickoffer (Hs)
Claß Lantz (Whs)
Görg Stadt (Hs)
Theis Zabel (Hs)
Thönges Scheidt (Whs)
Hans Wagener (Hs)
Geörg Brechen (Hs)
Hans Jacob Werner (Hs)
Peter Wühl
Cloßen Hans (2 Hs)
Peter Stadt (Whs)
Hilgar Keeß (Hs)
Hans Becker (Hs)
Jost Frentz (o)
Wilhelm Zabel (Hs)
Thonges Bonert (2 H)
Matthes Muth (H)
Johannes Linter (Hs)
Adam Reuter (o)
Friderich Keißer (H)
Johangen Volcker (o)
Engel Fritz (H)
Philips Bonart (2 H)
Westerburgische Leibeigene Männer:
Johan Staud (Whs)
Barthel Ulman (Hst)
Hans Gorg Teuscher (Hs)
Jacob Cuntz (Hs)
Wilhelm Röcker (Hs)
Hans Oppel (o)
Johannes Oppel (Hs)
Peter Becker (2 H)
Georg Barth der Schultheiß (2 H)
Hans Hun (W)
Johangen Hun (Hs)
Jacob Linter (W)
Wittweiber, so eigne Wohnheußer
Wilhelm Mebsen Witwe (Wh), Sarpr. leibeigen
Görg Fritzen Wittib Elisabeth (Hs), Sarpr. eigen
Werners Elisabeth Witwe (Wh), Tryrisch eigen
Christgen Huns Witwe Catharina (Hs), Tryr. eigen
Jacob Barths Witwe Anna (Hs), Sarpr. eigen
Blasius Barts Witwe Dorothea (Hs), Westerb. Eigen
Dalban Beckers Witwe Catharin (Hs), Sarpr. Eigen
Johannes Mohrs Witwe Anna (H), Westerburg. Eigen
Wilhelm Beckers Witwe Elisabeth (Hs), Sarpr. Eigen
Unterschriften: Christianus Krecelius, Pfarrer, Gericht und Schöffen: Simon Deuscher, Philips Bonnartt, Johannes Johan Frickober, Clauß Lantz, Hans Hun, Jacob Cuntz.
Diese Liste lässt erkennen, dass alle Einwohner des Dorfes damals Leibeigene der drei Ortsherren waren. Das war ringsum, außer in den Städten und Freiflecken, überall auf den Dörfern ähnlich. Die Leibeigenschaft bedeutete hier jedoch nur eine mäßige finanzielle Belastung, der alle im Dorf unterworfen waren. Wer in das Dorf ziehen wollte, musste frei sein oder sich an seinem Herkunftsort frei gemacht haben . Er wurde dann hier nach einem Freijahr einem der drei Ortsherren mit den Leibeigenschaftsabgaben zugeteilt. Die Abgaben selbst, die Bede, eine ursprünglich freiwillige Steuer in kleinem Geldbetrag, ein Fastnachtshuhn und das Besthaupt, eine Erbschaftssteuer, waren keine hohe Belastung. Dennoch empfand man diese als lästig und als die Gedanken der Aufklärung sich ausbreiteten als unwürdig. Durchaus zu Recht, da die Ortsherren darin nur eine Einnahme ihres Fiskus sahen und die ursprüngliche Gegenleistung des Leibherren, den Leibeigenen gegen Übergriffe anderer zu schützen, in Vergessenheit geraten war.
In der amtlichen Bekanntmachung von 1808 heißt es unter anderem: Wir wollen unseren Unterthanen, denen Wir schon durch Unser Edikt vom 1. Januar 1808 mit Aufhebung der Abgabe des sogenannten besten Haupts, ihr persönliche Freiheit gesichert haben, für die Zukunft nunmehr auch die Freiheit ihres Grund = Eigentums von aller drückenden Beschwerung veralteter Leibes- und gutherrlichen Abgaben und Leistungen zuwenden, während zugleich Wir Bedacht nehmen, dass Standes- und Grundherrn, auch sonstigen Gutsbesitzern und Vasallen, deren Einkünfte hierdurch Abgang erleiden, aus allgemeinen Mitteln des Staats ein billiger Ersatz geleistet werde.
Es geschieht daher allenthalben, mit angenehmer Empfindung, dass Wir die hier nachstehenden gesetzlichen Bestimmungen über die Aufhebung bisheriger Abgaben erlassen.
Als ein Beweis Unseres festen und beständigen Willens, dass Wohlsegen und den Vortheil aller Unserer Unterthanen ohne Unterschied stets zu fördern, von ihnen allgemein dankbar anerkannt und sie dadurch in ihrer Treue und Ergebenheit gegen Uns, immer mehr und mehr befestigt werden.
Mit dieser Voraussetzung wollen Wir und verordnen hierdurch wie nachfolgt:
§ 1. vom 1. Januar diesen Jahres an, sind die hier nachstehend namentlich aufgeführten Abgaben in den bezeichneten Orten gänzlich und für immer aufgehoben:
(Nun werden der Reihe nach alle Amtsbezirke aufgezählt unter § 24 der Amtsbezirk Limburg)
I. Von allgemeinen, in sämtlichen Amtsorten bestehenden Abgaben:
das Frohnd- und Dienstgeld, auch Rheinfahrtgeld
die ordinäre Schatzung als Güterschätzung, Nahrungsschatzung und Schirmgulden
die Extrasteuern
die Servicesteuern
die Beiträge zu allgemeinen Amtsausgabe
Hier werden nun die Abgaben angeführt, die einzelne Orte zu leisten hatten und die nur für sie galten.
Von den Einwohnern von Mensfelden wurden bis zum 1.1.1808 geleistet:
Der Schirmgulden
Extrasteuern
Weidehämmel
Dienst- und Rheinfahrtgeld
Rauchhühner
Leibbeet
Leibhühner
Hahngeld (Frh. v. Hohenfeld)
Folgende Arbeiten, die ohne Bezahlung ausgeführt werden mussten blieben:
unentgeltliche Militärtransporte
Arbeiten zur Erhaltung der Straßen
Arbeiten zur Erhaltung von gemeindeeigen Gebäuden, Brücken und Wegen
Jagdfolge als Treiber
Transporte der Frucht, die als Pacht usw. durch bestehende Verträge an einen besonderen Ort gebracht werden mussten.
Die Beet war die älteste Steuer überhaupt, man kannte sie als Ehebeet bei Neuvermählten, später trat sie als Geldabgabe an die Stelle ehemaliger Naturalabgaben (Holz-, Fleisch-, Maibeet) (Butterabgabe) etc. Abgelöst durch Geld hieß sie dann Weidgeld, Weidhammelgeld, Kuhgeld, Eiergeld, Hühnergeld, etc.
Das Banngeld und der Schirmgulden mussten gezahlt werden zur Befreiung von einem örtlichen Zwang, bzw. für gewährten Schutz.
Es wäre noch die Abgabe des Besthauptes zu erwähnen, jene Abgabe an den Lehns - bzw. Grundherrn, den der Pächter als Bewirtschafter eines Lehnshofes entrichten musste, wenn der Pächter starb. Dann konnte der Beauftragte des Lehnsherrn das beste Stück Vieh - das Besthaupt - ohne Entschädigung aus dem Stall des Pächters holen.
Ich habe einmal alle diese kleinen Steuern, die damals im Bereich des Nassauer Ländchens gehoben wurden, gezählt. Es waren dieser 150 verschiedene Abgaben, wobei jedoch zu beachten ist, dass unter verschiedenen Namen die gleichen Abgaben zu leisten waren.
Es gab wohl die Möglichkeit sich loszukaufen, wofür einer je nach Vermögen sein Freilos kaufen konnte, welches nur zeitlich bedingt war, was nachfolgender Bericht bezeugt.
Bericht vom 11. Februar 1739 an den Hofkammerrath und Amtskelle Leo zu Limburg. Auf Begehren Ew. Hochedlen, wird hiermit pflichtmäßig berichtet:
Erstens;
wegen Auszug der Leibeigenen allhier zu Mensfelden, ist es jederzeit also gehalten worden, dass sich die Leibeigenen bei ihrer Herrschaft, deren sie mit Leib - Eigenschaft unterworfen, haben müssen loskaufen, und geben, darnach sie Vermögen gestanden und haben den herrschaftlichen Schultheißen Auszugsgeld müssen geben 108 (1 Albus).
Zweitens;
wann solche losgekaufte Leibeigene, welche hier ausgezogen, wieder anhero ziehen wollen, so haben sie den Schultheißen obige Gebühr wieder zahlen müssen, und sind derjenigen Herrschaft, welcher sie zuvor unterworfen gewesen, mit Leibeigenschaft wieder unterworfen, deren sie ihr Leib- und Dienstgeld wieder zahlen müssen, womit verbleiben.
Mensfelden, den 11 ten Februar a, 1739
Ew. Hochedlen
? Cammerraths
Untertänigster Diener Jacob Volk
Churtrierischer Schultheiß
Christian Frickhöfer
Philippuß Bonart
beyde Gerichts Schöffen
Der vorstehende wörtliche wiedergegebene Bericht ist nur ein kleiner Ausschnitt von der Gebundenheit der Leibeigenen. Sogar eine Dienstmagd, die kein Vermögen hatte, die von Mensfelden nach Mannheim ziehen wollte, um sich dort zu verehelichen, musste einen Antrag auf Befreiung stellen. Jeder Bürger hatte nur einen Herrn, dem er als Leibeigener gehörte. Da aber Mensfelden drei Grundherren hatte, galt folgende Regelung: Die Kinder gehörten immer dem Grundherrn, dem die Mutter zugehörte. Gehörte diese zu einem anderen Landesherren als der Vater, gehörten die Kinder zu dem Landesherren der Mutter. Wer ins Dorf zuziehen wollte, musste sich erst freikaufen, und wurde nach einem freien Jahr durch das Los einem der Grundherren zugeteilt.
Die Bindungen hatten sich im Laufe der Jahrhunderte so gelockert, dass jeder sich hier jederzeit mit einem Abzugsgeld loskaufen und wegziehen konnte. So lassen sich in vielen Fällen Heiratsverbindungen mit Bürgern der benachbarten Städte Limburg und Diez und benachbarter Freiflecken, wie Kirberg und Niederbrechen, beobachten. Dabei sieht man, wie etwa bei den Bonhard 1601, daß auch Bürger von Limburg diese Belastungen nicht scheuten und sich hier niederließen. Am 1. Januar 1808 hoben Friedrich August Herzog von Nassau und Friedrich Wilhelm Fürst von Nassau die Leibeigenschaft, die in ihren rheinischen Gegenden seit undenklichen Jahren das meiste von ihrer Härte schon verloren hatte, völlig auf.
Die Liste von 1635 nennt manche Namen, die längst verschwunden sind, einige haben sich bis in unsere Tage in Mensfelden erhaIten. Aber auch von den meisten jener im Mannesstamm ausgestorbenen oder abgewanderten Familien leben heute hier noch Töchternachkommen.
Fast geschlossen lässt sich über mehr als 600 Jahre die Familie Mohr hier nachweisen, die 1365 zuerst mit Ludewig Moyr vorkommt. Schwer zu entscheiden ist die Frage, ob es sich bei häufiger vorkommenden Familiennamen über so viele Jahrhunderte noch um die gleiche Familie handelt, kommt schon 1399 ein Cuntzgen Schmidt in Mensfelden vor, doch fanden spätere noch andere den Weg hierher, wie 1720 ein Johann Kaspar Schmidt aus Schadeck. Ähnlich ist es mit den Becker, die bisher nicht mit völliger Sicherheit als Nachkommen des Reichel Becker (um 1470) nachgewiesen werden können. Noch unsicherer ist dies bei den Müller, die schon 1478, dann 1603 und 1660 einmal hier erscheinen.
Recht sicher ist jedoch bei vier anderen Familien nachzuweisen, dass seit dem 15. Jahrhundert, also mehr als ein halbes Jahrtausend, hier ansässig sind. So kommen um 1450 schon die Brechen mit Peter Brechen vor, dessen Stammvater man nach der Herkunft aus jenem Nachbarort benannt hatte. Wenig später erscheinen vor 1470 zuerst mit Heynman Kese die Kees. Zu den Volk gehört vor Claß Folck (1478) wohl schon der Heimberger Fulckelchin 1453. Auf dem Weg über die Christianshütte bei Schupbach (1806) hat sich eine Linie der Volk aus Mensfelden in Braubach am Rhein verzweigt. Neben einer ersten Familie Lantz von 1490 und 1511, die auch später hier weiterlebte, begründete Johanngen Lantz aus Heringen 1648 hier eine zweite gleichnamige Familie.
Auch die Zollmann kommen 1482 und 1553 hier schon einmal vor, doch kam der Stammvater der heutigen Namensträger erst 1648 aus Nauheim. Der Familienname, ursprünglich Zulmann, hat übrigens nichts mit Zoll zu tun. Er ist eine Verkleinerungsform eines männlichen Vornamens Zule, Zühle den man für eine mundartliche Form des Vornamens Aegidius hält. Johann Bartholomäus Zollmann aus Mensfelden (1696 - 1774) war zuletzt Pfarrer in Bechtheim, sein Enkel Johann Philipp Zollmann (1785-1866) lebte als Münzmeister des Herzogtums Nassau in Wiesbaden.
Noch größer ist die Anzahl der Familien, die im Laufe des 16. Jahrhunderts hier zuerst bezeugt sind. Aus Neesbach stammte Fritzen Weigel, der Stammvater der Familie Fritz, der 1507 Hofmann des Stifts Diez in Mensfelden und später hier auch Schultheiß war.
Mit Opels Peter, der 1550 in Mensfelden starb, erscheint zuerst die Familie Oppel. Es ist durchaus möglich, jedoch kaum noch nachzuweisen, dass Peter Oppel in Dachsenhausen bei Braubach, der dort um 1550 zuwanderte und 1580 bereits verstorben war, der Stammvater der in der Autoindustrie bekannt gewordenen Familie, ein Verwandter jenes ersten Peter in Mensfelden war. Der Firmengründer Adam in Rüsselsheim war ohnehin ein Nachkomme des Schulmeisters Sommerlad in Mensfelden.
Die Werner in Mensfelden sind wohl durchweg Nachkommen des Schöffen Jörg Werner (1556 - 1587). Die Familie lebte wohl schon längere Zeit vorher in Mensfelden, da 1574 ein Henn Werner in Heringen Erbgüter in Mensfelden besaß. Ob der Pfarrer Johann Werner in Mensfelden (1553 - 1602), der aus Niederbrechen stammt, zur Verwandtschaft gehörte, weiß man nicht. Von seinen Söhnen war Wilhelm Werner 1602 Keller in Kirberg und Dr. jur. Bartholopäus Werner aus Mensfelden 1602 und noch 1622 Rat in Saarbrücken.
Mit Wentz Britz, der sich selbst auch 1579 Wentzel Brixius nennt, kommt 1562 zuerst die Familie Brötz in Mensfelden vor. Im Familiennamen hat sich der Name des heiligen Briccius erhalten, der sonst als Vorname längst auch hier aus der Mode gekommen ist.
In Mensfelden war schon 1564 Claß Schwenck begütert, der in Holzheim wohnte. In Holzheim lässt sich die Familie bis zu Swenck Henne (1459 - 1493) zurückverfolgen. Aus Holzheim kam Johann Schwenck (1567 - 1568 vor 1595), der Sohn eines Kaspar Schwenck, nach Mensfelden, wo sich seine Nachkommen Schwenck in mehreren Linien verzweigten.
Wilhelm Schreiner oder Schumann aus Hahnstätten ( 1605), ein Enkel des Claus Schumann zu Hohlenfels, kam 1570 als erster Zöllner auf das Zollhaus bei Mensfelden. Er hatte 1598 Erbgüter in Herborn. sein Sohn und Nachfolger Wolf Schumann war wohl weiter in der Welt herumgekommen und hatte eine geborene Bornhuser aus Basel zur Frau.
Wenig später kommt 1588 Simon Deutscher auch Teuscher, der 1635 als Schöffe seinen Namen Deusser schrieb, hier zuerst vor. Seine Frau Merg war 1629 Opfer der des Hexenwahns. Die Familie des Peter Lieber (1600 - + vor 1616) war hier wohl schon vorher ansässig, da Hen Lieber aus Nauheim 1559 einen Weingarten in der Herbach bei Mensfelden verkaufen konnte. Mit einem Peter Lieber aus Linter kam 1644 eine zweite Linie der ursprünglich wohl zusammengehörigen Familie nach Mensfelden.
Steffan Bonart war 1601 noch Bürger zu Limburg, als er sich als Wirt in Mensfelden niederließ, wo zwei seiner Söhne Schultheißen waren. Johann Wilhelm Bonhard aus Mensfelden (1692- 1759), Pfarrer in Breckenheim, begründete eine Linie, die durch mehrere Generationen im Hessen-Darmstädtischen Pfarrer hervorbrachte.
Christian Crecelius, seit 1596 Pfarrer in Nauheim, war 1616 nach dem Tod seines Bruders Jodocus Crecelius Pfarrer in Mensfelden geworden, wo er 1635 starb. Der Vater der Brüder, Dietrich Kreckel, der sich auch Theodor Crecelius nannte, war Stiftsherr und Schulmeister in dem seit 1566 lutherischen Stift Gemünden auf dem Westerwald. Von Christians jüngstem Sohn Johann (1620 - 1693), der nach Nauheim gezogen war, stammen alle Träger des Namens Crecelius ab, die heute weitverbreitet in Westdeutschland in Nordamerika leben. Mit seinen Söhnen und Enkeln sind auch Zweige der Familie nach Mensfelden zurückgekehrt. Von den Nachkommen des Reichelsheimer Zweigs der Heringer Linie sei Professor Wilhelm Crecelius (1828 - 1889) in Elberfeld genannt, dessen Oberhessisches Wörterbuch noch heute viel benutzt wird.
Johanngen Frickofen oder Johann Frickober, wie er selbst 1635 als Schöffe unterschreibt, ist kurz vor 1622 zugezogen. Von seinen Nachkommen war Karl Frickhöffer aus Mensfelden (1791 - 1845) Konrektor in Idstein, von dessen Söhnen Heinrich Frickhöfer ( 1869) Pfarrer in Bremen und Karl Frickhöfer und Badearzt in Bad Schwalbach.
Etwa zur gleichen Zeit erscheinen hier zuerst Peter Wagner (1625 - vor 1627), der Stammvater der Familie Wagner sowie Theiß Ruß (1625) und Johannes Ruß (1627 - 1678), als erste Vertreter dieser Familie.
Als Stiefsohn des Philipp Bonart kam Johannes Völcker (1635 - 1680) nach Mensfeiden. Einige seiner Nachkommen waren Schultheißen in Mensfelden. Ein Sohn begründete eine Linie in Diez. Christian Völker (1803 - 1877) aus Mensfelden war Pfarrer in Enkirch an der Mosel.
Erst nach dem 30 jährigen Krieg wurden mit Martin Germ (1663) die Girn mit Johannes und Peter Helfferig (1663) und Ludwig Hellferich (1675) die Hielfrich, die Hohlwein mit Johannes Hohlwein aus Gückingen (1666), die Pfeiffer mit Johann Nicolaus Pfeiffer (1668) sowie die Leuckel mit Chrostoffel Leuckel (1693) hier ansässig.
Im 18. Jahrhundert kommen dazu die Dielmann, die Heymann die Reinhard aus Linter, 1739 die Weil aus Heringen, danach etwa noch 1819 die Nilges aus Guckheim bei Westerburg.
Manche Familien lebten nur einige Generationen hier. So die Kramb (seit 1654), von denen Johann Georg Kramb nach Ungarn (1724), andere nach Steeden (1735) und Diez (1754) abwanderten.
Von frühen Auswanderern seien hier einige genannt. Nach Amerika gingen Thönges Deußer (vor 1723/26) und Christian Zollmann (vor 1795). Im vorigen Jahrhundert sind ihnen viele andere Mensfelder dorthin gefolgt. Nach Ostpreußen, in die damals Preußisch Litauen genannten Landesteile im Osten des Landes, zogen: Thonges Herman 1722, Christian Lantz 1723/24, Johannes Ullmann 1723, Johann Jakob Ullmann 1723 und Gorg Zabell 1724, nach Polen Jeremias Becker 1784 und Johann Philipp Kees 1785. Blasius Bart war schon vor 1574 nach Masmünster ins Elsaß gezogen, Georg Philipp Kees zog 1796 nach Lausanne. Im holländischen Kriegsdienst suchten Balthasar Kramb vor 1785, Wilhelm Lieber 1785, Johann Henrich Löhr 1783, Bartholomäus Zabel vor 1749 und Georg Wilhelm Zabel 1781 - 1794 ihr Glück.
Es können hier nicht alle Familien genannt werden, doch sei wenigstens noch die Familie Hehner erwähnt, die ursprünglich aus Nastätten stammt und im Schuldienst über Patersberg und St. Goarshausen nach Mensfelden kam. Karl Philipp Hehner (1809-80) aus Mensfelden, der Abgeordnete im Parlament der Paulskirche, der Sohn des Schultheißen Hehner, war ein Enkel des Pfarrers Koch und von des Vaters Mutter, einer Bonhard her, jedoch mit vielen in Mensfelden verwandt. Dieser erste knappe Überblick kann nur andeuten, wie lange die meisten Familien in Mensfelden schon mit der Geschichte ihres Heimatortes verbunden sind. Dies gilt nicht minder auch für alle die, deren Namen hier nicht ausdrücklich genannt werden, die meist jedoch über Mütter und Großmütter in weiblicher Linie von den gleichen Familien abstammen. Dies könnte leicht noch nach vielen Seiten ergänzt und erweitert werden, doch würde es hier den Rahmen sprengen.
Bevölkerung Mensfelden ab 1818
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Bevölkerung Mensfelden von 1818 bis 1972
In Mensfelden zählte man 1818: 1027 Einwohner in 193 Familien, 1820: 1012 in 233 Familien. Mit 1001 Einwohnern war Mensfelden 1823 nach Limburg (2634 Einw.) im Amt Limburg und selbst im späteren Kreis Limburg nach Hadamar (1500 Einw.) und Camberg (1467 Einw.) der größte Ort. In der Einwohnerzahl übertraf es damals Niederbrechen (991), Dauborn und Eufingen (984), Elz (977), Kirberg (893) und Lindenholzhausen (964) und weit mehr noch alle anderen Orte.
Die Einwohnerzahlen, bei denen hier die Zahl der Familien oder Haushalte in Klammern mitgeteilt wird, lässt hier seitdem nur ein sehr geringes Wachstum erkennen.
5em
970 (239)
1007 (258)
1130 (286)
1117 (273)
1157 (273)
1192 (285)
1085 (263)
1089 (284)
1132 (292)
1095 (267)
1095 (267)
1081 (209)
1108 (211)
1051 (210)
1044 (215)
1000 (212, 973 Evang., 5 Kath., 22 Juden)
1011 (209, 1030 Evang., 8 Kath., 29 Juden) 1
993 (252, 950 Evang., 13 Kath., 30 Juden)
904
1146
1033
981
Etwas deutlicher ergänzen andere Nachrichten diese Einwohnerzahlen.
1819: 233 Familien, 158 verheiratete Männer, 17 Witwer, 160 verheiratete Weiber, 40 Witwen, 9 ledige, auf eigenem Herd sitzen, 333 Kinder männlich, 271 Kinder weiblich, 3 Gesellen und Lehrlinge, 2 Knechte, 10 Mägde, Summa 1010 Einwohner einheimisch, davon 969 evangelisch, 1 Katholik, 40 Juden. Soldaten, Lehrjungen und Gesellen, die auswärts nicht einbegriffen.
1822: Ende Dezember: 243 Familien, 169 verheiratete Männer, 15 Witwer, 8 ledig sitzende, 169 verheiratete Frauen, 32 Witwen, 16 ledig sitzende, 327 Buben, 279 Mädchen, - Gesellen, 4 Knechte, 7 Mägde, 58 Pferde, 6 Füllen, 4 Faselochsen, 36 Zugochsen, 241 Stallkühe, 164 Rinder, 8 Widder, 49 Hammel, 626 Mutterschafe, 152 Lämmer, 96 Schweine, 33 Ziegen, 18 Bienenstöcke, Summa 1069 Einwohner, 1025 Christen, 1 Mann katholisch, 44 Juden in 9 Familien, 5 Männer, 5 Weiber, 1 ledig, 17 Burschen und 13 Mädchen.
1823: 241 Familien, 165 verheiratete Männer, 10 Witwer, 9 ledige Männer, 165 verheiratete Frauen, 36 Witwen, 6 ledige, auf eig. Herd stehen, 356 männl. Jugend, 294 weibl. Jugend, 3 Lehrlinge, 6 Knechte, 9 Mägde, 57 Pferde, 3 Fohlen, 2 Faselochsen, 13 Mastochsen, 29 Zugochsen, 33 Stiere, 24 Zugkühe, 217 Stallkühe, 97 Kalben, 4 Widder, 476 Mutterschafe, 66 Hammel, 162 Lämmer, 117 Schweine, 23 Ziegen, 26 Bienenstöcke, Summa 1065, davon 1019 Christen, 1 Katholik, 45 Juden, 171 Feuerstellen.
1828: : 3 Bäcker, 1 Branntweinbrenner, 1 Glaser, 3 Grobschmiede, 3 Küfer (Kiefer), 7 Krämer, 12 Leinweber, 1 Makler, 3 Maurer, 1 Metzger, 2 Sattler, 5 Schneider, 2 Schreiner, 8 Schuhmacher, 2 Strohdecker, 1 Wagner, 5 Wirte, 4 Zimmerleute.
Diese Angaben lassen bereits erkennen, dass die meisten Einwohner nur Kleinbauern waren, von denen einige nebenbei noch ein Handwerk betrieben. Viele fanden aber auch damit nicht ihr Auskommen, so dass mancher sein Glück in Amerika suchte. So werden als Auswanderer nach Nordamerika allein in den Jahren 1854 bis 1867 genannt: Christiane Deußer, Witwe, Johann Deußer, Karl Anton Frickhöfer, Johann Lieber, Katharina Völker, Witwe, Johann Philipp Wagner, Johann Zollmann (1854), Georg Philipp Schmidt (1855), Marie Elisabeth Eylers, Witwe (1859), Johann Karl Heimann (1866), Moses Heymann und Philipp Heinrich Winter (1867), die meist mit ihren Familien abzogen.
Die Arbeiterfamilien verlegten sich meistens auf das Maurerhandwerk. Die Maurer zogen in den Sommermonaten ins Rheinland, da sie daheim nicht genug Arbeit fanden. In den Wintermonaten halfen sie den Bauern beim Dreschen. Viele konnten wegen Armut kein Handwerk erlernen. Sie verdingten sich schon nach der Schulentlassung als Knechte und Mägde. Nach dem Bau der Eisenbahn verließ mancher das verkehrsmäßig ungünstig gelegene Heimatdorf. Dies wiederholte sich, als durch Zuzug der Heimatvertriebenen und Evakuierten die Einwohnerzahl am Ende des 2. Weltkrieges vorübergehend beträchtlich angestiegen war, da Arbeitsplätze hier fehlten. Erst nach der Erschließung von Neubaugebieten ist die Einwohnerzahl in den letzten Jahren wieder etwas angewachsen.
Einwohnerzahlen von Mensfelden ab 1972
1972 - 1100 Einwohner
1982 - 1385 Einwohner
1994 - 1363 Einwohner
2000 - 1362 Einwohner
2011 - 1302 Einwohner
2022 - 1277 Einwohner
Hier stimmt die Summe nicht, wenn man von einer linearen Entwicklung ausgeht dürften es hier eher 974 Evang. Einwohner sein.↩︎
Mensfelden an alten Straßen
✍ Autor(en): Egon Eichhorn (1975)
Zwei Anschlussstücke verbinden heute Mensfelden mit der Bundesstraße 417, der alten Hühnerstraße, und damit mit dem Fernverkehr auch der nahen Autobahn. Von dem allzu oft als lästig empfundenen Durchgangsfernverkehr bleibt das Dorf dadurch verschont. Dies war jedoch keineswegs immer so, wie es Dr. Egon Eichhorn in eingehenden Untersuchungen über die mittelalterlichen Fern- und Landstraßen zum und im Limburger Becken in allen Einzelheiten nachgewiesen hat.
So führte die Mainz-Limburger Landstraße über Heringen lange Zeit durch das Dorf Mensfelden und, wie es ein tiefer Hohlweg noch erkennen lässt, weiter zum Mensfelder Stock. Es handelt sich dabei um ein Teilstück der schon vorrömischen, uralten Hühnerstraße von Mainz über Wiesbaden nach Limburg, die im Mittelalter die bedeutendste rechtsrheinische Fernstraße von Mainz nach Köln war. Ihr Verlauf war keineswegs immer fest und gesichert. Er unterlag im Laufe der Zeit, bedingt durch das Gelände und wohl auch durch politische Verhältnisse, einigen Schwankungen. So sind auch hier neben jenem Teilstück durch Mensfelden weitere parallele Strecken zu beobachten.
Ein früher Zug über den Römberg, der zugleich als Neesbach-Werschauer und nachher als Nauheimer Holzweg diente, wurde auf einer kleinen Teilstrecke bis zum Mensfelder Zollhaus zugleich auch von der frühmittelalterlichen Bubenheim–Kirberg–Limburger Straße benutzt.
Vom Zollhaus bei Mensfelden aus, dessen Standort man 1567 an dieser Straße gewählt hatte, weil diese von dort aus gut zu überschauen war, führte eine mittelalterliche Straße in Richtung Dietkirchen weiter, während die Straße von Mainz. nach Limburg nach Westen abbog und als Alte Limburger Straße auf dem Sattel zwischen dem Nauheimer und dem Mensfelder Kopf zur mittelalterlichen Wegespinne am Mensfelder Stock weiterzog.
An diesem wichtigen alten Straßenknoten südlich von Limburg, der heute mitten im Feld, abseits der heutigen Straßen liegt, teilte sich die Straße fächerartig in die alte Hohe Straße von Diez nach Frankfurt und Mainz, den Bucher oder Großbacher Weg, die Mensfelder oder Mainz-Limburger Straße und den Linterer Kirchweg, den heutigen Limburger Weg. Heute ist diese früher so bedeutende Mainzer Straße, die über Heringen und durch Mensfelden und dann östlich von Blumenrod nach Limburg führte, fast vergessen.
Während die Straßen von Limburg nach Mainz zeitweise durch Mensfelden und auf weite Strecken durch seine Gemarkung führten, verliefen Zubringer und Verbindungsstraßen zur Hohen Straße von Köln über Limburg nach Frankfurt nur durch Randbereiche der Gemarkung. Als frühmittelalterlicher Höhenweg verlief die Hohe Straße von Diez aus bis zum Mensfelder Zollhaus, wo sie nach Mainz hin in die Hühnerstraße einmündete und daneben über Nauheim auch Anschluss zur Hohen Straße nach Frankfurt gewann. Zu dieser Hohen Straße nach Frankfurt führte auch die alte Diezer Straße über Bergen und Niederbrechen sowie durchs Mensfelder Hahnfeld die Frankfurt-Limburger Straße über Nauheim.
Schon im Spätmittelalter verlagerte sich der Verkehr von den meist ortsfernen Höhenstraßen auf den Wasserscheiden zunächst auf Teilstrecken auf Nahverbindungen zwischen kleineren Städten, Amts- und Marktorten. Seit dem 18. Jahrhundert hat man meist im Zug dieser Nahverbindungen in den Tälern die Fernstraße befestigt und als Chausseen ausgebaut. Damit war das Schicksal jener frühen, unbefestigten alten Straßen entschieden. In Teilstücken wurden sie noch als Feldwege benutzt. Weithin wuchsen sie zu. Oft haben Flurbereinigung die letzten Spuren verwischt, so dass heute nur noch hier und da tiefe Hohlwege, Flurnamen und sonst nur noch Hinweise in Urkunden, Akten und Karten an diese meist vergessenen frühen Fernstraßen erinnern.
Das Dorf nach 1801
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Der Ortskern
Nach dem Großbrand von 1801, der den größten Teil unseres Dorfes vernichtete, wurden im alten Ortskern die engen Gassen und Gässchen aufgegeben. Gegen den hartnäckigen Widerstand der Einwohner wurde das Dorf damals aufgelockert mit breiten Straßen wieder aufgebaut, was man dann später auch als einzig richtig einsah. Die Kirche mit dem Kirchhof, dem alten Friedhof, blieb Mittelpunkt des Dorfes. Sie gewann noch mehr Platz, als man lange nach dem Brand 1825 die alte Schule am Westgiebel der Kirche abbrach und die neue auf dem alten, aufgegebenen Hofplatz des Pfarrhauses erbaute. Der nassau-oranische Zehnthof an der Westseite des alten Pfarrgehöfts, südlich der Kirche, wurde nachher an dieser Stelle nicht wieder aufgebaut. Die danach erbaute Zehntscheuer ist 1953 abgebrannt. Der Hof der Boos von Waldeck, mit 88 Morgen Land, an der Ecke Mittelstraße und Hintergasse, jetzt obere Neustraße, heute Hofmanns genannt, wurde nach 1801 wieder aufgebaut. An den Hof des kaiserlichen Reitergenerals des 30jährigen Krieges Jan von Werth (+1652) und seiner Nachkommen und Erben, der Reitz von Frentz zu Schlenderhahn, erinnert noch der Name der Schlendererecker . Er stand von 1801 in der Untergasse, der jetzigen unteren Neustraße.
Sonst sei von alten Gebäuden noch das 1727 erbaute heutige Haus Schumacher/Hasselbach erwähnt, dass nach 1801 bis 1907 Pfarrhaus war und auch alte Post genannt wird. Ein Gerichtssaal soll sich nach mündlicher Überlieferung im Haus Mittelstraße 11, heute Haus Walter Schwenk, in der großen Torstube befunden haben. Der Raum war vom Haus durch eine Wand abgetrennt und nur über eine schwere, erst 1920 entfernte Treppe aus Eichenholz, vom Hof aus zugänglich. In diesem Raum wurden die Gerichtsakten in einer großen Truhe aufbewahrt. Man erzählt sich, dass die Russen beim Durchzug 1813 die bunten, bleiverglasten Scheiben der Fenster ausgebrochen und mitgenommen hätten.
Etwas abseits lag ursprünglich am Ortsrand das Peter Sonntagshaus, wahrscheinlich das frühere Haus Schwenk (Hohlershaus) in der oberen Sonntagsgasse.
Verschwunden ist ebenso wie das Gefängnis auf der jetzigen Grünanlage an der Mittelstraße - Schwerzstraße auch der Wachtturm auf dem Hornel. Dort am östlichen Abhang des Hornels, westlich vom Dorf soll der Sage nach eine Burg gestanden haben, die im Jahr 1242 bei einem Aufstand zerstört wurde.
Die Ortsstraßen
Als Ortsstraßen, damals noch Gassen genannt, finden sich einige schon auf den Karten, die nach dem Großbrand 1801 gezeichnet wurden: Die Seilergasse (jetzige Neustraße) die Mittelgasse, welche die heutige Remmeltstraße mit einschloss, (jetzige Mittelstraße ohne Remmeltstraße), die Hintergasse (jetzige obere Neustraße), die Keesgasse, welche in der Mitte der Hintergasse schräg nach der Pferdeschwemme (oberhalb Haus Lanz) in die Mittelgasse einmündete und nach dem Brand 1801 einging. Die Sackgasse, die auch nach dem Brand 1801 verschwand, begann in der Mittelstraße, zwischen Haus Euler und Völker und mündete vor der Kirche ein. Die längste Gasse war damals die Schwarzgasse (heutige Schwerzstraße), welche in südlicher Richtung etwas geschwenkt, aber in ihrer Länge blieb. Die zweitlängste Straße war die Untergasse, welche schon am östlichen Dorfanfang (Richtung Nauheim) begann, die heutige Untergasse geht nur bis zur Schule.
Die Schlimmgasse, heutige Schlimmstraße, dieser Name dürfte von Schlamm oder Schlemm abzuleiten sein. weil früher vor der Kanalisierung bei schweren Unwettern, Schlamm vom Berge in die Straße oder Gasse schwemmte. Als alte frühere Gassennamen wäre noch zu nennen die Sonntagsgasse (heutige Sonntagsstraße) deren Name wahrscheinlich vom Peter Sonntagshaus kommt. Die Laigasse (heutige Laistraße) dürfte von dem felsigen Boden den Namen haben. Die Kirchgasse war die heutige Backhausstraße, der Austausch der beiden Straßennamen ist erst nach dem Brand 1801, als die heutige Kirchstraße entstand, vorgenommen worden.
Ob die Fahlerstraße, deren Namen von einem früheren Falltor herzuleiten ist, schon vor 1800 ihren Namen hatte, ist nicht nachweisbar. Sicher haben jedoch die heutige Neustraße und Remmeltstraße erst nach dem Brand 1801 ihre Namen erhalten.
Seit dem 19. Jahrhundert war Mensfelden kaum gewachsen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg entstanden neue Straßenzüge. Als 1950 das Domänenland in den Gerstengärten und Moorsgarten als Bauland verkauft wurde, konnten die Gartenstraße und die obere Schwerzstraße ausgebaut werden. Ein größeres Neubaugebiet Bucher- und Weiderbühne wurde 1960 - 1972 erschlossen und in neuen Straßen, der Königsbergerstraße, der Bühnenstraße, der Birkenstraße und den Straßen Schöne Aussicht und Am Zollhaus bebaut.
Umbenennung der Straßen 1972
Mit der Bildung der Großgemeinde verfolgte man das Ziel, dass eine Straßenbezeichnung in Hünfelden nur einmal vorkommt. Das hatte für Mensfelden folgende Namensänderungen zur Folge:
Die Neustraße wurde Hehnerstraße,
die Mittel- und Laistraße wurden zur Sonntagsstraße,
die Gartenstraße wurde in Gerstengärten umbenannt.
II. Krieg und Vertreibung
Kriegs- und Notzeiten vom 16. - 20. Jahrhundert
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Am liebsten würde ich dieses Kapitel nicht berühren, weil uns täglich soviel Ungerechtigkeit und Leid in dieser Welt vor Augen geführt wird. Aber gerade deswegen sollen die Zeiten großer Bedrängnis und Not in unserer Geschichte nicht übergangen werden, damit die Nachwelt die sinnlose Vernichtung durch die Kriege erkennt und daraus ihre Lehren zieht. Ganz schlimm war es in der Zeit des dreißigjährigen Krieges 1618 - 1648. Fremde Kriegshorden durchzogen unser Land kreuz und quer. Raub, Mord und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Mensfelden hatte auch wie andere Dörfer unserer Heimat in diesen Kriegsjahren viel zu leiden.
Deutschland war vor diesem Krieg ein, der Zeit entsprechendes, wohlhabendes erfolgreiches Land gewesen. Nach dem Krieg glich es einer Wüste. Wie in alten geschichtlichen Überlieferungen berichtet wird, sind damals bis zu 70 % der Bevölkerung in diesem Krieg, an dessen Folgen und Seuchen umgekommen. Die Wenigen, die übrig blieben, fanden leer gebrannte Häuser und verwilderte Felder. Es gab kaum noch Nutztiere, und selbst die waren noch von Seuchen und umherziehenden Räuberbanden bedroht. In diesem Zustand ist auch unser Dorf gewesen; es waren nur wenige, die diese Zeit überlebten.
Nach alten mündlichen Überlieferungen, sollen in unserer Gemarkung vor dem dreißigjährigen Krieg noch zwei kleine Dörfer gelegen haben. Das eine Dorf, das den Namen Weiden hatte, lag zwischen dem Zollhaus und Linter, in der heutigen Weiderborngewann. Das andere Dorf mit dem Namen Klingen soll untig dem Klingerkopf im Mühlbachtal gewesen sein. Beide Dörfer sind, alten Erzählungen nach, im dreißigjährigen Krieg der Vernichtung und den Seuchen zum Opfer gefallen. Von letzterem sind bis jetzt keine Spuren aufgefunden worden, dagegen sind von dem Dorf Weiden noch ein gemauerter Brunnen und Mauerreste vorhanden.
Erwähnenswert sind auch die Revolutionskriege von 1792 - 1799. Es war das französische Revolutionsheer, das schon 1792 und 1795 über den Rhein bis Limburg vorgestoßen war, und erst in Bayern bei Amberg und Würzburg von den Österreichern unter Erzherzog Karl aufgefangen und zurückgeschlagen wurde.
Am 10. September 1796 war einer der aufregendsten Tage der Limburger Geschichte. Erzherzog Karl von Österreich hatte sich mit seinen Truppen am Mensfelder Kopf verschanzt und machte von da aus einen gewaltigen Angriff auf Limburg und Diez, indem er die Franzosen über die Lahnbrücken bzw. Lahnübergänge zurückwarf. Das war die große Schlacht um die Lahnübergänge. In einem Bericht vom 1. März 1796 heißt es; bei dem im vorigen Herbst erfolgten Rückzug der Kaiserlichen und bei dem Vorrücken der Franzosen, haben die Mensfelder Unterthanen einen großen Verlust an Pferden, Ochsen und Fuhrwerken, teils auf Vorspann, teils durch Plünderungen erlitten. Es waren 32 Bauern aus Mensfelden, denen man ihre Zugtiere und Wagen abnahm. Ihr Antrag auf Entschädigung bei ihren Landesherren fand nur wenig Gehör. Man wollte nur den Verlust anerkennen, wenn auf Befehl des Schultheißen Gespanne gestellt werden mussten. Plünderungen wurden nicht anerkannt.
Durch die jahrelangen Belagerungen und Abgaben kam unsere Heimat wieder in Not und Armut.
In den Befreiungskriegen 1812/13 wurde unser Dorf abermals durch Abgaben und Plünderungen von den Franzosen und Russen schwer heimgesucht. Als ich noch ein Schuljunge war, erzählte uns unser Hausvorgänger, Georg Hatzmann, dass sein Vater 1812/13 erlebte, wie die Russen beim Durchmarsch die bunten Scheiben des Gerichtssaales Mittelstraße 11 herausbrachen und mitnahmen.
Auch von einer unblutigen Revolution aus dem Jahre 1848 wird berichtet, wobei es zu einigen Aufständen in Berlin, Sachsen und Baden kam, die aber ohne große Verluste bald unterdrückt wurden.
Im April und Mai 1848 hat man alle deutschen Länder aufgerufen ihre Vertreter für die Frankfurter Nationalversammlung zu wählen. Bereits am 18. Mai kamen die neugewählten Vertreter des deutschen Volkes zu ihrer ersten Sitzung in der Frankfurter Paulskirche zusammen. Etwa 600 Abgeordnete versammelten sich in der Paulskirche in Frankfurt. Der Bundestag wurde für aufgelöst erklärt und eine Reichsverfassung beraten, nach der das geeinte Deutschland regiert werden sollte. Die Abgeordneten der Nationalversammlung setzte sich aus drei Parteien zusammen; eine demokratische Linke, Rechte und Mitte. Die Bürger des Herzogtums Nassau hatten sechs Abgeordnete gewählt, die als ihre Vertreter an der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche teilnahmen. Unter den sechs Abgeordneten war der aus Mensfelden stammende Karl Philipp Hehner, der zu dieser Zeit Regierungsrat in Wiesbaden war. Hehner gehörte den Liberalen (demokratischen Mitte) an.
Die von der Nationalversammlung beratene Reichsverfassung wurde von den meisten deutschen Staaten nicht angenommen. Die Nationalversammlung löste sich schließlich auf. Ihr Versuch eine Einigung Deutschlands herbeizuführen, war gescheitert.
Am Kriege 1866, als die Nassauer an der Seite Österreichs gegen Preußen standen, nahmen auch 9 Bürger aus Mensfelden teil. Lange Zeit lagen die nassauischen Truppen als Verbündete Österreichs bei Zorn und Langenschwalbach. Die hiesigen Einwohner brachten ihren Angehörigen Lebensmittel. Christian Schwenk aus der Schlimmstraße fiel bei Aschaffenburg. Weil es ein Bruderkrieg war, wurde sein Name später nicht mehr genannt.
Am Krieg 1870/71, Preußen gegen Frankreich, nahmen 22 Kriegsteilnehmer aus Mensfelden teil, außer Philipp Zollmann, sind alle heimgekehrt. Philipp Zollmann ist am 2. September 1870 in Dijon (Frankreich) an Typhus gestorben. Für ihn hatte man eine Gedenktafel in der Kirche befestigt.
Mensfelden im 1. Weltkrieg
✍ Autor(en): Markus Streb (2025)
Am 1. August 1914 brachte man ein Plakat an der Mensfelder Post an, auf dem zu lesen war, dass der 2. August der Tag der Mobilmachung sei. Das bedeutete, dass alle Soldaten in Bereitschaft versetzt werden sollten. Reservisten und Landsturmmänner aus Mensfelden hatten da schon ihre Befehle erhalten, bei welchen Truppenteilen / Einheiten sie sich zu melden hatten. Mensfelder Soldaten kämpften in den folgenden Jahren an zahlreichen Fronten, in Galizien genauso wie an der Westfront. Das Gefallenendenkmal auf dem Mensfelder Friedhof nennt für den 1. Weltkrieg 28 Gefallene beziehungsweise Vermisste. Von einigen unter ihnen soll im Weiteren noch die Rede sein.
Wir können davon ausgehen, dass auch in Mensfelden - zumindest anfänglich - die Kriegsbegeisterung sehr groß gewesen ist. Dies betraf besonders Jugendliche und junge Erwachsene. Am 10. Oktober 1914 ist im Limburger Anzeiger zu lesen, dass zur militärischen Vorbereitung der Jugend im Kreis Limburg, eine Einteilung des Kreises in 11 Kompanien vorgenommen wird. Die 9. Kompanie trug den Namen „Mensfelderkopf“ und bestand aus vier Zügen: 1. Zug: Mensfelden, 2. Zug: Heringen, 3. Zug: Neesbach, 4. Zug: Kirberg, Ohren. Sie unterstanden dem Ersatz-Landsturm-Infanterie-Bataillon Limburg und wurden auf den Fronteinsatz vorbereitet. Die Jugendlichen traten auch öffentlich mit Exerzierübungen in Erscheinung. So zum Beispiel am Sonntag, den 3. Januar 1915, wo sich die Jugendkompanien „Stadt Limburg“, „Elz“, „Mensfelder Kopf“ und „Reckenhorst“ auf dem Limburger Marktplatz trafen, zum Kriegerdenkmal am Neumarkt marschierten und dort einer kriegsbegeisterten Rede von Bischof Kilian zuhörten. Im Juni 1915 war außerdem die zweite Kompanie des Landsturm Ersatz Bataillons Limburg zu Gast in Mensfelden. Neben einem kleinen Umtrunk in der Gastwirtschaft Neubeck in der Unterstraße, spielten die Soldaten Musik, die die Mensfelderinnen und Mensfelder laut zeitgenössischen Berichten sehr erfreute.
Die lokalen Zeitungen, besonders der Limburger Anzeiger und der Nassauer Bote, informierten nicht nur über das allgemeine Kriegsgeschehen. Dort fanden sich immer wieder auch kurze Berichte über Einberufungen und Ordensverleihungen sowie Gefallenen- und Vermisstenmeldungen, die Mensfelder betrafen. Man erfuhr dort beispielsweise, dass dem aus Mensfelden stammenden Kirberger Lehrer und Leutnant der Reserve August Lieber, sowie dem Telefonisten Wilhelm Volk, das Eiserne Kreuz verliehen wurde. Auch Lehrer Helfrich kämpfte an der Front und erhielt nach seiner Beförderung zum Leutnant im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116 im Frühjahr 1915 das Eiserne Kreuz. Als weiterer Würdenträger ist auch Pfarrer Böckel als Vizefeldwebel in den Heeresdienst eingetreten.
Besonderes Interesse weckten die Meldungen von vermissten, verwundeten oder gefallenen Soldaten. So erfuhr man beispielsweise, dass Siegfried Besmann, einer der zahlreichen Mensfelder Juden, die auch an der Front kämpften, am 21. Juli 1916 verwundet wurde. Ende 1916 fiel der Lehrer Karl Reinhardt im Alter von 22 Jahren. Der Nassauer Bote vom 14. Dezember 1916 berichtet, dass er der zweite Sohn innerhalb eines halben Jahres war, der im Krieg zu Tode kam. (Abbildung: 1) Im Limburger Anzeiger vom 16. Mai 1917 ist zu lesen, dass der Musketier Karl Crecelius in einem Feldlazarett „den Heldentod fürs Vaterland“ gestorben ist. Nicht nur in den Familien und Freundeskreisen hinterließen die Gefallenen große Lücken und Trauer. Allein der Turn- und Sportverein 1894 e.V. verlor durch den Krieg 15 Mitglieder.
Die Gräber von vielen der Mensfelder Gefallenen befinden sich verstreut über die Kriegsschauplätze. Im Oktober 1918 befanden sich nur vier Gräber von Gefallenen auf dem Mensfelder Friedhof, wie der Limburger Anzeiger vom 24. Oktober 1918 berichtet. Lehrer Bernhardt hatte dafür gesorgt, dass für die Gefallenen eine eigene Anlage eingerichtet wird. Er selbst war im Laufe des Krieges an der Westfront gefallen. Sein Grab befand sich kurz nach seinem Tod bereits auf einem Territorium, das wieder von französischen Streitkräften kontrolliert wurde. Heute zeugen auf dem Friedhof in Mensfelden neben dem Gefallenendenkmal, nur wenige Gräber von dieser Zeit.
Zeitungsbericht: Traueranzeige für den Mensfelder Lehrer Karl Reinhardt, Limburger Anzeiger vom 11. November 1916
Kriegsalltag im Dorf
Kurz vor Beginn des 1. Weltkriegs lebten in Mensfelden knapp über 1050 Menschen. Während die Mehrzahl der erwachsenen Männer als Soldaten dienten, lebten in Mensfelden zur Zeit des Krieges, mit wenigen Ausnahmen, vor allem ältere Männer, Frauen und Kinder. Sie füllten die meisten Aufgaben aus, besonders die schwere Arbeit in der Landwirtschaft. Daneben unterstützten die Einwohnerinnen und Einwohner von Mensfelden auf unterschiedliche Weisen die Kriegsbemühungen. Den Lokalzeitungen von damals entnehmen wir, dass die Mensfelder und Mensfelderinnen Spenden an das Rote Kreuz oder für Weihnachtsgaben an die Soldaten sammelten. Gespendet wurden neben Geld auch Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Zucker oder Wurst sowie Gebrauchsgüter wie Zigaretten, Tabak, oder Bett- und Verbandszeug. Gespendet haben nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Organisationen wie der Sportverein. Bei Gottesdiensten oder in Kneipen wurden Sammeldosen aufgestellt. Auch der Israelitische Frauenverein Dauborn-Heringen, zu dem auch die Jüdinnen aus Mensfelden gehörten, spendete. Eine Meldung im Limburger Anzeiger vom 7. September 1914 unter dem Titel „Liebesgaben aus Mensfelden“ betont die besondere Rolle von Frauen: „für die Verwundeten in Limburg: Frau Müller 6 Täubchen, Frau A. Völker 2 Hähnchen, Frau Helfrich 3 Hähnchen, Frau Opel 2 Hähnchen, Frau Schumacher 3 Hähnchen, Frau Völker 3 Hähnchen, Frau Joh. Karl Schwenk II. Weintrauben.“ Im weiteren Kriegsverlauf gab es die Aktion „Gold geb ich für Eisen“, bei der vor allem Frauen dazu angehalten waren ihren Schmuck zu spenden. Im Gegenzug erhielten die Spenderinnen Eisenschmuck, der oft stolz zur Schau getragen wurde.
Einige Dinge gingen trotz allem ihren gewohnten Lauf. Im Mai 1915 beispielsweise fand die Wahl des Bürgermeisters statt. Nach bereits 28 Jahren im Amt war Philipp Wilhelm Deußer, Kriegsteilnehmer 1870/71, wiedergewählt worden. In vielerlei Hinsicht veränderte sich das Dorfleben aber natürlich stark. Das Vereinsleben kam zum Erliegen, was vor allem Sport und Musik betraf. Daneben prägten Notverordnungen den Alltag der Menschen. Es wurden beispielsweise Karten für Kleidung und Lebensmittel ausgegeben. Zusätzlich mussten Kupferkessel oder die besten Pferde abgegeben werden. Die beiden kleinen Glocken des Kirchturms wurden beschlagnahmt und eingeschmolzen. Die Notzeiten führten zu einer Verarmung der Bevölkerung.
Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit in Mensfelden und das Tagebuch von Alfred William Hall
Durch das Heranziehen von Kriegsgefangenen zur Zwangsarbeit sollte die deutsche Bevölkerung, so auch in Mensfelden, entlastet werden. Die Kriegsgefangenen wurden vor allem bei Bauernfamilien und bei Gewerbebetrieben eingesetzt. Die britischen und kanadischen Kriegsgefangenen waren in der Turnhalle in der Remmeltstraße 20 untergebracht. Die französischen Kriegsgefangenen hatte man im Gasthaus Klapper in der damaligen Mittelstraße (heute bekannt als ehemalige Gaststätte „Tiroler Hof“) einquartiert. Wie viele Kriegsgefangene in Mensfelden insgesamt eingesetzt waren, lässt sich aktuell nicht ermitteln. Es dürften aber zumeist mehrere Dutzende gewesen sein.
Alfred William Hall, einer der in Mensfelden zur Zwangsarbeit eingesetzten britischen Kriegsgefangenen, hat umfangreiche Aufzeichnungen aus dieser Zeit hinterlassen. Im Folgenden sollen einige Passagen aus dem 2002 erschienen Buch In Enemy Hands: A British Territorial Soldier in Germany 1915 - 1919 wiedergegeben werden, in dem Halls Erlebnisse in deutscher Kriegsgefangenschaft dokumentiert sind. Darin finden sich auch mehr als 20 Fotografien aus dieser Zeit. Für die Recherchen zu dem Buch bereiste sein Sohn Anfang der 2000er Jahre auch Mensfelden.
Alfred William Hall wurde am 2. Februar 1891 geboren. Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs war er also 23 Jahre alt. Er trat im September 1914 in das 12. Bataillon des London Regiment ein, auch bekannt als „The Rangers“. Mit ihnen kämpfte er ab Februar 1915 gegen die Deutschen. Anfang Mai 1915 geriet er schließlich bei der Schlacht um Frezenberg in Gefangenschaft.
Nach einer kurzen Zeit im Kriegsgefangenenlager in Gießen, kam Hall schließlich im August 1915 zusammen mit einigen Männern des englischen Suffolk Regiments nach Mensfelden, um dort in der Landwirtschaft zu arbeiten. Die britischen Kriegsgefangenen, zusammengefasst als Kommando, hatten ihre Unterkunft in der Turnhalle in der Remmeltstraße. Er arbeitete in der Landwirtschaft bei einer Familie Lieber. (Abbildung: 2)
Hall war zunächst überfordert von der neuen Situation in einem fremden Land, über das er wenig wusste. Zudem machte ihm die schwere körperliche Arbeit zu schaffen, die er kaum gewohnt war. In seinem Tagebuch geht es viel um den Arbeitsalltag, das Miteinander der Kriegsgefangenen oder das Auskommen mit den Deutschen. Ein etwas längeres Zitat soll einen ersten Einblick in die Situation der Kriegsgefangenen in Mensfelden geben. Am 27. Mai 1916 schreibt Hall: „Es ist eine Weile her seit ich etwas in dieses sogenannte Tagebuch geschrieben habe, da ich sehr beschäftigt bin mit Arbeit von 6 Uhr 30 bis 21 Uhr und dabei vom frühen Morgen bis späten Abend nur kurze Pausen für Mahlzeiten. 15-20 Minuten Frühstück, 20-30 Minuten Mittagessen und 15-20 Minuten Kaffeepause am Nachmittag. Natürlich muss ich mich daran erinnern, dass ich Kriegsgefangener bin und diese Leute mit mir machen können was sie wollen. ABER Alfred ist nicht von gestern. Genug gesagt. […] Es werden immer weniger Engländer in Mensfelden. Letzten August waren hier 42. Gerade ist die Anzahl 14, und über 40 Franzosen. Wir hatten zuletzt sehr heißes Wetter und man merkt es besonders im Feld beim Pflügen, Eggen, Heumachen und Säen. Unentwegt laufen, laufen. Disteln ausreißen ist eine öde Arbeit. Ich muss sagen mir geht es sehr gut, aber der Himmel weiß wie wir Kriegsgefangenen aussehen würden, wenn keine Päckchen aus England kämen. Dennoch glaube ich wir können uns glücklich schätzen auf einem Bauernhof zu arbeiten. Niemand kann 6 Monate in einem Lager leben ohne Päckchen von zuhause und ich weigere mich woanders zu arbeiten als es in der Haager Konvention beschlossen wurde1. Der Zustand dieses Landes ist furchtbar, ich kann mir nicht vorstellen wie der ärmere Teil der Bevölkerung in den Städten existieren kann. Es mangelt an allem. […].“ 2
Hall spricht hier die Postsendungen an, die viele der Kriegsgefangenen regelmäßig von ihren Familien, dem Roten Kreuz oder ihnen unbekannten Personen erhielten. Besonders wichtig war dabei der Erhalt zusätzlicher Lebensmittel, denn die Kriegsgefangenen litten neben der deutschen Bevölkerung unter der schlechten Versorgungslage. Die Pakete enthielten oft auch persönliche Briefe, Fotos, zusätzliche Kleidung oder nützliche Alltagsgegenstände.
Hall konnte den Vorstand „seiner“ Mensfelder Familie nicht ausstehen. Im Tagebuch nennt er ihn immer nur „Herr Lieber“. Im September 1915 beispielsweise wurden die beiden beim Lesen der Kartoffel von Starkregen überrascht. Sie suchten Schutz hinter einem der Kartoffelsäcke, bis Hall diesen umwarf. Lieber brach daraufhin in wildes Fluchen aus. Auch als Hall sich im Oktober 1915 weigerte sonntags zu arbeiten, dem einzigen freien Tag, der den Kriegsgefangenen zustand, hatten die beiden eine fürchterliche Auseinandersetzung, wie Hall schreibt. Sie schrien sich an und Lieber drohte damit ihn zurück ins Lager nach Gießen zu schicken. Hall entgegnete, dass es ihm ohnehin egal sei, wo genau er sich in diesem höllischen Land befand. Erst als Frau Lieber ihn eine Woche später anflehte, arbeitete Hall doch an einem Sonntag. Aufschlussreich sind Ausführungen Halls über den „geehrten Arbeitgeber und seine Familie“ vom 17. November 1915: „Herr Lieber ist ein Mann von 55 Jahren. Nicht groß, aber bemerkenswert stark für sein Alter und seine Größe. Sein einziger Gott ist Geld. Um daran zu gelangen, angesichts der verwendeten primitiven Methoden, ist schwere Arbeit nötig, teuflisch schwere Arbeit. Ihm macht es aber nichts aus, er weidet sich an Arbeit und Dreck, vor allem an letzterem. Ich habe nie einen schmutzigeren Schlag Menschen gesehen als die Deutschen. Frau Lieber und Tochter sind genauso schlimm.“
Nicht nur über „Herr Lieber“ und seine Familie hatte Hall wenig Gutes zu berichten. Der Kommandoführer des Wachkommandos in Mensfelden war der Gefreite August Zollmann. Dieser war Angehöriger der zweiten Kompanie des Landsturmbattaillons XVIII/28. Von Hall erhielt er den abfälligen Spitznamen „Brickdust“ (etwa „Ziegelmehl“). Er war berüchtigt für die Gewalt, die er gegen die Kriegsgefangenen ausübte. Hall schreibt über die Zeit nach dem Krieg und seine Bestrafungsphantasien Zollmann gegenüber: „Oh, es werden einige Rechnungen beglichen, wenn der Krieg vorbei ist. Brickdust, das Ding, das als Mann durch die Straßen patroulliert und versucht unsere Seelen zu brechen.“
Dass die gefangenen Soldaten mit ihrer Situation unzufrieden waren, konnte sich neben solchen Phantasien auf verschiedene andere Art bemerkbar machen. Am 24. September 1915 ist der kanadische Kriegsgefangene George Holland aus dem Arbeitskommando in Mensfelden geflohen. Laut einer Meldung im Frankfurter Nachrichten und Intelligenz-Blatt war Holland zu diesem Zeitpunkt 28 Jahre alt. Bei der Flucht trug er eine graue Zivilhose mit breiten roten Streifen, eine englische Uniformjacke und Schirmmütze. Holland wurde am zweiten Tag seiner Flucht aufgegriffen. H.J. Clarke, ein anderer Kriegsgefangener und ebenfalls Tagebuchschreiber in Mensfelden, kommentiert dazu abfällig: „Holland von den Kanadiern hat sich zum Gespött gemacht, in den etwa 40 Stunden bevor er gefasst wurde, hat er es geschafft etwa vier Kilometer zurückzulegen als er im nächsten Dorf Oberneisen gefunden wurde.“ Im Frühjahr 1917 gab es eine weitere Flucht von drei Kriegsgefangenen aus Mensfelden. Hall hatte sie bei der Vorbereitung auf die Flucht unterstützt.
Neben den Fluchtversuchen kamen vor allem kleinere Formen von Regelbrüchen immer wieder vor. So etwa im Januar 1917, als eine Gruppe Kriegsgefangener Schlitten stahl und einen ganzen Nachmittag damit durch den Schnee tobte. Neben solchen Ausnahmesituationen gab es immer wieder Theater- und Musikaufführungen der Kriegsgefangenen. Nicht selten entwickelten die Franzosen und Engländer dabei gemeinsame Programme.
All diese Aktivitäten waren zwar willkommene Ablenkungen, konnten aber nicht über die frustrierende Situation hinwegtäuschen, dass die Kriegsgefangenen durch ihre Zwangsarbeit den Feind unterstützten. Hall war zunehmend frustriert und der Streit mit „Herr Lieber“ eskalierte im Sommer 1917. Es kam zu einer Auseinandersetzung, nach der Lieber Hall beschuldigte, dass er ihn geschlagen habe. Hall musste zunächst für mehrere Tage in Mensfelden in eine Strafzelle. Anschließend kam er zurück in das Kriegsgefangenenlager in Gießen von wo aus er in ein Strafkommando geschickt wurde. Er leistete schwere Zwangsarbeit im Kohleabbau. Eine Anhörung Halls fand erst statt, als er bereits mehrere Monate lang seine Strafe verbüßt hatte.
Am 12. Mai 1918 kommt Hall wieder nach Mensfelden. Über diesen zweiten Aufenthalt lässt sich wenig sagen. Die Beziehung zu Lieber dürften nicht besser geworden sein, nach allem was passiert ist. Es entwickelte sich in dieser Zeit aber eine Freundschaft zu Bertha Hehner/„Tante Bertha“ und ihrer Patentochter Minna/Wilhelmine Schwenk, mit denen Hall auch nach dem Krieg noch Briefe schrieb.
Das Kriegsende wurde für einige der Kriegsgefangenen in Mensfelden noch einmal dramatisch. Anfang November 1918, nur wenige Tage vor der Unterzeichnung des Waffenstillstands, starb einer der in Lichfield geborene Charles Kelly in Mensfelden. Er war im Alter von 31 Jahren der Spanischen Grippe erlegen. Laut den Tagebucheinträgen von H.J. Clarke, Mitglied des Suffolk Regiment, war Kelly bereits seit 1914 Kriegsgefangener. Seine letzte Nacht soll besonders schlimm gewesen sein. Er referierte im Fieber britische Geschichte, sang vor sich hin und betete schließlich, bevor er starb. Ein Arzt war erst viel zu spät zur Stelle. Auch in einem der Nachbarorte sollen ein russischer und ein französischer Kriegsgefangener gestorben sein. In Mensfelden errichteten die anderen Kriegsgefangenen einen Grabstein für Kelly, der sich nicht erhalten hat. (Abbildung: 3) Seine Gebeine wurden später auf den britischen Militärfriedhof bei Niederzwehren verlegt. So war Kelly wohl einer der letzten Toten, die in Mensfelden in Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg zu beklagen war. Doch die Kriegsjahre sollten noch vielseitige Auswirkungen haben.
Auswirkungen des Krieges
Verstümmelungen, Verwundungen, Traumata, verlorene Familienmitglieder und Armut sind die offensichtlichsten Folgen des Krieges für die Zeit danach. Die Zurückgekehrten waren oft traumatisiert und/oder hatten mit körperlichen Folgen des Krieges zu kämpfen. Kriegsversehrte prägten den Alltag, wie sich viele Mensfelder noch Jahrzehnte später erinnerten.
Auch nach dem Krieg gab es eine Spendenbereitschaft für Soldaten, so zum Beispiel zu Beginn des Jahres 1920 für das Durchgangslager Limburg. Anfang Februar 1920 wurde im Gasthaus Klapper ein Wohltätigkeitsfest statt, „zum Besten der Hinterbliebenen der Gefallenen und der Angehörigen der Kriegsgefangenen“, wie es im Limburger Anzeiger vom 6. Februar 1920 heißt. Die Veranstaltung war ein „Bunter Abend“ mit vielseitigem Programm. Auch auf andere Weise wurde den Gefallenen gedacht: Wie der Limburger Anzeiger vom 13.Oktober 1920 berichtet, enthüllte der Turnverein eine Gedenktafel in der Turnhalle.
Mensfelden im 2. Weltkrieg
✍ Autor(en): Markus Streb (2025), David Diefenbach (2025)
Limburg nach dem 1. Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg hatte auch in Limburg und der umliegenden Region sichtbare Spuren hinterlassen. Bereits während des Krieges entstand zwischen Limburg und Dietkirchen ein großes Kriegsgefangenenlager, in dem zeitweise bis zu 12.000 Gefangene untergebracht waren. Noch heute erinnert eine Kriegsgräberstätte an der Verbindungsstraße an dieses Lager.
Nach dem Krieg kam es zu einer besonderen Situation: Durch die französische und amerikanische Besetzung entstand zwischen den Brückenköpfen Koblenz und Mainz ein Gebiet, das von den Alliierten nicht kontrolliert wurde. Dieser schmale Streifen umfasste mehrere Gemeinden im Taunus und im Westerwald und erhielt später den Namen „Freistaat Flaschenhals“. Da Limburg die nächstgelegene unbesetzte Stadt war, wurde es zur zentralen Versorgungsstelle für diese Dörfer. Lebensmittel, Waren und sogar Post mussten über Limburg beschafft und weitergeleitet werden. Schmuggel und improvisierte Handelswege gehörten zum Alltag, und die wirtschaftliche Not in der Region wurde durch diese Umstände noch verschärft.
Die politische Lage blieb unruhig. Ab Mai 1923 besetzten französische Truppen schließlich auch Limburg, und Bürgermeister Marcus Krüsmann wurde verhaftet und interniert, ehe er 1924 in sein Amt zurückkehren konnte. Erst mit dem Ende der Besatzung begann ab Mitte der 1920er-Jahre eine Phase der wirtschaftlichen Stabilisierung und Bautätigkeit, die auch das Umland erfasste.
Die Weltwirtschaftskrise von 1929 brachte auch für die Region Limburg erhebliche Belastungen mit sich. Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Unsicherheit und politische Orientierungslosigkeit prägten den Alltag. In dieser Situation gewann die NSDAP zunehmend an Einfluss; bereits 1928 war in Limburg eine Ortsgruppe gegründet worden. Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 setzte sich die nationalsozialistische Herrschaft rasch durch. Am 7. März 1933 wurde am Limburger Rathaus die Hakenkreuzflagge gehisst, und Bürgermeister Marcus Krüsmann sah sich öffentlich gedrängt,den Hitlergruß zu leisten.
Aufstieg des Nationalsozialismus
Eine systematische Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus in Mensfelden hat bisher noch nicht stattgefunden. Dies liegt zum einen daran, dass es sich um ein unbequemes, oft scham- oder schuldbehaftetes oder verklärtes Thema handelt, über das von Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wie auch von deren Nachkommen nicht gern gesprochen wird. Neben historisch sicher Richtigem kursieren Mythen und Ungereimtheiten. Zum anderen ist die Quellenlage oft lückenhaft. Außerdem hat sich bisher noch niemand gefunden, der sich des Themas umfassend annimmt. Auch alte Dorfchronik blieb hier sehr oberflächlich und teils irreführend. Wir möchten an dieser Stelle einen ersten, knappen und bruchstückhaften Überblick geben und hoffen, dass infolge unseres Beitrags zukünftig eine intensivere Auseinandersetzung und Forschung stattfindet. 1
NSDAP-Organisationen und Aktivitäten
Bereits vor der Machtübertragung auf die NSDAP im Januar 1933 gab es Aktivitäten der Partei in Mensfelden. Am 10. September 1930 um 21 Uhr fand im Saal des Gasthauses Klapper in Mensfelden die erste Veranstaltung der NSDAP statt. Es kamen 250-300 Teilnehmer. Knapp einen Monat später hielt der Mensfelder Albert Schumann vor mehr als 150 Personen im Gasthaus Klapper einen Vortrag für die NSDAP, in dem er auch gegen Juden und Jüdinnen hetzte. Es folgten weitere Veranstaltungen der NSDAP im Gasthaus Klapper, aber auch in den umliegenden Dörfern und Limburg, die von Mensfelderinnen und Mensfeldern besucht wurden – die Teilnahme erfolgte sicher oft auch aus Neugierde und Interesse und nicht bei allen aus voller Überzeugung.
Besonders auffällig sind die Wahlergebnisse der frühen 1930er Jahre, die eine überdurchschnittlich hohe Unterstützung der NSDAP zeigen. Im September 1930 stimmten 20,4% der Wahlberechtigten in Mensfelden für die NSDAP. Am 31. Juli 1932 waren es bereits 70,7% und im November 1932 sogar 76,8%, also mehr als das Doppelte des reichsweiten Ergebnisses, das bei 33,1% lag. Bei den beiden Wahlen zum Reichspräsidenten 1932 erhielt Adolf Hitler 54,3% und 77,2%. Viele der knapp 950 Einwohnerinnen und Einwohner dürften also die Machtübertragung auf die NSDAP Ende Januar 1933 begrüßt haben. Der Nationalsozialismus, seine Symbole und Uniformen gehörten von nun an zum Alltag im Dorf. Für Mensfelden, wie für die meisten Ortschaften im Reichsgebiet auch, existieren zahlreiche Abbildungen, die mit NS-Symbolen wie Hakenkreuzfahnen geschmückte Straßenzüge oder Häuser zeigen. Eines dieser Bilder aus dem Jahr 1934 zeigt ein Haus, das sich gegenüber des jüdischen Betraums an der Ecke Fahlerstraße/Laißstraße (heute Sonntagsstraße) befand. Dieses Haus ist mir schwarz-weiß-roter Fahne, Hakenkreuzwimpeln und einem Hakenkreuz Kranz geschmückt.2 Das Haus eines anderen besonders begeisterten NSDAP-Anhängers war im Dorf als „braunes Haus“ bekannt.
Überliefert sind außerdem zahlreiche Bilder mit Kindern in Uniformen von Jungvolk, Hitlerjugend (HJ) und Bund Deutscher Mädel (BDM) darunter auch solche, auf denen Kinder den Hitlergruß zeigen. In Fotoalben und teilweise auch gerahmt in manchem Wohnzimmer finden sich auch heute noch Bilder der Vorfahren in Wehrmachts- oder Waffen-SS Uniformen, oder verschiedener anderer nationalsozialistischer Organisationen, wie dem Reichsarbeitsdienst oder der NS-Frauenschaft. Auch in Mensfelden gab es eine Ortsgruppe der NSDAP, deren Leiter Adolf Crecelius war. Daneben gab es Mitglieder von SA und SS. Genaue Zahlen liegen allerdings keine vor. Mitglieder dieser Gruppierungen griffen immer wieder in Alltag ein, mit Propaganda, Denunziationen, abschätzigen Kommentaren und Ähnlichem. Besonders die jüdische Bevölkerung war hiervon betroffen: Ab 1933 kam es zu mehreren Denunziationen sowie Angriffen auf die jüdischen Einwohnerinnen und Einwohner oder deren Häuser. Unter den aktenkundig gewordenen Tätern waren vor allem Mitglieder der SA. Auch im Rahmen der Novemberpogrome im Jahr 1938, der so genannten „Reichskristallnacht“, kam es in Mensfelden zu judenfeindlichen Ausschreitungen durch Mensfelderinnen und Mensfelder und auswärtige Mitglieder von Organisationen der Nazis. Im Laufe der 1930er Jahre gelang einigen Jüdinnen und Juden die Flucht ins Ausland oder in nahegelegene größere Städte, vor allem nach Mainz und Frankfurt. Bis zum Jahresende 1939 waren alle jüdischen Familien aus Mensfelden geflohen. Für alle, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht ins Ausland entkommen waren, endete der Nationalsozialismus tödlich. Sie wurden entweder in Ghettos oder Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt, starben an den Folgen der Verfolgung oder nahmen sich selbst das Leben. 2
Mindestens ein halbes Dutzend Mensfelder Bürgerinnen und Bürger wurden in den 1930er Jahren durch Beschlüsse eines sogenannten „Erbgesundheitsgerichts“ zwangssterilisiert. Die Unfruchtbarmachung erfolgte in den meisten bekannten Fällen in Diez oder Kirberg. Weitere Forschungen hierzu stehen noch aus, ebenso wie zu der Frage, wie viele Mensfelder oder Mensfelderinnen Opfer der sogenannten NS-Euthanasie waren und in Tötungsanstalten wie der in Hadamar ermordet wurden. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erinnerten sich auf jeden Fall daran, dass man wusste oder mindestens vermutete, was in Hadamar passierte. Vom Mensfelder Kopf aus konnte auch der rauchende Schornstein der Tötungsanstalt gesehen werden.
