V. Umgebung

Die Mensfelder Gemarkung

Autor(en):
Walter Schwenk (1975)


Solange man unsere Dorfgeschichte verfolgen kann, ist auch unsere Gemarkung mit ihrer Gesamtgröße von 1035 ha als ein Ganzes mit dem Dorf zu sehen. Sie bot durch die Jahrhunderte vielen Heimat und Brot. Unsere

Gemarkung teilt sich auf:

  1. Ackerland ca. 750 ha = 3000 Morgen

  2. Wiesen und Weiden ca. 60 ha = 240 Morgen

  3. Wald ca. 100 ha = 400 Morgen

  4. Wege, Straßen u. Gewässer ca. 60 ha = 240 Morgen

  5. Dorfgebiet ca. 40 ha = 160 Morgen

  6. Öd- und Unland ca. 25 ha = 100 Morgen

insgesamt 1035 ha = 4140 Morgen

Die Dreifelderwirtschaft

Bis zum Jahre 1965, ehe die letzte Zusammenlegung (Konsolidation um 1963-1965) stattfand, hielt man von altersher an der Dreifelderwirtschaft fest, obwohl nach der ersten Umlegung 1927 sich schon Abweichungen bemerkbar machten.

Unter der Dreifelderwirtschaft war eine Dreifeldereinteilung zu verstehen. Winterung, Sommerung, Brache. Als Winterung bezeichnet man die Winterfrucht, Korn und Weizen. Als Sommerung, die Sommerfrucht, Gerste und Hafer, während das dritte Feld brach lag. Diese vier Fruchtarten waren bis etwa 1750 die einzigen Feldfrüchte, die zur menschlichen Ernährung dienten.

Das Brachfeld war bis dahin jeweils das Feld nach der Sommerfrucht. Waren Gerste und Hafer abgeerntet, blieb das Feld auf den Stoppeln ein Jahr liegen, bzw. ließ man es ruhen, allerding weidete man den Auswuchs ab. Im Juni des darauffolgenden Jahres wurde die Brache das erste mal wieder umgepflügt, daher auch der Name Brachmonat. Das zweite Umpflügen war im August, das dritte Umpflügen für die Wintereinsaat folgte im September - Oktober, auch Soodackern genannt.

Als vor zirka 200 Jahren der Kartoffel-, Rüben- und Kleeanbau eingeführt wurde, kam die verbesserte Dreifelderwirtschaft auf, indem man das Brachfeld als drittes Feld für Kartoffeln, Rüben und Klee verwandte. Bis zum 20. Jh., als der Hackfruchtbau noch nicht so ausgedehnt war, blieben auch noch einige Äcker, besonders die geringeren, als Brache liegen. Der dreijährige Turnus: Winterfrucht, Sommerfrucht, Brache, war eine gebundene Ordnung, die streng eingehalten wurde. Nach der Aussaat blieben die Felder für das Fuhrwerk geschlossen, da kein Weg in das geschlossene Getreidefeld führte. Erst mit der Ernte wurde das Feld geöffnet, was durch die Ortsschelle bekannt gemacht wurde. Wer früher mit der Ernte begann, wurde bestraft. Diese polizeilichen Anordnungen galten auch für die Wiesen, bis durch die Konsolidation 1927 mit einem Wegenetz das Feld geöffnet wurde.

Die Fruchtfolge wurde beibehalten, bis 1965 als die Zweitumlegung folgte, und man zu Großparzellen überging.

Unsere Gemarkungseinteilung war bis zur Zusammenlegung wie folgt:

  1. Das Bucherfeld, rechts und links vom Diezerweg, bis Mensfelder Kopf, welches zum ertragsreichsten Gemarkungsteil zählte, war ein Teil der Dreifelderwirtschaft.

  2. Der zweite Teil waren die Fluren rechts und links von der Bundesstraße 417 bis zum Zollhaus und die Fluren hinter dem Wald.

  3. Zur dritten Flur gehörten die Äcker rechts und links vom Zollhaus bis Gemarkungsgrenze Nauheim-Heringen, sowie rechts und links des Mühlbacherweges und die Fluren oberhalb des Dorfes nach dem Mensfelder Kopf zu.

Diese vorgenannte Dreifeldereinteilung wurde Jahrhunderte im Wechsel der Dreifelderwirtschaft (Winterung-Sommerung-Brache) beibehalten, bis die heutige große Planwirtschaft alles über den Haufen warf. Damit ist auch einr alte Tradition ausgestorben, denn früher trafen sich alle in einem Feld zur gemeinsamen Arbeit.

Unsere Wiesen

Die Wiesengründe waren der Dreifelderwirtschaft nicht unterworfen, aber auch hier verlief - die Arbeit nach bestimmten Rhythmus.

Früher, als es noch die kleinen Wiesenpläne gab, wurde die Heu- und Grummeternte vom Gemeindeparlament festgesetzt. Der Beginn des Mähens wurde durch den Polizeidiener mit der Ortsschelle bekannt gemacht.

Es ging nach folgender Reihenfolge: Zuerst wurden die Nebengründe gemäht. Einige Tage später, je nach Witterung, wurde durch die Ortsschelle verkündet, dass der Grund gemäht wird. Wieder einige Tage später, wenn das Wetter günstig war, wurde bekannt gemacht, dass die Lach bis zum Mühlbacherweg gemäht wird. Und zuletzt kam dann die Mühlbach und die Au (Aar) dran. So ging es traditionsgemäß in jedem Jahr. Schon im frühen Morgengrauen waren die Mäher mit ihren Sensen fleißig bei der Arbeit, wenns trocken war, wurde gewendet. Beim Heuen trafen sich alt und jung alle in Wiesengrund. Die Frauen und Mädchen hatten schöne Kleider an, ihre weißen bunten Kopftücher schimmerten im Sonnenschein. Aber auch die Männer, die jungen Burschen, ließen es an nicht fehlen. Es war ein unvergesslich schönes Bild, das bunte Treiben im Wiesengrurd zu beobachten, und auch später die hohen Heufuhren, wie sie schwankend dem Dorfe zurollten.

Dies alles gehört heute der Vergangenheit an. Es gibt nur noch wenige die im weiten Wiesengrund zu sehen sind, die modernen Heumaschinen und Ladevagen schaffen die Arbeit, und zur Bedienung der Maschinen ist nur geringe Zahl an Arbeitskräften notwendig.

Die fortschreitende Technisierung im zwanzigsten Jahrhundert hat mit seiner Schnelligkeit alles verändert, wie es vorher in der Geschichte kaum der der Fall war. Sicher hat es viele Verbesserungen gegeben, aber die Maschine bestimmt heute das Arbeitstempo - die Ruhe ist dahin. Trotz allem, der alte Wiesengrund mit seinen einzelnen Gründchen ist geblieben und hat auch noch seine alten Namen.

Namen der Wiesengründe

  1. Nebengründen

    1. Gerstengärten

    2. Vor dem Pfarrgarten

    3. In der Pfaffenbach

    4. Im kleinen Gründchen

    5. Im Weiberg

    6. Kalte Herberge

  2. Im Grund

    1. Am Schirlingspfad

    2. Im Grund

    3. Im Entenpuhl

    4. In der Seit

    5. Rechts Schafweg

  1. Lach bis Mühlbacherweg

    1. In der Lach

    2. Unterm Schafsweg

    3. In den Federn

    4. In dem Bruch

    5. Am Steg

    6. Im Anspen

  2. Mühlbach und Au

    1. In der Mühlbach

    2. In der Kling

    3. Am Klingerborn

    4. In der Au (Aar)

    5. In der Herbach

Heutige Flur- und Feldnamen (siehe Flurkarte)

