VI. Besondere Ereignisse
- Grenzbegang im Jahre 1678
- Auswanderung (1723 - 1933)
- Auswanderung nach Friedrichsfeld im Jahr 1776
- Der Großbrand 1801
- Kaisermanöver in Mensfelden und Umgebung
- Technologischer Fortschritt in Mensfelden
- Die geplante Bebauung des Mensfelder Kopf
- Unser Dorf siegt im Schönheitswettbewerb
- Brand der Zehntenscheune
- Der große Riss im Vereins- und Dorfleben ab 1964
- Die Zeit der Corona Pandemie
- Mensfelden rockt den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“
- Besuch aus Südkorea
- 1250 Jahre Mensfelden
- Die Mensfelder Glanzrenette – Hessische Lokalsorte 2026
Grenzbegang im Jahre 1678
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Instrumentum Notariale der Gemeindstein zu Mensfelden den 1678
Vermog von ihrer Churfürstlichen gndl. zu Trier unter dem dato Ehrenbreitstein den 5ten hujus (dieses Monats) gnädigst erteilten Commission, hat Schultheiß Wilhelm Langenbach von Camberg in Zustand H. Christoph Altgelts Waldeckischen Bedienten, und Nicolaßen Pfeiffers Saarbrückischen Schultheißen, so dann in Gegenwarth Notary die älteste des Dorfes Mensfelden vor sich kommen lassen, und dieselbe sowie abgelassener gnädigster Commision, ihrer äydt (Eide) womit sie gesambter hechst gnädiger Herrschaft zugethan seyen, darauf erinnert, und befohlen, daß sie in Kraft bestehender Pflichten ihrer Wissenschaft, über die ihnen als dann für haltende Fragestück, und was sie selbsten gesehen, und von ihren Voreltern gehört, anders nichts als was die pure Wahrheit wäre, und sie hiermit bei Gott verantworten können, offenbaren sollten, dene dieselben dann als trefflich nachzukommen Handgelöbnis von sich geben, und der Notarius beysein obgesagter Herrn, deren alleaussagen verzeichnet in maßen nach den Fragestücken, die vorgesetzt folgen wird.
Erstlich wie weit die Mensfelder der Meinung gegen das Dietzische Gebieth, und hinwieder dieses gegen das Mensfeldische sich erstrecken.
Wo diese beyde gegeneinander endigen.
Was derhalben vor alten Zeiten vorgräntz (Grenzen), und Scheidzeichenstein oder Stützel gewesen.
Wo die alten Hasenstöcke vorher gestanden.
In welchem Orth die unlängst ausgeworfene Stützel gestanden.
Ob selbige nicht weiter in die Mensfelder Terminey (Gemarkung) als altersher gestanden, eingerückt gewesen.
Was die alte Stöck für Zeichen, und was die neue gewesene Stöck für Zeichen gehabt.
Was für eine Obrigkeit Pfandungen gerichtliche Einsetzungen in die Güter, excutionen (Durchführung), Abschatzungen derselben, oder Jurissictiones (Gerechtigkeiten) mit Rein und Steinen in Mensfelder Terminey (Gemarkung) und wie weit exereziert haben.
Wie, wann, und durch welche Herschaft, auch wie weit des Jagens Gerechtigkeit geübt worden.
Was für nachteilige Eingriffe vor diesem und nehmlicher Zeit in Mensfeldischen Teritorium von den dietzischen Bedienten oder Unterthanen geschehen.
Ob obenbesagte Hasenstöck mit Vorweisen, und beysein der Gemeinschaftsherrn oder deren Bedienten eingesetzt seyen worden, und ob selbige von altersher streitbar gewesen.
Oder ob selbige Stöck nicht einseitig von Nassau Dietz ohne vorweisen, und beysein der gesambter Herschaft gesetzt worden.
Welche Obrigkeit die Frevel, Bußen, und der zehnte Pfennig, welche mensfelderische Terminey (Gemarkung) in und allzeit gefallen, zugeeignet und gegeben worden.
Bei dem Grenzbegang 1678 waren als Zeugen die darüber auszusagen hatten benannt;
Thönges Bonardt 73 Jahre, Trierischer Schultheiß.
Johann Lantz 60 Jahre gewesener Waldeckischer Schultheiß.
Thönges Schmidt 75 Jahre.
Peter Lieber 57 Jahre.
Jost Werner 70 Jahre.
Das Zeugen Verhör am 10ten und 11ten Marty 1678 vor dem Gericht in Mensfelden lautet: Daß die zwischen Mensfelden und Dietz befindliche und in Augenschein genommene Schiedstein welche in den gesagten vier Bergen oder Wälder gelegen, jederzeit für die rechte Gränzmahl gehalten worden, und daß besagte Markstein die Mensfelder Gerechtigkeit außweisen Thäten.
Außer den Schöffen waren auch die Hübner aus Linter geladen soweit sie im Mensfelder Bezirk begütert waren, sowie die Nassau-Diezische Bedienten.
An den jährlich vier festgesetzten Gerichtstagen war es Pflicht, daß auch die Hübner aus Linter erschienen.
Desgleichen meldet ein ander Weißthum, so die Schöffen zu Mensfelden jährlich des Samstags post vincula Petri unter einen Linden zu verlesen, und zu weisen Pflegen, daß soweit das Zehntgeleith Schutz in Mensfelder Feld, oder Gebieth zeiget, alle Frevel ohne unterschied welcherley sie begangen, werden den Herrn zu Mensfelden jedem zu gebührenden Theil zugehören.
Nach der Mensfelder Gerichtsordnung hat das Gericht in Mensfelder Terminey (Gemarkung) das Recht zu Pfänden, juris Dictones (rechtsprechen) ja Satzung zu tun, zu exequiren, abzuschätzen und zu auch entstandene Irrung und Streit durch des Mensfelder Gericht zu entscheiden und darin Steinen zu lassen, Gebott und Verbott, zu Pfänden ab- und zuzuschätzen, und dergleichen actus civiles allein gehabt, und exerciert.
Sowie bey Grenzverletzungen bey Weydt rieb, Jagdfrevel dergleichn durch Gerichtsbeschluß Bestrafungen und Pfändungen durchzuführen.
Beschreibung der alten Grenzzeichen
Alte Stütze: Ein etwa 20 - 30 cm breite Holzpfähle, 8-9 Schuh hoch, diese waren auf der Seite mit einem Zinkblech beschlagen worauf ein Hase ein Feldhuhn gezeichnet waren.
Etwa nach 1686 wurden die alten StützeL von Nassau-Dietz ausgewechselt.
Die neuen Grenzzeichen hatten dieselbe Höhe, anstatt einem breiten Pfahl oben einen Querbalken, worauf die Buchstaben Nahsaw Dietz ins Holz eingeschnitzt waren.
Ferner gab es als Gemarkungsgrenzzeichen Stützel wo eine eiserne Hand darauf war, deren Zeigefinger nach dem Zollhaus zeigte. Gleichzeitig waren bei den alten Grenzzeichen Haselnußstöcke gepflanzt.
Grenzsteine: Es gab auch steinerne Grenzsteine die drei Schuh hoch waren (1 Quadratfeldschuh = 0, 25 ) wie zum Beispiel der Stein an der Blumenroder Hauseck. Die Grenzsteine zwischen den Äckern waren nur ein Schuh hoch und grau bis blau.
Auswanderung (1723 - 1933)
✍ Autor(en):
Gerd Hasselbach (2025)
Europa war im 18. und 19. Jahrhundert kein schöner Ort zum Leben. Kriege überall, Leibeigenschaft, autoritäre Regime, Jobs nur in der Landwirtschaft. Not, Armut, Arbeitslosigkeit und Hunger prägten vielerorts den Alltag – und eine Sehnsucht kam auf. Die Sehnsucht, anderswo neu anzufangen! Jedoch war Auswanderung an staatliche Genehmigung gebunden. 73 Mensfeldener Auswanderer sind offiziell bekannt, die wahre Anzahl lag aber wahrscheinlich doppelt so hoch. Das waren Auswanderer, die keine Genehmigung bekommen hätten, da sie noch Schulden hatten oder mit Recht und Ordnung in Konflikt geraten waren.
| Jahr | Name | Vorname | nach |
|---|---|---|---|
| 1723 | Lautz | Christian | Ostpreußen Litauen |
| 1723 | Lautz | Christina | Ostpreußen Litauen |
| 1723 | Lautz | Christian Kind | Ostpreußen Litauen |
| 1723 | Lautz | Christian Kind | Ostpreußen Litauen |
| 1784 | Becker | Jeremias | unbekannt |
| 1784 | Becker | Jeremias Frau | unbekannt |
| 1784 | Becker | Jeremias Kind | unbekannt |
| 1784 | Becker | Jeremias Kind | unbekannt |
| 1784 | Becker | Jeremias Kind | unbekannt |
| 1796 | Kees | Georg Philipp | Schweiz Lausanne |
| 1796 | Lanz | Johann Jacob | Ungarn (Pest) |
| 1826 | Lautz | Christian Wilhelm | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lautz | Johann Georg | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Müller | Carl | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Müller | Carl Frau | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Müller | Carl Kind | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Müller | Carl Kind | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes Frau | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes Kind | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes Kind | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes Kind | Südamerika Brasilien |
| 1826 | Lieber | Johannes Kind | Südamerika Brasilien |
| 1832 | Deußer | Johannes | Nordamerika |
| 1832 | Deußer | Johannes Frau | Nordamerika |
| 1832 | Deußer | Johannes Kind | Nordamerika |
| 1833 | Müller | Carl Philipp | Nordamerika |
| 1838 | Brechen | Philipp Christian | Amerika |
| 1838 | Brechen | Philipp Christian Frau | Amerika |
| 1838 | Brechen | Philippine Wilhelmine | Amerika |
| 1838 | Brechen | Johann Philipp | Amerika |
| 1838 | Brechen | Carl Philipp | Amerika |
| 1838 | Brechen | Georg Philipp | Amerika |
| 1838 | Brechen | Johanette Christiane | Amerika |
| 1842 | Crecelius | Heinrich Jacob | Nordamerika |
| 1842 | Crecelius | Heinrich Jacob Frau | Nordamerika |
| 1842 | Crecelius | Catharina Elisabeth | Nordamerika |
| 1842 | Crecelius | Christine Philippine | Nordamerika |
| 1842 | Zollmann | Johann Philipp | Amerika |
| 1842 | Zollmann | Catharina Philippine | Amerika |
| 1842 | Zollmann | Maria Christiane | Amerika |
| 1842 | Zollmann | Christiane Catharina | Amerika |
| 1842 | Zollmann | Catharina Wilhelmine | Amerika |
| 1846 | Crecelius | Johann Adam | Amerika |
| 1846 | Rosenberg | Salomon | Nordamerika New York |
| 1846 | Deußer | Jacob | Nordamerika Kentucky Louisville |
| 1846 | Werner | Wilhelm | Nordamerika Missouri St. Louis |
| 1846 | Werner | Wilhelm Frau | Nordamerika Missouri St. Louis |
| 1846 | Heimann | Louis | Nordamerika New York |
| 1847 | Rus | Johanette | Amerika |
| 1847 | Nilges | Georg Christian | Amerika |
| 1847 | Dielmann | Wilhelmine | Amerika |
| 1847 | Dielmann | Maria Philippine | Amerika |
| 1852 | Frickhöfer | Johann Wilhelm | Nordamerika Kentucky Fisherville |
| 1853 | Müller | Johann Christian | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1853 | Müller | Johann Christian Kind | Amerika |
| 1854 | Deußer | Wilhelm | Nordamerika |
| 1854 | Deußer | Christiane | Nordamerika |
| 1854 | Deußer | Maria Johanette | Nordamerika |
| 1854 | Deußer | Johann Wilhelm | Nordamerika |
| 1854 | Deußer | Philipp Wilhelm | Nordamerika |
| 1855 | Schwenk | Johann Philipp | unbekannt |
| 1880 | Löwenstein | Leopold | unbekannt |
| 1880 | Lanz | Johann Wilhelm | unbekannt |
| 1896 | Hartmann | Philipp K. | Nordamerika West Virgina Charlestown |
| 1933 | Brötz | Wilhelm | Nordamerika New York |
Auswanderung nach Friedrichsfeld im Jahr 1776
✍ Autor(en):
Rolf Schwenk (2025)
10 Familien (zusammen 41 Personen) aus den limburgischen Dörfern Mensfelden und Ennerich treffen 1776 in der Gemarkung Trendelburg ein.
Die Auswanderer aus dem kurtrierischen Raum, die den dort drückenden Abgaben und Lasten entkommen wollten, hatten zunächst nach Preußen umsiedeln wollen. Mensfelder Abgesandte, die in Preußen die ihnen dort zugedachten Wohnsitze besichtigen wollten, machten auf dem Weg dorthin in Kassel Station.Da der Raum Trendelburg immer noch schwer an den Folgen desSiebenjährigen Krieges (1756-1763) litt, wurden ihnen von höchster Stelle Vergünstigungen zugesichert, wenn sie ihre Schützlinge im Raum Trendelburg, unweit des sog. „Hammelstalles“, sesshaft machen würden. Das so entstehende Dorf, das als „Kolonie“ bezeichnet wurde, wurde nach dem Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel „Friedrichsfeld“ benannt.
Die Unterbringung der Familien erfolgte zunächst teils in Trendelburg, teils in Behelfshütten. Es begann der Bau der ersten 4 Häuser (Steinhäuser), in denen zunächst alle Familien zusammen wohnten. Die Grundstücke wurden den Kolonisten zur Erbleihe überlassen. In 1777 Bau weiterer 6 Häuser aus Fachwerk. Zum so angelegten Dorf gehören außerdem 10 hölzerne Scheunen und Stallungen (für Kleinvieh), ein Backhaus und ein Brunnen.
Die ersten „Kolonisten“ aus Mensfelden waren:
Georg Wilhelm Lieber sen.
Anton Lieber sen.
Wilhelm Lieber jun.
Anton Lieber jun.