Selbstverständlich waren nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner in Mensfelden gleichermaßen überzeugt vom Nationalsozialismus. Die Motive und die Einstellungen konnten sich auch im Laufe der Zeit verändern. Letztlich muss man jede Person einzeln betrachten, um zu einem differenzierten Urteil kommen zu können. Es lässt sich aber festhalten, dass in Mensfelden über lange Zeit hinweg eine Begeisterung für den Nationalsozialismus vorherrschte.
Im Dorf gab es aber auch Menschen, neben den jüdischen Bewohnern und Bewohnerinnen, die nicht mit dem Nationalsozialismus oder einzelnen Aspekten und Personen einverstanden waren. Der 1875 geborene Maurermeister Johann Georg Nilges II wurde beispielsweise zu einem dreimonatigenn Gefängnisaufenthalt verurteilt, weil er sich im Frühjahr 1934 in der Gastwirtschaft Karl Faust („Fauste“) abfällig über die Ehefrauen von Hermann Göring und Joseph Goebels geäußert hatte. Gegen ihn hatten einige „alter Kämpfer“, also Mensfelder Nazis der ersten Stunde, ausgesagt.
Segelflugschule der Hitlerjugend / Flugplatz Blumenrod
Eine Besonderheit in Mensfelden war die Präsenz einer Segelflugschule der Hitlerjugend zur vormilitärischen Ausbildung auf dem Mensfelder Kopf. Im Jahr 1937/38 wurde auf Antrag der Gruppe 11 des Nationalsozialistischen Flieger Korps (NSFK) eine Flugzeughalle erbaut. Die Segelflieger schliefen zunächst in einer Baracke auf dem Mensfelder Kopf. Später wurde am Ortsrand eine eigene Halle zur Unterbringung gebaut. Diese Halle diente nach dem Krieg als erste Unterkunft für die Heimatvertriebenen. 3 Die Versorgung der Segelflieger fand auf dem Mensfelder Kopf oder im Gasthaus Faust statt. Auch Absolventen der im nahegelegenen Diez befindlichen Nationalpolitischen Erziehungsanstalt nutzten die Ausbildung auf dem Mensfelder Kopf. Sie kamen etwa für einwöchige oder wöchentlich stattfindende Segelflugkurse, die beispielsweise unter Anleitung des NSFK-Sturmführers Franz Neumann, oder kurz vor Kriegsende bei Obertruppführer Urbahn, Unteroffizier Wollbrandt oder Unteroffizier Dornbusch stattfanden. Harald Schäfer, ein Napola-Schüler4 in Diez-Oranienstein, schrieb zur Ausbildung auf dem „Meko“ Anfang 1945, also kurz vor Kriegsende: „In all diesem Trubel ist es eine geradezu unverantwortliche Farce, daß ein Teil von uns im Januar und Februar 1945 in schneeweißen Schulgleitern mit knalligen Hakenkreuzemblemen seine Segelflugausbildung auf dem nahegelegenen Mensfelder Kopf bei Limburg beginnt. Mißmutige, ordensdekorierte Flieger der Luftwaffe sind die Ausbilder, ihre wenigen, veralteten Maschinen stehen getarnt im nahen Wald.“ Zu diesen Flugzeugen zählten beispielsweise drei Fieseler Fi 156 „Storch“ und eine Messerschmitt Bf 108 „Taifun“.
Vor allem aber diente der Mensfelder Kopf als Ausbildungsstätte für Mitglieder der Flieger-HJ. Dazu zählte beispielsweise der damals 15-jährige Werner Loew aus Limburg, der 1942 auf den Mensfelder Kopf kam. In seinen Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus beschreibt er seine Ausbildung, die vor allem an den Schulgleitern „SG 38“ stattfand. Anfangs kam er nur wochenends auf den Mensfelder Kopf. Nach einem längeren Einsatz als Luftwaffenhelfer kam er 1944 wieder. Er erinnerte sich: „In Mensfelden gab es jetzt eine Baracke für Freizeit, Essen und Schlafen und eine Halle für sechs Schulgleiter […].“ Für Werner Loew, wie für viele andere, war der Mensfelder Kopf eine von vielen Stationen auf dem Weg zum Piloten. 5
Insgesamt wurden mindestens 700 Teilnehmer auf dem Mensfelder Kopf ausgebildet, das geht aus einem Flug- und Lagerbuch der Segelflugschule hervor. Die Seiten enthalten eine heterogene Mischung aus formalen, tabellarischen Teilnehmerlisten, offiziellen Berichten über Rekordflüge, persönlichen Gedichten und Liedern, humorvollen Anekdoten und Zeichnungen sowie ideologisch gefärbten Kommentaren und Parolen. Die Teilnehmer stammten überwiegend aus der näheren und weiteren Umgebung des Mensfelder Kopfes. Städte wie Limburg, Rüsselsheim, Frankfurt am Main, Wiesbaden und Offenbach sind stark vertreten. Teilweise gab es hier Lehrgänge die ausschließlich für Mitglieder der Napola Oranienstein gehalten wurden.
Neben dem Segelflugbetrieb befanden sich auch Stellungen mit Flugabwehrkanonen (Flak) auf dem Mensfelder Kopf. In diesem Zusammenhang ist auch interessant zu erwähnen, dass sich bis Kriegsende ein Fliegerhorst der Luftwaffe nahe des Mensfelder Kopfs in Richtung Linter und Blumenrod befand. Dieser war eine beliebte Attraktion, besonders bei den Mensfelder Kindern. Im Jahr 1936 war ins Feld zwischen Mensfelden, Linter und Blumenrod zunächst der Limburger Hilfslandeplatz verlegt worden. Noch vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde dieser ausgebaut. Spätestens ab November 1939 erfolgte die Stationierung von Flugzeugstaffeln. Vor allem ab Herbst 1944 wurde der Flugplatz von zahlreichen unterschiedlichen Einheiten belegt. Neben Aufklärungsflugzeugen waren Jagd- und besonders auch Nachtjagdflugzeuge stationiert. Im Herbst 1944 wurde außerdem ein Rollweg zum Segelfluggelände am Mensfelder Kopf gebaut. Im Rahmen des geheimen „Silberprogramms“ wurde in dieser Zeit auch eine 1.700m lange und 50m breite Start- und Landebahn gebaut, die den Start der ersten in Serie gebauten Düsenflugzeuge wie der Messerschmitt Me 262 ermöglichen sollten. Zu einer entsprechenden Nutzung kam es jedoch nie. Nach Ende der Kampfhandlungen um Limburg Ende März 1945 wurde der Flugplatz noch kurzzeitig von amerikanischen Truppen genutzt. Bereits am 17. Mai 1945 wurde er aber wieder freigegeben und das Gelände stand wieder für die Landwirtschaft zur Verfügung.
Zweiter Weltkrieg
Im Laufe des Zweiten Weltkrieges, der mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann, kämpften Einwohnerinnen und Einwohner aus Mensfelden als Soldaten an allen Kriegsschauplätzen oder unterstützen den Kriegsverlauf beispielsweise als Krankenschwestern. Dabei erlebten und sahen sie unfassbares Leid und waren für das Leid anderer verantwortlich. Auch hier lassen sich nur schwer pauschale Aussagen treffen. Erzählungen und Fotos, die noch heute in Familienbesitz sind, zeigen uns aber, dass beispielsweise die rassistische Politik insbesondere Kriegsverbrechen gegen die (jüdische) Bevölkerung Polens und der Sowjetunion bekannt waren und unter den Soldaten sowie zuhause in Mensfelden kommuniziert wurden.
Erfahrungsberichte und Dokumente, die mit dem Kriegseinsatz zu tun haben, wurden bisher noch nicht gesammelt oder ausgewertet. Der Krieg führte neben der Verwundung vieler Soldaten, aber auch Zivilisten und Zivilistinnen, zu traumatischen Erfahrungen, die oft nicht oder kaum aufgearbeitet wurden. Zahlreiche Mensfelder fielen im Krieg oder gelten als vermisst. Das am 23. Februar 1953 errichtete Gefallenendenkmal auf dem Mensfelder Friedhof nennt die Namen von 58 Gefallenen beziehungsweise Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg. 6
Während des Krieges war das Leben im Dorf von Entbehrungen, Rationierungen und zusätzlichen Belastungen geprägt. Walter Schwenk schreibt in der alten Dorfchronik: „Bevor 1940 der Krieg mit Frankreich begann, müssten die Grenzbewohner des Saargebietes ihre Heimat verlassen. Etwa Mitte September wurden 10 Familien mit Pferd und Wagen aus Fellerich (Kreis Saarburg) nach Mensfelden umquartiert.“ Der Alltag im Dorf veränderte sich, allein durch die Abwesenheit vieler Männer. Eine gewisse Normalität wurde jedoch versucht aufrechtzuerhalten. Ämter, wie das des Bürgermeisters oder des NSDAP-Ortsgruppenleiters, blieben besetzt.
Besonders Nachrichten über Einberufungen, Verwundungen oder Vermisst- und Todesmeldungen von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten gehörten zum Alltag. Die anfängliche Begeisterung für den Krieg dürfte bei vielen mit den Wintern 1941/42 und 1942/43, insbesondere aufgrund der Verluste an der Ostfront, auch in Mensfelden zurückgegangen.
Das Vereinsleben war beeinträchtigt, da unter den Gefallenen 43 Mitglieder des Turn- und Sportvereins waren. Außerdem wurden wie auch im Ersten Weltkrieg in der Turnhalle Kriegsgefangene untergebracht. Während des Zweiten Weltkriegs kamen nun auch zivile Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen dazu.
Evakuierungen aus Fellering nach Mensfelden
Im September 1939, kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, mussten die rund 300 Einwohner des im Elsass gelegenen Dorfes Fellering ihre Heimat verlassen.7 Sie wurden gezwungen, ihr gesamtes Dorf zu räumen und in verschiedene Regionen des Deutschen Reiches verteilt. Ein Teil der Bevölkerung kam in den Limburger Raum. In Mensfelden fanden mehrere Familien für einige Monate Unterkunft.
Während die Jüngeren und Familien in der Region blieben und dort untergebracht wurden, fuhren die älteren Bewohner mit dem Zug weiter nach Schwerin. In Mensfelden lebten die Evakuierten bis April 1940. Das Dorf nahm sie auf und bot trotz eigener Einschränkungen in der Kriegszeit Wohnraum und Unterstützung. Viele der Felleringer halfen während ihres Aufenthaltes in der Landwirtschaft mit.
Im August 1962 kehrten 25 ehemalige Felleringer nach Mensfelden zurück und besuchten das Dorf, das ihnen in den ersten Monaten des Krieges Zuflucht geboten hatte.
Zwangsarbeiterinnen & Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene
In Mensfelden spielen vor allem die Erinnerungen an französische Kriegsgefangene, die als Zwangsarbeiter im Dorf waren, eine Rolle. Viele von ihnen waren in der Landwirtschaft eingesetzt. Sie halfen aber auch bei der Beseitigung von Schlammmassen, die nach starken Regenfällen die Schlimmstraße hinuntergespült wurden. Die Kriegsgefangenen unterstanden vermutlich dem Kriegsgefangenenlager Stalag XIIa zwischen Limburg und Diez, waren aber zumeist in der Mensfelder Turnhalle untergebracht.
Aus Unterlagen in den Arolsen Archives geht hervor, dass vor allem 1944 und 1945 zahlreiche Menschen aus Polen und der damaligen Sowjetunion in Mensfelden Zwangsarbeit leisteten. Die meisten von ihnen dürften zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gewesen sein, die ihrer Heimat von Kommandos der Wehrmacht aufgegriffen und zur Zwangsarbeit verschleppt worden waren. Ihr Arbeitseinsatz wurde vermutlich über das Arbeitsamt in Limburg organisiert. In nach dem Krieg von Bürgermeister Schwenk für den Suchdienst des Internationalen Roten Kreuzes aufgestellten Listen, finden sich unter anderem die Namen von sieben Polen und 13 Polinnen, sieben Russen und vier Russinnen (diese konnten u.a. auch aus der Ukraine oder Weißrussland kommen) sowie vier Personen aus Lettland und jeweils eine aus Rumänien und Jugoslawien. Mindestens ein ziviler Zwangsarbeiter kam während seiner Zeit in Mensfelden ums Leben: Peter Krachtus, der im November 1941 einen Dreschmaschinenunfall hatte.
Die Stellung der sogenannten „Ostarbeiter“ war schlecht. Sie hatten weniger Rechte als beispielsweise Personen aus Frankreich und waren auf besondere Weise der rassistischen Diskriminierung ausgesetzt. Dies dürfte einer der Gründe sein, weshalb sie in der Mensfelder Erinnerung weniger präsent gehalten wurden als die französischen Kriegsgefangenen. Hinzu kommt, dass zahlreiche Mensfelder Familien auch nach dem Ende des Krieges, teilweise über Jahrzehnte, Kontakt zu „ihren“ ehemaligen französischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern hatten. Man tauschte Briefe und Fotos, aber auch wechselseitige Besuche fanden statt. Dies deutet darauf hin, dass man auch während des Krieges miteinander auskam. Es konnte schon ein Akt der Solidarität sein, wenn die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gemeinsam mit der Familie am Tisch essen durften. Ein solches Verhalten konnte nämlich, wie beispielsweise im nahegelegenen Dauborn im Jahr 1940 geschehen, auch zu Denunziationen führen. Die Mensfelderin Johanna S. wurde 1944 zu 1,5 Jahren Haft verurteilt, da sie mit einem französischen Kriegsgefangenen Geschlechtsverkehr gehabt haben soll. Über das Strafmaß, das den französischen Kriegsgefangenen traf, liegen derzeit keine Informationen vor.
Foto: Besuch des ehemaligen Zwangsarbeiters „Jean“ in Mensfelden, 1961]Foto: Besuch des ehemaligen Zwangsarbeiters „Jean“ in Mensfelden, 1961, hintere Reihe v.l.: unbekannte Frau, Elisabeth Schumacher, Lieselotte Hasselbach, „Jean“ mit Frau und Tochter, vordere Reihe v.l.: Gerd und Ulrike Hasselbach
Auch hier lassen sich einseitige Pauschalisierungen jedoch kaum vornehmen. Es kam mit aller Wahrscheinlichkeit sowohl zu freundschaftlichem und solidarischem Verhalten wie auch zu abschätziger Behandlung, Diskriminierung und Misshandlungen.
Kriegsende und Nachwirkungen des Krieges
Der Zweite Weltkrieg war in Mensfelden am 27./28. März 1945 vorbei. Es gibt die Geschichte, dass durch das Hissen einer weißen Flagge am Kirchturm amerikanische Truppen davon abgehalten wurden, das Dorf anzugreifen. Im Dorf verteilt waren wenige versprengte Gruppen von Wehrmachtssoldaten, die sich den Erinnerungen von Zeitzeuginnen zufolge entweder ergaben oder für weitere Kämpfe Richtung Frankfurt absetzten. Im Ort selbst scheint es zu keinen Kampfhandlungen gekommen zu sein. Ganz in der Nähe jedoch befanden sich Einheiten der 6. SS Gebirgsdivision „NORD“, die mit dem Aufklären und Aufhalten des Vormarschs der US-amerikanischen Truppen der 9. US-Panzerdivision bei Limburg betraut waren. Vermutlich hatte diese Einheit am 26. März kurzzeitig ihren Divisionsgefechtsstand auf dem Zollhaus eingerichtet. Das Zollhaus wurde an diesem Abend in Folge von Artilleriebeschuss durch die US-Truppen in Brand gesetzt und beschädigt. Nach erfolglosen Versuchen, die amerikanischen Truppen eindeutig zu lokalisieren oder gar aufzuhalten, befanden sich die Einheiten der Waffen-SS ab dem 27./28. März in Rückzugsbewegung entlang der Autobahn Richtung Frankfurt. Abgesehen vom Beschuss des Zollhauses blieb Mensfelden von kriegsbedingten Zerstörungen weitestgehend verschont. Bombenangriffe zielten auf den nahegelegenen Flugplatz der Luftwaffe oder die Einrichtungen auf dem Mensfelder Kopf. Im Nachbardorf Nauheim kam es in Folge eines Bombenangriffs zu Toten und Zerstörungen.
Die Folgen des Krieges waren allerdings weit über den 28. März, beziehungsweise die Kapitulation Deutschlands am 08./09. Mai hinaus, spürbar. Nachrichten über vermisste und/oder gefallene oder gefangengenommene Soldaten erreichten Mensfelden weiterhin. Vor allem die Soldaten, die in sowjetische Kriegsgefangenschaft gerieten, kehrten mitunter erst nach Jahren wieder nach Mensfelden zurück. Traumatisierungen prägten (und prägen) viele Familien langfristig.
In der amerikanischen Besatzungszone, in der Mensfelden lag, startete kurz nach dem Krieg ein Programm zur Entnazifizierung. Neben Entlassungen von Parteimitliedern, die der NSDAP vor dem 1. Mai 1937 beigetreten waren, sind in Mensfelden vor allem die so genannten Entnazifizierungs- oder Spruchkammerverfahren spürbar gewesen. Jeder und jede Deutsche über 18 Jahren musste einen Fragebogen ausfüllen, über den dann ein Gremium, die sogenannte Spruchkammer, beriet und entschied, in welchem Maße die Person als belastet galt. Viele dieser Fragebögen haben sich erhalten und sind im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden einsehbar. Eine systematische Auswertung ist bisher noch nicht erfolgt. Die folgenden Ausführungen basieren auf Stichproben, sowie allgemeinen Erkenntnissen über diese Verfahren.
Die meisten Mensfelderinnen und Mensfelder dürften im Rahmen dieser durchaus umstrittenen Verfahren als Mitläufer oder Entlastete eingestuft worden sein, selbst wenn sie vom Nationalsozialismus überzeugt waren. Es war durchaus üblich, dass die Befragten sowohl beim Ausfüllen der Fragebögen, aber auch bei möglichen anschließenden Befragungen logen. Der wegen eines antisemitischen Angriffs 1935 verurteilte SA-Mann Karl Brummer beispielsweise verschwieg diesen Vorfall im Fragebogen zunächst und schrieb: „Ich bin mir keine shuld bewust.“ [sic!].
Außerdem war es üblich, dass man für andere log und ihnen eine Distanz zum Nationalsozialismus bescheinigte. Vom Pfarrer wurde beispielsweise oft so argumentiert, dass eine Person, indem sie ihre Kinder taufen ließ , schon zeigte, dass sie mit dem Nationalsozialismus nicht einverstanden gewesen ist. Diese Verfahren dienten weniger der historischen Wahrheitsfindung oder sorgten dafür, dass sich Menschen ihrer persönlichen Verantwortung stellten. Vielmehr sorgten sie dafür, dass sich eingangs erwähnte Mythen über die Zeit des Nationalsozialismus etablierten und/oder verfestigten. Zumindest haben die Fragebögen dazu geführt, dass sich die Menschen in Mensfelden in den unmittelbaren Nachkriegsjahren mit der eigenen Verantwortung sowie der ihrer Familienmitglieder oder Nachbarinnen und Nachbarn auseinandersetzen mussten.
Auch gab es vor allem bis in die 1960er Jahre hinein Besuche ehemaliger jüdischer Mensfelderinnen und Mensfelder, die oft in Zusammenhang mit Entschädigungsansprüchen standen. Auch sie sorgten dafür, dass es nur schwer möglich war einen „Schlussstrich“ zu ziehen. Eine offene und selbstkritische oder überhaupt eine ausführlichen Beschäftigung mit den Themen Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg in Mensfelden blieb bisher aber, wie gesagt, aus.
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In Lindenholzhausen gab es beispielsweise eine engagierte Gruppe, die zwischen 2020 und 2023 das Buch “Lindenholzhausen 1933 – 1945. Eine Spurensuche.” erarbeitete.↩︎
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Das Leben der Jüdischen Familien wird ausführlich im Kapitel behandelt, siehe Seite ff.↩︎
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siehe hierzu , ab Seite↩︎
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Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA), kurz Napolas, waren Eliteschulen der Nationalsozialisten. Ihr Ziel war es, den nationalsozialistischen Führungsnachwuchs ideologisch und militärisch auszubilden.↩︎
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Fotos von Hitlerjungen bei der Segelflug-Ausbildung in Mensfelden finden sich auch in den Lebenserinnerungen des aus Rettert stammenden Reinhold Kröck. Kröck, Reinhold: Was hatte ich von meiner Jugend; Teil 2 - Lehre, Arbeitsdienst und Soldat - 1925 bis 1949. Online unter: http://www.info.buhr-bau.de/Reinhold/R-Kroeck-2.pdf↩︎
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Ein Foto und die Namen der Gefallenen finden sich im Kapiel , ab Seite↩︎
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Heute liegt das Dorf in Frankreich↩︎
Unsere Heimatvertriebenen
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975), Gerd Hasselbach (2025), David Diefenbach (2025)
Nach Beendigung des 2. Weltkrieges haben die Siegermächte Amerika, Russland, England und Frankreich durch den Vertrag von Potsdam Millionen von heimatlos gemacht. In den Jahren von 1945 - 1953 wurden deutschstämmige Bewohner zu Hunderttausenden aus der Tschechoslowakei (Sudetenland), Ungarn, Rumänien und Ostdeutschland von Haus und Hof vertrieben, wo sie seit Jahrhunderten sesshaft waren. Mit brutaler Gewalt wurden sie aus ihrer Heimat vertrieben und mussten in den Westen flüchten.
Niemals werde ich vergessen, wie damals die Flüchtlingsfamilien, die uns vom Kreis zugewiesen wurden, mit ihrem Bündel noch gebliebener Seligkeiten auf dem Bürgermeisteramt ankamen. Mit Tränen in den Augen warteten sie verängstigt, wo man sie wohl hinbringen würde, und ob sie nur als geduldete Gäste oder von mitfühlenden Deutschen aufgenommen würden, was leider nicht immer der Fall war.
Es waren 228 Männer, Frauen und Kinder die in den Jahren 1945 - 1953 der Gemeinde Mensfelden zugewiesen wurden. Eine schwere Aufgabe war es, sie in den Häusern unterzubringen, zumal die meisten Familien selbst wenig Platz hatten. In der ehemaligen Fliegerhalle fanden zirka acht Familien Unterkunft. Obwohl die Wohnverhältnisse dort ziemlich primitiv waren, hatten sie doch vorerst eine Unterkunft gefunden. Auch den Dorfbewohnern sei Dank, die sich einschränkten und die Flüchtlinge aufnahmen.
Etwa 80 % der angekommenen Vertriebenen stammten aus dem Sudetenland (Fischer, Finger, Böhm), aber auch ungarndeutsche (Schöttl) und Ostpreußen (Kanigowski, Narewski) sind in Mensfelden sesshaft geworden. Durch Fleiß, Sparsamkeit und ihren Unternehmergeist haben sich die meisten über die Jahre ein eigenes Heim geschaffen und hier im Ort eine zweite Heimat gefunden. So wurden die ehemaligen Heimatvertriebenen zu vollwertigen Bürgern und übernahmen Verantwortung in Firmen (Kurt Finger – Fliesen Biebricher) oder in Vereinen (Willi Narewski – 12 Jahre Vorstand).Im Lauf der Jahre sind auch viele ausgezogen, weil sie in der Nähe ihrer Arbeitsstätte eine Wohnung fanden.
Heute sind sie vollgültige Bürger von Mensfelden. Die junge Generation weiß nur wenig von ihrer alten Heimat, aber die Alten trauern immer der Heimat ihrer Kindheit nach.
Das Unglück, die Heimat zu verlieren kann nur der ermessen, der mit ihr verwurzelt war. Qualvoll ist der Gedanke, niemals mehr an die Stätte seiner Kindheit zurückkehren zu dürfen.
Zur Erinnerung an verlorenen deutschen Boden haben wir die erste Straße in unserem Neubaugebiet, Königsberger Straße benannt. Man kann wohl überall Heimat finden, aber nicht überall daheim sein.
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Otto Langer
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Erhard Friedrich
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Heini Wotrupez
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Fritz Langer
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Bruno Langer
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Belo Karpf
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? Friedrich
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Otto Finger sen.
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Johann Schöttl
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Franz Diesterwall
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Elsi Friedrich
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? Riedel
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Anna Finger
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? Langer
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Maria Schöttl
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Johann Klamert
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Elli Riedel
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Anni Hanke
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? Lenzer
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Johann Paus
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Liesel Tauber
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Otto Finger jun.
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Hertha Wotrupez
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Elisabeth Friedrich
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Pepi Hanke
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? Paus
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? Lenzer
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Kurt Finger
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Jonni Schöttl
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Emil Paus
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Johann Paus
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Alois Friedrich
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? Riedel
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Micki Hanke
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? Hanke
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Anna König
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? Diesterwall
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Anton Paus
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Walter Finger
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Tibor Schöttl
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Ingrid Finger
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Heinrich Wotrupez
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Rudi Finger
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Marianne Paus
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Herbert Wotrupez
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Herti Wotrupez5
Das Gefallenendenkmal
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Den Opfern der beiden Weltkriege zum Gedächtnis, uns Lebenden zur Mahnung
1914 - 1918
| Wilhelm Nilges | 1914 | Karl Reinhardt | 1916 |
| Joh. August Völker | 1914 | Adolf Völker | 1917 |
| Wilhelm Schumann | 1914 | Wilh. August Lieber | 1917 |
| Karl Aug. Schwenk | 1915 | Karl Zollmann | 1917 |
| Karl Aug. Helfrich | 1915 | Karl Crecilius | 1917 |
| Karl Wilh. Lieber | 1915 | Wilhelm Schnatz | 1917 |
| Karl Fr. J. Häuser | 1915 | Wilhelm Volk | 1918 |
| Hermann Biebricher | 1915 | Wilhelm August Müller | 1918 |
| Wilh. Hermann Schumann | 1916 | Karl Lieber | 1918 |
| August Ph. Deußer | 1916 | Rudolf Volk | 1918 |
| Adolf Reinhardt | 1916 | Emil Th. A. Bernhard | 1918 |
| Karl Chr. Völker | 1916 | Wilhelm Zollmann | 1918 |
| Ph. August Zollmann | 1916 | Karl August Zollmann | 1918 |
| Friedrich Wilh. Lieber | 1916 | Adolf Leuckel | 1918 |
1939 - 1945
| August Schumann | 1941 | Karl Schumann | 1944 |
| Wilhelm Deußer | 1941 | Willi Schwenk | 1944 |
| Karl Glitsch | 1941 | Wilhelm Zollmann | 1944 |
| Wilhelm Mohr | 1941 | Willi Nilges | 1944 |
| Kurt Borschert | 1941 | Karl Herm. Schumacher | 1945 |
| Karl Deußer | 1942 | Otto Diefenbach | 1945 |
| Karl Zollmann | 1942 | Albert Schwenk | 1945 |
| Heinrich Krahulik | 1942 | Adolf Kröller | 1945 |
| Wilhelm Dietrich | 1942 | Wilhelm Hohlwein | 1945 |
| Wilhelm Karl Schwenk | 1942 | Willi Schwenk | 1945 |
| Wilhelm Schumacher | 1942 | Karl Wilhelm Schwenk | 1945 |
| Hermann Lieber | 1943 | Alfred Weber | 1945 |
| Franz Riedel | 1943 | Wilhelm Weier | 1945 |
| Kurt Schwindt | 1943 | Wilhelm Kees | 1945 |
| Richard Schmidt | 1943 | Werner Volk | 1945 |
| August Wilhelm Schumann | 1944 | Wilhelm Alb. Schwenk | 1945 |
| Albert Kees | 1944 | Walter Borschert | 1945 |
| Alfred Völker | 1944 | Friedrich Zollmann | 1945 |
Vermisste 1939 - 1945
| Paul Werner | Otto Crecelius |
| Walter Münzenberg | Karl Wilh. Völker |
| Erich Diefenbach | Karl Schmidt |
| Wilhelm Girm | Rudolf Deußer |
| Albert Girm | Erich Fuchs |
| Albert Schwenk | Karl Lieber |
| Heinrich Klaus | Walter Zollmann |
| Willi Schwenk | Karl Ohl |
| August Lanz | Friedrich August Schumann |
| Albert Motz | Franz Rutschek |
| Walter Schermuly | Josef Karpf |
III. Ortsbilder und Amtshäuser
Das Standesamt
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Im Jahre 1874 wurde erstmals in unserem Bezirk d. h. auch in Mensfelden die standesamtlichen Eintragungen gemacht. Davor oblagen die Eintragungen über Geburt, Eheschließungen und Tod, dem zuständigen Pfarramt, d. h. dem Pfarrer des jeweiligen Kirchspiels. Vier Jahrhunderte hat das Pfarramt diese wichtigen Beurkundungen dokumentiert, ehe die preußische kommunale Selbstverwaltung diese Aufgaben den zuständigen Gemeindeverwaltungen übertrug. In den Landgemeinden war es Pflicht, dass der jeweilige Bürgermeister auch als Standesbeamter fungierte. Doch blieb es dabei, dass die zum früheren Pfarrbezirk gehörigen Gemeinden bis zur Großgemeinde, zu dem Standesamt, wo auch der Pfarrsitz war, verblieben. So waren in dem gemeinsamen Standesamt Mensfelden-Linter von 1874 - 1970 folgende Standesbeamte tätig.
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Von 1874 - 31. Oktober 1882 war Standesbeamter Bgmstr. Schumann
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vom 2. Nov. 1882 - 31. Dez. 1887 war Standesbeamter Bgmstr. Schumann und Stellvertr. Crecelius
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vom 1. Jan. 1888 - 5. Jan. 1922 war Standesbeamter Bgmstr. Deußer
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vom 10. Jan. 1922 - 25. Apr. 1945 war Standesbeamter Bgmstr. W. Helfrich
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vom 1. Mai 1945 - 31. Dez. 1947 war Standesbeamter Bgmstr. A. Schumann
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vom 1. Jan. 1948 - 31. Dez. 1948 war Standesbeamter als stellvertr. Kassenverwalter W. Lieber
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vom 1. Jan.1949 - 30. Juli 1970 war Standesbeamter Bgmstr. W. Schwenk
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vom 1. Aug. 1970 - 30. Sept. 1971 war Standesbeamter als Stellvertr. Kassenverwalter K. Kees.
Ab. 1. 1971 ging das Standesamt an die Großgemeinde Hünfelden über, wo ein von der Großgemeinde eingesetzter Standesbeamte tätig ist.
Geburtsurkunde (oben links)
Nr. 1
Mensfelden am 14ten October 1874
Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien
Heute, der Person nach
bekannt.
Hebamme Frau Johannette Heimann geborene Brechen
wohnhaft zu Mensfelden
evangelischer Religion
und zeigte an, daß von der verehelichten Charlotte geborene
Heimann evangelischer Religion
Ehefrau des Bäckers Karl Philipp Schwenk evangelischer Religion
wohnhaft zu Mensfelden bei ihrem Ehemann, zu Mensfelden
in der Wohnung ihres Ehemannes zu Mensfelden,
am Vierzehnten October
des Jahres tausend acht hundert und Vier
Morgens um Neun Uhr
ein Kind männlichen Geschlechts geboren worden sei, welches
die Vornamen Karl Philipp Christian
erhalten habe
Die Frau Heimann erklärte, daß sie bei der Niederkunft der
Ehefrau Schwenk zugegen gewesen sei
Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben
Johannette Heimann
Der Standesbeamte.
Schumann
Sterbeurkunde (oben rechts)
Nr. 1
Mensfelden am 7ten October 1874
Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute,
der Person nach
bekannt,
Jacob Schumacher, Schreiner
wohnhaft zu Mensfelden
und zeigte an, daß Johann Philipp Schumacher
Maurer 43 Jahre alt evangelischer Religion
wohnhaft zu Mensfelden
geboren zu Mensfelden verheirathet
gewesen mit Charlotte geborene Frickhöfer
Sohn des Maurer Johann Philipp Schumacher
und dessen Ehefrau Dorathea Philippine Loise geb. Reinhardt
zu Mensfelden in seiner eigenen Behausung
am Siebenten October des Jahres tausend acht hundert
siebenzig und Vier
Morgens um Sieben und einhalb Uhr verstorben sei
Vorgelesen, genehmigt und
unterschrieben
Jakob Schumacher
Der Standesbeamte.
Schumann
Heiratsurkunde (unten)
Nr. 1
Mensfelden am Fünfzehnten
November tausend acht hundert siebenzig und Vier
Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute
als Verlobte:
1. Der Georg Philipp Ruß Tagelöhner bekannt,
evangelischer Religion, Sechsundzwanzig Jahre alt,
geboren zu Linter wohnhaft zu Linter
Sohn des Johann Christian Ruß, Leinweber, zu Linter und dessen
Ehefrau Katharina Wilhelmine geb. Vogt
2. Die Margarethe Sophie Katharina Wollmann
Der Person nach bekannt,
evangelischer Religion, Fünfundzwanzig bekannt,
geboren zu Nauheim wohnhaft zu Nauheim
Tochter der Philipp Wilhelm Wollmann Tagelöhner ohne
besonderes Gewerbe
sowie als Zeugen:
3. Der Philip Friedrich Dreiling, Tagelöhner
der Person nach bekannt,
Sechsundzwanzig Jahre alt, wohnhaft zu Linter
4. Der Friedrich Wilhelm Weil, Bauer
der Person nach bekannt,
Vierunddreisig Jahre alt, wohnhaft zu Linter
Die Verlobten erklärten vor dem Standesbeamten
und in Gegenwart der Zeugen persönlich ihren Willen,
die Ehe mit einander eingehen zu wollen.
Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben
Georg Philipp Ruß
Margarethe Katharina Sophie Wollmann
Philipp Friedrich Dreiling
Friedrich Wilhelm Weil
Der Standesbeamte.
Schumann
Ortsgericht Mensfelden
✍ Autor(en): Verfasser unbekannt (2000)
Das Ortsgericht ist eine Hilfsbehörde der Justiz. Ihnen obliegen die durch Gesetz näher bezeichneten Aufgaben auf dem Gebiet der freiwilligen Gerichtsbarkeit und des Schätzungswesens. Sie führen das Landessiegel.
Die Gemeinde kann Ortsgerichtsbezirke vorschlagen. Ortsgerichtsbezirke bestimmt der Hessische Minister der Justiz.
Mensfelden hat den Ortsgerichtsbezirk Hünfelden IV
Aufgaben des Ortsgerichtes:
Beglaubigung von Unterschriften und Abschriften Sterbefallsanzeigen
Nachlasssicherung bei Sterbefällen
Schätzungen
Mitwirkung bei Festsetzung und Erhaltung von Grundstücksgrenzen.
Der Ortsgerichtsbezirk besteht aus 5 Personen, dem Ortsgerichtsvorsteher, einem Stellvertreter und drei weiteren Ortsgerichtsschöffen. Es tagt je nach Bedarf, in der Regel 3 - 4 mal im Jahr. Die Hauptarbeit hat der Ortsgerichtsvorsteher, er erledigt zwischen 50 - 60 Amtshandlungen im Jahr.
Ortsgerichtsmitglieder sind meist längere Jahre im Dienst. So hat Walter Schwenk nach 35-jähriger Amtszeit den Vorsitz 1985 an Herbert Deußer übergeben. Neben diesen beiden Personen waren in den 70er Jahren noch Karl Dietrich, Ernst Biebricher und Wilhelm Werner im Amt.
Durch hohes Alter haben diese Leute die Ortsgerichtsmitgliedschaft an jüngere abgegeben.
Dem heutigen Ortsgericht gehören an:
Als Vorsitzender Herbert Deußer
Stellvertreter Werner Völker
sowie die Ortsgerichtsschöffen:
Alfred Talaska
Anette Gemmer
Wilfried Mohr
Gerichtsordnung zu Mensfelden von 1652
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
GERICHT ZU MENSFELDEN UNTERGERICHTSORDNUNG 1652
OBERHERRLICHKEIT BETREFFEND U.D. VORSITZ
Curfürst von Trier voran und seinen Dienern.
Herr Graf von Naßau-Saarbrücken mit seinen Dienern.
Herr Graf von Schaumburg und Westerburg nunmehr der Herr von Waldecker mit seinen Dienern.
Gehet die Gerichtstagung auch solcher Gestalt, wie oben bemeldt, wie dann solches die Untergerichtsordnung, ausweist.
Im Gebott und Verbott sind Höchst- und Hochgedachter Herrn gleich, und hat keiner ohn den anderen etwas vorzunehmen.
Die Unterthanen sind vertheilt, und hat jeder der seinen Leibeigenen Manns- und Weibspersohnen, wie auch junge Kinder, so dem Busen nachzuziehen.
Einseitig die Parteyen zu verhören ist nicht zuläßig.
Auch sich und Feuerläufer einseitig anzuordnen ist nicht zuläßig.
Feldschützen und Bürgermeister von seithig von sich anzuordnen ist nicht Herkommen.
Hat keiner Herrschaft der Unterthanen einseithig zu beschwören, oder mehr als von alter Herkommen, anzuhalten.
Hat wie jede Herrschaft Fragen wie so Diensten, wie auch dieselbe denen Unterthanen bekannt, und wohlbewußt, deswegen keiner kann eingeführt werden.
Hat keiner der Unterthanen einseitig Straf aufzuerlegen.
Wegen Verhörung und Bestrafung der Unterthanen ist herbringens, daß solches allhier an dem Gemeinschaftsorth auf dem Rathaus vorgenommen werden.
Herrn Bußen und Schatzungen oder Türkensteuer gehört sämtlicher Herrschaft auf dem Rathaus vorzunehmen, und nicht einseithiges zu verordnen, hiervon Westerburg 4 Sechsteil, Churtrier ein Sechsten, und Naßau-Saarbrücken 1 Sechsten.
Hat ein Herr und sein Bediender den Unterthanen und Verbrecher einseitig in das Hunds- oder Zuchthaus einführen zu lassen, doch durch den gemeinen Büttel muß aber mit Concoßon und Bewilligung der Mitherrschaften wird herausgelassen werden.
Die Gemeinschaft sämtlicher Herrschaft Schultheißen haben Befreyung von sämtlicher Herrschaft, und was demselben hierin zugelaßen ist von der Herrschaft, und nunmehro von deren Unterthanen gestehen.
Ist Herkommen, daß jede Herrschaft aus seinem Eigenthum seine Unterthanen ohne die Mitherrschaft an diesem Gemeinschaftsorth einsetzen mag, und bleiben dasselben Herrn leibeigene.
Ist vor ungefehr 35 Jahre durch die damaligen Beamten verglichen, daß die nur Einzüger nach Minsfelden auf Belieben einer jeden Herrschaft mögen verkauft werden.
Ist Herbringens, daß die aus fremder Herrschaft sich an dieses Gemeinschaftsorths verheyraten wollen, sich selbst bey ihrer Herrschaft los kaufen, um einen Loszettel diesem Gemeinschaftsorth aufzuweisen, und dann auf das Loos gestellt.
Von gemeinherrlichen Büttel belangen habendie gemeinherrlichen Schultheißen eine dazu taugliche Person zu erwählen.
Haben Bürgermeister und Gemeinde vor sich selbsten Macht Bürgermeister und Feldschützen ohne Erlaubnis und beyseyn der Gemeinschaft Schultheißen zu erwehlen und zu setzen aber der gewöhnlichen Schützeneyd aufzulegen ist von deren Herrschaftlichen Schultheißen jederzeit befohlen.
Wenn der Büttel auf Geheiß der Herrschaft Schultheißen einen Unterthanen pfänden soll, und der selbe wiedersetzt sich, soll ers gedachten Schultheißen anzeigen, soll dann ferners mit dem Hurn, wie auch andere Herrn Strafen gegen den Verbrecher verfahren werden, andere zum Exempel.
Wenn eine Herrschaft verstorben, und nur Huldigung eingeführt wird, sind die Unterthanen so gehörigem Orthe zuvor hierin alle und keiner ausgeschlossen, schuldig, welches den besämmten Tag welcher vom Rathaus angekündigt werden muß.
Haben Chur Trierl. und Westerburgl. Schultheißen von Kaufen und Tauschen ein jeder 3 Albus Geld zu empfangen, und die Nassau-Saarbrückische nichts davon, weil selbige Herrn ihr Huben Gut selbst gebrauchen.
Ist vor undenklichen Jahren herbringens, daß Chur- Trier und Nassau-Saarbrücken gegen Westerburg vier Schultheißen an diesem Gemeinschaftsorth gehabt, Anno 1624 aber ist von sämtlichen Herrn Beamten wohl verglichen worden das wegen der Gemeinschaft Unterthanen, und sie die Canzley und Oberamtsleute unbemüht verbleiben lassen, sollten die Herrn Schultheißen alle 6 Wochen oder Inch befinden der Kläger in 12 Wochen zusammen kommen, und die Parteyen vor sich nehmen, und dem Befinden nach entscheiden.
Ist zu wissen, daß allhier am Gericht sieben Schöffen, welche wann einer abgestorben, mit einer anderen qualificirten Person durch sämtlicher Herrn Amtsleute aus bestellt und beeydigt werden.
Zu wißen, daß von geschätzten und gnädige Herrschaft wohl verglichen, daß im Prozeß gegen die Übeltäter und vondemnirter Personen die Schöffen von dem Gemeinschafts Orth das von jeder Herrschaft attematim gefaste Urtheil publizieren (Veröffentlichung), und ist der Richtplatz unten am Dorf doch in den Bannzäunen begriffen.
Die Bannzäume gehen rings und nohe (nahe) am Dorf herum, außerhalb deren ist es Dietzische Obrigkeit (Hoheit ) angehörig; sollte aber von den Unterthannen dieses Orths; wie auch von den benachbarten und ferner ausländischen, einige Schmähung oder Schlägerei vorgehen, so in Mensfeldischen Gerichtszwang begriffen, muß solches bey unser gesch. und gnädigen Herrschaften dieses Gemeinschafts Orth vertädigt (verteidigt) werden. Wildfang und blutige Wurden gehören dem diezischen Gericht, und darf kein Unterthan von hieraus sich Schießen und hierin in sein Haus bringen.
Der Gerichtszwang Mensfelder Terminey ist entworfen durch sämtliche dieses Orts, wie auch Herrn Diezische Beamten so dabey gewesen, abgesteint und mit Holzstöcken besetzez, aber nur an ganz abgefallene nötig zu befohlen, daß andere aufgestellt werden.
Nschl. Minsfelden dem dortigen Schultheißen Bericht und Gemeinde den 17/17 May 1652
Die Schule
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975), Hans-Gerhard Beier (2025)
Die Schulreform im Herzogtum Nassau, die mit dem Schuledikt von 1817 die nassauische Simultanvolksschule schuf, fand in Mensfelden in der alten Kirchspielsschule einen guten Ansatzpunkt vor. Der Schullehrer Johann Conr. Hehner hatte 1789 bis 1792 das Schullehrerseminar in Idstein besucht. Er unterrichtete 1816 allein 180 Schüler, 89 Knaben und 91 Mädchen, und versah daneben noch den Organisten- und Glöcknerdienst. Mit einem Gehalt von 300 Gulden im Jahr war der Schuldienst allerdings nicht allzu gut ausgestattet. Dies war noch schlechter für die zweite Stelle, die wegen der hohen Schülerzahl 1820 als Lehrgehülfenstelle eingerichtet wurde. Da die Schule sehr schlecht mit Schulgut ausgestattet war, wechselten die Lehrer, zum Nachteil des Schulunterrichts, ungewöhnlich oft.
Das alte Schulgebäude neben der Kirche war 1825 baufällig geworden. Es wurde 1825 auf Abbruch für 251 Gulden versteigert. Nun wurde bis 1831 im alten Rathaus Schule gehalten. Das Rathaus war damals im 1. Stock des alten Backhauses, das in der Nähe der Kirche stand. Vergeblich versuchte man noch eine zweite Schulstube zu mieten, da der Raum im Rathaus nicht ausreichte. In einem Bericht vom 25.9.1826 heißt es: Sehr erwünscht wird die Ausführung des Schulhausbaues in Mensfelden, denn es ist ein dringendes Bedürfnis. Gegenwärtig 1826 besuchen 230 Kinder die Schule zu Mensfelden. 1819 waren es noch 206 Kinder. Die von 230 bis 240 anwachsende Kinderzahl erfordert drei Lehrer, so auch drei Lehrstuben, wo auf jeden Lehrer 82 - 84 Kinder gerechnet werden. Man hielt es nicht für möglich, einen dritten Lehrer zu besolden. Selbst für den zweiten Lehrer konnte die Gemeinde, wenn der Bau der neuen Schule sie nicht allzu sehr belasten würde, nur 200 Gulden jährlich aufbringen. So baute man 1827 - 1831 die neue Schule mit zwei großen Lehrsälen, einer Lehrerwohnung und einer Stube für den Lehrgehülfen. Die neue Schule entstand in der Neustraße an der Ecke zur Unterstraße, wo sich bis zum Großbrand 1801 das alte Pfarrhaus mit seinen Nebengebäuden befand. Sie wurde von dem Maurermeister Adam Urban aus Limburg und dem Zimmermeister Scheid aus Ohren erbaut. Nach einigen Jahren sah man ein, dass zwei Schulsäle nicht ausreichten, so richtete man bis 1865 zwei weitere Lehrsäle ein. Nach einem Bericht vom 27.11.1865 hatte die neue Schule 1462 Taler und 14 Dukaten gekostet.
Bei mehr als 200 Schülern hielt man 1867 eine dritte Lehrerstelle für nötig, die I870 eingerichtet wurde. Sie war jedoch häufig nicht besetzt. So unterrichteten 1908/09 zwei Lehrer die etwa 150 Kinder in drei Klassen. Bei Kriegsende 1918 war Lehrer Freyeisen gar allein mit 183 Schülern. Aus Ersparnisgründen wurde 1926 die dritte Stelle wieder aufgehoben. Im Jahr 1934 wurde der Schulgarten in einen größeren Schulhof umgewandelt.
Seit 1971 besuchen auch die Kinder von Mensfelden die neue Grund- und Hauptschule der Gemeinde Hünfelden, die Frh. vom Stein-Schule in Hünfelden-Dauborn.
2. Reihe v.o.: (3.) - Elisabeth Völker, verh. Schwenk („Pfeiffers“/ Hehnerstraße) - (9.) - Emilie Schwenk, verh. Wollmann („Gässjes“/ Kirchstraße)
3. Reihe v.o.: (2.) - Wilhelmine Schumacher, verh. Weyer - (7.) - Paula Schumann, verh. Diefenbach - (10.) - Paula Kees, verh. Weil („Helde“)
5. Reihe v.o.: (1.) sitzend: - Wilhelm Schmidt („Mohrs“)
6. Reihe v.o.: (1.) - Wilhelm Schwenk („Laier“)
Lehrer: August Stückrath (vermutlich, als Lehrer für die hier abgebildete Unterstufe)
Schulmeister und Lehrer von 1610 -- 1971
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
(1) = 1, Lehrer, nach 1914 Hauptlehrer, (2) Lehrgehülfen, seit 1859 2. Lehrer, (3) Lehrgehülfen, seit 1902 3. Lehrer.
Weigandt Ulmann 1611, sonst 1610 - 1616
Eichelbauer (um 1668?) vor 1704
Johannes Helfrich 1678 - 1684 gest. um 1701
Valentin Aue 1705 - 1711
Johann Adam Hoff aus Berzhahn 1711 - 1725 . . . Aue (Sohn) 1725
Hieroniums Sommerlad 1725 bis zu seinem Tod begr. am 17.2.1755
Johann Conrad Hehner aus St. Goarshausen 1757 - 1796 gestr. in Bärstadt am 28.10. 1804
Johann Karl Hehner aus Mensfelden (Sohn des Vorgängers) 1796 bis zu seinem Tod am 28.5.1835
Johann Christian Börner aus Linter (Lehrgehülfe für 1) 1801
Johann Müller (Lehrgehülfe für 1) 1830-35
Wilhelm Kübler (2) 1820-24
Philipp Seibert (2) 1824 - 31
Jacob Bauer (2) 1831 - 40
Johann Theodor Alberti aus Adolfseck (1) 1837 - 40
Herbert Müller aus Ruppertshofen (1) 1840 - + 10.11.1853
Bastian (2) 1840 - 41, entfernte sich, im Rhein ertrunken, bei Bingen geländet.
Heinrich Müller aus Singhofen (2) 1841 - 46
Ludwig Kappus aus Idstein (2) 1846 - 47
Rudolph Herrmann (2) 1847 - 49
Ferdinand Müller (2) 1849 - 55
Philipp Heinrich Paul (1) 1853 - 59
Daniel Ortmann (2) 1855 - 57
Karl Münzert (2) 1857 - 59
Menges (2) 1859 - 65
Jacob Adolph Conrad (1) 1859 - 61
Peter Nehl aus Brombach (1) 1861 - + 26. 4. 1865
Peter Scheid aus Weilmünster (2) 1865 – 68
Johann Peter aus Tringenstein (1) 1865 - +26.7.1881
Christian Sopp aus Bechtheim (2) 1869 - 75
Gottlieb Rudolf Peter aus Nenderoth (3) 1870 - 71, 72-73
Ernst Engelbrecht aus Neuengeseke (2) 1876
Adolf Birkenhauer aus Kirchhain (2) 1877 - 81
Wilhelm Nicodemus aus Burgschwalbach (1) 1881 - 1901 i.R. + 14.2.1907
Karl Lieber (2) 1881 - 84
Clara Boche (3) 1882 - 83
Philipp Schönhaber (2) 1884 - 91
Reinhard Lautz (3) 1885 90
Georg Karl Neuschäfer(t) 1890 - 94, (2) 1894 - 1901, (1) 1901 - 12
Albert Baum (2) 1891 - 94
Adolf Lehmann (2) 1901 – 02
E. Hennemann (3) 1902
Albert Schönwetter (2) 1902 - 04
Wilhelm Rieck (2) 1906 - 08
Emil Bernhardt (3) 1907 - 09, (2) 1909 - 12 (1), 1912 - + 1918 gefallen
Hermann Kräußlach (3) 1909 - 12, (2) 1912 - 14
Johann Muhl (3) 1912 - 14
Daniel Freyeisen (3) 1914, (2) 1915 - 18
Karl Conrad aus Heringen 1914 – 18
Walter Schönberg aus Frankfurt (3) 1918 - 26, 1923 - 26 beurlaubt
Heinrich Sprenger (3) 1919
August Leuckel aus Mensfelden (1) 1919 – 53
Wilhelm Stückrath aus Dillenburg (3) 1919 - 21, (2) 1921- 1953(1)-1961
Otto Ferger aus Gemünden (3) 1923 – 26
Frl. Sprieß, Hertel, Arhelger
Wilhelm Nilges aus Mensfelden 1954 - 66 (1) 1961-1966
Hagen
Lehrerin Leiser
Lehrerin Kreis
Müller
Hahn
Wilfried Deubner
Lotte Palme 1962 – 1972
Ruppert 1966 – 1972
Schönfeld 1967 - 1972
Anmerkung: Die längste Dienstzeit in Mensfelden von den vorgenannten Lehrern hatte Lehrer - Hauptlehrer Stückrath mit 42 Dienstjahren. Sein Anfangsgehalt 1919 betrug monatlich 99 Mark und 99 Pfennig. Die Schulchronik ist leider seit 1972 verschwunden, so dass manche Aussagen über die Schule und die Lehrer, besonders aus neuerer Zeit unvollständig bleiben.
Das alte Back- und Rathaus
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Alte Bürger haben es noch beschrieben. Es war ein altertümliches Gebäude. Auf dem mit Bruchsteinen errichteten Erdgeschoß war im 1. Stock ein Fachwerkbau mit kleinen Fenstern. Im unteren Stock war das Backhaus mit einem gemauerten Backofen, daneben eine Backstube und davor ein freier Raum. Dort war das Holz aufgestapelt: Wellen aus Knüppeln und Reisigholz. Es war zeitweise, so schon 1675, einem Gemeindebäcker verpachtet, der das Backen für die Einwohner übernahm. Sie mussten Mehl und Holz stellen und einen bestimmten Backlohn entrichten.
In anderen Zeiten hat jede Familie selbst dort ihr Brot gebacken. In einem großen eng geflochtenen Korb, auch Brotwanne genannt, wurde der Brotteig ins Backhaus gebracht und zum Gehen auf den Backofen gestellt. Nach einigen Stunden, wenn der Teig reif war, wurde er zu Brot geformt. Inzwischen wurde der Ofen mit Backwellen geheizt. Hatte der Ofen die richtige Hitze, war auch das Brot reif zum Backen. Etwa 30 bis 32 Brote und ein Platz waren ein Geback, welches für eine Familie drei bis vier Wochen reichen musste. Dass die letzten Brote noch mal so lange hielten wie die ersten, kann man sich gut vorstellen.
Die Backzeit für die einzelnen Familien wurde sonntags verlost. Zog man das erste Montagslos, hatte man Pech, denn über Sonntag war der Ofen kalt geworden, daher brauchte man die doppelte Holzmenge zum Anheizen. Als um 1870/80 Privatbäckereien aufkamen, endete hier das Gemeindebackwesen.
Im oberen Stock des Backhauses befand sich das Rathauszimmer. Hier wurden die öffentlichen Gemeindeversammlungen und Gemeindevertretersitzungen abgehalten. Von 1824 bis 1832 wurde das alte Rathaus auch als Schule benutzt, als die alte Schule abgerissen und die neue noch nicht gebaut war.
Zuletzt stand das Backhaus zwanzig Jahre unbenutzt, so geriet es in Verfall und wurde um 1890 abgerissen.
Der Schultheiß und nachher auch die Bürgermeister hatten ihre Amtszimmer in ihren Privathäusern. Erst seit 1938 hatte Mensfelden wieder ein Rathaus mit Amtszimmern des Bürgermeisters und des Gemeinderechners.
Das Zollhaus
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Das von Nassau-Dillenburg kurz vor 1570 draußen vor dem Dorf an der Straße erbaute Zollhaus hat diesen Namen behalten, obwohl dort schon seit 1806 kein Zoll mehr erhoben wird. Es war 1793 verfallen und 1797 unbewohnbar. Der letzte Zöllner Georg Wilhelm Lantz war deshalb ins Dorf gezogen. Er musste danach erneut wieder auf das Zollhaus ziehen, wo er 1800 von einer Diebesbande so beraubt wurde, dass er fast nackt mit seiner Familie dastand. Mit Steinen vom Mensfelder Kopf wurde das Zollhaus, nachdem mehrmals das Baumaterial wieder geraubt worden war, erneut 1804 von dem Maurer Anton Balzer für 2982 Gulden und 28 Kreuzer aufgebaut. Nach der Aufhebung des Zolles kaufte es 1816 Georg Wilhelm Lantz für 501 Taler.
Der alte und der neue Friedhof
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Der alte Friedhof oder Totenhof an der Kirche wurde seit alters bis 1817 gemeinsam mit dem Kirchspielsfilialdorf Linter benutzt. Als die Einwohnerzahl auf über 1000 anwuchs, kam die Gemeinde in harte Bedrängnis. Nach einem Bericht des Amtmanns Helmrich vom Amt Kirberg vom 17. Februar 1816 war jährlich mit 40 Toten aus beiden Gemeinden zu rechnen. Die Ruhefrist, 1816 aus Platzmangel nur 6 Jahre, war viel zu kurz, so dass häufig die Leichen noch nicht verwest waren.
Der Gemeindevorstand wollte den alten Totenhof deshalb durch Ankauf der angrenzenden Gärten erweitern, was jedoch von der Landesregierung in Wiesbaden nicht genehmigt wurde. Pfarrei, Gemeindevorstand und das Amt schlugen daraufhin vor, einen neuen Friedhof außerhalb des Dorfes anzulegen. Geeignete Grundstücke besaß dort die Domäne in dem Oraniensteiner Hofacker und dem Nonnenhofacker. Die Landesregierung in Wiesbaden war einverstanden. So konnten am 21. August 1816 die Grundstücke erworben werden, was die Regierung am 6. Dezember 1816 bestätigte. Bei einem Rutenpreis von 28 Kreuzern hatte der Friedhof, der mit dem Zugangsweg 286 Ruten groß war, 180 Gulden und 28 Kreuzer gekostet. Im Jahr 1817 konnte er eingeweiht und belegt werden.
Der Friedhof wurde in der Folge 1869 und noch einmal 1963 bei der Flurbereinigung um ca. 80 Ruten erweitert. In den Jahren 1963/64 wurde die Friedhofskapelle erbaut.
Die Milchbank
✍ Autor(en): Robert Krebs (2025)
Die Milchbank wurde bis 1972 verwendet. Sie diente als Hilfsmittel um eine leichtere Handhabung der Milchkannen beim Umladen auf das Transportfahrzeug zu ermöglichen. Nach 1972 wurden die Milchkannen durch Kühlkarren ersetzt. Ab dann wurde Milch vom Tankfahrzeug direkt abgepumpt, gekühlt und unter Einhaltung der Kühlkette weitertransportiert.
1972 wurden im Schnitt in Mensfelden ca. 1000 Liter Milch täglich gemolken und anschließend zur Molkerei nach Niederneisen transportiert. Die Milchbänke, fünf an der Zahl, dienten noch lange Zeit als Treffpunkte der Dorfjugend.
Foto: Milchbank aufgestellt anlässlich der 1250 Jahr Feier, Robert Krebs, 2025
Als sie nicht mehr gebraucht wurden, konnten sie entfernt werden. An den Standplätzen der Milchbänke wurden durch die Gemeinde Sitzbänke freundlicherweise, aufgestellt. Hier treffen sich bei schönem Wetter junge und alte Mensfeldener sowie Nachbarn, auf der „Unnergässer Bank“ zum Ausruhen und zum Abendplausch.
Die Nachbildung der Milchbank wurde dankenswerterweise von Eduard Steingräber gezimmert und zusammen mit den Nachbarn der Unterstraße anlässlich der 1250 Jahre - Feier aufgestellt. Die Milchkannen wurden als Leihgabe von den Nachbarn als Deko zur Verfügung gestellt.
Die Tankstelle in Mensfelden
✍ Autor(en): Gerion Weber (2025)
Am 10. September 1953 wurde in Mensfelden die Genehmigung zum Betrieb einer DEA Tankstelle in der ehemaligen Neustraße, heute Hehnerstraße 6, erteilt. Dahinter standen Toni und Richard Schumacher.
Vor der Eröffnung der Tankstelle hatte an diesem Platz bereits eine Viehwaage ihren Dienst getan. Diese blieb auch weiterhin in Betrieb, um Schweine und Großvieh vor dem Verkauf an den Metzger zu wiegen.
Die Zapfsäule stand direkt an der Hauswand, und so fuhr man mit dem Wagen praktisch auf den Bürgersteig um zu tanken. Einfach und unkompliziert, wie es damals oft der Fall war. Die Tankstelle umfasste einen kleinen Verkaufsraum, eine Werkstatt mit Montagegrube - in der man im Stehen unter den Fahrzeugen arbeiten konnte - sowie ein kleines Lager.
Die Einwohner Mensfeldens und die ansässigen Betriebe nahmen das Angebot gerne an, direkt im Ort zu tanken. Besonders praktisch war auch die Möglichkeit „anschreiben“ zu lassen und monatlich abzurechnen. Bald kamen auch die Bewohner aus dem benachbarten Nauheim zum tanken. Das Benzin wurde regelmäßig von der Firma Schwarz aus Diez mit einem Tanklastzug angeliefert. Neben dem Tanken konnten die Dorfbewohner auch Reparaturen an Autos, Mopeds und Fahrrädern durchführen lassen. Hierbei kam Richard Schumacher seine Erfahrung als Automechaniker zugute, die er unter anderem in seiner Tätigkeit beim Autohaus Möbus in Limburg gesammelt hatte.
Auch die Dorfjugend war regelmäßig dort. Mit ihren Mopeds kamen sie zum Luft pumpen, zum Besorgen von Ersatzteilen oder um den zugesetzten Auspuff auszubrennen. Natürlich wurde auch getankt, denn hier gab es die 1:50- und 1:25-Mischungen für die Zweitaktmotoren. Im Jahr 1968 wurde die Tankstelle um eine Waschhalle mit Hebebühne erweitert, ein großer Schritt für die Reparaturarbeiten und eine spürbare Erleichterung beim Wechseln der Sommer- und Winterräder. Bald wurde zusätzlich ein Autowaschservice angeboten. Bei Toni und ihrer Tochter Doris gab es Handwäsche, Aussaugen und Innenraumreinigung für kleines Geld.
Anfang der 1970er-Jahren ging die DEA in den Besitz von Texaco über, doch Ende der 1980er-Jahre kehrte sie wieder unter dem alten Namen DEA zurück. Mit der Umstellung der Marke kam auch eine Farbänderung – von grün zu rot. Im Jahr 1982 wurde ein neuer Tank eingebaut, der den modernen Standards entsprach und das Angebot an Kraftstoffen erweiterte. Nun gab es auch zwei Zapfsäulen.
Wer Kleinteile für sein Fahrrad oder Moped suchte, fand sie bei Richard, was nicht vorrätig war, konnte bestellt werden. Im kleinen Laden gab es zudem Eis von der Firma Schöller, das aus einer großen Truhe verkauft wurde. Außen an der Hauswand hing ein Zigarettenautomat der Firma Weber und auch ein Kaugummi Automat.
Richard Schumacher war bekannt für seinen kreativen und humorvollen Umgang mit den Preisen, was einige Kunden zunächst stutzen ließ. Mal kostete das Tanken „1.000 Mark“, eine Reparatur „3.000 Mark“ oder ein neuer Bremszug fürs Fahrrad „100 Mark“, aber nur zum Spaß, denn das waren natürlich nicht die tatsächlichen Preise. Viele erinnern sich noch mit einem Schmunzeln daran.
Über all die Jahre hinweg blieb die Tankstelle vor allem eines: ein lebendiger Ort, an dem sich Arbeit, Geschichten und der Alltag der Dorfgemeinschaft kreuzten. Anfang der 1990er-Jahre musste die Tankstelle schließlich aus gesundheitlichen Gründen geschlossen werden. Der alte Dorfname „Zimmerhannes“ jedoch lebt weiter. Heute wird er vom Enkel Gerion Weber und der Urenkelin Lina Marie Weber getragen.
Das Dorfgemeinschaftszentrum
✍ Autor(en): Holger Schmidt (2025)
Die Entstehung des Dorfgemeinschaftszentrums (DGZ) Mensfelden ist ein herausragendes Beispiel für Zusammenhalt, Weitblick und ehrenamtliches Engagement in unserem Dorf und darüber hinaus. Über viele Jahre hinweg haben zahlreiche Menschen, die Gemeinde Hünfelden, die Vereine und weitere Institutionen gemeinsam an einem Ziel gearbeitet: einen Ort zu schaffen, der allen Generationen offensteht und das Vereinsleben in Mensfelden nachhaltig stärkt.
Die Idee wurde allen Ortsvereinen und den Mensfeldener Mandatsträgern durch den Bürgermeister erstmals in 2001 vorgestellt. Zunächst war angedacht, die bestehende Sporthalle/Turnhalle des TuS Mensfelden in südlicher oder östlicher Richtung zum Bolzplatz zu erweitern. Zwei separate Hallen sollten für die Nutzung entstehen, die durch eine flexible Trennwand zu einem großen Festsaal werden könnte. Im Untergeschoss wären Funktionsräume untergebracht. Kosten zwischen 2,8 und 3,2 Mio. DM. Um dieses Projekt zu finanzieren, seien der Verkauf der vom TV Jahn in Erbpacht genutzten Halle und der Alten Schule, des „Alten Rathauses“ und das Einbringen der Sporthalle des TuS Mensfelden mit dem gesamten Grundstück vonnöten. Außerdem seien auch die übrigen Vereine gefordert, Eigenleistungen zu erbringen.
Ein langer Weg mit Herzblut und Engagement
Die Entscheidung, die eigenen Vereinsheime und Hallen aufzugeben und gemeinsam ein neues Zentrum zu schaffen, fiel niemandem leicht. Für den TuS Mensfelden bedeutete dies einen großen Einschnitt, da man Eigentümer der Sporthalle in Mensfelden war und eine notarielle Übertragung für den symbolischen Wert von 1 EUR an die Gemeinde beschlossen werden musste: Über 40 Jahre lang war die Sporthalle das Herzstück des Vereinslebens, in das unzählige Arbeitsstunden, finanzielle Mittel und viel Herzblut investiert worden waren. Der Verein war mit seiner Halle gut aufgestellt und diese sollte nun einem neuen Gemeinschaftszentrum weichen und abgerissen werden – eine schwere Entscheidung für Vorstand und Mitglieder. Auch der TV Jahn musste sich von seiner mit großer Eigenleistung geschaffenen Halle verabschieden. Viele schöne Erinnerungen sind auch mit diesem Ort verbunden – und doch war der Blick nach vorn entscheidend.
Auch die anderen Vereine, die im Gebäudekomplex der alten Schule oder des alten Rathauses zu Hause waren, mussten Entscheidungen treffen. Der Gesangverein, die Landfrauen, der Verein für Gartenbau und Umwelt sowie der Mensfeldener Jugendraum, mussten sich von ihren angestammten Domizilen verabschieden und einen Verkauf akzeptieren. Trotz aller Wehmut waren sich die Vorstände und Mitglieder einig, dass ein gemeinsames Dorfgemeinschaftszentrum die beste Lösung für die Zukunft ist. Die Bereitschaft, Altes loszulassen und gemeinsam Neues zu schaffen, war die Grundlage für den Erfolg dieses Projekts.
Gemeinsam zum Ziel – Die Planungsphase
Acht Jahre lang wurde geplant, diskutiert und verhandelt. Ein starkes Zeichen für die Gemeinschaft setzte Bürgermeister Norbert Besier mit der Einladung zu einem externen Workshop ins Hotel „Zugbrücke“ nach Höhr-Grenzhausen vom 14. bis 15.01.2005 an welchem Vereinsvertreter, Ortsbeirat, Mandatsträger, Arbeitskreis und Gemeindeverwaltung sowie Planer teilnahmen. Thema des von Silke Franze-Welling moderierten Workshops war: „Gemeinschaftszentrum für Mensfelden - Zentrale Lösung oder Beibehaltung der dezentralen Einrichtungen“.
In den zwei Tagen wurden Ergebnisse der Arbeitsgruppen der Dorferneuerung, politische Eckdaten und Rahmenbedingungen, Bedarfsanalysen mit Raumprogramm und Hallenbelegungspläne, Pläne der Gebäude mit Raumnutzungen, Daten und Fakten zur Gebäudebewertung, Kostenschätzungen bei Sanierung der beiden bestehenden Hallen sowie grundsätzliche Vor- und Nachteile für das Dorf betrachtet. Es wurde gut gearbeitet und diskutiert und man hatte auch Spaß. Die Schlussabstimmung, die wie vereinbart am zweiten Arbeitstag pünktlich um 17:00 Uhr stattfand, erbrachte dann ein nahezu einstimmiges Ergebnis für einen Neubau für max. 2 Mio. EUR. Ein Meilenstein in der Dorfgeschichte: „Ein gemeinsamer Neubeginn für eine gemeinsame Zukunft!“. In der Folge besuchte man mit dem Bürgermeister Hallen in Seelbach, Aumenau und schaute sich weitere Hallen in Obertiefenbach, Niedertiefenbach und Schupbach an. Letztlich fand man aber keine Vorbildhalle für Mensfelden, an welcher man sich hätte orientieren können. Deshalb suchte das engere Planungsteam von TuS und Jahn und auch der Bürgermeister mit dem Architekturbüro einen für das Vereinsleben, das Dorf und die Gemeindefinanzen guten Kompromiss. Insgesamt sieben Planvarianten wurden vom Architekturbüro letztlich skizziert.
Auf der Bürgerversammlung am 28.08.2006 in der TuS-Halle wurde dann der von den Vereinen favorisierte Plan 1a den Mensfeldern als mögliche Variante und auch die weitere Vorgehensweise vorgestellt. Der Planstand in eingeschossiger Bauweise wurde in seiner Idee und der Grundkonzeption von vielen Anwesenden positiv mitgetragen.
Wesentlich für das Durchhalten in dieser langen Zeit war das Wollen der Vereinsvorstände. Sie verfolgten gemeinsam das Ziel eines modernen Dorfgemeinschaftszentrums, das allen Vereinen und den Bürgern offensteht. Auch Bürgermeister Norbert Besier, die Gemeindeverwaltung und die Kommunalpolitik sowie die Dorfentwicklung unterstützten das Vorhaben mit Engagement und Glauben an eine Lösung – auch wenn es zwischendurch zu erheblichen Konflikten im Prozess kam. So setzte sich der TuS Mensfelden für eine Beibehaltung des Schießstandes in einem Multifunktionsraum und einer weiteren Vergrößerung der Nebenraumtrakte wie z.B. dem Vereinsraum ein, was zu höheren Baukosten geführt hatte. Das neue DGZ sollte wichtige Funktionen erfüllen, nur dann wollte der TuS die notarielle Übertragung des Grundstücks mitgehen.
Am 30. März 2009 gab es ein letztes und gutes Abstimmungsgespräch zwischen Bürgermeister Besier und dem TuS-Vorsitzenden Holger Schmidt. Beide Seiten einigten sich über noch offene Punkte (z.B. Hallentrennwand, Lagermöglichkeiten, Garagen, Eigenleistungen, ...), die auch sofort per Bandaufzeichnung durch den Bürgermeister in einer 11-seitigen Ergebnisniederschrift protokolliert und allen Vereinen kommuniziert werden. Der TuS-Vorstand beschließt am 14. April 2009 eine Baulasterklärung zu unterschreiben. Die notarielle Beurkundung der Grundstücksübertragung an die Gemeinde erfolgte am 19. August 2009. Die Abrissarbeiten der TuS-Halle mit vielen Helfern in Zusammenarbeit mit der Fa. Ralf Finger endeten am 26.08.2009. Die getroffenen Planungen galt es nun durch die Gemeinde umzusetzen, manche Details mussten noch im Prozess beraten werden. Die Rohbauarbeiten durch die Baufirma Ötzkan starteten Ende September 2009 – viele Mensfeldener waren Zaunzeuge und machten sich ein Bild vom Baufortschritt ihrer neuen Halle.
Das neue Dorfgemeinschaftshaus ist fertig!
Der Vorschlag von Bürgermeister Norbert Besier das neue Haus den Namen von Hünfeldens Altbürgermeister Erich Valeske zu geben, wurde von allen Beteiligten mitgetragen. Auf Einladung des Bürgermeisters fand die Einweihung der neuen „Erich-Valeske-Halle“ mit vielen Ehrengästen unter Beteiligung der Ortsvereine am Samstag, 26.11.2010 statt. Die Halle war an diesem Tag gigantisch voll und es war eine sehr schöne Veranstaltung mit buntem Programm.