Wendlingen Klingerkopf
Schlendereräcker Herbacherberge
Am Zwernweg Öhlmühle
Welgeswies Geisensprung
Herrnäcker Birnbaumgewann
Vor den Ulmen Pfaffenzehnten
Am Bucherweg Ulmengewann
Immelborngewann Am Heidenstock
Im Ahl Rechts u. links Hagerweg
Am grauen Stein An der Lehmkaut
Zwischen Diezer- und Bucherweg In der Gähgewann
Rechts u. links Bucherweg Über den Krautäcker
An der Baumschul Am Limburgerweg
In der Elzerbrück Hühnergärten
Am Kirberger Weg Im dunklen Gärtchen
Vor der Lach Am Flachterpfad
Über der Lach Fichtegewann
Ruländer Vor der Heck
Links Heringer Kirchweg Am Rabenbörnchen
Zwischen Heringer und Mühlbacherweg Am Gemeindestück
Links Mühlbacherweg In den Wolken
Kinkerling Unterm Rabenhörnchen
Steger Anwand Hahlheck
Bergkaut Am Salmonspfad
Im Hütchen Am Flachtergraben
Im Ludwiger Vor der Spitzgewann
An der Weidenstraß Spitzgewann
Hinter der Weidenborngewann Kurzgewann
Weideborngewann Dellgewann
Unter der Ampel Unter dem Dornbusch
Weideberg Am Dornbusch
In der Fußsol Kurzgewännchen Mensfelder Kopf
Lindenholzhäuserheck Über Breiteich
Im Boden Hinter Breiteich
In der Höhl Breiteich
Am Holzerstück Am spitzen Birnbaum
Längeloh Langgewann
Dornbusch Am Kasseufer
Am Holzerstock Sackpfeife
An der Nauheimer Hohl Vor der Heid
Hinter dem Zollhaus Auf dem Gleichen
Zu Hahn Am Hornelspfad
Nauheimer Anfuhr Am Hermeskopf
Halmax Am Steinweg
Pfaffenbach Im Kulmen
Pfarrgarten Am Helgenhaus (Heiligenh. )
Über dem Nauheimer Weg Ober dem Stock
An der Kirberger Straß Im Rippert
Im Forst Rechts und links Kuhweg
Hinter dem Heck In der Schwärzelswies
Zwischen Niederneiserweg u. Waldeck Im Bangert
Am Sandgraben Im kleinen Berg
Am Rederweg Am Nußberg
Ringgraben Waldeck
Am Oberneiserpfad Am Waldpfad
Zwischen Heringer- und Netzbacherweg Rechts Hohlerweg
Über der Mühlbach Hofegarten
Mühlbacherhohl Schaflücke
Rechts Mühlbacherweg Im Bangert
Moorsgarten Saure Wiesen
Am Auerweg Links Limburgerweg
Am Börnchen Rechts Hagerweg
Im Scheuerchen Bucherbühne
Auf dem Eltes Weiderbühne
Im Naßländer Am Zollhaus
Auf der Hohen Anwand Am Zöllerpfad
Am Volkesbaum Rechts Selzerweg
An der Hanbuch Am Pfaffenbacherweg
Zwischen Wald und Eichelberg Unter der Pfaffenbach
Am Eichelberg Über der Pfaffenbach
An der Auerhohl Im Kreuz
Auerberg  

Untergegangene Flurnamen, die noch in den alten Stockbüchern stehen

früher jetzt
Gringersteg Wiese im kleinen Grund
Gringerweg Weg nach Nauheim
Heiligenhaus jetzt Helgenhaus genannt
Oraniensteiner Hofgut In der Pfaffenbach und Pfaffenzehnten
In der Hube Im Forst, wo die ersten Ansiedlungen vermutet werden
In der Fuchshohl Links vom Stich der B 417
Im Keßler Acker rechts Salmonspfad
Mannenhof Im Schirling und Kappesstück
Nonnenhof Rechts Selzerweg
Bannzäunepfad Heutige Schwärzelswies u. Bangert
Schlendererhof Schlenderer Eckern u. rechts Lintererweg Name kommt von einem Hofbesitzer von Schlenderhan
Sauerbornsufer Rechts Stich B 417
Kringentheibt desgleichen
Acker am Lauskippel Stößt an den Pfad am Erbstiftshof Am Mensfelder Kopf u. Hornel
Löuskippelpfad desgleichen
Acker auf der Öhlamühl Geisensprung
Graf von Waldersdorff Rechts Weiderstraße
Hornthal Zwischen Mensfelder Kopf u. Hornel
Hornthalskopf Unter Pfarrers Ulmen
Erbenbachern-Hof Über der Mühlbach
Heuanwand In der Seit
In der Herbacher Mühl In der Herbach
Steinbruch am Hornthals Kopf Zwischen Mensfelder Kopf u. Wald
Erlebengewann Unter Salmonspfad
Beim Sichhaus Unterhalb des Hornels
Auerstraße Heute Auer bzw. Aarerweg

Die Gemarkung um 1724

Autor(en):
Walter Schwenk (1975)


Eine Karte der Gemarkung, befindet sich im beigelegten Anhang.

Beschreibung und Erläuterung zur anliegenden Karte

A. Ist der erste von dem Dietzischen gesetzte Stock am Heringerweg mit einem Schwartzen Sternlein bezeichnet Und von Churfürst Trierischer Seyth abgehauen worden. (Jetzt Ortsausgang Remmeltstraße oder Hehnerstraße)

B. Der 2te gesetzte Stock im Oberneiserweg rechter Handt. (Jetzt Ortsausgang Schwerzstraße)

C. Der 3te Stock obig Peter Sonntag Hauß am Wege. (Ortsausgang Sonntagsstraße - Diezerweg )

D. Der Heylbrunn an der Straß. (Am grauen Stein)

E. Ein abgehauener Stock an der Berger Heyd. (Längenleh)

F. Ein abgehauener Stock erster der rundig.

G. Der Scheidstock so Lindenholzhäuser und Mensfelder Gerechtigkeit von einander Scheidt.

H. Der Immelborn. (Die Grenzgewann links Lintererweg)

I. Furchenstein an der wiß. (Welgeswies)

J. Der Stein am blumenrother Hauß Endig.

K. Flachtergraben.

L. Stein gegen Lorbach. (Siedlung Geisel)

M. Stein gegen Niederneisen. (Dieser Stein ist noch vorhanden an der Grenze Hinter der Heck Grundstück Karl Helfrich, Mensfelden - Schwenk, Niederneisen auf Mensfelder Seite ist ein M eingemeiselt)

N. Stein an der Haarbach. (Herbach)

O. Eichelberg

P. Die Klingergewandt. (Am Klingerkopf)

Q. Der Müllenbach (Mühlbach)

R. Der Laachergrundt. (In der Lach)

S. Die Ölserbrücke an der Kirbergerstraß. (Elserbrück)

. . . . . . . . . . . . . . Linie Gemarkungsgrenze Gemarkung Mensfelden

Die Karte wurde am 30.12.1724 erstellt und das Original befindet sich im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden.

Die unter A, B und C genannten Stöcke zeigen die Ortsgrenze von Mensfelden

Die Handelsstraße von Kirberg (Jetzt B 417) führte zum Zollhaus und von dort unterhalb des Neubaugebietes Alter Selzerweg (Salzweg) - Rippert - Bucherweg und kurz vor Eckerweg in den Diezerweg. Der Alte Selzerweg wurde auch Diebweg genannt. Dort sollen, nach den Erzählungen, an dem Wegeeinschnitt,unterhalb der Grundstücke Hinkel und Becher, die Diebe und Wegelagerer die Fuhrleute überfallen haben.

Der Zollstock war an dem Wegeeinschnitt oberhalb der Wegegabelung Lintererweg-Bucherweg - Diezerweg und zeigte die Zollgrenze an. Deshalb auch heute noch die Flurbezeichnung Am Stock.

Der unter D bezeichnete Heilbrunn an der Straß soll in der jetzigen Flur Am grauen Stein, oberhalb des Grundstückes Kees gewesen sein. Direkt an der Handelsstraße.

Das Sichhaus (Krankenhaus) soll an der Grenze Freiendiez - Limburg gestanden haben.

Der Mensfelder Wald

Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Christian Mertens (HessenForst Weilmünster) (2025)
Christina Weber-Reusch (2025)


Der Mensfelder Wald, welcher knapp 100 ha groß ist, liegt nur zirka 400 Meter vom Dorf entfernt. Als einsames Wäldchen umgeben von Feldern und Wiesen liegt er auf einem sonnigen Südwesthang. Er wird als Mischwald gepflegt. Führende Baumart ist die Eiche, gemischt mit Buche und Edellaubholz. Die Fichte ist in den letzten Jahren auf Grund von Trockenheit und Sturm komplett ausgefallen, als Nadelbaumart hat die Douglasie übernommen.

Im Waldgebiet befindet sich ein alter Steinbruch. Dieser wurde in der Notzeit nach dem zweiten Weltkrieg angelegt wurde, um den großen Wegebau unserer Gemeinde zu erhalten.