Georg Philipp Zollmann
Georg Anton Frickhöfer
Christian Deußer
Der Großbrand 1801
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Der Großbrand sowie Anlage mit Bittschriften und Einsprüchen zum neuen Bauplan
In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 1801 gegen 11 Uhr abends brach in Mensfelden ein Großbrand aus. Der Großbrand entfachte sich in dem Gehöft Müller in der Schwarzgasse (heutige Schwerzstraße). Durch starken Westwind verbreitete sich das Feuer in Windeseile und im Nu auf den ganzen südöstlichen Teil unseres Dorfes. Die schnelle Verbreitung des Feuers ist auf die damals noch vorhandenen Strohdächer zurückzuführen.
Dem Feuer fielen zum Opfer 70 Wohnhäuser, 50 Scheunen, 276 Ställe und Holzschuppen und 554 Tiere, 266 Menschen wurden obdachlos.
1. Bittschrift: Zur Höchstpreißlich Hochfürstlich Oranien Nassauischen Landesregierung in Dillenburg.
Supplicatio humi Clima ex parte sämtlicher Brandgeschädigten in Mensfelden um gnädigste Unterstützung; und eine Landescollecte. den 2ten November 1801
Welch ein grausames Feuer in der Nacht zum 21ten auf den 22ten Juli d. J. unsere Wohnungen, Scheuern und Stallungen - fast mit allen häußlichen Haabseligkeiten, in kurzer Zeit, ohne alle Rettung, durch den heftigen Wind, leider; in Asche verwandelte, ein solches ist Ew. Ew. gnädigst bekannt. Der geringe Teil des Orths, welcher stehen geblieben, fasst nicht alle Familien besonders da der harte Winter sich nahet. Zum Theil wohnen wir auswärts zum Theil oben auf kalten Böden, unsere Früchte und Vieh haben wir verschiedentlich auswärts bei unsere Nachbarn gebracht. Wie kümmerlich und elend wir also leben und wohnen, ist leicht zu ermessen. Unsere erste Sorge muß also auf Obdach für Menschen und Vieh gerichtet seyn. Leider! treffen alle Wetter der Trübsal über unseren Häuptern zusammen. Kaum ist eine Noth vorbei gewesen, so haben uns schon andere erwartet.
Anno 1779 betraf der Brand fast alle, welche jetzund derselbe betroffen hat. Damals ware noch Credit, und wir lehneten Geld zum Bauen. Aber wir hatten nicht Zeit genug um sich zu erhohlen, so brache der letztere unseelige Krieg aus, welchen bekanntlich Mensfelden durch die sogenannten Anhöhen vor Limburg in seiner ganzen Größe empfande. Wie viele Plünderungen haben wir ausgehalten? Welchen Verwüstungen waren unsere Felder, Gärten, Bäumen, Früchten und sonstigen Gewächsen ausgesetzt, und was haben wir durch kostspielige Einquartierungen, auferlegten Contributionen, Requisitionen, Erpressungen aller Art, erdulden müssen? Wie oft mußten wir unser Leben auf der Flucht und in Winkelen retten; so daß die ganze Gegend sich damals wunderte, wie Menschen noch bestehen können. Nicht genug zu den Privatschulden, deren jeder für sich zu tragen hatte, mußten ohnumgänglich Gemeindsschulden gemacht werden, wo die Zinsen bei den sehr geringen Gemeindsvermögen, noch zu jenen ex proprüs aus eigenen Mitteln zu bezahlen sind. Bei diesen Umständen, wurden durch Unvermögenheit bei allen guten Willen, die herrschaftliche Gültfrüchten/: deren dem Mensfeldens Einwohner mit dem Privatgülten über 120 und noch mehr Malter jährlich entrichten müssen ohne Höfen und dgl. zu gedenken: und Geld-Abgaben nicht entrichtet und im Rückstand belaßen. Mitten in den größten Kriegsübelen führte der Krieg Anno 1795-1796 die Viehseuche herbei, und fast alle unser Vieh wurde ein Opfer dieser Seuche. Dieser Schaden ist nicht zu berechnen, indeme unser Viehbestand im besten Flor (Blüte) ware.
Nachgehends war die Theuerung so groß, daß wir 8, 10, 12, Karolin für eine Kuh bezahlen mußten. Welches Bauern und geringen Unterthanen Vermögen ist nun hinreichend, solchen Stürmen zu wiederstehen, und muß nicht einer mit dem anderen zu Grunde gehen? Die meisten Güter sind verhypotheciret (belastet) - der Credit verloren, kein Geld zu bekommen, und viele haben schon ihre Güter verkaufen müßen, um Zinsen und alte Schulden zu bezahlen. Wozu nun- schauderhafter Anblick- dieser große Brand, wovon Kinds-Kinder noch sagen werden, dazu kommt 70 Wohnhäuser, 50 Scheuern, 276 Ställen und Holzremiesen sind nicht mehr. Das Vermögen der meisten ist verlohren, die Kräften sind verschwunden, und kein Credit.
Von einem Brandashecurations- ode sonstige heilsamen Institut (Versicherung) wissen wir nichts- und von Holz sind wir entblöset. Wahr ist es, unsere Nachbaren, und die benachbarte nicht genug lobende Fürsten und Städte haben durch Landessteuern in Geld und Holz uns so unterstützt, daß wir an 3000 Gulden zehlen, wofür wir ihnen ordentlich, sowie für mehr als 200 Stämme Holz, danken, allein der Schaden ist durch 396 Gebäuden-Verlust, ohne Kleidung und Hausmobilien zu beträchtlich, als daß dieses uns aushelfen könnte.
Wo sollen wir uns nun hinwenden? Als gehorsame treue Unterthanen kommen wir vor unsere höchstgnädigste Landesherrschaft, und schüten so ehrfurchtsvoll als getreue Kinder unser so jammervolles Herze aus. Schon spüren wir Linderung unserer Schmerzen. Das gute gnädige Vater-Herze bürgt uns dafür. Und wir sind gewiß, daß unser Elend, welches wir nur kürzlich erzehlet haben; Mitleiden erweckt, und wir auf kräftige und thätigste Unterstüzung rechnen dürfen. Ew. p. Ew. etc. tragen wir dieses alles mit der unterthänigst fußfälligen Bitte vor; uns- in Geld-Holz- oder sonstigen Natural-Bedürfnissen landesväterlichst gnädigst zu unterstützen, und eine landescollecte verordnen. Ohne Unterstützung sind wir verloren. Wir wollen doch leben, wir müssen Obdach haben, wir wollen getreue Unterthanen bleiben, wir wollen unsere Kinder in Ehren erziehen, wir wollen bauen, damit Mensfelden nicht eine Einöde bleibt. An all diesen Unglücksfällen sind wir nicht Schuld. Die Vorsehung hat solches zugelassen, und der Höchste wolle auch für uns sorgen; lange zu unserer Freude den besten Fürsten uns leben lassen, und dann, werden wir vor die höchste Gnade nicht nur dankbar seyn, sondern zeitlebens in tiefster Ehrfurcht ersterben.
Ew. Ew. PP.
unterthänigste treue gehorsamste durch Brand beschädigte Unterthanen zu Mensfelden
Kirberg d. 8. at: 1801
Hochlöbliches gemeinschaftliches Amt!
Ich habe zu einem nicht geringen Befremden die höchst unerwartete Nachricht erhalten, daß ein Höchlöbliches Amt in dem sehr unglücklichem Ort Mensfelden die Verfügung gemacht habe, daß nach einem gewißen angenommen Plan, die auf den Brandstätten neu aufzuführenden Gebäude erbaut werden sollen, wodurch dann nach bloßer Willkür das Eigentum der Eingesessenen theils gestückelt, theils ganz verändert und dadurch ein unermeßlicher Schaden verursacht werden.
In wie fern dieses nach rechtlichem oconomischen und politischen Gründen gerechtfertigt werden könne, und wir diese ganz willkürliche Behandlung ohne Rücksprache und Beistimmung der Grundeigentümer in einem sonst sehr gesetzlich eingerichteten Staat, wozu Gottlob unser Deutschland noch zu zählen ist, verantwortet werden könne, will ich dermalen gar nicht in eine weitere Erörterung ziehen.
Genug, durch die Befolgung dieses neuen Bauplans sollen mir von meinem frei Adlichen und Ritterschaftlichen Besitzungen ein sehr beträchtlicher Theil entzogen werden, welches mir unmöglich gleichgültig seyn kann, und wozu ich nie meine Einwilligung geben werde.
Ich finde mich also genöthigt, gegen alle Attentate auf meine Besitzungen in loco Mensfelden hiermit feierlich und förmlich zu protestieren, und mir alle Rechtszuständigkeiten so wie erforderlichen Falles die nöthigen Vorwürfe an die Hochweislichen Regierungen und höchsten Reichsgerichts nebst allen verursachten Schäden und Kosten ausdrücklich zu reverieren. Ich ersuche daher ein Hochlöbliches gemeinschaftliches Amt geziemend. Das angefangene Bauwesen nach dem angenommen Plan wenigstens in sofern es meine Besitzungen beeinträchtigen sollte, schleunigst zu inzsibieren, und bis nach erfolgter resolution von den beiden hohen Landesregierungen an welche ich mich zu dem Ende gewendet habe, zu suspendieren.
Dehuper nobile officium judicis hueto more im plorando beharre ich
Eines Höchlöblichen
Gemeinschaftlichen Amtes
ergebener Diener Reichs Freiherr
Reitz von Frenz
De April 1802
Zu gnädigsten Händen
Seiner Hoheit des Durchlauchtigsten Fürsten von Oranien Naßau p. p.
unseres gnädigsten Landesherrn
Unterthänige Bittschrift
der
gemeinschaftlichen Gemeinde Mensfelden
den ihr vorgeschriebenen neuen Bauplan betreffend.
Durchlauchtigster Fürst
gnädigster Landesherr!
Eurer Hoheit nahen wir uns, die sehr bedrängte und bekümmerte Gemeinde Mensfelden. Wir vereinigen die Ehrerbiethigsten Gesinnungen und innigste Freude mit dem Freudenjubel aller getreueßten Unterthanen, welche wir billig darüber empfinden, höchstdieselben als unseren geliebtesten Landesherrn wieder in unserer Mitte zu sehen, und von Höchstdero gefühlvollen Herzen, wie treue Kinder, unseren Kummer und unsere Noth ausschütten zu dürfen. Wir wagen es daher zuversichtwollest, Eurer Hoheit unsere sehr bedrängte Lage devodest zu Füßen zu legen.
Durch den kaum beendeten greuevollen Krieg, und die Verherung einer zweymal wiederfahrenden Viehseuche wurde unsere arme Gemeinde und jedes einzelne Mitglied derselben, in die tiefste Armuth versetzt, und im verflossenen Sommer durch die Wuth einer schrecklichen Feuersbrunst, welche in wenigen Stunden über die Hälfte unserer Gebäude in die Asche legte, unser Elend vollendet. Unserer und unserer Nachkommen Wohlstand ist auf lange Zeit hinaus gänzlich zerrüttet.
Kaum hatte uns die dumpfe Betäubung, worin uns der letzte schreckliche Schlag des grausamen Schicksals versetzt hatte, verlassen, und wir waren im Begriff armselige Hütten auf den Schutt und der Asche wieder zu erbauen, als unser wieder auflebender Muth und die wiederkehrenden Hoffnungen des gemeinschaftlichen Amts ganz zu Boden geschlagen wurden, welche uns ohne Stellung mit dem schrecklichsten unter allem überstandenen Unglück bedrohte.
Es wurde uns ein neuer Bauplan vorgeschrieben den wir ohne Abweichung bey Wiederaufbauung unserer niedergebrannten Gebäude befolgen sollten.
Durch diesen Plan aber sind die noch vorhandenen alten Fundamente und Keller auf welcher wir mit weit geringeren Kosten, die neuen Gebäude wieder aufstellen könnten, für uns ohne Nutzen.
Über 18 Morgen der fruchtbaren Gärten und Ländereyen werden zu neuen Bauplätzen verwendet, und über 300 der edelsten Obstbäume gehen verloren. Gegen 40 Brunnen müßen zugeworfen und neu gegraben werden. Fünfzehn Wohnungen., welche die Wuth der Flammen verschont hatten, mußten mit schweren Kosten in die Linie des neuen Bauplans gerückt werden, davon überdies kein einziges Haus ohne Gefahr des gänzlichen Einsturzes von seinem Platze weggeführt werden kann. Unsere besten Wiesen werden auf ewige Zeiten durch Entziehung der fruchtbaren Wässerung gänzlich verdorben und über dies alles sollen wir einen Flächenraum von wenigstens 700 quadrat Ruthen zu vier neuen Straßen aptieren, und in gemäßheit dieses an manchen Orthen denselben 7 - 8 Fuß tief ausgraben, wo man doch schon nach 3 - 4 schuhen Tiefe, Quellen findet, und soll diese gemeinschaftliche Arbeit von Menschen verrichtet werden, die, wenn sie nicht einen Tag um Lohn arbeiten. kein Brot für sich und ihre hungrige Kinder haben.
Der uns durch diesen neuen Bauplan zugefügte Schaden und Verlust, würde alle unsere bisher überstandenen Unglücksfälle weit übersteigen, und unsere arme Gemeinde für die Zukunft auf immer gänzlich zu Grunde richten, und der ganze Gewinn wäre kein anderer, als daß die Gebäude bey einer künftig etwa entstehenden Feuerbrunst etwas weiter voneinander entfernt würden, und somit, gesichertet wären. Ohne aber zu gedenken, daß dieser Vortheil mit dem unermeßlichen Schaden in keinem Verhältnis stehet, und entstehenden Wind gänzlich ceshirnt; so wäre doch dieser beabsichtigte Zweck auf andere Weise viel leichter und zweckmäßiger zu erreichen, und wir würden z. B. mit unendlich viel geringeren Kosten unsere sämtlichen neue Gebäude durch den glaserischen Holzanstrich ewig unverbrennlich machen können. Wir wagen es daher Euere Hoheit unterthänigst fußfälligst zu bitten, daß Höchstdieselben gnädigst geruhen wollen sich über unsere Beschwerden gegen diesen neuen Plan der überhaupt für unsere localverhältnisse durchaus untauglich ist, von ganz unparteyschen Sachverständigen gnädigst referieren zu lassen, und uns dann huldreich zu mit Verwerfung dieses neuen Bauplans unsere Hütten auf den alten Schutt wieder aufzubauen, jedoch nach einer unschädlichen besseren Einrichtung, die wir uns gerne und willig gefallen lassen wollen.