Finanzierung und Förderung
Ein solches Großprojekt mit Baukosten von über 2 Mio. EUR wäre ohne finanzielle Unterstützung nicht möglich gewesen. Dank des Engagements von Bürgermeister Besier und der Gemeindeverwaltung konnten Fördergelder in Höhe von rund 420.000 Euro über die Dorferneuerung, 130.000 Euro über die Sportförderung und 104.000 Euro für das Seniorenzentrum vom Sozialministerium eingeworben werden. Diese Mittel bildeten die finanzielle Basis für den „Ersatzneubau“ des neuen Zentrums. Damit konnte die Belastung des Gemeindehaushalts für diese Projekt deutlich reduziert werden. Zudem stellte der TuS Mensfelden seinen Grund und Boden zur Verfügung, übernahm den Abriss der eigenen Turnhalle und hatte die Federführung bei den kostenreduzierenden Eigenleistungen der Vereine beim Innenausbau. Auch die Verkaufserlöse für die alte Schule und das alte Rathaus und die nun nicht mehr aufkommenden jährlichen Gebäudekosten kamen in der Folge dem Haushalt der Gemeinde zu Gute.
Bedeutung für das Dorf und das Vereinsleben
Mit dem neuen Dorfgemeinschaftszentrum ist ein Ort entstanden, der das Miteinander in Mensfelden auf eine neue Stufe hebt. Hier finden Sport, Kultur, Feste und Begegnungen unter einem Dach statt. Der TuS Mensfelden, der TV Jahn, der Gesangverein, die Landfrauen, der Verein für Gartenbau und Umwelt und der Jugendraum sowie der Seniorenkreis u. a. haben nun ein gemeinsames Zuhause, das den Austausch und die Zusammenarbeit fördert.
Das DGZ ist ein Symbol für den neuen Zusammenhalt im Dorf, welches einst durch große Spannungen durch die Vereinsspaltung negative Schlagzeilen machte. Es zeigt, was möglich ist, wenn viele Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen und ihre Kräfte bündeln. Die Aufgabe der eigenen Hallen und Vereinsdomizile war ein mutiger Schritt, der sich gelohnt hat: Heute profitieren alle Generationen von einem modernen, barrierefreien und vielseitig nutzbaren Zentrum.
Ein Dank an alle Beteiligten
Die Entstehung des Dorfgemeinschaftszentrums Mensfelden ist ein Gemeinschaftswerk, welches ohne das Engagement vieler nicht möglich gewesen wäre. Allen, die mitgeplant, mitgearbeitet, vermittelt, unterstützt und gefördert haben, gebührt großer Dank. Sie haben gezeigt, dass Mensfelden ein lebendiges Dorf ist, in dem Zusammenhalt und Engagement großgeschrieben werden.
Das neue Dorfgemeinschaftszentrum ist ein Ort der Begegnung, des Sports, der Kultur und des Miteinanders – und ein Meilenstein in der Geschichte unseres Dorfes.
Historischer Dorfbrunnen
✍ Autor(en): Robert Krebs (2025)
Der Ortsteil Mensfelden erhält einen historischen Dorfbrunnen im Jubiläumsjahr 2025
Bei der Erneuerung der Hehnerstraße im Jahre 2020 wurde unter anderem ein alter Brunnen aus der Zeit des 19. Jahrhunderts entdeckt. Dieser, aus Bruchsteinen ohne Mörtel gemauerte Dorfbrunnen war mit einer Betonplatte abgedeckt. Der Brunnen konnte so vor sich hin schlummern, bis die Bauarbeiter ihn wieder entdeckt haben. Bei der Neugestaltung der Straße musste der Brunnen dem neuen Oberflächen-Niveau der Straße angepasst und mit einem abschließenden Deckel gesichert werden. Die gesamte Baumaßnahme der Straßenerneuerung, sowie wie die Erneuerung der Wasserleitung, Abwasserleitung und Energieversorgung, wurde von einem archäologischen Team begleitet und dokumentiert. Hierdurch verzögerte sich die Baumaßnahme um ca. ein halbes Jahr. Es wurden viele, bisher unentdeckte Funde gesichtet, die zum historischen Alter der Mensfeldener Dorfgeschichte von großer Bedeutung sind. Dieser und viele andere Brunnen, im Dorf befindlichen Zieh - und Schürfbrunnen dienten bis zum Bau der Dorfwasserleitung in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts für Mensch, Tier und Gärten zur Wasserversorgung. Die Brunnen und auch die im Dorf befindlichen Brandweiher, waren zum Brandschutz dringend vorgeschrieben. Zumal im Jahre 1801 bei einem Großbrand 2/3 der Häuser den Flammen zum Opfer fielen. Nach der Inbetriebnahme der Wasserleitung 1950, durfte das Brunnenwasser zum menschlichen Gebrauch aus hygienischen Gründen nicht mehr genutzt werden. Der Brunnen befand sich nicht mitten auf der Straße, sondern am Straßenrand zwischen künftigem Bürgersteig und Straße. Auf der Straßenseite waren ohnehin Pflanzbeete und Baumbepflanzungen mit Parkstreifen bei der Planung vorgesehen. Es bot sich an, diesen Brunnen in die Neugestaltung ab der Straßenoberkannte mit aufzunehmen. Hierbei ist die Idee geboren worden, diesen Brunnen zu einem späteren Zeitpunkt einem schönen, neuen Treffpunkt für Mensfelden herzurichten.
Inzwischen hat sich die Findungsgruppe „Unser Dorf hat Zukunft“ mit dieser Idee in etlichen Sitzungen angenommen. Das Ergebnis war, eine Neugestaltung des Brunnens mit Hochbauten. Zur finanziellen Hilfe um so etwas umzusetzen, kam zwischenzeitlich die Überlegung, dieses Projekt in das Hünfeldener Dorfentwicklung Programm IKEK (Inter Kommunales Entwicklungs Konzept) aufzunehmen. Dieses geschah auch und wurde durch Beschluss der Gemeindevertretung in das Konzept aufgenommen und genehmigt. Es ist vorgesehen, dieses Brunnenprojekt im Jubiläumsjahr 1250 zu verwirklichen.
Sichtung der Bausubstanz
Die Jugendabteilung sowie aktiven Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr Mensfelden pumpten den Brunnen in einer Übungsstunde leer. Es wurden keine Gegenstände, alte Waffen oder Müll gefunden. Der Brunnen selbst hat einen innen Durchmesser von ca 140 Centimeter und eine Tiefe von 6,38 Meter ab Straßenoberkante. Er hat einen ständigen Wasserstand von 168 cm unter der Straßenoberfläche. Der Brunnen ist bis zu seinem Fundament komplett mit Bruchsteinen aus Mensfeldener Steinbrüchen ohne Mörtel gefertigt und von der Bausubstanz in einem sehr guten Zustand. Das Brunnenwasser wird vom Grundwasser gespeist und ist durchsichtig bis zum Brunnenboden.
Die Herstellung des Brunnens und seiner Umgebung ab der Straßenoberfläche
Um diese Brunnenanlage für die kommenden Generationen sichtbar zu machen, wird das Bauwerk oberhalb der Straßenoberfläche hochgebaut. Eine beidseitig sichtbare kreisförmige Bruchsteinmauer wird mit 6 schmiedeeisernen Stützen zur Aufnahme des Runddaches hergestellt. An den Stützen werden zum Einhängen von Freundschaftsschlössern Rundeisen angebracht. Der Brunnen erhält zur Optik eine fest angeschraubte Seilspindel aus Stahl. Am Seilende wird ein Schöpfeimer angebracht. Der Brunnen selbst wird innen durch LEDs beleuchtet. Die nötige gespeicherte Energie für die Beleuchtung wird nur bei Dunkelheit benötigt. Sie wird durch eine auf das Dach montierte Photovoltaik-Paneele gewährleistet. Dadurch wird für die Elektronik kein Anschluss an das örtliche Stromnetz benötigt. Der Brunnenschacht erhält einen sicheren und abschließbaren, sowie durchschaubaren, schmiedeeisernen Reinigungsdeckel. In unmittelbarer Umgebung wird eine Schautafel mit Hinweisen über die Historie des Brunnens und dem Großbrand 1801 und auch über die entdeckten Funde bei den Bauarbeiten in der Straße. Das Ganze wird mit einem QR-Code versehen. Für die Besucher werden zwei Sitz-Würfel zum Verbleib am Brunnen aufgestellt, wovon einer der Beiden innen zur Aufnahme der Elektrik dient.
IV. Leben im Ort
Das alte Dorfleben
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
In unserem Dorf wurde bis zum 19. Jahrhundert die fränkische Bauweise beibehalten, das zeigen die alten Anwesen mit ihren geschlossenen Höfen, die aneinander gereiht, lange Straßen bildeten.
Ich liebe meine Heimat, weil sie so viel romantisches an sich hat. . . Der Gesamteindruck, den sie beim Überblick macht, ist nüchtern und alltäglich. Die alten Häuser mit ihren spitzen Giebeln und verblassten Schieferdächern bargen in sich jedoch ein zufriedenes Zusammenleben. Die Leute lebten äußerst einfach.
Vor Eintritt des Winters musste für einen gehörigen Vorrat gesorgt sein; im Keller ein Haufen Kartoffel, auf dem Gerüst Äpfel, soviel es tragen konnte, ein gefülltes Fass mit Sauerkraut, ein Ständer mit Bohnen, eingepökeltes Schweinefleisch und auf dem Speicher Roggen und Gerste für Brotmehl und Weizen für den Festtagskuchen. Die Naturalwirtschaft hatte damals auf dem Lande noch breiten Boden. Das Brotmehl wurde aus einer Mischung von Roggen und Gerste bereitet. In Mensfelden, dass selbst keine Mühle hatte, wurde die Brotfrucht von einem Müller aus der Nachbargemeinde zum Vermahlen abgeholt und nach einiger Zeit als Mehl wieder zurückgebracht, nachdem der Naturlohn (Molter) davon abgezogen war. Gewöhnlich erhielt man einen Zentner Mehl, den der Bäcker wieder abholte, um daraus 32 Brotlaibe zu backen. Diese wurden im Oberflur auf einer Brothanke bis zum Verbrauch aufgehoben. Ich erinnere mich, dass die letzten Laibe oft recht hart und zuweilen schimmelig waren. Frisches Brot, so hieß es, sollte nicht gesund sein. Bei jedem Geback gab es ein bis zwei Platte, kuchenartige Plätze, worauf wir Kinder uns besonders freuten. Kuchen gab es nur an Feiertagen oder Festen reichlich. Wenn diese gebacken wurden, gingen die Frauen selbst ins Backhaus, wo jede dafür sorgte, dass ihre Zutaten richtig verwendet und dass ihre eigenen Kuchen durch ein besonders Zeichen von den fremden unterschieden werden konnten.
Manchmal kam der Bäcker mitten in der Nacht und klopfte ans Fenster, um die säumige Hausfrau zu wecken, wenn sie an der Reihe war. Die Butter wurde noch selbst gestoßen oder in einem Butterfass geleiert, an welchem wir Kinder die Leier drehen mussten.
Das Kochen von Birn- und Zwetschgenkraut zum Brotaufstrich war damals in jedem Haushalt ein großes Ereignis. Zum Schälen der Birnen und zum Auskernen der Zwetschen wurden die Mädchen aus der Nachbarschaft bestellt, und niemand versagte die freiwillige Hilfeleistung, die man ein andermal wieder selbst in Anspruch nahm. Es ging sehr lustig zu in großer Gesellschaft, die sich dann um den großen Esstisch versammelt hatte.
Vom Scherzen und Necken kam man zum Singen, wobei die Arbeit rasch von der Hand ging, so dass man schon nach Hause gehen konnte, ehe der Nachtwächter elf Uhr blies. Manchmal wurde auch noch eine Runde durch das Dorf gedreht, wobei man die Burschen mit Zwetscheernen an ihren Fenstern beglückte.
Die Kost war reichlich und bestand zumeist aus Vegetabilien. Fleisch vom Metzger, gewöhnlich Rindfleisch, gab es nur an Sonn- und Feiertagen; daneben wurde in der Woche ein bis zweimal geräuchertes Schweinefleisch gereicht, wofür man im Winter ein oder zwei gemästete Schweine schlachtete. Das besorgte der Metzger des Ortes, die meistens als Hausmetzger nebenberuflich arbeiteten. Schon am frühen Morgen erschien der Metzger zum Schlachten, und am Nachmittag wurde die Wurst gemacht. Der Schlachttag, auch Schlachtfest genannt, war ein großes Ereignis, wozu man die Nachbarskinder und nächsten Verwandten einlud.
Wie bei der Nahrung war es auch bei der Kleidung das Lohnwerk noch in voller Übung. Der selbstgeerntete Flachs und der Hanf wurden, nachdem die Samenkörner abgenommen waren, auf den eigenen Wiesen geröstet, dann wurde der Flachs, nachdem er richtig ausgetrocknet war, im munteren Takte zwischen den Laden und der Breche gebrochen und von den Holzbestandteilen befreit. Diese sogenannten Ohme fielen zu Boden, während die Fasern erst noch gehechelt werden mussten, um, in Knoten zusammengebunden, mitsamt dem abgefallenen Wergt zur Verspinnung aufgehoben wurden. War dieses während des Winters von den Frauen des Hauses besorgt, so wurde das Garn gekocht und dann dem Leineweber übergeben, der um Ellenlohn Zeug daraus webte. Dazu erhielt er das Schlichtmehl aus dem Kundenhaus und eine gewisse Menge Brot, wohl ein Überrest aus einer früheren Zeit, als er vom Kunden die volle Kost erhielt.
Das rohe Gewebe wurde auf der Wiese gebleicht, jeden Tag musste es mehrmals mit Wasser begossen werden, bis es gebleicht war und zu Hemden oder Bett- und Handtüchern verarbeitet wurde. Ein Teil wurde auch zum Blaufärben zu dem Färber nach Kirberg oder Limburg gebracht, wobei der Kunde ein Messingschildchen bekam, damit man das Gewebe wieder erkannte, wenn es aus der Farbe kam und dem Schneider zur Anfertigung von Leinenhosen oder Kitteln übergeben werden konnte. Die wenigen Handwerker, welche man auf dem langen Weg vom rohen Spinnstoff bis zur fertigen Kleidung brauchte, waren Heimwerker, die oft viel, aber oft auch wenig zu tun hatten und für Stücklohn arbeiteten. Der Stoff für bessere Kleidung wurde in einer Tuchhandlung in Limburg gekauft, später konnte man sich auch beim Schneider des Dorfes den Stoff aussuchen, der ihn dann besorgte. Bevor dieser den Anzug machte, kam er ins Haus oder man ging zu ihm zum Maßnehmen. Ähnlich war es auch bei den Frauen und Mädchen. Vom Kauf beim Kleiderhändler in Limburg wurde damals noch wenig Gebrauch gemacht. Als ich noch Kind war, trugen die Bauern blaue Leinenkittel mit einfacher Stickerei auf den Achseln, am Hals geschlossen mit einem Metallhaken, der an einem Messingblech in Form einer Eichel saß. Das war eine sehr kleidsame und praktische Tracht. Im Winter zog man selbstgestrickten Wams darunter und im Sommer konnte man, wenn mans ganz leicht haben wollte, die Weste auslassen. Man sah immer ordentlich im Kittel aus, was bei der jetzt gebräuchlichen nicht immer der Fan ist.
Auch mit Schuhen wurde man sehr knapp gehalten. Die Kinder hatten meistens nur ein Paar, dagegen ältere Leute zwei Paar Schuhe, ein Paar für werktags und ein Paar für sonntags besaßen. Sie wurden von einheimischen Schuster gemacht, die jedoch meistens als Flickschuster für die Werktagsschuhe arbeiteten. Die Sonntagsschuhe wurden schon damals in den Limburger Schuhgeschäften gekauft.
Bei Erkrankungen wurde selten und nur in höchster Not der Arzt gerufen. Man behalf sich mit den immer zur Verfügung stehenden Hausmitteln. Bei Wunden wurden gekochte I.einsamenumschläge gemacht. Gegen die häufig auftretenden Erkältungskrankheiten wurden Kamillentee und Leinsamen in leinerne Säckchen gegeben und damit Umschläge gemacht; auch Tee wurde reichlich getrunken, z. B. Lindenblüten, Kamillen, oder Wachholdertee. Von all diesen Hausmitteln war immer reichlich im Haus. Besonders gern wurden warme Umschläge gemacht und schweißtreibende Mittel angewandt, wobei manchmal eine Kühlung angebracht war. Ehe man den Arzt holte, damals gab es noch keine Krankenkassen, hat man erst den Kuh- oder Schafhirten oder einen anderen, der als Braucher bekannt war, geholt, der dann mit seinen Händen über die kranke Stelle fuhr und dabei sein Heilsprüchlein aufsagte, welches etwa wie folgt lautete:
Weicht ihr Schmerzen, heilt ihr Wunden, wie des Heilands Hände heilen , will ich mit seiner Kraft dir Linderung und Heilung geben, im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes Amen.
So dauern die alten Heilsegen und Zaubersprüche im Volke fort und werden ebensowenig auszurotten sein wie das Gesundbeten.
Dagegen ist von Gespensterfurcht und Aberglauben wenig zu berichten. Manchen gruselte es in der Dunkelheit, vor allen Dingen denen, die etwas Unrechtes getan hatten. Diese glaubten, böse Geister verfolgen sie.
Vom Aberglauben oder Hexenglauben ist mir zur Genüge aus dem Mittelalter und aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges durch alte Überlieferungen bekannt.
Es gab aber noch in Mensfelden Leute, die bis zum 20. Jahrhundert an ihre Stalltüren nach der Walburgisnacht mit Kreide drei Kreuze oder drei Buchstaben K. M. B. (Kaspar, Melchior, Balthasar) machten, worüber sich die anderen lustig machten. Bei dieser Gepflogenheit handelt es sich aber um eine Sitte, die aus der Zeit vor der Reformation stammt und heute noch Brauch in den katholischen Nachbardörfern ist, wenn am Dreikönigstag die Sternsinger von Haus zu Haus gehen und diese drei Buchstaben mit drei Kreuzen an die Haustür schreiben. Man erzählt sich heute noch, dass es welche gab, die in der Gemarkung oder sonstwo Gespenster gesehen haben wollen, was besonders die Kinder beeindruckte.
Immer waren wir stolz auf das Geläute unserer Kirchenglocken, wenn sie im dumpfen Dreiklang zum Gottesdienst riefen, oder wenn eine von ihnen zu Gemeindeanlässen rief, die Tageszeiten anzeigte oder das Sterbeglöckchen uns den Tod eines unserer Mitbürger kündete. Besonders habe ich ihren Zauber empfunden, wenn am Sonntagmorgen ihr lieblicher Schall über Dorf, Fluren Wald erklang, und die Glocken der Nachbargemeinden in weiter Runde miteinstimmten. Es liegt etwas Heimatliches in dem Ton der Kirchenglocken und wer ihn lang nicht gehört hat, dem rufen sie schlummernde Erinnerungen wach. Ohne ihre schwingenden Töne würde uns etwas fehlen in unserem Dorf.
Prägt die Zeit auch ihre Menschen, die Erinnerung aber bleibt doch.
Jüdische Familien in Mensfelden
✍ Autor(en): Markus Streb (2025)
Frühe Quellen
Spätestens seit 1673 lebten dauerhaft Jüdinnen und Juden in Mensfelden. Über die Zeit davor lassen sich aktuell kaum Aussagen treffen, da eine Auswertung der im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden vorhandenen einschlägigen Quellen noch aussteht.
Vom jüdischen Leben im 17. und 18. Jahrhundert wissen wir vor allem aus überlieferten Rechtsstreitigkeiten und Verwaltungsakten. Neben zahlreichen Erbschaftsangelegenheiten, stechen besonders die 1703 bis 1704 geführten Streitigkeiten des Mensfelder Pfarrers Zippelius mit Juden hervor. Dabei ging es um so genannte Schabbes-Mägde und -Knechte. Diese waren nichtjüdische Mägde oder Knechte, die samstags, am jüdischen Sabbat (Schabbes), Arbeiten erledigten, die den Jüdinnen und Juden nach religiösen Vorschriften verboten waren. Dazu zählten Aktivitäten wie Kochen, Feuer machen oder Vieh füttern und melken. Bis in die 1930er Jahre hinein war dies in Mensfelden üblich und oft übernahmen auch Freunde und Freundinnen oder Nachbarn und Nachbarinnen solche Aufgaben.
Ab etwa 1750 bildeten die Juden und Jüdinnen aus Mensfelden mit denen aus Dauborn, Heringen und Kirberg eine eigene Kultusgemeinde. Sie wählten einen gemeinsamen Gemeindevorstand. Dieser kümmerte sich vor allem um Angelegenheiten, die jüdische Gottesdienste, den Religionsunterricht für die Kinder oder Sterbefälle betrafen.
In den Dörfern sesshaft werden konnten nur die sogenannten Schutzjuden, die von der jeweiligen Regierung ein Niederlassungsrecht erhielten. Für die jüdische Bevölkerung galten gesonderte „Judenordnungen“. 1769 wurde unter dem Titel „Ordnung nach welcher die Juden, so in dem gemeinschaftlichen Amte Kirberg wohnen, oder darinen aufgenommen werden, sich verhalten sollen“ eine solche Verordnung gedruckt. Aus dieser Zeit ist auch eine Liste der ab 1771 in Mensfelden ansässigen Schutzjuden überliefert. Es handelte sich um fünf Menschen, denen mit samt ihren Familien und Beschäftigten Schutz gewährt wurde: Jud Löw Juda, Hertz Heyum, Joseph Wolf, Joel Abraham und Wolf Joel. Erst 1848 galten die Schutzjuden im Herzogtum Nassau, zu dem Mensfelden gehörte, offiziell als gleichgestellte Bürger. Zu dieser Zeit mussten sie auch feste Nachnamen annehmen.1
Leben im 19. Jahrhundert
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die jüdische Gemeinde in Mensfelden eine Blüte. 1843 zählte man hier von insgesamt etwa 1100 Einwohnerinnen und Einwohnern 54 Jüdinnen und Juden. Das Dorf hatte eine der größten jüdischen Bevölkerungen im ganzen Umkreis. Vor allem durch Heirat oder Geschäftsgründung zogen immer wieder Gemeindemitglieder weg. Auch unter den Mensfelder Familien, die im 19. Jh. in die USA auswanderten, waren jüdische Familien. Die Gemeindemitglieder wurden auf dem jüdischen Friedhof in Kirberg, später zwischen Kirberg und Dauborn beigesetzt.2
Die jüdische Bevölkerung in Mensfelden lebte vor allem vom Viehhandel oder bot Manufaktur- und Textilwaren an. Es gab verarmte Einzelpersonen oder Familien, die von der jüdischen Gemeinde, teilweise aber auch von nichtjüdischen Nachbarinnen und Nachbarn, unterstützt wurden. Einige der Familien erlangten vor allem mit ihrem Viehhandel einen gewissen Wohlstand.
Die jüdischen Kinder und Jugendlichen besuchten die Volksschule in Mensfelden. Selten gingen sie auf städtische weiterführende Schulen. Daneben gab es für sie einen eigenen Religionsunterricht, der im Wechsel in den vier Ortsteilen stattfand. Hierüber gab es nicht selten Streitigkeiten. Gerade von Seiten der Jüdinnen und Juden aus Mensfelden wurde immer wieder dafür plädiert, dass die Kinder der anderen Ortsteile nach Mensfelden zum Religionsunterricht kommen sollten, weil dort die meisten jüdischen Kinder zu beschulen waren.
Über weite Teile des 19. Jahrhunderts besorgte der in Heringen lebende Lehrer Abraham Levi Dickstein den Religionsunterricht. Zum Unterricht gehörten beispielsweise: Glaubens- und Sittenlehre, spezielle Religionsgeschichte, Geschichte des jüdischen Volkes, Geografie Palästinas, Synagogengesang und hebräische Sprache. Der Unterricht wurde in einem Kurs für die 8- bis 10- sowie einem für die 10- bis 14-Jährigen erteilt. Der Unterricht fand unter anderem in einem Betraum der Gemeinde in Mensfelden statt, den es spätestens seit dem frühen 19. Jahrhundert dort gegeben hatte und der auch als Synagoge bezeichnet wurde, da dort die Gottesdienste und Versammlungen stattfanden. Wann dieser Betraum aufgelöst wurde, ist nicht überliefert. Erst in den 1910er Jahren bekam Mensfelden wieder eine eigene kleine Synagoge.3
Jüdische Familien in Mensfelden im 20. Jahrhundert
Im November 1939 hatte sich das letzte jüdische Ehepaar aus Mensfelden nach Frankfurt abgemeldet. Ausgrenzung, Boykotte und antisemitische Angriffe machten das Leben auf den Dörfern nahezu unerträglich. Wer nicht ins Ausland fliehen konnte, zog in größere Städte. Insgesamt wurden mindestens 16 jüdische Menschen, die aus Mensfelden kamen, bzw. dort für längere Zeit ihren Lebensmittelpunkt hatten, während des Nationalsozialismus ermordet oder nahmen sich das Leben. Anderen gelang es, oft unter widrigen Bedingungen und unter Aufgabe des bisherigen Lebens, zu überleben und ins Ausland zu entkommen. Die Überlebenden hatten oft noch im Rahmen sogenannter Entschädigungs- und Rückerstattunsgverfahren mit Mensfelden zu tun. Manche von ihnen kamen in den Jahrzehnten nach dem Krieg für kurze Besuche zurück – mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Manche wollten mit Deutschland im allgemeinen und Mensfelden im besonderen nichts mehr zu tun haben. Andere knüpften sogar neue Freundschaften. Inzwischen gibt es, nicht zuletzt durch die Aktivitäten des Arbeitskreises „Spuren Jüdischen Lebens in Hünfelden“, Kontakte zu Nachfahren der meisten jüdischen Familien aus Mensfelden.
Die jüdischen Familien, die in der Zeit zwischen 1900 und 1939 in Mensfelden lebten, trugen die Namen Besmann, Dublon, Markus, Rosenberg, Seemann, Stein und Stern. Sie sollen im Folgenden näher vorgestellt werden. Zum einen, weil diese Menschen im Gedächtnis vieler nichtjüdischer Familien aus Mensfelden und Umgebung bis heute eine Rolle spielen, zum anderen, um an ihre Verfolgung im Nationalsozialismus zu erinnern.
Besmann, Albrecht „Albert“ & Johanna (geb. Lichtenstein), Lina Liesel, Hans Herbert und Margot Ilse
Fahlerstraße 7 / Fahlerstraße 14
Albert Besmann (*7. Februar 1880) entstammte einer alteingesessenen jüdischen Familie in Mensfelden. Er übernahm den Viehhandel seiner Eltern Bernhardt und Regine in der Fahlerstraße 7. Die Familie hatte dort ein Haus mit Scheune, Ställen und großem Garten. Alberts Bruder Hermann (*28. Juni 1894) gründete seinen eigenen Viehhandel in Limburg. 1907 heiratete Albert die aus Selters/Westerwald stammende Johanna Lichtenstein (*19. April 1882). Die beiden bekamen drei Kinder: Lina Liesel (*15. Juli 1908), Hans Herbert (6. Mai 1913) und Margot (*13. Oktober 1923). Sie alle gingen in Mensfelden zur Schule. Die Familie baute ein Haus in der Fahlerstraße 14, das sie jedoch 1936 verkauften und wieder in die Fahlerstraße 7 zogen. 1938 wurde Albert nach den Novemberpogromen verhaftet und für mehrere Wochen nach Buchenwald gebracht. Die Familie verkaufte das Haus weit unter Wert an die Gemeinde Mensfelden, die hier später ihr Rathaus einrichtete. Johanna und Albert zogen schließlich im September 1939 nach Mainz. Dort starb Albert im Januar 1942. Johanna wurde im März 1942 nach Piaski deportiert und anschließend ermordet.
Liesel arbeitete nach der Schule in Mensfelden als Hausmädchen. Da sie unverheiratet ein Kind erwartete, wurde sie Mitte Dezember 1928 in das Neu-Isenburger Heim des Jüdischen Frauenbundes aufgenommen. Ihre Tochter Hannelore wurde zur Adoption freigegeben und als Hannelore Marchand später nach Riga deportiert und ermordet. Liesel zog nach dem Aufenthalt in Neu-Isenburg zurück nach Mensfelden. Ihr gelang im März 1939 die Flucht nach England.
Hans Herbert stieg 1926 in den elterlichen Viehhandel ein. 1935 wurde er von SS-Männern verhaftet, da die beim „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) aktive Tochter eines Nachbarn ihn denunziert hatte. In Limburg verurteilt, kam er zunächst ins Gefängnis in Freiendiez und danach für mehrere Monate nach Opladen, wo er Zwangsarbeit verrichten musste. Nach kurzer Ausbildung im Hachschara Zentrum „Landwerk Neuendorf“ floh er im Mai 1937 nach Argentinien. Er arbeitete zunächst vor allem in deutschsprachigen Hotels. Später lebte er als Viehzüchter im Dorf Colonia Avigdor und starb 1990 in Buenos Aires.
Margot war das letzte jüdische Kind, das in Mensfelden zur Schule ging. Sie hatte einige nichtjüdische Freundinnen in Mensfelden, mit denen sie auch nach 1933 in engem Kontakt war. Eine ihrer besten Freundinnen berichtete später, dass sie einmal bei den Besmanns zur Silversterfeier eingeladen war. In der Nachbarschaft feierte der „Raue Wurf“, eine Clique, die den Besmanns als überzeugte Nazis gefürchtet war. Als diese Clique immer lauter und betrunkener wurde, schickte Margots Mutter den nichtjüdischen Gast unter Begleitung der ältesten Tochter Liesel nach Hause, damit wenigstens sie in Sicherheit war. Ob in der Nacht etwas passiert ist, wissen wir aber nicht. Nach kurzer Zeit an der Haushaltsschule in Frankfurt, verließ Margot Mensfelden im Juni 1939 und floh nach England. In den 1950er Jahren besuchte sie Mensfelden, wurde jedoch beleidigt oder ignoriert und brach anschließend alle Kontakte ab.
Foto: Johanna, Albert und Margot Besmann, Quelle: Paula Oliver, undatiert
Besmann, Salomon & Berta, Adolf „Abo“, Siefried „Siggi“ und Johanna „Hanni“
Sonntagsstraße 5 (heute Hof Sonntagsstraße 15)
Salomon Besmanns (* 20. Juni 1874) Vorfahren lebten seit Generationen in Mensfelden. Nach der Schulzeit in Mensfelden erlernte er das Metzgerhandwerk und wurde Viehhändler. Im Sommer 1903 heiratete er Berta Stern (* 10. August 1875) aus Oberbrechen. Sie hatten drei Kinder: Adolf „Abo“ (*07. April 1904), Siegfried „Siggi“ (*27. April 1905) und Johanna „Hanni“ (*23. August 1907).
Das Haus der Besmanns in der Mensfelder Sonntagsstraße war ein beliebter Treffpunkt für Familie, Freunde und Bekannte. Ab 1933 hatte Salomon große Probleme, Käufer für sein Vieh zu finden. Er erinnerte sich später aber ebenso an die Bauern und Händler, die weiterhin fair, wenn auch oft heimlich, mit ihm handelten. Er und Berta verkauften schließlich Wohnhaus, Schlachthaus und (Grund)Besitz und flohen im September 1938 nach Haifa in Palästina. Sie lebten dort im engen Familienkreis. Berta starb 1961, Salomon 1968.
Adolf ging mit zehn Jahren auf eine Schule in Marburg. Er lebte und arbeitete in den folgenden Jahren als Händler und Schumacher in Weilburg, Limburg und Friedberg. Anfang der 1930er kehrte er nach Mensfelden zurück, wo er aktiver Fußballer und Musiker war. 1933 floh Abo aufgrund der zunehmenden Diskriminierung von Mensfelden nach Frankreich. Seine Flucht führte ihn über Paris nach Spanien, wo er im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten kämpfte. Zurück in Frankreich, schloss er sich der Fremdenlegion an. Während des Weltkrieges, nach der Kapitulation Frankreichs, musste er in einem Internierungslager des Vichy-Regimes am Rande der Sahara Zwangsarbeit leisten. 1944 kam er, inzwischen als britischer Soldat, nach Palästina, wo er Schwester und Eltern wieder traf. Er führte zwei kinderlose Ehen und starb 1995.
Siegfried stieg nach der Schulzeit als Viehhändler im elterlichen Betrieb ein. Er spielte in Mensfelden Fußball und Theater. Er heiratete Betty Strauß aus Heringen. 1934 zogen die beiden mit Bettys Bruder Gustav nach Chemnitz, wo Siggi Textilien produzierte. Im Novemberpogrom wurde er verhaftet und für mehrere Wochen im KZ Buchenwald interniert. Anschließend konnte er, mit erzwungenen Umwegen, in die USA fliehen, wo seine Frau kurze Zeit nach ihrer Ankunft starb. Siggi heiratete erneut und gründete eine Familie in Tennessee. Er starb 1993.
Johanna machte nach der Schule eine Ausbildung zur Krankenschwester in Köln. Sie lernte später ihren Ehemann Heinrich Neuburger aus Bayern kennen. 1934 wurde Tochter Judith geboren. Sie waren noch oft in Mensfelden, bevor sie 1937 nach Palästina flohen. Dort betrieben sie zunächst ein Restaurant. Später arbeitete Hanni wieder als Krankenschwester. Sie starb 1999.4
Foto: Hochzeitsfoto von Bertha und Salomon Besmann, Quelle: Ted Besmann, 1903
Foto: v.l.: Adolf Besmann, Johanna Neuburger (geb. Besmann), Heinrich Neuburger, unbekannte Freundin, Walter Stern & Siegfried
Dublon, Heinrich & Elise (geb. Stein), Gertrud „Gerda“, Rosa „Rosel“ und Rudolf „Rudi“
Mittelstraße 6 (heute Sonntagsstraße 6)
Elise Stein (*14. Februar 1877) aus Mensfelden heiratete im Oktober 1904 den aus Wittlich stammenden Schuhmacher Henrich Dublon (*25. Februar 1877). Die beiden gründeten in einem kleinen Haus in der Mittelstraße 6 eine Familie. Sie hatten drei Kinder: Gertrud „Gerda“ (*11. September 1905), Rosa „Rosel“ (*19. Mai 1908) und Rudolf „Rudi“ (*12. März 1911). Die Kinder waren in Mensfelden und im Umkreis gut vernetzt. Die Familie gehörte zu den ärmsten in Mensfelden, ihre Situation verschlechtere sich nach 1933 noch. Heinrich und Elise flohen im Juni 1939 nach Frankfurt. Sie mussten Haus und Habseligkeiten verkaufen. Im Oktober 1941 wurden sie von Frankfurt nach Lodz/Litzmannstadt deportiert und ermordet.
Gertrud heiratete Salomon „Sally“ Strauß aus dem benachbarten Heringen. Ihre Tochter Beate wurde am 6. September 1936 im Kirberger Krankenhaus geboren. Aufgrund der Verfolgung hatte Gerdas Ehemann Sally häufiger Zusammenbrüche. Er wurde nach den Novemberpogromen 1938 verhaftet und nach Buchenwald verschleppt. Gerda und ihre dreijährige Tochter wurden für einige Tage zusammen mit anderen jüdischen Frauen und Mädchen im Limburger Gerichtsgefängnis festgehalten. Im Juni 1939 gelang ihnen die Flucht nach Frankfurt. Von dort wurde die kleine Familie im Oktober 1941 in das Ghetto Lodz/Litzmannstadt deportiert und anschließend ermordet. Sie hatte zuvor noch Hoffnung, aus Deutschland fliehen zu können und gaben regelmäßig etwas von ihrem knappen Geld für Englischunterricht aus.
Rosa arbeitete nach der Schule als Haushälterin bei Albert Rieser, einem jüdischen Ladenbesitzer in Limburg. Bis 1935 arbeitete sie in verschiedenen Haushalten in Frankfurt oder Bad Soden. Als sie aufgrund steigender Repression arbeitslos wurde, gelang ihr die Flucht nach England, von wo sie 1937 in die USA floh. 1940 heiratete sie dort Robert Wieseneck. Bis zu ihrem Tod 1985 hatte sie immer wieder Kontakt zu alten Freundinnen wie Minna Klengel in Mensfelden.
Rudolf Dublon absolvierte nach der Schule von 1925 bis 1928 eine Kaufmannslehre bei Fritz Oppenheimer in Limburg. Anschließend arbeitete er im Geschäft von Hermann Rosenthal, ebenfalls in Limburg. Zwischen 1930 und 1933 war er als Geschäftsreisender bei seinem Onkel Hermann Stein in Mensfelden beschäftigt. Die Arbeit wurde ihm durch zunehmende Anfeindungen unmöglich. Rudolf Dublon konnte beim nichtjüdischen Nachbarn Karl Wilhelm Müller arbeiten. Er floh im Dezember 1935 nach Palästina. Dort angekommen, gelang ihm keine Geschäftsgründung. Zusätzlich setzte ihm das Klima zu. Mit Unterstützung seiner Schwester Rosa, gelang ihm schließlich die Flucht in die USA. Dort lebte er bis zu seinem Tod im Jahr 1991.
Markus, Rosa (Röschen) & Jette (Jettchen)
Laistraße 16 (heute Sonntagsstraße 38)
Die ledigen Schwestern Rosa (*24. August 1857) und Jette (*15. August 1848) Markus stammten aus einer Familie, die schon lange in Mensfelden sesshaft war. Sie wurden im Dorf auch Röschen und Jettchen genannt. Über die beiden ist nur wenig bekannt. Rosa arbeitete wohl zeitweise als Köchin. Die beiden sind auf einem Foto zu sehen, das Anfang des 20. Jh. in einem Hof in der Nachbarschaft aufgenommen wurde. Rosa starb am 9. April 1924. Jettes Sterbedatum ist nicht bekannt.
Im Keller des Hauses der Familie hatte sich vermutlich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ein rituelles Tauchbad befunden. Denkmalpflegerische Untersuchungen dazu hat es bisher noch keine gegeben.
Rosenberg, Amalie & Jettchen
Sonntagsstraße 3 (heutiges Grundstück Sonntagsstraße 12)
Amalie Rosenberg (*23. März 1858) wurde als Tochter von Gutche und Aron Rosenberg in Mensfelden geboren. Im Dorf war sie später als „Male“ oder „Jurre-Male“ bekannt. Sie hatte noch zwei Schwestern. Johanna, genannt Hannchen, wanderte um 1900 nach New York aus. Amalie lebte mit ihrer ebenfalls ledig gebliebenen Schwester Jettchen in einem kleinen, leicht erhöht gelegenen Häuschen in der Sonntagsstraße 3. Das Haus verfügte über keinen Wasseranschluss oder Brunnen und war über die Jahre stark heruntergekommen. Jettchen starb dort 1919 im Alter von 55 Jahren. Die beiden Rosenberg Schwestern hatten in ärmlichen Verhältnissen gelebt und hielten sich mit Kleinhandel und der Unterstützung ihrer Mitmenschen finanziell über Wasser. Seit Beginn der 1930er Jahre lebte Amalie oft bei Verwandten ihrer Mutter in Braunfels bei Wetzlar. Sie war immer wieder in Mensfelden und bekam so auch mit, wie judenfeindliche Stimmung und Angriffe hier zunahmen.
Bei einem ihrer Aufenthalte in Mensfelden starb Amalie Rosenberg am 23. Oktober 1936 im Alter von 78 Jahren, vermutlich an Altersschwäche. Am Trauerzug nahmen jüdische wie auch nichtjüdische Personen teil.
Seemann, Israel „Isidor“ & Amalie, Minna und Arthur
Neustraße 12 (heute Hehnerstraße 12)
Im Jahr 1895 heirateten Israel Seemann (*09. Januar 1866) aus Daisbach und Amalie Rosenberg (*18. Februar 1866) aus Mensfelden. Sie bewohnten ein Haus in der Mensfelder Neustraße 12 (heute Hehnerstraße 12, 1933-1945 Adolf-Hitler-Straße 12). Israel, genannt Isidor, war Viehhändler und Schochet (koscherer Metzger) der jüdischen Gemeinde. Amalie verkaufte Manufakturwaren.
Die beiden hatten zwei Kinder: Minna (*15. Mai 1896) und Arthur (*30. November 1899). Israel und Amalie wurden während des Novemberpogroms in Mensfelden schwer misshandelt. Schulkinder und andere Schaulustige aus Mensfelden drangen anschließend in das verwüstete Haus ein. Als letztes jüdisches Ehepaar verließen die beiden im November 1939 Mensfelden und zogen in ein Altersheim in Frankfurt. Im Juli 1940 nahm sich Amalie dort das Leben. Im August 1942 wurde Israel von Frankfurt in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet.
Minna meldete sich im Oktober 1919 nach Laufenselden ab. Sie war mit dem dort lebenden Viehhändler Max Löwenstein verheiratet und gründete mit ihm eine Familie mit drei Kindern: Elsbeth, Hannelore und Kurt. Minna besuchte Mensfelden häufig mit ihren Kindern. Im Zusammenhang mit einem Gerichtsprozess gegen ihn, nahm sich Ehemann Max im Oktober 1935 das Leben bzw. wurde er möglicherweise auch erschossen. Die Familie flüchtete anschließend nach Frankfurt, wo Minna mit Hilfe ihrer Tochter Elsbeth Haushälterin wurde. Kurt und Hannelore lebten in jüdischen Waisenhäusern und wurden schließlich in die Niederlande gebracht. Minna wurde nach Theresienstadt deportiert und anschließend ermordet. Minnas Tochter Elsbeth gelang Anfang 1940 die Flucht in die USA. Sohn Kurt gelangte nach einer Zeit auf der Flucht und im Versteck in den Niederlanden nach Palästina. Tochter Hannelore wurde in Sobibor ermordet.
Arthur hatte sich am 14. Oktober 1924 nach Guntersblum abgemeldet, wo er mit seiner Ehefrau Elisabeth Else (geb. David) im Jahr 1929 eine Tochter namens Inge bekam. Er arbeitete als Viehhändler und Weinkommissionär. Nach Haft und schweren Misshandlungen durch die Gestapo in Oppenheim im Oktober 1933, floh die Familie nach kurzem Aufenthalt in Frankfurt 1936/37 in die USA. Arthur lebte bis zu seinem Tod im August 1971 in Hartford, Connecticut und war stets in Kontakt mit ehemaligen jüdischen Mensfelderinnen und Mensfeldern.
Foto: Israel und Amalie Seemann im Hof in Mensfelden, Quelle: Sammlung Markus Streb, späte 1930er Jahre
Stein, Hermann & Lina „Minna“ (geb. Kaufmann), Max und Manfred
Laistraße 10 (heute Sonntagsstraße 32)
Hermann Stein (*12. Oktober 1878), der aus einer alteingesessenen jüdischen Mensfelder Familie kam, heiratete im August 1906 die aus Hellstein stammende Lina „Minna“ Kaufmann (*30. Mai 1883). Die beiden gründeten anschließend eine Familie in Mensfelden und betrieben in der Laistraße ein Manufakturwarengeschäft und vertrieben selbstgefertigte Textilien. Sie hatten zwei Söhne, Max (*18. Mai 1907) und Manfred „Fred“ (*11. Januar 1911). Mit dem Beginn der Nazi-Herrschaft wird das Geschäft der Familie zunehmend boykottiert. Familie Stein wurde mehrfach Ziel antisemitischer Angriffe. Im November 1934 beispielsweise warf der Mensfelder Karl Kees mit Steinen Fenster ein. Am 19. Oktober 1938, also nur wenige Wochen vor den Novemberpogromen, gelang es dem Ehepaar in die USA zu fliehen. Insbesondere mit Minna Klengel, die das Haus der Familie gekauft hatte, blieben sie in freundschaftlichem Kontakt. Hermann Stein starb im Dezember 1961. Minna überlebte ihren Mann.
Max Stein wanderte nach dem Schulabschluss und einer Kaufmannslehre im Sommer 1927 in die USA aus. Über seine genauen Beweggründe ist nichts bekannt. Er lebte zunächst bei der Schwester seiner Mutter, Rika Lammel. Er arbeitete als Buchhalter. Bei einem Besuch in Mensfelden im Mai 1935 werden er und sein Bruder vom Mensfelder Karl Brummer angegriffen und beleidigt. Da er seit 1929 US-Staatsbürger war, kam es zu einer Verhandlung und immerhin symbolischer Verurteilung des Angreifers. 1959 kam Max mit seiner Frau und Sohn Kenneth nach Mensfelden, um alte Freunde zu besuchen.
Manfred Stein besuchte nach vier Jahren Schule in Mensfelden das Limburger Gymnasium. Anschließend arbeitete er als Kaufmann. Er spielte in Mensfelden Theater. Manfred war Vorsitzender des Jüdischen Jugendbunds „Aar“, in dem 1935 mehr als 50 junge Erwachsene aus zahlreichen Dörfern zwischen Wiesbaden und Westerwald aktiv waren. Im Israelitischen Familienblatt hieß es im Februar 1935 über ihn: „Der Leiter des Bundes Manfred Stein (Mensfelden) hat es verstanden, eine wirklich neue und ganz besonders wertvolle Form der Kleingemeindenarbeit zu verwirklichen.“ Die Polizei in Limburg hatte 1935 Listen von allen jüdischen Organisationen im Umkreis angefordert. Manfred Stein löste den Jugendbund im September 1935 auf, unmittelbar nachdem er aufgefordert wurde, eine Mitgliederliste zu erstellen. Er weigerte sich außerdem, die Geburtsdaten der Mitglieder aufzulisten. Kurz darauf, im Oktober 1935, konnte Manfred in die USA fliehen. Er lebte in Hartford/Connecticut und gründete dort mit seiner Ehefrau Ilse Leopold eine Familie, sowie in den 1950er Jahren eine Bau- und Immobilienfirma. Er starb im Mai 1991.
Stein, Jakob & Lina (geb. Burg), Mathilde und Max
Schwerzstraße 9 (heute Schwerzstraße 10)
Der in Mensfelden geborene Schuhmacher Jakob Stein (*03. September 1861) war im Dorf als „Juddejakob“ oder „Jurrejakob“ bekannt. Am 14. März 1891 heiratete er die aus Fischelbach stammende Lina Burg (*02. Mai 1864). Die beiden hatten zwei Kinder, Mathilde (*24. Februar 1892) und Max (*25. März 1894). Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen. Lina musste zusätzlich zum Geschäft des Mannes gelegentlich Kurz- und Manufakturwaren verkaufen. Sie waren auf Unterstützung der Nachbarschaft und der jüdischen Gemeinde angewiesen. Ihre Situation verschlimmerte sich während der NS-Herrschaft noch mehr. Manche nichtjüdische Nachbarinnen und Nachbarn übergaben dem alten jüdischen Ehepaar heimlich Essen im Garten. Während der Pogromnacht wurden sie misshandelt. Sie meldeten sich im März 1939 nach Frankfurt ab, zogen allerdings erst im Herbst des Jahres dorthin. Jakob Stein starb nach längerer Krankheit am 20. November 1940 im Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt, vermutlich an Speiseröhrenkrebs. Lina wurde am 15. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 31. März 1943 ermordet.
Mathilde arbeitete nach der Schule als Dienstmagd in Frankfurt . Ende 1919 zog sie von Mensfelden nach Kettenbach, um mit Wilhelm / Wolf „Willi“ Grünebaum eine Familie zu gründen. Sie hatten zwei Kinder: Celia „Zilli“ Grünebaum (*1920) und Manfred Grünebaum (*1923). Beiden konnten im Sommer 1939 auswandern. Mathilde wurde im Mai 1942 nach Isbica deportiert und ermordet.
Max Stein machte nach der Schule und seiner Zeit als Soldat im 1. Weltkrieg eine Ausbildung als Polsterer. 1920 machte er sich in Mensfelden selbstständig. Nach der Hochzeit mit Irma Nathan verlegte er Geschäft und Wohnsitz nach Nastätten im Taunus. Infolge schwerer Misshandlungen während der Novemberpogrome zogen sie nach Frankfurt. Die beiden wurden am 19. Oktober 1941 von dort nach Lodz/Litzmannstadt deportiert, nachdem die NS-Behörden seine bereits geplante Ausreise verhindert hatten. Max Stein starb am 30. Juli 1942 im Ghetto von Lodz/Litzmannstadt, angeblich an Herzmuskelschwäche. Er hatte keine Nachkommen.
Zeichnung: Das Hauses von Familie Stein in der Schwerzstraße, Quelle: Herbert Wittgen, 1950er Jahre
Stern, Josef & Elisabeth „Betty“ (geb. Mayer) und Walter
Kirchstraße 12
Der aus Oberbrechen stammende Josef Stern (*30. August 1881) war nach seiner Schulzeit in Mensfelden Lehrling bei seinem Schwager Salomon Besmann in Mensfelden. Anschließend betrieb er ein Metzgergeschäft bei Wiesbaden. Er heiratete dort die aus Ober-Olm stammende Elisabeth Mayer (*17. Mai 1881). Kurz nach der Geburt von Sohn Walter (*11. Februar 1915) musste Josef an die Front. Nach dem 1. Weltkrieg bezog die junge Familie zuerst einen kleinen Raum, dann ein eigenes Haus in der Kirchstraße in Mensfelden. Josef war Viehhändler und Elisabeth bot Stoffe und Textilien als Hausiererin an. Unmittelbar nach Beginn der NS-Herrschaft wurde Elisabeth vom damaligen Ortsgruppenleiter Adolf Crecelius denunziert. Walter Stern erinnerte sich später: „Auch das Geschäft meines Vaters ging nach und nach ein, da niemand mehr wagte, mit Juden Geschäfte zu machen“. Im September 1939 meldeten sich die Sterns nach Mainz ab. Sie schrieben an ihren Sohn in Palästina: „Der Abschied von Mensfelden ist uns nicht schwer gefallen“. Elisabeth und Josef Stern wurden am 24. März 1942 von Mainz nach Piaski deportiert und anschließend ermordet.
Walter Stern ging in Mensfelden und anschließend in Limburg zur Schule. Von 1931 bis 1934 war er Lehrling im Kaufhaus S. Blumenthal und Co. in Wiesbaden. Aufgrund der „Arisierung“ des Geschäfts wurde ihm gekündigt und er blieb bis zu seiner Flucht im August 1936 im Elternhaus in Mensfelden. In Palästina angekommen, arbeitete er zunächst in einem Kuhstall bei Tel Aviv. Nach kurzer Militärzeit, kam er 1937 nach Haifa und verkaufte Milch an Privathaushalte. Zuerst mit dem Fahrrad, später mit dem Motorrad. Er heiratete 1941 Irmgard Perl und gründete mit ihr eine Familie. Walter Stern weigerte sich zeitlebens, deutsche Produkte zu kaufen und war auch nie wieder in Deutschland. Er stand aber im Austausch mit Lokalforschern aus Hünfelden und Oberbrechen. Walter Stern starb Anfang 2005.5
Betraum
Spätestens seit Anfang der 1910er Jahre hatten sich Jüdinnen und Juden in Mensfelden in angemieteten Räumen im ersten Stock des Hauses einer nichtjüdischen Familie an der Ecke der Laistraße (heute Sonntagsstraße) und der Fahlerstraße für Gottesdienste und Versammlungen getroffen. Bekannt war diese Einrichtung als Betraum oder Synagoge. Im Dorf wurde das Eckhaus auch „Ecke Haus“ genannt. Heute befindet sich dort ein Garten.
Einer nichtjüdischen Mensfelderin sind bei einem Interview im Jahr 2014 besonders die durch das Fenster sichtbaren betenden und singenden Männer im Gedächtnis geblieben. In den 1930er Jahren – vielleicht aber auch schon vorher – machten nichtjüdische Kinder immer wieder Katzenlaute unter den Fenstern, um die Gebete und Gesänge der jüdischen Gottesdienste zu imitieren und/oder zu verspotten.
Joseph Stern schrieb am 6. Oktober 1938 an seinen Sohn Walter in Haifa: „Heute morgen haben [wir] die Mensfelder Synagoge endgültig aufgegeben und geräumt.“ Die Räume wurden folglich im Novemberpogrom nicht verwüstet.
Antisemitismus
Durch den Aufstieg des Nationalsozialismus wurden antisemitische Stimmen zunehmend lauter. Bei einer der ersten Versammlungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in Mensfelden am 10. Oktober 1930 waren 150-200 Personen anwesend und hörten, wie der Mensfelder Landwirt Albert Schumann unter anderem über die „Judenfrage“ sprach. Im November 1932 entfielen in Mensfelden 76,6% der Stimmen auf die NSDAP. Für Jüdinnen und Juden veränderte sich der Alltag in diesen Jahren spürbar. Im Folgenden werden einige der Vorfälle geschildert, für die es Belege in historischen Dokumenten gibt. Die Zahl der Demütigungen und Angriffe ist vermutlich noch viel höher gewesen.
Anfang 1933 stimmten die langjährigen Mitmusiker Adolf Besmanns im Mensfelder Mandolinenclub bei einer Probe ein bekanntes Lied der Nazis an. Dies veranlasste ihn dazu, schon im Juni 1933 nach Frankreich zu fliehen. Im Juni 1933 hatte Adolf Crecelius, Ortsgruppenleiter der NSDAP in Mensfelden, Betty Stern denunziert, weil sie angeblich ohne Gewerbeschein Handel trieb. Im Laufe der 1930er Jahre versuchte Crecelius immer wieder, einzelnen Jüdinnen und Juden zu schaden, indem er sie den Behörden meldete. Im November 1934 warf Karl Kees, Mitglied der Sturmabteilung (SA), mehrere Fensterscheiben im Haus von Hermann, Minna und Manfred Stein in Mensfelden ein. Die Brüder Max und Manfred Stein wurden im Mai 1935 von SA-Mann Karl Brummer in der Nähe der Mensfelder Gaststätte Zum Zollhaus angegriffen und beleidigt. Im gleichen Jahr fand Manfred Stein den jüdischen Religionslehrer Julius Isaak aus Limburg im Straßengraben zwischen Linter und Mensfelden. Dieser war von SA-Leuten angegriffen und am Kopf schwer verletzt worden. Im Sommer 1935 wurde Hans Herbert Besmann aus Mensfelden nach einer Denunziation aus der Nachbarschaft verhaftet, ohne Verhandlung für mehrere Monate in verschiedenen Gefängnissen festgehalten und zur Flucht ins Ausland genötigt. Auch in den umliegenden Orten kam es zu zahlreichen antisemitischen Übergriffen.
Ihren vorläufigen traurigen Höhepunkt fand die Judenfeindschaft im Novemberpogrom 1938, der sogenannten Reichspogromnacht. Auch in Mensfelden wurden die verbliebenen Jüdinnen und Juden angegriffen, beleidigt und erniedrigt. Sie wurden im Gasthaus Klapper zusammengetrieben. Anschließend transportierte man die unter 60jährigen Männer über Limburg und Frankfurt in das Konzentrationslager Buchenwald. Einige der Frauen und Mädchen, darunter Gerda Strauß (geb. Dublon) mit ihrer dreijährigen Tochter Beate, brachte man für eine Nacht ins Gefängnis. Die Häuser wurden verwüstet und geplündert. An den Taten beteiligt waren neben dem Bürgermeister Helfrich, dem Ortsgruppenleiter Crecelius und Mensfelder Bürgerinnen und Bürgern, auch zahlreiche Mitglieder von SS und SA aus anderen Ortschaften. Mitglieder nationalsozialistischer Organisationen aus Mensfelden waren an den Ausschreitungen in anderen Orten beteiligt. Widerspruch gegen die Aktionen äußerten wohl nur sehr wenige, aus Angst oder aus Überzeugung. Nach mehreren Wochen in Buchenwald wurden die jüdischen Männer entlassen und erhielten die Auflage, Deutschland so schnell es geht zu verlassen. Albert Besmann beispielsweise musste sich im folgenden zweimal wöchentlich beim Bürgermeister melden und über den Fortschritt seiner Auswanderungsbemühungen berichten. Den meisten, die sich nach den Novemberpogromen noch in Deutschland befanden, gelang die Flucht ins Ausland nicht mehr. Auf sie warteten weitere Diskriminierung, Entrechtung, Zwangsarbeit und schließlich Selbstmord oder Vernichtung.
Nachkriegszeit: Rückerstattung, Entschädigung und Besuche
Die ehemaligen Mensfelder Jüdinnen und Juden, die rechtzeitig fliehen konnten und überlebten, hatten nach dem Krieg vor allem im Zusammenhang mit sogenannten Rückerstattungsverfahren und Entschädigungsanträgen mit ihrem alten Heimatort zu tun. Körperliche und psychische Probleme in Folge der NS-Zeit, Alter oder Sprachbarrieren erschwerten oft die Erwerbsmöglichkeiten der Überlebenden im Exil. Finanzielle Unterstützung aus Deutschland war für viele dringend notwendig. Andere lehnten diese kategorisch ab.
Rückerstattungsverfahren wurden automatisch für die Häuser und Grundstücke eingeleitet, die sich in jüdischem Besitz befunden hatten. Es wurde geprüft, unter welchen Bedingungen und zu welchen Preisen die Grundstücke die Besitzer wechselten. Keine jüdische Familie wollte nach Mensfelden zurückkehren, oder alten Besitz wiedererlangen. In den meisten Fällen kam es zu einer nachträglichen Zahlung an die jüdischen Familien bzw. zu Vergleichen, um die unter dem Verfolgungsdruck und der Ausnutzung der Notsituation zustande gekommenen Kaufpreise aus der NS-Zeit ein wenig zu kompensieren. Manche Anträge wurden wegen der Geringfügigkeit des Objekts zurückgezogen, in anderen Fällen versicherten die Jüdinnen und Juden, dass die Verkäufe in der Nazi-Zeit einvernehmlich und mitunter freundschaftlich getätigt wurden. Bis Mitte der 1950er Jahre waren diese Verfahren in Mensfelden abgeschlossen und die Eigentums- und Zahlungsverhältnisse geklärt. Die genauen Kaufbeträge und Nachzahlungen sind u.a. im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden dokumentiert.
Langwieriger gestalteten sich die Entschädigungsverfahren. Jüdinnen und Juden aus Mensfelden stellten Entschädigungsanträge für sich selbst oder ermordete Familienmitglieder. Diese sollten bspw. den Verlust von Vermögen, Erwerbsmöglichkeiten oder Schaden an der Gesundheit entschädigen. Die Verfahren konnten sich oft über viele Jahre ziehen. Sie waren ein Anlass für die Vertriebenen, aus dem Exil mit ehemaligen Bekannten und der Verwaltung in Mensfelden zu kommunizieren. Die Entschädigungsbehörden verlangten vor allem in den 1950er Jahren immer wieder Auskünfte vom Mensfelder Bürgermeister über die Lebens- und Vermögensverhältnisse der jüdischen Familien. Dieser korrigierte die Angaben der jüdischen Überlebenden vereinzelt zu ihrem Nachteil oder verzögerte die Verfahren. Die meisten Antragsteller und Antragstellerinnen aus Mensfelden erhielten geringe Einmalzahlungen, nur selten konnten kleinere Renten erstritten werden, wie im Fall von Familie Stein aus der Laistraße oder Familie Besmann aus der Sonntagsstraße.
In der Zeit nach dem Holocaust und Krieg kam es immer wieder zu Besuchen ehemaliger Mensfelder Jüdinnen und Juden in ihrer alten Heimat. Teilweise fanden diese Besuche mit den neu gegründeten Familien statt, teils kamen die Überlebenden alleine. Für manche endeten diese Besuche in Enttäuschung und führten zum Kontaktabbruch. Andere hielten alte Freundschaften aufrecht, oder schlossen sogar neue Bekanntschaften. Viel seltener waren Besuche von nichtjüdischen Mensfelderinnen und Mensfeldern Jüdinnen und Juden aus Mensfelden in Israel oder den USA. Inzwischen bestehen, wie bereits erwähnt, durch den Arbeitskreis „Spuren Jüdischen Lebens in Hünfelden“, Kontakte zu Nachfahren jüdischer Familien aus Mensfelden. Im März 2025 besuchten Angehörige der Familie von Bertha und Salomon Besmann die erste Stolpersteinverlegung in Mensfelden.
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für weitere Informationen zur jüdischen Geschichte der Dörfer des heutigen Hünfeldens, siehe auch: Kurt Nigratschka (Hg.), Kirberg. Einst und Jetzt, Kirberg (Selbstverlag) 2004; Heckelmann, Gerhard: Die letzten Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Dauborn, (Selbstverlag) Dauborn 1995.↩︎
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siehe auch: Streb, Markus: Der jüdische Friedhof zwischen Kirberg und Dauborn, in: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Limburg e.V. (Hrsg.): Jüdische Friedhöfe im Kreis Limburg-Weilburg. Eine Aufsatzsammlung, Limburg: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Limburg e.V. 2021, S. 113–121.↩︎
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siehe auch: Streb, Markus: Die Synagoge in Kirberg und die Beträume in Heringen und Mensfelden, in: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Limburg e. V. (Hrsg.): Die Synagogen im Nassauer Land. Jüdische Kultstätten in den Kreisen Limburg-Weilburg, Rhein-Lahn und Westerwald. Eine Aufsatzsammlung, Limburg: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Limburg e.V. 2022, S. 133–143.↩︎
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siehe auch: Streb, Markus: Von Mensfelden nach Naharija. Das bewegte Leben des Adolf Besmann, in: Schmidt, Karina: Nassauische Annalen. Jahrbuch des Vereins für nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung. Band 127, Neustadt a.d. Aisch: VDS 2016, S. 301–316; Streb, Markus; Klaus, Josefine: Story Map: From Mensfelden to Nahariya. The eventful life of Adolf „Abo“ Besmann, 2020. [online unter: https://storymaps.arcgis.com/stories/494179fef9794d07b27a67cc170cfb9e].↩︎
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siehe auch: Streb, Markus: „Der Abschied von Mensfelden ist uns nicht schwer gefallen“ Briefe von Betty und Joseph Stern 1938-1939, in: Rundbrief der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Limburg e.V. 1/2021 (2021), 16–20; Heckelmann, Gerhard: Die Geschichte von Walter und Irmgard Stern, (Selbstverlag) Dauborn 2008.↩︎
Die Spinnstube
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Die alte Spinnstube, wo man mit dem Spinnrad im nachbarlichen oder kameradschaftlichen Kreise in den Wintermonaten sich zusammenfand, ging Anfang des 20. Jh. zu Ende. Bis dahin war es Brauch, dass die Nachbarn, so auch die Mädchen ab 15 Jahren, abends mit ihren Spinnrädern bei ihren Nachbarinnen oder Schulkameradinnen zusammenkamen die Wolle spannen. Jede Woche war in einem anderen Haus Spinnstube bis die durch war, dann ging es wieder von vorne an. Bei spärlichem Petroleumlicht, und flackerndem Ofenfeuer saßen sie in froher Runde und ließen ihre Spinnräder surren.
Auf ihrem Schoße lag die gezupfte Wolle, die mit den Fingern fein auseinander gezogen wurde, damit sie durch die des Spinnrades ging, und durch die Umdrehung bis auf die Spule zu einem Faden und von derselben aufgenommen wurde. Das Rad wurde durch die Fußpedale welche von dem rechten Fuß getreten wurde, in Gang gesetzt. Bei den nachbarlichen Zusammenkünften waren meistens auch die Männer dabei, sie zupften ihren Frauen die Wolle, auch gab es welche, die Strümpfe strickten. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Arbeitstempo nicht immer so planmäßig ablief. Es wurde auch manche Pause eingelegt, wo die Männer auf der Ofenbank saßen, und die Frauen mit ihren Stühlen um das flackernde Ofenfeuer zusammenrückten und ein Schwätzchen machten. Bei besonderen Anlässen wurde auch mal ein Schnaps getrunken, im übrigen begnügte man Sich mit einem Apfel, den man vorher erst auf die Ofenplatte legte und anbraten ließ. Von dem Spinnen bis zum Stricken gab es noch einige Arbeitsvorgänge; wenn die Spule voll war, wurde das Garn auf eine Haspel aufgehaspelt und anschließend wieder zu einem Knäuel aufgewickelt. Damals gab es noch viele arme Leute, besonders Frauen, die früh ihren Mann verloren hatten und sich kärglich mit ihren Kindern durchs Leben schlagen mussten. Sie haben viel für andere Wolle gesponnen und Strümpfe gestrickt, wofür sie meistens Naturallohn (Lebensmittel) erhielten. Daher dürfte auch die alte Volksweisheit stammen Spinnen am morgen, bringt Kummer Sorgen, was oft mit der lebenden Spinne verwechselt wurde. Auf dem Lande gab es nur wenige, die den Wohlstand genossen. So waren sie von jeher gehalten für den größten Teil ihrer aufzukommen, indem sie Flachs anbauten und Schafe hielten. Es lag was Urgemütliches darin, die Zeit nicht zu überrennen, was uns leider heute fehlt.
In den Spinnstuben der Jugend ging es dagegen etwas lustiger zu. Die einzelnen Schuljahrgänge fanden sich abends in einer Wohnung zusammen, wobei man von Woche zu Woche zu einer andern wechselte. Auch die jungen Burschen, die mit ihren Schulkameraden zusammen gingen, fehlten nicht dabei. Es wurde gesungen und gescherzt, dabei bändelte sich auch vielmals ein Liebesverhältnis an, woraus dann mit der Zeit ein festes Verhältnis wurde. Es ist aber auch vorgekommen, dass Burschen aus verschiedenen Kameradschaften an den Mädchen des einen Jahrgangs Interesse hatten, was oft zu Streitereien führte, wobei es manchmal ziemlich hart zuging.
Um die Stimmung zu heben, legten die Burschen zusammen, jeder so 10-15 Pfennig und holten dafür Schnaps. In ein kleines Schnapsgläschen wurde ausgeschenkt, das dann die Runde machte, die Mädchen nippten nur leicht daran, wogegen die Burschen sich als ganze Kerle zeigen wollten und es auskippten.
Die Stimmung hob sich, ein Volkslied nach dem andern wurde gesungen, doch bevor der Nachtwächter die elfte Stunde ankündigte, ging es eilig nach Hause. Einige begleiteten noch ihr Schätzchen heimwärts, die andern verloren sich in froher Laune in ihren Gassen.
Die Mädchen und Burschen, die eine Stelle im Dorf als Mägde oder Knechte oder als Lehrlinge und Gesellen fanden, schlossen sich einer Gesellschaft bzw. Kameradschaft an und gehörten somit dazu. Die Bediensteten wechselten ihre Stelle (Arbeitgeber) meistens nur am Wandertag (das war der Tag nach Weihnachten), dann war die ganze Kameradschaft dabei, die Kiste rücken zu helfen, d. h. die Kleidungskiste von der alten zur neuen Stelle zu tragen. Zogen sie in ein anderes Dorf um, wurde der Umzug mit dem Wagen vorgenommen, dafür musste der Umzügler eine Lage Schnaps spendieren, damit wurde der Abschied leicht gemacht und die Stimmung gehoben. Mit dem Winter endete auch die Spinnstube. In den Wochentagen war dann wenig los, außer, dass die Burschen ihre Vereinsabende besuchten. Man freute sich dann schon auf den Sonntag, wo dann am Sonntagabend die Mädchen und die Burschen sich wieder kameradschaftlich zusammenfanden.
Es war so Brauch, dass man die Mädchen, bei denen man die Spinnstuben verlebte, auch einlud, mit aufs Zollhaus zu gehen. Vorweg die Mädchen Arm in Arm und dahinter die Burschen. So zog dann eine Kameradschaft nach der anderen auf das Zollhaus. Hier saß man an langen Tisch beisammen, die Burschen spendierten den Mädchen ein Bier, wogegen die Burschen, soweit sie Geld hatten, eins mehr tranken. Bei fröhlicher Stimmung und Gesang verbrachte man den Abend. So gegen elf Uhr ging es wieder mit Singen dem Dorfe zu. Auch bei Feiertagen und Kirmes hielt man an dem alten Brauch fest, kameradschaftlich mit den Mädchen zusammen zu sitzen, und mit all den Mädchen, die man gut kannte, einen Pflichttanz abzustatten.
Trotzdem die alte Spinnstube mit dem Spinnrad nicht mehr war, blieb dennoch bis vor dem zweiten Weltkrieg die Spinnstube erhalten, nur mit dem Unterschied, dass die Mädchen in den Wintermonaten nicht mehr mit dem Spinnrad sondern mit dem Strickstrumpf oder Häkelkasten, kamen, um die alte Tradition des Zusammenseins zu pflegen.
Mit dem zweiten Weltkrieg ging dieser schöne Brauch zu Ende und ist danach nicht wieder aufgelebt. So wie sich die Spinnstuben auflösten, ging auch das kameradschaftliche Beisammensein verloren. Heute pflegt jeder auf seine Weise noch die Kameradschaft zu erhalten, die aber bei weitem nicht mehr das bedeutet, - was einst war.
Die Mädchengruppe
✍ Autor(en): Hans-Gerhard Beier (2025), Helga Dietrich (2025), Irmgard Schmidt (2025)
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Paula Zollmann (verh. Wittgen, Staffel)
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Lina Schwenk (verh. Zollmann) „Adolfs“
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Minna Klapper (verh. Dietrich)
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Minna Lieber (verh. Klengel) „Volke“
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Emma Werner (Dauborn, Schwester von Berta Werner
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Lieselotte Lieber (Cousine v. Hedwig Schmidt, geb. Reh, Vater - Lehrer in Freiendiez)
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Hildegard Zollmann (verh. Schumann)
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Lina Frickhöfer (verh. Schwenk) „Fahlerhelfrichs“
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Hilda Völker (verh. m. Aug. Schumann, Pfr.) „Daniels“
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Bekannte v. Ehepaar Stückrath aus Freiendiez
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Wilhelmine Schumacher (ledig)
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Frau Stückrath (Frau des Lehrers)
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Luise Röth (verh. Schwenk) “Andrese“
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Elisabeth Werner (verh. Kees, später i. LM, Holzheimer Straße)
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Martha Winter (verh. m. Willi Lieber)
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Elisabeth Hofmann (?)
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Minna Müller (verh. Deußer) „Neuwirths“
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Emmi Völker (verh. Schumann) „Luis“
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Hilda Völker (verh. Schwenk)„Hatzmanns“
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Emma Schwenk (ledig) („Hohlers“)
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Fräulein Enni Stückrath (Schwester des Lehrers)
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Elisabeth Deußer (verh. Lieber) „Kiefers“
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Berta Werner (verh. Weber) „Vollmers“
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Frieda Schwenk (verh. Deis) „Sette-Friede“
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Hedwig Reh (verh. Schmidt) „Schmidts“
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Lina Lanz (verh. Crecelius) „Lanze“
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Berta Lanz (verh. Dielmann) „Volke“
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Emilie Schmidt (verh. Crecelius) „Hofegourte“
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Elisabeth Völker (verh. Schwenk „Pfeiffers“ Hedwig Höpp (verh. Ohl) „Hepps“
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Hedwig Höpp (verh. Ohl) „Hepps“
Ein Teil der Gruppe trägt Schnürkleider- hellblau - Bluse auf Rock aufgenäht - abgeleitet von einer alten Mensfelder Tracht, ein anderer Teil trägt kornblumenblaue Kleider - Bluse auf Rock aufgenäht, mit weißem Baumwoll - Kragen (Piqué) (Halbleinen / Baumwolle-Leinen), angefertigt in der Schneiderwerkstatt von Minna Lieber (verh. Klengel)
Alte Erinnerungen
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Zur Dorfgeschichte gehören auch die alten Erinnerungen, die in ihren lebendigen Bildern uns Älteren noch vor Augen stehen, wie der Nachtwächter, der Kuh- und Schweinehirt, der Ausscheller, der Feldhüter und die Gemeindeschäferei.
Der Nachtwächter
In den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts machte der letzte Nachtwächter, Wilhelm Winter, ausgerüstet mit Horn und Hund, seine Runden von abends 10 bis nachts 3 Uhr durch das Dorf, und blies die Stundenzahl an. Man war bis dahin der Meinung, dass die Bürger durch einen Nachtwächter ruhiger schlafen könnten, was man jedoch als veraltet und überflüssig einsah, und somit diesen Posten auch aus finanziellen Gründen, zumal der Lohn ziemlich gering war, aufhob.
Der Kuh- und Schweinehirt
Auch diese beiden Posten bzw. Gemeindeeinrichtungen, welche von den Viehhaltern meistens durch Naturallohn unterhalten wurden, liefen nach dem ersten Weltkrieg aus. Als Erinnerungen sind noch geblieben, dass die beiden Hirten um die Mittagszeit mit ihrem Horn und Hund durchs Dorf gingen und mit tut, tut, tut! die Viehhalter aufriefen, ihr Vieh herauszulassen. Fast aus allen Höfen wurde dann das Vieh auf den Sammelplatz, welcher in der Neustraße war, getrieben, wobei wir Jungen mithalfen und manchem störrischen Biest, welches in die falsche Richtung lief, nachrannten.