Bis 1945 war der Wald dem Forstamt Hahnstätten, der Försterei Niederneisen bzw. Lohrheim zugeteilt. Nach 1945, als die neue Ländereinteilung erfolgte, als Mensfelden zu Hessen kam und Hahnstätten zu Rheinland-Pfalz, musste auch die Forstverwaltung sich dieser Trennung unterwerfen. Mensfelden wurde dem Forstamt Wörsdorf (in Idstein), unter Betreuung der Revierförsterei Heringen, zugeteilt. Heute betreut das Forstamt Weilmünster den Gemeindewald Hünfelden in der gleichnamigen Försterei die Waldflächen.

Unser Wald teilt sich in 13 Abteilungen (Distrikte) auf. Die Abteilungen 401 - 403 liegen rechts und links vom Tripperweg (Weg zum Mensfelder Kopf), und die Abteilungen 404 - 406 rechts und links vom Niederneiserweg bis hinter die Heck.

Der Eichelberg, auch Birkenkopf genannt, welcher von dem vorgenannten Waldstück durch den Oberneiserweg und einer schmalen Flurzunge getrennt ist, schließt die Abteilungen 408 - 411 mit Steinbruch ein.

Der größte Teil unseres Waldes in den Abteilungen 401 - 406, war bis 1946 Lohwald; d. h., man hat hier von altersher, jedenfalls solange es uns bekannt ist, die einzelnen Schläge abgeloht und die Lohrinde an die Gerbereien verkauft. Das Lohholz, bzw. die Lohwellen, wurden von den Bürgern als Brennholz gekauft. Der finanzielle Ertrag war sehr gering; nach Deckung der Waldunkosten blieb nur wenig übrig.

Man überließ den abgelohten Schlag der Selbsterhaltung, das heißt, der Niederwald musste sich durch den Stockausschlag wieder selbst fortpflanzen. Der Brennholzbedarf war durch diese Maßnahme keinesfalls gedeckt, so dass die Gemeindebürger gehalten waren, ihren noch fehlenden Brennholzbedarf in den Nachbarwäldern zu kaufen.

Die Gemeindebehörde sah schließlich ein, dass diese Waldbewirtschaftung keine Zukunft hat und entschloss sich, eine intensivere Waldkultur durch Neuanpflanzungen zu betreiben.

Im Jahre 1948 wurde mit einer Fichtenanpflanzung in Abteilung 406, links des Niederneiserwegs begonnen. 1950 wurden dann Abteilung 403 und ein Teil hinter der Heck (Abt. 405) mit 10.000 Lärchen bepflanzt.

Nach sechs Jahren (1956) folgte eine weitere große Aufforstung von 5 ha Niederwald in Hochwald. In der Abteilung 403, wurde ein Gemisch von Fichten, Douglasien und Weymouthskiefern angepflanzt.

Da damals das Brennholz noch sehr knapp und gefragt war, wurde der ganze Schlag, der aufgeforstet werden sollte, in Selbstwerbung kostenlos an die Gemeindebürger abgegeben. Das ersparte der Gemeinde viele Kosten und ermöglichte die Freilegung von 5 ha.

Eine weitere Aufforstung erfolgte im Jahre 1965, 4 ha in Abteilung 404 wurden in der gleichen Kulturart wie Abteilung 403 b angelegt.

Somit wurde der Wald, der bis 1947 ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde, um über 60 Morgen Hochwald bereichert.

Schon nach 8 - 10 Jahren konnte die Gemeinde in den neuen Kulturen, durch den Verkauf von mehreren tausend Weihnachtsbäume, erste Ernte machen Ein schöner Bestand aus verschiedenen Laub- und Nadelbäumen wuchs heran, der auch den folgenden Generationen eine Nutzung des Waldes in all seinen Facetten ermöglichte. Allerdings gab es auch in der Vergangenheit Abschnitte, in denen es, dem Wald nicht gut ging. Dank des unermüdlichen Einsatzes der Gemeinde, der Forstverwaltung mit ihren Revierförstern Leber, Trabusch, Ernst und Wiche, sowie den ehrenamtlichen Helfern aus Mensfelden konnte der Wald für die Zukunft gesichert werden.

Auch in der heutigen Zeit ist in der Gemeinde Hünfelden die Nachfrage nach Brennholz als nachwachsende Energiequelle hoch gefragt, und so wird auch im Mensfelder Wald ein Teil des jährlichen Brennholzes geworben. Neben der Nutzung des Waldes als Rohstofflieferant und seinen Aufgaben in den Schutzfunktionen (Luft und Boden), steigt das Interesse der Bevölkerung an Erholung und Entspannung.

Und was wäre unsere Gemarkung ohne Wald? Eine Landschaft ohne Reiz! Die Natur bietet uns einen wunderbaren Ausgleich in der Vegetation. Der Wald sichert unseren Wasserhaushalt und bietet Erholungssuchenden reine Luft und Ruhe. Das Ökosystem Wald ist ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. In ihm summt und brummt es, die Vögel singen und das Wild findet Schutz. Der Mensfelder Wald verdient unseren Schutz und Pflege, damit er auch zukünftigen Generationen erhalten bleibt.

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Karte: Mensfelder Wald, Forstamt Weilmünster, 2025

Im Walde

Drücken dich des Alltags Sorgen,

Geh, in den grünen Wald hinein.

Da kannst du ganz verborgen,

Dein Herz ausschütten fein.

Dort unter laubigen Bäumen,

Setz dich ins grüne Moos.

Dort kannst du beten, träumen,

Wirst deine Sorgen los.

Hör, wie die Vöglein singen,

Sie locken und musizieren!

Wie tausend Flüglein schwingen,

Im Reigen tirilieren!

Wenn dann der Wind die Saiten,

Streicht überm Lauf’ gen Dach

Schwingt alles sich im Reigen

Macht die stille Seele wach.

Dann ist‘s, als ob der liebe Herrgott,

All seine lieben Gäst

Eingeladen hätte, zu einem frohen Fest.

Drum helft den Wald erhalten,

Werft ihn nicht mit Unrat voll.

Er wird dir‘s immer danken,

Und fühlst dich in ihm wohl.

Der Mensfelder Kopf

Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Anne Kött, Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (2022)
Christina Weber-Reusch (2025)


Geschichte des Mensfelder Kopf

Ungefähr 6 km von den Lahnstädten Limburg und Diez entfernt, zwischen Aar und Ems, erhebt sich einer der letzten Ausläufer des Taunus nach Lahn hin. Der Mensfelder Kopf zu einer Höhe von 315 m. Er bietet dem Besucher, neben dem lieblichen Panorama des Limburger Beckens zu seinen Füßen, eine wunderbare Fernsicht, die sich bis zu den höchsten Gipfeln des Taunus und Westerwaldes erstreckt.

Am südöstlichen Fuße des Berges liegt das 1100 Einwohner zählende Dorf Mensfelden. Durch seinen Hausberg ist auch unser schönes Heimatdorf Mensfelden bekannt. Solange man unsere Geschichte verfolgen kann, schließt sie auch den Mensfelder Kopf mit ein. Er hat in allen Zeit viel Freud und Leid gesehen. Freude, wenn in der Johannisnacht das Sonnenwendfeuer in weiter Runde aufleuchtete und die Jugend bei frohen Reigen und Liedern im Feuerschein tanzte.Bis zum ersten Weltkrieg wurden auf ihm die Sedansfeiern abgehalten, und unter vaterländischen Reden und Liedern die deutsche Einheit gefeiert. Auch das große Kaisermanöver 1905, als Kaiser Wilhelm der II. zugegen war, ist als eine unvergessliche Erinnerung aufgezeichnet worden.

Heute, da man von den alten historischen Ereignissen nicht mehr viel wissen will, freuen sich noch Jung und Alt, wenn sie auf seinem Gipfel stehen und die Schönheit der Umgebung schauen dürfen.

Jedes Jahr, wenn das Bergfest Ende August auf seinem in der Nähe liegenden schönen Sportplatz stattfindet, reizt es die Besucher auch seinen Gipfel zu besuchen.