Wir Leben in der unterthänigsten Zuversicht, uns durch diese höchste väterliche Verfügung der ersten wohltätigen Wirkungen höchstdero erfreulichen Gegenwart im Schooß getreuster Unterthanen, erfreuen zu können, und ersterben in tiefer Submision.
Euere Hoheit unterthänigste
Gemeinde Mensfelden
16. April 1802
An fürstl. Landesregierung vorläufiger Bericht
Die vollziehung des bey der Wiederaufbauung des abgebrannten Theils von Mensfelden festgesetzten Bauplans betr.
Vermöge Auftrags verfügte ich mich mit 8 Mann Soldaten am 14. dieses hieher.
In einem Reserigt (Sonderrecht) von hochlobl. gemeinschaftl. Amt wurden die Resolutionen beyder hohen Landesherrschaften wegen Vollziehung des Bauplans, öffentlich bekannt gemacht und den Einwohnern zu Mensfelden anbefohlen; den Bauplan nicht zuwider zu handeln und die planwidrig stehenden Gebäude auf die angewiesenen Bauplätze in 3 Tagen hinzustellen, wie denn alle überhaupt zu treffenden Verfügungen alsbald vollzogen wurden.
Indeß wurden diese Verfügungen nur zu wenig befolgt. Das planwidrige Fortbauen wurde nur durch die strengsten Befehle an Ort und Stelle geendigt. Dem Amtsjäger aus legte man bey der Wiederaufsuchung der Bauplätze alle möglichen Hindernisse in den Weg. Meinen Vorstellungen, meinen Bitten, meinen Befehlen, meinen Drohungen sowohl an Mehrer als Einzel gerichtet, wurden verneinende Antworten, Schreyen, Schimpfreden, Verwünschungen, Drohungen, Sachen pp. entgegen gesetzt, Männer und Eltern schickten meistens ihre Weiber, ihre Kinder dazu, die eingeschlagene Pfähle wurden des Nachts wieder ausgerissen.
So vielfältig sich auch Gelegenheiten dazu anboten, so konnte ich mich bis jetzt noch zu keinem gewaltsamen Mitteln verstehen in dem ich nur zusehr versichert bin, daß die Wiederspenstigen des dennoch aufs äußerste ankommen lassen, und die planwidrig stehenden Gebäude nach dem Osterfest bis dahin ihnen die zum Abschlagen oder fortrücken bestimmte Frist zu Ende läuft, von Commisionswegen verrückt oder auf und abgeschlagen werden müssen. Ich werde alsdann künftigen Mittwoch oder Donnerstag noch mehrere Mannschaft von Dietz ersuchen, und gleichfalls in der Nachbarschaft Zimmerleute und Arbeitsleute zum Ab- und Aufschlagen requiren. Ich werde erst eine Instruction von g p abgewartet haben, wenn nicht das planwidrige Aufschlagen und Ausbauen der Gebäude eine Eile nothwendig gemacht hätte.
Die nöthige Mannschaft muß ich vom Herrn Commandanten zu Dietz, requiriren, indem die Limburger Garnison jetzt kaum aus 10 Mann besteht, wie mich der Hl. Oberamtmann von Schütz versichert hat, und von Niederselters, außer den 3 gegebenen Soldaten, keine mehr abgegeben werden können.
Mensfelden am 16 April 1802
W.P.
An die Landesregierung zu Dillenburg
Von Gottes Gnaden Wilhelm Prinz von Oranien Fürst zu Nassau, Graf zu Katzenellenbogen Vianden Diez, Spiegelberg Büren, Leerdam und Ceytenberg ppp Erb- Stadt-halterhalter Erb-Gouverner, Erb-Capitaine und Admiral-General der vereinigten Niederlanden Erb-Capitaine General und Admiral von der Union, Ritter des Hosenbandes, auch des schwarzen Adlers.
Wohlgebohrne, Wohledle, Edle, Teft- und Hochgelehrte, liebe Getreue! Wir haben uns vortragen laßen, was ihr unterm 20ten d. M. über das Gesuch der Brandbeschädigten zu Mensfelden unter Einziehung des ihnen vorgeschriebenen Bauplan berichtet habt und geben auch auf den Supplicanten nunmehr von unsretwegen zur Resolution bekannt zu machen:
daß wir ihre gegen den ihnen vorgeschriebenen Bauplan erregten Beschwerden in Erwägung gezogen, und solche theils unbegründet, sehr übertrieben, im ganzen aber unerheblich gefunden hätten; daß wir allezeit sehr abgeneigt seyen von unseren getreuen Unterthanen, die Aufopferung ihres privat Eigenthums, und ihrer besonderen Convenienz (passent oder übereinstimmend) für das gemeine Beste willkürlich zu erzwingen, daß aber in dem vorliegendem Falle, wo die Wohltätigkeit des Zwecks für den Ort Mensfelden, und alle dießen Einwohnern so offenbar am Tage liegen, und ihre Wohlfahrt so sichtlich befördert werde, wie ihrem Gesuche, um mit dem entworfenen Bauplane gänzlich verschonet zu bleiben.
zu willfahren uns nicht entschließen können, sondern vielmehr gut gefunden hätten, daß es bey dießem von beyderseits mitherrschaftlichen Regierungen genehmigten Bauplane besonders nach dem neuerlich auf daß anderweite Gutachten der Bauverständigen, aus einer alles erschöpfenden Nachsicht gegen die Beschwerden der Supplicanten darin gemachten Veränderungen sein unabänderliches Bewenden haben solle.
Wir können auch aber die unangenehmen Empfindungen nicht verbergen, welche der pranposterierte Gang dieser Angelegenheit in uns erregt hat; indem nach den bekannten Vorfällen in Mensfelden, und nachdem auf die von euch verfügten Zwangsmittel die Supplicanten sich nach den Absichten der Regierungen zu fügen angefangen haben, uns die Freyheit den Plan zu billigen, oder zu verwerfen, gewißermaßen abgeschnitten, und unsere auf das Gesuch der Supplicanten genommenen Resolution, aufs gelindeste ausgedrückt überflüssig geworden ist.
So sehr wir uns überzeugt hatten, daß im vorliegenden Falle eine frühere vollständige Berichterstattung nicht wohl thunlich gewesen, und uns die werkstellig gemachten Zwangsmittel nur allein durch den frevelhaften Ungehorsam einiger Brandbeschädigten provorciret worden seyen, so können wir gleich wohl nicht umhin, auch in allen, besonders aber in solchen FäIlen, wo durch einen Verzug der Resolution unsere landesherrliche Würde mehr oder weniger compromittiret zu werden in Gefahr kommt, die Beschleunigung der Berichterstattung, allenfalls auch nur zum Behuf (Zweck, Erfordernis) einer provisorischen Resolution bestermaßen, und um so mehr anzuempfehlen, als die Entfernung aus unserem Landen nicht mehr wie ehedem provisorische Verfügungen nöthig machet noch den Verzug unserer Resolution rechtfertigt.
Und da wir in dem vorliegenden Falle uns wenigstens auf einer anderen Seite den Supplicanten als Landesherren zu zeigen wünschen, so geben wir auch hiermit gnädigst auf, mit dem allerfordersamsten (sorgsamsten), und wonöthig selbst ohne die Mitherrschaftliche Entschließung abzuwarten, an uns zu berichten, auf welche Weise den Supplicanten, besonders den Hilfsbedürftigen, und gegen die obrigkeitliche Verfügungen gehorsam gewesen, die vielleicht schon allzulange vorenthaltene landesherrliche Unterstützung am füglichsten angedeihen könne ? Womit wir auch übrigens in Gnaden stets wohl beygethan verbleiben.
Oranienstein, den 24. April 1802
Euer Wohlafsectionirter
W. Pr. v. Oranger
Verzeichnis: Für das Dorf Mensfelden wegen erlittenen Brandschaden eingegangene Colecte
| Gulden | Albus | Pfennig | |
|---|---|---|---|
| Von der Stadt Dillenburg mit 7 Gemeinden | 84 | 9 | 6 |
| Vom Amt Renneroth mit 14 Gemeinden | 52 | 7 | 3 |
| Vom Amt Ellar mit 12 Gemeinden | 24 | 1 | |
| Von der Gemeinde Sinn von 14 Einwohner | 1 | 23 | |
| Von den Beamtinnen und Beamten der Fürstlichen Landesregierung | 80 | 15 | |
| Summa | 241 | 65 | 9 |
Anmerkungen zu Großbrand 1801
Die in dem Plan voll punctierten Figuren bezeichnen die Stellungen der vom Feuer zum Theil geretteten Häuser, welche aber nach der neuen Einrichtung in die Linien gerückt werden müssen.
Die voll punctierte Figur bey Nr. 1 ist das stehen gebliebene Haus des Karl Müller, muß aber in die Linie wie die neue Zeichnung ausweiset oben an die Kirchgasse gerückt aber ein neues Stück angebaut werden.
Die voll punctierte Figur bei Nr. 11 ist das stehen gebliebene Haus des Heinrich Jungen Wittib, und muß nach dem neuen Plan gedreht werden, um einigermaßen einen Raum zwischen diesem und des Karl Müller Haus hervorzubringen.
Die Figur auf Nr. 10 ist des Jacob Zollmanns stehen gebliebene Haus, selbiges muß nur auf die neue Zeichnung Nr. 10 geschoben werden. Die Figur zwischen Nr. 9 und 10 ist ein Stall des Jacob Zollmann, dieser fällt ganz weg.
Das punctierte Quadrat bey Nr. 9 ist das Haus des Christian Zollmann, und muß ebenwohl auf die Zeichnung Nr. 9 gefahren werden.
Das angemerkte Viereck an der Schule ist das Haus des Philipp Zollmann, welches nach der neuen Einrichtung auf die Figur 12 geführt werden muß.
bey Nr. 2 ist des Karl Völkers
bey Nr. 33 des Anton Müllers
bey Nr. 41 des Jud Heiman Herzen und
bey Nr. 53 des Johannes Hohlwein und Georg Wagners Haus und mit voll punctierter Linie angemerkt, welche alle auf die Stellen der erst erwähnten Nummern gebracht werden müssen.Das Haus des Baltasar Breche, welches bei Nr. 38 angemerkt ist, muß auf die Figur Nr. 37 herunter geführt werden.