Abends beim Heimtrieb erklang erneut das Horn, damit die Viehhalter ihre Tiere wieder in Empfang nehmen konnten. Die meisten Tiere waren nach einigen Tagen schon so schlau, dass sie ohne ihre Treiber allein den Weg zum Sammelplatz und auch abends zum Stall fanden. In dieser Zeit, in der es noch keine Viehweiden gab, war diese Einrichtung für das Vieh sehr gesund. Bei dem heutigen Straßenverkehr wäre ein solcher Viehtrieb unmöglich.
Als letzte Hirten sind uns noch Wilhelm Koch und Philipp Kröller, sowie der Schweinehirte Johann Philipp Klapper, Hanphilipp genannt, in guter Erinnerung.
Der Ausscheller
Bis 1955 wurden die Gemeindebekanntmachungen durch die Ortsschelle vom Ortspolizeidiener gemacht. Er brauchte 1 - 2 Stunden, bis er an 25 Stationen die Bekanntmachungen ausgerufen hatte. Wenn um die Mittagszeit die Ortsschelle bimmelte, öffneten sich an allen Häusern Fenster und Türen, auch die Fuhrwerke hielten auf der Straße an, um die Bekanntmachungen zu hören. Als dann der letzte Polizeidiener, Hermann Schnatz, dessen Vorgänger schon sein Vater war, wegen Wegzug zu seinem Sohn nach Daisbach sein Amt niederlegte, beschloss die Gemeindevertretung 1956 eine Ortsrufanlage anzuschaffen, um auf diese Weise den Bürgern alle wichtigen Angelegenheiten mitzuteilen.
Der Feldhüter
Von jeher hatte die Gemeinde ihren Feldhüter, auch Feldschütz genannt, der über die Flurschäden und Felddiebstähle wachte. Früher trug der Feldhüter eine grüne Schirmmütze, die er später ablegte. Unser letzter Feldschütz war der Schwerkriegsbeschädigte Karl Weil, der lange Jahre getreu mit seinem Hund das Feld hütete. Als die zweite Zusammenlegung 1963 kam ließ man das Amt des Feldhüters fallen.
Der Gemeindeschäfer
Seit vielen Jahrhunderten wurde in Mensfelden die Schafzucht betrieben. Im 18. und 19. Jh. wurden bis 800 Schafe gezählt, d. h, in fast allen Familien wurden Schafe gehalten. Man hielt sie hauptsächlich wegen der Wolle, und profitierte auch an ihrem Fleisch. Ferner hatten die Bauern eine gute Düngung vom Pferch, welcher beim Mittags- oder Abendläuten auf dem Bürgermeisteramt meistbietend versteigert wurde.
In den Wintermonaten waren die Schafe in Stallungen untergebracht und wurden mittags vom Schäfer ausgetrieben. Der Schäfer zog ausgerüstet mit zwei Hunden, die an zwei langen Riemen an einem Schulterriemen befestigt waren, und der Schäferschippe in der Hand durch die Straßen und gab durch einige lange Pfiffe zu verstehen, die Schafe herauszulassen. Wenn in der Neustraße die Herde beisammen war, zog der Schäfer auf die Weide, Abends, wenn er wieder ins Dorf zurückkam, machte er sich wieder durch sein Pfeifen bemerkbar, damit jeder seine Schafe heimholte, was meistens nach paar Austrieben nicht mehr nötig war, da die Tiere schon selbst den Weg zum Stau fanden. Als es nach dem zweiten Weltkrieg, in den fünfziger Jahren es Wirtschaftlich wieder aufwärts ging, und die Wollstoffe reichlich und preisgünstig zu haben waren, ging die Herde von Jahr zu Jahr zurück. Ende der fünfziger Jahre war die Zahl der Schafhalter so zusammengeschmolzen, dass man, trotz des kärglichen Lohnes, den Schäfer fast nicht mehr bezahlen konnte, und sd kam es, dass die Gemeindeschäferei eingestellt wurde.
Unser letzter Schäfer war Ludwig Weigelt in der Schlimmstraße, der letzte Schafmeister August Helfrich in der Schwerzstraße. Die Gemeindeschafweide ist seitdem an den Schafhalter Willi Heymann aus Oberneisen verpachtet
Der Bauernstand und seine Entwicklung
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzfläche wurde bis ins 19. Jh. in müheseliger Arbeitsweise betrieben. Die Zugtiere waren meistens Kühe und Ochsen, nur größere und besser gestellte Betriebe hatten damals ein Pferd. Die kleinen Parzellen, wie Krautäcker, wurden meistens mit der Hand gegraben. Einzelne, meist kleinere Äcker, welche der arbeitenden Bevölkerung gehörten, wurden durch Gegenleistung von den Bauern mitbewirtschaftet, d. h. jeder hatte seinen Ackermann. Dieses gegenseitige Helfen dauerte noch bis ins 20. Jh. bis die Zusammenlegung kam. Anfangs des 20. Jh. nahm die Pferdebespannung zu, so dass die hundert Bauernbetriebe unseres Dorfes je zur Hälfte Kuh- und Pferdebespannung hatten. Nach dem ersten Weltkrieg wechselten die Gespannverhältnisse 70 zu 30, d. h. 70 Pferde- und 30 Kuhgespanne. Die Betriebsgrößen verteilten sich damals von 3 - 15 ha. Doch bis zum zweiten Weltkrieg, als die Erbhöfe aufkamen, stiegen auch die Betriebsgrößen. Die nahmen immer mehr ab und gingen zum Teil in Nebenerwerbsbetriebe über. Nach dem zweiten Weltkrieg, als die Traktoren aufkamen, wuchsen die Betriebsgrößen immer mehr nach oben, von 8 - 20 ha. Die Pferde- und Kuhgespanne gingen von Jahr zu Jahr zurück, und die kleineren Betriebe lösten sich langsam auf.
Bis 1970 waren fast alle Pferde- und Kuhgespanne durch die Traktoren - bis auf ein Pferdegespann - verschwunden. Man zählte 1970 nur noch 52 Bauernbetriebe mit 52 Traktoren, 1972 waren es nur noch 45 Betriebe mit 52 Traktoren und zirka 22 Mähdreschern.
Die Traktoren eroberten das Feld. Ihre PS-Zahl nahm von Jahr zu Jahr zu. Es entwickelte sich ein vielseitiger Maschinenpark. Neuzeitliche Anbaumethoden, Saatgut und bessere Düngemittelversorgung brachten eine wesentliche Ertragssteigerung, wozu auch die neuzeitliche Unkraut- und Schädlingsbekämpfung wesentlich beitrug.
Die Haupteinnahmen kamen hauptsächlich aus dem Getreideanbau und aus Fleisch- und Milcherzeugung. Früher haben die Bauersleute die Milch der mit Zentrifuge und Butterfass selbst zu Butter verarbeitet. Seit über 40 Jahren übernimmt die Molkerei diese Verarbeitung.
Von der Sichel zum Mähdrecher
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Die technische Entwicklung unseres Dorfes.
Bis zum 18. Jahrhundert ging die technische Entwicklung nur langsam voran. Obwohl der Handel blühte, hat man bis zum 19. Jh. mit verhältnismäßig primitiven Mitteln den Ackerbau betrieben. Wir wissen, dass der erste Pflug ein aus Hartholz krummgeformter Ast war, der am unteren Teil eine schräge Spitze hatte, womit der Boden aufgerissen wurde. Es dauerte viele Jahrhunderte bis der Pflugkörper aus Eisenstahl hergestellt wurde. Zuerst war der Pflugkörper, welcher die Ackerkrumme umkippte, ziemlich flach gehalten, daher der Name Porzeller. Im 18. Jh. dürfte dann die bis heute beibehaltene Form der Pflugkörper entstanden sein. Es setzte sich zuerst der Schwingpflug ohne Vorderwagen, dann der Drehpflug mit Vorderwagen, welcher eine leichtere Führung ermöglicht, durch.
Neben dem Pflug war die Holzegge im Gebrauch, deren Rahmen und Zinken bis zum 18. Jh. aus Holz waren. Ende des 18. Jh. und besonders im 19. Jh. kamen die Eisenzinken auf. So nahm die Entwicklung ihren Fortgang. Heute sind Pflug und Egge ganz aus Eisen.
Auch der Wagen als Transportmittel ist von altersher im Gebrauch. Schon die Germanen kannten den Wagen. Er war aus Holz gefertigt, mit zwei großen Rädern. Später baute man den Wagen mit vier Rädern und beweglicher Vorderachse. Diese drei Geräte waren Jahrhunderte die am meisten gebrauchten Großgeräte. Neben den vielen Kleingeräten, wie Hacken, Schaufeln, Karsten, Gabeln und anderen, nahm in erster Linie die Sichel einen wichtigen Platz ein. Sie ist ein halbkreisförmiges Gerät aus Stahlblech, mit einem Holzgriff versehen, womit man zuerst das Gras und das Getreide schnitt.
Bald darauf wurde die Sense geschaffen, ein schmales hohlgeschmiedetes Stahlblech mit einer scharfen Schneide. Dieses säbelartige Gerät wurde an einem langen Holzstiel, Sensenwurf genannt, befestigt.
Mit dem Dreschflegel, einem schmalen Hartholzknüppel, welcher mit einem breiten Schweinslederriemen an einem glatten Holzstiel befestigt war, wurde das Getreide in den Wintermonaten ausgedroschen. Beim Dreschen mit drei oder vier Mann musste besonders auf den Takt (Drei bzw. Viertakt) geachtet werden, sonst schlug einer dem anderen auf den Flegel.
Nach dem Ausdrusch wurde die Frucht gereinigt, dies geschah noch bis zum 19. Jh. mit der Wurfschaufel aus Holz, später wurde diese aus Stahlblech ersetzt. Die Fruchtreinigung wurde wie folgt vorgenommen: Man schleuderte die Frucht im weiten Bogen durch die Tenne, die Frucht fiel durch ihre Schwerkraft zuerst nieder und die Spreu, welche leichter war, blieb auf der Frucht liegen; so konnte die Spreu. mit einem feinen Reiserbesen abgekehrt werden.
Im 19. Jh. wurde dann die Wind- oder Fegmühle erfunden. Nun wurde das Reinigen der Frucht erheblich leichter. Auch dieses Gerät will ich näher beschreiben, damit die kommenden Generationen es sich besser vorstellen können. Es war ein länglich geformter Kasten, der oben einen Trichter hatte zum Einfüllen des ungereinigten Getreides. Vorne waren Siebe, weiter hinten in der Mitte, waren radförmige Holzflügel (Windflügel) angebracht. Durch Handantrieb mit dem Schwengel lief die Frucht über die hin- und her rüttelnden Siebe. Der durch das Drehen erzeugte Wind blies die Spreu nach vorn heraus. Hinten fiel die gereinigte Frucht auf einem schräg liegenden Brett herunter, und wurde dann mit dem Simmern in den Sack gefüllt.
Ende des 19. Jh. kam dann die Dreschmaschine mit Göbelantrieb auf. Es war ein mit Zahnrädern versehenes Getriebe, das durch Zugtiere, über einen langen, mit dem Getriebe verbundenen Balken in Bewegung gesetzt wurde. Durch die Übersetzung der Zahnräder wurde die Antriebswelle auf eine gewisse Geschwindigkeit gebracht, die auf die Maschine übertragen wurde und den Dreschvorgang ermöglichte.
Doch bevor ich die weitere technische Entwicklung in der Landwirtschaft vom 19. Jh. an in unserem Dorf aufzeichne, soll das goldene Handwerk, welches man dem Ackerbau gleich stellen kann, erwähnt werden. Es hat mit dem Ackerbau seinen Anfang genommen. Schon aus der jüngeren Steinzeit (4000 - 2000 v. Chr.) wird uns berichtet, dass die Menschen gewebte Kleider aus Wolle und Leinen trugen, und Häuser aus Lehm und Bohlen bauten. Somit dürfte auch mit der Entstehung unseres Dorfes der Handwerker darinnen Platz gefunden haben. Davon zeugen alte handwerkliche Hausnamen, welche einzelne Häuser heute noch führen; zum Beispiel: Schneiders, Schusters, Wagners, Schmidts, Zimmermanns, Leinewebers, Schlössers, Kiefers, Bäckers, Schäfers, Sattlers, Spenglers und andere, die inzwischen erloschen sind. Einige Einwohner erlernten das Maurerhandwerk und fanden außerhalb des Dorfes in den Städten Arbeit. Auch von den Dachdeckern früher Strohdeckern, sowie von den Krämern, die Gemischtwaren verkauften, wird heute noch gesprochen.
Die Bäcker und die Metzger dürften erst im 19. Jh., das heißt, ab 1870/ 80 ihre Geschäfte in Mensfelden angefangen haben. Mancher Bürger betätigte sich im Winter als Hausmetzger.
Von Mensfelden wird berichtet, dass im 18. und 19. Jh. zwei Leineweber für die Bürger Stoffe gewebt haben.
In den letzten Jahrzehnten gingen viele Handwerksbetriebe in den kleinen Orten ein. Die Industrie stellte viele Dinge des täglichen Gebrauchs viel billiger und zweckmäßiger her.
Wohl dem Dorf, das heute noch einen Handwerker hat.
Von jeher war das Handwerk mit der Landwirtschaft in einer Dorfgemeinschaft eng verbunden, auch die Arbeiter und Handwerker, die außerhalb des Dorfes ihren Lebensunterhalt fanden, fühlen sich als untrennbares Glied Ihrer Heimatgemeinde. Gerade weil das 20. Jh. in dieser Beziehung so viel verändert hat, soll die gute, alte ortsgebundene Gemeinschaft noch einmal erwähnt werden.
Nun will ich von der Weiterentwicklung, insbesondere der landwirtschaftlichen Maschinen, fortfahren. Durch die Erfindung der Dreschmaschine, welche noch mit einer Dampflokomobil getrieben wurde, trat eine erhebliche Erleichterung beim Dreschen der Frucht ein. Mehrere Bauern unseres Dorfes gründeten eine Gesellschaft und kauften eine mit einem Dampflokomobil angetriebene Dreschmaschine. Brauchte man bis dahin 2 - 3 Wintermonate zum Ausdrusch der Frucht, so konnte man nun mit dieser Maschine in einem Tag die Ernte eines landwirtschaftlichen Betriebes dreschen. Mit 12 - 15 Mann, die sich gegenseitig halfen, wurde gedroschen, wobei das gute Frühstück mit Handkäs und Schnaps nicht fehlen durfte.
Etwas später kam schon die zweite Dreschmaschine ins Dorf, welche der Privatmann, Wilhelm Frickhöfer, anschaffte. Interessant war das Rücken der Maschine von Hof zu Hof, mit zwei langen Wagenseilen, die an die Maschine angeknüpft wurden, zogen je nach Steigung 20 - 30 Mann auf das Kommando! ho ruck , (manche schrien auch einen hupp), wurden die schweren Dreschkästen Stück für Stück bis ins nächste Gehöft gezogen.
Nach Ende des ersten Weltkrieges ging der Dreschmaschinenbetrieb Wilhelm Frickhöfer ein. Die Maschine wurde verkauft. Da kam der Dreschmaschinenbesitzer Karl Faust aus Oberneissen ins Dorf, wo er auch durch Verheiratung verblieb. Anfang 1930 wechselte auch die Gesellschaftsmaschine ihren Besitzer. Neuer Besitzer wurde Schmiedemeister Christian Schmidt. Obwohl Karl Faust inzwischen schon eine selbstfahrende Lokomobil hatte, kamen beiden auf den Gedanken, einen Lanzbulldog anzuschaffen. Dies brachte großen Vorteil; man brauchte kein Wasser, keine Kohlen für die Heizung und besonders das schwierige Rücken brauchte nicht mehr von Hand vorgenommen werden. Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte eine weitere Verbesserung, indem man Elektromotoren zum Antrieb verwendete.
Im Jahre 1907/08 kamen die ersten Mähmaschinen ins Dorf, die von Zugtieren gezogen wurden. Dadurch gab es große körperliche Erleichterungen bei der Getreideernte und beim Grasmähen. Doch die technische Entwicklung in der Landwirtschaft ging laufend weiter. Es folgten bald die Sämaschinen, die Kartoffelmaschinen, für Saat und Ernte, die Heuwender und viele andere Geräte zur Arbeitserleichterung. Eine viel bewunderte Maschine kam damals ins Dorf, es war der Getreideselbstableger. Er legte die Klecken, die man bei der Mähmaschine noch von Hand weglegen musste, ohne menschliche Hilfe maschinell zur Seite. Aber sie fand trotzdem keinen Anklang. Es waren nur zwei Bauern, die einen Getreideableger hatten, Karl Ruß und Wilhelm Lieber. Die Maschine musste von zwei Zugtieren gezogen werden. Da man meistens nur ein Pferd hatte, spannte man eine Kuh dabei. Ende der zwanziger Jahre war auch diese Maschine schon wieder überholt. Der Getreideselbstbinder eroberte das Feld. Man glaubte damals, dass keine vollkommenere Maschine dieser Art ihm mehr folgen würde, aber auch dies war eine Täuschung. Die ersten Getreidebinder in Mensfelden hatten die Bauern, Wilhelm Aug. Schumann und die Gebr. Karl und August Schumann. Die ersten Binder waren noch eisenbereift, aber schon Mitte der dreißiger Jahre gab es die
Getreidebinder mit Gummibereifung. Im zweiten Weltkrieg gab es kaum noch Anschaffungen. Aber nach dem Krieg wurde dies nachgeholt so, dass man bis 1960 ca. dreißig Getreidebinder in Mensfelden zählte.
Schon vor dem zweiten Weltkrieg kamen die ersten gummibereiften Ackerwagen ins Dorf, die von unseren Dorfschmieden gebaut wurden. Anfangs hat man nur die Achsen mit den Rädern an den alten Bauernwagen ausgewechselt, und von alten Autos die Achsen mit Rädern eingebaut.
An den ersten gummibereiften Wagen erinnert mich ein schönes Erlebnis, was ich mit dem inzwischen verstorbenen Schmiedemeister Willi Euler hatte. Kurz vor dem zweiten Weltkrieg kaufte Willi Euler ein altes Fordauto auf dem Westerwald, welches sein erster gummibereifter Wagen werden sollte. Da dasselbe noch fahrbereit und zugelassen war, bat mich Willi Euler, der noch keinen Führerschein Klasse III hatte, denselben vom Westerwald nach Mensfelden zu fahren. Es war für mich ein besonderes Erlebnis von einem kleinen Dixi in einen großen Fordwagen umzusteigen. Als wir beide mit dem großen Personenwagen durch den Westerwald fuhren, wurden wir in allen Dörfern von vielen Neugierigen bewundert. Wir kamen uns vor, als ob wir zu den Kapitalisten zählten. Selbst in Mensfelden wurden wir in der großen Herrschaftskutsche bewundert. Voller Begeisterung stand W. Euler vor seinem großen Wagen, er konnte sich vorerst nicht entschließen, ihn auszuschlachten. So kam es, dass wir mit dieser Herrschaftskutsche, welche schon ganz schön rappelte, noch eine Zeitlang durch die Gegend fuhren, um uns bewundern zu lassen. Damals war die Zeit, da die Zwetschen reif waren. Aber bei uns in Mensfelden gab es keine, nur auf dem Westerwald hingen die Bäume voll. Dies hatten wir auf unserer ersten Fahrt gesehen und den Mensfeldern erzählt. Nun bekamen wir von den Mensfeldern viele Aufträge auf dem Westerwald Zwetschen zu holen. Willi Euler nahm natürlich an. Es reizten ihn nicht die Zwetschen, sondern die Fahrt. Die alte Autokutsche wurde mit Kisten und Körben vollgepackt und schon ging es los auf den Westerwald. Die Leute dort waren froh, dass sie ihre Zwetschen los wurden. Nach ein paar Stunden hatten wir die Staatskarosse vollgeladen.
Auf dem Heimweg gab es wieder viele Neugierige, die glaubten, wir wären große Obsthändler aus Frankfurt oder Wiesbaden. Bergauf schnaufte das alte Vehikel und gab seinen Dampf ab, dass man lange unseren Weg verfolgen konnte. Als der Kühler anfing überzukochen, wurde im nächsten Dorf gehalten und Wasser nachgefüllt. Als wir dann mit der Handkurbel den Motor wieder in Gang setzen wollten, fing er an zu mucken, wir glaubten erst, wir hätten kein Benzin mehr, da wir wussten, dass er ziemlich verbrauch hatten wir zur Vorsicht doch vollgetankt. Da baten wir die 5 - 6 Männer, die um uns standen, sie möchten doch mal anschieben, und schon gab es ein paar laute Knalle und der Motor fing an zu knattern und so erreichten wir am späten Nachmittag mit viel Krach und Qualm die Heimat. Alle freuten sich auf die Zwetschen. Auf unsere Benzinkosten sind wir zwar nicht gekommen, aber es hatte sich doch gelohnt. Dies war die letzte Fahrt dieser Staatskarosse.
Aus ihr wurde nun der erste, tadellos gelungene gummibereifte Ackerwagen mit Pritschenaufbau, auf den der neue Besitzer, der Bauer Wilhelm Schumann in der Fahlerstraße, schon lange wartete. Er hatte lange Jahre Freude an ihm, und wir beide dachten oft, besonders, wenn er uns begegnete, an seine letzte Fahrt.
Obwohl die maschinelle Weiterentwicklung in der Landwirtschaft im zweiten Weltkrieg fast völlig zum Erliegen kam, holte sie umso mehr nach dem Krieg wieder auf. Die Traktoren rollten an, es wurden Melkmaschinen angeschafft, die Vorratsroder und Vollerntemaschinen für den Hackfruchtbau und die Mähdrescher eroberten von Jahr zu Jahr immer mehr das Feld, so dass bis 1965 so viel Mähdrescher da waren, dass die guten alten Dreschmaschinen 1965 das letzte Mal droschen. Den ersten Mähdrescher erstand der Schmiedemeister Euler. Bis 1972 war ihre Zahl auf über zwanzig gestiegen. Sie mähten jährlich über 500 Morgen Frucht in unserer Gemeinde.
Die Kuhgespanne sind schon längst verschwunden, und inzwischen die treuen Zugpferde auch. Hier sei noch aus der alten Zeit folgendes vermerkt:
3 Handvoll geschnittene Frucht ergab eine Klecke
3 Klecken waren ein Orwel (armvoll)
3 Orwel waren eine Garbe und sechzig Garben waren ein Fuder.
Mensfelder Sagen
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Das Heiligenhaus und das Siechhaus
Nordöstlich vom Mensfelder Kopf erhebt sich eine kleine Anhöhe, die etwa 30 Meter tiefer liegt als der Mensfelder Kopf, der den Namen Hornel trägt. Unterhalb des Hornelberges, in östlicher Richtung, soll bis zum dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ein Häuschen gestanden haben, das von zwei Einsiedlern (Mönchen) bewohnt wurde. Das Häuschen war aus Hornelsteinen gebaut. Es hatte ein spitzes Strohdach. Innen waren zwei Räume, die von drei kleinen Fenstern Licht bekamen. Die Eingangstür war aus dicken Eichenbohlen und in der Mitte geteilt. Oben auf dem Dachfirst der Giebelspitze war ein Kreuz aus Birkenholz angebracht. In der Spitze der hohen Giebelwand hing in einer fensterartigen Luke, ein Glöcklein. Jeden Morgen und Abend läutete das Glöcklein, um die Menschen zu ermahnen, ihr Tagwerk mit Gott zu beginnen und zu vollenden. Außerdem läutete es auch bei drohenden Überfällen, damit sich die Menschen auf dem Feld und auf der unterhalb vorbeiführenden Landstraße nach Diez noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.
Nun zurück zu den Mönchen. Woher sie kamen, weiß man nicht. Man nimmt an, dass sie vorher in Limburg waren und von dort geschickt wurden, um die Aussätzigen im Siechhaus das im Weiderfeld stand, (oberhalb des heutigen Linterer Siechgraben) zu pflegen. So einfach sie sich kleideten, war auch ihre Wohnung eingerichtet. Über ihrer schlichten Kleidung trugen sie eine braune Kutte, die mit einer dicken Schnur zusammengehalten wurde. Ihr Schuhwerk bestand aus derben Sandalen. Ihre Wohnung, war nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Im Vorderraum standen auf einem Wandbrett zwei nussbraune Kochtöpfe und zwei Holzteller, darunter hingen zwei zinnerne Henkelbecher. Außerdem waren in dem Raum ein schwerer Eichentisch, einer Lehnebank und zwei Schemeln. Im hinteren Raum hatten die Mönche als Ruhestätte ein Strohlager. Als einziger Schmuck zierte ein schlichtes Holzkreuz die Wand. In einer zweiteiligen Truhe, hatten sie je zur Hälfte ihre aus Wolle und Leinen gewebten Kleider, ein Gebetbuch und Kräuterbuch sowie ihre Heilmittel, die aus Tee, Säften und Heilöl bestanden.
Die Kranken, die von Mensfelden und Linter kamen, verblieben im Siechhaus und wurden abwechselnd von den Mönchen betreut. War ihre Heilmethode auch ziemlich einfach und primitiv, so konnten sie doch manchen leidgeprüften Menschen Linderung verschaffen und oftmals sogar die Heilung schenken. Die Heilpflanzen sammelten sie am Abhang des Hornelberges, die dort reichlich wuchsen.
Für die Ernährung der Kranken im Siechhaus sorgten meistens deren Angehörige, auch gab es andere Wohltäter, die Kleidung und Nahrung spendeten. Die beiden Mönche ernährten sich von den gesammelten Früchten des Feldes. Für ihre Krankenpflege bekamen sie außerdem Lebensmittel in Form von Brot, Mehl und Fett in ihre Klause gebracht.
Sie führten ein gottgefälliges Leben, denn ihr Tagewerk bestand in Gebet und opferbereiter Nächstenliebe.
So erfüllten sie lange Jahre ihre Pflicht, bis dann der dreißigjährige Krieg tobte und unzähligen Leid, Verwüstung und Seuchen ins Land brachte. Auch die Mönche waren bald am Ende ihrer Kräfte, denn nicht allein die Aussätzigen füllten das Siechhaus sondern auch die Pestkranken brachte man zu ihnen. Zu dem furchtbaren Leiden kam noch der Hunger. In aufopfernder Liebe sorgten die Einsiedler Tag und Nacht für ihre Kranken und teilten den letzten Bissen mit ihnen.
Das einzige, was sie noch erquickte, war das Heilwasser (Mineralwasser), welches sie für sich und die Kranken in schweren Kannen von dem Heilbrunnen, der zwischen dem Pilgerhaus und dem Siechhaus entsprang, (am alten Diezerweg) heranschleppten. Fast alle Kranken starben dahin. Die letzten kamen in den Flammen um, als eine Kriegshorde das Siechhaus in Brand steckte.
Eines Tages klopfte ein schwer verwundeter Edelmann an die Tür ihrer Klause und bat um Hilfe und Einlass. Obwohl die beiden Mönche geschwächt und vom Tode gezeichnet waren, nahmen sie ihn auf, legten ihn auf ihre Strohlager und pflegten ihn. Der Edelmann wurde wieder gesund, aber der eine Mönch starb. Als der Edelmann wieder von dannen wollte, bat ihn der letzte Kuttenträger, der auch sein Ende fühlte, ihm noch eine Bitte zu erfüllen. Er sagte: Warte noch einen Tag, dann werde ich daheim sein. Lege dann meinen Leib zu den meiner Brüder; und merke Dir das eine: In diesem heiligen Haus wohnt Gott, der auch Dir geholfen hat. Mache, ehe Du weiterziehst, ein Zeichen an die Tür, damit es nicht geschändet wird!
Der Edelmann, der neben dem Sterbenden kniete, drückte seine vom Fieber brennende Hand und gelobte ihm, seine letzte Bitte zu erfüllen. Als der nächste Tag anbrach, hatte auch der letzte Mönch seinen Geist aufgegeben. Er begrubihn neben seine Brüder, die schon oberhalb der Klause in kühler Erde ruhten. Nachdem er ein Vaterunser gesprochen hatte, kehrte er noch einmal in die leere Klause zurück, zündete das Feuer an, und ließ darin den Schürhaken erglühen. Dann brannte er mit dem immer wieder angeglühten Schürhaken die Worte Das Heiligenhaus auf die Tür, holte das kleine Holzkreuz aus der Klause und nagelte es darüber, nahm dann sein Bündel und zog von dannen. Der Name Heiligenhaus ist bis heute erhalten geblieben. Durch unsere nassauische Mundart wurden mit der Zeit die zwei i Verschluckt, so dass daraus der Name Helgenhaus entstand:
Das alte Zollhaus zwischen Mensfelden und Linter
(Eine Erzählung aus dem Heimatbuch für den Kreis Limburg von A. Leukel)
Da, wo die alte Mainzer Straße (Siegen - Limburg - Wiesbaden - Mainz, die Hühnerstraße) den Höhensattel zwischen dem Mensfelder - und Nauheimer Kopf übersteigt, steht das alte Zollhaus. Heute ist dort eine schmucke Gaststätte, doch die alten Mauerreste, die noch überall zu finden sind, berichten von längst vergangenen Zeiten. Hier war früher der Schlagbaum; Tag und Nacht wachten hier die Zollwächter der Landesherren. An dieser Stelle stießen die Grenzen von Kurtrier und Diez - Oranien zusammen. Manch armes Rößlein quälte sich mühsam durch die tiefausgefahrenen Geleise der schlechten Straße. Bedrohlich schwankte der schwerbeladene Wagen hinter ihm. Wehe, wenn ein Rad brach oder ein Wagen umkippte! Die auf den Boden gefallene Ware gehörte dem Grundherrn des Landes.
Vom Diezer Markt kommend, bewegte sich ein hochbeladener Wagen schwerfällig dem Zollhaus zu. Auf der schlechten Straße wankt er hin und her. Diezoranische Reiter kommen hinter ihm her. Sie geben acht auf etwa herabfallende Güter. Die Fuhrleute haben Zeit, sich umzusehen in der Gegend. Noch geht es durch das weite Bucherfeld, noch ist der Weg eben. Später erblicken sie auf dem sanften Hang des Mensfelder Kopfes eine große Schafherde. Auf seiner Schippe gestützt, schaute der Schäfer zu, wie sich die Pferde mühen, den unbeholfenen Wagen den nun beginnenden Hang hinaufzuziehen. laut hallten die ermunternden Zurufe der Fuhrleute durch die stille Gegend. Ein Heiligenhäuschen steht am Wege und zeugt vom frommen Sinn der Bewohner der vielen Einzelgehöfte, die in der Landschaft zerstreut liegen. Tiefe Gräben zu beiden Seiten der Straße machen eine Abweichung von dieser Straße unmöglich. Endlich nähert sich der Wagen dem Zollhaus. Inzwischen ist es Abend geworden, blutrot ist die Sonne untergegangen. Handfeste Männer lassen nun den Schlagbaum herunter. Der Wagen muss halten. Schnell wirft der Fuhrmann den erhitzten Pferden eine Decke über, er weiß, dass die Verzollung nicht so schnell vor sich geht. Zwei Öllampen verbreiten ein spärliches Licht. Peinlich genau ist die Untersuchung, weil der Wagen Marktware, die besonders begehrt ist, geladen hat. Nach einer Stunde ist es soweit, dass der Wagen in den Hof des Gasthauses gefahren wird. Die müden Pferde werden in den Stall gestellt und gefüttert. Eine ganze Reihe Wagen steht schon im Hof, und in der Gaststube herrscht reges Leben. In lebhafter Unterhaltung werden die Erlebnisse erzählt, Erfahrungen ausgetauscht. Von störrischen Pferden, von Achsenbrüchen, räuberischen Überfällen und lästigen Schlagbäumen ist die Rede und - wie man an manchen Stellen im Land die Zollwächter hintergehen kann. Später geht man zur Ruhe. - Beim ersten Hahnenschrei wird es wieder lebendig auf dem Hofe. Pferde werden gefüttert und angeschirrt, und wenn die ersten Strahlen der Morgensonne über den Nauheimer Kopf scheinen, geht die Reise weiter. Mit Hüh und Hott lautem Peitschenknallen verschwinden die Wagen auf den Wegen, die zum Rhein, nach Wiesbaden und Mainz oder nach der Lahn hinführen.
Das Mensfelder Kornweibchen
(Eine Episode aus dem Heimatbuch für den Kreis Limburg von A. Leukel)
Heinrich Völker von Mensfelden war ein kecker Bauernbub. Er wusste wohl, dass man vor der Heumachzeit nicht in die Wiesen geht, tat es aber doch!
Er wusste auch, dass man einen Halm für eine Kornpfeife nicht aus der Mitte des Ackers holt. Aber er kümmerte sich nicht darum! Eines Tages erlebte er auf dem Wege nach Nauheim etwas Seltsames:
Wieder hielt er Ausschau nach einem schönen Kornhalm, aus welchem er eine Kornpfeife machen wollte. An einem Kornfeld angekommen, sprang er mit einem Satz über den Graben, um sich einen Halm zu holen. Die Halme am Rande des Feldes waren ihm alle nicht gut genug. Also ging er mitten in den Acker hinein und zertrat die Halme rechts und links! Soeben streckte er die Hand nach einem ganz wundervollen Halm aus, da stand einmal ein winzig kleines Weiblein vor ihm. Es trug einen himmelblauen Rock und eine rote Jacke, wie sie die alten Frauen tragen, auf dem Kopfe aber ein weißes Kopftuch. Ihr Gesicht war voller Runzeln.
Ei, Heinrich, sagte das Weiblein, willst du Kornpfeifen machen?
Heinrich nickte. Komm mit mir, ich zeige dir die besten Halme! sagte es und lachte dabei. Heinrich war erst ein bisschen erschrocken. Als er aber das Weiblein so reden hörte, da lief er gern hinterdrein. Das immer mitten durch die Halme, dass es nur so rauschte. Auf einmal fielen die Blicke Heinrichs auf die Füße des flinken Weibleins, das immer vor ihm herlief. Ei, die Füße waren ja zwei kleine, blaue Flämmchen! Da kam ein großer Schrecken über den Buben. Er dachte, nur schnell fort von dem Weiblein, das meint es gewiss nicht gut mit dir! Er wandte sich um, lief vier Schritte, stolperte über einen Grenzstein, den er im hohen Korn nicht gesehen hatte, und fiel längelang zur Erde. Erst schrie er vor Schrecken, dann aber vor Schmerz, denn auf seinen Rücken prasselten Schläge nieder, wie er sie bis dahin noch nie zu spüren bekommen hatte. Als er sich endlich aufraffte, war weit und breit kein Mensch zu sehen. Der Himmel war schön blau, und die Lerchen sangen. Hätte Heinrich nicht die Striemen auf seinem Buckel greifen können, er hätte an einen Traum geglaubt. Er schlich sich durch das Korn auf die Straße und wollte eben den Graben überspringen, als er auf einmal ein feines lachen hörte. Sieh, da saß das kleine Weiblein im Straßengraben, lachte wie toll und rief: Gelt Büblein, bös Büblein, jetzt gehst du in kein Kornfeld mehr und zertrittst die schöne Brotfrucht! Büblein, bös Büblein, jetzt kennst du auch das Kornweibchen! Dann lachte das Weiblein noch einmal aus vollem Hals, an der Stelle, wo es gewesen, flackerte ein blaues Flämmchen auf.
Carl-Philip Hehner
✍ Autor(en): Frank Patermann (2025)
Carl-Philip Hehner war Jurist und Politiker und ist vor allem bekannt als einer der Vertreter des Herzogtums Nassau bei der Deutschen Nationalversammlung im Jahr 1848. Diese tagte in der Frankfurter Paulskirche und ging daher auch unter dem Namen Paulskirchenparlament in die Geschichte ein.
Die Frankfurter Nationalversammlung
Die Zeit um 1848 war geprägt von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen. In weiten Teilen Europas kam es zu revolutionären Bewegungen, die sich gegen die monarchischen Machtverhältnisse richteten. Auch in Deutschland fanden in zahlreichen Städten – etwa in Berlin, Frankfurt oder Wien – Proteste, Aufstände und Tumulte statt.
Unter diesem Druck sahen sich viele Fürsten gezwungen, politischen Reformen zuzustimmen. Eine dieser Reformen war die Einberufung der ersten gesamtdeutschen, frei gewählten Volksvertretung – der Nationalversammlung.
Zentrale Ziele dieser Versammlung waren:
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Die Schaffung eines deutschen Nationalstaates anstelle der Vielzahl souveräner Einzelstaaten.
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Die Einführung einer freiheitlich-demokratischen Verfassung mit Grundrechten für die Bürger.
Trotz intensiver Verhandlungen und Debatten konnte sich die Nationalversammlung letztlich nicht gegen die Macht der Fürsten durchsetzen. Das Paulskirchenparlament wurde aufgelöst und seine Beschlüsse blieben zunächst folgenlos.
Dennoch gilt die Nationalversammlung nicht als vollständiges Scheitern. Viele der damals entwickelten Ideen und Grundsätze blieben im öffentlichen Bewusstsein erhalten und beeinflussten spätere Entwicklungen maßgeblich:
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Die Reichsgründung 1871 führte zur Schaffung eines deutschen Nationalstaates.
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Mit der Weimarer Republik entstand nach dem Ersten Weltkrieg erstmals eine parlamentarische Demokratie in Deutschland.
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Elemente der 1848 erarbeiteten Grundrechte finden sich bis heute im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wieder.
Die Frankfurter Nationalversammlung von 1848 gilt daher als ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte der deutschen Demokratie.
Herkunft Carl-Philip Hehners
Carl-Philip Hehner wurde in Mensfelden geboren. Über seinen genauen Geburtsort innerhalb des Ortes existieren unterschiedliche Überlieferungen. Eine Version nennt das Haus in der Unterstraße 13, das heutige Gebäude der Familie Hohlwein, auch bekannt als Haus „Scholze“. Eine andere Überlieferung spricht von einem früheren Gebäude an der Stelle der heutigen Unterstraße 11, das im Jahr 1895 einem Brand zum Opfer fiel. Eine Fotografie dieses Hauses ist erhalten geblieben.
Mensfelder Kirmes
✍ Autor(en): Claudia von Mrozek (2025), David Diefenbach (2025)
Einige kennen sie, die Nassauischen Annalen. In dieser laufenden Aufsatzserie zur Nassauischen Geschichte findet sich im 84. Band aus dem Jahre 1973 folgender Satz: „Von dem seit 1469 gut bezeugten Kirchweihtag, dem Sonntag nach St. Peterstag ad vincula, her, darf man vermuten, dass die Kirche St.Peter geweiht war.“
Seitdem wird in Mensfelden die Kirchweih gefeiert, aus der sich später die Kiäb und unsere heutige Kirmes entwickelte. Gefeiert wurde früher in allen ortsansässigen Gaststätten, und bereits um 1700 wird in alten Akten zur Bewirtschaftung des Zollhauses von einer Schlägerei an der Kirmes berichtet.
Auch gibt es einen Bericht aus dem Jahre 1705, damals war es aufgrund des Todes von Kaiser Leopold am 5. Mai 1705 verboten Tanzveranstaltungen mit fröhlicher Musik abzuhalten. Doch die Mensfelder hielten sich nicht daran und luden trotz Verbot einige umherziehenden Spielleute zu sich ein. Hier wird vor allem eine Veranstaltung in Völkers Scheune erwähnt, wo sich viele Mensfelder zum Tanzen und Brandwein trinken trafen. Zuvor hatten verschiedene Bürger bei den Schultheißen und beim Pfarrer angefragt ob sie die Kirmes abhalten dürfen, was Ihnen von diesen verweigert worden war, dem zufolge kam es zu einer Beschwerde des Herrn von Hohenfeld zu Camberg.
Zu Kriegszeiten wurde es allerdings auch in Mensfelden ruhig. Bereits im Ersten Weltkrieg waren das sogenannte Abhalten öffentlicher Tanzlustbarkeiten und Vergnügungen verboten. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden im Herbst 1939 erneut öffentliche Tanzveranstaltungen verboten und ein „Tanzverbot“ verhängt. So wurde erst im Oktober 1946 in Mensfelden wieder Kirmes gefeiert. Mit dem festlich geschmückten Leiterwagen zog die Gesellschaft durch den Ort, und eine Kapelle, die auf dem Wagen mitfuhr, sorgte für musikalische Begleitung.
Foto: Der „Club der Weiberfeinde“: die Kirmesgesellschaft 1926 „Neubeck“]Foto: Der „Club der Weiberfeinde“: die Kirmesgesellschaft 1926 „Neubeck“- vermutlich in Anlehnung an die Gaststätte Neubeck, damals zu finden in der Unterstraße.
Foto: Der „Klub Fidelio“: Die Kirmesburschen 1946]Foto: Der „Klub Fidelio“: Die Kirmesburschen 1946 in der damaligen Mittelstraße (heutige Sonntagsstraße). Links im Hintergrund die Post, heute Backhausstraße 1
Kirmes ab 1950
In den 1950er Jahren wurden dann die ersten Kirmesbäume gestellt - allerdings zunächst durch die Wirte selbst. Wann die ersten Kirmesburschen in Mensfelden einen Baum stellten, gilt an dieser Stelle noch herauszufinden, hier sind sich bisher alle befragten Miesfeller noch nicht ganz einig. Dass es sich hierbei um eine Tradition handelt, die heute nicht mehr wegzudenken ist, ist allerdings unumstritten. In den letzten Jahren wurde Rekord um Rekord gebrochen, im Jahre 2014 maß der Baum sogar stolze 30 Meter - und musste dann nach Protesten gekappt und über eine Baumversicherung noch einmal zusätzlich abgesichert werden. Mittlerweile ist das Maß auf 21 Meter beschränkt - der Kirmesbaum würde sonst vermutlich den Windrädern Konkurrenz machen.
Von einer Kirmesverlosung wird schon 1959 berichtet, damals wurden 1000 Lose verkauft zu einem Preis von 0,20 Deutsche Mark. Auch damals wurde schon ein Hammel verlost, allerdings endete der Hammel in früheren Jahren noch nicht auf dem Teller, sondern zunächst beim Gewinner. Manch einer bekam den Hammel von den Kirmesburschen auch direkt durch die Haustür, über die Treppe und schnurgerade ins Wohnzimmer gebracht. Nach einem mehr oder weniger kurzen Aufenthalt bei den jeweiligen Gewinnern wurde der Hammel meist aber zum Schäfer und seiner Herde zurückgeführt. Beim Umzug sollte der Hammel nicht mitgeführt werden, dazu ist in der Genehmigung von 1959 folgender Hinweis zu finden „Wir bitten darauf zu achten, daß der zur Verlosung kommende Hammel nicht im Festzug oder von Haus zu Haus mitgeführt wird.“
In den 1960er Jahren feierte man am Samstag die „Männerkirmes“ - die Frauen und Mädchen blieben der Erzählung nach zu Hause, die Männer feierten alleine, und tags darauf mussten sich die Damen dann zuhauf um die leidenden Männer kümmern. Sonntags feierte die Jugend im damaligen Gasthaus Klapper (vielen noch bekannt als „Tiroler Hof“ oder „Foike‘s“, heute „Miesfeller Hopp“) und montags im Gasthaus „Zum Taunus“ (ehem. Gast. Neubeck, Kröller, Zachau) in der Unterstraße. Die ältere Generation feierte genau umgekehrt Sonntags bei „Kröllersch“ und montags bei „Klappersch“.
Kirmesmädchen, wie wir sie heute kennen, gab es damals übrigens noch keine - der eine oder andere brachte zwar seine Herzdame bzw. auserwählte Begleiterin mit. Ab wann es die ersten „richtigen“ Kirmesmädchen gab weiß man nicht genau.
Oft kam es zu Ereignissen, an die man sich auch noch viele Jahre später erinnert. Besonders ist hier ein Vorfall aus dem Jahr 1992 zu erwähnen, am Kirmessamstag kletterten zwei der Kirmesburschen zur vorgeschrittener Stunde auf das Dach der damaligen Turnhalle. Darunter auch Christoph Fischer, welcher sich auf dem Schornstein setzte. Als die beiden wieder in die Halle gehen wollten, sprang Christoph herab. Leider hielt das Dach nicht und Christoph wählte den kürzeren Weg in die Halle. Auch wenn er sich nach dem Sprung wieder aufrappelte, wurde er danach vorsichtshalber ins Krankenhaus gefahren. Zum Glück gab es keine bleibenden Verletzungen. Demzufolge wurde der Kirmesschrei in diesem Jahr leicht abgeändert: „Und wenn die Fischers vom Himmel falle, die Miesfeller Kirmes wird doch gehalle“
Ende der 90er kam die Kirmes ein wenig zum Erliegen, zwar hielten die Mensfelder Sportvereine und Gaststätten die Tradition noch lange hoch, allerdings gab es viele Jahre, in denen es keine Kirmesjahrgänge mehr gab. So hielt im Jahre 1997 Matthias „Tex“ Lange das Zepter der Kirmes hoch und bestritt die Rolle als ein Mann Kirmesbursche. Zur Jahrtausendwende fanden sich dann noch einige junge Mensfelder zusammen und konnten so 2000 und 2001 wieder einen Jahrgang stellen.
Kirmes seit 2004
Die Kirmesburschen und -mädchen des Jahrgangs 2004/2005 beendeten diese Ära im Jahr 2004. Seitdem gab es ununterbrochen einen Kirmesjahrgang. Anfangs gab es noch einige Anlaufschwierigkeiten. So hatte man 2004 eine Band engagiert, die das Einmarschlied „Kirmesbursch san lustge Brüder“ nicht spielen konnte. Doch in diesen Jahren wurden viele neue Traditionen geprägt. Auch wurde 2004 eingeführt, dass die Kirmesmädchen ein Wappen auf ihrem Kirmeshemd tragen durften. Dies wurde dann auch von den Nachbarorten der Gemeinde übernommen.
Wann die erste Kirmesbeerdigung abgehalten wurde, ist nicht bekannt. Hierbei wird eine Strohpuppe gebaut und am Kirmesmontag, dem letzten Kirmestag, verbrannt. Ab 2004 gab es dann eine kleine Prozession mit Fackeln und Sarg, in dem die Puppe zu Grabe getragen wurde. Anschließend wird noch eine kleine Rede gehalten, in der das Kirmesjahr noch einmal rückblickend betrachtet und allen Beteiligten gedankt wird.
Die folgenden Jahre sind von einem großen Umschwung geprägt. Im Jahr 2009 wurde die alte Turnhalle des TuS Mensfelden abgerissen, was zur Folge hatte, dass die Kirmes zwei Jahre lang in der Halle des TV Jahn stattfand. Ab 2011 war die neue Halle dann fertiggestellt. Der TV Jahn, der bis dahin immer den Kirmesfreitag veranstaltet hatte, gab die Veranstaltung ab. So wurden zwei neue Vereine gegründet, die das Bild der heutigen Kirmes sehr geprägt haben: Dies sind ab 2011 der Verein „Zukunft und Kultur Mensfelden“ und ab 2013 der „Verein für angewandte Lebensfreude“.
Ab 2011 gab es auch das erste Kirmesheft, auch wenn man die ersten paar Ausgaben eher als Faltblatt beschreiben könnte. In diesem Jahr fand dann auch der erste Rockabend am Freitagabend in der neuen Halle statt. Dabei konnten in den kommenden Jahren einige musikalische Größen nach Mensfelden gebracht werden. Hier sind vor allem die „Dorfrocker“ im Jahr 2016 und die „Rodgau Monotones“ im Jahr 2023 zu erwähnen.
Weiterhin zu erwähnen sind die Fassbierspenden, wodurch es möglich war, am Kirmesmontag günstige Getränke auszuschenken, die Verlosung des Kirmesbaumes als Sonderpreis, sowie die Wiedereinführung des Kirmesschnitzels ab 2013 und dann ab 2016 durch den Verein für angewandte Lebensfreude.
V. Umgebung
Die Mensfelder Gemarkung
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Solange man unsere Dorfgeschichte verfolgen kann, ist auch unsere Gemarkung mit ihrer Gesamtgröße von 1035 ha als ein Ganzes mit dem Dorf zu sehen. Sie bot durch die Jahrhunderte vielen Heimat und Brot. Unsere
Gemarkung teilt sich auf:
Ackerland ca. 750 ha = 3000 Morgen
Wiesen und Weiden ca. 60 ha = 240 Morgen
Wald ca. 100 ha = 400 Morgen
Wege, Straßen u. Gewässer ca. 60 ha = 240 Morgen
Dorfgebiet ca. 40 ha = 160 Morgen
Öd- und Unland ca. 25 ha = 100 Morgen
insgesamt 1035 ha = 4140 Morgen
Die Dreifelderwirtschaft
Bis zum Jahre 1965, ehe die letzte Zusammenlegung (Konsolidation um 1963-1965) stattfand, hielt man von altersher an der Dreifelderwirtschaft fest, obwohl nach der ersten Umlegung 1927 sich schon Abweichungen bemerkbar machten.
Unter der Dreifelderwirtschaft war eine Dreifeldereinteilung zu verstehen. Winterung, Sommerung, Brache. Als Winterung bezeichnet man die Winterfrucht, Korn und Weizen. Als Sommerung, die Sommerfrucht, Gerste und Hafer, während das dritte Feld brach lag. Diese vier Fruchtarten waren bis etwa 1750 die einzigen Feldfrüchte, die zur menschlichen Ernährung dienten.
Das Brachfeld war bis dahin jeweils das Feld nach der Sommerfrucht. Waren Gerste und Hafer abgeerntet, blieb das Feld auf den Stoppeln ein Jahr liegen, bzw. ließ man es ruhen, allerding weidete man den Auswuchs ab. Im Juni des darauffolgenden Jahres wurde die Brache das erste mal wieder umgepflügt, daher auch der Name Brachmonat. Das zweite Umpflügen war im August, das dritte Umpflügen für die Wintereinsaat folgte im September - Oktober, auch Soodackern genannt.
Als vor zirka 200 Jahren der Kartoffel-, Rüben- und Kleeanbau eingeführt wurde, kam die verbesserte Dreifelderwirtschaft auf, indem man das Brachfeld als drittes Feld für Kartoffeln, Rüben und Klee verwandte. Bis zum 20. Jh., als der Hackfruchtbau noch nicht so ausgedehnt war, blieben auch noch einige Äcker, besonders die geringeren, als Brache liegen. Der dreijährige Turnus: Winterfrucht, Sommerfrucht, Brache, war eine gebundene Ordnung, die streng eingehalten wurde. Nach der Aussaat blieben die Felder für das Fuhrwerk geschlossen, da kein Weg in das geschlossene Getreidefeld führte. Erst mit der Ernte wurde das Feld geöffnet, was durch die Ortsschelle bekannt gemacht wurde. Wer früher mit der Ernte begann, wurde bestraft. Diese polizeilichen Anordnungen galten auch für die Wiesen, bis durch die Konsolidation 1927 mit einem Wegenetz das Feld geöffnet wurde.
Die Fruchtfolge wurde beibehalten, bis 1965 als die Zweitumlegung folgte, und man zu Großparzellen überging.
Unsere Gemarkungseinteilung war bis zur Zusammenlegung wie folgt:
Das Bucherfeld, rechts und links vom Diezerweg, bis Mensfelder Kopf, welches zum ertragsreichsten Gemarkungsteil zählte, war ein Teil der Dreifelderwirtschaft.
Der zweite Teil waren die Fluren rechts und links von der Bundesstraße 417 bis zum Zollhaus und die Fluren hinter dem Wald.
Zur dritten Flur gehörten die Äcker rechts und links vom Zollhaus bis Gemarkungsgrenze Nauheim-Heringen, sowie rechts und links des Mühlbacherweges und die Fluren oberhalb des Dorfes nach dem Mensfelder Kopf zu.
Diese vorgenannte Dreifeldereinteilung wurde Jahrhunderte im Wechsel der Dreifelderwirtschaft (Winterung-Sommerung-Brache) beibehalten, bis die heutige große Planwirtschaft alles über den Haufen warf. Damit ist auch einr alte Tradition ausgestorben, denn früher trafen sich alle in einem Feld zur gemeinsamen Arbeit.
Unsere Wiesen
Die Wiesengründe waren der Dreifelderwirtschaft nicht unterworfen, aber auch hier verlief - die Arbeit nach bestimmten Rhythmus.
Früher, als es noch die kleinen Wiesenpläne gab, wurde die Heu- und Grummeternte vom Gemeindeparlament festgesetzt. Der Beginn des Mähens wurde durch den Polizeidiener mit der Ortsschelle bekannt gemacht.
Es ging nach folgender Reihenfolge: Zuerst wurden die Nebengründe gemäht. Einige Tage später, je nach Witterung, wurde durch die Ortsschelle verkündet, dass der Grund gemäht wird. Wieder einige Tage später, wenn das Wetter günstig war, wurde bekannt gemacht, dass die Lach bis zum Mühlbacherweg gemäht wird. Und zuletzt kam dann die Mühlbach und die Au (Aar) dran. So ging es traditionsgemäß in jedem Jahr. Schon im frühen Morgengrauen waren die Mäher mit ihren Sensen fleißig bei der Arbeit, wenns trocken war, wurde gewendet. Beim Heuen trafen sich alt und jung alle in Wiesengrund. Die Frauen und Mädchen hatten schöne Kleider an, ihre weißen bunten Kopftücher schimmerten im Sonnenschein. Aber auch die Männer, die jungen Burschen, ließen es an nicht fehlen. Es war ein unvergesslich schönes Bild, das bunte Treiben im Wiesengrurd zu beobachten, und auch später die hohen Heufuhren, wie sie schwankend dem Dorfe zurollten.
Dies alles gehört heute der Vergangenheit an. Es gibt nur noch wenige die im weiten Wiesengrund zu sehen sind, die modernen Heumaschinen und Ladevagen schaffen die Arbeit, und zur Bedienung der Maschinen ist nur geringe Zahl an Arbeitskräften notwendig.
Die fortschreitende Technisierung im zwanzigsten Jahrhundert hat mit seiner Schnelligkeit alles verändert, wie es vorher in der Geschichte kaum der der Fall war. Sicher hat es viele Verbesserungen gegeben, aber die Maschine bestimmt heute das Arbeitstempo - die Ruhe ist dahin. Trotz allem, der alte Wiesengrund mit seinen einzelnen Gründchen ist geblieben und hat auch noch seine alten Namen.
Namen der Wiesengründe
Nebengründen
Gerstengärten
Vor dem Pfarrgarten
In der Pfaffenbach
Im kleinen Gründchen
Im Weiberg
Kalte Herberge
Im Grund
Am Schirlingspfad
Im Grund
Im Entenpuhl
In der Seit
Rechts Schafweg
Lach bis Mühlbacherweg
In der Lach
Unterm Schafsweg
In den Federn
In dem Bruch
Am Steg
Im Anspen
Mühlbach und Au
In der Mühlbach
In der Kling
Am Klingerborn
In der Au (Aar)
In der Herbach
Heutige Flur- und Feldnamen (siehe Flurkarte)
| Wendlingen | Klingerkopf |
| Schlendereräcker | Herbacherberge |
| Am Zwernweg | Öhlmühle |
| Welgeswies | Geisensprung |
| Herrnäcker | Birnbaumgewann |
| Vor den Ulmen | Pfaffenzehnten |
| Am Bucherweg | Ulmengewann |
| Immelborngewann | Am Heidenstock |
| Im Ahl | Rechts u. links Hagerweg |
| Am grauen Stein | An der Lehmkaut |
| Zwischen Diezer- und Bucherweg | In der Gähgewann |
| Rechts u. links Bucherweg | Über den Krautäcker |
| An der Baumschul | Am Limburgerweg |
| In der Elzerbrück | Hühnergärten |
| Am Kirberger Weg | Im dunklen Gärtchen |
| Vor der Lach | Am Flachterpfad |
| Über der Lach | Fichtegewann |
| Ruländer | Vor der Heck |
| Links Heringer Kirchweg | Am Rabenbörnchen |
| Zwischen Heringer und Mühlbacherweg | Am Gemeindestück |
| Links Mühlbacherweg | In den Wolken |
| Kinkerling | Unterm Rabenhörnchen |
| Steger Anwand | Hahlheck |
| Bergkaut | Am Salmonspfad |
| Im Hütchen | Am Flachtergraben |
| Im Ludwiger | Vor der Spitzgewann |
| An der Weidenstraß | Spitzgewann |
| Hinter der Weidenborngewann | Kurzgewann |
| Weideborngewann | Dellgewann |
| Unter der Ampel | Unter dem Dornbusch |
| Weideberg | Am Dornbusch |
| In der Fußsol Kurzgewännchen | Mensfelder Kopf |
| Lindenholzhäuserheck | Über Breiteich |
| Im Boden | Hinter Breiteich |
| In der Höhl | Breiteich |
| Am Holzerstück | Am spitzen Birnbaum |
| Längeloh | Langgewann |
| Dornbusch | Am Kasseufer |
| Am Holzerstock | Sackpfeife |
| An der Nauheimer Hohl | Vor der Heid |
| Hinter dem Zollhaus | Auf dem Gleichen |
| Zu Hahn | Am Hornelspfad |
| Nauheimer Anfuhr | Am Hermeskopf |
| Halmax | Am Steinweg |
| Pfaffenbach | Im Kulmen |
| Pfarrgarten | Am Helgenhaus (Heiligenh. ) |
| Über dem Nauheimer Weg | Ober dem Stock |
| An der Kirberger Straß | Im Rippert |
| Im Forst | Rechts und links Kuhweg |
| Hinter dem Heck | In der Schwärzelswies |
| Zwischen Niederneiserweg u. Waldeck | Im Bangert |
| Am Sandgraben | Im kleinen Berg |
| Am Rederweg | Am Nußberg |
| Ringgraben | Waldeck |
| Am Oberneiserpfad | Am Waldpfad |
| Zwischen Heringer- und Netzbacherweg | Rechts Hohlerweg |
| Über der Mühlbach | Hofegarten |
| Mühlbacherhohl | Schaflücke |
| Rechts Mühlbacherweg | Im Bangert |
| Moorsgarten | Saure Wiesen |
| Am Auerweg | Links Limburgerweg |
| Am Börnchen | Rechts Hagerweg |
| Im Scheuerchen | Bucherbühne |
| Auf dem Eltes | Weiderbühne |
| Im Naßländer | Am Zollhaus |
| Auf der Hohen Anwand | Am Zöllerpfad |
| Am Volkesbaum | Rechts Selzerweg |
| An der Hanbuch | Am Pfaffenbacherweg |
| Zwischen Wald und Eichelberg | Unter der Pfaffenbach |
| Am Eichelberg | Über der Pfaffenbach |
| An der Auerhohl | Im Kreuz |
| Auerberg |
Untergegangene Flurnamen, die noch in den alten Stockbüchern stehen
| früher | jetzt |
|---|---|
| Gringersteg | Wiese im kleinen Grund |
| Gringerweg | Weg nach Nauheim |
| Heiligenhaus | jetzt Helgenhaus genannt |
| Oraniensteiner Hofgut | In der Pfaffenbach und Pfaffenzehnten |
| In der Hube | Im Forst, wo die ersten Ansiedlungen vermutet werden |
| In der Fuchshohl | Links vom Stich der B 417 |
| Im Keßler | Acker rechts Salmonspfad |
| Mannenhof | Im Schirling und Kappesstück |
| Nonnenhof | Rechts Selzerweg |
| Bannzäunepfad | Heutige Schwärzelswies u. Bangert |
| Schlendererhof | Schlenderer Eckern u. rechts Lintererweg Name kommt von einem Hofbesitzer von Schlenderhan |
| Sauerbornsufer | Rechts Stich B 417 |
| Kringentheibt | desgleichen |
| Acker am Lauskippel | Stößt an den Pfad am Erbstiftshof Am Mensfelder Kopf u. Hornel |
| Löuskippelpfad | desgleichen |
| Acker auf der Öhlamühl | Geisensprung |
| Graf von Waldersdorff | Rechts Weiderstraße |
| Hornthal | Zwischen Mensfelder Kopf u. Hornel |
| Hornthalskopf | Unter Pfarrers Ulmen |
| Erbenbachern-Hof | Über der Mühlbach |
| Heuanwand | In der Seit |
| In der Herbacher Mühl | In der Herbach |
| Steinbruch am Hornthals Kopf | Zwischen Mensfelder Kopf u. Wald |
| Erlebengewann | Unter Salmonspfad |
| Beim Sichhaus | Unterhalb des Hornels |
| Auerstraße | Heute Auer bzw. Aarerweg |
Die Gemarkung um 1724
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)
Eine Karte der Gemarkung, befindet sich im beigelegten Anhang.
Beschreibung und Erläuterung zur anliegenden Karte
A. Ist der erste von dem Dietzischen gesetzte Stock am Heringerweg mit einem Schwartzen Sternlein bezeichnet Und von Churfürst Trierischer Seyth abgehauen worden. (Jetzt Ortsausgang Remmeltstraße oder Hehnerstraße)
B. Der 2te gesetzte Stock im Oberneiserweg rechter Handt. (Jetzt Ortsausgang Schwerzstraße)
C. Der 3te Stock obig Peter Sonntag Hauß am Wege. (Ortsausgang Sonntagsstraße - Diezerweg )
D. Der Heylbrunn an der Straß. (Am grauen Stein)
E. Ein abgehauener Stock an der Berger Heyd. (Längenleh)
F. Ein abgehauener Stock erster der rundig.
G. Der Scheidstock so Lindenholzhäuser und Mensfelder Gerechtigkeit von einander Scheidt.
H. Der Immelborn. (Die Grenzgewann links Lintererweg)
I. Furchenstein an der wiß. (Welgeswies)
J. Der Stein am blumenrother Hauß Endig.
K. Flachtergraben.
L. Stein gegen Lorbach. (Siedlung Geisel)
M. Stein gegen Niederneisen. (Dieser Stein ist noch vorhanden an der Grenze Hinter der Heck Grundstück Karl Helfrich, Mensfelden - Schwenk, Niederneisen auf Mensfelder Seite ist ein M eingemeiselt)
N. Stein an der Haarbach. (Herbach)
O. Eichelberg
P. Die Klingergewandt. (Am Klingerkopf)
Q. Der Müllenbach (Mühlbach)
R. Der Laachergrundt. (In der Lach)
S. Die Ölserbrücke an der Kirbergerstraß. (Elserbrück)
. . . . . . . . . . . . . . Linie Gemarkungsgrenze Gemarkung Mensfelden
Die Karte wurde am 30.12.1724 erstellt und das Original befindet sich im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden.
Die unter A, B und C genannten Stöcke zeigen die Ortsgrenze von Mensfelden
Die Handelsstraße von Kirberg (Jetzt B 417) führte zum Zollhaus und von dort unterhalb des Neubaugebietes Alter Selzerweg (Salzweg) - Rippert - Bucherweg und kurz vor Eckerweg in den Diezerweg. Der Alte Selzerweg wurde auch Diebweg genannt. Dort sollen, nach den Erzählungen, an dem Wegeeinschnitt,unterhalb der Grundstücke Hinkel und Becher, die Diebe und Wegelagerer die Fuhrleute überfallen haben.
Der Zollstock war an dem Wegeeinschnitt oberhalb der Wegegabelung Lintererweg-Bucherweg - Diezerweg und zeigte die Zollgrenze an. Deshalb auch heute noch die Flurbezeichnung Am Stock.
Der unter D bezeichnete Heilbrunn an der Straß soll in der jetzigen Flur Am grauen Stein, oberhalb des Grundstückes Kees gewesen sein. Direkt an der Handelsstraße.
Das Sichhaus (Krankenhaus) soll an der Grenze Freiendiez - Limburg gestanden haben.
Der Mensfelder Wald
✍ Autor(en): Walter Schwenk (1975)\\Christian Mertens (HessenForst Weilmünster) (2025)\\Christina Weber-Reusch (2025)
Der Mensfelder Wald, welcher knapp 100 ha groß ist, liegt nur zirka 400 Meter vom Dorf entfernt. Als einsames Wäldchen umgeben von Feldern und Wiesen liegt er auf einem sonnigen Südwesthang. Er wird als Mischwald gepflegt. Führende Baumart ist die Eiche, gemischt mit Buche und Edellaubholz. Die Fichte ist in den letzten Jahren auf Grund von Trockenheit und Sturm komplett ausgefallen, als Nadelbaumart hat die Douglasie übernommen.
Im Waldgebiet befindet sich ein alter Steinbruch. Dieser wurde in der Notzeit nach dem zweiten Weltkrieg angelegt wurde, um den großen Wegebau unserer Gemeinde zu erhalten.
Bis 1945 war der Wald dem Forstamt Hahnstätten, der Försterei Niederneisen bzw. Lohrheim zugeteilt. Nach 1945, als die neue Ländereinteilung erfolgte, als Mensfelden zu Hessen kam und Hahnstätten zu Rheinland-Pfalz, musste auch die Forstverwaltung sich dieser Trennung unterwerfen. Mensfelden wurde dem Forstamt Wörsdorf (in Idstein), unter Betreuung der Revierförsterei Heringen, zugeteilt. Heute betreut das Forstamt Weilmünster den Gemeindewald Hünfelden in der gleichnamigen Försterei die Waldflächen.
Unser Wald teilt sich in 13 Abteilungen (Distrikte) auf. Die Abteilungen 401 - 403 liegen rechts und links vom Tripperweg (Weg zum Mensfelder Kopf), und die Abteilungen 404 - 406 rechts und links vom Niederneiserweg bis hinter die Heck.
Der Eichelberg, auch Birkenkopf genannt, welcher von dem vorgenannten Waldstück durch den Oberneiserweg und einer schmalen Flurzunge getrennt ist, schließt die Abteilungen 408 - 411 mit Steinbruch ein.
Der größte Teil unseres Waldes in den Abteilungen 401 - 406, war bis 1946 Lohwald; d. h., man hat hier von altersher, jedenfalls solange es uns bekannt ist, die einzelnen Schläge abgeloht und die Lohrinde an die Gerbereien verkauft. Das Lohholz, bzw. die Lohwellen, wurden von den Bürgern als Brennholz gekauft. Der finanzielle Ertrag war sehr gering; nach Deckung der Waldunkosten blieb nur wenig übrig.
Man überließ den abgelohten Schlag der Selbsterhaltung, das heißt, der Niederwald musste sich durch den Stockausschlag wieder selbst fortpflanzen. Der Brennholzbedarf war durch diese Maßnahme keinesfalls gedeckt, so dass die Gemeindebürger gehalten waren, ihren noch fehlenden Brennholzbedarf in den Nachbarwäldern zu kaufen.
Die Gemeindebehörde sah schließlich ein, dass diese Waldbewirtschaftung keine Zukunft hat und entschloss sich, eine intensivere Waldkultur durch Neuanpflanzungen zu betreiben.
Im Jahre 1948 wurde mit einer Fichtenanpflanzung in Abteilung 406, links des Niederneiserwegs begonnen. 1950 wurden dann Abteilung 403 und ein Teil hinter der Heck (Abt. 405) mit 10.000 Lärchen bepflanzt.
Nach sechs Jahren (1956) folgte eine weitere große Aufforstung von 5 ha Niederwald in Hochwald. In der Abteilung 403, wurde ein Gemisch von Fichten, Douglasien und Weymouthskiefern angepflanzt.
Da damals das Brennholz noch sehr knapp und gefragt war, wurde der ganze Schlag, der aufgeforstet werden sollte, in Selbstwerbung kostenlos an die Gemeindebürger abgegeben. Das ersparte der Gemeinde viele Kosten und ermöglichte die Freilegung von 5 ha.
Eine weitere Aufforstung erfolgte im Jahre 1965, 4 ha in Abteilung 404 wurden in der gleichen Kulturart wie Abteilung 403 b angelegt.
Somit wurde der Wald, der bis 1947 ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde, um über 60 Morgen Hochwald bereichert.
Schon nach 8 - 10 Jahren konnte die Gemeinde in den neuen Kulturen, durch den Verkauf von mehreren tausend Weihnachtsbäume, erste Ernte machen Ein schöner Bestand aus verschiedenen Laub- und Nadelbäumen wuchs heran, der auch den folgenden Generationen eine Nutzung des Waldes in all seinen Facetten ermöglichte. Allerdings gab es auch in der Vergangenheit Abschnitte, in denen es, dem Wald nicht gut ging. Dank des unermüdlichen Einsatzes der Gemeinde, der Forstverwaltung mit ihren Revierförstern Leber, Trabusch, Ernst und Wiche, sowie den ehrenamtlichen Helfern aus Mensfelden konnte der Wald für die Zukunft gesichert werden.
Auch in der heutigen Zeit ist in der Gemeinde Hünfelden die Nachfrage nach Brennholz als nachwachsende Energiequelle hoch gefragt, und so wird auch im Mensfelder Wald ein Teil des jährlichen Brennholzes geworben. Neben der Nutzung des Waldes als Rohstofflieferant und seinen Aufgaben in den Schutzfunktionen (Luft und Boden), steigt das Interesse der Bevölkerung an Erholung und Entspannung.
Und was wäre unsere Gemarkung ohne Wald? Eine Landschaft ohne Reiz! Die Natur bietet uns einen wunderbaren Ausgleich in der Vegetation. Der Wald sichert unseren Wasserhaushalt und bietet Erholungssuchenden reine Luft und Ruhe. Das Ökosystem Wald ist ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. In ihm summt und brummt es, die Vögel singen und das Wild findet Schutz. Der Mensfelder Wald verdient unseren Schutz und Pflege, damit er auch zukünftigen Generationen erhalten bleibt.
Im Walde
Drücken dich des Alltags Sorgen,
Geh, in den grünen Wald hinein.
Da kannst du ganz verborgen,
Dein Herz ausschütten fein.
Dort unter laubigen Bäumen,
Setz dich ins grüne Moos.
Dort kannst du beten, träumen,
Wirst deine Sorgen los.
Hör, wie die Vöglein singen,
Sie locken und musizieren!
Wie tausend Flüglein schwingen,
Im Reigen tirilieren!
Wenn dann der Wind die Saiten,
Streicht überm Lauf’ gen Dach
Schwingt alles sich im Reigen
Macht die stille Seele wach.
Dann ist‘s, als ob der liebe Herrgott,
All seine lieben Gäst
Eingeladen hätte, zu einem frohen Fest.
Drum helft den Wald erhalten,
Werft ihn nicht mit Unrat voll.
Er wird dir‘s immer danken,
Und fühlst dich in ihm wohl.
Der Hermannshof
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Kirsten und Max Becker (2025)
Schon im Jahre 1960 siedelten die Eheleute Hermann und Elma Becker aus Oberneisen in das schöne Herbachtal. Sie nannten ihren Hof Hermannshof in dem Mensfelder Gemarkungsteil In der Herbach. Die Siedlung wurde 1959 gebaut und im Mai 1960 nach Fertigstellung bezogen. Der Hermannshof hat eine Größe von 34 ha und ist ausschließlich auf Rindvieh- und Schweinehaltung eingestellt.
Die Rindviehhaltung wird in einem Freiluftstall mit einer intensiven Weidewirtschaft betrieben, so da sich die Haupteinnahmen aus der Milch- und Fleischerzeugung ergeben.
Der Name Hermannshof wurde von dem Siedler Becker gewählt, weil schon drei Generationen den Vornamen Hermann haben.
1975 brachte sich dessen Sohn Herman-Jörg Becker als gelernter Landwirt in den Betrieb mit ein. Später führte er den Hof mit seiner Frau Martina Becker geb. Stange weiter, bis durch eine neue EU-Verordnung die Milchviehhaltung in dieser Form unattraktiv wurde. Die Tierhaltung wurde reduziert und 189 ganz aufgelöst. Der Ackerbau wurde im Nebenerwerb fortgeführt.
Tochter Kirsten Becker übernahm im Jahr 2015 die Landwirtschaft als gelernte Pferdewirtin Zucht und Haltung. Im Durchschnitt werde 20 Pferde (Pensions- und Zuchttiere) auf dem Hof gehalten. Seit 2015 findet auch das jährliche Hoffest am ersten Mai statt und wurde in der Region zu einem beliebten Wanderziel.