Viel Leid musste er auch schauen, wenn um ihn in den vergangenen Jahrhunderten die Kriege tobten und die Feuersbrünste lohten. Im dreißigjährigen Krieg hielten hier Freund und Feind Ausschau und planten ihre Angriffsziele. Im Jahre 1795, wie es in einem Bericht des Heimatblattes zu lesen ist, sammelten sich hier die Österreicher mit ihren Feldherren unter Erzherzog Karl zu dem gewaltigen Angriff auf die Lahnübergänge bei Limburg und Diez. Auch im zweiten Weltkrieg hatte hier die deutsche Wehrmacht eine Flugwache stationiert.

Heute tummeln sich täglich, insbesondere bei schönem Wetter, Touristen und die Spaziergänger der einheimischen Bevölkerung auf dem schönen Plateau. Bis vor dem zweiten Weltkrieg hatten die Segelflieger hier ihre Übungsstätte, heute kommen die sportbegeisterten Modellflieger und lassen ihre Modelle mit elektronischer Steuerung im Höhenwind kreisen.

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Zeitungsbericht: Der Kriegerverein zu Mensfelden errichtet ein Denkmal zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. auf dem Mensfelder Kopf, vom 28. März 1887

Das Naturschutzgebiet „Mensfelder Kopf“

Die Geschichte des Naturschutzgebiets

Auf dem Mensfelder Kopf wurde im Jahr 1998 das Naturschutzgebiet „Mensfelder Kopf“ mit einer Größe von rund 6,5 h ausgewiesen. Das Gebiet ist eingebettet in ein Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebiet mit einer Ausdehnung von 37 ha. Das FFH Gebiet ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 innerhalb der europäischen Union. Der „Mensfelder Kopf“ erhebt sich als Hügel über die von Landwirtschaft geprägte Umgebung, die an die Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz angrenzt.

Besonders hervorzuheben ist das Vorkommen der Besenheide (Caluna Vulgaris), das überregional von großer Bedeutung ist. Gleichzeitig wird das offene Gelände durch größere, strukturreiche Hecken bereichert, die wertvolle Lebensräume für zahlreiche Insekten, insbesondere Schmetterlinge und Heuschrecken, sowie für gefährdete Vogelarten bieten.

Die geschützte Heidelandschaft auf dem Mensfelder Kopf ist das Relikt einer historischen meist extensiv und kleinteilig bewirtschafteten und strukturreichen Kulturlandschaft. Diese Bewirtschaftungsweise, wie auch die Nutzung als Steinbruch für die Gewinnung von Bruchsteinen, heute noch sichtbar an den Kuhlen in der Landschaft, führten dazu, dass sich der Mensfelder Kopf historisch als kahler Bergrücken mit niedrigem Bewuchs darstellte.

Es ist ferner anzunehmen, dass das Areal auf dem Mensfelder Kopf auch als Schafweide genutzt wurde. Bis zum Ende der fünfziger Jahre wurde über viele Jahrhunderte hinweg Schafzucht in Mensfelden betrieben. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden bis zu 800 Schafe im Ort gezählt, welche vom Schäfer auf die Weiden außerhalb des Ortes getrieben wurden.

So konnte sich auf dem steinigen, mageren und sauren Boden die offene Heidelandschaft und ein Biotopkomplex aus seltenen und streng geschützten Pflanzen, Gräsern und Tieren entwickeln. Erst mit Beendigung der jahrhundertelangen historischen Nutzungsweise und der damit einhergehenden zunehmenden Verbuschung und der beginnenden Verwaldung geriet diese schützenswerte Heidelandschaft in Gefahr.

Die Wachstumsbedingungen für die Besenheide verschlechterten sich von Jahr zu Jahr. Die Anreicherung des Bodens durch den Nährstoffeintrag abgestorbener Pflanzenteile sowie der Stickstoffeintrag aus der Luft führten dazu, dass der Boden immer nährstoffreicher wurde. Gräser und Sträucher wie die Brombeere begannen die Heide zu verdrängen. Der Wald rückte immer mehr in das Gebiet vor und Baumarten wie Birke und Eiche begannen zu wachsen. Die Veränderung der klimatischen Bedingung und die Zunahme sehr trockener, heißer Jahre verschlechterten die Wachstumsbedingungen für die Heide zusätzlich.

Als Konsequenz daraus erfolgen nun regelmäßig umfangreiche Entbuschungsmaßnahmen und das Plaggen1 von Gebietsflächen. Zuletzt wurde im Jahr 2024 im Naturschutzgebiet geplaggt. Auch eine regelmäßige Mahd mit Abtransport des Schnittguts und die Beweidung durch Schafe und Ziegen erfolgt wieder mehrmals im Jahr durch einen Schäfer (Ulrich Schwenk aus Mensfelden). Durch die gewählten Maßnahmen werden dem Boden Nährstoffe entzogen und Freiflächen geschafften. Damit soll der Erhaltungszustand gewährleistet und eine positive Entwicklung des Naturschutzgebietes gefördert werden.

Seltene und schützenswerte Tier- und Pflanzenarten

Weitere seltene Pflanzen sind außer der Besenheide, der Haarginster, der Heidelöwenzahn aber auch der nur noch selten vorkommende Borstgrasrasen. Das Gebiet ist ferner reich an seltenen und schützenswerten Strauchflechten (Rentierflechten Cladonia).

Tiere wie der Schwalbenschwanz, Brauner Feuerfalter, Feldgrille, Zweifarbige Beißschrecke, Neuntöter, Nachtigall, Feldlerche, Zauneidechse und Sperber sind seltene Tierarten, die auf dem Mensfelder Kopf beobachtet werden können. Im Gebiet lebt auch eine Vielzahl an bedrohten und vom Ausstreben bedrohten Wildbienenarten.

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Bild: Besenheide, Claudia von Mrozek, 2025

Besucherlenkung

Im Rahmen der Besucherlenkung wurde 2023 in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hünfelden, dem Regierungspräsidium Gießen, Hessen Forst und dem Hessischen Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (HNLUG) ein Entdeckerpfad für Kinder ab dem Grundschulalter im Naturschutzgebiet eröffnet.

Eine Übersichtstafel „Geoblick“ des Geopark Westerwald-Lahn-Taunus erklärt die geologische Entstehung des Mensfelder Kopfes.

Schutzgebietsbetreuung

Seit Ausweisung des Naturschutzgebiets kümmerten sich die Mensfelder Bürger Dieter Kess und Philippe Trapp als ehrenamtliche Schutzgebietsbetreuer um die Pflege des Naturschutzgebietes. In den vergangenen 20 Jahren hatten die Beiden mit unermüdlichem Einsatz den gesamten Bereich vor der Verbuschung gerettet und das heutige Bild des Mensfelder Kopfes geprägt. Ohne dieses Engagement würde es die Besenheide heute dort nicht mehr geben. Im Jahr 2022 hatten die beiden den Staffelstab an zwei neue Schutzgebietsbetreuerinnen Matina Schmidt und Christina Weber-Reusch aus Mensfelden abgegeben. Zusammen mit dem „MEKO-Kümmerer-Team“ und dem NABU Hünfelden engagieren sich nun weitere Ehrenamtliche um den Erhalt des Naturschutzgebiets.

Was machen Schutzgebietsbetreuerinnen und -betreuer?

Sie können gemäß § 25 des Hessischen Ausführungsgesetzes zum Bundesnaturschutzgesetz von der Oberen Naturschutzbehörde (Regierungspräsidium Gießen) bestellt werden. Die Schutzgebietsbetreuerinnen- und betreuer erhalten einen Ausweis, der sie dazu berechtigt, die Naturschutzbehörde bei ihren Aufgaben im Außendienst zu unterstützen. In dieser Funktion sind ihre Aufgaben zum Beispiel die Information und Beratung der Besucher, die Aufklärung über Rechtsverstöße und die Klärung über geltende Vorschriften.

Geologie und Bodenbildung

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Bild: Blick vom Mensfelder Kopf, Christina Weber-Reusch, Mai 2021

Wie ist der Mensfelder Kopf entstanden?

Der Mensfelder Kopf liegt im südwestlichen Bereich der Lahn-Mulde, die als Teil des Rheinischen Schiefergebirges in südwest-nordöstliche Richtung verläuft.