Verzeichnis der Brandstätten und Hofräume 1801
Nr. 5) Verzeichnis des Flächen-Inhalts der Brandstätten und Hofräume, sowie auch von den, bey jeder Hofreithe liegenden und zu derselben gehörige Gärten, und einen litteraichen Anhang derer Plätze, welche in diesen Plan gezogen werden (1801)
| Nr. | Name der Besitzer | Ruthen | Schuh | Zoll |
|---|---|---|---|---|
| 1. | Adam Werner | 12 | 85 | 47 |
| 2. | Jost Schuhmanns Kinder | 12 | 25 | 84 |
| 3. | Johannes Lanz sen. | 12 | 68 | 78 |
| 4. | Johann Philipp Deuser sen. | 13 | 56 | 27 |
| 5. | Johann Christian Lanz | 19 | 86 | 17 |
| 6. | Christian Krampf | 11 | 88 | 9 |
| 7. | Wilhelm Anton Niebergall | 11 | 8 | 21 |
| 8. | Johannes Crecelius | 3 | 37 | 16 |
| 9. | Johannes Schuhmann | 6 | 22 | 74 |
| 10. | Philipp Wilhelm Oppel | 9 | 93 | 73 |
| 11. | Johann Philipp Wagner | 1 | 47 | 87 |
| 12. | Friedrich Schmidts Wittib | 8 | 56 | 42 |
| 13. | Philipp Friedrich Reinhard | 3 | 43 | 65 |
| 14. | Adam Müller | 12 | 45 | 34 |
| 15. | Philipp Georg Goebel | 18 | 6 | 75 |
| 16. | Johannes Heinrich Lieber | 13 | 93 | 5 |
| 17. | Wilhelm Deußer | 28 | 61 | 92 |
| 18. | Georg Anton Zollmann | 8 | 26 | 50 |
| 19. | Anton Lieber | 28 | 40 | 22 |
| 20. | Vollmar Werner | 12 | 70 | 20 |
| 21. | Herr von Boos | 60 | 37 | 75 |
| 22. | Christian Pfeiffer | 16 | 63 | 16 |
| 23. | Heinrich Jurg | 6 | 38 | 38 |
| 24. | Johannes Holwein | 5 | 13 | 60 |
| 25. | Georg Wagner | 90 | 90 | |
| 26. | Jud - Heymann Herz | 15 | 70 | 96 |
| 27. | Carl Lieber | 25 | 80 | 27 |
| 28. | Friedrich Will | 3 | 12 | 50 |
| 29. | Jacob Zollmann | 24 | 48 | 20 |
| 30. | Baltasar Breche | 15 | 15 | 37 |
| 31. | Anton Schwenk | 15 | 11 | 40 |
| 32. | Anton Keeß | 15 | 30 | - |
| 33. | Johannes Lanz jun. | 16 | 97 | 44 |
| 34. | Jost Lieber | 22 | 35 | 55 |
| 35. | Georg Anton Blank | 13 | 44 | 70 |
| 36. | Heinrich Helfrich | 43 | 84 | 42 |
| 37. | Philipp Schmidt | 26 | 37 | 24 |
| 38. | Philipp Jacob Girm jun. | 24 | 68 | 17 |
| 39. | Philipp Schuhmann | 12 | 49 | 93 |
| 40. | Philipp Anton Lanz | 11 | 74 | 10 |
| 41. | N.N. | 5 | 62 | |
| 42. | Wilhelm Scheid | 11 | 35 | 67 |
| 43. | Christian Frickhöfer | 6 | - | 22 |
| 44. | Wilhelm Reh | 13 | 16 | 51 |
| 45. | Pallhaser Breche | 36 | 10 | 7 |
| 46. | Christian Kluft | 17 | 92 | 13 |
| 47. | Johannes Lieber | 26 | 96 | 37 |
| 48. | Heinrich Schack | 5 | 28 | 86 |
| 49. | Adam Hollwein | 10 | 69 | 26 |
| 50. | Carl Völker | 26 | 6 | 3 |
| 51. | Georg Dielmann | 55 | 85 | 81 |
| 52. | Carl Müller | 4 | 42 | 42 |
| 53. | Heinrich Jungen Wittib | 14 | 74 | 82 |
| 54. | Jacob Zollmann | 21 | 68 | - |
| 55. | Christian Zollmann | 11 | 95 | 43 |
| 56. | Philipp Dielmann | 7 | 41 | 5 |
| 57. | Anton Schwenk | 26 | 43 | 83 |
| 58. | Georg Carl Schuhmann | 29 | 68 | 42 |
| 59. | Philipp Zollmann | 14 | 9 | 94 |
| 60. | Christian Müller | 11 | - | 62 |
| 61. | Georg August Deuser | 19 | 4 | 91 |
| 62. | Der Bauplatz wo das Or. Naß. Zehntgebåude gestanden | 51 | 8 | 38 |
| 63. | Der Platz auf welchem die Pfarrgebäude gestanden | 64 | 99 | 11 |
| 64. | Adam Lieber | 14 | 67 | 24 |
| 65. | Künzen Wittib | 13 | 68 | 66. |
| 66. | Adam Werner | 30 | 47 | 40 |
Verzeichnis der Plätze für den Wiederaufbau 1801
Verzeichnis derer Einwohner zu Mensfelden, welche nach dem neuen Plan ihrer wiederaufzubauende Wohnungen auf die vorgezeichnete nummerierten Plätze bauen sollen. (1801)
| 1. | Carl Müller |
|---|---|
| 2. | Carl Völker |
| 3. | Johannes Lieber |
| 4. | Anton Lieber |
| 5. | Volkmar Werner |
| 6. | Georg Carl Schuhmann |
| 7. | Georg Dielmann |
| 8. | Anton Schwenk |
| 9. | Christian Zollmann |
| 10. | Jacob Zollmann |
| 11. | Heinrich Jungen Wittb. |
| 12. | Philipp Zollmann |
| 13. | Georg August Deuser |
| 14. | Anton Schwenk |
| 15. | die Pfarr Hofreithe |
| 16. | Wilhelm Anton Niebergall |
| 17. | Adam Werner |
| 18. | Johann Philipp Deuser |
| 19. | Johann Christian Lanz |
| 20. | Vacat (= leer) |
| 21. | Jost Schumann Kinder & Christian Müller |
| 22. | Philipp Schuhmann & Anton Lanz |
| 23. | Johannes Lanz sen. |
| 24. | Philipp Wilhelm Oppel |
| 25. | Kunzen Wittib & Johannes Crecelius |
| 26. | Johannes Schumann & Philipp Friedrich Reinhard |
| 27. | Adam Hollwein |
| 28. | Christian Kluft |
| 29. | Heinrich Crecelius |
| 30. | Philipp Georg Goebel |
| 31. | Friedrich Schmidts Wittib |
| 32. | Johann Philipp Wagner & Philipp Anton Schumanns Wittib |
| 33. | Anton Müller |
| 34. | Wilhelm Deußer |
| 35. | Johannes Heinrich I..ieber |
| 36. | Herr von Boos |
| 37. | Baltasar Breche |
| 38. | Christian Frickhöfer & Wilhelm Scheid |
| 39. | Philipp Schmidt |
| 40. | Anton Keeß & Philipp Jacob Girm jun. |
| 41. | Jud Heium Hirz |
| 42. | Heinrich Helfrich |
| 43. | Georg Anton Blank |
| 44. | Johann Philipp Lieber |
| 45. | Balthaser Breche |
| 46. | die Dietzer Herrschaft |
| 47. | das Spritzenhaus |
| 48. | Vacat: Oranien Naßau |
| 49. | Vacat:Ph. Friedrich Reinhard |
| 50. | Vacat: Anton Keeß |
| 51. | Vacat: von Boos |
| 52. | Johannes Ianz jun. |
| 53. | Johannes Hollwein & Georg Wagner |
| 54. | Wilhelm Schmidt & Heinrich Schack |
| 55. | Heinrich Jung |
| 56. | Carl Lieber |
| 57. | Jacob Zabel |
| 58. | Jacob Zollmann |
| 59. | Friedrich Will |
Verzeichnis derjenigen Gärten, Aecker und Wiesen welche in diesen Plan gezogen wurden. (1801)
| a) | Jost Lieber |
|---|---|
| b) | Johannes Hollwein |
| c) | Heinrich Jung |
| d) | Johann Wilhelm Zollmann & Johannes Thielmann |
| e) | Georg Wilhelm Weil |
| f) | Jacob Zollmann |
| g) | Philipp Wilhelm Oppel 5 Philipp Ruß |
| h) | Philipp Wilhelm Schwenk |
| i) | Johannes Thielmann |
| k) | Balthaser Breche |
| l) | Georg Wilhelm Crecelius Wittib |
| m) | Georg Wilhelm Fritz |
| n) | N.N. |
| o) | Georg Keesen Wittib |
| p) | Heinrich Crecelius |
| q) | N. N. mehrere Theile |
| r) | Georg Peter Thielmann |
| s) | Anton Schwenk |
| t) | Vollmar Werner |
| u) | Johannes Heinrich |
| v) | Lieber Wilhelm Schnee |
| w) | Georg Crecelius Wittib |
| x) | Oranien Nassauische Wiese |
| y) | Herr von Schlenderhahn |
| z) | Philipp Deuser sen. |
| aa) | Johannes lanz sen. |
| bb) | Herr von Schlenderhahn |
| cc) | N.N |
| dd) | N.N. |
| ee) | Philipp Ruß |
| ff) | Herr von Schlenderhahn |
| gg) | Georg August Kleinschmidt |
| hh) | Heinrich Helfrich |
Die Pläne befinden sich im beigelegten Anhang.
Kaisermanöver in Mensfelden und Umgebung
✍ Autor(en):
Günther Foth (2025)
Kaiserbäume
Zunächst möchte ich ein Hinweis bezüglich der Kaiserbäume auf dem Mensfeldener Kopf geben. Viele glauben, dass diese Bäume zu Ehren von Kaiser Wilhelm II. nach dem Kaisermanöver 1905 gepflanzt wurden. Tatsächlich wurden jedoch bereits in den Jahren 1860 und 1886 sogenannte Kaiserbäume zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. auf dem Meko gepflanzt. Seitdem zieren zwei Akazien Richtung Osten und Westen, zwei Linden Richtung Norden und Süden sowie eine Kastanie in der Mitte den Mensfeldener Kopf. Die Baumpflanzungen zu Ehren Kaiser Wilhelm I. waren auch der Grund für die Sedansfeiern, die bis zum ersten Weltkrieg auf dem Mensfeldener Kopf stattfanden. Hier wurde die deutsche Einheit unter patriotischen Reden und Liedern gefeiert. Der Sedantag war ein Gedenktag, der im Deutschen Kaiserreich jährlich um den 2. September begangen wurde. Er erinnerte an die Kapitulation der französischen Armee am 2. September 1870 nach der Schlacht bei Sedan.
Kaisermanöver
Eine besondere Erinnerung bleibt das große Kaisermanöver von 1905, bei dem Kaiser Wilhelm II. anwesend war. Am 12. September 1905 begann das Kaisermanöver des 8. Armeekorps gegen das 18. Armeekorps zwischen Werschau und Mensfelden. Der Höhepunkt des letzten Tages fand am Oberbrecher Berg und Nauheimer Kopf statt. Kaiser Wilhelm II. beobachtete das Geschehen mit seinem Stab auf dem Nauheimer Kopf, begleitet von Kronprinz Friedrich Wilhelm, Kaiserin Viktoria, Prinz Eitel Wilhelm und anderen. Ob der Kaiser und sein Gefolge auch auf dem Mensfeldener Kopf waren, ist nicht dokumentiert. Ein Gedenkstein auf dem Nauheimer Kopf erinnert heute an dieses Ereignis, das Kaiser Wilhelm II. dort eine Manöverkritik abhielt.
Was dokumentiert wurde, sind die erheblichen Manöverschäden. Während der Manöverzeit war die Ernte noch in vollem Gange. Das Getreide war noch nicht vollständig abgeerntet und die Kartoffel- und Rübenernte hatte noch nicht begonnen. Da bei dem Manöver neben Menschen und Pferden auch Geschütze eingesetzt wurden waren die Schäden erheblich. So erhielt Werschau z. B. 12.000 Mark als Entschädigung für Flurschäden. Welche Summe an Mensfelden ausgezahlt wurde, ist leider nicht bekannt.
Kaiser Wilhelm II. und sein Gefolge waren zu dieser Zeit bereits mit Automobilen unterwegs. Während der Zeit des Manövers wurde er beim Verlassen der Stadtkirche in Limburg an seinem Automobil fotografiert.
Technologischer Fortschritt in Mensfelden
Mensfelden war über viele Jahrhunderte landwirtschaftlich geprägt – ruhig, bodenständig und eng mit der Natur verbunden. Mit dem Einzug technischer Neuerungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann auch hier ein Wandel, der das Leben der Menschen nachhaltig veränderte.
Die erste Poststelle – ein Tor zur Welt (1890)
Im Jahr 1890 wurde in Mensfelden die erste Poststelle eingerichtet. Zuvor wurde das Dorf postalisch von Kirberg aus betreut. Der erste Posthalter war Philipp Schumacher – in der Backhausstraße betrieb er die Poststelle, die bis 1945 bestand.
Telefonanschluss – eine Revolution der Verbindung (1895)
Nur fünf Jahre später – 1895 – erhielt Mensfelden seinen ersten Telefonanschluss. Allerdings war dieser zunächst ausschließlich für die Post bestimmt. Die Verbindung reichte bis nach Limburg und war ein echtes Novum.
Die Motorisierung hält Einzug (1901)
Im Jahr 1901 erlebte Mensfelden eine kleine Sensation: Der erste Motorwagen fuhr durchs Dorf. Ein Tierarzt aus Limburg lenkte das Automobil über die damals noch holprigen Wege – für viele Dorfbewohner ein geradezu unglaublicher Anblick. Kurz darauf folgte eine weitere Premiere: Pfarrer Bökel erhielt das erste Motorrad im Ort. Diese beiden Ereignisse markierten den Beginn des motorisierten Zeitalters in Mensfelden. Fahrzeuge waren zu dieser Zeit noch eine absolute Seltenheit, jedes neue wurde bestaunt wie ein technisches Wunder.
Die Elektrifizierung – Licht und Kraft für das Dorf (1913–1914)
Die große Wende kam mit der Elektrizität. Nach der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 in Frankfurt nahm die Elektrifizierung in Deutschland Fahrt auf. 1913 wurde eine Fernleitung von Höchst über Staffel und Holzappel in den Westerwald gebaut – sie verband Wasserkraftwerke an der Lahn, ein Braunkohlekraftwerk in Höhn und das Heizkraftwerk in Höchst. Diese Leitung diente nicht nur der Versorgung, sondern auch der Vorbereitung zur Elektrifizierung ländlicher Gebiete wie dem Taunus.
Im Herbst 1913 beschloss die Gemeindevertretung Mensfelden, das Dorf an das neue Stromnetz anzuschließen. Bereits am 16. September 1914 brannte in Mensfelden zum ersten Mal elektrisches Licht – ein Meilenstein in der Dorfgeschichte.
Die erste Verdrahtung verlief entlang der Hauswände, zwischen Gebäuden und in den Ställen, meist über Porzellanisolatoren und Freileitungen. Typisch war ein pauschaler Brennstellentarif, z. B. für zwei Glühlampen. Wurden mehr Lampen eingeschaltet, begann das Licht zu flackern – ein frühes Zeichen der begrenzten Kapazitäten.
Der Strom bringt Bewegung – Elektromotoren im Einsatz
Noch vor, aber vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, kamen in Mensfelden auch Elektromotoren zum Einsatz. Sie waren anfangs sehr teuer, aber leistungsfähig. Oft wurde mit einem Motor über eine Transmission gleich mehrere Maschinen betrieben – etwa Schrotmühlen, Rübenschnitzler oder auch die ersten Waschmaschinen.
Selbst der bis dahin übliche Bulldog-Antrieb für Dreschmaschinen wurde zunehmend durch Elektromotoren ersetzt. Ein stummer Zeitzeuge dieser Entwicklung ist noch heute an einem Haus in der Schlimmstraße 14 zu finden: Dort befindet sich der letzte bekannte Stromanschluss für einen solchen Motor, sichtbar an der Fassade – ein Stück technischer Dorfgeschichte, das erhalten blieb.
Die geplante Bebauung des Mensfelder Kopf
✍ Autor(en):
David Diefenbach (2025)
Mitte der 1960er Jahre fasste die Gemeinde Mensfelden den Entschluss, den markanten Mensfelder Kopf touristisch und städtebaulich zu erschließen. Mit seinen 315m, der weiten Aussicht bis hin zum Großen Feldberg im Taunus und der Nähe zu Limburg erschien der Ort als idealer Standort für ein ambitioniertes Projekt.
Die Planungen
Im Jahr 1965 legte ein Frankfurter Architektenteam Bürgermeister Walter Schwenk erste Konzepte vor. Was zunächst als Idee für einen Aussichtsturm mit Gaststätte gedacht war, entwickelte sich rasch zu einer umfassenden Vision für ein Sonderbaugebiet mit Wohnsiedlungen und Freizeiteinrichtungen.