2023 heiratete Sie den Mensfelder Max Becker geb. Kloos, der mit ihr eine Gallowayrinder Zucht aufbaut. Zwei Jungtiere wurden 2022 angeschafft, im Jahr 2022 wurden die ersten zwei Kälber geboren.
Der Tannenberghof
✍ Autor(en):
Ruben Knapp (2025)
Mit der Flurbereinigung 1956 – 1957 siedele das Ehepaar Ernst und Else Kanigowski mit Ihren Kindern Brunhilde und Ursula, sowie den Eltern von Else Kanigowski, Wilhelm und Elisabeth Schumann aus.
Der Name „Tannenberghof“ entstand zur Erinnerung an die Heimat von Ernst Kanigowski, der 1945 von seiner Ostdeutschen Heimat Tannenberg in Ostpreußen vertrieben wurde.
Der Hof liegt nördlich von Mensfelden am Vicinalweg, der heutigen Mensfelder Straße L3448 nach Lindenholzhausen. Gemarkung: In der Höhl.
Der Betrieb wurde 1982 von Edgar und Brunhilde Knapp geb. Kanigowski übernommen. In den folgenden Jahren wurde der Betrieb umstrukturiert. Die Rindviehhaltung wurde aufgegeben und sich auf die Schweinhaltung spezialisiert.
Ende der 90er Jahre wurde dieser Betriebszweig durch den Speisekartoffelanbau ersetzt. Hierfür wurden 2004 und 2010 neue Halle für die Lagerung von Speisekartoffeln gebaut.
Seit 2008 wird der Betrieb von Ruben und Verena Knapp bewirtschaftet. Aktuell wird ein Teil der 2010 errichteten Halle zu einem Kistenkühlhaus für die Kartoffellagerung umgebaut. Lennen Knapp, die fünfte Generation, der Familie, befindet sich aktuell in der Ausbildung zum Landwirt um später einmal den Tannenberhof weiter zu bewirtschaften.
Hof Talwiese
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Der Hof Talwiese ,gelegen in dem Mensfelder Gemarkungsteil, In der Fichtegewannt wurde am 6. August 1963 von dem Siedlerehepaar Karl-Heinz und Else Geisel bezogen. Als Beisitzer sind mit eingezogen die Eltern der Frau, Karl und Hermine Stotz. Das Siedlerehepaar bewirtschaftet heute 60 ha. Neben der ausgedehnten Viehhaltung (Weidebetrieb) mit Ammenvieh, Siloanlage und Grünland, dürfte auch der Fruchtbau zu ihren Haupteinnahmen zählen.
Die günstige Lage des Hofes an der Dreimarkergrenze: Mensfelden, Niederneisen und Flacht, gewährt eine gute Ausdehnung des Betriebes, weil immer mehr Bauernbetriebe aufhören.
Der Name Talwiese dürfte durch seine Tallage mit ausgedehnten Wiesengrund gewählt worden sein.
Der Harvesterhof
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Der Harvesterhof wurde im November 1965 von dem Siedlerehepaar Horst und Rosel Weil aus Linter besiedelt. Bis 1972 zählte der Betrieb zur Gemeinde Linter, da aber der Hof in Mensfelder Gemarkung Im Ludwiger neben der B 417 liegt, ist derselbe 1972 an die Großgemeinde Hünfelden Ortsteil Mensfelden übergegangen.
Er dürfte heute mit einer Größe von 70 ha. zu den größten Aussiedlerhöfen des Kreises zählen. Das Siedlerehepaar Weil betreibt eine ausgesprochene Milchwirtschaft mit intensiver Silagefütterung. Von der großen Siloanlage, Harvester Silo bekam der Hof seinen Namen.
Neben der Viehhaltung betreibt das Siedlerehepaar Weil einen intensiven Getreidebau. Die günstige Lage an der Zweimarkergrenze Mensfelden-Linter verspricht durch die Auflösung weiterer Kleinbetriebe in den beiden Gemeinden eine weitere Ausdehnung des Betriebes.
Der Heilbrunnen zu Mensfelden
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Wie aus mehreren Berichten aus dem Jahre 1692 hervorgeht, war im Mensfelder Territorium unter dem hiesigen Fürstl. Nassau-diezischen Zollhaus, mitten im Weg nach Limburg, auch benannt untig dem Mensfelder Kopf, ein Heilbrunnen (Mineralbrunnen). Dieser Heilbrunnen auch Gesundbrunnen genannt, hat jahrelang, angeblich seit 1678, den armen, kranken und schwachen Menschen als Erquickung gedient. Am 5. Januar 1692 wurde dieser Brunnen von dem Chur-Trierer und Waldeckischen Schultheiß Anthon Pretting in Mensfelden auf Anordnung des Amtmanns Freiherr von Hohenfeld von 14 Männern aus Mensfelden zugeworfen, damit das Wasser nicht mehr geholt und genossen werden könnte. Jedem war vorher, falls er nicht erscheinen sollte, 10 Gulden Strafe angedroht worden. Der oranische Schultheiß Johann Jakob Preußer erhielt von Diez die Order, die Übeltäter nach Diez zur Bestrafung zu bestellen, doch auf Anordnung des Amtmanns Freiherr von Hohenfeld erschienen sie nicht in Diez. Schließlich hat der Flachter Schultheiß auf seine Verantwortung den Brunnen wieder in Ordnung bringen lassen. Doch der Amtmann Freiherr von Hohenfeld gab abermals 18 kurtrierischen Männern unter Androhung hoher Strafe den Befehl, den Brunnen wieder zuzuwerfen. Hier ist in dem Bericht ausdrücklich erwähnt, dass sie gegen ihren eigenen Willen handeln mussten.
Es gibt verschiedene Gründe für diese frevelhafte Tat. An dem neuen Heilbrunnen ließ Nassau-Diez, dass die Landeshoheit in der ganzen Gemarkung beanspruchte, eine Geldabgabe erheben. Dies war den anderen Ortsherren von Mensfelden ärgerlich, da sie darin eine Erweiterung der Nassau-Diezer Rechte sahen.
Ein zweiter Grund war sicher, dass Kurtrier eine Konkurrenz für die ertragreiche Mineralquelle in Niederselters befürchtete. Wilhelm Lothar Freiherr von Hohenfeld, (1650 - + 1710) war damals gleichzeitig kurtrierischer Amtmann in Limburg, Villmar und Camberg. Er hatte im Amt Camberg, das je zur Hälfte Kurtrier und Nassau-Diez gehörte, die kurtrierischen Interessen zu vertreten, was, wie so oft in Gemeinschaften, immer wieder zu Reibereien führte. Sein Vater, Achatius Freiherr von Hohenfeld, der als Glaubensflüchtling aus Österreich gekommen war, hatte lange im Dienst von Nassau-Diez gestanden und hier reichen Besitz gewonnen, von dem nur der Amtshof in Camberg, die Höfe Hausen und Blumenrod und Höfe in Heringen und Neesbach genannt seien. Er war dann katholisch geworden und auch in Dienst von Kurtrier getreten. Von Nassau-Diez aus waren Vorwürfe gemacht worden, dass er mehr seinen eigenen Vorteil als den des Dienstherren gesucht hatte. So war das Verhältnis des Sohnes zu Nassau-Diez getrübt. Dazu kam als Hauptstreitpunkt zwischen Kurtrier und Nassau-Diez die überaus ertragreiche Mineralquelle von Niederselters. Nach den alten Verträgen war dort der Emsbach zwar die Hoheitsgrenze zwischen Kurtrier und Nassau-Diez. Kurtrier hatte jedoch ganz die Nutzung des Brunnens an sich gezogen, den Nassau-Diez ihm mehrfach vergebens zu entreißen versuchte. Als Opfer dieses Streites wurde der Heilbrunnen von Mensfelden wieder zugeschüttet.
Transkription: Passierschein
Von Gottes Gnaden / Wir Ernst / Landgraf
zu Hessen / Fürst zu Hersfeld, Graf zu Catzenelnbogen, Diez,
Ziegenhäin / Nidda und Schauenburg.
Demnach Vorweiser dieses Frantz Muth für drey
Personen auff hiesiger Fürstlich Residents
nach dem bey Limburg erfunden Heilbrunnen um
vonselbigem Waßer anhero zu bringen geschickt wird
Als ersuchen Wir aller Orts Obrigkeit / Kriegs-Officiers / Soldaten /
und männiglichen vorgesagten Frantz Muth
nicht allein allenthalben frey / sicher und ungehindert pahr- undt repassiren zu lassen /
sondern auch allen guten Willen und Beförderung zu erweisen. Welches Wir dann gegen
jetwerdern nach Stands-Gebühr hinwiederum zu verschulden und zu erkennen gans erbietig
verbleiben, Geben in unserer Veste und Residens Rheinfels den 28ten February 1692
Auf Fürstlich Heißen
Rheinfelßischer Commerschreibern
Der Bau des Gruppenwasserwerks
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Wasserverband Mensfelden - Nauheim - Neesbach - Werschau
Nicht um der Ehre willen schreibe ich diese Zeilen, vielmehr, dass man noch einmal zurückdenkt, an das langersehnte, mit viel Mühe und harter Entschlusskraft, entstandene Werk. Ursprünglich gab es in Mensfelden nur Zieh- oder Schöpfbrunnen in den Gassen und Straßen, in der Sonntagsgasse, Schlimmgasse, Schwarzgasse, Mittelgasse (jetzt Remmeltstraße) und Untergasse (jetzt untere Neustraße). Nur gelegentlich ist einmal etwas über den Ausbau der Brunnen überliefert. So heißt es 1852, dass der Gemeindebrunnen in Carl Völkers Hofreite, der gutes Wasser hatte, so stark quoll, dass man von dort eine Röhrenleitung bauen konnte, um das Wasser voll auszunutzen. Zunächst bis zu Ecke der Kreuzgasse, bis an den Garten des Feldgerichtsschöffen Völker, von diesem Garten weiter bis an Gärten des Ph. Anton Käs, wo die Brunnenkammer angelegt werden sollte. Neben diesen Gemeindebrunnen entstanden immer mehr hauseigene Brunnen, so dass fast jedes Haus seinen eigenen Brunnen hatte. Dennoch betrachtete man dies als einen Rückstand. So suchten wir seit 1954 in Mensfelden nach Wasser, um endlich eine ordentliche Gemeindewasserleitung zu bekommen. Nachdem ich, als Bürgermeister, bei den chemischen Untersuchungen, welche alljährlich von dem chemischen Laboratorium Fresenius Wiesbaden durchgeführt wurden, erfahren habe, dass kein Brunnen ohne die gesundheitsgefährdenden Bazillen war, weil die Privatbrunnen nur eine Tiefe von 5 - 10 Meter hatten, und dadurch überwiegend nur vom Oberflächenwasser gespeist wurden, hat mich, sowie die damalige Gemeindevertretung zu dem überzeugenden Entschluss geführt, es als vorrangige Aufgabe zu betrachten, unsere Gemeinde mit hygienisch einwandfreiem Wasser zu versorgen. So durfte ich, wenn auch mit großen Schwierigkeiten, dank der Einsicht und Unterstützung der damaligen Gemeindevertretung, sowie des Amtes für Bodenforschung (Prof. Michels), des Landes und des Kreises, den Bau einer Wasserleitung in die Wege leiten.Was unseren Vorgängern, trotz großer Mühe und Kosten, nicht vergönnt war, durfte nun Wirklichkeit werden.
Im Jahre 1954/55 wurden die ersten Brunnen am Klingerkopf von der Firma Etschel und Mayer in Hofen, Bayern, gebohrt, mit einem Kostenaufwand von 60.000 DM, wovon die Gemeinde 40.000 DM als Darlehen aufnehmen musste. Der Haushaltsetat betrug ja nur 70.000 DM. In einer Tiefe von rund 120 Metern erreichten wir die Wasserader, die 6 - 7 Sekundenliter lieferte. Das reichte für die Versorgung von Mensfelden.
Inzwischen ist man jedoch seitens des Wasserwirtschaftsamtes und des Kreises auf den Gedanken gekommen, Mensfelden mit den restlichen Gemeinden Nauheim, Neesbach und Werschau, die im Südkreis auch noch ohne Wasserversorgung waren, zu einem Wasserverband zusammenzuschließen. Ende Januar 1956 wurde der Wasserverband Mensfelden, Nauheim, Neesbach und Werschau gegründet. Die Verbandsversammlung fand im großen Sitzungssaal des Rathauses Mensfelden statt, als Vertreter für den Verbandsvorstand wurden gewählt:
Bürgermeister Walter Schwenk, Mensfelden u. Ernst Weil, Mensfelden
Bürgermeister Heinrich Dankof , Nauheim
Bürgermeister Karl Gros, Neesbach
Bürgermeister Josef Arnold, Werschau
als Kassenverwalter Karl Presber, Nauheim
als Schriftführer Karl Kees, Mensfelden
Die Verbandsversammlung setzt sich aus 21 Mitgliedern aus den vier Mitgliedsgemeinden, sowie dem vorgenannten Vorstand zusammen. Aufsichtsbehörde waren der Landrat und das Wasserwirtschaftsamt als Vertreter der Landesregierung und Kreis, die bei Vorstandssitzungen und Verbandsversammlungen mitwirkten.
Um die Kapazität der Wassermenge für die vier Gemeinden zu gewährleisten, wurde auf Vorschlag des Geologen, Prof. Michels vom Hessischen Landesamt für Bodenforschung in Wiesbaden. noch im Jahre 1956 eine Bohrung in der Kiesgrube in Neesbach und später noch für einen zweiten Brunnen südlich des Dorfes Neesbach durchgeführt. Schon bei der ersten Bohrung, in einer Tiefe von 32 Metern, erreichten wir eine Wasserkapazität von 12 Litern pro Sekunde. Damit war die Gewähr gegeben, dass die Wasserversorgung für die vier Gemeinden gesichert war.
Der Beschluss wurde gefasst, mit dem Bau zu beginnen. Die Planung, sowie die Bauleitung, wurde dem Ing. Büro Max Niklas in Bad Homburg übertragen. Ende 1956 wurde der Plan dem Wasserverband vorgelegt, welcher mit einem Bauaufwand von 1,5 Millionen DM abschloss. Trotz einiger Beanstandungen seitens der Landesregierung, welche zu verschiedenen Änderungen des Planes führten und dadurch kostbare Zeit verloren ging, hatten wir endlich erreicht, dass Ende Mai 1957 der genehmigte Plan auf dem Tisch lag. Die Vergebung der Arbeiten erfolgte durch Ausschreibung: Als günstigstes Angebot für die Rohrverlegung erhielt die Firma Ernst Förger, Diez, und für den Bau der Pumpstation und der beiden Hochbehälter die Firma Albert Weil, Limburg, den Auftrag.
Die Wasserversorgung der vier Gemeinden war wie folgt geplant:
Von der Pumpstation Neesbach wird das Wasser in den Hochbehälter Kloßrain (Neesbach) gepumpt, von da aus werden die Gemeinden Neesbach und Werschau versorgt. Vom Hochbehälter Kloßrain bewirkt dann eine zweite Pumpstation die Wasserförderung zum Hochbehälter Nauheimer Kopf. Von da aus wird Nauheim und Mensfelden versorgt.
Am 5. August 1957, montags, als gleichzeitig der Männergesangverein 1837 Mensfelden, seinen 3. Festtag zum 120-jährigen Bestehen feierte, wurde in der Pfaffenbach bei Mensfelden unter feierlicher Mitwirkung des Männergesangvereins und des Spielmannszuges Mensfelden, der erste Spatenstich (symbolisch) getan und der erste Bagger in Betrieb gesetzt.
Als Gäste waren erschienen: als Vertreter des Landrats Regierungsamtmann Kiehl, als Vertreter der Kreisverwaltung Limburg Oberamtmann Grohmann, von der Bauleitung Ing. Wenzel und von den vier Mitgliedsgemeinen Kollegen Bürgermeister Dankof, Gros und Arnold. Mit den Worten: Gott segne dieses Werk und laß es wohl gelingen, gab ich dem Baggerführer das Zeichen zum Anfangen.
Bald waren drei Bagger an der Arbeit und mit dem Bau der Hochbehälter, begann das große Werk. Auch für mich als Vorsitzender des Verbandes begann eine harte Zeit, die mit vielen Sorgen, insbesondere in finanzieller Hinsicht, verbunden war. Die Beschaffung von einer Million Mark Darlehen war in damaliger Zeit mit großen Schwierigkeiten verbunden. Doch dank der Unterstützung des damaligen Ministerialrats und späteren Regierungspräsidenten Dr. Schubert von der Hessischen Landesregierung, konnten wir es schaffen.
Nach neunmonatlicher Bauzeit wurde am 1. Mai 1958 in einer Feier offiziell das Gruppenwasserwerk des Wasserverbandes Mensfelden, Nauheim, Neesbach und Werschau seiner Bestimmung übergeben. An der Pumpstation Neesbach konnte ich, neben zahlreichen Bürgern, die Vertretung der Hessischen Landesregierung, des Wasserwirtschaftsamtes, das hessische Landesamt für Bodenforschung, Prof. Michels, sowie vom Kreis Landrat Jäger, Medizinalrat Dr. Rompel, die Vertreter der Kirchen und Gemeinden, die Baufirmen und die Kollegen der Nachbargemeinden begrüßen.
Das Gruppenwasserwerk, das mit 1,5 Millionen Mark veranschlagt war, wurde mit Sorgfalt und Liebe gebaut. Möge es den 4 Gemeinden Glück und Segen bringen. Wir danken Gott, dass wir es ohne Unfälle geschafft haben. Auch allen Arbeitern, die mithalfen 16000 m Rohrleitung zu verlegen, die Pumpstation und Hochbehälter zu bauen, sei Dank. Nicht zuletzt sei die gute Zusammenarbeit mit der Bauleitung, dem Ing. Büro Niklas, meinen Kollegen vom Vorstand und der Verbandsversammlung lobend erwähnt. Trotz des Regenwetters konnte am Nachmittag bei feucht fröhlicher Stimmung ein schönes Wasserfest in der Turnhalle in Nauheim gefeiert werden.
Damit wäre wohl der Bau des Gruppenwasserwerks Mensfelden-Nauheim-Neesbach-Werschau geschildert und dokumentiert. Die Leser sollen aber auch mal wissen, wie ein solches Projekt mit 1,5 Millionen Mark finanziell möglich war. Nachdem sich die einzelnen Haushaltsetats der vier Gemeinden nur von 30. 000 - 90. 000 DM bewegten, will ich abschließend die Haushaltsrechnung des Wasserverbandes von 1956 - 1957, in dem das Bauprojekt sich abwickelte, aufzeichnen:
Rechnung für den außerordentlichen Haushalt
Nach den Haushaltsplänen für das Rechnungsjahr 1956 u. 1957 waren zusammen 1.500 000, -- DM für den Bau des Gruppenwasserwerkes vorgesehen:
Im einzelnen wurden angeordnet und nachgewiesen:
| Einnahmen: | |
|---|---|
| Beihilfe des Bundes | ,00 DM |
| Beihilfe des Landes zu den Entwurfskosten | ,00 DM |
| Beihilfe des Kreises Limburg | ,00 DM |
| Beihilfe der Brandversicherung Wiesbaden | ,00 DM |
| Beihilfen der Gemeinden | |
| a) Mensfelden | ,00 DM |
| b) Nauheim | ,00 DM |
| c) Neesbach | ,00 DM |
| d) Werschau | ,70 DM |
| Anschlußgebühren | |
| a) Mensfelden | ,00 DM |
| b) Nauheim | ,45 DM |
| c) Neesbach | ,56 DM |
| d) Werschau | ,00 DM |
| Spenden für Wasserfest | ,00 DM |
| Darlehensaufnahme | |
| 1. Nassauische Sparkasse Wiesbaden | ,00 DM |
| 2. Nassauische Lebensversicherung Wiesbaden | ,00 DM |
| 3. Hessische Landesbank Ffm. (EgA Mittel) | ,00 DM |
| 4. Darlehen des Landes Grüner Plan | ,00 DM |
| 5. Darlehen des Bundes Grüner Plan | ,00 DM |
| 6. Kreissparkasse Limburg | ,00 DM |
| 7. Darlehen des Bundes Grüner Plan | ,00 DM |
| 8. Darlehen aufgenommen von der Gem. Mensfelden | ,00 DM |
| 9. Darlehen aufgenommen von der Gem. Mensfelden | ,00 DM |
| Einnahmen zusammen | 1.461.851,06 DM |
| Ausgaben | |
|---|---|
| Brunnenverschachten | ,91 DM |
| Brunnenbau Neesbach | ,70 DM |
| Erdarbeiten | ,95 DM |
| Wasserleitungsrohre | ,36 DM |
| Hochbehälter | ,70 DM |
| Baupläne und Bauleitung | ,49 DM |
| Anschlußleitung (Außenanschluß) | ,75 DM |
| Amaturen pp | ,94 DM |
| Einrichtungen, Pumpen, Messer | ,91 DM |
| Grundstückskäufe, Vermessungen pp | ,80 DM |
| Sonstige Baukosten | ,34 DM |
| Flurschäden | ,56 DM |
| Wasserfest | ,56 DM |
| Reisekosten | ,00 DM |
| Fracht- und Fuhrlöhne | ,11 DM |
| Wasseruntersuchungen | ,00 DM |
| Gebühren für Darlehen (Disagio, Bereitst. Geb) | ,78 DM |
| Bauleitkosten, Wasserwirtschaftsamt | ,00 DM |
| Stromkosten | ,00 DM |
| Rohrmeister | ,75 DM |
| Sonstige Verwaltungs- u. Zweckausgaben | ,61 DM |
| Ausgaben zusammen: | 1.446.204,24 DM |
| Abschlußergebnis: | |
|---|---|
| Gesamteinnahmen | .851,06 DM |
| Gesamtausgaben | .204,24 DM |
| Mehreinnahmen | 15.646,82 DM |
Der Steinbruch
✍ Autor(en):
Basalt‑Actien‑Gesellschaft, BAG (2025)
Der Steinbruch in Mensfelden ist ein Produktionsstandort der Bergisch-Westerwälder Hartsteinwerke (BWH), einer Zweigniederlassung der Basalt AG aus Linz am Rhein. Seit ihrer Gründung im Jahr 1888 ist die Basalt AG eines der größten Baustoffunternehmen Deutschlands. Unternehmensschwerpunkte sind die Natursteingewinnung, die Herstellung von Asphaltmischgut, die Deponierung sowie der naturschutzfachliche Bereich für Folgenutzungen. Der heutige Steinbruch Mensfelden, der ca. 1 km südwestlich des gleichnamigen Ortsteiles liegt, wurde im Juni 1971 von der Gemeinde Mensfelden an die Schotterwerke Isselbach GmbH verpachtet. Rechtsnachfolgerin der Schotterwerke Isselbach wurde zum 02.01.2004 die Nassauische Mischwerke GmbH, welche am 01.11.2006 wiederum mit der BWH verschmolz. Das Abbaugebiet am Standort Mensfelden liegt laut dem Regionalplan Mittelhessen in einem Vorranggebiet für den Abbau oberflächennaher Rohstoff-Lagerstätten.
Das im Steinbruch Mensfelden gewonnene Gestein wird als Keratophyr bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein vulkanisches Gestein mit einem Alter von über 350 Millionen Jahren aus dem Erdzeitalter des Karbon. Der aus dem Keratophyr gewonnene Schotter wird vor allem als Grundlage für Asphaltmischgut im Straßenbau verwendet. Das Gestein weist im Aufschluss verschiedene Farbtöne auf, die von dunkelrot über weiß und gelb bis hin zu grün reichen können. Die Färbung des Gesteins entstand durch verschiedene geologische Prozesse und den Einschluss färbender Elemente wie dreiwertigem Eisen (Rotfärbung durch Rost).
Im Jahr 1973 wurde mit den Erschließungsarbeiten des Steinbruchgeländes begonnen. Die Genehmigungsfläche betrug damals ca. 10 ha. Durch den in früheren Jahren betriebenen Steinbruch der Fa. Behnert aus Idstein war ein kleiner Aufschluss bereits vorhanden. Mit der Gesteinsgewinnung konnte nach Erhalt der Abbaugenehmigung im Sommer 1975 begonnen werden, 1976 folgte die Splittproduktion. Synchron hierzu wurde die Asphaltmischanlage in Betrieb genommen, die mittlerweile abgebaut ist. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten in den 70er Jahren wurde die Abbau- und Verarbeitungstechnik stets weiterentwickelt, sodass der Steinbruch heute technisch auf hohem Niveau steht. Ist der Abbau einmal beendet, wird seitens der Betreiberin BWH mit der Umsetzung des Rekultivierungskonzeptes begonnen. Am Standort Mensfelden sieht dieses eine Verfüllung und Modellierung der ehemaligen Hügelkuppe mit gleichzeitiger Einrichtung von seltenen Sonderbiotopen wie einer Steilwand mit vorgelagerter Blockschutthalde vor. Während parallel weiterhin Gesteinsgewinnung stattfindet, ist ein Teil des ehemaligen Steinbruchgeländes bereits in der Rekultivierung begriffen. Hier entsteht eine Aufforstung mit heimischen Baumarten. So ist der Steinbruch jetzt sowie zukünftig ein biologisch wertvolles Sonderbiotop, das vielen seltenen und hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten einen in Deutschland immer seltener werdenden Lebensraum bietet. Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung kommt die BWH am Standort nach, indem sie den Steinbruch immer wieder als außerschulischen Lernort für Schulgruppen aus der Region öffnet und das Gelände mehrmals jährlich für Übungen der regionalen Einsatzkräfte (z. B. Feuerwehr und THW) und Rettungshundestaffeln zur Verfügung stellt.
©B. Fischer, Basalt‑Actien‑Gesellschaft (BAG)
VI. Besondere Ereignisse
Grenzbegang im Jahre 1678
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Instrumentum Notariale der Gemeindstein zu Mensfelden den 1678
Vermog von ihrer Churfürstlichen gndl. zu Trier unter dem dato Ehrenbreitstein den 5ten hujus (dieses Monats) gnädigst erteilten Commission, hat Schultheiß Wilhelm Langenbach von Camberg in Zustand H. Christoph Altgelts Waldeckischen Bedienten, und Nicolaßen Pfeiffers Saarbrückischen Schultheißen, so dann in Gegenwarth Notary die älteste des Dorfes Mensfelden vor sich kommen lassen, und dieselbe sowie abgelassener gnädigster Commision, ihrer äydt (Eide) womit sie gesambter hechst gnädiger Herrschaft zugethan seyen, darauf erinnert, und befohlen, daß sie in Kraft bestehender Pflichten ihrer Wissenschaft, über die ihnen als dann für haltende Fragestück, und was sie selbsten gesehen, und von ihren Voreltern gehört, anders nichts als was die pure Wahrheit wäre, und sie hiermit bei Gott verantworten können, offenbaren sollten, dene dieselben dann als trefflich nachzukommen Handgelöbnis von sich geben, und der Notarius beysein obgesagter Herrn, deren alleaussagen verzeichnet in maßen nach den Fragestücken, die vorgesetzt folgen wird.
Erstlich wie weit die Mensfelder der Meinung gegen das Dietzische Gebieth, und hinwieder dieses gegen das Mensfeldische sich erstrecken.
Wo diese beyde gegeneinander endigen.
Was derhalben vor alten Zeiten vorgräntz (Grenzen), und Scheidzeichenstein oder Stützel gewesen.
Wo die alten Hasenstöcke vorher gestanden.
In welchem Orth die unlängst ausgeworfene Stützel gestanden.
Ob selbige nicht weiter in die Mensfelder Terminey (Gemarkung) als altersher gestanden, eingerückt gewesen.
Was die alte Stöck für Zeichen, und was die neue gewesene Stöck für Zeichen gehabt.
Was für eine Obrigkeit Pfandungen gerichtliche Einsetzungen in die Güter, excutionen (Durchführung), Abschatzungen derselben, oder Jurissictiones (Gerechtigkeiten) mit Rein und Steinen in Mensfelder Terminey (Gemarkung) und wie weit exereziert haben.
Wie, wann, und durch welche Herschaft, auch wie weit des Jagens Gerechtigkeit geübt worden.
Was für nachteilige Eingriffe vor diesem und nehmlicher Zeit in Mensfeldischen Teritorium von den dietzischen Bedienten oder Unterthanen geschehen.
Ob obenbesagte Hasenstöck mit Vorweisen, und beysein der Gemeinschaftsherrn oder deren Bedienten eingesetzt seyen worden, und ob selbige von altersher streitbar gewesen.
Oder ob selbige Stöck nicht einseitig von Nassau Dietz ohne vorweisen, und beysein der gesambter Herschaft gesetzt worden.
Welche Obrigkeit die Frevel, Bußen, und der zehnte Pfennig, welche mensfelderische Terminey (Gemarkung) in und allzeit gefallen, zugeeignet und gegeben worden.
Bei dem Grenzbegang 1678 waren als Zeugen die darüber auszusagen hatten benannt;
Thönges Bonardt 73 Jahre, Trierischer Schultheiß.
Johann Lantz 60 Jahre gewesener Waldeckischer Schultheiß.
Thönges Schmidt 75 Jahre.
Peter Lieber 57 Jahre.
Jost Werner 70 Jahre.
Das Zeugen Verhör am 10ten und 11ten Marty 1678 vor dem Gericht in Mensfelden lautet: Daß die zwischen Mensfelden und Dietz befindliche und in Augenschein genommene Schiedstein welche in den gesagten vier Bergen oder Wälder gelegen, jederzeit für die rechte Gränzmahl gehalten worden, und daß besagte Markstein die Mensfelder Gerechtigkeit außweisen Thäten.
Außer den Schöffen waren auch die Hübner aus Linter geladen soweit sie im Mensfelder Bezirk begütert waren, sowie die Nassau-Diezische Bedienten.
An den jährlich vier festgesetzten Gerichtstagen war es Pflicht, daß auch die Hübner aus Linter erschienen.
Desgleichen meldet ein ander Weißthum, so die Schöffen zu Mensfelden jährlich des Samstags post vincula Petri unter einen Linden zu verlesen, und zu weisen Pflegen, daß soweit das Zehntgeleith Schutz in Mensfelder Feld, oder Gebieth zeiget, alle Frevel ohne unterschied welcherley sie begangen, werden den Herrn zu Mensfelden jedem zu gebührenden Theil zugehören.
Nach der Mensfelder Gerichtsordnung hat das Gericht in Mensfelder Terminey (Gemarkung) das Recht zu Pfänden, juris Dictones (rechtsprechen) ja Satzung zu tun, zu exequiren, abzuschätzen und zu auch entstandene Irrung und Streit durch des Mensfelder Gericht zu entscheiden und darin Steinen zu lassen, Gebott und Verbott, zu Pfänden ab- und zuzuschätzen, und dergleichen actus civiles allein gehabt, und exerciert.
Sowie bey Grenzverletzungen bey Weydt rieb, Jagdfrevel dergleichn durch Gerichtsbeschluß Bestrafungen und Pfändungen durchzuführen.
Beschreibung der alten Grenzzeichen
Alte Stütze: Ein etwa 20 - 30 cm breite Holzpfähle, 8-9 Schuh hoch, diese waren auf der Seite mit einem Zinkblech beschlagen worauf ein Hase ein Feldhuhn gezeichnet waren.
Etwa nach 1686 wurden die alten StützeL von Nassau-Dietz ausgewechselt.
Die neuen Grenzzeichen hatten dieselbe Höhe, anstatt einem breiten Pfahl oben einen Querbalken, worauf die Buchstaben Nahsaw Dietz ins Holz eingeschnitzt waren.
Ferner gab es als Gemarkungsgrenzzeichen Stützel wo eine eiserne Hand darauf war, deren Zeigefinger nach dem Zollhaus zeigte. Gleichzeitig waren bei den alten Grenzzeichen Haselnußstöcke gepflanzt.
Grenzsteine: Es gab auch steinerne Grenzsteine die drei Schuh hoch waren (1 Quadratfeldschuh = 0, 25 ) wie zum Beispiel der Stein an der Blumenroder Hauseck. Die Grenzsteine zwischen den Äckern waren nur ein Schuh hoch und grau bis blau.
Auswanderung (1723 - 1933)
✍ Autor(en):
Gerd Hasselbach (2025)
Europa war im 18. und 19. Jahrhundert kein schöner Ort zum Leben. Kriege überall, Leibeigenschaft, autoritäre Regime, Jobs nur in der Landwirtschaft. Not, Armut, Arbeitslosigkeit und Hunger prägten vielerorts den Alltag – und eine Sehnsucht kam auf. Die Sehnsucht, anderswo neu anzufangen! Jedoch war Auswanderung an staatliche Genehmigung gebunden. 73 Mensfeldener Auswanderer sind offiziell bekannt, die wahre Anzahl lag aber wahrscheinlich doppelt so hoch. Das waren Auswanderer, die keine Genehmigung bekommen hätten, da sie noch Schulden hatten oder mit Recht und Ordnung in Konflikt geraten waren.
| Jahr | Name | Vorname | nach |
|---|---|---|---|
| 1723 | Lautz | Christian | Ostpreußen Litauen |
| 1723 | Lautz | Christina | Ostpreußen Litauen |
| 1723 | Lautz | Christian Kind | Ostpreußen Litauen |
| 1723 | Lautz | Christian Kind | Ostpreußen Litauen |
| 1784 | Becker | Jeremias | unbekannt |
| 1784 | Becker | Jeremias Frau | unbekannt |
| 1784 | Becker | Jeremias Kind | unbekannt |
| 1784 | Becker | Jeremias Kind | unbekannt |
| 1784 | Becker | Jeremias Kind | unbekannt |
| 1796 | Kees | Georg Philipp | Schweiz Lausanne |
| 1796 | Lanz | Johann Jacob | Ungarn (Pest) |
| 1826 | Lautz | Christian Wilhelm | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lautz | Johann Georg | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Müller | Carl | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Müller | Carl Frau | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Müller | Carl Kind | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Müller | Carl Kind | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes Frau | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes Kind | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes Kind | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes Kind | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes Kind | Südamerika Brasilien |
| 1832 | Deußer | Johannes | Nordamerika |
| 1832 | Deußer | Johannes Frau | Nordamerika |
| 1832 | Deußer | Johannes Kind | Nordamerika |
| 1833 | Müller | Carl Philipp | Nordamerika |
| 1838 | Brechen | Philipp Christian | Amerika |
| 1838 | Brechen | Philipp Christian Frau | Amerika |
| 1838 | Brechen | Philippine Wilhelmine | Amerika |
| 1838 | Brechen | Johann Philipp | Amerika |
| 1838 | Brechen | Carl Philipp | Amerika |
| 1838 | Brechen | Georg Philipp | Amerika |
| 1838 | Brechen | Johanette Christiane | Amerika |
| 1842 | Crecelius | Heinrich Jacob | Nordamerika |
| 1842 | Crecelius | Heinrich Jacob Frau | Nordamerika |
| 1842 | Crecelius | Catharina Elisabeth | Nordamerika |
| 1842 | Crecelius | Christine Philippine | Nordamerika |
| 1842 | Zollmann | Johann Philipp | Amerika |
| 1842 | Zollmann | Catharina Philippine | Amerika |
| 1842 | Zollmann | Maria Christiane | Amerika |
| 1842 | Zollmann | Christiane Catharina | Amerika |
| 1842 | Zollmann | Catharina Wilhelmine | Amerika |
| 1846 | Crecelius | Johann Adam | Amerika |
| 1846 | Rosenberg | Salomon | Nordamerika New York |
| 1846 | Deußer | Jacob | Nordamerika Kentucky Louisville |
| 1846 | Werner | Wilhelm | Nordamerika Missouri St. Louis |
| 1846 | Werner | Wilhelm Frau | Nordamerika Missouri St. Louis |
| 1846 | Heimann | Louis | Nordamerika New York |
| 1847 | Rus | Johanette | Amerika |
| 1847 | Nilges | Georg Christian | Amerika |
| 1847 | Dielmann | Wilhelmine | Amerika |
| 1847 | Dielmann | Maria Philippine | Amerika |
| 1852 | Frickhöfer | Johann Wilhelm | Nordamerika Kentucky Fisherville |
| 1853 | Müller | Johann Christian | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1854 | Deußer | Wilhelm | Nordamerika |
| 1854 | Deußer | Christiane | Nordamerika |
| 1854 | Deußer | Maria Johanette | Nordamerika |
| 1854 | Deußer | Johann Wilhelm | Nordamerika |
| 1854 | Deußer | Philipp Wilhelm | Nordamerika |
| 1855 | Schwenk | Johann Philipp | unbekannt |
| 1880 | Löwenstein | Leopold | unbekannt |
| 1880 | Lanz | Johann Wilhelm | unbekannt |
| 1896 | Hartmann | Philipp K. | Nordamerika West Virgina Charlestown |
| 1933 | Brötz | Wilhelm | Nordamerika New York |
Auswanderung nach Friedrichsfeld im Jahr 1776
✍ Autor(en):
Rolf Schwenk (2025)
10 Familien (zusammen 41 Personen) aus den limburgischen Dörfern Mensfelden und Ennerich treffen 1776 in der Gemarkung Trendelburg ein.
Die Auswanderer aus dem kurtrierischen Raum, die den dort drückenden Abgaben und Lasten entkommen wollten, hatten zunächst nach Preußen umsiedeln wollen. Mensfelder Abgesandte, die in Preußen die ihnen dort zugedachten Wohnsitze besichtigen wollten, machten auf dem Weg dorthin in Kassel Station.Da der Raum Trendelburg immer noch schwer an den Folgen desSiebenjährigen Krieges (1756-1763) litt, wurden ihnen von höchster Stelle Vergünstigungen zugesichert, wenn sie ihre Schützlinge im Raum Trendelburg, unweit des sog. „Hammelstalles“, sesshaft machen würden. Das so entstehende Dorf, das als „Kolonie“ bezeichnet wurde, wurde nach dem Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel „Friedrichsfeld“ benannt.
Die Unterbringung der Familien erfolgte zunächst teils in Trendelburg, teils in Behelfshütten. Es begann der Bau der ersten 4 Häuser (Steinhäuser), in denen zunächst alle Familien zusammen wohnten. Die Grundstücke wurden den Kolonisten zur Erbleihe überlassen. In 1777 Bau weiterer 6 Häuser aus Fachwerk. Zum so angelegten Dorf gehören außerdem 10 hölzerne Scheunen und Stallungen (für Kleinvieh), ein Backhaus und ein Brunnen.
Die ersten „Kolonisten“ aus Mensfelden waren:
Georg Wilhelm Lieber sen.
Anton Lieber sen.
Wilhelm Lieber jun.
Anton Lieber jun.
Georg Philipp Zollmann
Georg Anton Frickhöfer
Christian Deußer
Der Großbrand 1801
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Der Großbrand sowie Anlage mit Bittschriften und Einsprüchen zum neuen Bauplan
In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 1801 gegen 11 Uhr abends brach in Mensfelden ein Großbrand aus. Der Großbrand entfachte sich in dem Gehöft Müller in der Schwarzgasse (heutige Schwerzstraße). Durch starken Westwind verbreitete sich das Feuer in Windeseile und im Nu auf den ganzen südöstlichen Teil unseres Dorfes. Die schnelle Verbreitung des Feuers ist auf die damals noch vorhandenen Strohdächer zurückzuführen.
Dem Feuer fielen zum Opfer 70 Wohnhäuser, 50 Scheunen, 276 Ställe und Holzschuppen und 554 Tiere, 266 Menschen wurden obdachlos.
1. Bittschrift: Zur Höchstpreißlich Hochfürstlich Oranien Nassauischen Landesregierung in Dillenburg.
Supplicatio humi Clima ex parte sämtlicher Brandgeschädigten in Mensfelden um gnädigste Unterstützung; und eine Landescollecte. den 2ten November 1801
Welch ein grausames Feuer in der Nacht zum 21ten auf den 22ten Juli d. J. unsere Wohnungen, Scheuern und Stallungen - fast mit allen häußlichen Haabseligkeiten, in kurzer Zeit, ohne alle Rettung, durch den heftigen Wind, leider; in Asche verwandelte, ein solches ist Ew. Ew. gnädigst bekannt. Der geringe Teil des Orths, welcher stehen geblieben, fasst nicht alle Familien besonders da der harte Winter sich nahet. Zum Theil wohnen wir auswärts zum Theil oben auf kalten Böden, unsere Früchte und Vieh haben wir verschiedentlich auswärts bei unsere Nachbarn gebracht. Wie kümmerlich und elend wir also leben und wohnen, ist leicht zu ermessen. Unsere erste Sorge muß also auf Obdach für Menschen und Vieh gerichtet seyn. Leider! treffen alle Wetter der Trübsal über unseren Häuptern zusammen. Kaum ist eine Noth vorbei gewesen, so haben uns schon andere erwartet.
Anno 1779 betraf der Brand fast alle, welche jetzund derselbe betroffen hat. Damals ware noch Credit, und wir lehneten Geld zum Bauen. Aber wir hatten nicht Zeit genug um sich zu erhohlen, so brache der letztere unseelige Krieg aus, welchen bekanntlich Mensfelden durch die sogenannten Anhöhen vor Limburg in seiner ganzen Größe empfande. Wie viele Plünderungen haben wir ausgehalten? Welchen Verwüstungen waren unsere Felder, Gärten, Bäumen, Früchten und sonstigen Gewächsen ausgesetzt, und was haben wir durch kostspielige Einquartierungen, auferlegten Contributionen, Requisitionen, Erpressungen aller Art, erdulden müssen? Wie oft mußten wir unser Leben auf der Flucht und in Winkelen retten; so daß die ganze Gegend sich damals wunderte, wie Menschen noch bestehen können. Nicht genug zu den Privatschulden, deren jeder für sich zu tragen hatte, mußten ohnumgänglich Gemeindsschulden gemacht werden, wo die Zinsen bei den sehr geringen Gemeindsvermögen, noch zu jenen ex proprüs aus eigenen Mitteln zu bezahlen sind. Bei diesen Umständen, wurden durch Unvermögenheit bei allen guten Willen, die herrschaftliche Gültfrüchten/: deren dem Mensfeldens Einwohner mit dem Privatgülten über 120 und noch mehr Malter jährlich entrichten müssen ohne Höfen und dgl. zu gedenken: und Geld-Abgaben nicht entrichtet und im Rückstand belaßen. Mitten in den größten Kriegsübelen führte der Krieg Anno 1795-1796 die Viehseuche herbei, und fast alle unser Vieh wurde ein Opfer dieser Seuche. Dieser Schaden ist nicht zu berechnen, indeme unser Viehbestand im besten Flor (Blüte) ware.
Nachgehends war die Theuerung so groß, daß wir 8, 10, 12, Karolin für eine Kuh bezahlen mußten. Welches Bauern und geringen Unterthanen Vermögen ist nun hinreichend, solchen Stürmen zu wiederstehen, und muß nicht einer mit dem anderen zu Grunde gehen? Die meisten Güter sind verhypotheciret (belastet) - der Credit verloren, kein Geld zu bekommen, und viele haben schon ihre Güter verkaufen müßen, um Zinsen und alte Schulden zu bezahlen. Wozu nun- schauderhafter Anblick- dieser große Brand, wovon Kinds-Kinder noch sagen werden, dazu kommt 70 Wohnhäuser, 50 Scheuern, 276 Ställen und Holzremiesen sind nicht mehr. Das Vermögen der meisten ist verlohren, die Kräften sind verschwunden, und kein Credit.
Von einem Brandashecurations- ode sonstige heilsamen Institut (Versicherung) wissen wir nichts- und von Holz sind wir entblöset. Wahr ist es, unsere Nachbaren, und die benachbarte nicht genug lobende Fürsten und Städte haben durch Landessteuern in Geld und Holz uns so unterstützt, daß wir an 3000 Gulden zehlen, wofür wir ihnen ordentlich, sowie für mehr als 200 Stämme Holz, danken, allein der Schaden ist durch 396 Gebäuden-Verlust, ohne Kleidung und Hausmobilien zu beträchtlich, als daß dieses uns aushelfen könnte.
Wo sollen wir uns nun hinwenden? Als gehorsame treue Unterthanen kommen wir vor unsere höchstgnädigste Landesherrschaft, und schüten so ehrfurchtsvoll als getreue Kinder unser so jammervolles Herze aus. Schon spüren wir Linderung unserer Schmerzen. Das gute gnädige Vater-Herze bürgt uns dafür. Und wir sind gewiß, daß unser Elend, welches wir nur kürzlich erzehlet haben; Mitleiden erweckt, und wir auf kräftige und thätigste Unterstüzung rechnen dürfen. Ew. p. Ew. etc. tragen wir dieses alles mit der unterthänigst fußfälligen Bitte vor; uns- in Geld-Holz- oder sonstigen Natural-Bedürfnissen landesväterlichst gnädigst zu unterstützen, und eine landescollecte verordnen. Ohne Unterstützung sind wir verloren. Wir wollen doch leben, wir müssen Obdach haben, wir wollen getreue Unterthanen bleiben, wir wollen unsere Kinder in Ehren erziehen, wir wollen bauen, damit Mensfelden nicht eine Einöde bleibt. An all diesen Unglücksfällen sind wir nicht Schuld. Die Vorsehung hat solches zugelassen, und der Höchste wolle auch für uns sorgen; lange zu unserer Freude den besten Fürsten uns leben lassen, und dann, werden wir vor die höchste Gnade nicht nur dankbar seyn, sondern zeitlebens in tiefster Ehrfurcht ersterben.
Ew. Ew. PP.
unterthänigste treue gehorsamste durch Brand beschädigte Unterthanen zu Mensfelden
Kirberg d. 8. at: 1801
Hochlöbliches gemeinschaftliches Amt!
Ich habe zu einem nicht geringen Befremden die höchst unerwartete Nachricht erhalten, daß ein Höchlöbliches Amt in dem sehr unglücklichem Ort Mensfelden die Verfügung gemacht habe, daß nach einem gewißen angenommen Plan, die auf den Brandstätten neu aufzuführenden Gebäude erbaut werden sollen, wodurch dann nach bloßer Willkür das Eigentum der Eingesessenen theils gestückelt, theils ganz verändert und dadurch ein unermeßlicher Schaden verursacht werden.
In wie fern dieses nach rechtlichem oconomischen und politischen Gründen gerechtfertigt werden könne, und wir diese ganz willkürliche Behandlung ohne Rücksprache und Beistimmung der Grundeigentümer in einem sonst sehr gesetzlich eingerichteten Staat, wozu Gottlob unser Deutschland noch zu zählen ist, verantwortet werden könne, will ich dermalen gar nicht in eine weitere Erörterung ziehen.
Genug, durch die Befolgung dieses neuen Bauplans sollen mir von meinem frei Adlichen und Ritterschaftlichen Besitzungen ein sehr beträchtlicher Theil entzogen werden, welches mir unmöglich gleichgültig seyn kann, und wozu ich nie meine Einwilligung geben werde.
Ich finde mich also genöthigt, gegen alle Attentate auf meine Besitzungen in loco Mensfelden hiermit feierlich und förmlich zu protestieren, und mir alle Rechtszuständigkeiten so wie erforderlichen Falles die nöthigen Vorwürfe an die Hochweislichen Regierungen und höchsten Reichsgerichts nebst allen verursachten Schäden und Kosten ausdrücklich zu reverieren. Ich ersuche daher ein Hochlöbliches gemeinschaftliches Amt geziemend. Das angefangene Bauwesen nach dem angenommen Plan wenigstens in sofern es meine Besitzungen beeinträchtigen sollte, schleunigst zu inzsibieren, und bis nach erfolgter resolution von den beiden hohen Landesregierungen an welche ich mich zu dem Ende gewendet habe, zu suspendieren.
Dehuper nobile officium judicis hueto more im plorando beharre ich
Eines Höchlöblichen
Gemeinschaftlichen Amtes
ergebener Diener Reichs Freiherr
Reitz von Frenz
De April 1802
Zu gnädigsten Händen
Seiner Hoheit des Durchlauchtigsten Fürsten von Oranien Naßau p. p.
unseres gnädigsten Landesherrn
Unterthänige Bittschrift
der
gemeinschaftlichen Gemeinde Mensfelden
den ihr vorgeschriebenen neuen Bauplan betreffend.
Durchlauchtigster Fürst
gnädigster Landesherr!
Eurer Hoheit nahen wir uns, die sehr bedrängte und bekümmerte Gemeinde Mensfelden. Wir vereinigen die Ehrerbiethigsten Gesinnungen und innigste Freude mit dem Freudenjubel aller getreueßten Unterthanen, welche wir billig darüber empfinden, höchstdieselben als unseren geliebtesten Landesherrn wieder in unserer Mitte zu sehen, und von Höchstdero gefühlvollen Herzen, wie treue Kinder, unseren Kummer und unsere Noth ausschütten zu dürfen. Wir wagen es daher zuversichtwollest, Eurer Hoheit unsere sehr bedrängte Lage devodest zu Füßen zu legen.
Durch den kaum beendeten greuevollen Krieg, und die Verherung einer zweymal wiederfahrenden Viehseuche wurde unsere arme Gemeinde und jedes einzelne Mitglied derselben, in die tiefste Armuth versetzt, und im verflossenen Sommer durch die Wuth einer schrecklichen Feuersbrunst, welche in wenigen Stunden über die Hälfte unserer Gebäude in die Asche legte, unser Elend vollendet. Unserer und unserer Nachkommen Wohlstand ist auf lange Zeit hinaus gänzlich zerrüttet.
Kaum hatte uns die dumpfe Betäubung, worin uns der letzte schreckliche Schlag des grausamen Schicksals versetzt hatte, verlassen, und wir waren im Begriff armselige Hütten auf den Schutt und der Asche wieder zu erbauen, als unser wieder auflebender Muth und die wiederkehrenden Hoffnungen des gemeinschaftlichen Amts ganz zu Boden geschlagen wurden, welche uns ohne Stellung mit dem schrecklichsten unter allem überstandenen Unglück bedrohte.
Es wurde uns ein neuer Bauplan vorgeschrieben den wir ohne Abweichung bey Wiederaufbauung unserer niedergebrannten Gebäude befolgen sollten.
Durch diesen Plan aber sind die noch vorhandenen alten Fundamente und Keller auf welcher wir mit weit geringeren Kosten, die neuen Gebäude wieder aufstellen könnten, für uns ohne Nutzen.
Über 18 Morgen der fruchtbaren Gärten und Ländereyen werden zu neuen Bauplätzen verwendet, und über 300 der edelsten Obstbäume gehen verloren. Gegen 40 Brunnen müßen zugeworfen und neu gegraben werden. Fünfzehn Wohnungen., welche die Wuth der Flammen verschont hatten, mußten mit schweren Kosten in die Linie des neuen Bauplans gerückt werden, davon überdies kein einziges Haus ohne Gefahr des gänzlichen Einsturzes von seinem Platze weggeführt werden kann. Unsere besten Wiesen werden auf ewige Zeiten durch Entziehung der fruchtbaren Wässerung gänzlich verdorben und über dies alles sollen wir einen Flächenraum von wenigstens 700 quadrat Ruthen zu vier neuen Straßen aptieren, und in gemäßheit dieses an manchen Orthen denselben 7 - 8 Fuß tief ausgraben, wo man doch schon nach 3 - 4 schuhen Tiefe, Quellen findet, und soll diese gemeinschaftliche Arbeit von Menschen verrichtet werden, die, wenn sie nicht einen Tag um Lohn arbeiten. kein Brot für sich und ihre hungrige Kinder haben.
Der uns durch diesen neuen Bauplan zugefügte Schaden und Verlust, würde alle unsere bisher überstandenen Unglücksfälle weit übersteigen, und unsere arme Gemeinde für die Zukunft auf immer gänzlich zu Grunde richten, und der ganze Gewinn wäre kein anderer, als daß die Gebäude bey einer künftig etwa entstehenden Feuerbrunst etwas weiter voneinander entfernt würden, und somit, gesichertet wären. Ohne aber zu gedenken, daß dieser Vortheil mit dem unermeßlichen Schaden in keinem Verhältnis stehet, und entstehenden Wind gänzlich ceshirnt; so wäre doch dieser beabsichtigte Zweck auf andere Weise viel leichter und zweckmäßiger zu erreichen, und wir würden z. B. mit unendlich viel geringeren Kosten unsere sämtlichen neue Gebäude durch den glaserischen Holzanstrich ewig unverbrennlich machen können. Wir wagen es daher Euere Hoheit unterthänigst fußfälligst zu bitten, daß Höchstdieselben gnädigst geruhen wollen sich über unsere Beschwerden gegen diesen neuen Plan der überhaupt für unsere localverhältnisse durchaus untauglich ist, von ganz unparteyschen Sachverständigen gnädigst referieren zu lassen, und uns dann huldreich zu mit Verwerfung dieses neuen Bauplans unsere Hütten auf den alten Schutt wieder aufzubauen, jedoch nach einer unschädlichen besseren Einrichtung, die wir uns gerne und willig gefallen lassen wollen.
Wir Leben in der unterthänigsten Zuversicht, uns durch diese höchste väterliche Verfügung der ersten wohltätigen Wirkungen höchstdero erfreulichen Gegenwart im Schooß getreuster Unterthanen, erfreuen zu können, und ersterben in tiefer Submision.
Euere Hoheit unterthänigste
Gemeinde Mensfelden
16. April 1802
An fürstl. Landesregierung vorläufiger Bericht
Die vollziehung des bey der Wiederaufbauung des abgebrannten Theils von Mensfelden festgesetzten Bauplans betr.
Vermöge Auftrags verfügte ich mich mit 8 Mann Soldaten am 14. dieses hieher.
In einem Reserigt (Sonderrecht) von hochlobl. gemeinschaftl. Amt wurden die Resolutionen beyder hohen Landesherrschaften wegen Vollziehung des Bauplans, öffentlich bekannt gemacht und den Einwohnern zu Mensfelden anbefohlen; den Bauplan nicht zuwider zu handeln und die planwidrig stehenden Gebäude auf die angewiesenen Bauplätze in 3 Tagen hinzustellen, wie denn alle überhaupt zu treffenden Verfügungen alsbald vollzogen wurden.
Indeß wurden diese Verfügungen nur zu wenig befolgt. Das planwidrige Fortbauen wurde nur durch die strengsten Befehle an Ort und Stelle geendigt. Dem Amtsjäger aus legte man bey der Wiederaufsuchung der Bauplätze alle möglichen Hindernisse in den Weg. Meinen Vorstellungen, meinen Bitten, meinen Befehlen, meinen Drohungen sowohl an Mehrer als Einzel gerichtet, wurden verneinende Antworten, Schreyen, Schimpfreden, Verwünschungen, Drohungen, Sachen pp. entgegen gesetzt, Männer und Eltern schickten meistens ihre Weiber, ihre Kinder dazu, die eingeschlagene Pfähle wurden des Nachts wieder ausgerissen.
So vielfältig sich auch Gelegenheiten dazu anboten, so konnte ich mich bis jetzt noch zu keinem gewaltsamen Mitteln verstehen in dem ich nur zusehr versichert bin, daß die Wiederspenstigen des dennoch aufs äußerste ankommen lassen, und die planwidrig stehenden Gebäude nach dem Osterfest bis dahin ihnen die zum Abschlagen oder fortrücken bestimmte Frist zu Ende läuft, von Commisionswegen verrückt oder auf und abgeschlagen werden müssen. Ich werde alsdann künftigen Mittwoch oder Donnerstag noch mehrere Mannschaft von Dietz ersuchen, und gleichfalls in der Nachbarschaft Zimmerleute und Arbeitsleute zum Ab- und Aufschlagen requiren. Ich werde erst eine Instruction von g p abgewartet haben, wenn nicht das planwidrige Aufschlagen und Ausbauen der Gebäude eine Eile nothwendig gemacht hätte.
Die nöthige Mannschaft muß ich vom Herrn Commandanten zu Dietz, requiriren, indem die Limburger Garnison jetzt kaum aus 10 Mann besteht, wie mich der Hl. Oberamtmann von Schütz versichert hat, und von Niederselters, außer den 3 gegebenen Soldaten, keine mehr abgegeben werden können.
Mensfelden am 16 April 1802
W.P.
An die Landesregierung zu Dillenburg
Von Gottes Gnaden Wilhelm Prinz von Oranien Fürst zu Nassau, Graf zu Katzenellenbogen Vianden Diez, Spiegelberg Büren, Leerdam und Ceytenberg ppp Erb- Stadt-halterhalter Erb-Gouverner, Erb-Capitaine und Admiral-General der vereinigten Niederlanden Erb-Capitaine General und Admiral von der Union, Ritter des Hosenbandes, auch des schwarzen Adlers.
Wohlgebohrne, Wohledle, Edle, Teft- und Hochgelehrte, liebe Getreue! Wir haben uns vortragen laßen, was ihr unterm 20ten d. M. über das Gesuch der Brandbeschädigten zu Mensfelden unter Einziehung des ihnen vorgeschriebenen Bauplan berichtet habt und geben auch auf den Supplicanten nunmehr von unsretwegen zur Resolution bekannt zu machen:
daß wir ihre gegen den ihnen vorgeschriebenen Bauplan erregten Beschwerden in Erwägung gezogen, und solche theils unbegründet, sehr übertrieben, im ganzen aber unerheblich gefunden hätten; daß wir allezeit sehr abgeneigt seyen von unseren getreuen Unterthanen, die Aufopferung ihres privat Eigenthums, und ihrer besonderen Convenienz (passent oder übereinstimmend) für das gemeine Beste willkürlich zu erzwingen, daß aber in dem vorliegendem Falle, wo die Wohltätigkeit des Zwecks für den Ort Mensfelden, und alle dießen Einwohnern so offenbar am Tage liegen, und ihre Wohlfahrt so sichtlich befördert werde, wie ihrem Gesuche, um mit dem entworfenen Bauplane gänzlich verschonet zu bleiben.
zu willfahren uns nicht entschließen können, sondern vielmehr gut gefunden hätten, daß es bey dießem von beyderseits mitherrschaftlichen Regierungen genehmigten Bauplane besonders nach dem neuerlich auf daß anderweite Gutachten der Bauverständigen, aus einer alles erschöpfenden Nachsicht gegen die Beschwerden der Supplicanten darin gemachten Veränderungen sein unabänderliches Bewenden haben solle.
Wir können auch aber die unangenehmen Empfindungen nicht verbergen, welche der pranposterierte Gang dieser Angelegenheit in uns erregt hat; indem nach den bekannten Vorfällen in Mensfelden, und nachdem auf die von euch verfügten Zwangsmittel die Supplicanten sich nach den Absichten der Regierungen zu fügen angefangen haben, uns die Freyheit den Plan zu billigen, oder zu verwerfen, gewißermaßen abgeschnitten, und unsere auf das Gesuch der Supplicanten genommenen Resolution, aufs gelindeste ausgedrückt überflüssig geworden ist.
So sehr wir uns überzeugt hatten, daß im vorliegenden Falle eine frühere vollständige Berichterstattung nicht wohl thunlich gewesen, und uns die werkstellig gemachten Zwangsmittel nur allein durch den frevelhaften Ungehorsam einiger Brandbeschädigten provorciret worden seyen, so können wir gleich wohl nicht umhin, auch in allen, besonders aber in solchen FäIlen, wo durch einen Verzug der Resolution unsere landesherrliche Würde mehr oder weniger compromittiret zu werden in Gefahr kommt, die Beschleunigung der Berichterstattung, allenfalls auch nur zum Behuf (Zweck, Erfordernis) einer provisorischen Resolution bestermaßen, und um so mehr anzuempfehlen, als die Entfernung aus unserem Landen nicht mehr wie ehedem provisorische Verfügungen nöthig machet noch den Verzug unserer Resolution rechtfertigt.
Und da wir in dem vorliegenden Falle uns wenigstens auf einer anderen Seite den Supplicanten als Landesherren zu zeigen wünschen, so geben wir auch hiermit gnädigst auf, mit dem allerfordersamsten (sorgsamsten), und wonöthig selbst ohne die Mitherrschaftliche Entschließung abzuwarten, an uns zu berichten, auf welche Weise den Supplicanten, besonders den Hilfsbedürftigen, und gegen die obrigkeitliche Verfügungen gehorsam gewesen, die vielleicht schon allzulange vorenthaltene landesherrliche Unterstützung am füglichsten angedeihen könne ? Womit wir auch übrigens in Gnaden stets wohl beygethan verbleiben.
Oranienstein, den 24. April 1802
Euer Wohlafsectionirter
W. Pr. v. Oranger
Verzeichnis: Für das Dorf Mensfelden wegen erlittenen Brandschaden eingegangene Colecte
| Gulden | Albus | Pfennig | |
|---|---|---|---|
| Von der Stadt Dillenburg mit 7 Gemeinden | 84 | 9 | 6 |
| Vom Amt Renneroth mit 14 Gemeinden | 52 | 7 | 3 |
| Vom Amt Ellar mit 12 Gemeinden | 24 | 1 | |
| Von der Gemeinde Sinn von 14 Einwohner | 1 | 23 | |
| Von den Beamtinnen und Beamten der Fürstlichen Landesregierung | 80 | 15 | |
| Summa | 241 | 65 | 9 |
Anmerkungen zu Großbrand 1801
Die in dem Plan voll punctierten Figuren bezeichnen die Stellungen der vom Feuer zum Theil geretteten Häuser, welche aber nach der neuen Einrichtung in die Linien gerückt werden müssen.
Die voll punctierte Figur bey Nr. 1 ist das stehen gebliebene Haus des Karl Müller, muß aber in die Linie wie die neue Zeichnung ausweiset oben an die Kirchgasse gerückt aber ein neues Stück angebaut werden.
Die voll punctierte Figur bei Nr. 11 ist das stehen gebliebene Haus des Heinrich Jungen Wittib, und muß nach dem neuen Plan gedreht werden, um einigermaßen einen Raum zwischen diesem und des Karl Müller Haus hervorzubringen.
Die Figur auf Nr. 10 ist des Jacob Zollmanns stehen gebliebene Haus, selbiges muß nur auf die neue Zeichnung Nr. 10 geschoben werden. Die Figur zwischen Nr. 9 und 10 ist ein Stall des Jacob Zollmann, dieser fällt ganz weg.
Das punctierte Quadrat bey Nr. 9 ist das Haus des Christian Zollmann, und muß ebenwohl auf die Zeichnung Nr. 9 gefahren werden.
Das angemerkte Viereck an der Schule ist das Haus des Philipp Zollmann, welches nach der neuen Einrichtung auf die Figur 12 geführt werden muß.
bey Nr. 2 ist des Karl Völkers
bey Nr. 33 des Anton Müllers
bey Nr. 41 des Jud Heiman Herzen und
bey Nr. 53 des Johannes Hohlwein und Georg Wagners Haus und mit voll punctierter Linie angemerkt, welche alle auf die Stellen der erst erwähnten Nummern gebracht werden müssen.Das Haus des Baltasar Breche, welches bei Nr. 38 angemerkt ist, muß auf die Figur Nr. 37 herunter geführt werden.
Verzeichnis der Brandstätten und Hofräume 1801
Nr. 5) Verzeichnis des Flächen-Inhalts der Brandstätten und Hofräume, sowie auch von den, bey jeder Hofreithe liegenden und zu derselben gehörige Gärten, und einen litteraichen Anhang derer Plätze, welche in diesen Plan gezogen werden (1801)
| Nr. | Name der Besitzer | Ruthen | Schuh | Zoll |
|---|---|---|---|---|
| 1. | Adam Werner | 12 | 85 | 47 |
| 2. | Jost Schuhmanns Kinder | 12 | 25 | 84 |
| 3. | Johannes Lanz sen. | 12 | 68 | 78 |
| 4. | Johann Philipp Deuser sen. | 13 | 56 | 27 |
| 5. | Johann Christian Lanz | 19 | 86 | 17 |
| 6. | Christian Krampf | 11 | 88 | 9 |
| 7. | Wilhelm Anton Niebergall | 11 | 8 | 21 |
| 8. | Johannes Crecelius | 3 | 37 | 16 |
| 9. | Johannes Schuhmann | 6 | 22 | 74 |
| 10. | Philipp Wilhelm Oppel | 9 | 93 | 73 |
| 11. | Johann Philipp Wagner | 1 | 47 | 87 |
| 12. | Friedrich Schmidts Wittib | 8 | 56 | 42 |
| 13. | Philipp Friedrich Reinhard | 3 | 43 | 65 |
| 14. | Adam Müller | 12 | 45 | 34 |
| 15. | Philipp Georg Goebel | 18 | 6 | 75 |
| 16. | Johannes Heinrich Lieber | 13 | 93 | 5 |
| 17. | Wilhelm Deußer | 28 | 61 | 92 |
| 18. | Georg Anton Zollmann | 8 | 26 | 50 |
| 19. | Anton Lieber | 28 | 40 | 22 |
| 20. | Vollmar Werner | 12 | 70 | 20 |
| 21. | Herr von Boos | 60 | 37 | 75 |
| 22. | Christian Pfeiffer | 16 | 63 | 16 |
| 23. | Heinrich Jurg | 6 | 38 | 38 |
| 24. | Johannes Holwein | 5 | 13 | 60 |
| 25. | Georg Wagner | 90 | 90 | |
| 26. | Jud - Heymann Herz | 15 | 70 | 96 |
| 27. | Carl Lieber | 25 | 80 | 27 |
| 28. | Friedrich Will | 3 | 12 | 50 |
| 29. | Jacob Zollmann | 24 | 48 | 20 |
| 30. | Baltasar Breche | 15 | 15 | 37 |
| 31. | Anton Schwenk | 15 | 11 | 40 |
| 32. | Anton Keeß | 15 | 30 | - |
| 33. | Johannes Lanz jun. | 16 | 97 | 44 |
| 34. | Jost Lieber | 22 | 35 | 55 |
| 35. | Georg Anton Blank | 13 | 44 | 70 |
| 36. | Heinrich Helfrich | 43 | 84 | 42 |
| 37. | Philipp Schmidt | 26 | 37 | 24 |
| 38. | Philipp Jacob Girm jun. | 24 | 68 | 17 |
| 39. | Philipp Schuhmann | 12 | 49 | 93 |
| 40. | Philipp Anton Lanz | 11 | 74 | 10 |
| 41. | N.N. | 5 | 62 | |
| 42. | Wilhelm Scheid | 11 | 35 | 67 |
| 43. | Christian Frickhöfer | 6 | - | 22 |
| 44. | Wilhelm Reh | 13 | 16 | 51 |
| 45. | Pallhaser Breche | 36 | 10 | 7 |
| 46. | Christian Kluft | 17 | 92 | 13 |
| 47. | Johannes Lieber | 26 | 96 | 37 |
| 48. | Heinrich Schack | 5 | 28 | 86 |
| 49. | Adam Hollwein | 10 | 69 | 26 |
| 50. | Carl Völker | 26 | 6 | 3 |
| 51. | Georg Dielmann | 55 | 85 | 81 |
| 52. | Carl Müller | 4 | 42 | 42 |
| 53. | Heinrich Jungen Wittib | 14 | 74 | 82 |
| 54. | Jacob Zollmann | 21 | 68 | - |
| 55. | Christian Zollmann | 11 | 95 | 43 |
| 56. | Philipp Dielmann | 7 | 41 | 5 |
| 57. | Anton Schwenk | 26 | 43 | 83 |
| 58. | Georg Carl Schuhmann | 29 | 68 | 42 |
| 59. | Philipp Zollmann | 14 | 9 | 94 |
| 60. | Christian Müller | 11 | - | 62 |
| 61. | Georg August Deuser | 19 | 4 | 91 |
| 62. | Der Bauplatz wo das Or. Naß. Zehntgebåude gestanden | 51 | 8 | 38 |
| 63. | Der Platz auf welchem die Pfarrgebäude gestanden | 64 | 99 | 11 |
| 64. | Adam Lieber | 14 | 67 | 24 |
| 65. | Künzen Wittib | 13 | 68 | 66. |
| 66. | Adam Werner | 30 | 47 | 40 |
Verzeichnis der Plätze für den Wiederaufbau 1801
Verzeichnis derer Einwohner zu Mensfelden, welche nach dem neuen Plan ihrer wiederaufzubauende Wohnungen auf die vorgezeichnete nummerierten Plätze bauen sollen. (1801)
| 1. | Carl Müller |
|---|---|
| 2. | Carl Völker |
| 3. | Johannes Lieber |
| 4. | Anton Lieber |
| 5. | Volkmar Werner |
| 6. | Georg Carl Schuhmann |
| 7. | Georg Dielmann |
| 8. | Anton Schwenk |
| 9. | Christian Zollmann |
| 10. | Jacob Zollmann |
| 11. | Heinrich Jungen Wittb. |
| 12. | Philipp Zollmann |
| 13. | Georg August Deuser |
| 14. | Anton Schwenk |
| 15. | die Pfarr Hofreithe |
| 16. | Wilhelm Anton Niebergall |
| 17. | Adam Werner |
| 18. | Johann Philipp Deuser |
| 19. | Johann Christian Lanz |
| 20. | Vacat (= leer) |
| 21. | Jost Schumann Kinder & Christian Müller |
| 22. | Philipp Schuhmann & Anton Lanz |
| 23. | Johannes Lanz sen. |
| 24. | Philipp Wilhelm Oppel |
| 25. | Kunzen Wittib & Johannes Crecelius |
| 26. | Johannes Schumann & Philipp Friedrich Reinhard |
| 27. | Adam Hollwein |
| 28. | Christian Kluft |
| 29. | Heinrich Crecelius |
| 30. | Philipp Georg Goebel |
| 31. | Friedrich Schmidts Wittib |
| 32. | Johann Philipp Wagner & Philipp Anton Schumanns Wittib |
| 33. | Anton Müller |
| 34. | Wilhelm Deußer |
| 35. | Johannes Heinrich I..ieber |
| 36. | Herr von Boos |
| 37. | Baltasar Breche |
| 38. | Christian Frickhöfer & Wilhelm Scheid |
| 39. | Philipp Schmidt |
| 40. | Anton Keeß & Philipp Jacob Girm jun. |
| 41. | Jud Heium Hirz |
| 42. | Heinrich Helfrich |
| 43. | Georg Anton Blank |
| 44. | Johann Philipp Lieber |
| 45. | Balthaser Breche |
| 46. | die Dietzer Herrschaft |
| 47. | das Spritzenhaus |
| 48. | Vacat: Oranien Naßau |
| 49. | Vacat:Ph. Friedrich Reinhard |
| 50. | Vacat: Anton Keeß |
| 51. | Vacat: von Boos |
| 52. | Johannes Ianz jun. |
| 53. | Johannes Hollwein & Georg Wagner |
| 54. | Wilhelm Schmidt & Heinrich Schack |
| 55. | Heinrich Jung |
| 56. | Carl Lieber |
| 57. | Jacob Zabel |
| 58. | Jacob Zollmann |
| 59. | Friedrich Will |
Verzeichnis derjenigen Gärten, Aecker und Wiesen welche in diesen Plan gezogen wurden. (1801)
| a) | Jost Lieber |
|---|---|
| b) | Johannes Hollwein |
| c) | Heinrich Jung |
| d) | Johann Wilhelm Zollmann & Johannes Thielmann |
| e) | Georg Wilhelm Weil |
| f) | Jacob Zollmann |
| g) | Philipp Wilhelm Oppel 5 Philipp Ruß |
| h) | Philipp Wilhelm Schwenk |
| i) | Johannes Thielmann |
| k) | Balthaser Breche |
| l) | Georg Wilhelm Crecelius Wittib |
| m) | Georg Wilhelm Fritz |
| n) | N.N. |
| o) | Georg Keesen Wittib |
| p) | Heinrich Crecelius |
| q) | N. N. mehrere Theile |
| r) | Georg Peter Thielmann |
| s) | Anton Schwenk |
| t) | Vollmar Werner |
| u) | Johannes Heinrich |
| v) | Lieber Wilhelm Schnee |
| w) | Georg Crecelius Wittib |
| x) | Oranien Nassauische Wiese |
| y) | Herr von Schlenderhahn |
| z) | Philipp Deuser sen. |
| aa) | Johannes lanz sen. |
| bb) | Herr von Schlenderhahn |
| cc) | N.N |
| dd) | N.N. |
| ee) | Philipp Ruß |
| ff) | Herr von Schlenderhahn |
| gg) | Georg August Kleinschmidt |
| hh) | Heinrich Helfrich |
Die Pläne befinden sich im beigelegten Anhang.