Die zu Gesteinen verfestigten Sedimente der Lahn-Mulde sind im Erdaltertum in der Devon- und Karbonzeit zwischen 408 und 322 Millionen Jahren vor heute entstanden. Das Gebiet bildete damals den Boden eines flachen Schelfmeeres, das den Südrand eines Ur-Kontinents (Laurussia oder Old-Red-Kontinent) überflutete. Der Abtragungsschutt des Kontinents wurde von den Flüssen in das Flachmeer transportiert, abgelagert und später zu Gesteinen verfestigt. Hierbei handelt es sich um Taunusquarzit, auf dem wir hier stehen und Tonschiefer (u.a. Hunsrückschiefer). Die Gesteine wurden früher wie auch heute als Naturwerkstoff bzw. Dachschiefer abgebaut. Die Kuhlen auf dem Mensfelder Kopf und im umliegenden Wald sind Überreste von alten Abbaustellen und kleinen Steinbrüchen. Die Bruchsteine wurden beispielweise für den Bau von Häusern und Straßen verwendet.

Zahlreiche untermeerische Vulkane bildeten Inseln, die im damaligen tropischen Klima von Korallenriffen umgeben waren (der Massenkalk ist ein versteinerter Riffkörper, bei Villmar/Lahn eindrucksvoll aufgeschlossen und poliert). Das Gestein Keratophyr (Meta-Rhyolith, Porphyr) im Mensfelder Steinbruch sowie der Schalstein in Kirberg (Burgfelsen) sind Überreste dieser Inseln. Durch die untermeerische Verwitterung der vulkanischen Gesteine entstanden Roteisenerzlager, die früher in einer Vielzahl von Eisenerzgruben abgebaut wurden. Typische Gesteine des Lahn-Dill-Gebiets.

Bewegungen in der Erdkruste führten dann vor allem in der Zeit des Oberkarbons (zwischen 322 und 290 Millionen Jahren) zum Zusammenstoß zweier Kontinentalplatten, des Nordkontinents (Laurussia) mit einem Südkontinent (Gondwana). Durch die Kollision wurden das Meeresbecken und seine Gesteinsschichten zunehmend eingeengt. Die darin horizontal abgelagerten und zu Gesteinen verfestigen Sedimente und vulkanischen Gesteine wurden von den eingeengten Kräften zusammengeschoben, gefaltet, teilweise zerrissen und über die Meeresoberfläche hinausgehoben. Das „Variszische Gebirge“ einschließlich des Rheinischen Schiefergebirges war entstanden.

Der Feldberg im Taunus (881 Meter) ist eine der höchsten Erhebungen dieses Gebirges. Durch Verwitterung und Erosion wurde das Gebirge im Erdmittelalter wieder weitgehend abgetragen und teilweise von jüngeren Gesteinsschichten überlagert.

In der Erdneuzeit (65 Millionen Jahre bis heute) näherten sich die Land-Meer Verhältnisse sowie die Oberflächengestaltung des Festlands kontinuierlich den Verhältnissen der Gegenwart an. Zu dieser Zeit kam es unter anderem auch zu tektonischen Einbrüchen. Jenseits des Limburger Beckens, das sich zu Füßen des Mensfelder Kopfes erstreckt, sind im Nordwesten am Horizont Vulkankegel des Westerwaldes zu sehen.

© 2022 Anne Kött, HLNUG

Wie entsteht aus Gestein eigentlich Boden?

Im Laufe der Jahrtausende verwittert Gestein in seine mineralischen Bestandteile, kontinuierlich entstehen immer kleinere Teilchen und Gesteinskörner. Die ersten Pionierpflanzen wie Flechten und Moose siedeln sich auf dem Gestein an. Unmerklich vermischen sich abgestorbene Pflanzenteile und tierische Rückstände mit den zerkleinerten Gesteinskörnchen und unter der Mitwirkung von Bakterien und Pilzen entsteht schließlich die obere Bodenschicht. Hier auf dem Mensfelder Kopf enthält der Boden das zerkleinerte Gestein des Taunusquarzits. Dieses hat im Rückblick auf den Prozess der Bodenbildung einen wesentlichen Einfluss auf die Bodenbeschaffenheit. Die Verwitterung von Quarzit führt durch dem im Gestein enthaltenen hohen Anteil an Kieselsäure zu sauren Böden, den Pflanzen wie die Besenheide auf dem Mensfelder Kopf zum Wachsen benötigen. Durch die Verwitterung von Vulkangestein entstehen beispielsweise sehr fruchtbare Böden.

Was vor vielen Millionen Jahren seinen Anfang gefunden hat, führt in der Gegenwart dazu, dass die Heide hier bei uns wachsen kann.

O, Mensfelder Kopf

O, schönes Plätzchen Heimaterde,

Im Sommer, wenn die Heide blüht.

Wenn neben dir die stille Herde,

Grasend durch die Weiden zieht.

Dann tut der Wandrer gern verweilen,

Auf jenem schönen, stillen Ort.

Und niemand ziehts zum Weitereilen,

Von diesem schönen Gipfel fort.

Umringt von Wald und schönen Feldern,

Ragst du empor zu luftgen Höhn.

Du grüßt das weite Tal, die Wälder,

O, Mensfelder Kopf - wie bist du schön!


  1. ausgestechen eines Stück Oberboden↩︎

Der Hermannshof

Autor(en):
Walter Schwenk (1975)
Kirsten und Max Becker (2025)


Schon im Jahre 1960 siedelten die Eheleute Hermann und Elma Becker aus Oberneisen in das schöne Herbachtal. Sie nannten ihren Hof Hermannshof in dem Mensfelder Gemarkungsteil In der Herbach. Die Siedlung wurde 1959 gebaut und im Mai 1960 nach Fertigstellung bezogen. Der Hermannshof hat eine Größe von 34 ha und ist ausschließlich auf Rindvieh- und Schweinehaltung eingestellt.

Die Rindviehhaltung wird in einem Freiluftstall mit einer intensiven Weidewirtschaft betrieben, so da sich die Haupteinnahmen aus der Milch- und Fleischerzeugung ergeben.

Der Name Hermannshof wurde von dem Siedler Becker gewählt, weil schon drei Generationen den Vornamen Hermann haben.

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Foto: Der Hermannshof, Fam. Becker, 1975

1975 brachte sich dessen Sohn Herman-Jörg Becker als gelernter Landwirt in den Betrieb mit ein. Später führte er den Hof mit seiner Frau Martina Becker geb. Stange weiter, bis durch eine neue EU-Verordnung die Milchviehhaltung in dieser Form unattraktiv wurde. Die Tierhaltung wurde reduziert und 189 ganz aufgelöst. Der Ackerbau wurde im Nebenerwerb fortgeführt.

Tochter Kirsten Becker übernahm im Jahr 2015 die Landwirtschaft als gelernte Pferdewirtin Zucht und Haltung. Im Durchschnitt werde 20 Pferde (Pensions- und Zuchttiere) auf dem Hof gehalten. Seit 2015 findet auch das jährliche Hoffest am ersten Mai statt und wurde in der Region zu einem beliebten Wanderziel.

2023 heiratete Sie den Mensfelder Max Becker geb. Kloos, der mit ihr eine Gallowayrinder Zucht aufbaut. Zwei Jungtiere wurden 2022 angeschafft, im Jahr 2022 wurden die ersten zwei Kälber geboren.

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Foto: Der Hermannshof, Kirsten Becker, 2025

Der Tannenberghof

Autor(en):
Ruben Knapp (2025)


Mit der Flurbereinigung 1956 – 1957 siedele das Ehepaar Ernst und Else Kanigowski mit Ihren Kindern Brunhilde und Ursula, sowie den Eltern von Else Kanigowski, Wilhelm und Elisabeth Schumann aus.

Der Name „Tannenberghof“ entstand zur Erinnerung an die Heimat von Ernst Kanigowski, der 1945 von seiner Ostdeutschen Heimat Tannenberg in Ostpreußen vertrieben wurde.

Der Hof liegt nördlich von Mensfelden am Vicinalweg, der heutigen Mensfelder Straße L3448 nach Lindenholzhausen. Gemarkung: In der Höhl.

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Foto: Der Tannenberghof, Ruben Knapp

Der Betrieb wurde 1982 von Edgar und Brunhilde Knapp geb. Kanigowski übernommen. In den folgenden Jahren wurde der Betrieb umstrukturiert. Die Rindviehhaltung wurde aufgegeben und sich auf die Schweinhaltung spezialisiert.

Ende der 90er Jahre wurde dieser Betriebszweig durch den Speisekartoffelanbau ersetzt. Hierfür wurden 2004 und 2010 neue Halle für die Lagerung von Speisekartoffeln gebaut.