Die Planer gliederten ihr Vorhaben in fünf Bauabschnitte:
Wohnsiedlung I
59 Häuser
88 Garagen (prognostiziert: 1,6 PKW pro Familie bis 1970)
Einkaufshaus
drei Kinderspiel- und Altenruheplätze
Bassin und Grünanlagen
Wohnsiedlung II
31 Häuser
35 Garagen
weiteres Einkaufshaus
Spiel- und Ruheplatz
Bassin und Grünflächen
Touristische Einrichtungen
Aussichtsturm (15 m Höhe) mit Fahrstuhl und Treppenaufgang
Restaurant mit Terrassen, Café, Tanzsaal und Bar
zentrale Heizungsanlage, Trafostation, Müllverbrennung, Wäscherei, Tankstelle
47 Garagen
Jugendheim mit Terrassen, Liegewiesen und Spielplätzen
Schwimmbad mit Umkleidekabinen, Liegewiesen und Spielplätzen
Damit war eine Siedlung mit 90 Wohneinheiten sowie umfangreichen Freizeit- und Versorgungseinrichtungen vorgesehen. Besonderer Wert wurde auf die Vermeidung von „offenen Abstellplätzen“ und jeglichem Autoverkehr innerhalb des Wohngebietes gelegt
Technische und wirtschaftliche Eckpunkte
Fläche: rund 50,000 m2
Erschließung: Wasser über Mensfelden, Abwasser über Mensfelden oder eigene Kläranlage, Strom- und Gasleitungen; Garagen unsichtbar in Hanglagen
Finanzierung:
Verkauf:Dies war die von den Architekten dringend empfohlene Lösung. Sie rechneten vor, dass die Gemeinde bei einem Verkauf von ca. 50.000 m² zu einem Preis von ca. 20 DM/m² Einnahmen von rund 1.000.000 DM erzielen könnte. Dieses Geld könnte sofort gewinnbringend reinvestiert werden
Erbpacht: Bei diesem Modell würde die Gemeinde Eigentümerin des Bodens bleiben und ihn für 99 Jahre verpachten. Die Planer rieten vehement von dieser Option ab und bezeichneten die langfristige Hochrechnung der Einnahmen als „Milchmädchenrechnung“. Ihr Hauptargument dagegen war, dass Bauherren auf Pachtland kaum Hypotheken von Banken erhalten würden, was das gesamte Projekt von vornherein gefährden würde.
Besonderheit: Eine Klima-Analyse sollte die gesundheitlichen Vorteile der Höhenlage (z. B. für Asthmatiker) untersuchen.
Einschätzung der Grundstücke
Ein bemerkenswerter Punkt ist, wie die Planungsgesellschaft die Grundstücke am Mensfelder Kopf bewertete. In den Akten heißt es:
„Die kleinere Fläche im Eigentum Privater … deren Ertrag gering ist, [wird] ohne Schwierigkeiten und Zwangsverfahren für den Planungszweck zur Verfügung gestellt werden.“
Noch deutlicher wurde das Gelände selbst abgewertet:
„Eine derzeit beinahe kahle Kuppe, ähnlich einer Kraterlandschaft auf dem Mond, bzw. den Resten einer kriegsausgebombten Öd- bzw. Brachlandfläche ohne jeden Nutzen.“
Für die Planer war das Gelände damit „totes Kapital“, das durch eine Umwandlung in Bauland erst Wert erhalten sollte. Der ideelle oder emotionale Wert für die Eigentümer spielte dabei keine Rolle – man ging schlicht davon aus, dass jeder verkaufen würde.
Soziale Vorstellungen
Auch in Bezug auf die späteren Bewohner offenbaren die Planungsunterlagen eine heute befremdlich wirkende Denkweise. Zwar betonten die Architekten, dass es sich „keinesfalls um eine exklusive Prominentensiedlung“ handeln solle, dennoch wurde eine klare Trennung zwischen sozialen Schichten formuliert:
„Gaststätte, Aussichtsturm, Jugendheim und Schwimmbad nebst Liegewiese wären jedem zugänglich. Für Minderbemittelte ist noch ein üblicher Kiosk vorgesehen.“
Diese Formulierung zeigt, dass die Anlage gedanklich stark nach sozialer Herkunft aufgeteilt war: hochwertige Gastronomie und großzügige Freizeitanlagen für Wohlhabende, ein Kiosk für weniger zahlungskräftige Besucher.
Das ungeschriebene Ende und die Realität von 1971
Die ambitionierten Pläne aus dem Jahr 1965 wurden nie umgesetzt. Ein Schreiben des Gemeindevorstands an den Landrat vom 14. September 1971 zeichnet ein völlig anderes Bild von der Realität am Mensfelder Kopf. Von einer exklusiven Wohnsiedlung ist keine Rede mehr. Stattdessen wird der Kopf als „beliebtes Ausflugsziel und Erholungszentrum“ beschrieben. Doch die Natur litt unter dieser Beliebtheit. Die Gemeinde beklagte, dass die gesamten Grünflächen und insbesondere das Heidekraut durch den starken Verkehr von Privat-Pkw „vernichtet“ würden. Zusätzlich hätten Fahrschulwagen der Bundeswehr bei Übungen das Gelände durchkreuzt und weitere Schäden verursacht.
Anstatt über Bauabschnitte zu debattieren, bat die Gemeinde nun um die Genehmigung, Sperrschilder aufzustellen, um die Natur zu schützen und den Menschen Erholung zu ermöglichen. Die Antwort des Landrats vom 17. Dezember 1971 fiel pragmatisch aus: Eine offizielle Sperrung mit amtlichen Verkehrszeichen sei auf den Feldwegen nicht möglich. Die Gemeinde könne jedoch in Eigenverantwortung private Schilder mit der Aufschrift „Privatweg, gesperrt für Kraftfahrzeugverkehr außer Forstbetrieb und landwirtschaftliche Fahrzeuge“ aufstellen.
Das Projekt bleibt ein unvollendetes Kapitel der Ortsgeschichte, dessen Scheitern sich jedoch als ein stiller Sieg für den Naturschutz und den Erhalt der besonderen landschaftlichen Schönheit des Mensfelder Kopfes für nachfolgende Generationen erwies.
Unser Dorf siegt im Schönheitswettbewerb
✍ Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Heimat wie bist du schön! Dies auch zu repräsentieren, hat unsere Gemeinde 1962 und 1963 verwirklicht, als noch eine ungestörte Harmonie alle beseelte. Was einst noch als altgewohnte Lagerplätze und Abstellplätze von Ackergeräten benutzt worden war, hat man gründlich aufgeräumt und sie zu schönen Parkanlagen hergerichtet, wozu einige Bürger mit großem Fleiß und Idealismus ihre Freizeit opferten. Aber ohne Mithilfe der Einwohner, bei der fast jeder zur Verschönerung seines Anwesens durch Blumenschmuck und Anstrich der Häuser, Tore und Gartenzäune beitrug, wäre es nicht möglich gewesen, an dem Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden teilzunehmen. Im Jahre 1962 und 1963 wurden allein für den Anstrich der Toreinfahren und Gartenzäune durch Sammelbestellung, für 2.300,00 DM Farbe beschafft. Der Verschönerungsverein stellte 760,00 DM für Ruhebänke und Anpflanzungen zur Verfügung. Unser Verschönerungsverein, geführt von unserem damaligen, mit unermüdlichen Fleiß vorangehenden 1. Vorsitzenden, Herrn Pfarrer Hans Debusmann, ist es zu verdanken, dass die Gemeindeplätze von einstiger unansehnlicher Verwahrlosung zu schönen Grünanlagen wurden. Auch die einzelnen Straßenbewohner, wie die in der Remmeltstraße und Querstraße, haben aus eigener Initiative dazu beigetragen, den kleinsten Winkel bewundernswert auszuschmücken. Besonders aufopferungsvoll haben sich hervorgetan, der inzwischen verstorbene 2. Vorsitzende des Verschönerungsvereins Karl Schwenk in der Remmeltstraße, sowie der unermüdliche heute noch treu gebliebene Kassierer Frickhofer, welcher heute noch für die Instandhaltung der Ruhebänke sorgt. Hauptlehrer i. R. Wilhelm Nilges, heutiger 1. Vorsitzender des Verschönerungsvereins, pflegt heute noch die Blumenbeete am Friedhofsplatz. Weitere treue Mitarbeiter waren Eugen Duppy, Karl Brummer und Lehrer Deubner, der es als Fachmann die Anlagen fachgerecht anzulegen. Unser damaliger Gemeindefriedhofswärter, Josef Sturm, hat unseren schönen Friedhof mit viel Mühe und Fleiß gepflegt und verschönert. Alle, die bei der Dorfverschönerung mit Hand anlegten, sollen in dankbarer Erinnerung bleiben. Für die mühevollen Arbeiten wurde unsere Gemeinde belohnt. Sie wurde 1962 erster Kreissieger und 1963 erster Bezirkssieger. Zwei Siegerurkunden, welche heute noch auf dem ehemaligen Bürgermeisteramt hängen, sind Zeugen vom Schönheitssinn der Bewohner unseres schönen Heimatdorfes Mensfelden.
Heute, nach zehn Jahren, sind die alten Erinnerungen noch wach geblieben, aber inzwischen hat sich vieles geändert. Zurückblickend kann man nur noch mit dem Heimatlied antworten!
Die alten Straßen noch, die alten Häuser noch, doch die alten Freunde sind nicht mehr.
Brand der Zehntenscheune
✍ Autor(en):
Gerd Hasselbach (2025)
David Diefenbach (2025)
Am frühen Morgen des 3. August 1953, gegen 8:15 Uhr, brach in Mensfelden in der sogenannten „Zehntenscheune“ ein verheerendes Feuer aus. Die alte Liebschersche Scheune in der Unterstraße war der Ausgangspunkt eines Großbrandes, der in kürzester Zeit auf vier weitere historische Scheunen übergriff. Die trockene Witterung und das in großen Mengen eingelagerte Stroh und Futter führten dazu, dass sich die Flammen rasend schnell ausbreiteten. Innerhalb weniger Minuten stand die gesamte Ernte der Dorfbewohner in Flammen, und auch angrenzende Wohnhäuser waren bedroht. Menschen und Tiere konnten zum Glück rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, sodass es keine Todesopfer gab.
Die Löscharbeiten gestalteten sich extrem schwierig. Der größte Gegner der Feuerwehr war nicht das Feuer selbst, sondern der akute Wassermangel im Dorf. Zwei Zisternen, die eigentlich für den Notfall vorgesehen waren, waren binnen kürzester Zeit leergepumpt. Die Feuerwehrleute waren gezwungen, mit Eimern und Schläuchen Wasser aus bis zu zwölf verschiedenen Brunnen im ganzen Ort zu holen. Diese lagen verstreut in den entlegensten Teilen des Dorfes, was die Brandbekämpfung zusätzlich erschwerte. Die Einsatzkräfte aus Mensfelden und den umliegenden Orten – darunter Limburg, Diez, Oberneisen, Dauborn, Heringen und weitere – waren pausenlos im Einsatz. Zwei Feuerwehrleute erlitten bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen durch geplatzte Schläuche und Überhitzung.
Trotz aller Bemühungen konnten die historischen Scheunen nicht gerettet werden. Der Sachschaden wurde auf etwa eine halbe Million Mark geschätzt.
Der Zehnte diente ursprünglich der Kirche zur Finanzierung ihrer Aufgaben. Der Zehnte war eine Abgabe, die Bauern im Mittelalter und der frühen Neuzeit an die Kirche oder die lokale Herrschaft leisten mussten. Diese Abgabe betrug etwa zehn Prozent (daher der Name “Zehnte”) ihrer landwirtschaftlichen Erträge – wie Getreide, Vieh oder Wein. In Deutschland wurde der Zehnte erst im 19. Jahrhundert offiziell abgeschafft.
Der große Riss im Vereins- und Dorfleben ab 1964
✍ Autor(en):
Holger Schmidt (2025)
Die Vereinsabspaltung im Turn- und Sportverein (TuS) im März 1964 hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das Dorfleben. Die Gründung des neuen Vereins Turnverein Jahn Mensfelden führte auch in der Folge zu erheblichen Streitigkeiten und zu jahrzehntelangen Spannungen zwischen den Vorständen und Mitgliedern beider Vereine.
Diese Spaltung spiegelte sich in vielen Bereichen des täglichen Dorflebens wider – von der Schulzeit und Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen über das organisierte Vereinsleben bis hin zu den Gewerbetreibenden im Dorf. Bei Familientreffen wurde das Thema oftmals vermieden.
Die Hintergründe der Spaltung
Ein zentraler Grund für die Abspaltung war die Verschiebung der Interessen in der jüngeren Generation. Während das traditionsreiche Turnen und das Spielmannswesen rückläufig waren, erfreute sich der Fußball immer größerer Beliebtheit. Die Begeisterung für diesen Sport nahm in den 50er Jahren deutlich zu, insbesondere nach dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1954. Man kickte leidenschaftlich gern auf der Straße oder auf dem Fußballplatz und trat im Turn- und Sportverein in die Fußballabteilung ein. Zwei Seniorenmannschaften, eine Jugend- und eine Schülermannschaft nahmen in der Saison 1963/64 an den Punktspielen teil und erzielten gute Leistungen und zogen sonntags auch viele Zuschauer zum Sportplatz am Mensfelder Kopf. Dies führte in Mensfelden zu Konflikten innerhalb des bestehenden Turn- und Sportvereins, da die jungen Fußballer oft den Turnstunden und Proben des Spielmannszugs fernblieben. Insbesondere dem Turnen nahestehende Mitglieder sahen darin eine Bedrohung der Traditionen. Diese Konflikte waren auch in anderen Dörfern der Region nicht selten – den Unterschied zu diesen machte aber das traditionsreiche Bergturnfest des Turngau Mittellahn aus, welches jährlich auf dem Mensfelder Kopf veranstaltet wurde.