Kaisermanöver in Mensfelden und Umgebung
✍ Autor(en):
Günther Foth (2025)
Kaiserbäume
Zunächst möchte ich ein Hinweis bezüglich der Kaiserbäume auf dem Mensfeldener Kopf geben. Viele glauben, dass diese Bäume zu Ehren von Kaiser Wilhelm II. nach dem Kaisermanöver 1905 gepflanzt wurden. Tatsächlich wurden jedoch bereits in den Jahren 1860 und 1886 sogenannte Kaiserbäume zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. auf dem Meko gepflanzt. Seitdem zieren zwei Akazien Richtung Osten und Westen, zwei Linden Richtung Norden und Süden sowie eine Kastanie in der Mitte den Mensfeldener Kopf. Die Baumpflanzungen zu Ehren Kaiser Wilhelm I. waren auch der Grund für die Sedansfeiern, die bis zum ersten Weltkrieg auf dem Mensfeldener Kopf stattfanden. Hier wurde die deutsche Einheit unter patriotischen Reden und Liedern gefeiert. Der Sedantag war ein Gedenktag, der im Deutschen Kaiserreich jährlich um den 2. September begangen wurde. Er erinnerte an die Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1870 nach der Schlacht bei Sedan.
Kaisermanöver
Eine besondere Erinnerung bleibt das große Kaisermanöver von 1905, bei dem Kaiser Wilhelm II. anwesend war. Am 12. September 1905 begann das Kaisermanöver des 8. Armeekorps gegen das 18. Armeekorps zwischen Werschau und Mensfelden. Der Höhepunkt des letzten Tages fand am Oberbrecher Berg und Nauheimer Kopf statt. Kaiser Wilhelm II. beobachtete das Geschehen mit seinem Stab auf dem Nauheimer Kopf, begleitet von Kronprinz Friedrich Wilhelm, Kaiserin Viktoria, Prinz Eitel Wilhelm und anderen. Ob der Kaiser und sein Gefolge auch auf dem Mensfeldener Kopf waren, ist nicht dokumentiert. Ein Gedenkstein auf dem Nauheimer Kopf erinnert heute an dieses Ereignis, das Kaiser Wilhelm II. dort eine Manöverkritik abhielt.
Was dokumentiert wurde, sind die erheblichen Manöverschäden. Während der Manöverzeit war die Ernte noch in vollem Gange. Das Getreide war noch nicht vollständig abgeerntet und die Kartoffel- und Rübenernte hatte noch nicht begonnen. Da bei dem Manöver neben Menschen und Pferden auch Geschütze eingesetzt wurden waren die Schäden erheblich. So erhielt Werschau z. B. 12.000 Mark als Entschädigung für Flurschäden. Welche Summe an Mensfelden ausgezahlt wurde, ist leider nicht bekannt.
Kaiser Wilhelm II. und sein Gefolge waren zu dieser Zeit bereits mit Automobilen unterwegs. Während der Zeit des Manövers wurde er beim Verlassen der Stadtkirche in Limburg an seinem Automobil fotografiert.
Technologischer Fortschritt in Mensfelden
Mensfelden war über viele Jahrhunderte landwirtschaftlich geprägt – ruhig, bodenständig und eng mit der Natur verbunden. Mit dem Einzug technischer Neuerungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann auch hier ein Wandel, der das Leben der Menschen nachhaltig veränderte.
Die erste Poststelle – ein Tor zur Welt (1890)
Im Jahr 1890 wurde in Mensfelden die erste Poststelle eingerichtet. Zuvor wurde das Dorf postalisch von Kirberg aus betreut. Der erste Posthalter war Philipp Schumacher – in der Backhausstraße betrieb er die Poststelle, die bis 1945 bestand.
Telefonanschluss – eine Revolution der Verbindung (1895)
Nur fünf Jahre später – 1895 – erhielt Mensfelden seinen ersten Telefonanschluss. Allerdings war dieser zunächst ausschließlich für die Post bestimmt. Die Verbindung reichte bis nach Limburg und war ein echtes Novum.
Die Motorisierung hält Einzug (1901)
Im Jahr 1901 erlebte Mensfelden eine kleine Sensation: Der erste Motorwagen fuhr durchs Dorf. Ein Tierarzt aus Limburg lenkte das Automobil über die damals noch holprigen Wege – für viele Dorfbewohner ein geradezu unglaublicher Anblick. Kurz darauf folgte eine weitere Premiere: Pfarrer Bökel erhielt das erste Motorrad im Ort. Diese beiden Ereignisse markierten den Beginn des motorisierten Zeitalters in Mensfelden. Fahrzeuge waren zu dieser Zeit noch eine absolute Seltenheit, jedes neue wurde bestaunt wie ein technisches Wunder.
Die Elektrifizierung – Licht und Kraft für das Dorf (1913–1914)
Die große Wende kam mit der Elektrizität. Nach der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 in Frankfurt nahm die Elektrifizierung in Deutschland Fahrt auf. 1913 wurde eine Fernleitung von Höchst über Staffel und Holzappel in den Westerwald gebaut – sie verband Wasserkraftwerke an der Lahn, ein Braunkohlekraftwerk in Höhn und das Heizkraftwerk in Höchst. Diese Leitung diente nicht nur der Versorgung, sondern auch der Vorbereitung zur Elektrifizierung ländlicher Gebiete wie dem Taunus.
Im Herbst 1913 beschloss die Gemeindevertretung Mensfelden, das Dorf an das neue Stromnetz anzuschließen. Bereits am 16. September 1914 brannte in Mensfelden zum ersten Mal elektrisches Licht – ein Meilenstein in der Dorfgeschichte.
Die erste Verdrahtung verlief entlang der Hauswände, zwischen Gebäuden und in den Ställen, meist über Porzellanisolatoren und Freileitungen. Typisch war ein pauschaler Brennstellentarif, z. B. für zwei Glühlampen. Wurden mehr Lampen eingeschaltet, begann das Licht zu flackern – ein frühes Zeichen der begrenzten Kapazitäten.
Der Strom bringt Bewegung – Elektromotoren im Einsatz
Noch vor, aber vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, kamen in Mensfelden auch Elektromotoren zum Einsatz. Sie waren anfangs sehr teuer, aber leistungsfähig. Oft wurde mit einem Motor über eine Transmission gleich mehrere Maschinen betrieben – etwa Schrotmühlen, Rübenschnitzler oder auch die ersten Waschmaschinen.
Selbst der bis dahin übliche Bulldog-Antrieb für Dreschmaschinen wurde zunehmend durch Elektromotoren ersetzt. Ein stummer Zeitzeuge dieser Entwicklung ist noch heute an einem Haus in der Schlimmstraße 14 zu finden: Dort befindet sich der letzte bekannte Stromanschluss für einen solchen Motor, sichtbar an der Fassade – ein Stück technischer Dorfgeschichte, das erhalten blieb.
Die geplante Bebauung des Mensfelder Kopf
✍ Autor(en):
David Diefenbach (2025)
Mitte der 1960er Jahre fasste die Gemeinde Mensfelden den Entschluss, den markanten Mensfelder Kopf touristisch und städtebaulich zu erschließen. Mit seinen 315m, der weiten Aussicht bis hin zum Großen Feldberg im Taunus und der Nähe zu Limburg erschien der Ort als idealer Standort für ein ambitioniertes Projekt.
Die Planungen
Im Jahr 1965 legte ein Frankfurter Architektenteam Bürgermeister Walter Schwenk erste Konzepte vor. Was zunächst als Idee für einen Aussichtsturm mit Gaststätte gedacht war, entwickelte sich rasch zu einer umfassenden Vision für ein Sonderbaugebiet mit Wohnsiedlungen und Freizeiteinrichtungen.
Die Planer gliederten ihr Vorhaben in fünf Bauabschnitte:
Wohnsiedlung I
59 Häuser
88 Garagen (prognostiziert: 1,6 PKW pro Familie bis 1970)
Einkaufshaus
drei Kinderspiel- und Altenruheplätze
Bassin und Grünanlagen
Wohnsiedlung II
31 Häuser
35 Garagen
weiteres Einkaufshaus
Spiel- und Ruheplatz
Bassin und Grünflächen
Touristische Einrichtungen
Aussichtsturm (15 m Höhe) mit Fahrstuhl und Treppenaufgang
Restaurant mit Terrassen, Café, Tanzsaal und Bar
zentrale Heizungsanlage, Trafostation, Müllverbrennung, Wäscherei, Tankstelle
47 Garagen
Jugendheim mit Terrassen, Liegewiesen und Spielplätzen
Schwimmbad mit Umkleidekabinen, Liegewiesen und Spielplätzen
Damit war eine Siedlung mit 90 Wohneinheiten sowie umfangreichen Freizeit- und Versorgungseinrichtungen vorgesehen. Besonderer Wert wurde auf die Vermeidung von „offenen Abstellplätzen“ und jeglichem Autoverkehr innerhalb des Wohngebietes gelegt
Technische und wirtschaftliche Eckpunkte
Fläche: rund 50,000 m2
Erschließung: Wasser über Mensfelden, Abwasser über Mensfelden oder eigene Kläranlage, Strom- und Gasleitungen; Garagen unsichtbar in Hanglagen
Finanzierung:
Verkauf:Dies war die von den Architekten dringend empfohlene Lösung. Sie rechneten vor, dass die Gemeinde bei einem Verkauf von ca. 50.000 m² zu einem Preis von ca. 20 DM/m² Einnahmen von rund 1.000.000 DM erzielen könnte. Dieses Geld könnte sofort gewinnbringend reinvestiert werden
Erbpacht: Bei diesem Modell würde die Gemeinde Eigentümerin des Bodens bleiben und ihn für 99 Jahre verpachten. Die Planer rieten vehement von dieser Option ab und bezeichneten die langfristige Hochrechnung der Einnahmen als „Milchmädchenrechnung“. Ihr Hauptargument dagegen war, dass Bauherren auf Pachtland kaum Hypotheken von Banken erhalten würden, was das gesamte Projekt von vornherein gefährden würde.
Besonderheit: Eine Klima-Analyse sollte die gesundheitlichen Vorteile der Höhenlage (z. B. für Asthmatiker) untersuchen.
Einschätzung der Grundstücke
Ein bemerkenswerter Punkt ist, wie die Planungsgesellschaft die Grundstücke am Mensfelder Kopf bewertete. In den Akten heißt es:
„Die kleinere Fläche im Eigentum Privater … deren Ertrag gering ist, [wird] ohne Schwierigkeiten und Zwangsverfahren für den Planungszweck zur Verfügung gestellt werden.“
Noch deutlicher wurde das Gelände selbst abgewertet:
„Eine derzeit beinahe kahle Kuppe, ähnlich einer Kraterlandschaft auf dem Mond, bzw. den Resten einer kriegsausgebombten Öd- bzw. Brachlandfläche ohne jeden Nutzen.“
Für die Planer war das Gelände damit „totes Kapital“, das durch eine Umwandlung in Bauland erst Wert erhalten sollte. Der ideelle oder emotionale Wert für die Eigentümer spielte dabei keine Rolle – man ging schlicht davon aus, dass jeder verkaufen würde.
Soziale Vorstellungen
Auch in Bezug auf die späteren Bewohner offenbaren die Planungsunterlagen eine heute befremdlich wirkende Denkweise. Zwar betonten die Architekten, dass es sich „keinesfalls um eine exklusive Prominentensiedlung“ handeln solle, dennoch wurde eine klare Trennung zwischen sozialen Schichten formuliert:
„Gaststätte, Aussichtsturm, Jugendheim und Schwimmbad nebst Liegewiese wären jedem zugänglich. Für Minderbemittelte ist noch ein üblicher Kiosk vorgesehen.“
Diese Formulierung zeigt, dass die Anlage gedanklich stark nach sozialer Herkunft aufgeteilt war: hochwertige Gastronomie und großzügige Freizeitanlagen für Wohlhabende, ein Kiosk für weniger zahlungskräftige Besucher.
Das ungeschriebene Ende und die Realität von 1971
Die ambitionierten Pläne aus dem Jahr 1965 wurden nie umgesetzt. Ein Schreiben des Gemeindevorstands an den Landrat vom 14. September 1971 zeichnet ein völlig anderes Bild von der Realität am Mensfelder Kopf. Von einer exklusiven Wohnsiedlung ist keine Rede mehr. Stattdessen wird der Kopf als „beliebtes Ausflugsziel und Erholungszentrum“ beschrieben. Doch die Natur litt unter dieser Beliebtheit. Die Gemeinde beklagte, dass die gesamten Grünflächen und insbesondere das Heidekraut durch den starken Verkehr von Privat-Pkw „vernichtet“ würden. Zusätzlich hätten Fahrschulwagen der Bundeswehr bei Übungen das Gelände durchkreuzt und weitere Schäden verursacht.
Anstatt über Bauabschnitte zu debattieren, bat die Gemeinde nun um die Genehmigung, Sperrschilder aufzustellen, um die Natur zu schützen und den Menschen Erholung zu ermöglichen. Die Antwort des Landrats vom 17. Dezember 1971 fiel pragmatisch aus: Eine offizielle Sperrung mit amtlichen Verkehrszeichen sei auf den Feldwegen nicht möglich. Die Gemeinde könne jedoch in Eigenverantwortung private Schilder mit der Aufschrift „Privatweg, gesperrt für Kraftfahrzeugverkehr außer Forstbetrieb und landwirtschaftliche Fahrzeuge“ aufstellen.
Das Projekt bleibt ein unvollendetes Kapitel der Ortsgeschichte, dessen Scheitern sich jedoch als ein stiller Sieg für den Naturschutz und den Erhalt der besonderen landschaftlichen Schönheit des Mensfelder Kopfes für nachfolgende Generationen erwies.
Unser Dorf siegt im Schönheitswettbewerb
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Heimat wie bist du schön! Dies auch zu repräsentieren, hat unsere Gemeinde 1962 und 1963 verwirklicht, als noch eine ungestörte Harmonie alle beseelte. Was einst noch als altgewohnte Lagerplätze und Abstellplätze von Ackergeräten benutzt worden war, hat man gründlich aufgeräumt und sie zu schönen Parkanlagen hergerichtet, wozu einige Bürger mit großem Fleiß und Idealismus ihre Freizeit opferten. Aber ohne Mithilfe der Einwohner, bei der fast jeder zur Verschönerung seines Anwesens durch Blumenschmuck und Anstrich der Häuser, Tore und Gartenzäune beitrug, wäre es nicht möglich gewesen, an dem Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden teilzunehmen. Im Jahre 1962 und 1963 wurden allein für den Anstrich der Toreinfahren und Gartenzäune durch Sammelbestellung, für 2.300,00 DM Farbe beschafft. Der Verschönerungsverein stellte 760,00 DM für Ruhebänke und Anpflanzungen zur Verfügung. Unser Verschönerungsverein, geführt von unserem damaligen, mit unermüdlichen Fleiß vorangehenden 1. Vorsitzenden, Herrn Pfarrer Hans Debusmann, ist es zu verdanken, dass die Gemeindeplätze von einstiger unansehnlicher Verwahrlosung zu schönen Grünanlagen wurden. Auch die einzelnen Straßenbewohner, wie die in der Remmeltstraße und Querstraße, haben aus eigener Initiative dazu beigetragen, den kleinsten Winkel bewundernswert auszuschmücken. Besonders aufopferungsvoll haben sich hervorgetan, der inzwischen verstorbene 2. Vorsitzende des Verschönerungsvereins Karl Schwenk in der Remmeltstraße, sowie der unermüdliche heute noch treu gebliebene Kassierer Frickhofer, welcher heute noch für die Instandhaltung der Ruhebänke sorgt. Hauptlehrer i. R. Wilhelm Nilges, heutiger 1. Vorsitzender des Verschönerungsvereins, pflegt heute noch die Blumenbeete am Friedhofsplatz. Weitere treue Mitarbeiter waren Eugen Duppy, Karl Brummer und Lehrer Deubner, der es als Fachmann die Anlagen fachgerecht anzulegen. Unser damaliger Gemeindefriedhofswärter, Josef Sturm, hat unseren schönen Friedhof mit viel Mühe und Fleiß gepflegt und verschönert. Alle, die bei der Dorfverschönerung mit Hand anlegten, sollen in dankbarer Erinnerung bleiben. Für die mühevollen Arbeiten wurde unsere Gemeinde belohnt. Sie wurde 1962 erster Kreissieger und 1963 erster Bezirkssieger. Zwei Siegerurkunden, welche heute noch auf dem ehemaligen Bürgermeisteramt hängen, sind Zeugen vom Schönheitssinn der Bewohner unseres schönen Heimatdorfes Mensfelden.
Heute, nach zehn Jahren, sind die alten Erinnerungen noch wach geblieben, aber inzwischen hat sich vieles geändert. Zurückblickend kann man nur noch mit dem Heimatlied antworten!
Die alten Straßen noch, die alten Häuser noch, doch die alten Freunde sind nicht mehr.
Brand der Zehntenscheune
✍ Autor(en):
Gerd Hasselbach (2025)
David Diefenbach (2025)
Am frühen Morgen des 3. August 1953, gegen 8:15 Uhr, brach in Mensfelden in der sogenannten „Zehntenscheune“ ein verheerendes Feuer aus. Die alte Liebschersche Scheune in der Unterstraße war der Ausgangspunkt eines Großbrandes, der in kürzester Zeit auf vier weitere historische Scheunen übergriff. Die trockene Witterung und das in großen Mengen eingelagerte Stroh und Futter führten dazu, dass sich die Flammen rasend schnell ausbreiteten. Innerhalb weniger Minuten stand die gesamte Ernte der Dorfbewohner in Flammen, und auch angrenzende Wohnhäuser waren bedroht. Menschen und Tiere konnten zum Glück rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, sodass es keine Todesopfer gab.
Die Löscharbeiten gestalteten sich extrem schwierig. Der größte Gegner der Feuerwehr war nicht das Feuer selbst, sondern der akute Wassermangel im Dorf. Zwei Zisternen, die eigentlich für den Notfall vorgesehen waren, waren binnen kürzester Zeit leergepumpt. Die Feuerwehrleute waren gezwungen, mit Eimern und Schläuchen Wasser aus bis zu zwölf verschiedenen Brunnen im ganzen Ort zu holen. Diese lagen verstreut in den entlegensten Teilen des Dorfes, was die Brandbekämpfung zusätzlich erschwerte. Die Einsatzkräfte aus Mensfelden und den umliegenden Orten – darunter Limburg, Diez, Oberneisen, Dauborn, Heringen und weitere – waren pausenlos im Einsatz. Zwei Feuerwehrleute erlitten bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen durch geplatzte Schläuche und Überhitzung.
Trotz aller Bemühungen konnten die historischen Scheunen nicht gerettet werden. Der Sachschaden wurde auf etwa eine halbe Million Mark geschätzt.
Der Zehnte diente ursprünglich der Kirche zur Finanzierung ihrer Aufgaben. Der Zehnte war eine Abgabe, die Bauern im Mittelalter und der frühen Neuzeit an die Kirche oder die lokale Herrschaft leisten mussten. Diese Abgabe betrug etwa zehn Prozent (daher der Name “Zehnte”) ihrer landwirtschaftlichen Erträge – wie Getreide, Vieh oder Wein. In Deutschland wurde der Zehnte erst im 19. Jahrhundert offiziell abgeschafft.
Der große Riss im Vereins- und Dorfleben ab 1964
✍ Autor(en):
Holger Schmidt (2025)
Die Vereinsabspaltung im Turn- und Sportverein (TuS) im März 1964 hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das Dorfleben. Die Gründung des neuen Vereins Turnverein Jahn Mensfelden führte auch in der Folge zu erheblichen Streitigkeiten und zu jahrzehntelangen Spannungen zwischen den Vorständen und Mitgliedern beider Vereine.
Diese Spaltung spiegelte sich in vielen Bereichen des täglichen Dorflebens wider – von der Schulzeit und Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen über das organisierte Vereinsleben bis hin zu den Gewerbetreibenden im Dorf. Bei Familientreffen wurde das Thema oftmals vermieden.
Die Hintergründe der Spaltung
Ein zentraler Grund für die Abspaltung war die Verschiebung der Interessen in der jüngeren Generation. Während das traditionsreiche Turnen und das Spielmannswesen rückläufig waren, erfreute sich der Fußball immer größerer Beliebtheit. Die Begeisterung für diesen Sport nahm in den 50er Jahren deutlich zu, insbesondere nach dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1954. Man kickte leidenschaftlich gern auf der Straße oder auf dem Fußballplatz und trat im Turn- und Sportverein in die Fußballabteilung ein. Zwei Seniorenmannschaften, eine Jugend- und eine Schülermannschaft nahmen in der Saison 1963/64 an den Punktspielen teil und erzielten gute Leistungen und zogen sonntags auch viele Zuschauer zum Sportplatz am Mensfelder Kopf. Dies führte in Mensfelden zu Konflikten innerhalb des bestehenden Turn- und Sportvereins, da die jungen Fußballer oft den Turnstunden und Proben des Spielmannszugs fernblieben. Insbesondere dem Turnen nahestehende Mitglieder sahen darin eine Bedrohung der Traditionen. Diese Konflikte waren auch in anderen Dörfern der Region nicht selten – den Unterschied zu diesen machte aber das traditionsreiche Bergturnfest des Turngau Mittellahn aus, welches jährlich auf dem Mensfelder Kopf veranstaltet wurde.
Ein entscheidender Moment war die Generalversammlung des TuS am 29. Februar 1964. Dort wurde Lehrer Hans Deubner nach dem angekündigten Rückzug von Hauptlehrer a. D. Wilhelm Stückrath zum neuen Vorsitzenden gewählt. Nur zwei Tage später rief über die Ortsrufanlage eine Gruppe „Freunde des Turnens“ überraschend für viele Mensfeldener zur „Neugründung des alten Turnvereins“ auf. Vielen Dorfbewohnern war nicht bewusst, dass diese Initiative maßgeblich auch von Nicht-Mensfeldener bzw. übergeordneten Institutionen unterstützt wurde, insbesondere durch den damaligen Turngau Mittellahn mit seinem Vorsitzenden K. Schutzbach und seinen Vorstandskollegen sowie einem befreundeten Rechtsanwalt. Der Turngauvorsitzende war ein großer Verehrer von „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) und hatte bei seinen Bemühungen zum Erhalt des Turnens in der Region stets auch das traditionelle Bergturnfest im Blick, welches der Turngau jährlich auf dem Mensfelder Kopf veranstaltete. Diese einflussreichen Berater propagierten unter den Mensfeldener Turnern die Idee, dass der TuS durch eine „erzwungene“ Fusion des Turnvereins von 1894 und des Sportvereins von 1922 während der NS-Zeit im Jahr 1938 unrechtmäßig entstanden sei, und motivierten Mitglieder der Turnabteilung und des Spielmannszuges, den alten Turnverein von 1894 rechtlich durch Neugründung eines separaten Vereins wieder aufleben zu lassen. Mit diesem Rückenwind des Turngauvorstandes legte man am 08. März 1964 als neugegründeter Turnverein Jahn Mensfelden förmlich Widerspruch beim Grundbuchamt des Amtsgerichtes in Limburg ein und bezeichnete sich als direkter Nachfolger und rechtmäßiger Eigentümer des Grundbesitzes des Turnvereins von 1894 und damit der alten Turnhalle. Untergründiges Ziel war wohl, das Eigentum an der damaligen Turnhalle zu erlangen, um diese dann der Gemeinde für den Bau einer bereits diskutierten Mehrzweckhalle ohne Vorrechte für den Sport zu übertragen. Dieses Unterfangen führte zu großem Unmut im Turn- und Sportverein. Mit Beschluss vom 16. März folgte das Grundbuchamt diesem Widerspruch allerdings nicht und wies diesen ab – der Turn- und Sportverein war der rechtmäßige Nachfolger des Turnvereins von 1894. Auch eine nochmalige Beschwerde hatte vor Gericht keinen Erfolg.
Wäre diese besondere Unterstützung des damaligen Turngauvorstandes nicht gewesen, wäre der Riss im Vereinsleben in Mensfelden wohl nicht entstanden. Dann hätte man, wie andernorts auch, eine vereins- und dorfinterne Lösung gesucht und wohl auch gefunden (Einschätzung des Verfassers Holger Schmidt).
Bürgermeister Walter Schwenk und Hauptlehrer a. D. und Ehrenvorsitzender Wilhelm Stückrath versuchten in den Folgemonaten zu vermitteln, stießen jedoch auf taube Ohren und mussten sogar Verleumdungen und Unterstellungen ertragen. Auch Landrat Wolf und Sportkreisvorsitzender Edgar Roth sowie Pfarrer Debusmann bemühten sich um eine Schlichtung. Trotz eines initiierten Treffens am 4. Mai 1964 auf dem Zollhaus, bei dem eine Rückführung der vom TuS-Vorstand zuvor ausgeschlossenen 16 Mitglieder, welche bei der Gründung des TV Jahn mitgewirkt hatten, diskutiert wurde, konnte keine Einigung erzielt werden. Der TV Jahn nahm das Angebot, bei Einstellung der eigenen Vereinstätigkeit, die Löschung der Austritte durch den TuS nicht mehr an. Das „Kind“ war in den Brunnen gefallen!
Die Bedeutung der Spaltung für das Dorf
Die Auswirkungen der Spaltung waren für Mensfelden weitreichend. Innerhalb von Familien entstanden Spannungen, da Mitglieder unterschiedlichen Lagern angehörten. Geburtstagsfeiern wurden oftmals zur Bewährungsprobe für den familiären Zusammenhalt. Auch das gesellschaftliche Leben im Dorf litt, da Spannungen sich auch in anderen Vereinen (Feuerwehr, Gesangverein, Landfrauen) und auch in der Kommunalpolitik zeigten. Spielmannswesen, Bergturnfest und Kulturveranstaltungen wurden von der Trennung erheblich beeinflusst.
Der Streit führte auch zu juristischen Auseinandersetzungen um das vorhandene Inventar (u.a. Musikinstrumente). Der Konflikt eskalierte, als der Turngau dem neugegründeten TV Jahn im August 1964 die Ausrichtung des traditionsreichen Bergturnfestes zusprach und damit dem TuS entzog, was diesen tief verletzte. Der TuS-Vorstand wandte sich mit einer 12-seitigen Beschwerde an den Hessischen Turnverband – jedoch ohne Erfolg. Das Bergturnfest wurde seitens des TV Jahn ausgerichtet und vom Turngauvorsitzenden dann auch in besonderer Weise zelebriert (belegt durch seine „pathetische Ansprache“ an die Turnerjugend am Sa., 29.08.1964 beim erstmaligen stimmungsvollen Höhenfeuer – siehe Bericht NLZ). Die Fehde wurde nun öffentlich ausgetragen, bis hin zu Wahlkampfparolen bei den anstehenden Kommunalwahlen im Oktober 1964: „Wer Liste 8 wählt, wählt den Bürgerkrieg“ war mit Farbe auf die Straße vor dem Wahllokal geschrieben. Auf der Liste 8 waren namhafte Turner zu finden.
Der Weg zur Versöhnung
Erst im Dezember 1964 kam es auf Einladung von Landrat Wolf zu einem Gespräch, bei dem sich beide Seiten auf ein Nebeneinander verständigten. Die Einigung war jedoch brüchig, und über Jahrzehnte blieben Spannungen bestehen. In den späten 60er Jahren baute der TuS in Eigenleistung eine neue Sporthalle, während der TV Jahn in den 70er das Recht zur Mitnutzung der alten Schule von der Gemeinde erhielt und ebenfalls mit großen Anstrengungen eine kleinere Turnhalle an die alte Schule anbaute. Die Ausrichtung des Bergturnfestes wurde vom Turngau Mittellahn neu überdacht und fortan in einem 2-jährigem Rhythmus an beide Vereine vergeben.
Ein erster Schritt zur Zusammenarbeit erfolgte beim Sportplatzneubau ab 1984 und bei gemeinsamen Jubiläumsbergturnfesten in 1986 und 1996, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten. Gerade für die jüngere Generation blieb es schwierig, da selbst Kirmesburschenjahrgänge sich auf komplizierte Kompromisse einigen mussten, um beiden Vereinen mit ihren z. T. zeitgleichen Veranstaltungen gerecht zu werden. Nicht unerheblich für eine bessere Kommunikation und die Minderung der Spannungen war das ab den 90er Jahren veranstaltete Dorffest des Ortsbeirates unter Beteiligung aller Dorfvereine.
In den 2000er Jahren wurde durch Bürgermeister Norbert Besier die im Dorf entstandene Idee eines Dorfgemeinschaftszentrums im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms in Mensfelden vorangetrieben. Auch wollte die Folgegeneration den Dorfkonflikt und teilweise auch das Engagement in den Vereinen selbst so nicht mehr weiterführen. So musste der TV Jahn aus personellen Gründen die Musikabteilung mit dem Blasorchester und auch die Ausrichtung des Bergturnfestes aufgeben, welche in den 60er zum Streit und zur Vereinsspaltung geführt hatten. Das Turnen insgesamt war in allen Dörfern stark rückläufig. Beim TuS bereitete der Fußball sorgen und man suchte in 2004 die Spielgemeinschaft mit Heringen, um weiterhin den Ball auf dem Meko rollen zu sehen.
2010 entstand nach langwierigen Planungsgesprächen schließlich die neue Erich-Valeske-Halle im Eigentum der Gemeinde, welche die Vereine bei Einbringung ihrer bisherigen Vereinsdomizile fortan für Sport und Geselligkeit gemeinschaftlich nutzen. In dieser Zeit gründeten sich in Mensfelden auch neue Vereine, die auch das kulturelle Leben mitgestalteten (VfaL und ZuKu). Die Übergangszeit zwischen Abriss der TuS-Halle und Neubau des Dorfgemeinschaftszentrums sowie der Einzug in die neue Halle war jedoch von erneuten Spannungen zwischen den beiden Sportvereine geprägt, die erst durch die Vermittlung von Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer und der Schaffung eines „Regelwerkes für das Miteinander in der Erich-Valeske-Halle“ in 2016 überwunden wurden.
Exkurs: Der gesamte Prozess in Überwindung der Dorfspaltung und das hierfür große Engagement der Mensfeldener in den Vereinen war mithin auch ein wesentlicher Grund für den Gewinn der Goldmedaille im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ in 2023.
Fazit
Die Vereinsspaltung von 1964 zeigt, wie tiefgreifend Konflikte über Tradition und Veränderung eine Dorfgemeinschaft beeinflussen können. Vor allem das Einmischen von Außenstehenden erwies sich als fatal, da es die Fronten verhärtete. Erst nach Jahrzehnten fanden die Vereine Wege zur Kooperation, wenn auch ohne vollständige Wiedervereinigung. Die Geschichte lehrt, dass Streitigkeiten offen und sachlich geführt werden sollten, um langfristige Gräben zu vermeiden. Wie Hauptlehrer a. D. Wilhelm Stückrath treffend sagte: „Schuld tragen wir alle!“ (Recherchen von Holger Schmidt)
Die Zeit der Corona Pandemie
✍ Autor(en):
Christina Weber-Reusch (2025)
Stephan Blödel (2025)
Nachdem am 01.12.2019 der erste Fall der Infektionskrankheit COVID-19 in der Volksrepublik China aufgetreten war, erreichte die Pandemie im Januar 2020 Deutschland. Es dauerte bis Mai 2023, bis die World Health Organization (WHO) den „Internationalen Gesundheitsnotstand“ aufhob. Nun, rund fünf Jahre nach Beginn der Pandemie sind weltweit bisher sieben Millionen Menschen in 234 Ländern an COVID-19 gestorben.
Die Zeit der Pandemie war auch für uns Mensfelderinnen und Mensfelder nicht einfach. Strenge Kontaktsperren, Schließungen von Schulen und Kindergärten sowie Ausgangssperren zur Bekämpfung der Pandemie stellten unser gewohntes Leben völlig auf den Kopf.
Aber wir wären keine Miesfeller, wenn wir nicht auch versucht hätten, unsere aktive Dorfgemeinschaft so weit wie möglich und unter Einhaltung der damaligen gesetzlichen Bestimmungen aufrecht zu erhalten. Bei der „Hausfreizeit“ des TuS Mensfelden im Jahr 2020 wurden die Zelte im eigenen Garten aufgebaut und dort übernachtet. Der Speiseplan mit Rezepten des Küchenteams wurde zum Nachkochen nach Hause geschickt. In kleinen Gruppen konnten die Kinder bei einer Fotosafari durch Mensfelden ihre Ortskenntnis unter Beweis stellen und bei einem Satzrätsel wurden Wald und Flur durchkämmt.
Da in diesem Jahr auch alle Faschingsveranstaltungen ausfallen mussten, wollten wir den Kindern wenigstens an Halloween die Möglichkeit geben, sich zu verkleiden und Spaß zu haben. Mit der einfachen Idee, abgepackte Süßigkeiten an Zäune, Tore und Hecken zu hängen, konnten viele Kinder und Erwachsene ein fröhliches Halloween feiern. Im Jahr 2022 nahmen bereits 32 Haushalte an der Aktion teil. Gruselig geschmückte Häuser, unheimliche Verkleidungen und das „Um die Häuser ziehen“ hatten ein neues Miteinander geschaffen. Inzwischen ist Halloween in Mensfelden eine feste Größe und ein neuer Höhepunkt im Herbst für Kinder und auch Erwachsene.
Aber auch unsere Kinder waren in der Zeit des strengen Kontaktverbots kreativ und hatten sich, ganz wie früher, gegenseitig kleine Briefe geschrieben oder Bilder gemalt und in die Briefkästen geworfen.
Der Ortsbeirat hatte den Seniorennachmittag als Abhol-Café für Kaffee und Kuchen organisiert. Es gab nach den Wünschen der Gäste gemischte Kuchenteller und „Coffee-to-go“. Und da man sich dort zufällig und an der frischen Luft begegnete, ergab sich das eine oder andere gute Gespräch. Ein Angebot, das auch der sozialen Vereinsamung in diesem Jahr entgegenwirken sollte und das sehr gut angenommen wurde. Im Jahr 2021 konnten wir „Draußen-Fasching“ und eine zweitägige „Draußen-Kirmes“ feiern.
Mensfelden rockt den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“
✍ Autor(en):
Holger Schmidt (2025)
Christina Weber-Reusch (2025)
Unser Weg zum Golddorf 2023 auf Bundesebene
Was für eine Reise! Alles begann 2020, als Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer die Idee im Rahmen der Dorfentwicklung hatte, die Hünfeldener Dörfer für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ins Rennen zu schicken. Die Ortsbeiräte aus Heringen, Kirberg, Mensfelden und Ohren meldeten schließlich ihre Dörfer an. Viel Papier war auszufüllen. Der Wettbewerb, der seit 1961 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, würdigt das Engagement ländlicher Gemeinden und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Stärken und Entwicklungskonzepte zu präsentieren.
Die Mensfelderinnen und Mensfelder packten in der Folge die Herausforderung voller Tatendrang an. Mitte 2021 wurde eine Steuerungsgruppe IKEK von der Gemeinde Hünfelden ins Leben gerufen. Dies nahm Mitglied Holger Schmidt zum Anlass über IKEK zu informieren und über dörfliche Themen von Mensfelden zu beraten und lud zu gemeinsamen Sitzungen (mit Maske und Abstand wegen dem Coronavirus) in die EV-Halle ein. Als dann parallel Anfang 2022 klar wurde, dass der Wettbewerb im Mai starten würde, musste alles ganz schnell gehen. Dank einer kleinen engagierten Vorbereitungsgruppe, die sich um Konzepte, Unterlagen, Präsentationen und die Organisation der Begehung kümmerte, war Mensfelden bereit – und das mit Erfolg!
Regionalwettbewerb – Mensfelden zeigt, was es kann
Am 11. Mai 2022 war es so weit: Die Bewertungskommission, bestehend aus Fachleuten unterschiedlicher Behörden und Verbände, besuchte Mensfelden. Zwei Stunden hatten wir Zeit, unser Dorf von seiner besten Seite zu zeigen – mit einer clever geplanten Route, informativen Stationen und einem durchdachten Konzept.
Die Jury bewertete die Dörfer in vier Fachbereichen:
Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen
Soziales Engagement und kulturelle Aktivitäten
Baugestaltung und Siedlungsentwicklung
Grüngestaltung und Bezug zur Landschaft
Unsere Route führte unter anderem zum Familienhof von Annika und Steffen Heckelmann, zur Erich-Valeske-Halle (DGZ) mit ihrem Jugendraum und dem lebendigen Vereinsleben von TuS, TV Jahn, Gesangverein, Landfrauen, ZuKu, Feuerwehr, Verein Gartenbau und Umwelt, Künstler u.v.m. zum Mensfelder Kopf (Naturschutzgebiet und Sportanlage), dem erneuerten Spielplatz in der Unterstraße und zur „Unnergässer Bank“. Auch die Kleine Kelterei von Claudia und Dennis von Mrozek, die Blumenschmiede der Familie Graumann und der alte Schulkeller mit dem Verein für Angewandte Lebensfreude sowie die ausgebaute Schulscheune und unser schönes Kirchengebäudeensemble in der Dorfmitte waren Teil der Präsentation bzw. des Rundgangs. Dabei verschwiegen wir nicht die Herausforderungen, die unser Dorf zu bewältigen hat, wie Leerstände ehemaliger Gewerbebetriebe (z.B. Gastronomie) und fehlende Einkaufsmöglichkeiten.
Aber auch die Chancen von Mensfelden in der Zukunft, aufgrund seiner hohen Zahl an Kindern und Jugendlichen. Bei strahlendem Wetter konnte an diesem Tag der Mensfelder Kopf mit seiner Fernsicht glänzen und Christina Weber-Reusch brachte der Kommission die vielen naturerhaltenden Maßnahmen im Einklang mit dem Besucherkonzept im Naturschutzgebiet näher.
Das Ergebnis? Mensfelden gewinnt den Regionalentscheid unter 13 Teilnehmerdörfern und sichert sich 5.000 Euro Preisgeld!
Die Freude war riesig, und das musste gefeiert werden! Am 17.07.2022 wurde die Siegerehrung mit einem bunten Rahmenprogramm am Alten Zollhaus bei uns in Mensfelden veranstaltet. Landrat Michael Köberle und weitere Bürgermeister begleiteten die Ehrung durch die Kommission. Musiker Jochen Vanscheidt aus Igstadt sorgte für Stimmung, und die Tanzgruppe „Experience“ des TuS zeigte ihr Können. Doch für Mensfelden war klar: Das war erst der Anfang!
Landeswettbewerb – Noch eine Runde, noch ein Erfolg!
Nach dem Erfolg auf regionaler Ebene ging es nur vier Monate später weiter: Der Landesentscheid stand an! Am 22. September 2022 besuchte uns eine neun-köpfige Jury, um Mensfelden erneut zu bewerten – diesmal im Vergleich zu zwölf anderen Dörfern aus ganz Hessen.
Leider hatte die letzte Einkaufsmöglichkeit mit der Bäckereifiliale Laux kurz zuvor endgültig geschlossen und wir machten auch dies zum Thema: „Diese Tür soll sich wieder öffnen“. Zusätzlich zu den bereits bekannten Stationen stellten wir diesmal die Kletterscheune mit dem alten Baumbestand von Alfred Lieber, den Hof von Erik und Jutta Marsen sowie den Mensfelder Streuobstgürtel vor. Auch hier konnten wir überzeugen – Mensfelden erreichte den 2. Platz in Hessen und gewann 6.000 Euro!
Zur feierlichen Preisverleihung im Januar 2023 reisten rund 60 Mensfelderinnen und Mensfelder nach Nieder-Moos im Vogelsbergkreis – die Gemeinde Hünfelden spendierte extra einen Reisebus! Die hessische Umweltministerin Priska Hinz überreichte die Auszeichnung, und als kultureller Beitrag begeisterte erneut die Tanzgruppe „Experience“.
Mit dem zweiten Platz auf Landesebene hatten wir uns für den Bundeswettbewerb qualifiziert. Jetzt wurde es richtig spannend!
Bundeswettbewerb – Ganz Hessen schaut auf Mensfelden
Bis zum großen Entscheidungstag im Juni 2023 wurde in Mensfelden auf Hochtouren gearbeitet. Wöchentlich traf sich das Organisationsteam, Präsentationen wurden erstellt, organisatorische Fragen geklärt und man machte Probefahrten mit Kleinbussen mit Zeitwächter im Dorf und zum Mensfelder Kopf - möglichst wenig sollte dem Zufall überlassen werden. Das gesamte Dorf half mit!
Eine ganz besondere Aktion: Die Landfrauen um Annika Heckelmann nähten über Wochen hinweg aus Stoffresten eine kilometerlange Wimpelkette, welche die Straßen der Dorfmitte schmückte. Außerdem wurde ein eigenes Mensfelden-Lied auf die Melodie von „Go West“ von den Pet Shop Boys getextet – ein echtes Gemeinschaftsprojekt!
Am 22. Juni 2023 war es dann so weit. Die Bundesjury reiste mit einem eigenen Reisebus an, und wir hatten drei Stunden Zeit, unser Dorf zu präsentieren. Felix Heckelmann hielt eine tolle Begrüßungsrede:
Es hat mal jemand gesagt: An den Frieden denken, heißt an die Kinder denken. Vielleicht könnte man auch sagen: An die Zukunft denken, heißt an die Kinder denken. Darum stehe ich heute hier, in Vertretung für alle Kinder. Mein Name ist Felix Heckelmann, ich bin 12 Jahre alt und wohne hier auf dem Familienhof. Ich bin der älteste von vier Kindern und träume davon hier meine Zukunft zu gestalten. Ich habe heute die große Ehre sie ganz herzlich zu unserem großen Tag, Mensfelden, unser Dorf hat Zukunft begrüßen zu dürfen.
Neben den bereits bekannten Stationen kamen diesmal auch die neueren Projekte Saisongärten von Gerd Hasselbach und Dorfbrunnen von Robert Krebs hinzu. Sabine Winterwerber stellte die kirchlichen Aktivitäten vor.
Eine besondere Unterstützung: Die Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn gab den Mensfelder Schülerinnen und Schülern frei, und auch der Kindergarten war mit dabei. Die Feuerwehr sorgte für eine reibungslose Durchführung. Zum großen Finale versammelten sich zahlreiche Mensfelderinnen und Mensfelder vor der Kirche, um gemeinsam das Mensfelden-Lied zu singen. Die Kirmesburschen und -mädchen tanzten auf dem Kirchplatz, und bei Essen und Getränken wurde die erfolgreiche Präsentation im Anschluss gefeiert.
Tag der Entscheidung – Gold für Mensfelden
Als endlich das Ergebnis verkündet wurde, war die Spannung kaum auszuhalten. Egal, ob Bronze, Silber oder Gold – gefeiert wurde sowieso! Doch dann kam die Nachricht: Mensfelden gewinnt GOLD - Mensfelden ist Golddorf 2023!
Das ganze Dorf war außer sich vor Freude. Es gab eine große Party auf dem Alten Zollhaus. Radiointerviews, ein TV-Beitrag in der Hessenschau – plötzlich war Mensfelden überall! Und dann die große Frage: Was jetzt? Natürlich: Berlin!
Berlin, Berlin – Mensfelden auf großer Bühne
Am 26.01.2024 war es endlich so weit: 80 Mensfelderinnen und Mensfelder machten sich auf den Weg nach Berlin zur feierlichen Preisverleihung im Rahmen der Grünen Woche.
Zuvor wurde bereits im September 2023 ein Film im Dorf gedreht, welcher im City-Cube Berlin den rund 3.000 Gästen aus den 22 Teilnehmerdörfern gezeigt wurde - eine besondere Ehre für die sieben Golddörfer. Bei dieser großartigen Abendveranstaltung wurde die Goldehrung für Mensfelden von Bundesminister Cem Özdemir überreicht – ein unvergesslicher Moment! Mensfelden dankte mit einer beeindruckenden Performance der Tanzgruppe „Experience“. Auch in Berlin zeigte sich Mensfelden von seiner besten Seite: Am Stand des Landes Hessen, war man ebenfalls sehr stolz auf sein Gewinnerdorf auf Bundesebene. Es gab Interviews mit den Dorfrepräsentanten u.a. unserem Ortsvorsteher Stephan Blödel sowie Matina Schmidt und Claudia von Mrozek wie auch den organisatorischen Unterstützern im Hessenland.
Doch damit nicht genug- das Rahmenprogramm hatte es in sich! Eine Stadtführung durch Berlin-Mitte, der Besuch in der DZ BANK AG mit ihrer bedruckenden Architektur, eine spektakuläre Show im Friedrichstadt-Palast und eine Führung mit Besuch des Deutsches Bundestages und der Kuppel im ehemaligen Reichstagsgebäudes, Berlin hatte für Mensfelden einiges zu bieten.
Im März 2024 folgte eine ganz besondere Ehre: Silvia Scheu-Menzer, Holger Schmidt und Christina Weber-Reusch wurden als Repräsentanten von Mensfelden ins Schloss Bellevue eingeladen und vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier persönlich empfangen.
Mensfelden – Ein Dorf mit Zukunft!
Von der ersten Idee bis zum Besuch beim Bundespräsidenten – Mensfelden hat gezeigt, was mit Zusammenhalt, Engagement und einer starken Dorfgemeinschaft alles möglich ist. Dies hat auch die Jury so gesehen und die harte Arbeit, das Engagement, die aktive Bürgerbeteiligung sowie die innovativen Projekte der Mensfelderinnen und Mensfelder mit Gold belohnt. Ein Dorf, das anpackt, mitgestaltet und seine Zukunft selbst in die Hand nimmt. Und wer weiß? Vielleicht war das erst der Anfang!
Ein großer Dank gilt allen Mensfelderinnen und Mensfeldern, dem Ortsbeirat sowie allen Vereinen und Gruppierungen dafür, dass Mensfelden ein „Dorf mit Zukunft“ ist!
Das Kernteam/Organisationsteam von „Unser Dorf hat Zukunft“
Silvia Scheu-Menzer, Holger Schmidt, Christina Weber-Reusch, Esther und Doron Ben-Yehoshua, Steffen und Annika Heckelmann, Claudia von Mrozek, Markus Graumann, Robert Krebs, André Zeidler, Thomas Fischer, Stefan Doogs, Alfred Talaska, Karli Schneider, Brigitte Wiertz, Gerd Hasselbach, Jutta und Bernd Kalfhaus, Nicol Wallon sowie Claudia Kühn.
Im erweiterten Unterstützerkreis wirkten mit:
Stephan Blödel, Wolfgang Schwenk, Marcel Lange, Daniel Schumann, Erik Schumacher, Franz Krainer, Willi Schumacher, Hannah Schmidt, Uma Fischer, Sabine Winterwerber, Matina Schmidt, Corinna Zollmann, Ute Lange, Detlef Görke, Sophie Kloos, Jill Degen, Christine und Klaus Schumacher, Marlies und Frank Brunn, Dennis von Mrozek, Oliver Klapproth, Christof Hofbauer, Liliane Stock, Bernd Wahl, Lukas Völker und dazu viele weitere Helfer aus dem gesamten Dorf.
Übergeordnete Unterstützung auf dem Weg zum Golddorf:
Silvia Scheu-Menzer mit der Gemeindeverwaltung Hünfelden, Claudia Kühn (Amt für den ländlichen Raum des Landkreises), Hiltrud Schwarze, Regierungspräsidium Kassel – Leitung der Landesbewertungskommission.
Das „Mensfelden Lied“
Text: Detlef Görke/Esther Ben-Yehoshua
Melodie: Go West - Village People
1. Mensfelden - ist ein schöner Ort.
Mensfelden - hier will ich nie mehr fort
Mensfelden - hier macht das Leben Spaß
Mensfelden - hier gibt´s das grünste Gras
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
2. Zusammen - sind wir im Verein
Zusammen – sind wir nie allein
Zusammen – feiern wir ein Fest
Zusammen – weil es sich gut leben lässt!
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
3. Der Kirchturm - ist das höchste Haus
Darüber - schaut der MeKo raus
Der Meko - weit und breit bekannt
Schaut weit hinaus in unser Hessenland
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
HALLO!
Besuch aus Südkorea
✍ Autor(en):
Christina Weber-Reusch (2025)
Am 18. März 2025 besuchte eine Delegation von 15 Personen aus der Provinz Gyeongsangbuk-do, in Südkorea, Mensfelden zu Fortbildungszwecken. Im Mittelpunkt stand ein Erfahrungsbericht zum Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Die behördlichen Mitarbeiter aus der südkoreanischen Provinz wollten verstehen, wie ehrenamtliches Engagement die Lebensqualität in ländlichen Räumen stärkt und welche zentralen Impulse eine nachhaltige Dorfentwicklung vorantreiben. In der Erich-Valeske Halle gab es eine ausführliche Präsentation zum Dorfwettbewerb, Einblicke in das Taekwondo-Training und eine Rundführung durch das Dorf. Die denkmalgeschützten Gebäude und das Alter unserer Kirche sowie die Sauberkeit des Ortes beeindruckten die Gäste besonders. Ein kurzer Abstecher in die „Kleine Kelterei“ eröffnete den Gästen spannende Details zur heimischen Saft- und Apfelweinproduktion. Ein eigens mitgereister Dolmetscher übersetzte alles fließend ins Koreanische und wieder zurück ins Deutsche, sodass keine Sprachbarriere entstand.
1250 Jahre Mensfelden
✍ Autor(en):
David Diefenbach (2025)
Ein ganzes Jahr im Zeichen der Geschichte, der Gemeinschaft und der Feierlichkeiten liegt hinter Mensfelden. Das Jubiläum zum 1250-jährigen Bestehen hat das Golddorf auf eine unvergessliche Reise mitgenommen, die im Juni in einem viertägigen Festwochenende gipfelte. Es war eine Zeit, in der das Dorf seine Wurzeln ehrte, seinen Zusammenhalt stärkte und bewies, wie lebendig seine Gemeinschaft ist.
Festlicher Auftakt am Alten Zollhaus
Den offiziellen Auftakt des Jubiläumsjahres bildete ein festlicher Silvesterempfang am Alten Zollhaus, zu dem der Ortsbeirat Mensfelden eingeladen hatte. Rund 200 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung, um gemeinsam auf den Beginn des besonderen Jahres anzustoßen. Der Standort bot dabei einen besonderen Vorteil: Die Anwesenden genossen einen weiten Panoramablick und konnten von dort aus das vielfältige Neujahrsfeuerwerk beobachten, das über dem gesamten Limburger Becken und den umliegenden Orten bis hin nach Limburg zu sehen war.
Erkundung der Gemarkungsgrenze
Bereits am 18. Januar fand die große Grenzbegehung statt. Unter der fachkundigen Führung von Günther Foth machten sich knapp 90 Teilnehmer auf den Weg, die 17,5 Kilometer lange Gemarkungsgrenze zu erkunden. Dabei kamen auch Schlepper-Gespanne zum Einsatz, die den Transport auf Teilstrecken erleichterten. Die Route führte die Wanderer zunächst zum ,,Roten Meer”, das, wie Foth erläuterte, bereits zur Gemarkung Heringen gehört.
Nach einer ersten Pause am Hermannshof ging es über den ,,Gaasesprung” weiter zum Hof Talwiese, wo das DRK Hünfelden die Teilnehmer mit einer stärkenden Erbsuppe erwartete. Die Wanderung führte von dort weiter bis zum Harvester Hof. Nach einer letzten Rast führte die letzte Etappe entlang der Grenze von Lindenholzhausen und Brechen-Niederbrechen nach Nauheim, wo der Tag am Hof Heckelmann seinen gemütlichen Ausklang fand.
Auf den Spuren jüdischen Lebens
Ein zentrales Anliegen des Jubiläums war die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Den Auftakt hierzu machte am 9. März der Rundgang ,,Spuren jüdischen Lebens in Mensfelden”. Unter der fachkundigen Leitung von Markus Streb folgten 145 interessierte Teilnehmer den Wegen der Familien, die einst ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft waren. Der Rundgang, dessen Inhalte maßgeblich vom Arbeitskreis ,,Spuren jüdischen Lebens in Hünfelden” miterarbeitet wurden, machte die Biografien und das Wirken der jüdischen Bürger greifbar und erinnerte an deren Schicksale.
Dauerhaftes Gedenken: Die Stolpersteinverlegung
Diese Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte fand am 11. März 2025 ihre Fortsetzung, als im Dorf Stolpersteine verlegt wurden. Diese kleinen Gedenktafeln aus Messing werden im Bürgersteig vor den letzten frei gewählten Wohnorten eingelassen, um dauerhaft an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. In der Sonntagstraße 12 wurde ein Stein für Amalie Rosenberg verlegt. In der Sonntagstraße 15 wurde an die Familie Besmann erinnert, namentlich an Berta, Salomon, Adolf, Siegfried und Johanna Besmann. Zahlreiche Bürger, Vertreter der Gemeinde und auch Nachfahren der Familie Besmann aus Israel und den USA nahmen an der Zeremonie teil. Ted Besmann, der Sohn von Siegfried Besmann, verlas ein kurzes Grußwort auf Deutsch. Schülerinnen der Freiherr-vom-Stein-Schule Dauborn trugen die recherchierten Biografien der Verfolgten vor und machten so die individuellen Schicksale greifbar. Im Anschluss gab es im evangelischen Gemeindehaus die Möglichkeit zum Austausch.
Eine historische Zeitreise durch 1250 Jahre
Den historischen Bogen über die gesamte Dorfgeschichte spannte die Veranstaltung ,,1250 Jahre Mensfelden – eine Zeitreise” am 4. Mai. In der evangelischen Kirche eröffnete Dr. Christoph Waldecker, der Leiter des Limburger Stadtarchivs, den Nachmittag mit einem fundierten Blick in die Vergangenheit. Ebenso wichtig waren jedoch die Beiträge von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern aus Mensfelden sowie Vertretern von Vereinen. Sie bereicherten das Programm mit persönlichen Einblicken, Anekdoten und Berichten über die Entwicklung des Dorflebens und schufen so gemeinsam ein vielschichtiges und lebendiges Bild von Mensfeldens Wandel im Laufe der Jahrhunderte. Im Anschluss lud der Ortsbeirat zu einem Umtrunk ein, der Gelegenheit für weitere Gespräche bot.
Rückblick auf das große Festwochenende: Vier Tage im Herzen des Dorfes
Das lange erwartete Festwochenende vom 19. bis 22. Juni 2025 übertraf alle Erwartungen und wurde zum strahlenden Höhepunkt des Jubiläumsjahres.
Donnerstag: Gemeinschaft bei Langer Tafel und Musik
Der Donnerstag markierte den Auftakt der Feierlichkeiten mit einem wunderbaren Symbol der Gemeinschaft: der ,,Langen Tafel” in der Kirchstraße. Unter freiem Himmel saßen Nachbarn und Freunde beisammen, teilten Speisen und Getränke und füllten das Dorfzentrum mit Lachen und Gesprächen. Es war ein Bild gelebter Dorfgemeinschaft. Als die Dämmerung hereinbrach, übernahm die Band Jentellmen die Bühne und sorgte mit ihrem Sound für den perfekten musikalischen Einstieg in ein langes Festwochenende.
Freitag: Blaulichtparty der Feuerwehr
Am Freitagabend verwandelte die Feuerwehr Mensfelden ihr Gerätehaus in den heißesten Party-Ort der Region. Bei der ,,Blaulichtparty” heizte DJ Tamino der Menge mit treibenden Beats kräftig ein. Bis tief in die Nacht wurde getanzt, gefeiert und jeder Brand – zumindest der durstige – an der Theke gelöscht.
Samstag: Von Dino-Rock bis Big Band Swing
Der Samstag stand ganz im Zeichen von Familien und Musikliebhabern. Tagsüber pulsierte das Leben auf dem Festgelände an der Erich-Valeske-Halle, wo ein buntes Bühnenprogramm die Besucher unterhielt. Am Nachmittag folgte dann ein in Mensfelden nie dagewesenes Spektakel: Die Dino-Metal-Band Heavysaurus eroberte die Bühne. Kinder mit Pommesgabel-Geste und ihre ebenso begeisterten Eltern rockten gemeinsam zu den familienfreundlichen Klängen. Den Abend gestaltete die renommierte ,,Big Band” des Jazzclub Limburg unter der Leitung des aus Mensfelden stammenden Benjamin Steil. Sie sorgte mit elegantem Swing und virtuosen Soli für eine stilvolle und mitreißende Atmosphäre und ließ den Festtag grandios ausklingen.
Sonntag: Festgottesdienst und Tag der offenen Höfe
Der Sonntag führte die Feierlichkeiten zurück zu den Wurzeln des Dorfes. Nach einem feierlichen Festgottesdienst auf dem Kirchplatz öffnete der historische Ortskern seine Pforten für den ,,Tag der offenen Höfe”. In den liebevoll geschmückten Anwesen präsentierten sich Vereine und Gemeinschaften, zeigten altes Handwerk und gaben Einblicke in die reiche Dorfgeschichte. Es war ein Tag des Entdeckens und Staunens, an dem Vergangenheit und Gegenwart auf das Schönste miteinander verschmolzen und der dank eines perfekt organisierten Busshuttles für alle Besucher entspannt erreichbar war.
Das Jubiläumsjahr 2025 wird als eine Zeit in die Dorfchronik eingehen, in der Mensfelden nicht nur seine Vergangenheit ehrte, sondern vor allem seine lebendige und starke Gemeinschaft feierte.
Die Mensfelder Glanzrenette – Hessische Lokalsorte 2026
✍ Autor(en):
Steffen Kahl, Pomologen Verein, Hessen (2025)
Christina Weber-Reusch (2025)
Geschichte und Wiederentdeckung
Mensfelden ist ein 1250 Jahre alter Ortsteil der Gemeinde Hünfelden im Landkreis Limburg-Weilburg. Am Rande des „Golden Grunds“, dem Gebiet zwischen Limburger Becken und Idsteiner Senke, welches traditionell reich an Obstzucht war, findet sich diese Lokalsorte. Der Arzt und Pomologe Diel hatte bereits um 1830 Kontakte nach Mensfelden und beschrieb u. a. den bis heute verschollenen Mensfelder Gulderling.
Die Mensfelder Glanzrenette ist erst 100 Jahre später aufgetaucht und 1938 von dem Pomologen Richard Zorn aus Hofheim abgebildet und beschrieben worden. Zorn erhielt sie von Kreisobstbauinspektor Karl Deußer (gebürtiger Mensfeldener), der die Sorte damals stark vermehrte. Zwischen 1929 und 1955 wurde die „Glanzrenette“ neben anderen Apfelsorten und einer Birnensorte als Tafelobst kistenweise dem Eisenbahnerverein Altenhundem im Sauerland geschickt.
Erst im Herbst 2004 wurde sie von dem ortsansässigen, inzwischen leider verstorbenen Vereinsmitglied und Imker Dieter Kees den heutigen Pomologen vorgelegt. Ihm ist es zu verdanken, dass die Sorte sowie der Obstbaumbestand in der Gemarkung Mensfelden gepflegt und bis heute erhalten geblieben ist. Die wenigen Altbäume der Mensfelder Glanzrenette wurden nach mündlicher Überlieferung im Jahr 1917 gepflanzt. Inzwischen ist die Sorte pomologisch gesichert sowie genetisch erfasst. Die Baumschule Schumann hat sie in der Vermehrung und trägt somit zur weiteren Verbreitung bei.
Sortenmerkmale
Typische Fruchtmerkmale
Größe/Form: Meist mittelgroß, flachrund, mittelbauchig, zum Kelch hin stärker abnehmend.
Schale: Glatt und glänzend, später leicht fettig werdend, zitronengelb, sonnenseits intensiv verwaschen rot. Schalenpunkte teils rot umhöft, teils Rostfiguren und einzelne Korkwarzen möglich.
Kelch: Geschlossen bis halboffen, von feinen Falten und kleinen Fleischperlen umgeben.
Stiel: Kurzer, holziger Stiel in tiefer und weiter Grube, strahlig fein bis grob gerissen.
Kernhaus: Kelchhöhle klein, dreieckig bis flach trichterförmig, Achse oben schmal, unten breiter oder offen, Wände ohrenförmig, glatt. Kerne mittelgroß, langgespitzt, vollkommen ausgebildet.
Fruchteigenschaften
Verwendung: Tafel- und sehr guter Wirtschaftsapfel.
Fruchtfleisch: Gelblich-weiß, mittelfest, süßsäuerlich, mild gewürzt und ausreichend saftig.
Besonderheit: Sehr hoher Polyphenolgehalt (somit meist verträglich für Apfelallergiker).
Reife/Lagerung: Reife Anfang/Mitte Oktober (druckfest), Haltbarkeit Januar bis März/April.
Baumeigenschaften
Wuchs: Mittelstark wachsend, Krone hochgewölbt, gut verzweigt.
Standort: Bevorzugt gute Böden mit ausreichender Wasserversorgung, sonst relativ anspruchslos. Für mittlere Höhenlagen empfehlenswert, gedeiht auch noch in rauen Lagen.
Ertrag: Reicher und regelmäßiger Ertrag.
Aktionstag zur Ernennung 2026
Am 26. Oktober 2025 fand ein Aktionstag zur Ernennung der „Mensfelder Glanzrenette“ als Hessische Lokalsorte 2026 statt. Der Pomologenverband fungierte als Veranstalter und Initiator der Kampagne und wollte damit auf die Lokalsorte aufmerksam machen sowie zum Erhalt der alten regionalen Obstsorte beitragen.

Bild: rechts, Gruppenbild Aktionstag zur Ernennung der „Mensfelder Glanzrenette“, Gerd Hasselbach, 2025
Kooperationspartner
Kooperationspartner der Kampagne 2026 waren die Gemeinde Hünfelden, die Baumschule Schumann, die Landfrauen Mensfelden, der Verein für Gartenbau und Umwelt e.V., der NABU Hünfelden, die Kleine Kelterei Mensfelden und die Kelterei Hoppe in Niederbrechen.
Ablauf der Veranstaltung
Fast 90 Personen fanden sich an der „Schönen Aussicht“, dem Standort des Altbaums, ein. Nach der Begrüßung durch die Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer stellten die Pomologen, insbesondere Herr Kahl die Mensfelder Glanzrenette vor.
Anschließend ging es weiter zur Baumschule Schumann. Dort erwartete die Besucher, die im Laufe des Tages immer zahlreicher wurden, ein buntes Programm und lokale Speisen und Getränke. Das Programm umfasste:
Eine Obstsortenausstellung und Obstsortenbestimmung der Landesgruppe des Pomologenvereins.
Eine Führung von Daniel Schumann zur Veredelungstechnik in der Baumschule.
Infos und eine Ausstellung zum Thema Streuobstwiese durch den NABU Hünfelden.
Regionale Leckereien der Landfrauen Mensfelden sowie Kostproben und Getränke der Kleinen Kelterei.
Ein Infostand des Vereins für Gartenbau und Umwelt Mensfelden e.V.
VII. Kirche
Die Kirche
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Kirchengemeinde und Pfarrei
Zu den 38 Mitgliedern der Idsteiner Synode vom 5. - 9. August 1817, die den Zusammenschluss der lutherischen und reformierten Gemeinden zu einer evangelisch-christlichen Kirche, der Union in Nassau beschloss, gehörte auch Pfarrer Melior von Mensfelden. Am 31. Oktober 1817, am Reformationsfest, schloss sich auch die bis dahin evangelisch-lutherische Gemeinde Mensfelden der Union an. Die Revolution von 1848 brachte in Mensfelden neben politischen auch religiöse Spannungen. Vorübergehend ist auch hier eine, allerdings begrenzte altlutherische Bewegung Kirchengemeinde zu beobachten, deren Anhänger jedoch bereits 1853 bis auf 7 Seelen wieder zur zurückgekehrt waren.
Heringen, das seit alter Zeit zum Kirchspiel Mensfelden gehört hatte, jedoch schon längst eine eigene Kirche besaß, wurde 1818 nach Kirberg umgepfarrt. Der durch seine Arbeiten zur nassauischen Geschichte bekannte Dekan Christian Daniel Vogel in Kirberg erreichte 1843, dass in Heringen eine selbständige Kaplanei, die spätere Pfarrei, errichtet wurde. Beim Kirchspiel blieb jedoch Linter. Dort wurde 1951/53 von der Kirchengemeinde Mensfelden-Linter ein evangelisches Gemeindehaus erbaut, in dem die Gottesdienste für Linter abgehalten werden.
Unsere Kirche
Die Pfarrkirche, ein romanischer Bau des 12. - 13. Jahrhunderts, hat die Stürme vieler Jahrhunderte überdauert. Der wuchtige Chorturm war mit Licht - und Schießschlitzen früher ein Wehrturm. Der Altarraum in seinem Erdgeschoß und der Treppenlauf in der Mauer sind mit Kreuzgratgewölbe abgedeckt. Zweimal war das Gewölbe, 1697 und erneut 1784, so zersprungen, dass man den Einsturz befürchtete. Nach der zweiten, gründlicheren Wiederherstellung im Jahr 1785 hat es jedoch seinen Halt zurückgewonnen. Wie vielerorts beleben vier kleine Dacherkern den Umriss des achteckigen Spitzhelms. Bei Erneuerungsarbeiten an der Kirche zeigte es sich, dass die heutige Kirche aus einem früheren, kleineren erweitert wurde. In der Südseite des rechteckigen Schiffes sind noch zwei kleine romanische Fenster, teilweise sogar mit den alten Holzrahmen erhalten. Eine barocke Holztonne überdeckt das Schiff, in dem in der Barockzeit die zweigeschossigen, hölzernen Emporen mit ihren kräftig gezeichneten Stützen eingebaut wurden. Aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammen Kanzlei und Taufstein.
Die Glocken
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Die alte Glocke
Die größte und älteste Glocke ist aus dem Jahre 1431 und wiegt 522 kg und hat einen Durchmesser von 0,94 m. Inschrift gotische Minuskeln:
Ave Maria gratia Plena Dominus tecum.
Übersetzt: Gegrüßet seist Du Maria, voller Gnaden, der Herr sei mit dir.
Der Glockengießer ist unbekannt. Die alte Glocke musste im Kriegsjahr 1944 zum Einschmelzen abgeliefert werden, wurde jedoch vor der Vernichtung verschont. Im Jahre 1949 wurde sie unversehrt in Hamburg von Willi Schwenk, Remmeltstraße, wiedergefunden und von unserem Pfarrer Hans Debusmann wieder heimgeführt, wo sie seitdem ihren alten Platz im Turm hat und wieder ihren Klang ertönen lässt.
Unsere mittlere und kleine Glocke
Die beiden kleineren Glocken mussten im 1. Weltkrieg 1914 - 1918 zum Einschmelzen abgeliefert werden.
Im Jahre 1921 wurden im Auftrag der Kirchengemeinde und bürgerlichen Gemeinde zwei neue Glocken von der Glockengießerei der Gebrüder Rinker in Sinn (Dillkreis) gegossen.
Im zweiten Weltkrieg 1939 - 1945 musste die mittlere Glocke wiederum zur Einschmelzung abgeliefert werden. Dafür wurde im Jahre 1949 von der Glockengießerei der Gebr. Rinker in Sinn (Dillkreis) eine neue gegossen. Sie trägt heute die Jahreszahl 1949 mit dem Zeichen 65 <> 00 ihre Inschrift lautet: Land, Land, höre des Herrn Wort!
Unsere kleine Glocke, welche die bürgerliche Gemeinde Mensfelden gestiftet hat, durfte als einzige im zweiten Weltkrieg hierbleiben. Sie trägt das Zeichen A W 1921 No 2215 und die Inschrift: Bürgerliche Gemeinde Mensfelden!
Die Kirchenorgel
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Unsere alte Orgel soll nach alten Nachrichten in Frankfurt gebaut worden und unter Pfarrer Zippelius 1702 nach Mensfelden gekommen sein. Man vermutet, dass sie ein Werk des bekannten Orgelbauers Andreas Silbermann (1678-1734) ist. Die Quelle dieser Nachricht lässt sich zurzeit jedoch nicht sicher ermitteln. Orgelbauer und Fachleute vertreten deshalb heute die Meinung, dass es sich um eine Schöler-Orgel handeln könnte. Johann Wilhelm Schöler (1723-98), der aus dem Bergischen Land stammte und seit seiner Heirat 1749 in Bad Ems lebte, war als Orgelbauer nicht minder bekannt. Wenn auch so zur Zeit der Meister nicht sicher benannt werden kann, wird das Werk doch von Orgelfachleuten als Meisterwerk gelobt. Seit der Plünderung durch die französischen Revolutionstruppen 1795 fehlten die Pfeifen. Der Orgelbauer Engers aus Wehen, der 1821 die Orgel erneuerte und das Werk umänderte, starb darüber, so dass dieser Umbau erst nach 1826 durch die Gebrüder Embach aus Rauenthal vollendet werden konnte.
Die Kirchenuhr
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Von wann bis wann unsere alte Kirchenuhr die Stunden im Turm anschlug kann man nicht mehr feststellen. Genannt wird sie schon 1620, als sie wieder in Gang gebracht wurde. Soviel ich mich erinnern kann, stand sie schon 1914 still und war von außen nicht mehr zu sehen, nur ihr altes Uhrwerk war noch im Turm, zwischen den Balken eingebaut.
Unsere neue Kirchenuhr ist am 26. /27. 8.1947 von Calw über die französische Zonengrenze in Mensfelden eingetroffen und bis 30.8.1947 montiert worden. lhr erster Stundenschlag war mittags 15:00 Uhr. Seitdem versieht sie ihren Dienst. Erbauer ist die Uhrenfabrik Perrot in Calw, Vermittler war Diplom Ingenieur Martin Pfefferkorn, als Vertreter der Uhrenfabrik Perrot, der als guter Kriegskamerad von unserem Pfarrer Hans Debusmann, der Gemeinde Mensfelden, trotz laufender Geldentwertung, noch zu einer neuen Kirchenuhr, für 3000 Reichsmark, verhalf.
Dafür sei unserem damaligen Herrn Pfarrer Hans Debusmann, und seinem treuen Kriegskamerad herzlich gedankt.
Das Pfarrhaus
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Eines der ersten Pfarrhäuser dürfte im 13. /14. Jh. erbaut worden sein. Nach einem Bericht von 1785 wird von einem alten Pfarrhaus erzählt, das schon 1614 bis gegen das Jahr 1640 von dem Verfall bedroht war, so dass der Pfarrer gezwungen war in eine Mietwohnung umzuziehen. Gegen Ende des dreißigjährigen Krieges wurde sämtliches Holz des alten Pfarrhauses gestohlen, so dass der Platz, worauf es stand, fast völlig leer war. Nachdem die Mietwohnung des Pfarrers von 1640 - 1664, angeblich das heutige Haus Lanz/Crecelius in der Mittelstraße wegen Verkauf geräumt werden musste, wurde die Gemeinde gezwungen, ein neues Pfarrhaus zu bauen. Dies wurde 1664 auf den alten Platz des alten Pfarrhauses Ecke Neustraße/Unterstraße, wo die jetzige Schule steht, mit Stallungen und Scheune gebaut.
Im Jahre 1801 wurde durch einen Großbrand auch dieses wieder vernichtet. 1802 - 1906 wurde das Pfarrhaus in der Backhausstraße 2 (heutiges Haus Schumacher/Hasselbach) von den Pfarrern bewohnt.
Auf dem alten Friedhof bei der Kirche (damals Totenhof genannt), wurde im Jahre 1905 - 1906 ein neues Pfarrhaus erbaut, und im Juli 1906 bezogen. Das alte Pfarrhaus in der Backhausstraße wurde 1906 an Philipp Schumacher für 13.050 Mark verkauft.
Das Haus Schumacher/Hasselbach welches von 1802 - 1906 Pfarrhaus war, trägt folgende Hausinschrift:
ERE SEI GOT IN HOHE FRDE AVF ERDEN LAS DICHER JESV CHRIST DURCH MEIN GEBET BEWEGEN KOM IN MEIN HAVS VND HERTZ VND BRING MIR DEINEN SEGEN ICH JOHANN WILHELM VOELKER VND MEIN HAUSFRAUANA CA TARINA GEBORNE WAGNERIN HABEN DIESES HAVS ERBAVT IM JAHR CHRISTI ANNO 1727 DEN V JVNNI
Was auf die heutige Sprache übersetzt heißt:
Ehre sei Gott in der Höhe Friede auf Erden, lass dich Herr Jesu Christ durch mein Gebet bewegen, komm in mein Haus und Herz und bring mir deinen Segen. Ich Johann Wilhelm Völker und meine Hausfrau Anna Katharina geborene Wagner haben dieses Haus erbaut im Jahre Christi Anno 1727 den 5. Juni.