Seit 2008 wird der Betrieb von Ruben und Verena Knapp bewirtschaftet. Aktuell wird ein Teil der 2010 errichteten Halle zu einem Kistenkühlhaus für die Kartoffellagerung umgebaut. Lennen Knapp, die fünfte Generation, der Familie, befindet sich aktuell in der Ausbildung zum Landwirt um später einmal den Tannenberhof weiter zu bewirtschaften.

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Foto: Der Tannenberghof, Ruben Knapp

Hof Talwiese

Autor(en):
Walter Schwenk (1975)


Der Hof Talwiese ,gelegen in dem Mensfelder Gemarkungsteil, In der Fichtegewannt wurde am 6. August 1963 von dem Siedlerehepaar Karl-Heinz und Else Geisel bezogen. Als Beisitzer sind mit eingezogen die Eltern der Frau, Karl und Hermine Stotz. Das Siedlerehepaar bewirtschaftet heute 60 ha. Neben der ausgedehnten Viehhaltung (Weidebetrieb) mit Ammenvieh, Siloanlage und Grünland, dürfte auch der Fruchtbau zu ihren Haupteinnahmen zählen.

Die günstige Lage des Hofes an der Dreimarkergrenze: Mensfelden, Niederneisen und Flacht, gewährt eine gute Ausdehnung des Betriebes, weil immer mehr Bauernbetriebe aufhören.

Der Name Talwiese dürfte durch seine Tallage mit ausgedehnten Wiesengrund gewählt worden sein.

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Foto: Hof Talwiese, David Diefenbach, 2025

Der Harvesterhof

Autor(en):
Walter Schwenk (1975)


Der Harvesterhof wurde im November 1965 von dem Siedlerehepaar Horst und Rosel Weil aus Linter besiedelt. Bis 1972 zählte der Betrieb zur Gemeinde Linter, da aber der Hof in Mensfelder Gemarkung Im Ludwiger neben der B 417 liegt, ist derselbe 1972 an die Großgemeinde Hünfelden Ortsteil Mensfelden übergegangen.

Er dürfte heute mit einer Größe von 70 ha. zu den größten Aussiedlerhöfen des Kreises zählen. Das Siedlerehepaar Weil betreibt eine ausgesprochene Milchwirtschaft mit intensiver Silagefütterung. Von der großen Siloanlage, Harvester Silo bekam der Hof seinen Namen.

Neben der Viehhaltung betreibt das Siedlerehepaar Weil einen intensiven Getreidebau. Die günstige Lage an der Zweimarkergrenze Mensfelden-Linter verspricht durch die Auflösung weiterer Kleinbetriebe in den beiden Gemeinden eine weitere Ausdehnung des Betriebes.

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Foto: Der Harvesterhof, 1975

Der Heilbrunnen zu Mensfelden

Autor(en):
Walter Schwenk (1975)


Wie aus mehreren Berichten aus dem Jahre 1692 hervorgeht, war im Mensfelder Territorium unter dem hiesigen Fürstl. Nassau-diezischen Zollhaus, mitten im Weg nach Limburg, auch benannt untig dem Mensfelder Kopf, ein Heilbrunnen (Mineralbrunnen). Dieser Heilbrunnen auch Gesundbrunnen genannt, hat jahrelang, angeblich seit 1678, den armen, kranken und schwachen Menschen als Erquickung gedient. Am 5. Januar 1692 wurde dieser Brunnen von dem Chur-Trierer und Waldeckischen Schultheiß Anthon Pretting in Mensfelden auf Anordnung des Amtmanns Freiherr von Hohenfeld von 14 Männern aus Mensfelden zugeworfen, damit das Wasser nicht mehr geholt und genossen werden könnte. Jedem war vorher, falls er nicht erscheinen sollte, 10 Gulden Strafe angedroht worden. Der oranische Schultheiß Johann Jakob Preußer erhielt von Diez die Order, die Übeltäter nach Diez zur Bestrafung zu bestellen, doch auf Anordnung des Amtmanns Freiherr von Hohenfeld erschienen sie nicht in Diez. Schließlich hat der Flachter Schultheiß auf seine Verantwortung den Brunnen wieder in Ordnung bringen lassen. Doch der Amtmann Freiherr von Hohenfeld gab abermals 18 kurtrierischen Männern unter Androhung hoher Strafe den Befehl, den Brunnen wieder zuzuwerfen. Hier ist in dem Bericht ausdrücklich erwähnt, dass sie gegen ihren eigenen Willen handeln mussten.

Es gibt verschiedene Gründe für diese frevelhafte Tat. An dem neuen Heilbrunnen ließ Nassau-Diez, dass die Landeshoheit in der ganzen Gemarkung beanspruchte, eine Geldabgabe erheben. Dies war den anderen Ortsherren von Mensfelden ärgerlich, da sie darin eine Erweiterung der Nassau-Diezer Rechte sahen.

Ein zweiter Grund war sicher, dass Kurtrier eine Konkurrenz für die ertragreiche Mineralquelle in Niederselters befürchtete. Wilhelm Lothar Freiherr von Hohenfeld, (1650 - + 1710) war damals gleichzeitig kurtrierischer Amtmann in Limburg, Villmar und Camberg. Er hatte im Amt Camberg, das je zur Hälfte Kurtrier und Nassau-Diez gehörte, die kurtrierischen Interessen zu vertreten, was, wie so oft in Gemeinschaften, immer wieder zu Reibereien führte. Sein Vater, Achatius Freiherr von Hohenfeld, der als Glaubensflüchtling aus Österreich gekommen war, hatte lange im Dienst von Nassau-Diez gestanden und hier reichen Besitz gewonnen, von dem nur der Amtshof in Camberg, die Höfe Hausen und Blumenrod und Höfe in Heringen und Neesbach genannt seien. Er war dann katholisch geworden und auch in Dienst von Kurtrier getreten. Von Nassau-Diez aus waren Vorwürfe gemacht worden, dass er mehr seinen eigenen Vorteil als den des Dienstherren gesucht hatte. So war das Verhältnis des Sohnes zu Nassau-Diez getrübt. Dazu kam als Hauptstreitpunkt zwischen Kurtrier und Nassau-Diez die überaus ertragreiche Mineralquelle von Niederselters. Nach den alten Verträgen war dort der Emsbach zwar die Hoheitsgrenze zwischen Kurtrier und Nassau-Diez. Kurtrier hatte jedoch ganz die Nutzung des Brunnens an sich gezogen, den Nassau-Diez ihm mehrfach vergebens zu entreißen versuchte. Als Opfer dieses Streites wurde der Heilbrunnen von Mensfelden wieder zugeschüttet.

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Dokument: Passierschein für Frantz Muth, Quelle:

Transkription: Passierschein

Von Gottes Gnaden / Wir Ernst / Landgraf

zu Hessen / Fürst zu Hersfeld, Graf zu Catzenelnbogen, Diez,

Ziegenhäin / Nidda und Schauenburg.

Demnach Vorweiser dieses Frantz Muth für drey

Personen auff hiesiger Fürstlich Residents

nach dem bey Limburg erfunden Heilbrunnen um

vonselbigem Waßer anhero zu bringen geschickt wird

Als ersuchen Wir aller Orts Obrigkeit / Kriegs-Officiers / Soldaten /

und männiglichen vorgesagten Frantz Muth

nicht allein allenthalben frey / sicher und ungehindert pahr- undt repassiren zu lassen /

sondern auch allen guten Willen und Beförderung zu erweisen. Welches Wir dann gegen

jetwerdern nach Stands-Gebühr hinwiederum zu verschulden und zu erkennen gans erbietig

verbleiben, Geben in unserer Veste und Residens Rheinfels den 28ten February 1692

Auf Fürstlich Heißen

Rheinfelßischer Commerschreibern

Der Bau des Gruppenwasserwerks

Autor(en):
Walter Schwenk (1975)