Ein entscheidender Moment war die Generalversammlung des TuS am 29. Februar 1964. Dort wurde Lehrer Hans Deubner nach dem angekündigten Rückzug von Hauptlehrer a. D. Wilhelm Stückrath zum neuen Vorsitzenden gewählt. Nur zwei Tage später rief über die Ortsrufanlage eine Gruppe „Freunde des Turnens“ überraschend für viele Mensfeldener zur „Neugründung des alten Turnvereins“ auf. Vielen Dorfbewohnern war nicht bewusst, dass diese Initiative maßgeblich auch von Nicht-Mensfeldener bzw. übergeordneten Institutionen unterstützt wurde, insbesondere durch den damaligen Turngau Mittellahn mit seinem Vorsitzenden K. Schutzbach und seinen Vorstandskollegen sowie einem befreundeten Rechtsanwalt. Der Turngauvorsitzende war ein großer Verehrer von „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) und hatte bei seinen Bemühungen zum Erhalt des Turnens in der Region stets auch das traditionelle Bergturnfest im Blick, welches der Turngau jährlich auf dem Mensfelder Kopf veranstaltete. Diese einflussreichen Berater propagierten unter den Mensfeldener Turnern die Idee, dass der TuS durch eine „erzwungene“ Fusion des Turnvereins von 1894 und des Sportvereins von 1922 während der NS-Zeit im Jahr 1938 unrechtmäßig entstanden sei, und motivierten Mitglieder der Turnabteilung und des Spielmannszuges, den alten Turnverein von 1894 rechtlich durch Neugründung eines separaten Vereins wieder aufleben zu lassen. Mit diesem Rückenwind des Turngauvorstandes legte man am 08. März 1964 als neugegründeter Turnverein Jahn Mensfelden förmlich Widerspruch beim Grundbuchamt des Amtsgerichtes in Limburg ein und bezeichnete sich als direkter Nachfolger und rechtmäßiger Eigentümer des Grundbesitzes des Turnvereins von 1894 und damit der alten Turnhalle. Untergründiges Ziel war wohl, das Eigentum an der damaligen Turnhalle zu erlangen, um diese dann der Gemeinde für den Bau einer bereits diskutierten Mehrzweckhalle ohne Vorrechte für den Sport zu übertragen. Dieses Unterfangen führte zu großem Unmut im Turn- und Sportverein. Mit Beschluss vom 16. März folgte das Grundbuchamt diesem Widerspruch allerdings nicht und wies diesen ab – der Turn- und Sportverein war der rechtmäßige Nachfolger des Turnvereins von 1894. Auch eine nochmalige Beschwerde hatte vor Gericht keinen Erfolg.
Wäre diese besondere Unterstützung des damaligen Turngauvorstandes nicht gewesen, wäre der Riss im Vereinsleben in Mensfelden wohl nicht entstanden. Dann hätte man, wie andernorts auch, eine vereins- und dorfinterne Lösung gesucht und wohl auch gefunden (Einschätzung des Verfassers Holger Schmidt).
Bürgermeister Walter Schwenk und Hauptlehrer a. D. und Ehrenvorsitzender Wilhelm Stückrath versuchten in den Folgemonaten zu vermitteln, stießen jedoch auf taube Ohren und mussten sogar Verleumdungen und Unterstellungen ertragen. Auch Landrat Wolf und Sportkreisvorsitzender Edgar Roth sowie Pfarrer Debusmann bemühten sich um eine Schlichtung. Trotz eines initiierten Treffens am 4. Mai 1964 auf dem Zollhaus, bei dem eine Rückführung der vom TuS-Vorstand zuvor ausgeschlossenen 16 Mitglieder, welche bei der Gründung des TV Jahn mitgewirkt hatten, diskutiert wurde, konnte keine Einigung erzielt werden. Der TV Jahn nahm das Angebot, bei Einstellung der eigenen Vereinstätigkeit, die Löschung der Austritte durch den TuS nicht mehr an. Das „Kind“ war in den Brunnen gefallen!
Die Bedeutung der Spaltung für das Dorf
Die Auswirkungen der Spaltung waren für Mensfelden weitreichend. Innerhalb von Familien entstanden Spannungen, da Mitglieder unterschiedlichen Lagern angehörten. Geburtstagsfeiern wurden oftmals zur Bewährungsprobe für den familiären Zusammenhalt. Auch das gesellschaftliche Leben im Dorf litt, da Spannungen sich auch in anderen Vereinen (Feuerwehr, Gesangverein, Landfrauen) und auch in der Kommunalpolitik zeigten. Spielmannswesen, Bergturnfest und Kulturveranstaltungen wurden von der Trennung erheblich beeinflusst.
Der Streit führte auch zu juristischen Auseinandersetzungen um das vorhandene Inventar (u.a. Musikinstrumente). Der Konflikt eskalierte, als der Turngau dem neugegründeten TV Jahn im August 1964 die Ausrichtung des traditionsreichen Bergturnfestes zusprach und damit dem TuS entzog, was diesen tief verletzte. Der TuS-Vorstand wandte sich mit einer 12-seitigen Beschwerde an den Hessischen Turnverband – jedoch ohne Erfolg. Das Bergturnfest wurde seitens des TV Jahn ausgerichtet und vom Turngauvorsitzenden dann auch in besonderer Weise zelebriert (belegt durch seine „pathetische Ansprache“ an die Turnerjugend am Sa., 29.08.1964 beim erstmaligen stimmungsvollen Höhenfeuer – siehe Bericht NLZ). Die Fehde wurde nun öffentlich ausgetragen, bis hin zu Wahlkampfparolen bei den anstehenden Kommunalwahlen im Oktober 1964: „Wer Liste 8 wählt, wählt den Bürgerkrieg“ war mit Farbe auf die Straße vor dem Wahllokal geschrieben. Auf der Liste 8 waren namhafte Turner zu finden.
Der Weg zur Versöhnung
Erst im Dezember 1964 kam es auf Einladung von Landrat Wolf zu einem Gespräch, bei dem sich beide Seiten auf ein Nebeneinander verständigten. Die Einigung war jedoch brüchig, und über Jahrzehnte blieben Spannungen bestehen. In den späten 60er Jahren baute der TuS in Eigenleistung eine neue Sporthalle, während der TV Jahn in den 70er das Recht zur Mitnutzung der alten Schule von der Gemeinde erhielt und ebenfalls mit großen Anstrengungen eine kleinere Turnhalle an die alte Schule anbaute. Die Ausrichtung des Bergturnfestes wurde vom Turngau Mittellahn neu überdacht und fortan in einem 2-jährigem Rhythmus an beide Vereine vergeben.
Ein erster Schritt zur Zusammenarbeit erfolgte beim Sportplatzneubau ab 1984 und bei gemeinsamen Jubiläumsbergturnfesten in 1986 und 1996, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten. Gerade für die jüngere Generation blieb es schwierig, da selbst Kirmesburschenjahrgänge sich auf komplizierte Kompromisse einigen mussten, um beiden Vereinen mit ihren z. T. zeitgleichen Veranstaltungen gerecht zu werden. Nicht unerheblich für eine bessere Kommunikation und die Minderung der Spannungen war das ab den 90er Jahren veranstaltete Dorffest des Ortsbeirates unter Beteiligung aller Dorfvereine.
In den 2000er Jahren wurde durch Bürgermeister Norbert Besier die im Dorf entstandene Idee eines Dorfgemeinschaftszentrums im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms in Mensfelden vorangetrieben. Auch wollte die Folgegeneration den Dorfkonflikt und teilweise auch das Engagement in den Vereinen selbst so nicht mehr weiterführen. So musste der TV Jahn aus personellen Gründen die Musikabteilung mit dem Blasorchester und auch die Ausrichtung des Bergturnfestes aufgeben, welche in den 60er zum Streit und zur Vereinsspaltung geführt hatten. Das Turnen insgesamt war in allen Dörfern stark rückläufig. Beim TuS bereitete der Fußball sorgen und man suchte in 2004 die Spielgemeinschaft mit Heringen, um weiterhin den Ball auf dem Meko rollen zu sehen.
2010 entstand nach langwierigen Planungsgesprächen schließlich die neue Erich-Valeske-Halle im Eigentum der Gemeinde, welche die Vereine bei Einbringung ihrer bisherigen Vereinsdomizile fortan für Sport und Geselligkeit gemeinschaftlich nutzen. In dieser Zeit gründeten sich in Mensfelden auch neue Vereine, die auch das kulturelle Leben mitgestalteten (VfaL und ZuKu). Die Übergangszeit zwischen Abriss der TuS-Halle und Neubau des Dorfgemeinschaftszentrums sowie der Einzug in die neue Halle war jedoch von erneuten Spannungen zwischen den beiden Sportvereine geprägt, die erst durch die Vermittlung von Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer und der Schaffung eines „Regelwerkes für das Miteinander in der Erich-Valeske-Halle“ in 2016 überwunden wurden.
Exkurs: Der gesamte Prozess in Überwindung der Dorfspaltung und das hierfür große Engagement der Mensfeldener in den Vereinen war mithin auch ein wesentlicher Grund für den Gewinn der Goldmedaille im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ in 2023.
Fazit
Die Vereinsspaltung von 1964 zeigt, wie tiefgreifend Konflikte über Tradition und Veränderung eine Dorfgemeinschaft beeinflussen können. Vor allem das Einmischen von Außenstehenden erwies sich als fatal, da es die Fronten verhärtete. Erst nach Jahrzehnten fanden die Vereine Wege zur Kooperation, wenn auch ohne vollständige Wiedervereinigung. Die Geschichte lehrt, dass Streitigkeiten offen und sachlich geführt werden sollten, um langfristige Gräben zu vermeiden. Wie Hauptlehrer a. D. Wilhelm Stückrath treffend sagte: „Schuld tragen wir alle!“ (Recherchen von Holger Schmidt)
Die Zeit der Corona Pandemie
✍ Autor(en):
Christina Weber-Reusch (2025)
Stephan Blödel (2025)
Nachdem am 01.12.2019 der erste Fall der Infektionskrankheit COVID-19 in der Volksrepublik China aufgetreten war, erreichte die Pandemie im Januar 2020 Deutschland. Es dauerte bis Mai 2023, bis die World Health Organization (WHO) den „Internationalen Gesundheitsnotstand“ aufhob. Nun, rund fünf Jahre nach Beginn der Pandemie sind weltweit bisher sieben Millionen Menschen in 234 Ländern an COVID-19 gestorben.
Die Zeit der Pandemie war auch für uns Mensfelderinnen und Mensfelder nicht einfach. Strenge Kontaktsperren, Schließungen von Schulen und Kindergärten sowie Ausgangssperren zur Bekämpfung der Pandemie stellten unser gewohntes Leben völlig auf den Kopf.
Aber wir wären keine Miesfeller, wenn wir nicht auch versucht hätten, unsere aktive Dorfgemeinschaft so weit wie möglich und unter Einhaltung der damaligen gesetzlichen Bestimmungen aufrecht zu erhalten. Bei der „Hausfreizeit“ des TuS Mensfelden im Jahr 2020 wurden die Zelte im eigenen Garten aufgebaut und dort übernachtet. Der Speiseplan mit Rezepten des Küchenteams wurde zum Nachkochen nach Hause geschickt. In kleinen Gruppen konnten die Kinder bei einer Fotosafari durch Mensfelden ihre Ortskenntnis unter Beweis stellen und bei einem Satzrätsel wurden Wald und Flur durchkämmt.
Da in diesem Jahr auch alle Faschingsveranstaltungen ausfallen mussten, wollten wir den Kindern wenigstens an Halloween die Möglichkeit geben, sich zu verkleiden und Spaß zu haben. Mit der einfachen Idee, abgepackte Süßigkeiten an Zäune, Tore und Hecken zu hängen, konnten viele Kinder und Erwachsene ein fröhliches Halloween feiern. Im Jahr 2022 nahmen bereits 32 Haushalte an der Aktion teil. Gruselig geschmückte Häuser, unheimliche Verkleidungen und das „Um die Häuser ziehen“ hatten ein neues Miteinander geschaffen. Inzwischen ist Halloween in Mensfelden eine feste Größe und ein neuer Höhepunkt im Herbst für Kinder und auch Erwachsene.
Aber auch unsere Kinder waren in der Zeit des strengen Kontaktverbots kreativ und hatten sich, ganz wie früher, gegenseitig kleine Briefe geschrieben oder Bilder gemalt und in die Briefkästen geworfen.
Der Ortsbeirat hatte den Seniorennachmittag als Abhol-Café für Kaffee und Kuchen organisiert. Es gab nach den Wünschen der Gäste gemischte Kuchenteller und „Coffee-to-go“. Und da man sich dort zufällig und an der frischen Luft begegnete, ergab sich das eine oder andere gute Gespräch. Ein Angebot, das auch der sozialen Vereinsamung in diesem Jahr entgegenwirken sollte und das sehr gut angenommen wurde. Im Jahr 2021 konnten wir „Draußen-Fasching“ und eine zweitägige „Draußen-Kirmes“ feiern.
Mensfelden rockt den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“
✍ Autor(en):
Holger Schmidt (2025)
Christina Weber-Reusch (2025)
Unser Weg zum Golddorf 2023 auf Bundesebene
Was für eine Reise! Alles begann 2020, als Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer die Idee im Rahmen der Dorfentwicklung hatte, die Hünfeldener Dörfer für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ins Rennen zu schicken. Die Ortsbeiräte aus Heringen, Kirberg, Mensfelden und Ohren meldeten schließlich ihre Dörfer an. Viel Papier war auszufüllen. Der Wettbewerb, der seit 1961 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, würdigt das Engagement ländlicher Gemeinden und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Stärken und Entwicklungskonzepte zu präsentieren.
Die Mensfelderinnen und Mensfelder packten in der Folge die Herausforderung voller Tatendrang an. Mitte 2021 wurde eine Steuerungsgruppe IKEK von der Gemeinde Hünfelden ins Leben gerufen. Dies nahm Mitglied Holger Schmidt zum Anlass über IKEK zu informieren und über dörfliche Themen von Mensfelden zu beraten und lud zu gemeinsamen Sitzungen (mit Maske und Abstand wegen dem Coronavirus) in die EV-Halle ein. Als dann parallel Anfang 2022 klar wurde, dass der Wettbewerb im Mai starten würde, musste alles ganz schnell gehen. Dank einer kleinen engagierten Vorbereitungsgruppe, die sich um Konzepte, Unterlagen, Präsentationen und die Organisation der Begehung kümmerte, war Mensfelden bereit – und das mit Erfolg!