Evang. Kirchengemeinde
✍ Autor(en):
Hans-Gerhard Beier, Pfarrer (2000)
Hans-Gerhard Beier, Pfarrer - bis 2008 (2025)
Das kirchliche Leben heute
Kirchliches Leben in einer Gemeinde hängt von einer Reihe von Faktoren ab, die es zu berücksichtigen gilt. Da sind zunächst die regelmäßigen Veranstaltungen wie Gottesdienste, Gruppen und Kreise und Einrichtungen wie der Kindergarten u.ä. Weiter ist von Bedeutung, ob die Gemeinde Räume hat, in denen das Leben der Gemeinde stattfinden kann. Schließlich spielt es auch eine Rolle, ob sie konfessionsmäßig eine Minderheit oder eine Mehrheit am Ort ist und ob Integration zwischen schon länger hier Wohnenden und Neuzugezogenen stattgefunden hat. Ich beginne mit einer der letzten Bedingungen, dem zahlenmäßigen Verhältnis der Konfessionen. Hier hat sich in den vergangenen Jahren kaum etwas verändert. Etwa 2/3 der Einwohnerschaft gehören der evangelischen Kirche an. Die absolute Zahl der Gemeindeglieder ist aber trotz weiterer Neubaugebiete und trotz Zuzügen leicht gesunken. So gab es in Mensfelden am 31.12.1999: 1.393 Einwohner, davon 929 Evangelische (1976: 992; 1961: 879), 285 Katholische und 179 Sonstige.
Wir feiern in unserer Gemeinde an jedem Wochenende (meist sonntags) und an den kirchlichen Feiertagen Gottesdienst. 14-tägig findet auch Kindergottesdienst für die unter 14-jährigen Kinder statt. Weiterhin treffen sich wöchentlich (im Winter) und monatlich (im Sommer) die älteren (Ev. Frauenhilfe) und monatlich die jüngeren Frauen im Frauenkreis. Sie bereiten auch im regelmäßigen Wechsel mit der katholischen Nachbargemeinde St. Georg Werschau und der evangelischen Kirchengemeinde Nauheim-Neesbach den Weltgebetstag der Frauen am 1. Freitag im März vor und laden dazu ein (Thema 1980: Thailand; Thema 2000: Indonesien ).
Bei der Vorbereitung und Durchführung von Gemeindetreffs sind unsere Frauen tätig - zusammen mit anderen.
Der Konfirmandenunterricht findet für Jugendliche des 8. Schuljahres von August/September bis zum Mai des Folgejahres statt. Seit einigen Jahren besuchen die Mädchen und Jungen des Konfirmandenkurses außerdem kirchliche Einrichtungen innerhalb und außerhalb der Gemeinde.
Zusammen mit den gewählten und berufenen Linterer Gemeindegliedern beraten und gestalten die Mensfelder Kirchenvorstandsmitglieder das Gemeindeleben mit. Etwa alle 4 Wochen findet eine Sitzung statt.
Der Kindergarten ist die diakonische und sozialpädagogische Einrichtung der Kirchengemeinde. Zur Zeit arbeiten in dem 1995 neu bezogenen Gebäude Am Kuhweg 2 6 Erzieherinnen und 1 Praktikantin. Einen evangelischen Kindergarten gab es in Mensfelden bereits seit April 1947, damals noch in Räumen der Mensfelder Volksschule, seit 1960 im kurz vorher gekauften evangelischen Gemeindehaus (Kirchstraße 1, ehemals bäuerliches Anwesen Hohlwein Kircheweils). Am Anfang war der Kindergarten übrigens nur von Frühjahr bis Herbst geöffnet.
Kirchliche Jugendgruppen gab es bis zur Mitte der achtziger Jahre. Das Programm war geprägt durch Disco- und Filmabende, Diskussionsrunden und Wanderungen. Das Interesse an der Verantwortung für Programmgestaltung nahm aber im Laufe der Zeit ab.
Last not least ist als jüngste selbständige Gruppe der Spielkreis von Müttern mit Kindern unter 3 Jahren zu erwähnen. Sie kommen seit einiger Zeit im evangelischen Gemeindehaus einmal wöchentlich zusammen.
Alle neuzugezogenen Gemeindeglieder werden mit einem Brief begrüßt. Ein Gemeindebrief erscheint seit Dezember 1995 fünfmal jährlich und wird in alle evangelischen Haushalte verteilt.
Veränderungen und Erneuerungen
Da unsere kirchlichen Gebäude (Kirche, Gemeindehaus, Pfarrhaus) schon älter sind, waren auch immer wieder Renovierungsarbeiten notwendig. So wurde unsere alte Kirche in den Jahren 1976 - 1977 von Grund auf renoviert und restauriert. Alte Malereien wurden wieder ans Licht gebracht und vorsichtig ausgebessert. Die Einweihung war am Sonntag, den 11.12.1977.
Den Platz vor der Kirche mit den beiden Linden konnten wir im Jahre 1979 (6.11.) von der Gemeinde Hünfelden zusammen mit der Pfarrhaustreppe kaufen. Der Platz und der Weg durch das Pfarrgrundstück wurden neu gepflastert und angelegt. Im Jahre 1986 ließen wir die schadhafte teilweise 80 Jahre alte Dacheindeckung des Kirchturms erneuern. Die jetzigen Zifferblätter wurden nach Vorlage der 1947 angebrachten neu gefertigt, dazu der Turmhahn. Turmkreuz und Turmkugel restauriert. Vorher hatte der Kirchturm bereits einen Betonanker (Betonplatte mit Mauerwerkshalterungen) unterhalb des Glockenstuhls erhalten. Dieser wurde neu aufgebaut, die durch Handbetrieb laufende Uhr wurde durch eine elektrisch betriebene ersetzt (1978).
Seit dieser Zeit ist unsere alte Mensfelder Kirche immer wieder ein beliebter Ort für kirchliche Trauungen und die weihnachtlichen Konzerte von Ortsvereinen.
Ausgehend von 1990 war sie auch Mittelpunkt des regelmäßigen Dorffestes, besonders aus Anlass der 1225 Jahr-Feier des Ortes Mensfelden im Jahre 2000. Zum 800-jährigen Jubiläum im Jahr 2004 gab der Vorstand einen kleinen Kirchenführer heraus. Am 21.07.2007 war die Kirche im Rahmen der dekanatsweiten „Nacht der Kirchen“ bis 24 Uhr geöffnet.
Das evangelische Gemeindehaus beherbergte bis zum 16.12.1994 in 7 von 8 Räumen den Kindergarten, so dass für die anderen Gruppen kaum Platz blieb. Anfang 1997 fasste der Kirchenvorstand nun den Beschluss, das Gemeindehaus von Grund auf zu renovieren und umzubauen. Für Gemeinde- und Ortsfeste sollte ein neuer Haupteingang vom Kirchplatz aus geschaffen werden.
Die Arbeiten begannen im April 1999. Seitdem steht das Haus den Gruppen der Gemeinde - dem Kindergottesdienst, dem Konfirmandenunterricht, den zwei Frauenkreisen, dem Kirchenvorstand - auch dem zivilgemeindlichen Seniorenkreis und der Krabbelgruppe junger Eltern sowie für Gemeindefeste mit Ausstellungen zur Verfügung.
Wir hoffen, mit all unseren Anstrengungen die Basis für eine weitere lebendige Gemeindearbeit geschaffen zu haben. Wir verstehen dies als einen Beitrag dazu, dass unsere „Kirche im Dorf bleibt“, wo sie ja schon seit über 800 Jahren Mittelpunkt ist.
Zu danken haben wir in diesem Zusammenhang der Kirchenverwaltung der EKHN, die durch einen großzügigen Zuschuss die Grundlage für dieses Projekt schuf, in das von unserer Seite Rücklagen, Haushaltsmittel, Spenden von Gemeindegliedern und Eigenarbeit mit einfließen. Wir hoffen, mit all unseren Anstrengungen die Basis für eine weitere lebendige Gemeindearbeit geschaffen zu haben. Wir verstehen dies als einen Beitrag dazu, dass unsere Kirche im Dorf bleibt, wo sie ja schon seit über 800 Jahren Mittelpunkt ist.
Wichtige Personen
Mitglieder des Kirchenvorstandes 1975 - 2021
Arnold, Walter (1961-1985), Beer, Gisela (1979-1992), Crecelius, Bernhard (1973-1991), Crecelius, Christel (1985-1991), Csernovsky, Karin (2009 - 2021), Deußer, Herbert (1973-2003), Diefenbach, Werner (1967-1979), Dietrich, Helga (1991-2003), Frickhöfer, Walter (1967-1979), Frömel, Gabriele (1998-2009), Hasselbach, Werner (1973-1985), Heckelmann, Dieter (1992-2015), Heckelmann, Willi (1955-1979), Hohlwein, Manfred (1979 -1991), Schmidt, Rainer (1991- 2015), Schmidt, Werner (1991-1997), Schuchmann, Lilo (2009-2016), Schumann, Heike (2015-2021), Schumann, Ilona (2003-2011), Schumann, Irmi (1979-1991), Schwenk, Hiltrud (1991- 2003), Streb, Robert (2003-2009).
Leiterinnen des evang. Kindergartens Mensfelden
Schlechter, Amalie (1973-1975), Rücker, Inge (1975-1976), Zimmermann, Ulrike (1976), Mons, Gudrun (1976-1980), Sapel, Margita (1980), Steil, Angret (1980- 1985), Freise, Jutta (1985-1986), Weyrauch, Martina (1986-1988), Steil, Angret (1988-1991), Scheib, Andrea (1991-1993), Trimpler, Birgit (1993-2010), Zemla, Anja (2010-2011), Steil, Angret (2011-2012), Hartmann, Karin (seit 01.04.2012)
Pastoren und Pfarrer zu Mensfelden
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
NN 1321; Heinrich von Helfenstein 1332, 1342 - 1362
Johann Berwich von Montabaur 1387 - 1399
Heinrich Krahe aus Hahnstätten 1343 - 1458
Heinrich von Bergen gen. Kesseler, zugleich Landesdekan 1478 gestorben vor 1510; NN 1510 - 1512?
Matthias Keßel 1507, 1521, 26
Jakob Königstein aus Diez 1529
Peter Erlenbach nach 1530 - zu seinem Tode
Johannes Rücker um 1540 - 1552
Johannes Werner aus Niederbrechen 1553 - zu seinem Tode kurz vor 29. 3.1602
Justus oder Jodocus Krecelius aus Gemünden 1602 - bis zu seinem Tode kurz vor dem 20. 4. 1616
Christian Crecelius aus Gemünden (Bruder des Vorgängers) 1616 bis zu seinem Tod, begraben am 8. 7.1635
Petrus Krecelius aus Nauheim, Sohn des Vorgängers, designiert, gestorben 14 Tage nach dem Vater vor 3.8.1635
Johann Jacob Koch aus Garbenheim (Schwiegersohn des Christian Crecelius) 1635 - 1640, musste wegen Krieg und Hunger weichen
Johann Balthasar Strohm aus Ottweiler 1640 bis zu seinem Tod 1690
Philipp Simon Strohm aus Mensfelden (Sohn des Vorgängers) seit 1683 Adjunkt (Amtsgehilfe), 1686 bis zu seinem Tod 1. 10. 1700
M. Johann Philipp Zippelius aus Bärstadt 1702, gestorben am 8.1.1705
Johann Philipp Kreppel aus Kirberg 1705 bis zu seinem Tod am 22.8.1727
Johann Balthasar Kleinschmidt aus Kloppenheim 1727 - bis zu seinem Tod am 10.6.1782
Heinrich Wilhelm Anthon Genth aus Kirberg 1783 - bis zu seinem Tod am 2t. 3. 1784
Jakob Ludwig Koch aus Dausenau 1784 - bis zu seinem Tod am 17.7. 1810
Johann Ludwig Wilhelm Theodor Melior aus Gedern 1811 - bis zu seinem Tod am 4. 2. 1838 (3)
Pfarrer Spieß von 1838 - 1865
1866 und 1867 übernehmen die Pfarr-Vikaren Theodor Westerburg, Wilhelm Krücke, Caplan Hain und Lachmann, hier die Pfarrverwaltung
Im Jahre 1869 wurde Pfarrer M. Schellenberg von Niedermeilingen nach hier versetzt, bis 1884, wo er starb.
Nach dessen Tod 1884, übernahm in kurzer Verwaltung vom 1. Nov 1884 bis 15. Februar 1885 Pfarrer Ohly von Heringen die Amtsgeschäfte
Durch Pfarrwahl am 15. Februar 1885, wurde Pfarrer Karl Albert gewählt, welcher durch Erkrankung am 30. März 1903 in Pension ging.
Am 1. April 1903, wurde Pfarrer Wilhelm Böckel die hiesige Pfarrstelle übergeben, welcher bis 1925 im Amt blieb.
Im März 1926 wurde Pfarrer Karl Becker die hiesige Pfarrstelle übertragen, welcher bis zu seinem Tode 1946, sein Amt versah.
1946 übernahm dann Pfarrer Hans Debusmann bis Juni 1964 die hiesige Pfarrstelle
Von 1964 bis 1969 hat Pfarrer Günter Volk die Pfarrstelle betreut.
Von 1969 - 1970 war die Pfarrstelle verwaist, d. h., die Amtsgeschäfte und Gottesdienste wurden in Vertretung von Dekan Wilhelm Schauß aus Nauheim wahrgenommen.
Von 1970 - 1975 wurde dann die Pfarrstelle (Mensfelden/Linter) von Pfarrer Horst Steberl übernommen.
Von 1975 - 2008 war Hans Gerhard Beier (Frankfurt) Pfarrer in Mensfelden und Linter.
Von 2009 - 2024 hatte Pfarrer Markus Pfeiffer (Limburg) die Pfarrstelle inne.
Von 2025 an übernahm Pfarrerin Sarah-Marie Fröhlich aus Hofheim-Diedenbergen die Pfarrstelle Mensfelden-Linter.
VIII. Vereine
Männergesangverein 1837 und Frauenchor
✍ Autor(en):
Otto Fütterer, 1. Vorsitzender (1975)
Franz Krainer, 1. Vorsitzender (2000/2025)
Die Geschichte des Männergesangvereines 1837 Mensfelden
Es war im Jahr 1837. Da fanden sich sangesfrohe Manner in unserem Dorf zusammen, um in Gemeinschaft miteinander zu singen. Nach wirtschaftlichen und politisch schwierigen Zeiten stand die Obrigkeit Vereinsgründungen sehr kritisch gegenüber.
Als Mitbegründer des Vereins sind namentlich Karl Schumann und der damalige Lehrer Konrad bekannt. Damals schrieb jeder Sänger den Liedertext selbst auf, denn kopieren konnte man leider noch nicht. Da die meisten Sänger auch keine Noten lesen konnten, wurden in den Liederbüchern die Noten durch Zahlen ersetzt. Das erste Liederbuch von Karl Schumann ist noch vorhanden.
Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Feier zum 50-jährigen Bestehen im Juni 1887. Die Festtage, die mit einer Fahnenweihe verbunden waren, wurden mit Böllerschüssen eröffnet und mit einem Volksfest beendet.
1920 nahm der MGV am Bundessingen in Niederzeuzheim teil. Mit Pferdegespannen wurde zum Fest gefahren.
1911 wurde an einem Wettstreit in Langenschwalbach (heute Bad Schwalbach) an zwei Tagen teilgenommen. Folglich mussten die Sänger zweimal den langen Weg hin und zurück fahren. Doch die Doppelfahrt hatte sich gelohnt. In der Klasse C gewann der Verein den 1. Klassenpreis, den 1. Ehrenpreis und den Dirigentenpreis.
Das Vereinsleben nach dem 1. Weltkrieg
Nach dem 1. Weltkrieg kehrten viele Sänger nicht mehr nach Hause zurück. Doch trotz der großen Verluste wurde nach 1918 das Vereinsleben wieder in Schwung gebracht. Wahrend der Inflationszeit war viel Geld in der Kasse. Als Monatsbeitrag mussten die Sänger 1000 Mark aufbringen. Aber das Geld war nach kurzer Zeit nichts mehr wert.
Das Fest zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1937 war ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Dem Verein wurde die „Zelterplakette“ fur die Pflege und Würdigung des deutschen Liedgutes durch den damaligen Bundesvorsitzenden Hollinghaus, verliehen. Die Chorleitung hatte Ferdinand Dernbach jr.
Während des 2. Weltkrieges ruhte das Vereinsleben, das aber nach den schweren Jahren 1946 unter dem Vorsitz von Wilhelm Lieber und dem Dirigenten Theo Horz wieder aktiv wurde. Die Sängerzahl stieg auf einen Stand, der vorher nie erreicht wurde. 1950 übernahm der Chorleiter Georg Newrzella die Leitung des Chores. Bei einem Gesangswettstreit in Langgöns wurde in der 1. Landesklasse der 1. Klassenpreis, der 1. Ehrenpreis und der 1. Dirigentenpreis gewonnen.
1962 feierte der MGV sein 125-jahriges Bestehen. Bei herrlichem Wetter und groBer Beteiligung der Bevölkerung, sowie vieler befreundeter Vereine wurde das Jubilaum gebührend gefeiert. Chorleiter war Willi Kremer.
Der Verein wird zum Männergesangverein 1837 und Frauenchor
1984 hatte sich dem MGV ein Frauenchor angeschlossen, um auch Frauen Gelegenheit zum gemeinsamen Singen zu geben. Seit dem treten die Sängerinnen und Sänger als Männerchor, Frauenchor und als Gemischter Chor auf.
Wegen schlechten Zustand der alten Vereinsfahne wurde diese im Jahr 1991 durch Spenden restauriert. Der „Händelchor“ aus Parchim bei Schwerin, war während des Chorfestivals 1993 in Lindenholzhausen bei unseren Mitgliedern untergebracht. Ein Jahr später besuchten wir den Chor in Parchim und waren anschließend in Berlin-Kreuzberg zu Gast.
Das 1. Weinfest wurde im Jahr 1995 im Hof des alten Rathauses abgehalten und die 1. Weinfestkönigin war Bettina Fischer. Mit einem festlichen Konzert feierte der MGV das 160. Vereins-Jubiläum. Die Einweihung des Vereinsheim vom Gesangverein wurde 1998 vom Bürgermeister Stauf vorgenommen. Der Frauenchor konnte 1999 mit einem Konzert sein 15. Jähriges Bestehen feiern. Der Kauf eines E-Pianos wurde im Jahr 2000 durch Spenden mitfinanziert. Wegen Schließung des Proberaumes bei Faust, hielten wir die Gesangstunden ab 2002 im alten Rathaus ab. Eine Konzertreise nach Berlin-Kreuzberg wurde 2005 durchgeführt. Das Adventssingen begann im Dezember 2005 in der TuS-Halle und wurde in den darauf folgenden Jahren in der Evangelischen Kirche abgehalten.
Das 175 jährige MGV-Jubiläum fand mit einem Konzert 2007 stand. Eine Vereins-Fahrt zur Mosel und das 25 jährige Frauenchor-Jubiläum wurden 2009 durchgeführt. Mit dem Umzug in die Erich-Valeske-Halle bekamen wir 2011 einen schönen und großen Übungsraum und konnten 2012 ein Jubiläums-Konzert, 175 Jahre MGV, abhalten. Mit einem Doppel-Jubiläum in 2014 feierten wir 30 Jahre Frauenchor und 25 Jahre Chorleiter Josef Schmitt. Eine Vereinsfahrt zur Landesgartenschau Landau mit anschließenden Weingutbesuch konnten wir 2015 durchführen. Mit einem Festkonzert in 2017 wurde 180 Jahre MGV gefeiert und wir hatten 2019 wieder ein Doppeljubiläum 35 Jahre Frauenchor und 30 Jahre Josef Schmitt. Das 25. Weinfest wurde letztmalig veranstaltet.
Nach über 31 Jahre Chorleitung wurde Herr Josef Schmitt, Ende Dezember 2019 dankend in den Ruhestand verabschiedet. Er legte viel Wert auf Stimmbildung und gute Aussprache. Ab März 2020 übernahm Herr Sebastian Roth, aus Bad Camberg, die Chorleitung. Doch während der Corona-Pandemie mussten wir leider über ein Jahr die Gesangstunden einstellen, bis es Ende 2022 wieder zu Chorproben kam. Die ersten Auftritte hatten wir zum Adventssingen in der Ev. Kirche und beim Mensfeldener Dorffest. Im Jahr 2024 hatte der Frauenchor sein 40 jähriges Jubiläum. Mit einem festlichen Gottesdienst und anschließenden Umtrunk im Gemeindehof wurde mit dem Frauenchor aus Walsdorf gefeiert. Wir blicken voller Stolz, Freude und Dankbarkeit auf die zurückliegenden Jahre.
Spar- und Darlehenskasse
✍ Autor(en):
Wilhelm Reh, 1. Vorsitzender (1975)
Reinhard Schwenk, Mitarbeiter (2000)
Gründung der Spar- und Darlehenskasse Mensfelden
Die Spar- und Darlehenskasse Mensfelden wurde am 21. November 1880 ins Leben gerufen.
Das erste Protokoll beginnt: Anwesend mehrere hiesige Einwohner. Tagesordnung: Die Gründung eines Darlehenskassenvereines für den Umfang der hiesigen Gemeinde. Nachdem in zwei vorhergehenden Versammlungen die Vorteile eines derartigen Vereins, sowie die Bedingungen zur Errichtung und Gedeihen eines solchen klar dargelegt worden waren, beriet die Versammlung unter dem Vorsitz von Georg Hatzmann die Satzung und stellte dieselbe fest, auf deren Grundlage der Verein errichtet werden soll.
Anlass für die Gründung eines solchen Vereines war die wirtschaftliche Notlage der Landbevölkerung, besonders durch die hohen Zinsforderungen der Geldgeber. Wie das Protokoll weiter berichtet, wurden Georg Hatzmann zum Vorsitzenden und Philipp Christian Lieber als Rendant gewählt.
Lieber versah dieses Amt bis zu seinem Tode am 12. Mai 1891; sein Nachfolger Karl Wilhelm Weil, wurde am 27. Mai gewählt. Wie noch lückenlos vorhandene Protokolle und Bilanzen beweisen, gab es auch damals genügend Sorgen den Geschäftsbetrieb betreffend. Am 22. Mai 1900 wurde August Schumann II. zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Bereits nach zwei Jahren, am 23. März 1902, übernimmt er den Vorsitz, den er bis 1945 innehatte, da Georg Hatzmann zu seinem Sohn nach Niederneisen zog.
Von 1906 bis 1936 war Karl August Lieber als Rechner tätig. 1914 zählte die Genossenschaft bereits 163 Mitglieder; die Bilanzsumme betrug 210.000 DM. Das Warengeschäft spielte eine untergeordnete Rolle. Krieg und Inflation brachten einen Rückschlag, der bis 1939 noch nicht ganz überwunden war. Nach Karl August Lieber übernimmt Karl Deußer, der im zweiten Weltkrieg fiel, das Rechneramt. Deußers Nachfolger wurde Wilhelm Schwenk. Nach dem zweiten Weltkrieg kam der Geschäftsbetrieb fast ganz zum Erliegen. 1948 übernahm Wilhelm Lieber II., der schon seit langen Jahren Gemeinderechner war, den Posten des Vorsitzenden; 1955 war er gleichzeitig als Rechner tätig. Das lange vernachlässigte Warengeschäft half nach der Währungsreform der Genossenschaft wieder auf die Beine. Mit Wilhelm Lenz als Geschäftsführer begann am 1. Januar 1956 der Umsatz sich zu vergrößern. Als seine privaten Wirtschaftsgebäude als Lagerraum nicht mehr ausreichten, wurden bei Karl Schwenk leere Ställe gemietet. In der Generalversammlung 1960 wurde der Vorschlag zum Bau eines Lager- und Bürogebäudes gemacht. Im Herbst 1962 wurde das Lager, im Frühjahr 1963 das Büro bezogen. 1967 bauten die Genossenschaften von Mensfelden, Heringen und Nauheim in Nauheim eine Anlage zur Getreideabnahme. 115 Mitglieder zählte die Genossenschaft 1968; die Bilanzsumme betrug 890.000,-- DM; der Gesamtumsatz betrug 6.600.000,-- DM, davon entfielen auf den Warenumsatz 780.000,-- DM. Ein Rechnerwechsel in Heringen am 1. September 1968 führte zum Zusammenschluss der Genossenschaften von Mensfelden und Heringen. Durch den ständig wachsenden Waren- und Zahlungsverkehr wurde 1973 Wilhelm Reh, seit 1952 im Vorstand und seit 1957 Vorstandsvorsitzender, als dritte Arbeitskraft eingestellt. Am 10. Mai 1974 beschloss die Generalversammlung die Verschmelzung der Spar- und Darlehenskasse Mensfelden-Heringen mit der Spar- und Darlehenskasse Nauheim-Werschau (Werschau hatte sich bereits 1970 mit Nauheim zusammengeschlossen).
Die Bilanzsumme der nun zusammengeschlossenen Genossenschaften betrug am 31. Dezember 1973 4,6 Millionen, der Gesamtumsatz 45 Millionen und der Warenumsatz 2,6 Millionen; 350 Mitglieder gehörten zur Genossenschaft.
In Nauheim wurde bereits 1958 ein Lager- und Bürogebäude errichtet. Das Getreidelager, 1967 gebaut, wurde 1972 durch zwei Außenzellen auf eine Lagerkapazität von 820 t erweitert und ein Lagerbehälter von 50 m für Heizöl angeschafft.
Im Laufe des 94jährigen Bestehens halfen viele als ehrenamtliche Mitglieder zum Wohle aller.
In den letzten 12 Jahren konnten 7 Mitglieder für 50jährige Mitgliedschaft geehrt werden. Das ist der Beweis für das Zusammenhalten aller für alle. Im Sinne Wilhelm Raiffeisens sind wir verpflichtet, sein Werk auch weiterhin zu pflegen und zu fördern.
Die Mensfelder Spar- und Darlehenskasse ab 1972
Im Jahre 1980 feierte die Spar- und Darlehenskasse Mensfelden ihr 100-jähriges Bestehen.
In einem Festakt am 21. November wurde in der TuS Halle daran gedacht. Der damalige Genossenschaftspräsident, Richard Westernacher, hielt die Festrede.
1987 wurde die Spar- und Darlehenskasse mit der Raiffeisenbank Hünfelden verschmolzen. Mit dem Hauptsitz in Dauborn gab es die Zweigstellen in Kirberg, Mensfelden, Nauheim und Heringen, jeweils mit Bank und Warenlager.
Aufgrund der Novellierung des Kreditwesengesetzes und der damit verbundenen Änderung der Kreditvergaberichtlinien wurde im Dezember 1991 von der Generalversammlung die Fusion mit der Volksbank »Goldener Grund« in Bad Camberg beschlossen.
Das Warengeschäft wurde im Jahre 1993 aufgegeben und auf die Zweigstelle in Nauheim übertragen. Im gleichen Jahr erfolgte der Umzug der Bank in neu gestaltete Räumlichkeiten in der Unterstraße
Turn- und Sportverein 1894
✍ Autor(en):
Volker Dietrich (2025)
Der Turn- und Sportverein Mensfelden hat im Jubiläumsjahr 2025 914 Mitglieder. Wenn wir zunächst alleine diese Zahl betrachten, ist unser Vereinsleben mit seinem vielfältigen Angebot im Bereich des Breitensports wohl ziemlich attraktiv. Etwa ein Drittel unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. Und auffällig ist auch, dass etwa ein Drittel unserer Mitglieder außerhalb von Mensfelden wohnen. Damit ist der TuS Mensfelden also nicht mehr nur ein Sportverein von Mensfelden allein sondern auch der Region um Mensfelden herum.
Gründung und frühen Jahre
Als 1807 Friedrich Ludwig Jahn (vielbeachteter Pädagoge und Politiker aus Preußen) die Turnbewegung, mit dem Ziel die männliche Deutsche Jugend auf den Kampf gegen Napoleon vorzubereiten, ausrief und 1811 den ersten Turnplatz in Berlin auf der Hasenheide mit bisher unbekannten Geräten, wie Reck und Barren einrichtete und auch erstmals vom Turnen sprach, da ahnte in Mensfelden noch niemand, dass dieser Trend auch einmal unser Dorf erreichen würde. Doch es passierte dann 1894 mit der Gründung des Turnvereins Mensfelden. Unsere Turner bilden somit die älteste Abteilung. Damals trafen sich die jungen Männer regelmäßig zu turnerischen Übungen und maßen ihre Kräfte zunächst im natürlichen Gelände. Schon im Gründungsjahr kauften sie für 89 Mark ein Reck, das man im Freien am Rande des Dorfes, dort wo die Schulkinder spielten, aufbaute.
Für unser Mensfelden und unseren Verein ergab sich zwei Jahre später eine ganz besondere Ehre und ein großer Vertrauensbeweis : Am 10. Mai 1896 richtete der Turngau „Aargau“ sein erstes volkstümliches Turnfest (Bergturnfest) auf dem Mensfelder Kopf aus. Der Mensfelder Kopf war an diesem Tag mit großer Sicherheit ein Anziehungsmagnet für Turner und Gäste aus der ganzen Region. Seine Anziehungskraft hat bis heute Bestand!
Aus den ersten 25 Jahren ist uns vom direkten Turngeschehen nichts Genaues überliefert. Doch die Aktivitäten sind rege und vielfältig gewesen und prägten an vielen Tagen im Jahr das Dorfleben und die Dorfgemeinschaft. Die älteste uns erhaltene Urkunde ist vom 07. Juli 1907 beim 12. Gauturnfest des Aargaues in Runkel, wo beim Vereinsturnen 17 junge Männer aus dem Kreis sich am Pferd einen Wettkampf lieferten und wo der Turnverein 1894 Mensfelden ebenfalls vertreten war.
Seit 1920 sind uns dann etliche Urkunden, Diplome, Ehrenkränze, Turnerpässe und viele Bilder erhalten, so dass das Turnerleben etwas nachvollzogen werden kann: Es gab eine Schülerturngruppe – denn Wilhelm Lieber (Fahlerstraße – Vater von Gisela Lieber) errang 1921 beim Schülerturnen / Oberstufe in Birlenbach beim Wettturnen des Aargaues von 221 Wettkämpfern den vierten Platz.
Der langjährige Turnwart Karl Schwenk „Weils-Patt“ war ebenfalls eine feste Größe im Verein. Am 14. August 1921 nahm er selbst am Felgbergturnen teil. Im Vierkampf bestehend aus Laufen über 100 m, Weitspringen, Kugelstoßen und einer Pflichtfreiübung wurde unter den 996 Mitbewerbern 26. Sieger. Fortan stand er als Turnwart des Vereins viele Jahre der Turnabteilung vor.
Die Theatergruppe
Zu den ältesten Abteilungen des damals noch jungen Turnvereins gehörte eine Theatergruppe. Vom ältesten bekannten Stück, „Kabale und Liebe“, welches 1905 im Saal des Gastwirts Wilhelm Klapper aufgeführt wurde existieren noch ein Ankündigungsplakat und ein Gruppenfoto. Das Theaterspiel fand in den Wintermonaten statt und war eine willkommene Abwechslung vom arbeitsreichen Alltag der damals bäuerlichen Bevölkerung.
Von den uns vorliegenden 16 Theaterstücken u.a. Pauline Walter und Minna von Barnhelm, Charly‘s Tante, Im weißen Rössl fanden acht Aufführungen vor dem Weltkrieg statt. Nach Kriegsende wurde bereits 1948/49 „Der Glockenguss zu Breslau“ Regie: W. Stückrath aufgeführt. Mit „Hasso der Rebell“ kam 1958 das letzte Stück auf die Bühne, welches sogar außerhalb Mensfeldens aufgeführt wurde. Das zeitintensive Proben sowie die recht professionellen Aufführungen, die zuletzt in der vereinseigenen Turnhalle stattfanden, haben maßgeblich zur Integration der heimatvertriebenen Neubürger beigetragen.
Neuanfang nach 1945
Während des II. Weltkrieges ruhte das Turnerleben. Nach Kriegsende bemühten sich junge Männer um den Wiederaufbau einer Turnerriege. Das gelang nicht im alten Sinne, obwohl zunächst noch eine gute Turnergruppe bestand. 1946/47 wurden die Mitgliedsanträge im Verein erneuert. Zahlreiche Frauen traten dem Turnverein nun bei und bildeten fortan eine starke Frauenabteilung, welche sich ebenfalls dem Geräteturnen stellte.
Das Festje - Ein Dorfturnfest
Ältere Dorfbewohner erzählen gerne vom Vereinsfest, welches jährlich als kleines Dorfturnfest ausgetragen wurden. Je nach Wetter feierte man das Festje am ersten oder zweiten Sonntag im Juli. Dann wehte eine große weiße Fahne mit Turneremblem an der Turnhalle und auf dem Vorplatz war ein Zelt aufgebaut. Rechts neben – später hinter – der Halle lag die Sprunggrube und darüber stand – bei Bedarf – der Barren und das Reck zum Turnen. Laufstrecken waren in der Remmeltstraße oder der Neustraße (heute Hehnerstraße) abgesteckt. Dort lief man die 100 m von der Kreuzung Remmeltstraße bis zur Alten Schule. Eine 3000m Strecke führte durch das ganze Dorf.
Das Festje war für den Verein, die Dorfbevölkerung und insbesondere für die Kinder eine stets aufregende Sache. Um 8:00 Uhr ging es mit den Laufwettbewerben in den Straßen los. Für die anderen leichtathletischen Disziplinen ging es dann zum Turnplatz, ungefähr in der Größe von 2/3 des heutigen Parkplatzes der Erich-Valeske-Halle. Zahlreiche Kampfrichter und Riegenführer sowie ein Verrechnungs-ausschuss wurden benötigt. Nachmittags war dann stets der Umzug mit dem Spielmannszug und allen Teilnehmer und dann gab es noch Vorführungen und Siegerehrungen auf dem Turnplatz. Das ganze Dorf war unterwegs.
Die Verein nach 1960
Ab den 60er Jahren war auch aus sportpädagogischer Sicht nicht mehr die Spitzenleistung Einzelner wichtig, sondern ein breites Spektrum von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sollten zum freudigen Mittun angeregt werden. Dadurch änderte sich langsam die Struktur in den Vereinen. So auch bei uns. Frauen und Mädchen nahmen verstärkt teil. Der Breitensport, mit Leichtathletik, Gymnastik und allen weiteren Abteilungen, trat mehr in den Vordergrund. Neben dem Breitensport fanden auch individuelle Förderungen statt, soweit sie dem Verein finanziell und den Übungsleitern möglich waren.
Gaukinderturnfest und Kinderturnen
Eine große Aufgabe nahm sich unser Verein 1988 vor, als man im Rahmen des 40-jährigen Bestehens der Frauenabteilung unter der Schirmherrschaft von Doris Meyer zu einer Festwoche aufrief. Auch wurde erstmals das Gaukinderturnfest des Turngau Mittellahn auf dem Meko ausgerichtet. Viele Helfer um die Organisatoren Claus Nilges, Karl Reinhardt und Manfred Crecelius waren notwendig um die insgesamt 1361 teilnehmenden Kinder durch die Wettkämpfe zu führen und im Anschluss durch die Frauen die hungrigen Mäuler zu stopfen. Für den TuS Mensfelden gingen 40 Kinder an den Start, 16 Kinder nahmen für den TV Jahn teil. Zusammen mit den zuschauenden und begleitenden ca. 500 Erwachsenen und unseren Vereinshelfern waren somit ca. 2.000 Menschen an diesem Tag auf dem Meko. Das Ziel, die neu errichtete Sportanlage und den reizvollen Mensfelder Kopf den Gästen nachhaltig in Erinnerung zu bringen, wurde mehr als erfüllt. Auch 1992 wurde das Gaukinderturnfest des Turngau Mittellahn vom TuS Mensfelden ausgerichtet. In 54 Wettbewerben mit 1333 Kinder im Alter bis 12 Jahre herrschte bei schönem Frühsommerwetter den ganzen Tag ein fröhliches Gewusel. Nachmittags traten 336 Kinder in 56 Staffeln zum beliebtesten Wettbewerb des Tages an. Beim Gaukinderturnfest zum 100-jährigen des TuS im Jubiläumsjahr 1994 waren 1000 Kindern aus 37 Vereinen am Start. Der Meko erlebte an diesem Tag eine Rekord-Hitze die dem Gewimmel etwas die Luft und Schnelligkeit nahm und man gerne den Schatten suchte.
Das Kinderturnen zählt zweifellos zu den wichtigsten Angeboten unseres Vereins. Je früher Kinder sich mit viel Freude und Spaß Bewegungsabläufe und Koordination trainieren umso besser. Das Kinderturnen ist damit der Einstieg für viele andere Sportarten, die sich die Kinder später selbst wählen. Nicht immer einfach war und ist es im Verein die Übungsleiter für das Kinderturnen zu finden. Irgendwie muss es mit dem Lehrerberuf, der Dorfstraße und der Liebe zu Verein zusammenhängen, ansonsten ist es nicht zu erklären, dass mit Karl Reinhardt, Holger Schmidt und Christel Crecelius drei Unnergässer-Pädagogen jeweils nahezu 25 Jahre diesen wöchentlichen Übungspart verlässlich im Verein übernahmen.
Turn- und Tanzgruppen
Aus der großen und traditionsreichen Turngruppe haben sich im Laufe der Zeit weitere schöne und interessante Sportgruppen entwickelt. Fast schon selbstverständlich sind heute die verschiedenen Fitness Gruppen, die insbesondere im Seniorenbereich wegen des demographischen Wandels immer mehr an Bedeutung gewinnen. Ergänzt wird dieser Bereich seit einigen Jahren durch unsere Zumba® Gruppe.
Bereits seit 1990 gibt es die Rhythmische Sportgymnastik im TuS. Für diese Sportart wird viel Körperbeherrschung, Rhythmusgefühl, Konzentration und Gleichgewichtsgefühl benötigt und gerade das begeistert heute viele Kinder und Jugendliche, insbesondere Mädchen. Nicht zuletzt aus dieser Übungsgruppe hat sich dann ab 1992 der Showtanz im TuS entwickelt. Zunächst waren es Gruppen wie Incognito, Nataraja und die Crazy Devils, die diese Sportarten etablierten und nicht nur durch Auftritte bei vereinsinternen Veranstaltungen sondern auch bei vielen Wettbewerben für einiges Aufsehen sorgte. Heute wird diese Geschichte durch unsere Tanzgruppen Experience (gemeinsam mit dem TSV Heringen), Sensation und Fairytales in verschiedenen Altersgruppen mit viel Leidenschaft fortgeführt. 2011 kam dann noch das Röhnradturnen hinzu. Neben der notwendigen Athletik begeistert diese Sportart vor allem durch eine beindrucken Eleganz und Leichtigkeit. Auf vielen Vereinsfesten sind Aufführungen unsere Röhnradturnerinnen einer der Höhepunkte.
Fußball
Die weiteren „Traditionssportarten“ im Tus Mensfelden, die bis heute ein wichtiger Bestandteil unseres Vereins sind, sind Fußball und Schießen.
Bereits 1922 gründeten 18 junge Burschen einen Sportverein in Mensfelden, um ihrer Fußballleidenschaft nachzugehen. Da der Fußballsport damals als roh und unsportlich galt, wurden sie im Dorf verächtlich als „Zigarettenbuben“ bezeichnet. Gespielt wurde zunächst auf der „Blumenröder Wiese“ mit improvisierten Toren aus Bohnenstangen und Seilen.
Ab 1927 wurde der neuen Sportplatz am Meko von den Mitgliedern des Sportvereins eigenhändig angelegt. Erste sportliche Erfolge Gaumeisterschaft in Wilsenroth stellten sich in den 1930-er Jahren ein. Am 04.April 1936 fusionierten der Turn- und der Sportverein zum TuS 1894 Mensfelden e.V.. Während des Weltkrieges kam der Sportbetrieb völlig zum Erliegen; der Sportplatz diente als Startbahn für Aufklärungsflieger.
Doch bereits 1946 standen wieder zwei Senioren- und eine Jugendmannschaft am Start. Der damalige Fußballplatz, verlief in Ost-West-Richtung und hatte rund 1,80 m Gefälle. Im provisorischen Vereinsheim gab es weder Toiletten noch fließendes Wasser. Dies konnte erst 1984 durch einen aufwändigen Neubau, inkl. der Neuanlage von zwei Sportplätzen, realisiert werden. In der Saison 19957/58 gelang der 1. Mannschaft der lang ersehnte Aufstieg in die A-Klasse.
Verschiedene Quellen berichten, dass die Jugendarbeit des TuS Mensfelden erst Ende der 1960-er Jahre an Struktur gewann und wettbewerbsfähig wurde. In dieser Zeit spielte auch das Ausnahmetalent Norbert Otto aus Nauheim, der später für die Eintracht aus Frankfurt auflief, im blau-weißen Trikot. Damals konnten in den hiesigen Ortschaften nicht immer alle Jugendmannschaften aus den Jahrgängen gestellt werden. In der Folge wurde unter der Leitung von Manfred Gebhard TuS Neesbach im Juni 1971 eine JSG Hünfelden gegründet, an der sich alle sieben Hünfelder Ortsteile beteiligten. In der Folge konnten mehrere Jugendmannschaften von der E- bis zur A-Jugend an den Rundenspielen teilnehmen. Aus sportrechtlichen Gründen musste sich die JSG ab 1974 aber auf die Ortschaften Heringen, Mensfelden und Neesbach beschränken. Nun übernahmen Karl-Heinz Groh bis 1985 und Kurt Schumacher 1985-2008 die Leitung. Ab Mitte der 1970-er Jahre wurde sogar ein VW-Bus angeschafft, um die Spieler zu den Auswärtsspielen zu fahren. So konnten die Jugendlichen auch an Turnieren teilnehmen, die in Holland oder Ostfriesland stattfanden. Doch insbesondere die internationalen Jugendturniere an Pfingsten ab 1977, die auch auf dem Meko veranstaltet wurden und an denen wiederum Teams aus den Niederlanden, Frankreich und Belgien teilnahmen, waren spektakulär und bleiben unvergessen.
Die Senioren des TuS Mensfelden spielten in den 1970-er bis 1990-er Jahren um den Auf- oder Abstieg in der B-, C- oder A-Liga und fighteten sonntags hart umkämpfte Derbys aus, über die die NLZ/regionale Presse montags ausführlich berichtete. Doch erst seit der Gründung einer Spielgemeinschaft mit dem TSV-Heringen Mai 2005, stellten sich wieder echte sportliche Erfolge ein, sodass in der Saison 2014/15 der ersehnte Wiederaufstieg in die A-Liga gelang. Dem folgte der unmittelbare und sensationelle „Durchmarsch“ in die Spitzengruppe was den direkten Aufstieg als Tabellenzweiter in die Kreisoberliga = KOL; Saison 2015/16 zur Folge hatte. Im nächsten Jahr musste die Mannschaft zwar leider wieder absteigen, doch seit der Saison 2023/24 spielen unsere Senioren wieder in der KOL. Heute finden Meisterschaftsspiele in Heringen und Mensfelden unter hervorragenden sportlichen Rahmenbedingungen statt.
Schießsport
Der Schießsport hat seit den 50ziger Jahren einen festen Platz im TuS Mensfelden. Seit dem wurden mit Luftpistole und Gewehr in Wettkämpfen viele Erfolge erzielt, von den die zahlreiche noch vorhanden Urkunden und Pokale zeugen. Viele unter uns erinnern sich bestimmt noch an den alten Schießstand im dunklen und feuchten Keller der alten Turnhalle. Mit dem Bau den Erich-Valeske-Halle ergab sich dann 2012 die Möglichkeit eines neuen Schießstandes im Multifunktionsraum. Mit viel Engagement und Eigenleistung entwickelten und bauten die Schützen des TuS einen modernen mobilen Schießstand mit hochgenauen elektronischen Zielscheiben und computergestützter Ergebnisauswertung. 2012 war dies absolut wegweisend und ist bis heute der letzte Stand der Technik. Nicht zuletzt diese sportlichen Rahmenbedingungen, verbunden mit öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wie dem jährlichen Jedermann Wettkampf führte zu neuem Schwung in der Abteilung und sportlichen Spitzenresultaten auf Hessenebene bis zu Teilnahmen bei den Deutschen Meisterschaften.
Tennis, Volleyball und Taekwondo
Zu den „jüngeren Sportarten“ gehören Tennis, Volleyball und Taekwondo.
Die Tennisabteilung gründete sich bereits 1980. In den Jahren 1982/83 wurde unter großer Eigenleistung auf einem Grundstück der evangelischen Kirchengemeinde die bis heute bestehende Tennissportanlage errichtet. Seit 1985 bis heute nehmen unsere Tennisspieler/innen regelmäßig an Medenrunden und Meisterschaften teil.
Die Anfänge unserer Volleyballabteilung gehen bis ins Jahr 1978 zurück. Regelmäßig trainiert wird seit 1983. Vorübergehend nahmen unsere Volleyballer auch an Wettkampfrunden teil. Bekannt wurden unsere Volleyballer aber durch die Teilnahme an unzähligen Turnieren und Sportfesten von denen vielen auch gewonnen wurden. Besonders hervorzuheben sind hier Starts bei zahlreichen Deutschen Turnfesten. Weit über unsere Region hinaus bekannt ist unsere Volleyballabteilung aber durch das jährliche Internationale Volleyballturnier auf dem Mensfelder Kopf. 1990 gab es die erste Ausgabe als eintägiges Turnier mit 14 Mannschaften. Bereits 1993 wurde das Turnier mit 36 Mannschaften auf zwei Tage ausgedehnt. Das war der Beginn einer großen Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. In den zurückliegenden 150 Jahren hatten wir auf dem Meko regelmäßig 46 Mannschaften mit ca. 450 Sportlern zu Gast. Aus dieser Geschichte ist eine besonders tiefe Freundschaft zu den Volleyballern unserer Partnergemeinde Le-Thillay entstanden.
In den 60ziger Jahren und dann wieder ab 1980 wurde im TuS auch Tischtennis gespielt. Durch das Engagement von Günther Crecelius als Trainer und auch als Spieler entwickelte sich Abteilung mit bis zu 50 Spielerinnen und Spielern, die regelmäßig an Wettkampfrunden und Turnieren teilnahm. Gerade erst 1996 in die Bezirksklasse aufgestiegen, musste dann aber Spielbetrieb mehr oder weniger abrupt eingestellt werden, weil die meisten der Aktiven aus beruflichen Gründen aus Mensfelden weggezogen waren.
Aber nicht zuletzt dadurch wurde 1997 der Weg für eine gänzlich neue Sportart nach Mensfelden ermöglicht. Die Taekwondo Abteilung gründete sich und hat seit dieser Zeit durchgängig 80 bis 120 aktive Sportler. Diesen Erfolg haben wir maßgeblich Werner Lange zu verdanken, der leider bereits im Jahr 2022 verstorben ist. Durch seinen unermüdlich Einsatz und unterstützt von seiner ganz Familie und vielen Helfer, haben hunderte Kinder und Jugendliche diese Kampfkunst erlernt und perfektioniert. In den ersten 10 Jahren wurde neben dem allgemeinen Breitensport in dieser Sportart auch leistungsorientiert trainiert, was schließlich zu Teilnahmen bei verschiedenen Meisterschaften bis hin zu Weltmeisterschaften führte. Seit etwa 2007 konzentriert man sich verstärkt auf den Breitensport und die Entwicklung von Kinder- und Jugendlichen. Mehrmals im Jahr werden Gürtelprüfungen angeboten, auf den denen sich unsere jungen Sportlerinnen und Sportler beweisen können..
American Football
In den 2010er Jahren gab es auf dem Sportplatz am Meko noch ganz anderes zu erleben. In diesen Jahren gründete sich eine American Football Abteilung im TuS. Diese Sportart, die gerade in Deutschland immer populäre wird, begeistert auch in unsere Region viele Menschen. Unsere American Footballer nahmen von 2015 bis 2018 mehrfach an Wettkampfrunden teil. Die Heimspiele am Meko waren immer wieder spektakulär und zogen viele Zuschauer an. Allerdings war die Durchführung des Trainings- und Wettkampfbetriebes sehr aufwändig und letztlich überstand die Abteilung leider ich die Zeit der CoVid Pandemie in den Jahren 2020 bis 2022 nicht.
Kinder- und Jugendzeltlager
Der absolute Höhepunkt in unserem Vereinsleben ist das jährliche Kinder- und Jugendzeltlager auf dem Mensfelder Kopf in der ersten Ferienwoche. Seit über 55 Jahren werden hier an sieben Tagen bis zu 150 Kinder und Jugendliche von 50 ehrenamtlichen Mitgliedern betreut. Auch heute noch ist ganz besonders die Nachtwanderung ein Höhepunkt. Natürlich wird auch viele Sport getrieben und viele unsere Sportler haben während dieser Woche ihr Sportabzeichen erlangt.
125jähriges Vereinsjubiläum und danach
Das letzte Großereignis war unser 125jähriges Vereinsjubiläum im Jahr 2019. In diesem Jahr gab es zahlreiche Jubiläumsveranstaltungen. Die beiden Höhenpunkte waren das Freundschaftsspiel unserer SG Heringen/Mensfelden gegen die Bundesligamannschaft von Eintracht Frankfurt mit weit über 3000 Gästen auf dem Mensfelder Kopf im März 2019 und der Festkommers in der wunderschön dekorierten Erich-Valeske-Halle mit etwa 300 Gästen im November 2019.
Wie bei einem Sportverein nicht anders zu erwarten, findet unser Vereinsleben also zuerst einmal in unseren Sportabteilungen statt. Traditionell engagieren wir uns vor allem im Breitensport. Und ein ganz spezieller Schwerpunkt liegt bei uns schon immer im Bereich der sportlichen Entwicklung von Kinder und Jugendlichen. Dazu braucht es viele Trainer und Helfer, die mit Spaß und Eifer bei der Sache sind. Die Aus- und Weiterbildung unserer Trainer hat deshalb einen ganz besonderen Stellenwert und wird vom TuS in hohem Maße unterstützt. Oft gelingt es, bereits Jugendliche an eine solche Tätigkeit heranzuführen, in dem der Verein zunächst den Einsatz als Helfer ermöglicht und danach gerne auch die Ausbildungskosten bis hin zu einer Übungsleiterlizenz übernimmt – natürlich verbunden mit der Hoffnung, dass diejenigen sich auch im Erwachsenenalter als Trainer für den Verein zur Verfügung stellen. Jedenfalls ist es keine Überraschung, das Jugendliche und junge Erwachsene durch eine solche Aufgabe sich wertvolle Sozialkompetenz und Teamfähigkeit aneignen und schon früh lernen, wie die Übernahme von Verantwortung für andere und sich selbst funktioniert. Das sind sicherlich unschätzbar wertvolle Social Skills für das zukünftige Berufsleben.
Darüber hinaus ist unser Turn- und Sportverein heute mehr als je zu vor für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Dorf unverzichtbar. Der Verein realisiert auch außerhalb des eigentlich satzungsgemäßen Zweckes eine Plattform für die Kommunikation und die soziale Integration unserer Mitbürger. Das erreichen wir, in dem wir vereinsinterne Veranstaltungen, insbesondere die Kinder- und Jugendfreizeit organisieren und uns aber auch an der Durchführung traditioneller Feste, wie der Kirmes, der Fastnacht oder dem Dorffest beteiligen. Dies alles gewinnt vor dem Hintergrund der veränderten Lebensbedingungen in einem Dorf wie Mensfelden eine ganz besondere Bedeutung. Geschäfte und Gastwirtschaften schließen und Schulen und Arbeitsplätze erfordern ein Pendeln in die umliegenden Zentren, wenn nicht gar bis ins Rhein-Main-Gebiet. Das gleiche gilt für Gesundheitseinrichtungen und Geschäfte für den täglichen Bedarf. Soziale Medien bestimmend zunehmend die zwischenmenschliche Kommunikation, wobei die Haltbarkeitszeit der Informationen immer kürzer wird.
Letztlich ist unser Verein mit seiner Selbstverpflichtung, seiner Rolle und seiner Stellung gar nicht so ungewöhnlich. Wesentlicher Bestandteil der Kulturlandschaft in Deutschland sind eben die gemeinnützigen Vereine. Über 50 Millionen Deutsche sind Mitglieder in einem der über 620.000 Vereine. Die Bruttowertschöpfung beträgt mit 90 Milliarden Euro etwa 4,1 % des Bruttoinlandsproduktes. In den Vereinen engagieren sich 20 bis 30 Millionen Menschen ehrenamtlich. Der Wert der Leistung dieses Engagements liegt bei rund 40 Milliarden Euro! Darunter waren 2021 etwa 87.600 Sportvereine – ein leicht rückläufiger Wert – mit 27 Millionen Mitgliedern. 750.000 Freiwillige engagieren sich in Vorständen und Verbänden und 950.000 als Übungsleiter. Darüber hinaus helfen 6,3 Millionen Menschen regelmäßig bei Veranstaltungen, im Spiel- oder Wettkampfbetrieb. Das sind allesamt große und beindruckende Zahlen und so wird die Vereinsorganisation neben dem Staat und der freien Wirtschaft als der dritte Sektor der Gesellschaft in Deutschland bezeichnet.
Leider haben wir den Eindruck, dass - wie wahrscheinlich in den allermeisten Vereinen – auch im TuS Mensfelden das ehrenamtliche Engagement im sportlichen Bereich und in Vorstandsämtern immer mehr an Attraktivität verliert. Viele gesetzliche Regeln zielen auf hauptamtlich geführte Einrichtungen oder Gewerbebetriebe, aber sie treffen auch ehrenamtlich geführte Vereine: Minijobregelungen, Jugendschutzbestimmungen, Lebensmittelverordnungen, neue Steuerrichtlinien, Datenschutzregelungen und vieles mehr halten uns von dem ab, was wir eigentlich mit unserem TuS erreichen wollen. Menschen müssen heute mobil sein. Termine für das Vereinsleben zu suchen, an denen alle Beteiligten dabei sein können, ist schwieriger geworden. Ein verändertes Freizeitverhalten zwingt Vereine dazu, mit vielen alternativen Angeboten zu konkurrieren. Fitness-Studios und Volkshochschulen kommen den Sportvereinen ins Gehege. Vereinen stehen heute oft in einer Marktsituation. Um attraktiv zu sein, müssen sie mit Veranstaltungen punkten, die immer mehr Geld kosten. Das birgt dann aber ein wirtschaftliches Risiko. Leicht kommt man in eine finanzielle Schieflage, wenn ein aufwändig geplantes Fest verregnet ist. Dabei ist die Finanzsituation aber noch aus anderen Gründen schwierig geworden. Schon alleine aufgrund der demographischen Entwicklung müssen auch wir mit schwindende Mitgliederzahlen rechnen. Zudem gehen öffentliche Förderungen zurück. Der Gemeinde fällt es zunehmend schwer, gemeindeeigene Sportanlagen angemessen zu unterhalten. Zuschüsse werden gekappt, weil Kommunen an den freiwilligen Leistungen sparen (müssen).
Trotz aller Probleme haben wir gegenwärtig in unserem TuS Mensfelden weiter Zulauf. Denn hier können wir uns alle beweisen. Menschen suchen nach geeigneten Möglichkeiten und Orten, um ihre Wünsche zu verwirklichen, ihre Absichten in die Tat umzusetzen und sich beweisen zu können. In der Arbeitswelt unterliegt man oft Zwängen, die man selbst nicht beeinflussen kann. Um zu zeigen, dass man mehr drauf hat und mit Gleichgesinnten etwas anzustoßen, was einem am Herzen liegt - dazu kann unser Turn- und Sportverein den idealen Rahmen bieten. Der Einsatz für andere und sich selbst macht glücklich und lohnt sich. Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sind meist zufriedener und leben länger, das haben wissenschaftliche Studien vielfach belegt. Und gerade in unserem Dorfverein ist es ja offensichtlich, dass im TuS nicht selten Freundschaften, ja sogar Ehen über ein gemeinsames Vereinsleben gestiftet werden. Schließlich erfahren wir in unserem TuS Mensfelden Gemeinschaft und Heimat. Und das gilt nicht nur für uns Mitglieder sondern das bieten wir auch allen anderen Menschen, die in Mensfelden und Umgebung leben.
Obst- und Gartenbauverein
✍ Autor(en):
Wilhelm Nilges, 1. Vorsitzender (1975)
Karl-Heinz Geisel, 1. Vorsitzender (2000)
Gerd Hasselbach (2025)
Obst- und Gartenbauvereins Mensfelden (bis 1982)
Der Verein wurde vermutlich 1898 gegründet. Ein Protokoll von 1938 erwähnt eine Ehrenurkunde für 40-jährige Mitgliedschaft im Landesverein. Initiator war Kreisgärtner Karl Deußer, erster Vorsitzender Lehrer Neuschäfer . Frühere Aktivitäten umfassten Pflanzversuche, Samenerprobung, Obstveredelung und Teilnahme an Ausstellungen (1905–1908).
Die geplante Bepflanzung des Klingerkopfs wurde 1912 aufgegeben; stattdessen wurden die Auerberge mit Obstbäumen bepflanzt.
1912 übernahm Lehrer Bernhard den Vorsitz. Im selben Jahr entstand die Ruheanlage „Kursistenruhe“. Während des Ersten Weltkriegs ruhte die Vereinsarbeit größtenteils.
Am 1. März 1919, nach dem Ende des Krieges, fand dann wieder eine erste Generalversammlung im Gasthaus Neubeck statt, ein Zeichen, dass ein starkes Interesse an dem Verein und seiner Arbeit bestand. Hier das erste Protokoll der Generalversammlung:
„Nachdem der furchtbare Weltkrieg sein, von der ganzen Menschheit heißersehntes, jedoch für uns Deutsche so tragisches Ende genommen, und die ersten Wellen der Revolution verflutet waren, tagt zum ersten Mal wieder unsere Generalversammlung bei Herrn Gastwirt Neubeck. Zu Beginn der Versammlung ergreift der Baumwärter Karl Kees das Wort, indem er besonders unseres ehemaligen Vorsitzenden Lehrer Bernhard gedenkt, der aus der Blüte seiner Jahre herausgerissen, sein Leben auf dem Schlachtfeld lassen musste. Sein hohes Verdienst anerkennend, ehrt die Versammlung das Andenken des Gefallenen durch Erheben von den Sitzen. Desgleichen geschieht zum Andenken des Gefallenen Wilhelm Lieber. gez. Albert Schumann, Schriftführer“
Im Jahre 1920 übernimmt Lehrer Leukel den Vorsitz. Die Kursistenruhe, die während des Krieges nicht ordentlich gepflegt wurde, wird wieder in Ordnung gebracht. Sie wird eingezäunt. Das Holz stellt die Gemeinde, und der Verein übernimmt alle anderen Kosten.
Die erste Obstausstellung des Kreises in Limburg wurde auch von Mitgliedern des Vereins beschickt.
Ab 1929 lieferte der Verein Obst an den Eisenbahnerverein Altenhunden und die Kelterei Ebel in Holzheim. Bis zum Ersten Weltkrieg boten die Märkte in Limburg und Diez gute Absatzmöglichkeiten, Obst war eine wichtige Einnahmequelle. Während des Zweiten Weltkriegs kam die Vereinstätigkeit zum Erliegen. Am 8. Februar 1947 wurde der Verein neu gegründet, der bisherige Vorsitzende blieb im Amt. Gartenbautechniker Deußer trat in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde Gartenbauinspektor Klein.
1960 übernahm Lehrer Wilhelm Nilges den Vorsitz von Lehrer Leuckel. Mit der zweiten Flurbereinigung ging der Obstanbau stark zurück – viele Bäume wurden wegen der Mechanisierung gerodet, heimisches Obst verlor durch Importe an Bedeutung. Trotz allem blieb der Verein gut aufgestellt und zählte weiterhin viele Mitglieder.
Verein für Gartenbau und Umwelt e. V (ab 1982)
Mit dem Rückgang des Obst- und Gartenbaus beschränkten sich die Aktivitäten des Vereins ab den 1970er-Jahren auf Ausflüge. 1975 trat man aus dem Kreisverband aus, 1978 löste sich der Verein auf.
Auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein (seit 1956) engagierte sich unter Pfarrer Debusmann erfolgreich im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. 1962 wurde Mensfelden Kreissieger, 1963 Bezirkssieger. Nach Debusmanns Versetzung 1964 ließ das Engagement nach, und der Verein wurde 1978 aufgelöst. Die gestaltete Grünanlage am „Säuplatz“ wich 1972 einer Bushaltestelle.
Am 12.03.1982 fusionierten beide Vereine zum Verein für Gartenbau und Umwelt e. V. mit Hans Wilfrid Deubner als Vorsitzendem. Trotz des Neuanfangs blieb der Verein wegen geringer Beteiligung weitgehend inaktiv.
Reaktivierung des Vereinslebens (ab 1991)
Mit wachsendem Umweltbewusstsein rückte der Streuobstbau wieder in den Fokus. Alte Sorten, Pflanzenschutz und ökologische Themen bestimmten die Diskussion. Am 10.11.1991 wurde das Vereinsleben reaktiviert, mit dem Ziel, Wissen zu vermitteln und umweltfreundliches Handeln zu fördern.
Im Mittelpunkt standen praktische Arbeiten wie Schnittmaßnahmen, Pflanzenschutz, Dorfverschönerung, Bienen- und Vogelschutz sowie Pflege von Bänken und Anlagen. Besonders engagiert sind Philipp Trapp und Dieter Kees an der Obstanlage „Hinsgraben“, der 1988 vom Jugendclub mit WWF-Unterstützung gepflanzt wurde.
1991 verhinderte eine Bürgerinitiative um den Vorsitzenden Deubner erfolgreich eine Kompostierungsanlage auf dem Steinbruchgelände.
Die Pflege der historischen „Kursistenruhe“ liegt dem Verein besonders am Herzen. Das „Festival der Rosen“ zur BUGA 1992 bleibt unvergessen.
100 Jahre Gartenbauverein – Jubiläum 1998
Zum 100-jährigen Bestehen präsentierte sich der Verein am 3./4. Oktober 1998 mit einer modernen Gartenbau- und Umweltausstellung im „Tiroler Hof“. Gezeigt wurden u. a. neue, resistente Obstsorten der Forschungsanstalt Dresden-Pillnitz. Eine neue Chronik sowie ein Video von Willi Zcaja dokumentieren das Jubiläum.
1999 führte eine Vereinsfahrt zur Bundesgartenschau in Magdeburg und zum Rosengarten Sangerhausen – festgehalten im Video von Willi Schumacher.
Zum 1225-jährigen Dorfjubiläum 2000 plant der Verein die Neugestaltung des „Dreispitzes“ am nördlichen Dorfeingang. Besonderer Dank gilt Irene Weyershäuser, Rudolf Petri, Claus Nilges, Dieter Kees, Reinhard und Ralf Schwenk, Günter Borchert, Geni und Günter Oppel, Werner und Lieselotte Hasselbach, Christhilde Lange, Birgit und Ulrich Schwenk, Leni Narewski und den vielen, nichtgenannten Mensfeldenern, die zunehmend mithelfen, durch Pflege ihrer Gärten und reichen Blumenschmuck ihrer Anwesen unser Dorf und seine Umgebung schöner und freundlichen zu gestalten.
Verein für Gartenbau und Umwelt e. V. (ab dem Jahr 2000)
Von 1982 bis 2011 prägte Hans Deubner als 1. Vorsitzender über fast drei Jahrzehnte hinweg das Vereinsleben. Ihm folgte 2011 Dieter Kees, der den Vorsitz bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 2022 innehatte. Seitdem leitet Franz Krainer, zuvor langjähriger Schriftführer, den Verein mit viel Engagement.
Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit standen und stehen stets Wissen, Naturpflege und Gemeinschaft. Zahlreiche qualifizierte Vorträge bereicherten das Vereinsjahr – von Obst- und Gartenbau über Balkon- und Kübelpflanzen bis hin zu Düngemethoden, neue Pflanzensorten und dem Umgang mit Schädlingen und Krankheiten. Auch praktische Tipps rund ums Gartenjahr gehörten selbstverständlich dazu.
Höhepunkte in der neueren Vereinsgeschichte:
1995–2019: Die jährliche Ausrichtung des beliebten Weinfestes zusammen mit dem Gesangsverein und mit wechselnden Weinköniginnen sowie einer Ausstellung „Rund um den Wein“ – wurde zu einem wahren Besuchermagnet.
2007: Eine große Vereinsfahrt führte Mitglieder und Freunde ins Elsass, an den Kaiserstuhl und an den Bodensee – unvergessliche Erlebnisse inklusive!
Im selben Jahr erhielt Dieter Kees den Landesehrenbrief – eine besondere Auszeichnung für sein ehrenamtliches Engagement für Umwelt und Naturschutz.
Weitere Highlights (Auswahl): Regelmäßige Besuche des Rosengartens Hadamar, der Landesgartenschauen in Gießen und Bad Schwalbach, der Bundesgartenschau in Mannheim und Koblenz sowie der farbenfrohe Blumencorso in Bad Ems oder die Besichtigung der Kelterei Heil, Besuche des Schafstalles von Birgit und Ulrich Schwenk zum Saisonstart
Auch die Geselligkeit kam nie zu kurz:
Apfelsaft pressen mit den Landfrauen, das Kreppelkaffee mit dem Gesangsverein, die jährlichen Sommerfeste bei Margot Weidemann und die gemütlichen Jahresabschlussfeiern gehören fest zur Tradition des Vereins.
Einsatz für Umwelt und Landschaft
Ein besonderes Augenmerk gilt dem Mensfeldener Kopf, einem wertvollen Naturschutzgebiet, das zunehmend unter Vandalismus leidet. Dieter Kees engagierte sich als Schutzgebietsbetreuer und NABU-Ortsbeauftragter unermüdlich für dessen Erhalt. Unterstützt wurde er dabei von Philipp Trapp und Ulrich Schwenk, der mit der gezielten Beweidung durch Ziegen und Schafe einen entscheidenden Beitrag zum Schutz des Heidekrauts und der Kulturlandschaft leistete.
Neue Impulse in den letzten Jahren
Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 bis 2022 entwickelte sich der Verein kontinuierlich weiter:
2023 wurden auf dem Gelände der Baumschule Schumann die ersten zehn Saisongärten eingerichtet. Auf jeweils 40 m² sind verschiedene Gemüsesorten wie Wirsing, Kohlrabi, Kartoffeln und Mangold fertig angebaut. Die Nutzer übernehmen die Parzellen und müssen fortan wässern, Unkrautjäten, ernten. Gartenwerkzeuge und Brunnenwasser ist zur freien Verfügung. Im dritten Jahr (2025) sind wieder 12 Gärtnerinnen und Gärtner aktiv dabei.
Der Verein beteiligte sich an der Brillen-Sammelaktion für notleidende Menschen sowie an der Briefmarkenaktion für Bethel, bei der über 1.000 Marken gesammelt wurden.
Der Besuch beim Gläsernen GLOBUS in Limburg, eine Spende von 800 € für eine Sitzgruppe an der Bushaltestelle „Säuplatz“ sowie Unterstützung der Aufwertung der „Schönen Aussicht“ unterstreichen den Einsatz für Lebensqualität und Naherholung in der Region.
2024 zählt der Verein 46 Mitglieder. Ein Baumschnittkurs und die Übernahme der Pflege von Obstbäumen an der Lasterstraße runden das vielfältige Jahresprogramm ab.
Ein Generationswechsel steht bevor
Zum 31. Dezember 2025 wird sich der aktuelle Vorstand – Franz Krainer (1. Vorsitzender), Willi Schumacher (Schriftführer) und Annelore Kablitz (Kassiererin) – aus ihren Ämtern zurückziehen. Damit steht dem Verein ein Umbruch bevor, bietet aber auch Raum für frischen Wind, neue Ideen und die nächste Generation an engagierten Naturfreundinnen und -freunden. Schau´n wir mal!
Freiwillige Feuerwehr
✍ Autor(en):
Willi Heckelmann, Schriftführer (1975)
Frank Seel, 1. Vorsitzende (2000)
Jörg Schumann, Wehrführer (2025)
Gründung der Freiwillige Feuerwehr Mensfelden
Unsere Freiwillige Feuerwehr wurde im Jahre 1935 gegründet, bis dahin hatten wir eine Pflichtfeuerwehr. Erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr war Wilhelm Schwindt. Mit dem Gründungsjahr erhielt auch die Gemeinde ihre erste Motorspritze, eine Flader, mit einer 400 Ltr. Leistung pro Minute, bis dahin mussten mit der Handfeuerspritze die Brände bekämpft werden. In den Kriegsjahren 1939 - 1945 kam eine weitere Motorspritze Flader mit einer Leistung von 800 Ltr. hinzu. Nach dem 2. Weltkrieg formierte sich auch bei uns wieder der Fortbestand der Wehr, unter der Leitung von Willi Euler als Ortsbrandmeister. Er führte dieses Amt über 25 Jahre aus. Seine Tätigkeit wurde leider durch seinen frühen Tod am 04.11.1972 unterbrochen. Als sein Nachfolger wurde Albert Scheid gewählt, der jetzt Wehrführer ist.
Durch die Großgemeinde Hünfelden, in der seit 1971 auch Mensfelden mit angeschlossen ist, gibt es nur noch einen Ortsbrandmeister. Die einzelnen Wehren bleiben jedoch wie bisher in ihren Gemeinden bestehen.
Im Jahre 1958 gab es für die Wehr Mensfelden eine neue Bachertmotorspritze, luftgekühlt mit 800 Ltr. Leistung. 1959 kaufte die Wehr einen Opel-Kapitän von der Feuenvehr Limburg als Mannschaftswagen. 1962 wurde ein Opel-Blitz gekauft, der zu einem Löschfahrzeug mit Vorbaupumpe umgebaut wurde. Im Dezember 1969 erhielt die Wehr ein neues Löschfahrzeug LF 8 Ts von der Gemeinde, welches nach dem neuesten Stand ausgerüstet ist.
Brände: Am 5. Oktober 1953 musste die Freiwillige Feuerwehr ihren bisher größten Brand bekämpfen. In der Unterstraße brannte die Zehntenscheune, deren Besitzer 4 Bauern waren, völlig ab. Eine dort arbeitende Dreschmaschine fiel ebenfalls den Flammen zum Opfer. Durch das tatkräftige Einschreiten unserer Wehr und den Nachbarwehren konnte eine weitere Ausdehnung des Feuers verhindert werden.
Im Dezember 1958 wurde die Wehr nach Nauheim gerufen; hier standen zwei Scheunen in Brand. 1961 hatten wir in Mensfelden bei Wilhelm Crecelius in der Mittelstraße einen Dachstuhlbrand zu bekämpfen, der ohne großen Wasserschaden gelöscht werden konnte.
In der Silvesternacht 1963/64 wurden wir nach Linter gerufen, wo zwei Scheunen und ein Stall in Flammen standen; auch hier konnte durch rechtzeitiges Eingreifen der Wehren eine Ausbreitung des Feuers verhindert werden. Dank der guten Ausrüstung sind wir heute im Stande, unser Dorf vor Brandkatastrophen zu schützen. Die Kameradschaft ist ausgezeichnet. Mit dem Wahlspruch
Gott zur Ehr‘ dem Nächsten zur Wehr
Freiwillige Feuerwehr Mensfelden ab 1975
1975 feierte die Wehr, mit dem Hünfeldener-Feuerwehrtag, ihr 40-jähriges Jubiläum.
1979 wurde Wehrführer Albert Scheid mit dem goldenen Brandschutzehrenzeichen ausgezeichnet.
1980 wurde der Feuerwehrkamerad Willi Heckelmann mit dem goldenen Brandschutzehrenzeichen ausgezeichnet und Wehrführer Albert Scheid, wurde das Feuerwehrehrenkreuz in Silber, zweite Stufe, verliehen.
1983 ging ein lang gehegter Wunsch der Wehr in Erfüllung. Unter großer Anteilnahme durch Repräsentanten von Verwaltung, Vereinen, Körperschaften, Parteien und der Kirche, sowie einer Vielzahl an Besuchern aus nah und fern, wurde der Wehr Mensfelden ein neu erbautes Feuerwehrgerätehaus übergeben.