Wasserverband Mensfelden - Nauheim - Neesbach - Werschau

Nicht um der Ehre willen schreibe ich diese Zeilen, vielmehr, dass man noch einmal zurückdenkt, an das langersehnte, mit viel Mühe und harter Entschlusskraft, entstandene Werk. Ursprünglich gab es in Mensfelden nur Zieh- oder Schöpfbrunnen in den Gassen und Straßen, in der Sonntagsgasse, Schlimmgasse, Schwarzgasse, Mittelgasse (jetzt Remmeltstraße) und Untergasse (jetzt untere Neustraße). Nur gelegentlich ist einmal etwas über den Ausbau der Brunnen überliefert. So heißt es 1852, dass der Gemeindebrunnen in Carl Völkers Hofreite, der gutes Wasser hatte, so stark quoll, dass man von dort eine Röhrenleitung bauen konnte, um das Wasser voll auszunutzen. Zunächst bis zu Ecke der Kreuzgasse, bis an den Garten des Feldgerichtsschöffen Völker, von diesem Garten weiter bis an Gärten des Ph. Anton Käs, wo die Brunnenkammer angelegt werden sollte. Neben diesen Gemeindebrunnen entstanden immer mehr hauseigene Brunnen, so dass fast jedes Haus seinen eigenen Brunnen hatte. Dennoch betrachtete man dies als einen Rückstand. So suchten wir seit 1954 in Mensfelden nach Wasser, um endlich eine ordentliche Gemeindewasserleitung zu bekommen. Nachdem ich, als Bürgermeister, bei den chemischen Untersuchungen, welche alljährlich von dem chemischen Laboratorium Fresenius Wiesbaden durchgeführt wurden, erfahren habe, dass kein Brunnen ohne die gesundheitsgefährdenden Bazillen war, weil die Privatbrunnen nur eine Tiefe von 5 - 10 Meter hatten, und dadurch überwiegend nur vom Oberflächenwasser gespeist wurden, hat mich, sowie die damalige Gemeindevertretung zu dem überzeugenden Entschluss geführt, es als vorrangige Aufgabe zu betrachten, unsere Gemeinde mit hygienisch einwandfreiem Wasser zu versorgen. So durfte ich, wenn auch mit großen Schwierigkeiten, dank der Einsicht und Unterstützung der damaligen Gemeindevertretung, sowie des Amtes für Bodenforschung (Prof. Michels), des Landes und des Kreises, den Bau einer Wasserleitung in die Wege leiten.Was unseren Vorgängern, trotz großer Mühe und Kosten, nicht vergönnt war, durfte nun Wirklichkeit werden.

Im Jahre 1954/55 wurden die ersten Brunnen am Klingerkopf von der Firma Etschel und Mayer in Hofen, Bayern, gebohrt, mit einem Kostenaufwand von 60.000 DM, wovon die Gemeinde 40.000 DM als Darlehen aufnehmen musste. Der Haushaltsetat betrug ja nur 70.000 DM. In einer Tiefe von rund 120 Metern erreichten wir die Wasserader, die 6 - 7 Sekundenliter lieferte. Das reichte für die Versorgung von Mensfelden.

Inzwischen ist man jedoch seitens des Wasserwirtschaftsamtes und des Kreises auf den Gedanken gekommen, Mensfelden mit den restlichen Gemeinden Nauheim, Neesbach und Werschau, die im Südkreis auch noch ohne Wasserversorgung waren, zu einem Wasserverband zusammenzuschließen. Ende Januar 1956 wurde der Wasserverband Mensfelden, Nauheim, Neesbach und Werschau gegründet. Die Verbandsversammlung fand im großen Sitzungssaal des Rathauses Mensfelden statt, als Vertreter für den Verbandsvorstand wurden gewählt:

  1. Bürgermeister Walter Schwenk, Mensfelden u. Ernst Weil, Mensfelden

  2. Bürgermeister Heinrich Dankof , Nauheim

  3. Bürgermeister Karl Gros, Neesbach

  4. Bürgermeister Josef Arnold, Werschau

  5. als Kassenverwalter Karl Presber, Nauheim

  6. als Schriftführer Karl Kees, Mensfelden

Die Verbandsversammlung setzt sich aus 21 Mitgliedern aus den vier Mitgliedsgemeinden, sowie dem vorgenannten Vorstand zusammen. Aufsichtsbehörde waren der Landrat und das Wasserwirtschaftsamt als Vertreter der Landesregierung und Kreis, die bei Vorstandssitzungen und Verbandsversammlungen mitwirkten.

Um die Kapazität der Wassermenge für die vier Gemeinden zu gewährleisten, wurde auf Vorschlag des Geologen, Prof. Michels vom Hessischen Landesamt für Bodenforschung in Wiesbaden. noch im Jahre 1956 eine Bohrung in der Kiesgrube in Neesbach und später noch für einen zweiten Brunnen südlich des Dorfes Neesbach durchgeführt. Schon bei der ersten Bohrung, in einer Tiefe von 32 Metern, erreichten wir eine Wasserkapazität von 12 Litern pro Sekunde. Damit war die Gewähr gegeben, dass die Wasserversorgung für die vier Gemeinden gesichert war.

Der Beschluss wurde gefasst, mit dem Bau zu beginnen. Die Planung, sowie die Bauleitung, wurde dem Ing. Büro Max Niklas in Bad Homburg übertragen. Ende 1956 wurde der Plan dem Wasserverband vorgelegt, welcher mit einem Bauaufwand von 1,5 Millionen DM abschloss. Trotz einiger Beanstandungen seitens der Landesregierung, welche zu verschiedenen Änderungen des Planes führten und dadurch kostbare Zeit verloren ging, hatten wir endlich erreicht, dass Ende Mai 1957 der genehmigte Plan auf dem Tisch lag. Die Vergebung der Arbeiten erfolgte durch Ausschreibung: Als günstigstes Angebot für die Rohrverlegung erhielt die Firma Ernst Förger, Diez, und für den Bau der Pumpstation und der beiden Hochbehälter die Firma Albert Weil, Limburg, den Auftrag.

Die Wasserversorgung der vier Gemeinden war wie folgt geplant:

Von der Pumpstation Neesbach wird das Wasser in den Hochbehälter Kloßrain (Neesbach) gepumpt, von da aus werden die Gemeinden Neesbach und Werschau versorgt. Vom Hochbehälter Kloßrain bewirkt dann eine zweite Pumpstation die Wasserförderung zum Hochbehälter Nauheimer Kopf. Von da aus wird Nauheim und Mensfelden versorgt.

Am 5. August 1957, montags, als gleichzeitig der Männergesangverein 1837 Mensfelden, seinen 3. Festtag zum 120-jährigen Bestehen feierte, wurde in der Pfaffenbach bei Mensfelden unter feierlicher Mitwirkung des Männergesangvereins und des Spielmannszuges Mensfelden, der erste Spatenstich (symbolisch) getan und der erste Bagger in Betrieb gesetzt.

Als Gäste waren erschienen: als Vertreter des Landrats Regierungsamtmann Kiehl, als Vertreter der Kreisverwaltung Limburg Oberamtmann Grohmann, von der Bauleitung Ing. Wenzel und von den vier Mitgliedsgemeinen Kollegen Bürgermeister Dankof, Gros und Arnold. Mit den Worten: Gott segne dieses Werk und laß es wohl gelingen, gab ich dem Baggerführer das Zeichen zum Anfangen.

Bald waren drei Bagger an der Arbeit und mit dem Bau der Hochbehälter, begann das große Werk. Auch für mich als Vorsitzender des Verbandes begann eine harte Zeit, die mit vielen Sorgen, insbesondere in finanzieller Hinsicht, verbunden war. Die Beschaffung von einer Million Mark Darlehen war in damaliger Zeit mit großen Schwierigkeiten verbunden. Doch dank der Unterstützung des damaligen Ministerialrats und späteren Regierungspräsidenten Dr. Schubert von der Hessischen Landesregierung, konnten wir es schaffen.

Nach neunmonatlicher Bauzeit wurde am 1. Mai 1958 in einer Feier offiziell das Gruppenwasserwerk des Wasserverbandes Mensfelden, Nauheim, Neesbach und Werschau seiner Bestimmung übergeben. An der Pumpstation Neesbach konnte ich, neben zahlreichen Bürgern, die Vertretung der Hessischen Landesregierung, des Wasserwirtschaftsamtes, das hessische Landesamt für Bodenforschung, Prof. Michels, sowie vom Kreis Landrat Jäger, Medizinalrat Dr. Rompel, die Vertreter der Kirchen und Gemeinden, die Baufirmen und die Kollegen der Nachbargemeinden begrüßen.