Regionalwettbewerb – Mensfelden zeigt, was es kann
Am 11. Mai 2022 war es so weit: Die Bewertungskommission, bestehend aus Fachleuten unterschiedlicher Behörden und Verbände, besuchte Mensfelden. Zwei Stunden hatten wir Zeit, unser Dorf von seiner besten Seite zu zeigen – mit einer clever geplanten Route, informativen Stationen und einem durchdachten Konzept.
Die Jury bewertete die Dörfer in vier Fachbereichen:
Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen
Soziales Engagement und kulturelle Aktivitäten
Baugestaltung und Siedlungsentwicklung
Grüngestaltung und Bezug zur Landschaft
Unsere Route führte unter anderem zum Familienhof von Annika und Steffen Heckelmann, zur Erich-Valeske-Halle (DGZ) mit ihrem Jugendraum und dem lebendigen Vereinsleben von TuS, TV Jahn, Gesangverein, Landfrauen, ZuKu, Feuerwehr, Verein Gartenbau und Umwelt, Künstler u.v.m. zum Mensfelder Kopf (Naturschutzgebiet und Sportanlage), dem erneuerten Spielplatz in der Unterstraße und zur „Unnergässer Bank“. Auch die Kleine Kelterei von Claudia und Dennis von Mrozek, die Blumenschmiede der Familie Graumann und der alte Schulkeller mit dem Verein für Angewandte Lebensfreude sowie die ausgebaute Schulscheune und unser schönes Kirchengebäudeensemble in der Dorfmitte waren Teil der Präsentation bzw. des Rundgangs. Dabei verschwiegen wir nicht die Herausforderungen, die unser Dorf zu bewältigen hat, wie Leerstände ehemaliger Gewerbebetriebe (z.B. Gastronomie) und fehlende Einkaufsmöglichkeiten.
Aber auch die Chancen von Mensfelden in der Zukunft, aufgrund seiner hohen Zahl an Kindern und Jugendlichen. Bei strahlendem Wetter konnte an diesem Tag der Mensfelder Kopf mit seiner Fernsicht glänzen und Christina Weber-Reusch brachte der Kommission die vielen naturerhaltenden Maßnahmen im Einklang mit dem Besucherkonzept im Naturschutzgebiet näher.
Das Ergebnis? Mensfelden gewinnt den Regionalentscheid unter 13 Teilnehmerdörfern und sichert sich 5.000 Euro Preisgeld!
Die Freude war riesig, und das musste gefeiert werden! Am 17.07.2022 wurde die Siegerehrung mit einem bunten Rahmenprogramm am Alten Zollhaus bei uns in Mensfelden veranstaltet. Landrat Michael Köberle und weitere Bürgermeister begleiteten die Ehrung durch die Kommission. Musiker Jochen Vanscheidt aus Igstadt sorgte für Stimmung, und die Tanzgruppe „Experience“ des TuS zeigte ihr Können. Doch für Mensfelden war klar: Das war erst der Anfang!
Landeswettbewerb – Noch eine Runde, noch ein Erfolg!
Nach dem Erfolg auf regionaler Ebene ging es nur vier Monate später weiter: Der Landesentscheid stand an! Am 22. September 2022 besuchte uns eine neun-köpfige Jury, um Mensfelden erneut zu bewerten – diesmal im Vergleich zu zwölf anderen Dörfern aus ganz Hessen.
Leider hatte die letzte Einkaufsmöglichkeit mit der Bäckereifiliale Laux kurz zuvor endgültig geschlossen und wir machten auch dies zum Thema: „Diese Tür soll sich wieder öffnen“. Zusätzlich zu den bereits bekannten Stationen stellten wir diesmal die Kletterscheune mit dem alten Baumbestand von Alfred Lieber, den Hof von Erik und Jutta Marsen sowie den Mensfelder Streuobstgürtel vor. Auch hier konnten wir überzeugen – Mensfelden erreichte den 2. Platz in Hessen und gewann 6.000 Euro!
Zur feierlichen Preisverleihung im Januar 2023 reisten rund 60 Mensfelderinnen und Mensfelder nach Nieder-Moos im Vogelsbergkreis – die Gemeinde Hünfelden spendierte extra einen Reisebus! Die hessische Umweltministerin Priska Hinz überreichte die Auszeichnung, und als kultureller Beitrag begeisterte erneut die Tanzgruppe „Experience“.
Mit dem zweiten Platz auf Landesebene hatten wir uns für den Bundeswettbewerb qualifiziert. Jetzt wurde es richtig spannend!
Bundeswettbewerb – Ganz Hessen schaut auf Mensfelden
Bis zum großen Entscheidungstag im Juni 2023 wurde in Mensfelden auf Hochtouren gearbeitet. Wöchentlich traf sich das Organisationsteam, Präsentationen wurden erstellt, organisatorische Fragen geklärt und man machte Probefahrten mit Kleinbussen mit Zeitwächter im Dorf und zum Mensfelder Kopf - möglichst wenig sollte dem Zufall überlassen werden. Das gesamte Dorf half mit!
Eine ganz besondere Aktion: Die Landfrauen um Annika Heckelmann nähten über Wochen hinweg aus Stoffresten eine kilometerlange Wimpelkette, welche die Straßen der Dorfmitte schmückte. Außerdem wurde ein eigenes Mensfelden-Lied auf die Melodie von „Go West“ von den Pet Shop Boys getextet – ein echtes Gemeinschaftsprojekt!
Am 22. Juni 2023 war es dann so weit. Die Bundesjury reiste mit einem eigenen Reisebus an, und wir hatten drei Stunden Zeit, unser Dorf zu präsentieren. Felix Heckelmann hielt eine tolle Begrüßungsrede:
Es hat mal jemand gesagt: An den Frieden denken, heißt an die Kinder denken. Vielleicht könnte man auch sagen: An die Zukunft denken, heißt an die Kinder denken. Darum stehe ich heute hier, in Vertretung für alle Kinder. Mein Name ist Felix Heckelmann, ich bin 12 Jahre alt und wohne hier auf dem Familienhof. Ich bin der älteste von vier Kindern und träume davon hier meine Zukunft zu gestalten. Ich habe heute die große Ehre sie ganz herzlich zu unserem großen Tag, Mensfelden, unser Dorf hat Zukunft begrüßen zu dürfen.
Neben den bereits bekannten Stationen kamen diesmal auch die neueren Projekte Saisongärten von Gerd Hasselbach und Dorfbrunnen von Robert Krebs hinzu. Sabine Winterwerber stellte die kirchlichen Aktivitäten vor.
Eine besondere Unterstützung: Die Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn gab den Mensfelder Schülerinnen und Schülern frei, und auch der Kindergarten war mit dabei. Die Feuerwehr sorgte für eine reibungslose Durchführung. Zum großen Finale versammelten sich zahlreiche Mensfelderinnen und Mensfelder vor der Kirche, um gemeinsam das Mensfelden-Lied zu singen. Die Kirmesburschen und -mädchen tanzten auf dem Kirchplatz, und bei Essen und Getränken wurde die erfolgreiche Präsentation im Anschluss gefeiert.
Tag der Entscheidung – Gold für Mensfelden
Als endlich das Ergebnis verkündet wurde, war die Spannung kaum auszuhalten. Egal, ob Bronze, Silber oder Gold – gefeiert wurde sowieso! Doch dann kam die Nachricht: Mensfelden gewinnt GOLD - Mensfelden ist Golddorf 2023!
Das ganze Dorf war außer sich vor Freude. Es gab eine große Party auf dem Alten Zollhaus. Radiointerviews, ein TV-Beitrag in der Hessenschau – plötzlich war Mensfelden überall! Und dann die große Frage: Was jetzt? Natürlich: Berlin!
Berlin, Berlin – Mensfelden auf großer Bühne
Am 26.01.2024 war es endlich so weit: 80 Mensfelderinnen und Mensfelder machten sich auf den Weg nach Berlin zur feierlichen Preisverleihung im Rahmen der Grünen Woche.
Zuvor wurde bereits im September 2023 ein Film im Dorf gedreht, welcher im City-Cube Berlin den rund 3.000 Gästen aus den 22 Teilnehmerdörfern gezeigt wurde - eine besondere Ehre für die sieben Golddörfer. Bei dieser großartigen Abendveranstaltung wurde die Goldehrung für Mensfelden von Bundesminister Cem Özdemir überreicht – ein unvergesslicher Moment! Mensfelden dankte mit einer beeindruckenden Performance der Tanzgruppe „Experience“. Auch in Berlin zeigte sich Mensfelden von seiner besten Seite: Am Stand des Landes Hessen, war man ebenfalls sehr stolz auf sein Gewinnerdorf auf Bundesebene. Es gab Interviews mit den Dorfrepräsentanten u.a. unserem Ortsvorsteher Stephan Blödel sowie Matina Schmidt und Claudia von Mrozek wie auch den organisatorischen Unterstützern im Hessenland.
Doch damit nicht genug- das Rahmenprogramm hatte es in sich! Eine Stadtführung durch Berlin-Mitte, der Besuch in der DZ BANK AG mit ihrer bedruckenden Architektur, eine spektakuläre Show im Friedrichstadt-Palast und eine Führung mit Besuch des Deutsches Bundestages und der Kuppel im ehemaligen Reichstagsgebäudes, Berlin hatte für Mensfelden einiges zu bieten.
Im März 2024 folgte eine ganz besondere Ehre: Silvia Scheu-Menzer, Holger Schmidt und Christina Weber-Reusch wurden als Repräsentanten von Mensfelden ins Schloss Bellevue eingeladen und vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier persönlich empfangen.
Mensfelden – Ein Dorf mit Zukunft!
Von der ersten Idee bis zum Besuch beim Bundespräsidenten – Mensfelden hat gezeigt, was mit Zusammenhalt, Engagement und einer starken Dorfgemeinschaft alles möglich ist. Dies hat auch die Jury so gesehen und die harte Arbeit, das Engagement, die aktive Bürgerbeteiligung sowie die innovativen Projekte der Mensfelderinnen und Mensfelder mit Gold belohnt. Ein Dorf, das anpackt, mitgestaltet und seine Zukunft selbst in die Hand nimmt. Und wer weiß? Vielleicht war das erst der Anfang!
Ein großer Dank gilt allen Mensfelderinnen und Mensfeldern, dem Ortsbeirat sowie allen Vereinen und Gruppierungen dafür, dass Mensfelden ein „Dorf mit Zukunft“ ist!
Das Kernteam/Organisationsteam von „Unser Dorf hat Zukunft“
Silvia Scheu-Menzer, Holger Schmidt, Christina Weber-Reusch, Esther und Doron Ben-Yehoshua, Steffen und Annika Heckelmann, Claudia von Mrozek, Markus Graumann, Robert Krebs, André Zeidler, Thomas Fischer, Stefan Doogs, Alfred Talaska, Karli Schneider, Brigitte Wiertz, Gerd Hasselbach, Jutta und Bernd Kalfhaus, Nicol Wallon sowie Claudia Kühn.
Im erweiterten Unterstützerkreis wirkten mit:
Stephan Blödel, Wolfgang Schwenk, Marcel Lange, Daniel Schumann, Erik Schumacher, Franz Krainer, Willi Schumacher, Hannah Schmidt, Uma Fischer, Sabine Winterwerber, Matina Schmidt, Corinna Zollmann, Ute Lange, Detlef Görke, Sophie Kloos, Jill Degen, Christine und Klaus Schumacher, Marlies und Frank Brunn, Dennis von Mrozek, Oliver Klapproth, Christof Hofbauer, Liliane Stock, Bernd Wahl, Lukas Völker und dazu viele weitere Helfer aus dem gesamten Dorf.
Übergeordnete Unterstützung auf dem Weg zum Golddorf:
Silvia Scheu-Menzer mit der Gemeindeverwaltung Hünfelden, Claudia Kühn (Amt für den ländlichen Raum des Landkreises), Hiltrud Schwarze, Regierungspräsidium Kassel – Leitung der Landesbewertungskommission.
Das „Mensfelden Lied“
Text: Detlef Görke/Esther Ben-Yehoshua
Melodie: Go West - Village People
1. Mensfelden - ist ein schöner Ort.
Mensfelden - hier will ich nie mehr fort
Mensfelden - hier macht das Leben Spaß
Mensfelden - hier gibt´s das grünste Gras
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
2. Zusammen - sind wir im Verein
Zusammen – sind wir nie allein
Zusammen – feiern wir ein Fest
Zusammen – weil es sich gut leben lässt!
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
3. Der Kirchturm - ist das höchste Haus
Darüber - schaut der MeKo raus
Der Meko - weit und breit bekannt
Schaut weit hinaus in unser Hessenland
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
Hallo, wir sind Mensfeldener
HALLO!
Besuch aus Südkorea
✍ Autor(en):
Christina Weber-Reusch (2025)
Am 18. März 2025 besuchte eine Delegation von 15 Personen aus der Provinz Gyeongsangbuk-do, in Südkorea, Mensfelden zu Fortbildungszwecken. Im Mittelpunkt stand ein Erfahrungsbericht zum Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Die behördlichen Mitarbeiter aus der südkoreanischen Provinz wollten verstehen, wie ehrenamtliches Engagement die Lebensqualität in ländlichen Räumen stärkt und welche zentralen Impulse eine nachhaltige Dorfentwicklung vorantreiben. In der Erich-Valeske Halle gab es eine ausführliche Präsentation zum Dorfwettbewerb, Einblicke in das Taekwondo-Training und eine Rundführung durch das Dorf. Die denkmalgeschützten Gebäude und das Alter unserer Kirche sowie die Sauberkeit des Ortes beeindruckten die Gäste besonders. Ein kurzer Abstecher in die „Kleine Kelterei“ eröffnete den Gästen spannende Details zur heimischen Saft- und Apfelweinproduktion. Ein eigens mitgereister Dolmetscher übersetzte alles fließend ins Koreanische und wieder zurück ins Deutsche, sodass keine Sprachbarriere entstand.