Von nun an war es möglich, alles Gerät ordentlich und sauber unterzubringen. Neben zwei großen Fahrzeugboxen für Feuerwehreinsatzfahrzeuge, standen ab sofort auch Arbeits-, Umkleide- sowie ein Schulungsraum zur Verfügung.
Auch an getrennte WC’s für Damen und Herren wurde gedacht.
1985 feierte die Wehr ihr 50-jähriges Jubiläum. Da Albert Scheid die Altersgrenze erreicht hatte, wurde er als Wehrführer verabschiedet und gleichzeitig zum Ehrenwehrführer, der Wehr Mensfelden ernannt. Als neuer Wehrführer wurde Werner Templin in das Amt eingeführt.
1990 durften wir einen weiteren Höhepunkt miterleben. Da unser Löschfahrzeug LF8 nun auch schon wieder 20 Dienstjahre hinter sich gebracht hatte, war von der Gemeinde Hünfelden ein neues Löschgruppenfahrzeug bestellt worden. Am Sonntag, den 9. Dezember 1990 durften wir das von uns mit einem erheblichen Teil mitfinanzierte neue Löschgruppenfahrzeug in Empfang nehmen.
1992 hat die Mensfelder Feuerwehr einen Verein gegründet. Der Verein wurde Verein zur Förderung der Freiwilligen Feuerwehr Hünfelden-Mensfelden e.V, genannt. Als Vereinsvorsitzender wurde Werner Templin gewählt; ein Jahr später wurde dann unter der Leitung des Kameraden Bernd Hofbauer eine Jugendfeuerwehr gegründet.
Im Jahr 1995 trat Werner Templin als Wehrführer und Vereinsvorsitzender zurück und verstarb für alle überraschend (im Alter von 48 Jahren) nach kurzer sehwerer Krankheit am 5. Oktober. An seiner Stelle wurde sein Stellvertreter Frank Seel, als neuer Wehrführer und Vereinsvorsitzender gewählt. Ebenfalls 1995 feierte die Wehr Ihr -jähriges Jubiläum.
Anlässlich des Sommerfestes 1996, wurden die Feuerwehrkameraden Walter Kess und Bruno Fischer, mit dem goldenen Brandschutzehrenzeichen ausgezeichnet. 1999 ist Frank Seel als Wehrführer zurückgetreten und Kamerad Jörg Schumann wurde in das Amt gewählt.
Ein Höhepunkt im Jahre 1999, war unser alljährliches Sommerfest. Hier konnten wir ein neues Feuerwehrfahrzeug in Dienst stellen, welches das alte LF8 ablöst. Nachdem unser altes LF8 aus dem Verkehr gezogen werden musste, haben die aktiven Kameradinnen und Kameraden eine Spendensammelaktion in Mensfelden durchgeführt, die mit über Zwanzigtausend Mark zu einem großen Erfolg geführt hat. Mit Geldern aus der Vereinskasse sowie einem Zuschuss von der Gemeinde, konnte nun ein neues Fahrzeug angeschafft werden. Jetzt verfügt die Wehr Mensfelden über zwei Einsatzfahrzeuge und kann damit ihren Auftrag erfüllen.
Einige Einsätze unserer Wehr in den Jahren 1978 - 1999:
In diesen Jahren konnte die Freiwillige Feuerwehr Mensfelden zahlreichen Einsätzen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. In der Sonntagstraße (1978) und bei einem Zimmerbrand in der Remmeltstraße (1980) konnte ein Einsatz ebenso erfolgreich abgeschlossen werden wie beim Hochwasseralarm 1981 in Selters.
Neben vielen erfolgreich verlaufenden Einsätzen in den letzten Jahren ist insbesondere noch einmal das Jahr 1985 zu erwähnen. Hier musste unsere Wehr, gemeinsam mit den Wehren aus Kirberg und Limburg einen Wohnungsbrand bei der Familie Wahler bekämpfen. Durch den gemeinsamen Einsatz der Wehren konnte die vollständige Vernichtung des Wohnhauses ebenso verhindert werden, wie nach einem Brand eines Geräteschuppens 1986 in der Querstraße
Freiwillige Feuerwehr Mensfelden ab 2000
2010 feierte die Feuerwehr Mensfelden das 75. Jubiläum. Das Festjahr startete am 08.05.2010 mit dem Feuerwehraktionstag rund um das Feuerwehrhaus. Am 11.09.2010 fand die akademische Feier in der Halle des TV „Jahn“ Mensfelden statt. Das Wochenende wurde am Tag danach mit einem Festgottesdienst und Frühschoppen abgerundet.
2012 konnte die Feuerwehr Mensfelden die Kinderfeuerwehr als neue Abteilung eröffnen. Von nun an gab es auch für Kinder zwischen 6-10 Jahren die Möglichkeit am Feuerwehrwesen teil zu haben. Als Betreuer konnten sich Shira De Jesus, Lisa Schumann, Frank Seel und Michael Seel verpflichten. Im selben Jahr wurde im Rahmen des Dorffestes auch ein Aktionsstand der Feuerwehr angeboten. Hier konnten neue Mitglieder der Kinderfeuerwehr geworben werden.
2013 wurde Christof Hofbauer zum neuen stellvertretenden Wehrführer gewählt. Er löste Bernhard Stein damit ab.
2014 startete mit einer Aktionswoche ganz im Namen der „Feuerwehr Hünfelden“. Hier wurden in allen Ortsteilen viele Aktionen im Bereich Brandschutz und Mitgliederaquise durchgeführt.
2017 konnte ein neuer 1. Vorsitzender gewählt werden. Bernd Weigand löste Jörg Schumann ab. 2021 fand die Einweihung unseres umgebauten Feuerwehrhauses statt. Nach jahrelangen Gesprächen über einen möglichen Umbau kam für die Feuerwehr Mensfelden die Prüfung durch den technischen Prüfdienst der Unfallkasse Hessen sehr gelegen. Es musste bauliche Veränderungen geben. Es waren zwei Anbauten und der Ausbau des Dachbodens nötig, um den aktuellen Ansprüchen gerecht zu werden. So konnte ein größerer Schulungsraum, Duschen, eine weitere Lagergarage, ein Treppenraum und eine Werkstatt generiert werden. Hierbei leisteten unsere Floriansjünger über 2000 „EHRENAMTLICHE“ Stunden.
2025 feierte die Feuerwehr Mensfelden in diesem Jahr 90-jähriges Jubiläum. Dies konnte mit der 1250 Jahrfeier des Ortsteils gut kombiniert werden.
Nachdem bei der Jahreshauptversammlung im Januar eine neue Wehrführung gewählt wurde, konnten die Kameraden Christof Hofbauer als Wehrführer und Michael Seel als stellv. Wehrführer im Mai auf der JHV der FF-Hünfelden ernannt werden. Christof Hofbauer löste damit Jörg Schumann, der mehr als 26 Jahre dieses Amt begleitet hat, als Wehrführer ab.
Einsätze von 2011 bis 2025
2011
Jan. Brand auf dem Tannenberghof
Aug. Dachstuhlbrand Backhausstraße
2012
Mrz. Tragehilfe mit Hubrettungsfahrzeug von der Feuerwehr Wetzlar
Apr. Wohnhausbrand mit Dachstuhl In den Hühnergärten
2013
Okt. Fahrzeugbrand Baumschule Schumann
2014
Okt. Verkehrsunfall B417
2016
Okt. Verkehrsunfall B417
2017
Mai Gasgeruch Friedrichsfelder Ring
Jul. Flächenbrand mittlerer Hangweg
Sep. Wasser im Keller Am Zollhaus
2018
Mrz. Brand Remmeltstraße
Nov. Kaminbrand Sonntagsstraße
2019
Jul. Flächenbrand mittlerer Hangweg
2020
Jan. Kaminbrand Sonntagsstraße
Jul. Brand eines Mähdreschers
Dez. Verkehrsunfall Hermannshof
2021
Jan. Tierettung Pferd eingeklemmt Hermannshof Apr. Brand Harvester Hof Jun. Brand Backhausstraße
2022
Mrz. Flächenbrand Schilfgras Jul. Brand Grill mit Gasflasche Backhausstraße Dez. Hecke Schöne Aussicht
2023
Apr. Gasgeruch Hehnerstraße Mai Großbrand Freidrichsfelder Ring Jul. Brand Fahlerstraße
2024
Apr. Unwetter Mai Wasser unter Brücke B417 Aug. Umwelt, illegal entsorgtes Fass mit Öl im Wald
2025
bis Feb. noch keine großen Einsätze
Die hier aufgezählten Einsätze sind nur die etwas größeren Ereignisse. Hilfeleistungen wie Türöffnungen oder Tragehilfen, Brände von Mülltonnen oder Gestrüpp sowie die Zeit für Aus- und Weiterbildung wurde hier nicht aufgezählt.
Vielen Dank an ALLE die ihre Freizeit opfern um diesem guten Zweck zu dienen.
Gott zur Ehr dem nächsten zur Wehr
Ortsbauernschaft
✍ Autor(en):
Karl Hohlwein, 1. Vorsitzender (1975)
Heinz Geisel, 1. Vorsitzende (2000)
Jürgen Völker, 1. Vorsitzende (2025)
Ortsbauernschaft Mensfelden
Nach dem 1. Weltkrieg schlossen sich die Landwirte von Mensfelden Zusammen und gründeten eine Ortsbauernschaft, welche der Kreisbauernschaft des Kreises Limburg, später Kreisbauernverband, mit seiner Geschäftsstelle in Limburg angeschlossen war.
Die Ortsbauernschaft in Verbindung mit dem Kreisbauernverband hat sich zur Aufgabe gemacht, ihre Mitglieder mit ihren Familien in Sozial-, Rechts-, Verwaltungs- und Steuerfragen zu beraten, und, wenn nötig, soweit es die gesetzlichen Bestimmungen zulassen, vor Gericht und Behörden zu vertreten. Sowie bei allen örtlichen Angelegenheiten, soweit es die Landwirtschaft betrifft, mitbestimmen.
Dem Ortsbauernführer trat später der Ortslandwirt noch zur Seite, welcher dem Landwirtschaftsamt in der Landwirtschaftlichen Schule in Limburg unterstand. Um keine zweiseitige Führung aufkommen zu lassen, hat man die beiden Führungsposten in einer Person vereinigt. Somit konnten die Beratungen des Landwirtschaftsamtes über Saatgut, Düngung, Schädlingsbekämpfung und Bauwesen mit den Aufgaben der Ortsbauernschaft gekoppelt werden.
Trotz Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe, welche bis nach dem Kriege noch über 100 waren, zählt der Ortsbauernverband Mensfelden heute (1975) noch 56 Mitglieder.
Der Wandel der Landwirtschaft in Mensfelden von 1975 - 2000
Im Jahr 1975 gab es in Mensfelden noch 22 landwirtschaftliche Vollerwerbssbetriebe und 9 Nebenerwerbslandwirte. Im Jahr 2000 sind es noch 5 Vollerwerbssbetriebe und 8 im Nebenerwerb. Milchkühe 1975 etwa 100 Tiere, jetzt sind es in nur zwei Betrieben noch ca. 60 Kühe. Schweinezüchter und Mäster sind es noch 4 mit etwa 600 Tieren mit abnehmender Entwicklung. 1975 waren noch 22 Schweinehalter mit rund 1500 Tieren.
Die Hühnerhaltung hat in Mensfelden schon immer eine große Rolle gespielt mit ca. 10000 Hühnern. Heute sind es noch etwa 1200 Hühner.
Das Getreide hat in den letzten 25 Jahren einen Preissturz von teilweise weit mehr als 50 % erlebt. Weizen kostete 1975 der Doppelzentner in der Ernte 46,00 DM und im Jahr 1999 nur noch 21,00 DM. Alle anderen sind im Preis genauso gefallen.
Bei Milch und Fleisch ist die Entwicklung ebenso rückläufig. Beim Raps betrug der Preissturz sogar 70%. Diese schlechte Preisentwicklung und Unkosten und teils fehlende Nachfolger haben viele Bauern veranlasst, die Betriebe aufzugeben.
Der Ortsbauernverband im Jahr 2025
Heute gibt es im Ortsbauernverband noch 15 Mitglieder wobei 1 Haupterwerbsbetrieb, 3 Nebenerwerbsbetriebe und der Rest passive Mitglieder sind. Bei der Viehhaltung ist es so, dass es in Mensfelden noch 28 Mutterkühe der Rasse Brauner Angus und 6 Mastrinder gibt. Außerdem ca. 120 Mastschweine, 61 Mutterschafe,20 Ziegen, 25 Pferde. Bei den Hühnern steht überwiegend die Eigenversorgung im Mittelpunkt und bei de nHasen ist der Halter züchterisch unterwegs.Hunde und Katzenwerden ausschließlich zur Freizeitgestaltung gehalten.
Im Ackerbau war es früher so, dass eine weit gestellte Fruchtfolge mit Kartoffeln, Futterrüben, Kleegras, Weizen, Gerste und auch Hafer stattfand. Das Grünland wurde zur Heugewinnung genutzt und den Kühen und Pferden verabreicht. Die Flächen waren kleine Pazellen und haben sich im Eigentum befunden. Seit den 1970er Jahren gaben viele Betriebe auf, so dass andere Betriebe diese Flächen pachten konnten. Außerdem ist in den letzten Jahrzehnten die Mechanisierung stark vorangeschritten. Dadurch mussten die Betriebe rationeller arbeiten und versuchten durch Flächentausch zu größeren Schlagflächen zu kommen. In Mensfelden gab es bisher keine Flurbereinigung, nur eine Blitzumlegung, wobei sogar Stosswege erhalten blieben.
Die Vorsitzenden
Die Vorsitzenden waren seit der Gründung bis heute:
August Schumann bis 1920
Ph. Wilhelm Schumann III. 1920 - 1927
Albert Schumann 1927 - 1933
Karl-Wilh. Schumann 1933 - 1939
Karl Ruß 1939 - 1945
Karl Hohlwein 1945 - 1947
Walter Schwenk 1947 - 1948
Wilhelm Schumann V. 1948 - 1954
Wilhelm Schumacher III. 1954 - 1958
Wilhelm Lieber 1958 - 1968
Karl Hohlwein IV. 1968 - 1984
Karl-Heinz Geisel 1984 - 2005
Edgar Knapp 2005 - 2010
Jürgen Völker seit 2010
VDK - Teil 1
✍ Autor(en):
Karl Kees, 1. Vorsitzender (1975)
Hedwig Ohl (2000)
Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschland
VdK. Ortsgruppe Mensfelden
Durch den Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner e.V. Deutschlands, Kreisverband Limburg, wurden am 1. Dezember 1948 alle Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner der Gemeinde Mensfelden zu einer öffentlichen Versammlung in das Rathaus zu Mensfelden eingeladen.
In dieser Versammlung sprachen Bezirks- und Kreisvorstandsangehörige des VdK. Deutschlands, über Sinn und Zweck des VdK. und forderten die Anwesenden auf, sich zusammenzuschließen und eine Ortsgruppe zu gründen.
Diesem Aufruf folgten 15 Kameradinnen und Kameraden und beschlossen, eine Ortsgruppe zu gründen. In derselben Versammlung wurden der Vorstand gewählt.
Als erster Vorsitzender wurde gewählt: Karl Kees, Fahlerstraße 4
zweiter Vorsitzender: Wilhelm Helfrich, Unterstraße 6
Schriftführer: Wilh. Rud. Helfrich, Remmeltstraße 1
Kassierer: Hedwig Ohl, Querstraße 5
Hinterbliebenenbetreuerin: Friedel Klaus, Sonntagsstraße 5
Als Beisitzer wurden in den Vorstand gewählt: Karl Weil, Kirchstraße 8, Karl Hohlwein, Sonntagsstraße 5, und Wilhelm Schumann, Schwerzstraße 4.
Der gewählte Vorstand machte sich zur Aufgabe, allen Kriegshinterbliebenen und den Sozialrentnern in allen ihren Belangen zu helfen und dafür zu sorgen, dass ihnen in den wirtschaftlichen und seelischen Nöten geholfen wird.
Durch eine aktive Werbung traten im Jahre 1950, 25 Mitglieder bei, so dass die Ortsgruppe im Jahre 1950, 40 Mitglieder zählte.
Im Jahre 1953 wurde Kamerad Richard Kröller in den Vorstand gewählt, der bis April 1955 den Vorsitz übernahm. Am 1. April 1955 wurde der frühere Vorsitzende Karl Kees, wieder zum 1. Vorsitzenden und Richard Kröller als Stellvertreter. 1957 schied Richard Kröller aus dem Vorstand aus, Wilhelm Schumann, Schwerzstraße 4, wurde stellvertretender Vorsitzender.
Heute hat die VdK, Ortsgruppe Mensfelden eine Mitgliederzahl von insgesamt 59 Kameradinnen und Kameraden, die in kameradschaftlicher Treue zusammmenstehen.
VdK. Ortsgruppe Mensfelden ab 1975
Im Jahre 1989 feierte der VdK sein 40-jähriges Bestehen.
Die Feierlichkeiten wurden in der Turnhalle (Remmeltstraße) gehalten.
Sein damaliger Vorsitzender Karl Kees war, und das schon seit Jahren, die tragende Säule des Vereins. Seit Bestehen hat er sich für die Mitglieder und insbesondere der Kriegerwitwen eingesetzt. Besonders zu erwähnen sind die vielen Anträge, die er bearbeitete und auch bei den Behörden durchsetzte.
Er hat viele Ausflüge geplant und organisiert. Wir haben überhaupt viele schöne Stunden in kameradschaftlicher Verbundenheit verlebt. Er hat sehr viel für den Verein getan.
Im Jubiläumsjahr 1989 ist Karl Kees 81 Jahre alt geworden. Aus alters- und auch aus gesundheitlichen Gründen hat er das Amt des Vorsitzenden niedergelegt.
Sein Nachfolger wurde Ernst Kanigowsky, Schriftführerin Lina Schwenk. Elisabeth Schwenk konnte aus gesundheitlichen Gründen dieses Amt nicht mehr weiterführen. Der verdienstvolle langjährige Vorsitzende Karl Kees verstarb am 09.07.1996.
Im Jahre 1999 konnte die VdK-Ortsgruppe Mensfelden ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Wir konnten die Vorsitzenden der 6 Nachbarvereine und auch unseren Kreisvorsitzenden Ernst Schäfer aus Heringen begrüßen.
Hedwig Ohl, 86 Jahre alt - sie hat die Vereinskasse 50 Jahre verwaltet - hat aus Altersgründen Kassiererin und Kassenverwalterin abgegeben. Für ihre langjährige Tätigkeit hat ihr der Kreisvorsitzende herzlich gedankt. Sie hat viel Beifall erhalten. Nachfolgerin wurde Luise Crecelius.
Auch Friedel Klaus hat ihr Amt im Vorstand an Erna Reitz übergeben.
Die Zeit hat ihren Tribut gefordert. Es leben nur noch 26 Mitglieder.
Davon 8 Kriegerwitwen:
Elisabeth Völker, Sonntagsstraße 93 Jahre alt
Minna Schumacher 91 Jahre alt
Elisabeth Schwenk, Diezer Weg 88 Jahre alt
Hedwig Ohl, Querstraße 86 Jahre alt
Lina Schwenk, Fahlerstraße 86 Jahre alt
Berta Weber, Fahlerstraße 88 Jahre alt
Minna Deußer, Hehnerstraße 85 Jahre alt
Hilda Schumann, Schwerzstraße 85 Jahre alt.
Tiefgefriergemeinschaft
✍ Autor(en):
Wilhelm Lieber, 1. Vorsitzender (1975)
Karl Kees, Geschäftsführer (1975)
Wilhelm Lieber, 1. Vorsitzender (2000)
Wolfgang Reh (2025)
Tiefgefriergemeinschaft eGmbH Mensfelden
Im Jahre 1960 haben sich einige Einwohner der Gemeinde Mensfelden mit dem Gedanken getragen, eine Gemeinschaftsgefrieranlage zu errichten, bzw. zu bauen.
Am 14. Oktober 1960 wurden alle Interessierten zu einer öffentlichen Versammlung in die Gastwirtschaft Foike eingeladen, um sich zu einer Gemeinschaft zusammenzuschließen. Es waren 36 Personen bereit, eine eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht zu gründen. Nach Besprechung des Gegenstandes des geplanten Unternehmens und nach Beratung des Status erklärte man sich für die Errichtung einer Genossenschaft der Firma Tiefgefrieranlage eGmbH mit dem Sitz in Mensfelden/Kreis Limburg.
In den Vorstand wurden gewählt:
I. Vorsitzender Wilhelm Lieber, Sonntagsstraße 12
II. Vorsitzender Ernst Weil, Fahlerstraße 15
Zu weiteren Mitgliedern in den Vorstand wurden gewählt: Willi Zehner, Fahlerstraße 9, Karl Kees, Fahlerstraße 4, der gleichzeitig zum Geschäftsführer ernannt wurde.
Man ist an die Zivilgemeinde herangetreten, mit dem Ersuchen das für den Bau einer Gefrieranlage erforderliche Gelände zur Verfügung zu stellen. Nach einem Beschluss der Gemeindevertretung wurde in der Fahlerstraße 7, Flur 59, Flurstück 41/1, eine Fläche von 0,61ar der Tiefgefrieranlage eGmbH Mensfelden in Erbpacht auf 50 Jahre bereitgestellt. Der Erbpachtzins beträgt jährlich 10,00 DM.
Das Gebäude wurde für die Unterbringung der Anlage im Jahre 1960 in Eigenleistung gebaut. Die Anlage I mit 56 Lagerfächern, 2 Vorfrostern, Maschinenfach und einem Kühlhaus.
Die Anlage wurde von der Firma Wetzel u. Co., Biedenkopf, für 22.310,29 DM eingebaut, die im Januar 1961 in Betrieb genommen wurde. Im Jahre 1962 wurde eine zweite Anlage im Kellergeschoß der Spar- und Darlehenskasse mit 44 Lagerfächern und 2 Vorfrostern sowie Maschinenfach ebenfalls von der Firma Wetzel u. Co., Biedenkopf, eingebaut. Die Kosten betrugen 18.040,— DM für die Anlage, und als Baukostenzuschuss wurden an die Spar- und Darlehenskasse 5.280,00 DM gezahlt.
Die Genossenschaft zählt 106 eingetragene Mitglieder, die über zwei Gefrieranlagen mit insgesamt 100 Lagerfächern, 4 Vorfrostern, 2 Maschinenfächer und 1 Kühlhaus verfügen. Die Lagerfächer sind Eigentum des Benutzers, bzw. des Besitzers.
Tiefgefrieranlage e. V. Mensfelden
Die Genossenschaft Tiefgefrieranlage (jetzt eingetragener Verein) wurde gegründet und die Anlage im Rathaus erstellt, damit Lebensmittel, insbesondere Fleisch, Obst und Gemüse durch tiefgefrieren für einen längeren Zeitraum haltbar gemacht werden können. Ein Kühlraum wurde mit errichtet für Hausschlachtungen in der warmen Jahreszeit.
In den fast 40 Jahren seit der Gründung haben sich die Lebensgewohnheiten der Bevölkerung sehr verändert. Hausschlachtungen gibt es nur noch sehr wenige. Obst und Gemüse wird das ganze Jahr in den Lebensmittelmärkten frisch oder als Konserven preisgünstig angeboten. Die Eigenerzeugung im eigenen Garten ist dadurch sehr gering und es wird weniger eingefroren.
Bereits ab 1981 wurden Fächer in der Anlage II nicht mehr benutzt und stillgelegt. Bei dem Verkauf des Lagers der Spar- und Darlehenskasse 1993 wurde die Anlage II ganz stillgelegt. Auch in der Anlage I werden nicht mehr alle Fächer benutzt. Die Anlage ist trotz ihres Alters noch in einem guten Zustand und wir hoffen, dass unsere Mitglieder dieselbe noch sehr lange nutzen können.
Schließung der Anlage
Die Miete eines Faches kostete zuletzt 46 € im Jahr. Am 16. Juli 2011 wurde auch die Anlage neben dem alten Rathaus geschlossen. Die Anlagen waren veraltet und die meisten Mensfelder hatten mittlerweile eigene Gefriergeräte zu Hause.
Turnverein Jahn
✍ Autor(en):
Wolfgang Fischer (1988)
Hermann Schwenk (1989)
Jens Schneider (2025)
Peter Saltenberger (2025)
Alexander Bieker (2025)
Gründung des Turnverein Jahn Mensfelden
Am 4. März 1964 trafen sich in Mensfelden, in dem damaligen Gasthaus „Zum Taunus“ 37 Männer zur Gründung des TV „Jahn“ Mensfelden.
Diese Mitglieder wollten den Verein ins Leben rufen, weil es seinerzeit im Turn- und Sportverein Mensfelden einige Querelen gab. Zweck und Ziele des neuen Vereins sollten sein: die Pflege der Leibesübung, die sportliche Betätigung, die Jugendpflege und die gesellschaftliche Verbundenheit. Wir mussten uns in der Phase der Gründung und auch in den Jahren danach mit spärlichen Verhältnissen begnügen, an eine eigene Sportstätte war zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht zu denken.
Doch in dem Verein und seinen Mitgliedern herrschte von Anfang an eine starke Eigeninitiative und der eiserne Wille, stetig voranzukommen. Die Übungsstunden des damaligen Spielmannszuges, später umgewandelt in ein Blasorchester mussten in privaten Räumlichkeiten (Schusterwerkstatt bei Hermann Petri und Schreinerwerkstatt bei Willi Heckelmann) abgehalten werden.Unsere Turner hatten die Gelegenheit, die Turnhalle unserer Freunde des TV Nauheim benutzen zu können.
Schließlich ergab sich dann die Möglichkeit, in dem Saale des ehemaligen Gasthauses „Zum Taunus“ die Trainings- und Übungsstunden abzuhalten, auch wurden dort zunächst die Punktspiele der Tischtennisabteilung ausgetragen. Im Jahre 1965 schließlich fanden wir in der Gaststätte Foike, später „Tiroler Hof“ einen Saal für unseren Verein und gleichzeitig ein Vereinsheim, in dem die Geselligkeit weiter gepflegt werden konnte. Im Saale Foike wurden dann auch erstmalig die sogenannten „Familienabende“ veranstaltet, an denen in dieser Anfangsphase auch unsere Freunde vom TV Nauheim und vom TV Kettenbach teilnahmen. Gerade zum TV Kettenbach hielten wir in dieser Zeit starke Verbindungen, Gegenbesuche in dem kleinen Ort an der Aar waren an der Tagesordnung.
Erwerb der alten Schule
Der nächste, wohl entscheidende Abschnitt kam dann im Jahre 1972. Ab diesem Zeitpunkt stellte uns die damalige Gemeinde Mensfelden das Gebäude und Gelände der alten Schule zur Verfügung. Die ehemaligen Klassenräume wurden zunächst in Eigenleistung renoviert, sodass der Sport- und Übungsbetrieb anschließend reibungslos abgewickelt werden konnte. Ab 1973 wurde dann der gesamte Übungsbetrieb des Vereins in die Räumlichkeiten der alten Schule verlegt. Ganz wichtig und richtungsweisend war aber letztlich die Tatsache, dass wir aus dem ehemaligen „Kartoffelkeller“ unterhalb des Schulgebäudes ein Vereinsheim schufen, das noch heute in der gesamten Umgebung seinesgleichen sucht. Hier errichteten tatkräftige Mitglieder, selbstverständlich in Eigenleistung, eine Stätte, wo noch heute und mit Sicherheit auch in Zukunft die Geselligkeit und Kameradschaft nicht nur nach den Trainings- und Übungsstunden gepflegt werden kann. Das Vereinslokal, oder besser gesagt „der Keller“, wurde am 19.10.1974, anlässlich der Kirmes, seiner Bestimmung übergeben. Diese Vereinsstätte war der eigentliche Grundstein für die weitergehende positive Entwicklung des Vereinsgeschehens.
Ein weiterer entscheidender Meilenstein in der Vereinsgeschichte war der Beginn des Baues der neuen Vereinshalle im Jahre 1980. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wurde der Bau in Eigenleistung erstellt. Zahlreiche Mitglieder und Freunde trugen durch Tat, Rat oder finanzielle Mithilfe zu der Errichtung dieses Schmuckstückes bei. Am 27. November 1981 konnte die vereinseigene Halle eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden. Die erheblich verbesserten räumlichen Möglichkeiten ließen es dann auch zu, dass wir 1981 das Gautreffen der Schülermusikzüge und 1982 erstmalig einen Gauturntag ausrichten konnten.
Vereinsleben
Aber auch eine andere Einrichtung im Vereinsleben war richtungsweisend, unser Vereinszeltlager, das wir seit dem Jahre 1966 ununterbrochen durchführen. Im Jahre 1973 wurde die Wiese in Obertiefenbach/Taunus, nahe der „Plätzer Mühle“ im Hasenbachtal gepachtet und schließlich im Jahre 1981 käuflich erworben. Der Verein bietet seinen Mitgliedern und Freunden auf diesem Gelände einen billigen und erholsamen Urlaub in einer idyllisch gelegenen Landschaft. Durch dieses Zeltlager in Obertiefenbach haben wir gleichzeitig neue Freunde bei dem Männergesangverein und der Freiwilligen Feuerwehr dieses Ortes sowie bei allen Einwohnern gefunden. An dieser Stelle will ich es nicht unerwähnt lassen, dass unser Verein auch noch zu einem anderen Verein außerhalb Hessens sehr gute Kontakte pflegt. Seit 1979 stehen wir in enger Beziehung zu der Trachtenkapelle aus Schapbach im Schwarzwald. Seit dieser Zeit fanden schon mehrere gegenseitige Besuche statt.
Fester Bestandteil im Vereinsleben ist der alljährliche Vereinswandertag an „Christi Himmelfahrt“, sowie die Jahresabschluss- und Nikolausfeier für unsere „Kleinsten“. Seit dem Gründungsjahr 1964 ist unser Verein mit einer kurzen Unterbrechung im Rhythmus von zwei Jahren auch Ausrichter des traditionellen Bergfestes auf dem „Mensfelder Kopf“. Aus Anlass des 90-jährigen Bergfestes im Jahre 1986 war es erstmals möglich, dass die beiden sporttreibenden Vereine von Mensfelden (TuS und TV „Jahn“) ein Sportfest gemeinsam planten und durchführten.
Seit dem Jahre 1984 ist es möglich, dass die Mensfelder Kirmes mit den Kirmesburschen in unserer Halle gefeiert wird. Die Anzahl der Mitglieder stieg stetig. So hatten wir bei der Gründung 59 Mitglieder und zählen 1989 dann 180 aktive und passive Vereinsangehörige. Unser Verein verfügt über die Abteilungen Altersturnen, Kinderturnen, Frauenturnen, Familienturnen, Tischtennis und den Musikzug.
Unsere Altersturner
Im Jahre 1965 wurde im Turngau Mittellahn eine Gaualtersriege gegründet. Diese Altersriege besteht noch heute und ist das Aushängeschild unseres Turngaus. Es gibt keine Gruppe im Turngau Mittellahn, die innerhalb und außerhalb des Gaues mehr öffentliche Auftritte bei Veranstaltungen hat, als diese Riege. Sie ist überall bekannt und wird immer wieder eingeladen.
Während des Deutschen Turnfestes 1987 in Berlin turnte die Gaualtersriege durch Vermittlung von Eberhard Gienger in der Sportabteilung des „KA DE WE“. Zu den Gründern dieser Gaualtersriege gehörten u. a. auch die Altersturner des Turnvereins „Jahn“ Mensfelden. Wilhelm Lieber, Karl Dörr, Willi Zehner und Theo Steinen. Sie turnten schon vor dem Kriege und besuchten 1933 ihr erstes Deutsches Turnfest. Seinen größten turnerischen Erfolg hatte Wilhelm Lieber beim Deutschen Turnfest in Breslau 1938, wo er im Olympischen Zwölfkampf der Turner den 56 Platz belegte. Nach der Gründung der Gaualtersriege im Jahre 1965 besuchten unsere Altersturner insgesamt 5 Hessische Landesturnfeste, 4 Deutsche Turnfeste und 4 Bundestreffen der älteren Turner. Sie konnten bei all diesen Festen immer hervorragende Plätze belegen.
Der TV Jahn Mensfelden – Ein Vierteljahrhundert danach
Nach dem rauschenden Fest zum 25-jährigen Bestehen im Jahr 1989 erlebte der TV Jahn eine Phase der Euphorie und des Aufbruchs. Das Vereinsleben blühte auf, getragen von einem ausgeprägten Gemeinschaftsgeist. Vier Dienstgruppen mit jeweils rund 20 Mitgliedern engagierten sich bei der Bewirtung von Gästen und der Unterhaltung des Vereinsheims – der legendären Jahnhalle mit ihrem ebenso legendären Schulkeller.
Die Vereinsfeste – von Kirmes und Fastnacht über Schlachtfest bis zur Weihnachtsfeier – wurden liebevoll organisiert und waren wichtige soziale Treffpunkte. Besonders erwähnenswert: das dreiwöchige Sommerzeltlager auf dem vereinseigenen Zeltplatz in Obertiefenbach, dessen Abschluss mit Gottesdienst und Schnitzelessen stets zahlreiche Besucher anzog. Auch die Wochenenden waren vom Vereinsleben geprägt: mit Theken- und Kehrdiensten im Schulkeller, einem festen Skatabend (später zum Spieleabend erweitert) – untermalt von einer berüchtigt lauten Kartenmischmaschine und der immer gegenwärtigen Musikbox.
Musikzug – Klangvolle Jahre und ein emotionaler Abschied
Der Musikzug war über viele Jahre ein Aushängeschild des Vereins. Die Teilnahme an großen Veranstaltungen wie dem Trachtenfest in Schabenhausen und die enge Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule unterstrichen seine Bedeutung. Ein eigens ausgebauter Proberaum wurde zum Zentrum für Musik- und Jugendarbeit – bis der Nachwuchs ausblieb und sich der Musikzug 2009 mit einem großen Abschiedskonzert aus dem aktiven Vereinsleben verabschiedete.
Kinder- und Jugendarbeit – Kreativität und Verantwortung
Das Kinderturnen, geleitet von Hermann Schwenk und unterstützt von engagierten Helferinnen, sowie der Kindertanz unter der Leitung von Jenny Weiler, standen für pädagogische Qualität und gelebte Inklusion. Projekte wie das selbstgeschriebene Musical „Gegen Gewalt“, aufgeführt beim Dorffest, verbanden Sport, Bildung und gesellschaftliches Engagement. Die Zusammenarbeit mit Polizei, Gemeinde und Jugendpflege in den Jahren 1998–2001 ermöglichte tiefgreifende Selbstbehauptungskurse, deren Besuch bei der Polizei- und Reiterstaffel Wiesbaden ein unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten war.
Nach personellen Veränderungen 2005 musste der Kindersport vorübergehend eingestellt werden – ein bewusster Schritt des Vorstands, um Konkurrenzsituationen mit anderen Vereinen zu vermeiden.
Badminton – Vom Softball zur Hessenliga
Was als Freizeitspiel auf dem Volleyballfeld begann, entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Abteilungen. Nach der offiziellen Gründung 1990 nahm der TV Jahn in der Hobby-Hessenliga teil und wurde mehrfacher Hessenmeister. 2024 wagte man den Schritt in den regulären Ligabetrieb (Bezirksliga C Wiesbaden) – mit sofortigem Aufstieg in die Bezirksliga B zur Saison 2025/26. Höhepunkte im Jahreskalender sind das vereinsinterne „Schleifchenturnier“ im Januar und das „Nostert“-Turnier im April, das Teilnehmer aus bis zu 150 km Entfernung anzieht.
Frauengruppe – Tradition trifft Innovation
Die Frauenabteilung war stets ein zentraler Pfeiler des Vereins. Mit wechselnden Übungsleitern – Tanja Baier, Jenny Weiler, Peter Saltenberger, Tristan Dold – entwickelte sich das Sportangebot stetig weiter: von tänzerischen Elementen über Selbstbehauptung, Zumba, Wirbelsäulengymnastik bis hin zu innovativem Faszientraining und „Drums Alive“. Die heutige „Montagspower“-Gruppe bietet ein abwechslungsreiches Wochenprogramm, das auch Männer willkommen heißt. Formate wie Yoga, Qi Gong, funktionales Training und Rückenkurse fördern die ganzheitliche Gesundheit.
Tischtennis – Glanz und Ende einer Ära
Einst eine der tragenden Abteilungen mit bis zu sieben Mannschaften in der Bezirksliga, wurde der Spielbetrieb mangels Nachwuchses eingestellt. Dennoch bleibt die Erinnerung an große sportliche Erfolge lebendig.
Turnen – Das Fundament des Vereins
Seit der Vereinsgründung 1964 war das Turnen prägend. Hermann Schwenk war treibende Kraft hinter unzähligen Wettkampfreisen, Freundschaften mit anderen Turnvereinen und der aktiven Mitgestaltung des Turngaus. Ab 1994 verschmolzen die Aktivitäten der Gau-Altersturnriege mit denen des TV Jahn. Die regelmäßige Teilnahme an Turnfesten, inklusive der Gymnaestrada in Spanien und der Reise nach Leipzig mit über 30 Aktiven, bezeugt das hohe Niveau. Die Altersturner geben bis heute ihre Erfahrung an die Jüngeren weiter.
Gesundheit, Kraft und Fitness – Vom Kraftzirkel zum funktionalen Training
Ab 1986 baute Peter Salterberger die Kraftsportgruppe auf. Es folgten differenzierte Angebote für Gesundheitssport („Body Aktiv“) und leistungsorientiertes Training („Full Body Total“). Die Trainingsphilosophie entwickelte sich kontinuierlich weiter – von Turnelementen zu 4XF-Formaten mit Langhanteln, Schlammbällen, Battle Ropes und mehr. In der neuen Erich-Valeske-Halle entstand ab 2013 ein moderner Kraftraum in Kooperation mit dem TuS. Die Corona-Pandemie stellte die Abteilung vor große logistische Herausforderungen – doch durch Kreativität (Outdoortraining, Videokurse) konnte das Sportangebot aufrechterhalten werden.
Die Abteilung ist heute hervorragend aufgestellt, mit einem starken Übungsleiterteam unter der Leitung von Dominik Stein, Peter Saltenberger und Tristan Dold.
Schach – Das königliche Spiel im Verein
Alle zwei Wochen treffen sich die Schachfreunde im Raum der Vereine – ein ruhiger, aber fester Bestandteil des Vereinslebens. Die Abteilung, von Fritz Petrak initiiert, ist ein schönes Beispiel für generationsübergreifenden, geistigen Sport.
Landfrauenverein
✍ Autor(en):
Corinna Zollmann, (2025)
Landfrauen Mensfelden – Vielfalt und Engagement seit 1953
1953 fanden sich engagierte Frauen in Mensfelden zusammen, um Ideen auszutauschen, das Dorfleben zu bereichern und voneinander zu lernen. Der Startschuss fiel nach einer Hauswirtschaftswoche, die von der Landwirtschaftsschule Limburg im Saal der Gaststätte Foike durchgeführt wurde. Dort wurden die neuesten Küchengeräte, Herde und Waschmaschinen vorgestellt. Innovationen, die das Leben damals nachhaltig prägten– ein Highlight jener Zeit.
Im Anschluss daran gründeten 17 Frauen den Landfrauenverein Mensfelden; darunter Helmi Reh, die mit 90 Jahren heute noch aktives Mitglied ist. Die erste Vorsitzende, Frau Hilda Schumann, übernahm das Amt mit großem Engagement.
Während sich die Landfrauen in den Anfangsjahren nur während der Wintermonate trafen, entwickelte sich bald ein reges Vereinsleben. Der Wunsch, auch im Sommerhalbjahr gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen, führte dazu, dass sich der Verein zu einer festen Größe im Dorf entwickelte. So wuchs der Landfrauenverein und zählte 1993 bereits 53 Mitglieder. Heute umfasst unsere Gemeinschaft stolze 124 Frauen und Kinder in drei Abteilungen: Seniorinnen, Landfrauen 2.0 und die Bienchen.
Ein Verein von Frauen für Frauen
Die Landfrauen Mensfelden sind offen für alle Altersgruppen, Berufe und Lebenssituationen. Unsere Mitglieder stammen nicht nur aus Mensfelden, sondern auch aus umliegenden Orten wie Kirberg, Limburg und Runkel. Was uns eint, ist der Wunsch nach Gemeinschaft, Abwechslung vom Alltag und der Freude am gemeinsamen Tun.
Unser Tag ist oft geprägt von Verpflichtungen: Kinder, Arbeit, Haushalt, Partner, Haustiere – alles will organisiert werden. Doch wann nehmen wir uns Zeit nur für uns selbst? Genau hier kommen die Landfrauen ins Spiel. Wir schaffen Raum, um für ein paar Stunden den Alltag hinter uns zu lassen, uns mit anderen Frauen auszutauschen, gemeinsam zu lachen, zu essen und Neues zu erleben.
Von der Landwirtin über Lehrerin, Bankkauffrau und Verkäuferin bis hin zu Rentnerin, Mutter und Managerin – alle sind willkommen. Seit unserer Gründung im Jahr 1953 ist unsere Gemeinschaft gewachsen und vielfältiger geworden.
Besonders stolz sind wir auf drei unserer Mitglieder, die aufgrund ihres Engagements mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet wurden:
Lieselotte Hasselbach (1991)
Irmgard Schmidt (2003)
Inge Krebs (2017)
Vielfältige Aktivitäten – damals und heute
Die Angebote des Landfrauenvereins Mensfelden spiegeln unsere Vielfalt und unsere Freude am Miteinander wieder
Ausflüge und Wanderungen
Ob Jahresausflüge, Tageswanderungen oder Halbtagestouren – unsere gemeinsamen Unternehmungen sind bei den Mitgliedern beliebt und fördern den Zusammenhalt.Kulturelle und kreative Veranstaltungen
Bastelabende, Näh- und Stickkurse sowie Vorträge über Gartenpflege und Gesundheit gehören ebenso zu unserem Programm, wie auch Ausstellungen alter Haushaltsgegenstände und Dokumente.Tradition und Dorffeste
Wir haben über viele Jahre die Kirche zum Erntedankfest geschmückt und aktiv an Dorffesten und Seniorennachmittagen teilgenommen. Auch unser Beitrag zur 1200-Jahr-Feier von Mensfelden bleibt unvergessen.Bildung und Gesundheit
Unsere Vorträge zu Themen wie gesunder Ernährung, Vorsorgeuntersuchungen und Reiseberichten bereichern unser Wissen und sensibilisieren für wichtige Anliegen.Musikalische Freude
Jeden zweiten Mittwoch trafen sich in der Vergangenheit viele Jahre lang die „flotten Bienen“ zu ungezwungenen Singabenden im Tiroler Hof – gemeinsam mit Nachbarvereinen.
Wo wir uns treffen
Seit der Gründung haben sich unsere Treffpunkte mehrfach verändert. Von den Anfängen im alten Rathaus in der Fahlerstrasse über Vereinsräume bei Ursula Zachau in der Unterstraße und der alten Schule in der Hehnerstraße finden unsere derzeitigen Veranstaltungen seit 2010 im „Raum der Begegnung“ in der Erich-Valeske-Halle statt.
Rückblick auf besondere Meilensteine
Die Landfrauen Mensfelden prägen das Dorfleben seit Jahrzehnten aktiv mit. Zu den Höhepunkten zählen:
1953: Gründung des Vereins mit 17 Bauersfrauen.
1975: Bei der 1200-Jahr-Feier von Mensfelden zogen die Landfrauen mit einem Festwagen, der eine alte Backstube darstellte, durch die Straßen. Bei weiteren Umzügen in den Nachbargemeinden kam eine fahrbare Spinnstube zum Einsatz.
1976-1991: Die legendäre Kappensitzung der Landfrauen wurde nach 1991 vom Frauen-Elferrat übernommen und bereichern bis heute das Dorfleben.
2000: An der Feier des 1225-jährigen Dorfjubiläums beteiligten sich die Landfrauen mit vielfältigen Aktionen wie Kuchen-Theke, Tastkästen, Brot-Schätzstand und vielem mehr.
2010: Viele Mensfelder Rezepte wurden im Kochbuch „Zwischen Dom und Brockeslsupp“ veröffentlicht.
2010: Fand die Einweihung der Erich-Valeske-Halle statt. Die LandFrauen waren maßgeblich daran beteiligt, dass die heutige Küche bei der Planung und der Umsetzung Beachtung fanden. Für den Raum der Vereine stifteten die Landfrauen 500 Euro aus ihrer Vereinskasse.
2011: Die LandFrauen unterstützen beim Wettbewerb „Dolles Dorf“ mit Kartoffelsuppe und ihrer Tracht im Hof von Irmgard Schmidt in der Unterstrasse.
2016: Die „Landfrauen 2.0“ wurden gegründet – eine moderne Abteilung für jüngere Frauen und deren eigenen Interessen. Durch den Mitgliederzuwachs von 44 Prozent wurde der Ortsverein Sieger im Wettbewerb „Mehr Landfrauen fürs Land!“
2016: Der erster Flohmarkt in Mensfelden fand statt. Auf Grund der Coronapandemie wurde daraus 2021 der „Flohmarkt zu Hause“, welcher so bis heute jährlich im September sich großer Beliebtheit erfreut.
2016: Die Landfrauen organisierten die ersten Adventsfenster; eine Art Dorf-Adventskalender, bei dem Vereine, Firmen und Privatpersonen an einem dieser Tage ein Fenster oder eine Tür mit der entsprechenden Datums-Zahl weihnachtlich dekorieren und man sich dort in geselliger Runde treffen kann. Die Organisation der Termin erfolgt bis heute.
2019: Beim „Kultur Festival Goldener Grund“ kamen die Seniorinnen in ihrer Tracht und es wurden für die Kinder Bastelaktionen und eine Taststation angeboten.
2021: Die „Bienchen“-Gruppen für Kinder zwischen 0 und 6 Jahren entstanden, um auch den Kleinsten und ihren Familien einen Raum für Spiel und Gemeinschaft zu bieten.
2023: Für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ nähten die Landfrauen eine mehrere Kilometer lange Wimpelkette, die das Dorf schmückte. Sie wird auch 2025 beim Dorfjubiläum wieder zum Einsatz kommen.
Rückblick auf besondere Meilensteine
Heute besteht unser Verein aus drei Gruppen:
LF.S (Seniorinnen): 24 Mitglieder, Alter 50–99 Jahre
LF.2.0: 67 Mitglieder, Alter 18–60 Jahre
LF.Bienchen: 33 Kinder, Alter 0–6 Jahre
Die Abteilungen organisieren sich eigenständig. Alle Veranstaltungen stehen auch abteilungsübergreifend sowie auch Nicht-Mitgliedern offen.
Im Laufe der Jahre haben folgende Frauen den Verein als Vorsitzende geprägt:
Hilda Schumann (1953 – 1956)
Trude Debusmann (1956 – 1964)
Erna Hohlwein (1964 – 1966)
Lieselotte Hasselbach (1966 – 1988)
Irmgard Schmidt (1988 – 2018)
Sandra Hohlwein (2018 – 2022)
Anna-Lena Schüssler (seit 2022)
Landfrauen Lied
Refrain von Magret Pfeiffer aus Neesbach
Mir sin all Weibsleut vom Lande,
bei us do esses noach schie.
Wenn’s droffukimmt da halle mer sesomme,
stoatt ausenanner se gieh.
Strophen für Mensfelden von Inge Foike und Inge Krebs
Un beste außer Rand un Band,
disch schtiert die Mick aach u de Wand,
do gibt’s nur aans, du ormer Tropp,
komm bei us off de Miesfeller Kopp.
Aussicht ist gout, die Loft is prima,
un rundemerim hummer noach ländlich Klima.
Un deshalb is em ganze Land,
ussern Hurnel iwwerall bekannt.
Abschluss-Strophen
Un hoste mol Lost off Bildung,
un willste ela nit mi sei,
da komm bei us Weibsleut vum Lande,
bei us in de Landfrauenverein.
Mir sin all Weibsleut vum Lande,
bei us, do isses noach schie.
Un hoste met us heut gefeiert,
dout der moje goornix me wih.
Eine Zusammenarbeit der Bezirkslandfrauen
Gedicht: 70 Jahre LandFrauen
Geschrieben von Fridericke Töpfer - vorgetragen von Annika Heckelmann und Anna-Lena Schüssler – beim Sommerfest 2023
Hört ihr Leut vernehmet die Kunde
vor 70 Jahren war die Stunde
da wurde ein Verein gegründet
weil Frauen vom Land sich ham verbündet.
Die Männer beim Bier, die tauschten sich aus,
Als Frau da blieb man brav Zuhaus‘.
Das muss sich ändern, hat man beschlossen
- die Männer hielten das für Bossen -
neben Küche, Kindern und Stall
soll’s noch was geben, auf jeden Fall!
Fitness, Wellness, Cappuccino,
Städtetour und auch mal Kino
es gibt doch so viele tolle Sachen
warum wolltet ihr denn auf Landfrau machen?
Bou, das hat’s doch nicht gegeben,
das schickte sich nicht in unserem Leben
- Freizeit - das Wort schon, auch wenn ihr es nicht glaubt,
sowas hätten die Männer uns niemals erlaubt
Wer hat dann diese Männer erzogen?
und so ein Frauenbild gebogen?
Gut, dass sich das geändert hat
und jeder seinen Spielraum hat.
Wir waren damals wirklich froh,
wir konnten uns treffen wann und wo
zum Stricken, Stopfen, Rezepte tauschen
und natürlich dabei plauschen.
Man hat was geschafft und sich trotzdem gefreut.
Endlich kam man unter Leut!
Geschwätz vom Waschen und vom Fegen
und ob die Hühner Eier legen.
Habt ihr immer nur gestrickt
und niemals mal ‘nen Schnaps gekippt?
Doch es hat halt Zeit gebraucht
- plötzlich wurde auch geraucht!
Außer Kuchen, Obst und Möhr‘
gab es Rezepte für Likör
Brockselsupp‘ und Aufgesetzte,
mancher diese Dinge schätzte.
Aber alle im Verein
mussten Bauersfrauen sein.
Jeder hatte Vieh und Feld
gleiche Arbeit, wenig Geld
Ja so war das ganz genau
jeder hat im Stall ‘ne Sau
jeder hat ein ähnlich Leben
so wie es war als Landfrau eben
Doch wir waren jetzt bekannt.
Als Verein auch anerkannt!
Konnten manches unterstützen,
lernen, helfen, Menschen nutzen,
Brauchtum und Gemeinschaft pflegen.
Für uns und andere zum Segen.
Ja da habt ihr viel erreicht.
Auch wenn es manchmal nicht so leicht.
Oftmals braucht es zähes Ringen
damit die Dinge gut gelingen.
Ohne Inge und Irmgards Qual
gäb’s keine Küche neben dem Saal.
Denn in der Valeske Halle
wollten nur ‘ne Theke alle.
Da braucht es Frauen Power eben,
denn nur vom Bier kann man nicht leben
Und wie geht es weiter nun?
Ihr habt doch mit der Landwirtschaft nichts mehr zu tun.
Jede hat einen anderen Beruf
und kaum noch eine lebt auf ‘nem Hof.
Und trotzdem wollt ihr LandFrau sein
und gehört noch immer zu diesem Verein?
Eins bleibt nach 70 Jahren bestehen,
dass wir uns freuen, wenn wir uns sehen.
Wir leben alle im ländlichen Raum,
schauen gern mal über den Zaun.
Spielen, basteln und tun allerlei,
die Männer geben uns dazu frei.
Gemeinschaft kann nur gemeinsam gelingen,
auch wenn wir nicht mehr nur Volkslieder singen.
Bleibt manches vom Alten noch immer erhalten
und die kleinen Bienchen werden‘s weiter gestalten.
Seniorengruppe
✍ Autor(en):
Minna Hohlwein (2000)
Die Senioren von Mensfelden im Jahr 2000
Nachdem die Gemeinde Hünfelden einen Senioren- und Jugendpfleger eingestellt hatte, wurde im November 1987 auch in Mensfelden eine Seniorengruppe gebildet. Die erste Zusammenkunft war im Gemeindehaus in der Fahlerstraße. Zu der ersten Zusammenkunft waren nur wenige gekommen.
Das waren: Karl und Minna Kees, Walter und Erna Becker, Lina Crecelius, Philippine Zollmann, Else Krahulik, Elisabeth Brötz, Anna und Josef Punzet, Hedwig Schumann.
Später trafen sie sich in dem Gemeinderaum in der alten Schule. Heute ist sie eine Gruppe von 20 bis 25 Personen.
Wir treffen uns jetzt alle drei Wochen abwechselnd in der Wirtschaft Faust der Foike zu einem gemütlichen Zusammensein.
Zur Vorsitzenden wurde dann Resi Schwenk und als Stellvertreter Hedi und Viktor Ruff bestimmt.
Die Gemeinde Hünfelden unterstützt durch ihren Seniorenhelfer, Herrn Schadt, die Seniorengruppen sehr. Mehrmals im Jahr treffen sich die Vorstände der sieben Gemeinden in Kirberg im Gemeindehaus zur gemeinsamen Besprechung. Dort werden die Termine für die Veranstaltungen festgelegt. Dreimal im Jahr treffen sich alle Seniorengruppen der sieben Ortsteile, abwechselnd in den Gemeinden, zu einem gemeinschaftlichen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen und bei unterhaltsamen Beiträgen.
Der Seniorenclub Hünfelden machte in den letzten Jahren sehr schöne Ausflüge, die einmal im Jahr gemeinschaftlich mit mehreren Bussen stattfinden. Außerdem organisiert Herr Schardt jedes Jahr eine Seniorenfreizeit, die meistens 10 Tage dauert. In diesem Jahr soll es an die Ostsee gehen.
Vor zwei Jahren wurde noch eine Gymnastikgruppe gegründet. Mensfelden und Nauheim treffen sich dazu in dem Saal der Wirtschaft Foike.
Die Seniorengruppen sind kein Verein, es gibt keine Mitglieder, es wird kein Beitrag gezahlt.
Es ist eine Organisation der Gemeinde Hünfelden, da kann jeder komnm.
Reitergruppe
✍ Autor(en):
Anni und Herbert Deußer (2000)
Reitergruppe Mensfelden im Jahr 2000
Schon vor 1939 bestand in Mensfelden ein Reitverein. Durch die Kriegswirren ist dieser Verein jedoch aufgelöst worden.
Lange Zeit war in Mensfelden von Reiterei nichts zu hören und zu sehen. Dieses sollte sich jedoch ändern. Es waren genügend Mensfelder, die Reiterblut in den Adern und ein Herz für Pferde hatten.
Anfang der 70er Jahre sah man die ersten Reitpferde im Dorf. Reiten war zu jener Zeit nur im Gelände möglich. In den Sommermonaten ging dieses, jedoch im Winter gab es durch Nässe und Kälte mehr oder weniger Schwierigkeiten. Sollten die Pferde bewegt werden, musste nach auswärts gefahren werden.
Die Zahl der Pferde und Reiter stieg ständig, über 20 Pferde waren im Dorf. Jetzt musste etwas geschehen, ein Reitplatz sollte her. Die Suche nach einem geeigneten Gelände begann.
Unterhalb des Spielplatzes in Flur 61 Im Weiberg fand man ein Gelände, dass die Gemeinde den Reitern zur Verfügung stellte. Jetzt hatte man so etwas wie zu Hause und so mancher Kasten Bier wurde getrunken.
Angetrieben von den älteren Reiterfreunden Wilhelm Schwenk, Jakob Groh, Walter Arnold, Alfred Oppel wurde auch die Geselligkeit gepflegt.
Die Gruppe war jetzt so gefestigt, dass einige jüngere Reiter bei Reitturnieren in der näheren Umgebung teilnahmen, jedoch die Freizeitreiterei überwog.
Reitstunden, die die Gruppe anbot waren gut besucht. Sie konnten wegen des Reitens im Freien nur bei günstigem Wetter abgehalten werden. Nicht immer war schönes Wetter, deshalb war man oft gezwungen, die Reitstunden abzusagen.
Was sollten die Reiter machen?
In Mensfelden, Flur 70 Mohrsgarten, stand eine genehmigte landwirtschaftliche Gerätehalle. Nach zähem Ringen konnte diese Halle durch Nutzungsänderung 1988 in eine Reithalle umgewandelt werden. Ein Reiterstübchen und WC-Anlage wurden eingebaut. Jetzt hatte die Gruppe eine richtige Heimat.
Einige Jahre später wurde hinter der Reithalle ein Reitplatz eingerichtet, jetzt war alles zusammen, so dass der ältere Reitplatz im Weiberg aufgegeben werden konnte.
Verein für angewandte Lebensfreude e.V.
✍ Autor(en):
Thomas Fischer (2025)
Erik Schumacher (2025)
„Beim Jahn ziehe ich nicht mit den Kibus in die Halle ein, sonst kann ich daheim ausziehen.“ war eine Aussage eines Kirmesburschen aus unserem Kibu-Jahrgang 1989.
Der Grund hierfür war die feindselige Atmosphäre zwischen den beiden Sportvereinen in Mensfelden, die sich durch alle Altersgruppen in Mensfelden zog und das Dorf in zwei Lager teilte. Nämlich TuS und TV Jahn.
Wir als Jugendliche wollten das nicht weiter hinnehmen und entwickelten so die Idee unserer Kampagne „Verein(t) Mensfelden“. Diese Aktion war der Grundstein des Vereins für angewandte Lebensfreude.
Der „Verein“ existierte zunächst als Stammtisch im alten Zollhaus in Mensfelden zu dem wir uns jeden Freitag trafen.
Wir entschieden uns 1992 den Verein als e.V. zu gründen, damit wir für unsere geplanten Veranstaltungen, wie NDW-Partys oder das legendäre Chaosweekend, rechtliche Sicherheit hatten und die von Gemeinde geförderten Sporthallen als ortsansässiger Verein nutzen durften.
Mit den üblichen Vereinsstrukturen und -vorgängen hatten wir nicht sehr viel am Hut. Ganz im Gegenteil, bei uns wurde dies auf die Schippe genommen. Zum Beispiel durch eine Ehrung mit Urkunde zur 2,5-jährigen Mitgliedschaft oder unsere satirischen Veröffentlichungen im Mitteilungsblatt. Hier wurde z.B. kurzerhand aus der Kursistenruhe die „Kurt Sisten Ruhe“ gemacht. Was ordentlich Aufruhr im Ort nach sich zog.
Wir hatten jedoch nicht nur Blödsinn im Kopf. Sondern organisierten damals schon Müllsammelaktionen oder veranstalteten den ersten Weihnachtsmarkt (sozusagen der Vorläufer des heutigen Glühweinfestes vom Verein Zukunft und Kultur Mensfelden) an der Bushaltestelle.
Da sich im Laufe der Zeit die Prioritäten der Vereinsmitglieder in Richtung Familie, Hausbau und Beruf verschoben wurde der Verein im Jahr 2000 aufgelöst.
Aufgrund der immer weiter zurückgehenden Infrastruktur im Dorf - wie geschlossenen Geschäfte und Gaststätten - besann sich das Kernteam des alten Vereins wieder auf die Anfänge und gründeten den Verein mit der Neueintragung im Vereinsregister am 06.06.2016 neu.
Die ehemaligen Mitglieder sind nun, 25 Jahre später, zwar nicht mehr ganz so jugendlich, aber weiterhin engagiert im Ortsgeschehen tätig.
Zu den „alten Hasen“ von damals haben sich mittlerweile auch viele jüngere „Miesfellerinnen“ und „Miesfeller“ gesellt, und zusammen werden verschiedene Veranstaltungen und Projekte für Jung und Alt angeboten. Im Vordergrund steht hierbei die Förderung von Kunst und Kultur, des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, des traditionellen Brauchtums und der Förderung der Heimatpflege und Heimatkunde. Wer nun aber vermutet, dass sich die Mitglieder lediglich über alte Geschichten unterhalten, der täuscht sich. Der Fokus liegt auf der Zusammenarbeit aller Generationen, die gemeinsam in alter und neuer Tradition das Dorfleben gestalten und so auch aktiv zur Verständigung zwischen Jung und Alt beitragen.
Einige unserer Projekte, die wir bis jetzt verwirklicht haben, sind:
Aufbau eines Bilderarchivs mit alten und neuen Fotos von Mensfelden und deren Bürgerinnen und Bürgern.
Ein Dorfkaffee mit selbst hergestelltem Kuchen und einer Ausstellung von Bildern aus unserem Bilderarchiv.
Verschiedene Themenabende im Keller der alten Schule, z.B. Spieleabende, Diskussionsrunden zu aktuellen Themen oder auch einfach nur mal sich bei einem Getränk treffen und austauschen.
Verschiedene Workshops, zu Themen wie „Bier brauen“, die Herstellung von Käse, Wurst und Brot, sowie einer Kräuterwanderung.
Gemarkungswanderungen mit Fachvorträgen, z.B. „Bäuerliches Leben vor 50 Jahren“ oder „Keltern und Herstellung von Apfelwein“.
Organisation und Durchführung des traditionellen Schnitzelessens an der Kirmes.
Renovierung und Umbau der Vereinsräumlichkeiten.
Da unsere Workshops (z.B. Brot backen, Käse herstellen) sehr gut nachgefragt werden, arbeiten wir zurzeit am Aufbau der „Dorfhochschule Mensfelden“, in der wir unser Angebot an Kursen und Workshops stetig weiter entwickeln wollen.
Zukunft und Kultur Mensfelden e.V.
✍ Autor(en):
David Diefenbach (2025)
Oliver Klapproth (2025)
Der Verein Zukunft und Kultur Mensfelden e.V. wurde am 6. Januar 2011 gegründet. Das Ziel wird in der Satzung folgendermaßen beschrieben: „Zweck des Vereins ist die Pflege und Förderung von Kultur sowie des traditionellen Brauchtums“
Schon vor der Gründung gab es viele kleinere Gruppen die diverse Veranstaltungen, wie das Straßenturnier, das Kirmesburschenturnier, den Rockabend am Kirmesfreitag und das Glühweinfest organisierten und am Leben hielten. Es war daher unser Wunsch dies alles unter einem neuen Dach zusammenzufassen und gemeinsam zu organiseren um diese Veranstaltungen noch lange am Leben zu halten. Diese waren primär die Kirmesburschenjahrgänge 2004 – 2010 und eine Gruppe Mensfelder Mädels die als „Glühweinmädels“ bekannt waren und bald dem Verein beitraten.
In den folgenden Jahren wurden dann diverse Veranstaltungen organisiert.
KB Turnier
Bis 2019 veranstaltete der Verein das KB-Fußballturnier. Hier konnten sowohl Kirmesburschen als auch Hobbymannschaften teilnehmen. Dieses fand traditionell an Fronleichnam auf dem Mensfelder Kopf statt. Als Nebenwettbewerb gab es einen Saufpokal bei dem die trink-stärkste Mannschaft ausgezeichnet wurde.
Kirmes und Rockabend
Eine der ersten Aufgaben für den Verein war die Kirmes 2011. Dies war die erste Kirmes in der neuen Halle und so gab es einige Änderungen. Zum eine war der TV Jahn nicht mehr aktiv als Veranstalter tätig. Der TV Jahn veranstaltete bis dato traditionell den Kirmesfreitag und war beliebter Anlaufpunkt am Kirmesmontag, da es keine Gasstätte mehr im Ort gab sollte auch dieser Tag neu gefüllt werden.
So galt es primär für uns diese beiden Tage mit neuen Leben zu füllen. Der Kirmesfreitag wurde zu einem Rockabend, als erste Band wurde dafür die Band Sixpash organisiert. Die auch im Jahr zuvor schon auf der Kirmes 2010 die Gäste in der alten Jahn Halle begeisterten. Der Raum der Vereine wurde zur neue Sektbar, wo jährlich ein neues Motto Einzug hielt.
Auch für den Kirmesmontag gab es ein neues Konzept. Dieser sollte von allem Vereinen gemeinsam gestaltet werden Jeder übernahm eine Thekendienst Schicht und wir organisierten primär das Rahmenprogramm. Daraus wuchs dann auch das Konzept „Freibier für Mensfelden”. Unternehmen, Vereine oder sonstige Gemeinschaften spendeten ein Fass Bier und die Getränke wurden dann zu einem kleinen Betrag verkauft um die Unkosten für diesen Tag zu decken.
Seit 2021 nach Corona Pandemie wurde eine Vereinsgemeinschaft mit dem TuS gegründet, die die Kirmes gemeinsam organisiert.
Folgende Bands traten auf:
2011: Sixpash, Jungletones
Sektbarmotto: Pussyclub2012: Sixpash, Branko Slava Superband
Sektbarmotto: Candyshop2013: Sixpash
Sektbarmotto: Schwarzlichtparty2014: Quitchboys, Gave Back Bottles, KaRa and the Kegs
Sektbarmotto: kein Thema2015: The New Roses, Covergang reloaded, KaRa and the Kegs
Sektbarmotto: kein Thema2016: Dorfrocker, Gave Back Bottles
Sektbarmotto: Holz2017: Die Troglauer, Wolpertinger Buam
Sektbarmotto: Omas Wohnstubb2018: Saint, Gave Back Bottles
Sektbarmotto: Heimathafen Mensfelden2019: Sdunets, Inside Out
Sektbarmotto: Sektbar Express nach Hogwarts2021: Fistful of Dollars
Sektbarmotto: kein Thema2022: Dohlemer Boube
Sektbarmotto: Disco2023: Rodgau Monotones, Fistful of Dollars
Sektbarmotto: Malleparty2024: Itchy Toe, Fistful of Dollars
Sektbarmotto: Dschungelparty
Glühweinfest
Das Glühweinfest wurde ebenso zu einer festen Veranstaltung des Vereins. Traditionell am Wochenende vor Weihnachten, also am 4. Advent. Angefangen haben die „Glühweinmädels“ an der Bushaltestelle im Unterdorf. Mit der Gründung des Vereins wurde das Glühweinfest am Zollhaus veranstaltet. 2012 wurde dann das Fest wieder ins Dorf verlegt. Nachdem zunächst noch auf dem Vorplatz der Kirche gefeiert wurde, hat man das Fest an die Erich Valeske Halle verlagert, wo es auch heute noch stattfindet.
Querschnitte e.V. – Sitzend, Größe zeigen!
✍ Autor(en):
Jan Pfeiffer (2025)
Barrieren? Ach ja, die guten alten Hindernisse – geliebt von Städteplanern, gefürchtet von Rollstuhlfahrern. Für die einen bloß ein kleiner Absatz, für die anderen der Himalaya in Flipflops. Und während sich der durchschnittliche Fußgänger fragt, warum da plötzlich eine Rampe steht („War doch vorher auch schön“), fragen sich andere, wie zur Hölle sie heute überhaupt ins Café kommen sollen.
Querschnitte e.V. aus Mensfelden hatte schließlich genug vom täglichen Hürdenlauf durchs Leben und startete 2018 den vermutlich ersten Sitzstreik, bei dem wirklich etwas bewegt wurde. Seitdem zeigen sie, wie man sitzend mehr bewegt als so mancher im Dauerlauf – mit einer Mischung aus Galgenhumor, Kampfgeist und der ruhigen Überzeugung, dass Inklusion keine Bitte, sondern eine Pflicht ist.
Ob als Mitglied im Behindertenbeirat der Stadt Limburg, als Teil des Inklusionskraftwerks Hessen oder mitten im Alltag: Querschnitte e.V. legt die Finger auf die wunden Stellen – freundlich, aber so deutlich, dass selbst die dickste Behörde irgendwann die Ohren spitzt. Wer denkt, Barrierefreiheit sei ein Bonus für eine Randgruppe, wird hier schneller eines Besseren belehrt als ein Marathonläufer ohne Schuhe.
Und sie machen mehr als nur aufmerksam: Mit ihrer Peer-Beratung stehen sie frisch Verletzten und Neu-Behinderten zur Seite, wenn der Boden unter den Füßen (oder Rädern) wegbricht. Keine labbrigen Motivationssprüche, sondern echte Tipps von echten Menschen, die wissen, wie der Hase (oder eben der Rollstuhl) läuft.
Und falls einem nach dem Unfall der Weg durch das Labyrinth der Berufsgenossenschaften und Versorgungsämter schwerer fällt als der erste Spaziergang nach dem Absturz, hat Querschnitte das perfekte Survival-Kit parat: Formulare, Kontakte und manchmal auch einfach ein guter, schmutziger Witz zur rechten Zeit.
Ihr Netzwerk ist groß und wächst weiter: Schulen, Architekturbüros, Kommunen, Kindergärten, Firmen, Kostenträger, Therapeuten – überall da, wo jemand fragt, wie man Barrieren abbaut, hat Querschnitte meistens schon das passende Werkzeug bereit. Und wenn nicht, dann wird kurzerhand eins erfunden. Improvisation ist schließlich das, was uns von Statuen unterscheidet.
Hier geht es nicht um Betroffenheit auf Bestellung, sondern um echte Teilhabe. Wer mit Querschnitte e.V. in Kontakt kommt, geht selten unverändert davon. Vielleicht hinkt man nach einem Hindernisparcours ein bisschen innerlich. Vielleicht lacht man über sich selbst. Und vielleicht merkt man plötzlich, dass Inklusion keine Wohltätigkeit ist, sondern schlicht gesunder Menschenverstand.
Sitzend, Größe zeigen – das ist bei Querschnitte e.V. nicht bloß Mut, sondern eine Liebeserklärung ans Leben mit Macken. Treppen kann man umbauen. Türen kann man verbreitern. Aber die dicksten, hässlichsten Barrieren? Die stehen völlig unsichtbar in unseren Köpfen. Und genau da bohrt Querschnitte e.V. nach – manchmal charmant, manchmal schmerzhaft. Aber immer genau richtig.
Weitere Informationen gibt es unter: www.querschnitte-ev.com
Dorf Computer Club -- Von Nerds für Nerds
✍ Autor(en):
David Diefenbach (2025)
Alles begann an einem Spätsommerabend, genauer gesagt am 19. September 2023. Rund zehn Gleichgesinnte aus Mensfelden, Hünfelden und Limburg fanden sich zusammen, um einen gemeinsamen Ort für ihre Interessen zu schaffen. Das Ziel war klar: Ein Verein für alle, die sich für Technik, Spiele und kreatives Gestalten begeistern. Der Dorf Computer Club Mensfelden, kurz DCC, war geboren.
Ein stetig wachsendes Spektrum an Möglichkeiten
Schon früh zeigte sich der Tatendrang des jungen Vereins, denn eines der ersten Projekte war der gemeinsame Aufbau der eigenen Homepage. Zu Beginn lagen die Schwerpunkte auf Bereichen wie Gaming, Basteln, Coding und Pen & Paper. Doch der Verein entwickelt sich ständig weiter. Im Laufe der Zeit kamen neue spannende Themenfelder wie Drohnen und Flugsimulatoren hinzu. Das Breitenspektrum des Clubs wächst stetig und bietet immer wieder Raum für neue technische und kreative Hobbys, ganz nach den Interessen der Mitglieder.
Neues Leben im ehemaligen Reiterstübchen
In den Jahren nach der Gründung konnte der Verein stetig neue Mitglieder gewinnen. Ein zentraler Meilenstein war dabei das Clubhaus selbst. Das ehemalige Reiterstübchen in der Reiterhalle wurde von den Mitgliedern in Eigenregie umgebaut und dient heute als Herzstück des Vereinslebens. Hier finden die regelmäßigen Treffen und Spielrunden ein festes Zuhause.
Aktiv im Dorf: Von Repair Café bis Pub Quiz
Der DCC ist fest in Mensfelden verwurzelt und trägt aktiv zum Dorfleben bei. Neben dem gemütlichen Sommergrillen für die Mitglieder präsentiert sich der Club jedes Jahr öffentlich beim Adventsfenster. Die Besucher durften sich hier zuletzt über Highlights wie ein Mario Kart Turnier und ein nerdiges Pub Quiz freuen.
Ein besonderer Service für die Allgemeinheit ist das Repair Café. Etwa alle zwei Monate öffnet der DCC seine Türen, um gemeinsam mit Besuchern defekte Geräte zu reparieren und Technik vor dem Müll zu retten. So beweist der Dorf Computer Club Mensfelden, dass Technik Menschen verbindet und gemeinsam einfach mehr Spaß macht.
IX. Anhang
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