Das Gruppenwasserwerk, das mit 1,5 Millionen Mark veranschlagt war, wurde mit Sorgfalt und Liebe gebaut. Möge es den 4 Gemeinden Glück und Segen bringen. Wir danken Gott, dass wir es ohne Unfälle geschafft haben. Auch allen Arbeitern, die mithalfen 16000 m Rohrleitung zu verlegen, die Pumpstation und Hochbehälter zu bauen, sei Dank. Nicht zuletzt sei die gute Zusammenarbeit mit der Bauleitung, dem Ing. Büro Niklas, meinen Kollegen vom Vorstand und der Verbandsversammlung lobend erwähnt. Trotz des Regenwetters konnte am Nachmittag bei feucht fröhlicher Stimmung ein schönes Wasserfest in der Turnhalle in Nauheim gefeiert werden.

Damit wäre wohl der Bau des Gruppenwasserwerks Mensfelden-Nauheim-Neesbach-Werschau geschildert und dokumentiert. Die Leser sollen aber auch mal wissen, wie ein solches Projekt mit 1,5 Millionen Mark finanziell möglich war. Nachdem sich die einzelnen Haushaltsetats der vier Gemeinden nur von 30. 000 - 90. 000 DM bewegten, will ich abschließend die Haushaltsrechnung des Wasserverbandes von 1956 - 1957, in dem das Bauprojekt sich abwickelte, aufzeichnen:

Rechnung für den außerordentlichen Haushalt

Nach den Haushaltsplänen für das Rechnungsjahr 1956 u. 1957 waren zusammen 1.500 000, -- DM für den Bau des Gruppenwasserwerkes vorgesehen:

Im einzelnen wurden angeordnet und nachgewiesen:

Einnahmen:
Beihilfe des Bundes ,00 DM
Beihilfe des Landes zu den Entwurfskosten ,00 DM
Beihilfe des Kreises Limburg ,00 DM
Beihilfe der Brandversicherung Wiesbaden ,00 DM
Beihilfen der Gemeinden
a) Mensfelden ,00 DM
b) Nauheim ,00 DM
c) Neesbach ,00 DM
d) Werschau ,70 DM
Anschlußgebühren
a) Mensfelden ,00 DM
b) Nauheim ,45 DM
c) Neesbach ,56 DM
d) Werschau ,00 DM
Spenden für Wasserfest ,00 DM
Darlehensaufnahme
1. Nassauische Sparkasse Wiesbaden ,00 DM
2. Nassauische Lebensversicherung Wiesbaden ,00 DM
3. Hessische Landesbank Ffm. (EgA Mittel) ,00 DM
4. Darlehen des Landes Grüner Plan ,00 DM
5. Darlehen des Bundes Grüner Plan ,00 DM
6. Kreissparkasse Limburg ,00 DM
7. Darlehen des Bundes Grüner Plan ,00 DM
8. Darlehen aufgenommen von der Gem. Mensfelden ,00 DM
9. Darlehen aufgenommen von der Gem. Mensfelden ,00 DM
Einnahmen zusammen 1.461.851,06 DM
Ausgaben
Brunnenverschachten ,91 DM
Brunnenbau Neesbach ,70 DM
Erdarbeiten ,95 DM
Wasserleitungsrohre ,36 DM
Hochbehälter ,70 DM
Baupläne und Bauleitung ,49 DM
Anschlußleitung (Außenanschluß) ,75 DM
Amaturen pp ,94 DM
Einrichtungen, Pumpen, Messer ,91 DM
Grundstückskäufe, Vermessungen pp ,80 DM
Sonstige Baukosten ,34 DM
Flurschäden ,56 DM
Wasserfest ,56 DM
Reisekosten ,00 DM
Fracht- und Fuhrlöhne ,11 DM
Wasseruntersuchungen ,00 DM
Gebühren für Darlehen (Disagio, Bereitst. Geb) ,78 DM
Bauleitkosten, Wasserwirtschaftsamt ,00 DM
Stromkosten ,00 DM
Rohrmeister ,75 DM
Sonstige Verwaltungs- u. Zweckausgaben ,61 DM
Ausgaben zusammen: 1.446.204,24 DM
Abschlußergebnis:
Gesamteinnahmen .851,06 DM
Gesamtausgaben .204,24 DM
Mehreinnahmen 15.646,82 DM

Der Steinbruch

Autor(en):
Basalt‑Actien‑Gesellschaft, BAG (2025)


Der Steinbruch in Mensfelden ist ein Produktionsstandort der Bergisch-Westerwälder Hartsteinwerke (BWH), einer Zweigniederlassung der Basalt AG aus Linz am Rhein. Seit ihrer Gründung im Jahr 1888 ist die Basalt AG eines der größten Baustoffunternehmen Deutschlands. Unternehmensschwerpunkte sind die Natursteingewinnung, die Herstellung von Asphaltmischgut, die Deponierung sowie der naturschutzfachliche Bereich für Folgenutzungen. Der heutige Steinbruch Mensfelden, der ca. 1 km südwestlich des gleichnamigen Ortsteiles liegt, wurde im Juni 1971 von der Gemeinde Mensfelden an die Schotterwerke Isselbach GmbH verpachtet. Rechtsnachfolgerin der Schotterwerke Isselbach wurde zum 02.01.2004 die Nassauische Mischwerke GmbH, welche am 01.11.2006 wiederum mit der BWH verschmolz. Das Abbaugebiet am Standort Mensfelden liegt laut dem Regionalplan Mittelhessen in einem Vorranggebiet für den Abbau oberflächennaher Rohstoff-Lagerstätten.

Das im Steinbruch Mensfelden gewonnene Gestein wird als Keratophyr bezeichnet. Dabei han­delt es sich um ein vulkanisches Gestein mit einem Alter von über 350 Millionen Jahren aus dem Erdzeitalter des Karbon. Der aus dem Keratophyr gewonnene Schotter wird vor allem als Grundlage für Asphaltmischgut im Straßenbau verwendet. Das Gestein weist im Aufschluss verschiedene Farbtöne auf, die von dunkelrot über weiß und gelb bis hin zu grün reichen können. Die Färbung des Gesteins entstand durch verschiedene geologische Prozesse und den Einschluss färbender Elemente wie dreiwertigem Eisen (Rotfärbung durch Rost).

Im Jahr 1973 wurde mit den Erschließungsarbeiten des Steinbruchgeländes begonnen. Die Genehmigungsfläche betrug damals ca. 10 ha. Durch den in früheren Jahren betriebenen Steinbruch der Fa. Behnert aus Idstein war ein kleiner Aufschluss bereits vorhanden. Mit der Gesteinsgewinnung konnte nach Erhalt der Abbaugenehmigung im Sommer 1975 begonnen werden, 1976 folgte die Splittproduktion. Synchron hierzu wurde die Asphaltmischanlage in Betrieb genommen, die mittlerweile abgebaut ist. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten in den 70er Jahren wurde die Abbau- und Verarbeitungstechnik stets weiterentwickelt, sodass der Steinbruch heute technisch auf hohem Niveau steht. Ist der Abbau einmal beendet, wird seitens der Betreiberin BWH mit der Umsetzung des Rekultivierungskonzeptes begonnen. Am Standort Mensfelden sieht dieses eine Verfüllung und Modellierung der ehemaligen Hügelkuppe mit gleichzeitiger Einrichtung von seltenen Sonderbiotopen wie einer Steilwand mit vorgelagerter Blockschutthalde vor. Während parallel weiterhin Gesteinsgewinnung stattfindet, ist ein Teil des ehemaligen Steinbruchgeländes bereits in der Rekultivierung begriffen. Hier entsteht eine Aufforstung mit heimischen Baumarten. So ist der Steinbruch jetzt sowie zukünftig ein biologisch wertvolles Sonderbiotop, das vielen seltenen und hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten einen in Deutschland immer seltener werdenden Lebensraum bietet. Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung kommt die BWH am Standort nach, indem sie den Steinbruch immer wieder als außerschulischen Lernort für Schulgruppen aus der Region öffnet und das Gelände mehrmals jährlich für Übungen der regionalen Einsatzkräfte (z. B. Feuerwehr und THW) und Rettungshundestaffeln zur Verfügung stellt.

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Luftbild: Der Steinbruch in Mensfelden am 11.07.2023
©B. Fischer, Basalt‑Actien‑Gesellschaft (BAG)