1250 Jahre Mensfelden
✍ Autor(en):
David Diefenbach (2025)
Ein ganzes Jahr im Zeichen der Geschichte, der Gemeinschaft und der Feierlichkeiten liegt hinter Mensfelden. Das Jubiläum zum 1250-jährigen Bestehen hat das Golddorf auf eine unvergessliche Reise mitgenommen, die im Juni in einem viertägigen Festwochenende gipfelte. Es war eine Zeit, in der das Dorf seine Wurzeln ehrte, seinen Zusammenhalt stärkte und bewies, wie lebendig seine Gemeinschaft ist.
Festlicher Auftakt am Alten Zollhaus
Den offiziellen Auftakt des Jubiläumsjahres bildete ein festlicher Silvesterempfang am Alten Zollhaus, zu dem der Ortsbeirat Mensfelden eingeladen hatte. Rund 200 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung, um gemeinsam auf den Beginn des besonderen Jahres anzustoßen. Der Standort bot dabei einen besonderen Vorteil: Die Anwesenden genossen einen weiten Panoramablick und konnten von dort aus das vielfältige Neujahrsfeuerwerk beobachten, das über dem gesamten Limburger Becken und den umliegenden Orten bis hin nach Limburg zu sehen war.
Erkundung der Gemarkungsgrenze
Bereits am 18. Januar fand die große Grenzbegehung statt. Unter der fachkundigen Führung von Günther Foth machten sich knapp 90 Teilnehmer auf den Weg, die 17,5 Kilometer lange Gemarkungsgrenze zu erkunden. Dabei kamen auch Schlepper-Gespanne zum Einsatz, die den Transport auf Teilstrecken erleichterten. Die Route führte die Wanderer zunächst zum ,,Roten Meer”, das, wie Foth erläuterte, bereits zur Gemarkung Heringen gehört.
Nach einer ersten Pause am Hermannshof ging es über den ,,Gaasesprung” weiter zum Hof Talwiese, wo das DRK Hünfelden die Teilnehmer mit einer stärkenden Erbsuppe erwartete. Die Wanderung führte von dort weiter bis zum Harvester Hof. Nach einer letzten Rast führte die letzte Etappe entlang der Grenze von Lindenholzhausen und Brechen-Niederbrechen nach Nauheim, wo der Tag am Hof Heckelmann seinen gemütlichen Ausklang fand.
Auf den Spuren jüdischen Lebens
Ein zentrales Anliegen des Jubiläums war die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Den Auftakt hierzu machte am 9. März der Rundgang ,,Spuren jüdischen Lebens in Mensfelden”. Unter der fachkundigen Leitung von Markus Streb folgten 145 interessierte Teilnehmer den Wegen der Familien, die einst ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft waren. Der Rundgang, dessen Inhalte maßgeblich vom Arbeitskreis ,,Spuren jüdischen Lebens in Hünfelden” miterarbeitet wurden, machte die Biografien und das Wirken der jüdischen Bürger greifbar und erinnerte an deren Schicksale.
Dauerhaftes Gedenken: Die Stolpersteinverlegung
Diese Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte fand am 11. März 2025 ihre Fortsetzung, als im Dorf Stolpersteine verlegt wurden. Diese kleinen Gedenktafeln aus Messing werden im Bürgersteig vor den letzten frei gewählten Wohnorten eingelassen, um dauerhaft an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. In der Sonntagstraße 12 wurde ein Stein für Amalie Rosenberg verlegt. In der Sonntagstraße 15 wurde an die Familie Besmann erinnert, namentlich an Berta, Salomon, Adolf, Siegfried und Johanna Besmann. Zahlreiche Bürger, Vertreter der Gemeinde und auch Nachfahren der Familie Besmann aus Israel und den USA nahmen an der Zeremonie teil. Ted Besmann, der Sohn von Siegfried Besmann, verlas ein kurzes Grußwort auf Deutsch. Schülerinnen der Freiherr-vom-Stein-Schule Dauborn trugen die recherchierten Biografien der Verfolgten vor und machten so die individuellen Schicksale greifbar. Im Anschluss gab es im evangelischen Gemeindehaus die Möglichkeit zum Austausch.
Eine historische Zeitreise durch 1250 Jahre
Den historischen Bogen über die gesamte Dorfgeschichte spannte die Veranstaltung ,,1250 Jahre Mensfelden – eine Zeitreise” am 4. Mai. In der evangelischen Kirche eröffnete Dr. Christoph Waldecker, der Leiter des Limburger Stadtarchivs, den Nachmittag mit einem fundierten Blick in die Vergangenheit. Ebenso wichtig waren jedoch die Beiträge von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern aus Mensfelden sowie Vertretern von Vereinen. Sie bereicherten das Programm mit persönlichen Einblicken, Anekdoten und Berichten über die Entwicklung des Dorflebens und schufen so gemeinsam ein vielschichtiges und lebendiges Bild von Mensfeldens Wandel im Laufe der Jahrhunderte. Im Anschluss lud der Ortsbeirat zu einem Umtrunk ein, der Gelegenheit für weitere Gespräche bot.
Rückblick auf das große Festwochenende: Vier Tage im Herzen des Dorfes
Das lange erwartete Festwochenende vom 19. bis 22. Juni 2025 übertraf alle Erwartungen und wurde zum strahlenden Höhepunkt des Jubiläumsjahres.
Donnerstag: Gemeinschaft bei Langer Tafel und Musik
Der Donnerstag markierte den Auftakt der Feierlichkeiten mit einem wunderbaren Symbol der Gemeinschaft: der ,,Langen Tafel” in der Kirchstraße. Unter freiem Himmel saßen Nachbarn und Freunde beisammen, teilten Speisen und Getränke und füllten das Dorfzentrum mit Lachen und Gesprächen. Es war ein Bild gelebter Dorfgemeinschaft. Als die Dämmerung hereinbrach, übernahm die Band Jentellmen die Bühne und sorgte mit ihrem Sound für den perfekten musikalischen Einstieg in ein langes Festwochenende.
Freitag: Blaulichtparty der Feuerwehr
Am Freitagabend verwandelte die Feuerwehr Mensfelden ihr Gerätehaus in den heißesten Party-Ort der Region. Bei der ,,Blaulichtparty” heizte DJ Tamino der Menge mit treibenden Beats kräftig ein. Bis tief in die Nacht wurde getanzt, gefeiert und jeder Brand – zumindest der durstige – an der Theke gelöscht.
Samstag: Von Dino-Rock bis Big Band Swing
Der Samstag stand ganz im Zeichen von Familien und Musikliebhabern. Tagsüber pulsierte das Leben auf dem Festgelände an der Erich-Valeske-Halle, wo ein buntes Bühnenprogramm die Besucher unterhielt. Am Nachmittag folgte dann ein in Mensfelden nie dagewesenes Spektakel: Die Dino-Metal-Band Heavysaurus eroberte die Bühne. Kinder mit Pommesgabel-Geste und ihre ebenso begeisterten Eltern rockten gemeinsam zu den familienfreundlichen Klängen. Den Abend gestaltete die renommierte ,,Big Band” des Jazzclub Limburg unter der Leitung des aus Mensfelden stammenden Benjamin Steil. Sie sorgte mit elegantem Swing und virtuosen Soli für eine stilvolle und mitreißende Atmosphäre und ließ den Festtag grandios ausklingen.
Sonntag: Festgottesdienst und Tag der offenen Höfe
Der Sonntag führte die Feierlichkeiten zurück zu den Wurzeln des Dorfes. Nach einem feierlichen Festgottesdienst auf dem Kirchplatz öffnete der historische Ortskern seine Pforten für den ,,Tag der offenen Höfe”. In den liebevoll geschmückten Anwesen präsentierten sich Vereine und Gemeinschaften, zeigten altes Handwerk und gaben Einblicke in die reiche Dorfgeschichte. Es war ein Tag des Entdeckens und Staunens, an dem Vergangenheit und Gegenwart auf das Schönste miteinander verschmolzen und der dank eines perfekt organisierten Busshuttles für alle Besucher entspannt erreichbar war.
Das Jubiläumsjahr 2025 wird als eine Zeit in die Dorfchronik eingehen, in der Mensfelden nicht nur seine Vergangenheit ehrte, sondern vor allem seine lebendige und starke Gemeinschaft feierte.
Die Mensfelder Glanzrenette – Hessische Lokalsorte 2026
✍ Autor(en):
Steffen Kahl, Pomologen Verein, Hessen (2025)
Christina Weber-Reusch (2025)
Geschichte und Wiederentdeckung
Mensfelden ist ein 1250 Jahre alter Ortsteil der Gemeinde Hünfelden im Landkreis Limburg-Weilburg. Am Rande des „Golden Grunds“, dem Gebiet zwischen Limburger Becken und Idsteiner Senke, welches traditionell reich an Obstzucht war, findet sich diese Lokalsorte. Der Arzt und Pomologe Diel hatte bereits um 1830 Kontakte nach Mensfelden und beschrieb u. a. den bis heute verschollenen Mensfelder Gulderling.
Die Mensfelder Glanzrenette ist erst 100 Jahre später aufgetaucht und 1938 von dem Pomologen Richard Zorn aus Hofheim abgebildet und beschrieben worden. Zorn erhielt sie von Kreisobstbauinspektor Karl Deußer (gebürtiger Mensfeldener), der die Sorte damals stark vermehrte. Zwischen 1929 und 1955 wurde die „Glanzrenette“ neben anderen Apfelsorten und einer Birnensorte als Tafelobst kistenweise dem Eisenbahnerverein Altenhundem im Sauerland geschickt.
Erst im Herbst 2004 wurde sie von dem ortsansässigen, inzwischen leider verstorbenen Vereinsmitglied und Imker Dieter Kees den heutigen Pomologen vorgelegt. Ihm ist es zu verdanken, dass die Sorte sowie der Obstbaumbestand in der Gemarkung Mensfelden gepflegt und bis heute erhalten geblieben ist. Die wenigen Altbäume der Mensfelder Glanzrenette wurden nach mündlicher Überlieferung im Jahr 1917 gepflanzt. Inzwischen ist die Sorte pomologisch gesichert sowie genetisch erfasst. Die Baumschule Schumann hat sie in der Vermehrung und trägt somit zur weiteren Verbreitung bei.
Sortenmerkmale
Typische Fruchtmerkmale
Größe/Form: Meist mittelgroß, flachrund, mittelbauchig, zum Kelch hin stärker abnehmend.
Schale: Glatt und glänzend, später leicht fettig werdend, zitronengelb, sonnenseits intensiv verwaschen rot. Schalenpunkte teils rot umhöft, teils Rostfiguren und einzelne Korkwarzen möglich.
Kelch: Geschlossen bis halboffen, von feinen Falten und kleinen Fleischperlen umgeben.
Stiel: Kurzer, holziger Stiel in tiefer und weiter Grube, strahlig fein bis grob gerissen.
Kernhaus: Kelchhöhle klein, dreieckig bis flach trichterförmig, Achse oben schmal, unten breiter oder offen, Wände ohrenförmig, glatt. Kerne mittelgroß, langgespitzt, vollkommen ausgebildet.
Fruchteigenschaften
Verwendung: Tafel- und sehr guter Wirtschaftsapfel.
Fruchtfleisch: Gelblich-weiß, mittelfest, süßsäuerlich, mild gewürzt und ausreichend saftig.
Besonderheit: Sehr hoher Polyphenolgehalt (somit meist verträglich für Apfelallergiker).
Reife/Lagerung: Reife Anfang/Mitte Oktober (druckfest), Haltbarkeit Januar bis März/April.
Baumeigenschaften
Wuchs: Mittelstark wachsend, Krone hochgewölbt, gut verzweigt.
Standort: Bevorzugt gute Böden mit ausreichender Wasserversorgung, sonst relativ anspruchslos. Für mittlere Höhenlagen empfehlenswert, gedeiht auch noch in rauen Lagen.
Ertrag: Reicher und regelmäßiger Ertrag.
Aktionstag zur Ernennung 2026
Am 26. Oktober 2025 fand ein Aktionstag zur Ernennung der „Mensfelder Glanzrenette“ als Hessische Lokalsorte 2026 statt. Der Pomologenverband fungierte als Veranstalter und Initiator der Kampagne und wollte damit auf die Lokalsorte aufmerksam machen sowie zum Erhalt der alten regionalen Obstsorte beitragen.

Bild: rechts, Gruppenbild Aktionstag zur Ernennung der „Mensfelder Glanzrenette“, Gerd Hasselbach, 2025
Kooperationspartner
Kooperationspartner der Kampagne 2026 waren die Gemeinde Hünfelden, die Baumschule Schumann, die Landfrauen Mensfelden, der Verein für Gartenbau und Umwelt e.V., der NABU Hünfelden, die Kleine Kelterei Mensfelden und die Kelterei Hoppe in Niederbrechen.
Ablauf der Veranstaltung
Fast 90 Personen fanden sich an der „Schönen Aussicht“, dem Standort des Altbaums, ein. Nach der Begrüßung durch die Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer stellten die Pomologen, insbesondere Herr Kahl die Mensfelder Glanzrenette vor.
Anschließend ging es weiter zur Baumschule Schumann. Dort erwartete die Besucher, die im Laufe des Tages immer zahlreicher wurden, ein buntes Programm und lokale Speisen und Getränke. Das Programm umfasste:
Eine Obstsortenausstellung und Obstsortenbestimmung der Landesgruppe des Pomologenvereins.
Eine Führung von Daniel Schumann zur Veredelungstechnik in der Baumschule.
Infos und eine Ausstellung zum Thema Streuobstwiese durch den NABU Hünfelden.
Regionale Leckereien der Landfrauen Mensfelden sowie Kostproben und Getränke der Kleinen Kelterei.
Ein Infostand des Vereins für Gartenbau und Umwelt Mensfelden e.V.